Wenn du nicht weißt, wo es zur Max-Schmeling-Halle geht, folge einfach den kleinen Mädchen im Basketballtrikot.
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Wenn mensch genau liest und hört, lassen sich normalerweise am Wahltag ab 15 Uhr ziemlich sicher Wahlergebnisse vorhersagen. Das ist ungefähr die Zeit, zu der die Journalisten die weitgehend fertigen Hochrechnungen kennen. Natürlich sagen sie die Zahlen nicht – aber sie formulieren Kommentare, Einleitungen und Erklärungen so, dass sie zum späteren Wahlergebnis passen werden.
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag passte das nicht. Da wirkte alles ratlos. Wie wir alle ab 18 Uhr.
Dass Friedrich Merz die CDU halbiert wäre im Normalfall ein gute durch ihn selbst hart erarbeitete Nachricht. Aber doch nicht so.
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Wir diskutierten, ob Max Weber Schicht- oder Klassentheoretiker war.
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Angesichts der Erinnerungen an 2022, als sich der Gaspreis des Kaptains innerhalb von wenigen Wochen versechsfachte, wechselten wir zähneknirschend den Anbieter: Teurer als bisher, geliefert von einem unsympathischen Großkonzern, aber mit 24 Monaten Preisbindung und weitgehender Sicherheit, dass der Anbieter groß genug ist, um das Gas auch 24 Monate liefern zu können.
Danke Reiche.
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Es war ein Triple-Familiensamstag und ein Chill-Klausurschatten Sonntag.
Wochenend-West
Es gab Geburtstagsbuffet. Es gab Schwarzwälder Kirsch ohne Kirsch, Prager Schinken mit Schinken und feine Salate. Wir feierten zia sociale in einer Fast-Gartenfeier, die aus dem Wohnzimmer heraus immerhin den Blick in den stürmischen Garten ermöglichte.
Mal redeten wir über Ärzte, dann über Schwimmkurse, gekappte Kabel, Verwandtschaftsgrade und Kirschwasserbestände. Baden in Berlin.
Rüdi, Mertiny und Edeka Autobahn
Von den vier möglichen Familienteilen SV, SM, MV und MM trafen wir an einem einzigen Samstag drei. MV war bereits anwesend, mittags fuhren wir mit MV zu MM und abends besuchten uns SM.
Die Familienherumlogistik führte uns erst mit der Basketballlokalpräsidentin an den Rüdi zu Mertiny, zwei Bücher abholen, zwei Briefe einwerfen und ein Souvenir der Basketball-Frauen-WM fast verlieren und dann tief in den Westen nach Spandau Süd.
Später setzen wir die Basketballlokalpräsidentin an der S-Bahn zur Max-Schmeling-Halle ab und begaben uns, mit dem Auto wie es sich gehört, ins Edeka-Autobahn-Wunderland. Wir bewunderten frische Lasagneblätter aus dem Kühlregal, Brioche-Toast-mit-Schokolade für den Toaster und Sauce Hollandaise von Werder. Was es alles gibt.
Inzwischen hatte ich auch recherchiert, dass der Edeka Autobahn zwar groß ist (Ein Edeka Center mit 3000 qm) aber gar nicht so groß (Edeka Tempelhofer Hafen, Edeka No. 1 in Steglitz oder der Markt in den Spandau Arcaden sind deutlich größer), aber Edeka Autobahn ist der personalintensivste und offenbar auch kundenvollste. Ich fühlte mich auf den 3000qm wie in einem engen Innenstadtmarkt, in dem ich quasi nirgendwo hintreten kann, ohne jemand im Weg zu stehen.

Inspiriert von einer Königsblau-Schüssel
Ich behauptete noch, dass Nolans Odyssey sich vor allem als Conversation piece eignet, weil ihn genug Menschen gesehen haben werden oder zumindest eine Meinung haben. Und worüber redeten wir tatsächlich: Jemand, der ich einmal war mit Sandra Hüller über Ingeborg Bachmann; ein Film, den ich nicht einmal gesehen hatte, aber die anderen drei Anwesenden. Beware of your bubbles.
Dr. D und Dr. E hatte es wieder nach Berlin verschlagen und wieder hatten wir das Glück sie bewirten zu dürfen. Wir bekamen Updates der letzten Monate, einschließlich eines Abschieds.
Inspiriert davon, dass die beiden sich zufällig in Potsdam auch eine Königsblau-Schüssel besorgt hatten, die im Rahmen von Suchthilfearbeit entstehen, sprachen wir ausführlich über Zieloffene Suchtarbeit1. Wie immer mit den beiden eine atemberaubende Tour de Horizon, die sich anfühlte wie das Sitzen in einem Frischluftstrom anregender Gedanken.
Lob der Physalis
Zur Feier des Tages spendierten wir (neben der Salat-Vorspeise und den Tagliatte mit Pfifferlingen-und-Gemüslichkeits-Pattison auch Creami-Eis vier unserer acht Prignitzer Physalis. Und es war augenöffnend? Oder mundöffnend?
Irgendwann in meinem Leben hatte ich schon einmal gelernt, dass viele mexikanische Rezepte auf Tomatillos beruhen, und, da diese in Deutschland schwer erhältlich sind, diese durch Physalis ersetzt werden können. Was sich mir nie erschloss, wie man aus den netten, aber vor allem kleinen und sauren Früchten ein ganzes Mahl zubereiten sollte?
Bis ich die Prignitzer Physalis aß: Größer als die Supermarktdinger, in der Form auch deutlich tomatiger und vor allem viel aromatischer: Säure war da, aber auch Tomatengeschmack und tiefe Fruchtigkeit. Diese Physalis würde ich sofort als Grundlage zum Kochen nehmen, wenn ich denn deutlich mehr als acht im Jahr davon hätte.
50 minutes of bliss
Am Sonntag folgte Aufwachen, Gammelfrühstücken und vom Schlafanzug direkt in Badehose und Bademantel. The Return of the Bademantelgang ist weiterhin hoch willkommen.
Zwischenzeitlich trafen wor noch neue, alte Kassenkräfte, die sich anscheinend ähnlich freuten, uns wiederzusehen wie wir sie. Und dann leichte Wellen, leichtes Kraulen (Madame macht erstaunliche Fortschritte bei ihrem Total-Immersion-Kraullernen, ich mache immerhin überhaupt war), starkes Aquajoggen und staunen darüber, dass es einen Schwimmstil Rücken-Ruderboot gibt, der zwei Bahnen auf einmal belegt.
Nach knapp einer Stunde ging es zurück, und das sonntägliche Rumgehänge war viel angenehmer, weil es sich mit leichter körperlicher Erschöpfung verband.
Ich freute mich, dass die beiden Vorsätze „Heute gehe ich Schwimmen“ und „Heute verlasse ich das Haus nur zum Müll-rausbringen“ in meinem Leben keinen Gegensatz mehr bilden.

Hängen und Klausuraufbau
Ich weiss auch nicht was passierte. Eigentlich wollte ich im Spätherbst, so November, in der erfahrungsgemäß schlimmsten Arbeitszeit des Jahres einfach eine Woche nach Stettin, in ein Hotel mit Pool und ein Zimmer mit Leseecke, in dem ich eine Woche lang lesen und paddeln kann und draußen Ostseeluft riechen.
Ja, und irgendwie ist das eskaliert: Sonntag buchte ich Bahntickets und Hotels in vier Ländern, weitab der Ostsee und ohne jeden Hotelpool. Weiß auch nicht, wie das passieren konnte.
Madame baute währenddessen für die Klausur auf. Sie musste ihre Schreibtisch leer räumen und das bedeutete, die Flöten zogen auf das Klavier.

In Gedanken bei P in Dessau und den Leuten in Halle, mit denen ich einst Konzerte organisierte
Ich wählte.
Sachsen-Anhalt wählte.
Ich wählte besser.
Auf der Fahrt nach Wochenend-West sahen wir die Wahlplakate von Kai Wegner, er traut sich tatsächlich noch in seinem Hometurf Kladow plakatieren zu lassen und für Ariturel Hack für die CDU im Westend. Madame suchte den Vornamen im Internet und erfuhr „Ariturel ist ein seltener Vorname, der vor allem durch den Berliner Politiker Ariturel Hack (CDU) bekannt ist.“ Ah ja.
Als es einige Minuten so richtig stürmte sahen wir, wie sich an der Heerstraße eines seiner Plakate wie ein Segel im Wind aufblähte, sich dann löste und schließlich davon flog. Es waren eindrucksvolle fünf Minuten Sturm.
Bei uns um die Ecke hingegen plakatiert eine andere in Berlin Prominente: Felor Badenberg, die CDU-Justizsenatorin. Denn unser Wahlkreis (Charlottenburg-Wilmersdorf 7) reicht nur knapp in den S-Bahn-Ring, kragt weit nach Süden und die großbürgerlichen Berliner Parkstadtviertel mit sicheren CDU-Mehrheiten aus.
Dank der grünen Wahlplakate wusste ich schon, dass ich morgens durch drei Wahlkreise radle, denn die Partei plakatiert drei Direktkandidat*innen.

Tempelhof-Schöneberg 2: „Zuständig“ für Südkreuz Offices und Ex-Wohnung in der Schöneberger Mitte und die Rathausgegend. In den letzten Jahren ein sicherer Grüner Wahlkreis in dem Martina Zander-Rade antritt und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Direktmandat gewinnen wird. Meine Kurzrecherche erbrachte für sie ein Profil als pragamatische Lokalpolitikerin.

Charlottenburg-Wilmersdorf 6: Das östliche Ende vom Innen-Ring-Wilmersdorf , vor allem mit dem Wilmersdorfer Teil des Bayerischen Viertels und Alt-Wilmersdorf. Für mich führt der schöne, grüne Teil des morgendlichen Radwegs durch diesen Wahlkreis, unser „gefühlter Kiez“ bei der Wohnung liegt in diesem Wahlkreis, nicht aber die Wohnung selbst.
In den letzten Jahren war ChaWi 6 ein umkämpfter Kreis zwischen Grün und CDU. Hier tritt Jakob Zimmer an, jung-aufstrebender Stadtplaner, der vor allem unter dem Motto der Flächengerechtigkeit antritt und wohl stark ein Kandidat für die Verkehrswende ist.

Charlottenburg-Wilmersdorf 7: Unser Heim-Wahlkreis: Schmargendorf, das Rheingauviertel (einschließlich seiner untypischen Teile nördlich der Autobahn) und noch ein paar Flecken um den Fehrbelli herum. Auch im Jahr 2026 noch sicheres CDU-Land. Isabell Blecher, als feministische eher linke Kandidaten im grünen Landesvorstand ist ziemlich chancenlos.
Links
Mein Misstrauen gegen den Business-Tech-Fortbildungszirkus ist groß. Aber ein „Certified Professional for Requirements Engineering“ kommt auf die Merkliste. Vielleicht könnte ich da was lernen, auf jeden Fall klingt es voll so als wüsste ich was ich tue.
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Trotzdem waren mein Sohn und ich diesen August für fast drei Wochen in Deutschland (aus japanisch-ex-deutscher Perspektive)
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Herr Rau über Aufstieg und Niedergang des Linksammelns
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Anmerkungen
- Die von Königsblau/Scarabäus explizit nicht verfolgt wird, von der Dr. D aber Verfechterin ist. ↩︎
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