26-10-24 Berittener Bialik

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Heute liest Rocky findet Rocky die Lesung im München mit finest of fine of Blogleseria statt. Viel Erfolg und Spaß!

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Am Straßenrand stand das Boot „Unsinkbar II“; was natürlich sofort die Frage aufwirft, was aus „Unsinkbar I“ wurde.

Im Flur stehen 40 Zeichenblöcke, die aufgrund fehlerhafter Arithmetik dort hingelangten.

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Madame traf die Wikipedia-Schreibwettbewerbsjury zum lockeren Vorabendgespräch. Soweit ich erfuhr, ging es unter anderem um die korrekte deutschen Bezeichnungen belgischer Gebietskörperschaften.

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Wenn der Friseur „Hair Lounge & Academy“ heißt, wünsche ich mir „Haareszeiten“ zurück.

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Es waren innerhäusliche Tapeverbandstage des aufkommenden Matschherbstes.

Goldener Herbst wird Modderherbst

In Zimmer grün

Die Nako lud mich wieder ein. Als ehrenvolles Mitglied der NAKO Gesundheitsstudie darf ich mich alle paar Jahre ins Klinikum Benjamin Franklin begeben, und mich dort im Namen der Wissenschaft einmal durchchecken lassen. An welcher Volkskrankheit werde ich wohl sterben? Und besteht ein statistisch relevanter Zusammenhang zu meinem vorher gemessenen Lebensstil?

Das aber ist noch Zufallsmusik. Vorerst beschränken sich meine medizinischen Termine auf Angelegenheiten in eigener Sache.

Donnerstag war Verbandswechseltag. Ich traf mal wieder größere Teile der Freien Universität in der U3, stieg in den Bus und fuhr zur Praxis. Dabei hoffte ich für alle Beteiligte, dass sie seit Montag wieder zu Atem gekommen waren.

So wie Rüdi again

Halbwegs. Es verlief alles geordneter, es fand alles so statt wie angesagt und am Empfang saßen, Halleluja, wieder zwei Personen. Andererseits war so ziemlich der erste Satz, den ich hörte, nachdem eine MFA vorher ziemlich energisch auf ihren Rechner eingetippt hatte von dieser: „Ich kann dich als Zeugin nennen, oder?“

Später dann der Versuch einer Patientin zu erklären, dass es Akutsprechstunden gibt und es diese Woche gar keinen Sinn hat, wenn der Bruder der Cousine der Patientin jetzt kommt, weil er so Schmerzen hat.

Danach Chicken McNuggets – Einhandessen.

Akhen gam zeh musar Elohim

Im Wartezimmer lese ich Bialik bzw. die Bialik-Biographie(?) von David Aberbach. Das Büchlein ist einerseits klein und schmal genug, um es bequem ins Wartezimmer zu nehmen und dort performativ zu lesen. Es ist sachbuchig genug, um schnell unterbrechen zu können, und es hat genug Substanz, um gegen die Wartezimmergewuselsablenkung bestehen zu können.

Ich staune wieder, wie wenig nicht-hebräische Literatur es über Autoren wie Bialik, sein Umfeld und die frühe säkular-hebräische Literatur gibt, die immerhin eine Sprache komplett neu erfunden haben. Bis ins 20. Jahrhundert hatte Hebräisch einen Status wie Latein oder Kirchenslawisch – als rituelle, „heilige“ Sprache, die im Alltag nicht vorkam. Dementsprechend ließ sich vieles was im Alltag vorkam, überhaupt nicht auf hebräisch ausdrücken. Autoren wie Chaim Nachman Bialik in seinen säkularen Gedichten haben Hebräisch als Umgangssprache überhaupt erst geschaffen.

Durchaus ein spannendes Buch. Leider zweifle ich an der Übersetzung seiner Gedichte ins Englische. Ich glaube schon, dass ich gelesenes Englisch gut genug beherrsche auch für voraussetzungsreiche Lyrik. Aber bei den Texten gleibe ich kalt. Steht hingegen mal eine lateinische Umschrift des hebräischen Textes daneben, denke ich – kein Wort verstehen – welche Klang! Wie toll sich nur die Worte, fernab jeder Bedeutung, anhören!

Spricht hier zufällig jemand hebräisch und deutsch und könnte mal ein kleines Bändchen mit hebräischen Lyrik-Klassikern ins Deutsche übersetzen. Ich wäre verbunden.

Kitchen rain

Während wir in Berlin abendlichen Butternut aßen, lief in Dithmareschen Wasser aus des Kaptains Deckenlampe in der Küche. Das soll so nicht sein. Zum Glück hatten wir schon vorher überlegt, mal wieder mit dem Ferienfuchs zu kommunizieren.

Bierpinsel, Rudolf-Wissel-Brücke, PHP

Donnerstag nahm mein Hoster es mit dem PHP-Patchen immer noch vergleichsweise gemütlich. Offensichtlich fing er erst Donnerstagfrüh überhaupt mit der Arbeit an, die sich bis Donnerstagabend zog. Mir war das vergleichsweise egal. Aber hätte ich eine Website laufen, bei der Verfügbarkeit von Relevanz wäre, wäre ich etwas angefasst gewesen.

Währenddessen verlief die Diskussion, der ich folgte auf technischer Ebene stark in zwei Richtungen:

  • Es ist alles viel schlimmer. Der Patch ist zu groß, zu komplex, der kann nicht alles beheben, und ähnliche Lücken sind schon bekannt aber nicht gepatcht.
  • Es ist alles nicht so schlimm. Zwar gibt es Millionen Angriffe im freien Web, aber bisher nicht einen, der nachgewiesen erfolgreich war. Der Bug ist schlimmer, liegt aber so im Programm, dass er sich in Real-World-Bedingungen nicht ausnutzen lässt.

Wahrscheinlich ist es kein Mittelweg, sondern beides stimmt. Die großen Lücken in PHP sind vorhanden, aber erst ausgewiesene Experten mit massivem KI-Einsatz auf sie losgehen, lassen sie sich knacken.1

Nicht-technisch fiel mal wieder auf, auf wie wackligen Beinen die digitale Welt steht. Die Entwicklung von PHP, der Sprache, die fast das gesamte World Wide Web wird im Wesentlichen von Freiwilligen getragen. Der gesamte Etat der PHP Foundation im Jahr betrug knapp 800.000 Dollar (8*105).

Im Vergleich, Anthropic, der Betreiber von Claude machte im Jahr 2025 einen operativen Verlust von 8.000.000.000 Dollar (8*109), oder 8 Milliarden oder das zehntausendfache vom kompletten PHP-Etat.2

Nichtschwimmer

Freitagabend klärten wir noch mit einem Dienstleister, welche Art der Dateianhänge unser Mail-Gateway mag und welche es nicht mag (seine).

Dann schrieb ein anderer Dienstleister, dass er kein PHP-, aber ein Java-Zertifikatsproblem hat. Wir checkten kurz, dass uns das wirklich nicht betrifft. Dann ausloggen.

Ein Berlinwochenende steht bevor, Madame hatte sich für den Abend abgemeldet, und ich dachte, dann kann ich ja ganz entspannt nach nebenan gehen und ein paar Runden plantschen.

Dann fiel mir ein, dass dabei ja die Orthese nass werden würde. Dann fiel mir ein, dass dabei ja die der Tapeverband nass werden würde. Dann fiel mir ein, dass es einen Grund gibt, warum ich Orthese und Tapeverband trage.

Verdammte Axt.

Also machte ich erstmal ein Nachmittagsschläfchen.

Draußenwelt

Aber immerhin: Solange ich mich im Radius der superleichten Belastungen innerhalb der Wohnung halte, entwickelt sich meine Fortbewegung schon wieder deutlich vom Humpeln in Richtung Gehen.

Auch machte ich das erstmal Mal seit zwei Wochen wieder etwas, was vage in Richtung kochen reichte, und was zu einer anderthalbhändigen Butternut-Tomatensauce zu Spaghetti führte.

Ich kann mir zumindest vage vorstellen, das Haus zu verlassen, weil es draußen schön ist.

Aber nicht Freitag. Ich nahm mir mein Buch, schaltete die Lesebeleuchtung an.

Dann – inspiriert von Buddenbohm:

Bach3

Allerdings blieb ich bei Leitungswasser statt Rotwein, sonst wären mir noch Cordsacko und Pfeife gewachsen.

Das Zimmer wirkt dunkler als es ist.

Vielleicht Göttingen?

Zu Bach der Berittener Bogenschütze.

Das Buch hatte ich einst im Aussortieren-Regal der Bücherei Wesselburen gesehen. Sein Klappentext sagte mir nichts. Die Autorin, Brigitte Kronauer, auch nichts. Aber es gehört zur SZ-Bibliothek; irgendein Mensch muss mal der Meinung gewesen sein, es sei ein Klassiker. Ein Klassiker, bei dem ich nicht mal den Namen der Autorin gehört hatte, reizte mich.

Dann stand es hier sehr lange rum, weil ich schon zum Klappentext keinen Zugang fand. Aber jetzt habe ich ja Ruhe und Zeit und kann lesen.

Das Buch schildert ein relativ langweiliges Leben eines mittelalten, nicht sonderlich sympathischen, Literaturdozenten, in den 1980ern in einer kleineren Unistadt, allein aus seiner Sicht. Dabei wird die Schilderung noch einmal distanziert, die Welt selbst also quasi in dritter Ebene erzählt, weil die Erzählstimme in der dritten Person spricht, eine stark verdichtete literarische Sprache benutzt und inhaltlich Mut zur Lücke besitzt.

What a Burner.

Etwa 100 Seiten, gelesen in kurzen Blöcken, benötigte ich, um mich nur in Sprache und Welt einzufinden. Oft genug verlor ich den Anschluss und wusste gar nicht mehr worum es geht, wer wer ist oder was nun geschildert wird. Es war ein wenig wie Kraulkurs mit Wasser einatmen.

Aber die Sprache faszinierte mich. Die zwar missmutige aber sehr präzise Beobachtung dieser 1980er Welt hat Appeal.

Selten bin ich so sehr versucht, Eselsohren und Klebchen in einem Buch anzubringen, weil ich mir Stellen und Formulieren merken will.

Und eine Frau schreibt die Gedanken eines Mannes, die zu einem größeren Teil daraus bestehen, Frauen zu betrachten, ist eine reizvolle Konstellation.

Dann kam Madame. Dann Bett.

Links

Die Kaltmamsell warf ein Stöckchen hin. Dann wollte ich antworten. Dann fiel mir auf, dass ich schon wieder jenseits der 1500 Wörter bin! Ich versuche es noch. Zumal in meinen Links noch eine ganze Woche hinterher bin.

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Nach langer Zeit haben meine Frau und ich wieder einmal eine Nacht durchgemacht und sind erst um 6 Uhr in der Früh ins Bett gegangen. Nur leider anders als früher. Nach einem kleinen Sturz gestern Abend kam meine an Alzheimer erkrankte Frau nicht allein vom Boden auf die flache Couch und verweigerte meine Hilfe lautstark.

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Herr Rau zeigt den Smartphone-Adventskalender für Schulen.

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Ich verbleibe im Rocky-Top-Rabbithole. Roy Clarke singt Rocky Top in der Muppetshow und spiel dazu Banjo und Mandoline und Geige und Gitarre. Das führt zu diesem wunderbaren Muppet-Chor bei Blue Bayou mit Linda Ronstadt. Und natürlich Dolly. Vermutlich ist das heute auch schon politisch kontrovers.

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Michael Palin macht immer noch TV-Reisereportagen; im Interview mit Bloomberg erzählt er:

„We were detained in Venezuela, and nobody knew what was happening. One of the paramilitaries asked who I was. Someone said, Try Monty Python. He found the fish-slapping dance. You had this table full of guys, heavily armed, shaking with laughter. After that we knew we’d be safe. It is my get-out-of-jail card. [Laughs]“

(via Johannes)

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Es gibt einen ICE Knuffingen!

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Die S-Bahn verwandelt sich in meinen Augen mehr und mehr zum “unteren Weg“ des Nahverkehrs (“You take the high road and i take the low road.“). Es dauert, aber man kommt durch. Es dauert, aber man durchfährt fremde Länder und Gegenden wie “Neuss Allerheiligen“.

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Anmerkungen

  1. Wer ein wenig rumnerden möchte, außerdem toller Comic, einer der Experten erklärt relativ allgemeinverständlich, aber auf englisch, was sie eigentlich taten: A tale of two PHP remote vulnerabilities ↩︎
  2. Ausführlicher zu den Shaky Foundation der Technik der modernen Welt: Wir stehen auf den Schultern vieler kleiner Giganten ↩︎
  3. Messe in h-Moll von Raphaël Pichon / Pygmalion via Qobuz. Nicht dieselbe Aufnahme wie das verlinkte Video, aber dasselbe Ensemble. ↩︎

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