Madame vergrub Trier. Rosa Trier.
Vor dem Frühstück buk sie Quittentarte.
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Selten war der Fünfuhrmorgensblick auf das Handy so erfreulich wie heute. USA! USA! USA! Wenn ich mich richtig erinnere, ist das seit Trump 1 die erste Wahl in der das weltweite MAGA-Lager nicht gerade so hauchdünn-schwierig eine Wahl verlor, sondern irgendwo zwischen „tectonic“ und „landslide“.
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Ein Madame O-Ton, von vermutlich 2018, war im NDR zu hören.
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Auf der schummrig beleuchteten Carl-Zuckmayer-Brücke saßen drei jungendliche Hexen.
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Es war ein vivaldiges Halloween-Wochenende.

Lesen von Enid Mumford
Ich arbeitete mich in den freien Stunden des Wochenendes im ersten Durchgang komplettemang durch das Fernuni-Modul zum Socio Technical Information Systems Design (STISD). Und während ich den eigentlichen Lehrbrief so okay finde, reizt mich das inhaltliche Thema.
Das STISD besitzt, zumindest in dieser Aufbereitung, geisteswissenschaftlich-theoretische Tiefe und eine informatisch-sozialwissenschaftliche Weltzugewandheit. Das im Modul gewählte Beispiel „Die Arbeitsagentur in der Kleinstadt Bad Rinderfeld führt einen KI-Chatbot ein“ wirkt mir auch erfreulich praxisnah.
Die Mischung mag ich. Das erste Mal seit vielen Jahren denke ich in Bezug auf mich selbst das Wort Ph.D. und hielt das hier für vage realistisch. Aber vorher stehen auf jeden Fall noch sechs Mastermodule, ein Seminar und eine Masterarbeit bevor ich darüber auch nur ansatzweise nachdenken sollte.
Er kam als Amateurboxer und blieb als Musikproduzent
Weil ich in wikipedantischer Mission gerade versuche, die Ursprünge des Hip Hop aufzuarbeiten, tauche ich ein wenig in die Soundsystem/Reggae/Toasting-Szene Jamaikas in den 1950er/1960ern/1970ern ein.
Damit betreibe ich eine Art zeitgenössische Archäologie im doppelten Sinne.
Ich erfahre, dass es damals eher rough zuging in der Szene und das zum Beispiel Prince Buster, der auch zu meinen Zeiten in den 1990ern noch als relevanter und auftretender Ska-Musiker in Punk-Kreisen galt, seine Karriere als Boxer/Türsteher/Security in den damaligen Soundsystem-Auseinandersetzungen im Kingston der 1960er begann.
Und vielleicht ist das hier der erste Rapper: U-Roy beim Toasting1, was dann in den USA Rap wurde.
Aber ich archäologisiere auch durch die Wikipedia. Denn ich betrachte Artikel und schaue, wann sie wie entstanden, wann Text hinzukam. Die meisten Texte bekamen ihren Hauptkörper zwischen 2009 und 2015. Nach 2015 nehmen die Bearbeitungen deutlich ab, danach ist es in fast allen Fällen nur noch Kosmetik und Formalia, die ergänzt werden.
Gerade aber bei den Jamaican Roots ist es anders, so wie es uns damals erwünscht haben: Viele der Artikel wurden 2005/2006 angelegt und ausgebaut. Und dann zwanzig Jahre später durch einen Nutzer umfassend ergänzt. Ein Dank an Weltalf, der seit 2008 dabei ist und immer noch fleißig inhaltlich den Artikelbestand pflegt.
T’was hallows night
Das dunkle Drittel des Jahres begann. Kaum war ich nach dem Sturz zu Paris mal drei Wochen mehr oder weniger wohnungsgebunden ist es draußen anders geworden. Schwärzer. Aber das reut mich noch nicht, denn ich kann und darf wieder raus! Ernsthaft: Nicht nur möglichst unkompliziert von A nach B, sondern so einfach draußen bewegen.
Zumal der Arzt zu meiner Überraschung das Fahrradfahren – „so lange sie nicht stürzen“ – freigegeben hatte. Ehre dem Fahrrad auf den Straßen. Also pumpte ich die bicicletta azurra erstmal auf, denn ein straffer Mantel ermöglicht leichtes Treten.
Nach den ersten Metern fiel mir dann auch auf, dass ein straffer Mantel straffes Fahren bedeutet und damit mehr Schläge auf das gerade-wieder-entprellte Handgelenk. Aber so it goes.
Die Kneipe in der Blissestraße war mit Spinnenweben verhängt. Beim Volkspark querte ein Fuchs vor mir die Straße. Die Hexen flogen tief an diesem Halloweenabend. Einige Geister traf ich, einige nicht-ganz klare Kostüme. Quasi durchgehend an Hand der Eltern. Auch wenn ich das in der Großtstadt nachvollziehen kann, tut es mir doch um die Kinder leid, die auch hier nichts alleine unternehmen dürfen.
Unheimlich auf andere Art: das stehende Auto aus dessen Lautsprecher laute Gruselgeräusche kamen und keine 10 Meter daneben im Dunklen auf der Bank eine eingesunkene Gestalt, in Decken gehüllt.
Anders unheimlich waren mir die vielen Kinder in dunkler Kleidung auf dunklen Wegen und Straßen. Wenn ich die selbst auf dem Fahrrad kaum rechtzeitig erkennen kann, will ich nicht wissen, wie es vom Autofahrersitz aus aussieht.
Unfallfrei, ohne Hexenkollision erreichte ich die Paul-Gerhardt-Kirche, ich erwartete einen deutsch-englischen Vivaldi.

Vivaldi by the Rivers of Babylon
Noch nie in diesem Jahrtausend lief ich eine Treppe so aufmerksam und konzentriert, wie die Treppen den Mini-Hügel hinauf zur Paul-Gerhard-Kirche in Schöneberg. Diese hatten nicht nur genau dasselbe Format wie die Unglückstreppe im Cinema Paris – Stein, jeweils zwei bis vier relativ hohe Stufen, sondern waren auch schlecht beleuchtet. Wenn dann viele Menschen dort entlang liefen, welche die Schweinwerfer verdeckten, wurde es düster.

Aber ich kam an. Zusammen mit den anderen vielen Menschen. Sie strömten. Zu meiner Überraschung, zur Überraschung der Aufführenden. In der Kirche war ich nicht sicher, überhaupt einen Platz zu bekommen. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass ich den Fahrradhelm am Fahrrad vergessen hatte – in der Gegend! – war aber nicht gewillt, meinen mühsam errungenen Platz wieder aufzugeben, um ihn zu holen.
Die Partnerchor „unserer“ ehemaligen Kirchengemeinde Alt-Schöneberg war aus Chichester angereist, zum Austausch, aber auch für ein gemeinsames Konzert.

Alter und Brexitkompliziertheiten hatten die Zahl der Mitreisenden Chichesterianer gegenüber den anderen Austauschjahren schrumpfen lassen. In einem diversen Programm war der Höhepunkt Vivaldis Gloria in excelsis deo. Das ist einfach ein schönes und auch zum Aufführen dankbares Stück, weil es im Stück schon so viel Bewegung und Abwechslung hat, dass es kaum zu zersingen ist.
Eine Überraschung brachte das aus England mitgebrachte Kirchenlied By the Rivers of Babylon. Das hatte nicht nur denselben Titel wie der Boney-M-Hit sondern war auch musikalisch nah. Passenderweise führte auch diese Spur zurück zu jamaikanischer Roots-Musik.
Aus einem Traditional wurde der gleichnamige Rocksteady-Song der Melodians von 1970. Dieser wiederum war der Ursprung für die Frank-Farian-Boney-M-Discobearbeitung. Eine andere Entwicklung nahm das Traditional in der Ken-Burton-Kirchenlied-Version.
[Who], in the same night that he was betrayed, took bread; and when he had given thanks, he brake it, and gave it to his disciples
Madame hatte den Gottesdienst gegenüber dem Konzert empfohlen als interessantere Veranstaltung. Ich ging ehrgeizig ins Wochenende und dachte: Double! Beides! Und dann war Sonntagmorgen, ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um sich zu entschlumpfen.
Madame erlebte dafür allein – aber Triple! Es war ein evangelisch-anglikanisch-altkatholischer2 Gottesdienst in Trippelökumene mit Special durch die ebenfalls anwesende Familienkirche mit überraschend vielen Kindern. Die Partnergemeinde hatte die Paul-Gerhardt-Kirche noch nie in einem Gottesdienst so voll erlebt – und Madame auch nicht.
Alt-Schöneberg scheint inzwischen semi-zusammengelegt mit den nebenan wohnenden Alt-Katholiken. Der ökumenischen Gottesdient scheint Standard. Alles war wechselnd in deutsch und englisch, Gesungen wurden Lieder, die sowohl im deutschen wie auch im englischen Gesangbuch stehen, jeweils in der entsprechenden Textversion, und zu aller Überraschung – wir sind Berlin Innenstadt! – war die Kirche schon wieder brechend voll.
Beim Abendmahl konnten dann Anglikaner und Altkatholik die Einsetzungsworte im Wechsel sprechen – offenbar sind sie in beiden Konfessionen komplett identisch.
Es muss bewegend gewesen sein.
Kein Foto
Heute habe ich kein Foto für euch. Denn ich durfte wieder selber auf die Latifundien fahren, und natürlich ist es nicht ratsam, gleichzeitig Auto zu fahren und die Fahrt fotografisch zu dokumentieren. Beim Tankstopp in Stolper Heide, Autogas für 1,09€, hätte ich natürlich das Handy zucken können. Aber da war ich leider von mir selbst abgelenkt.
Aber die Hirnzellen, die nicht mit dem eigentlichen Tankvorgang beschäftigt waren, waren damit beschäftigt über das erstaunliche Mini-Comeback des Autogases zu staunen. Diesen Kraftstoff schätze ich, auch, weil er als „Abfallprodukt“ anderer Industrieproduktion als umweltfreundlicher denn Benzin gilt. Aber dennoch wird am Ende halt etwas verbrannt, und es eigentlich nur gut für Umwelt oder Klima Zeug zu verbrennen. Ich denke seit Jahren, dass Autogas zwar als Idee spannend ist, sich in der praktischen Umsetzung aber seine Zeit zwischen Benzin-Holdout und E-Antrieb überlebt hat.
Dann sah ich Fernsehwerbung für ein Autogas-Auto, beziehungsweise für ein Tribid-Auto. Dann lernte ich: Dacia verbaut schon lange serienmäßig Autogas.3 Okay, immer noch kein Elektro, aber cooler und besser als Diesel oder Benzin. Und jetzt stellen sie einen Autogas-Benzin-Elektro-Tribid her. Mein Experimentierherz wäre fast versucht.
Aber natürlich nicht um den getreuen wunderbaren Subaru zu verlassen, der uns nach dem Tanken durch die vielgelbfarbigen Wälder und Autobahnbepflanzungen, ein wahres Wunderland des Herbstes bis in unser privates Wunderland brachte.

Betty Prior leuchtete rosa, noch flogen Kraniche
Der Garten verliert das letzte bißchen Sommer. Aber so lange es noch nicht fror, behält er den goldenen Spätherbst zwischen dunkelgelben Blättern, leuchtenden Früchten und feuchtgrünem Gras. Noch werden die Strukturen der Pflanzen von Farbflächen untermalt. Blühende Astern und Rosen setzen Bunte Akzente in die Welt.

Die Blätter der Clematis bilden ein Farbmuster aus Dunkelgrün und Hellgelb an der Schuppenwand. Über uns schwebte immer mal wieder ein Gänsenkeil.

Madame vergrub. Ich saß auf der Bank und schaute nach oben.

Zum Abendessen, wieder in Wilmersdorf: Ofengemüse.

Links
Die Geschichte vom Treppenlift
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Wenn Du Menschen kennenlernen willst, nimm deine Fachkamera mit: Eigentlich wollte ich nur fotografieren.
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Railpass lets you stare out the window of an endless train ride anywhere around the world with real footage – with sound too! A little escape from the world. (via Messy Nessy)
Anmerkungen
- In der Wikipedia schrieb ich selbst allerdings, dass vielleicht auch Count Matchuki oder King Stitt als die ersten Rapper angesehen werden können. Beide waren früher aktiv als U-Roy. Aber wo hört Singen und Reden auf und wo fängt Toasting/Rap an? ↩︎
- Spannende Denomination. Die Altkatholiken sich im 19. Jahrhundert von den Katholiken abgespalten, weil sie die Unfehlbarkeit des Papstes nicht anerkennen wollten und scheinen inzwischen eine relativ liberale Theologie mit katholischem Ritual zu vereinen. ↩︎
- Private Erfahrung übrigens: Wie oft es Autogas gibt, hängt in Deutschland stark von der Region ab. Im Osten gar kein Problem. Im Norden sind sie seltener, aber immer noch häufig. Und im Süden Deutschlands muss man halt die eine LPG-Tankstelle kennen. Offenbar waren die ADAC-Tester eher im Süden unterwegs. ↩︎
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