Kategorie: Alltag

  • 27-07-18 Vilnius ❤️ Ukrainą (Kaunas->Vilnius)

    27-07-18 Vilnius ❤️ Ukrainą (Kaunas->Vilnius)

    Im Supermarkt kauften wir Chips mit Pfifferlings-Aroma.

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    Wo warst Du, als Jens Spahn das erste mal von einem Amt zurücktreten musste? – Im London Grill, Vilnius.

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    Auf Litauisch heißt der Lokführer Mašinistas, und das schöne deutsche Lehnwort erkenne sogar ich.

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    Im Zug wollte ich schlafen und Madame planen. Ich glaube ich weiß, wer das Vilnius-Programm gestalten wird.

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    Es war ein wenige-Kilometer-viel-Stadtveränderungs-Donnerstag. Das Blog-ich hat das Reise-ich geographisch wieder eingeholt, hängt dafür aber inzwischen 48 Stunden hinterher.

    Leaving on a train

    Pünktlich auf die Minute fährt der Zug 34 Richtung Vilnius. Erstmals auf dieser Reise sind wir in der 1. Klasse, denn erstmals ist in keiner Hinsicht die polnische PKP und deren leicht eigentümliches Verständnis der 1-Klassigkeit involviert.

    Das ist noch bequemer als es die Breitspurzüge eh schon sind, aber in diesem Fall kurz. Die Fahrt nach Südosten (Mehr Osten als Süden in diesem Fall) dauert nur eine gute Stunde. Leider hat die 1. Klasse neben den besseren Sitzen auch die anstregenderen Mitfahrer, oder zumindest diejenigen, die ich verstehe, weil sie ausführlich auf englisch mansplainen; immerhin keine deutschen Touris.

    Ich denke noch ein wenig über Kaunas nach. Die Stadt, die geographisch so einfach wirkt (Altstadt am Zusammenfluss zwischen Memel und Neris, neuere Stadt am Memelufer, Villen und Parks oberhalb des Hangs am Ufer), die dank dreier Großplanungen (Zar, der die Laisvės alėja anlegen ließ, unabhängiges Litauen, dass die ganze Neustadt in Art Deco/Modernismus bebaute, Sowjetunion, die die komplett wahnsinnige autogerechte Stadt etablierte) auch in ihrer Struktur schnell verständlich wirkte.

    Und doch hatte ich den Eindruck in den drei Tagen noch mehr an der Oberfläche zu bleiben als in anderen Städten. Das mag daran liegen, dass erst jetzt, am zweiten Tag in Vilnius, langsam die litauische Sprache soweit erschließt, dass ich zumindest einzelne Wörter (Straße, Platz, „städtisch“, Brücke) wieder erkenne und eine Ahnung habe wie grammatikalische Konstruktionen funktionieren. Die ersten Tage hätte das alles in japanischen Schriftzeichen da stehen können, so wenig Sinn konnte ich daraus machen.

    Aber ich glaube auch, wir sind hier im Norden, wo die Menschen an sich zurückhaltender sind, und dem Kernland der Sowjet-Repression, deren erzwungene Vorsicht gegenüber allen Fremden, die über Generationen trägt, der die Stadt eine höfliche Distanz waren lässt.

    Ich kratzte nur an der Oberfläche. Aber alles, was ich fand, will mich wiederkommen lassen.

    Um 17:25h Ortszeit (1 Stunde verschoben gegenüber D) kamen wir am Bahnhof Vilnius an.

    Aus dem Zugfenster

    Erstmal mussten sie ein Stück gerades, flaches Land für den Bahnhof finden

    Wie anders ist Vilnius. Die Stadt ist doppelt so groß wie Kaunas1, am Bahnhof 20-mal soviel Leben. Wo sie alle herkommen? Ich weiß es nicht. Aus Kaunas auf jeden Fall nicht.

    Historisch war Vilnius bis 1945 eher jüdisch-polnisch bewohnt, Kaunas hingegen litauisch-jüdisch, geographisch sieht es komplett anders aus. Auch hier fließen zwei Flüssen ineinander (Die Vilna in die Neris), aber wo in Kaunas dadurch zwei Höhenlagen entstehen (am Fluss oder Oben) ist es in Vilnius eine einzige Hügelei, mit dem besonders großen Anstieg vom Flusstal auf die höher gelegenen Hügel. Aber an sich laufen wir hier seit Tagen hinauf und hinab.

    Dementsprechend kleinteilig und verwinkelt ist die Stadt – Vilnius Stadt der Passagen über drei Hinterhöfe, die dann auf die nächste große Straße führen. Der Beiname als „Jerusalem des Nordens“ bezig sich zwar einst auf die bedeutende jüdische Gelehrsamkeit der Stadt, aber auch was Gassengewirr angeht, macht Vilnius der Jerusameler Altstadt Konkurrenz.

    Gegenüber Kaunas verändern sich die Menschen. Mehr Tourist*innen sind hier unterwegs. Ich lese mehr Englisch, höre mehr Deutsch, sehe sogar vereinzelte deutsche Autokennzeichen. In den richtigen falschen Stadtvierteln beschildern Geschäfte auf Englisch.

    Aber ich höre auch viel mehr russisch/ukrainisch – gehört kann ich die Sprachen nicht unterscheiden. Bzw. ich höre überhaupt russisch/ukrainisch. Wie überhaupt der Ukraine-Krieg präsent ist: Ukrainische Flaggen sowohl an offiziellen Gebäuden wie an zahlreichen Balkons oder Fenstern. Immer wieder Ukraine-Solidaritäts-Nachrichten an Geschäften oder Kneipen. An einem der Wolkenkratzer in der Business-Skyscraper-City oben ein großes Banner „Putin – the Hague is waiting for you“, und die Busse wechseln wie schon vor zwei Jahren zwischen Linie und Endstation „53 – Stoltis“ und „Vilnius ❤️ Ukrainą“.

    Hier also werden wir uns zurecht finden. Aber erstmal ins Hotel.

    Vilnius Bahnhof. Dass das Wort Geležinkelio auf deutsch Eisenbahn bedeutet, weiß ich inzwischen. Deshalb ist mir auch klar, dass bei der Bahngesellschaft LTG das L für Litauen und das G für Eisenbahn steht. Nur das T fehlt noch.

    I love comfort Rock’n’Roll

    Auch in diesem Hotel übernachten wir bereits das zweite Mal. Können wir hier vom Stammhotel sprechen. Das oddly named Comfort Rock’n’Roll Hotel entscheidet sich in der Umsetzung erfreulicherweise deutlich für den Comfort und gegen den Rock’n’Roll, ist am Ende ein nahezu perfekt funktionierendes Funktionshotel, das ein paar „wilde“ Sprüche und Bilder an der Wand hat.

    Wir sind nicht allein.

    Es gibt im (amerikanischen?) Englisch den Ausdruck der Smartest Person in a room. Entweder in der dritten Person als Kompliment „She is the smartest person in the room“, oder in der erste/zweiten Person mal als Kompliment, mal als Aufforderung „Don’t be the smartest person in the room“ – dann wenn du dich nur mit Leuten umgibst, die weniger wissen und können als du, wächst du nicht und stagnierst.

    Diese Gefahr besteht nicht. Ich will nicht sagen, dass ich THE dumbest person in the building bin. Aber reichlich gehöre ich zu den untersten 10%. Denn die jungen Menschen mit den grünen Bändseln, die in der Lobby herumstehen, entpuppen sich als Welt-Finalisten der Biologie-Olympiade 2026 – „All participating countries send the four winners of their National Biology Olympiad to the IBO“.

    Unterhalb des Genie-Levels also die begleitenden Erwachsenen, das Hotelperson und die paar normalen versprengten Hotelgäste wie wir.

    In die Stadt bei Trockenheit

    Wir laufen in die Stadt bei Trockenheit. Eigentlich ein Satz, den ich mit sehr vielen Ausrufezeichen versehen müssten. Denn ein wichtiger Grund für die ganze Reise ist der unglaubliche Sturzregen in Vilnius 2024. Wir kamen an, es begann zu regnen, Sturzregen-Weltuntergangsstyle und hat dann für 36 Stunden nicht mehr aufgehört.

    Ich war so nass wie noch nie während ich Kleidung trug und habe über viele viele Stunden sehr intensiv das bizarro-Museum betrachtet, das als einziges am Montag geöffnet hatte. Aber selbst das reichte, um mich zu mehr zu motivieren. Ich wollte wiederkommen.

    Dieses Ei zum Beispiel blieb 2024 unfotografiert, weil wir quasi immer noch im Sturzregen vorbeijoggten und niemand so verrückt war, für ein Foto anzuhalten.

    Kartoffeln!

    Zuerst aber Essen. Madame hatte ein litauisches Traditionslokal gefunden, das wie bisher alle litauischen Traditionslokale laut Popmusik spielten. Da wir noch knapp 30 Grad hatten, was sich aber laut Vorhersage ändern soll, griff ich endlich zum Traditionsgericht: Šaltibarščiai – ein kalte Suppe aus Roter Beete, Kefir, Gurken und Dill mit Ei und Kartoffeln. Nahezu perfekt für heiße Tage.

    Und weil Lamaris ein Traditionsgericht auf der Karte hatte, dass so traditionell ist, dass ich danach erstmal duckduckgote ob es überhaupt existiert2, bestellten wir Dzūkiškos bandos – eine Art Kohl-Kartoffel-Rösti, die typisch für das ländliche südöstliche Litauen sind und ganz eindeutig vor Erfindung von verbreiteter Essensfotografie berühmt wurden. Nicht sommerlich, aber das Restaurant Lamaris ist nur einmal im Leben.

    Über Island, immer über Island

    Dann taten wir das, was wir im Laufe der Vilnius-Tage nach öfter machen würden: Wir liefen zur Haltestelle Islandijos, an der anscheinend alle für uns relevanten (Trolley)busse einmal halten. Wir wissen nicht warum.

    Aber wenn wir Glück haben, dürfen wir nach sechs Stationen direkt beim Hakenhaus aussteigen – ehemals sowjetisches Kulturzentrum, den kurz nach der Unabhängigkeit das Sowjetwappen abhanden kam und ein Künstler (die sind hier wichtig im Stadtbild!) einen Haken an dessen Stelle befestigte.

    Heute ist es eine Art Kultur/Jugend/Anarcho-Zentrum sagt das Internet konsequent seit zwei Jahren, wenn ich davor stehe, sieht es aber nie so aus, als gäbe es einen Eingang, der ohne Gefahr für Leib und Leben nutzbar wäre.

    Vor diesem Rätsel wollten wir aber noch erfahren: Welche Spuren haben deutsche Ausrottung der Juden und sojwetisches Totschweigen ihrer vorherigen Existenz noch vom „Jerusalem des Nordens“ überig gelassen?

    Die Reise

    Wichtigesten Programmpunkt erfüllt: Šaltibarščiai.

    Verkehrsmittel

    Stand Vilnius vor Beginn der Jewish Vilnius Tour (Freitag Vormittag): 4 Fernzüge, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 2 Metros (Warschau) 5 Trams (2, Ffo, 3 Warschau), 2 O-Busse (Kaunas), 7 Busse (3 Warschau, 3 Kaunas, 1 Vilnius); hinzugekommen: 1 Fernzug (Kaunas-Vilnius) 1 Bus (Altstadt-Hotel)

    An der Bushaltestelle Islandijos. Egal wo wir lang fahren, irgendwann landen wir dort.

    Links

    Kommen wieder, wenn das Verhältnis von Erlebtem zu Schreibzeit besser wird.

    Anmerkungen

    1. Merkregel: Kleipeda an der Ostsee als drittgröße Stadt Litauens hat 150.000 Einwohner, Kaunas als zweitgrößte doppelt so viele (300.000), Vilnius als größte wieder doppelt so viele wie Kaunas (600.000). Immer in Zweierpotenzen. ↩︎
    2. Ja, es existiert auch außerhalb des Lokals. Es ist sogar auf offiziellen Listen immaterillen Kulturerbes gelandet. ↩︎

  • 26-07-17 Hinauf im Dunklen, hinauf im Hellen (Kaunas)

    26-07-17 Hinauf im Dunklen, hinauf im Hellen (Kaunas)

    Madame mag keinen Espresso Tonic.

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    Madame wies darauf hin, dass die Schaffnerin, die auf englisch im Café mit ihren Kollegen über Kaffeeausschank diskutierte, natürlich keine Schaffnerin war, sondern eine Stewardess, vermutlich von Ryan Air. Das ergibt viel mehr Sinn. Zeigt aber auch, wie sehr „Flugzeuge“ und alles was dazu gehört, in meinem Geist so abwesend sind, dass sie mir nicht mal mehr in solchen Situationen in den Sinn kommen.

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    Neben der Markthalle von Kaunas einzelne Tische an dem einzelne ältere Frauen ihre Erzeugnisse verkaufen: Gemüse offensichtlich aus dem Garten, gesammelte Pfifferlinge oder auch einmal zwei Stücke Frischkäse.

    Auf demselben Markt kosten gezüchtete amerikanische Kulturheidelbeeren mehr als gesammelte europäische Waldheidelbeeren.

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    Im histiorischen Burggraben: Eine ganze Herde Rasenmähroboter.

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    Es war ein Mittwochabend der Wahrheit und ein Donnerstagmorgen des Aufbrauchs. Das bloggende ich ist dem reisenden ich weiterhin 100 Kilometer und gut 30 Stunden hinterher.

    Nachträge

    Wein

    Nachzutragen bleibt der Wein bei Nüman. Mangels Erinnerung/Notizen lässt sich dieser nur noch aus der Rechnung rekonstruieren. Wir tranken jeweils ein Glas nach Empfehlung des Hauses. Zu Gruß aus der Küche/ Vorspeisen war dies ein Desom Cremant, der überrschend stark nach Vanille schmeckende Weißwein zu Fisch und Dessert (passte zu beidem gut) ein Morillion blanc.

    Ticket

    Nachzutragen bleibt die Fahrkartenkontrolle vom Mittwoch. Kaum hatte ich mir Gedanken gemacht, wie das eigentlich mit der ÖPNV-Fahrkartenkontrolle technisch funktioniert, schon wurden wir kontrolliert.

    Für Polen habe ich seit Jahren die Jakdojade-App auf meinem Handy, die nicht nur weiß, wann ich an welcher Haltestelle welche Bahn/Bus nehmen sollte, sondern mir auch alle Fahrkarten sämtlicher Verkehrsverbünde Polens verkauft – gerne auch Tages- und Wochenkarten, die wir vor allem nutzen.

    In Litauen funktioniert das nicht. Die Trafi-App für Litauen kann zwar Verkehrsdaten und Routenplanung. Aber sie kann nicht vernünftig Ticketverkauf.

    Zum Glück allerdings haben Kauna (und Vilnius) sich dem internationalen Trend des Fahrens per Kreditkarte angeschlossen. Ich halte meine Kreditkarte beim Einsteigen an den Entwerter, der piept, bucht ein wenig Geld ab, und ich darf dann bis zur Endtstation dieser Linie (Kaunas) bzw. 60 Minuten lang (Vilnius) fahren.

    Das ist Touri-Modus: Etwas teurer als reguläre Tickets, die ich per App/Fahrkarte erwerben könnte, aber auch deutlich einfacher.

    Nur, wie wird es kontrolliert? Ich habe ja kein Ticket, das ich vorzeigen könnte?

    Im Hotelbett, beim Vor-Frühstücks-Kaffee las ich nach: der Entwerter erstellt einen Token aus einigen meiner Kreditkartendaten, kombiniert diese mit Bus und Uhrzeit zu einem gemeinsamen Datensatz und speist in das System ein. Bei der Kontrolle liest das Kontrollgerät meine Kreditkartendaten und checkt, ob für diese Karte ein gültiger Token im System ist.

    Generell wüsste ich gerne mehr (Welche Daten? Was passiert, wenn der Bus keinen Empfang hat? Wie wird verschlüsselt?) Aber so für den urlaubenden Hausgebrauch war das genug,

    Also frühstückten wir, stiegen in den 5er-Trolleybus zum Kloster Pažaislis, schon hielt der Bus an. Fahrkartenkontrollen in Kaunas sind stationär. Ein Kontrollvan mit drei Mitarbeiter*innen stand an der Bushaltestelle, unser Bus durfte erst weiterfahren nachdem die drei alle Passagiere kontrolliert hatten.

    Dabei scheiterten normale Geräte an unseren Kreditkarten. Der Chef mit dem Kontrollhandy musste kommen, die Daten mit seinem System abgleichen. Und alle durften weiter.

    Tag der Schwärze

    Aber eigentlich bin ich beim Erzählen zwar hinterher, und gerate weiter in Rückstand, aber ich war zumindest Mittwoch Nachmittag angekommen. Wir saßen an der Prachtstraße Kaunas, der Laisvės alėja beim Bäcker und machten uns auf ins Kino.

    Denn Kaunas hat ein Welterbe-Kino. Zum gesamten Weltwerbe-Ensemble Aufbruch in die Moderne, gehört auch das Romuva, eröffnet zwei Monate vor dem Einmarsch der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Das Kino zeigte englische Filme mit litauischen Untertiteln, und wir wählten nach Zeitpunkt und Ort: Tiesos diena, in deutscher Übersetzung „Tag der Wahrheit“, bekannter unter dem englischen Verleihtitel Disclosure Day. Es war Zufall, aber wir konnten unsere Spielberg-Alien-Reihe mit A.I., E.T. und Close Encounters of the Third Kind jetzt fortsetzen.

    Gerade so.

    Wir kamen einige Minuten zu spät, die Werbung lief schon. Und wir hatten große Probleme den Saal zu finden. Wir gingen durch eine Art Schleuse, rechts ein Tür, offenbar ein Notausgang, vor uns schwarz. Wir hörten ein Geräusch, aber wir sahen nichts. Ein paar Schritte in das Schwarze hinein, war die Leinwand zu sehen. Aber anders als in Deutschland war zu dieser Zeit sie Saalbeleuchtung aus, der Saal selber schluckte überraschend sämtliches Licht der Leinwand. Ich glaube ich war noch nie in einem Raum, der prinzipiell beleuchtet war (die Leinwand) und trotzdem so dunkel. Auch alle Versuche scheiterten, kurz zu warten, damit die Augen sich gewöhnen.

    Es war zu dunkel.

    Irgendwo in dieser Schwärze waren unsere Plätze: Reihe 8, Plätze 17 und 18. Die Handy-Taschenlampe half etwas, der steile Anstieg, die Tatsache dass unsere Sitze weit entfernt von Eingang waren, und dass wir quasi keine Personen sahen half nichts. Meine Güte, was sind wir da durch gestolpert.

    Zum Glück hat uns ja auch niemand gesehen, nur das Rudern und Schwanken der Taschenlampe.

    Der Film selber: Überraschend gut. Kein Großwerk wie E.T., das Drehbuch manchmal etwas holprig, aber Spielberg kann immer noch, was niemand so gut kann wie Spielberg: das große, plakative Gefühl auf die Leinwand bringen, das trotzdem emotionale Tiefe hat. Im Handwerk der Emotionen war das Spitzenklasse.

    Nachdem das Licht an ging, verstanden wir auch etwas besser, warum es vorher alles so derart dunkel war. All black.

    Kirschkompott

    Wir ahnten ja schon, dass wir spät (~ 20.35h) aus der Vorstellung kämen und dann keine Essens-Experiment-Exkursionen mehr vorhatten. Also dachten wir: Georgier geht in Osteuropa immer, direkt neben dem Kino scheint ein relativ guter zu sein. Also bestellten wir einen Liter Kompott und die bewährte Trias aus Phkali als Vorspeise, dann den Chatschapuri und Chinkali.

    Danach wankten wir die Laisvės alėja ins Hotel hinunter.

    Phkali (Roote Beete, Spinat-Walnuss und Frühlingszwiebel-Möhre)

    Letzter Smoothie

    Am letzten Morgen sollte alles anders werden. Die Dachterrasse war offen, aber getreulich dem guten Functions-follows-form-Stil des Hotels war der Ausblick super, die Terrasse aber so sonnenbestrahlt, dass ich ganz sicher nicht an einem Sommertag dort frühstücken wollte.

    Dennoch brachen wir mit Gewohnheiten. Ich mit meinem „Wir müssen verschiedenes bestellen, sonst wissen wir ja gar nicht was es alles gibt“, und wir hatten beide Eggs Benedict. Das Hotel hatte sich in Unkosten gestürzt und gleich zwei Servicekräfte herbeigeholt, auch weil es einer Achtergruppe Litauer*innen gelungen war, das zum Hotel gehörende Restaurant zu bezwingen und tatsächlich einen Tisch für sich zu reservieren.

    Bevor wir auschecken mussten, liefen wir noch einmal durch die Altstadt.

    Blick von der Dachterasse, der rechte Turm gehört zum historischen Rathaus, die linken zur jesuistischen St. Franziskus Xaverius-Kirche.

    Blutreliquie

    Und da waren sie dann doch: die organisierten Reisegruppen. Ihre Zahl gering, um Kaunas mitzunehmen muss man vermutlich die „Baltikum-Rundreise-Extra-Large“-buchen. Aber sie waren vorhanden. Wir trafen sie an der Burg, unter „dem berühmtesten Streetart-Werk vom Kaunas“ (reden wir besser nicht weiter drüber) und natürlich auch in den historischen Kirchen.

    Die boten wieder Barockschock. Wir standen neben St. Peter und Paul, Bischofskirche des Erzbistums, und ich dachte noch: Backsteingothik. Kenn ich. Sieht von innen halt sehr backsteinig aus, große Hallen, nach oben strebend, schicke Gewölber und tendenziell leer.

    Dann trat ich hinein und bekam eine ganze Ladung katholischen Barock um die Augen. Ich hätte es mir denken können, war aber dennoch stunnend. Selbst eine Blutreliquie von Johannes Paul II. war zu sehen. So also sähen Lübeck, Stralsund oder Bremen aus, wenn es keine Reformation gegeben hätte.

    Vor Schreck hätte Madame beinahe noch Geld an Radio Marija gespendet, weil sie aus Versehen ihr Handy mit Bezahlfunktion einige Meter vom Radio-Marija-Spenden-Empfangsgerät in Betrieb nahm.

    Autobusų

    Hotel-Checkout war um 12. Der Zug 34 nach Vilnius fuhr um 16:23h.

    Plan A: Koffer an der Rezeption im Hotel lassen, scheiterte, weil es keine Rezeption gab und kein Personal, das diese bedienen konnte.

    Plan B: Schließfächer im Hauptbahnhof scheiterten, denn wir hatten schon bei der Ankunft gesehen, dass diese defekt sind,

    Also Plan C: Schließfächer im ZOB. Die Balt*in an sich fährt ja lieber Fernbus als Zug. Dementsprechend ist der ZOB ein Neubau von 2017, an einen kleinen Flughafen erinnernd mit Läden, Bäckern, Imbissen und einer Gepäckaufbewahrung, Busse fahren im Minutentakt Richtung Vilnius, Klaipeda, Nida, Berlin, München, Warschau, Kyjiw, Riga, Minks, Mailand.. der Eisenbahnhof ein historischer Bau, an dem pro Stunde je ein Zug nach Vilnius und einer nach Marijampole fährt.

    Zum Glück liegen der autobusų stotis und der Eisenbahn-stotis direkt nebeneinander. Nur eine neue Unterführung gab es natürlich zu bestaunen:

    Eichen

    Wir hatten nur zweiundeinbißchen Tage, also brauchten wir viel Mut zur Lücke. Aber wir hatten noch Ziele: Kaunas hat offenbar viele große Parks. Und bisher hatten wir die Flusstäler von Memel und Neris nie verlassen, die etwas höher gelegene Ebene zwischen den beiden Flüssen, mit den ganzen Villen nie betreten. Die Standseilbahn war ja auch defekt.

    Also brachen wir vom autobusų stotis auf. Erst ging es in den Ramybė Park, den Park des Friedens, fast neben dem Busbahnhof. Ein ehemaliger Friedhof, der von der Sowjetunion aufgelöst worden war. Die beiden religiösen Gebäude, eine russisch-orthodoxe Kirche und eine kleine Moschee dienten als Lager für Zeug während der Sowjetzeit.

    Beide sind wieder im Einsatz, beide religiös konnotiert. Vor der Kirche bekreuzigte sich eine ältere Frau, die uns sonst böse ansah, in der Moschee konnten wir durch die geöffnete Tür ein Gebet sehen.

    Wir liefen den Hang hinauf zur öffentlichen Bibliothek nach Ąžuolynas, dem laut Wikipedia „largest urban stand of mature oaks in Europe“. Wie immer liefen wir den Hügel entlang einer vierspurigen Straßen hoch. Wie immer konnten wir diese nicht überqueren als wir auf der falschen Straßenseite zum Parkeingang standen. Richtig Zeit hatten wir auch nicht mehr.

    Aber es war schön. Was für ein Park!

    Ąžuolynas

    Ein Mädchen spielte am Bahnhofsflügel

    Entsprechend zügig ging es den Hügel hinab. Erst an historischen Viellen vorbei, dann eine Treppe hinab, die nach unten hin abenteuerlicher wurde (Respekt vor den Kaunasinnerinen, die diese Treppe erklimmen können, dabei auf das Handy schauen, und sich trotzdem keine Knochen brechen), über Hauptstraße und Street Art kamen wir zur Gepäckaufbewahrung und zum Bahnhof.

    Im Café kalter Hund war diesmal jemand, der froh war, englisch zu sprechen, uns aus lauter Freude noch einen Spezialkaffee mit Eis und anderen Zutaten zusammenbastelte und beschloss, dass der dunkle kalte Hund viel besser schmeckt als der – karamelligere, süßere – helle. Der den dunklen hatten wir schon probiert, den hellen noch nicht.

    Um 16:23h fuhr genau nach Plan an Bahnsteig 1 auf Gleis 1 Zug 34 aus Mockava nach Vilnius ein. Aber das soll ein andernmal erzählt werden.

    Time for sleep.

    Die Reise

    Verkehrsmittel

    Stand Kaunas vor der Abfahrt nach Vilnius (Donnerstag Nachmittag): 3 Fernzüge, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 2 Metros (Warschau) 5 Trams (2, Ffo, 3 Warschau), 2 O-Busse (Kaunas), 6 Busse (3 Warschau, 3 Kaunas); hinzugekommen: 1 Bus (Hotel-Busbahnhof)

  • 26-07-16 Monte Nüman (Kaunas)

    26-07-16 Monte Nüman (Kaunas)

    Wenn du nicht genau weist, wo es langgeht: Folge einfach der alten Frau, die so aussieht als wüsste sie es.

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    Auffallend an Kaunas: Es gibt Tourismus, überall sprechen Leute mindestens passabel englisch und jede Lokalität gab uns eine englische Karte. Aber abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen waren alle Beschriftungen, Schilder, Anpreisungen auf Litauisch, einer Sprache die außerhalb Litauens selten gesprochen wird.

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    Diese Reise geht ja auch eine Reise von vor zwei Jahren zurück (mehr Strecke, mit weniger Tagen, bei der der Litauen-Teil komplett ins Wasser fiel). Madame meinte, ich solle die alten Reiseberichte auch noch mal verlinken: Zehn Tage um die Ostsee – die Rahmendaten

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    Am Fenster: Eine Monsterbremsenfliege.

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    Es war ein pilzig-forelliger Reisedienstagabend und ein klösterlicher Mittwoch. Das Reise-ich ist dem Blog-ich derzeit etwa 30 Stunden und 100 Kilometer voraus.

    Wein wird nachgeliefert, der Autor will ins Bett

    Madame hatte es gesehen als wir mit unseren Köffern an der Vilaeus g. aus dem Bus stiegen, noch nicht ahnend, dass wir diese gleich durch die nächste Unterführung wuchten mussten.

    Ein von außen klein wirkendes Restaurant, Nüman, nicht unsympathisch, und die Michelin-Plaketten neben dem Eingang neugierig machten.

    Später recherchierte sie: Es ist unbesternt, wird in der Bib-Gourmand-Kategorie geführt (Gute Leistung für das Geld, spezieller in „Essen wir ein Einheimischer“, also halt ein Einheimischer, der Fine Dining macht). Wir waren neugierig.

    Es war vom Hotel fußläufig (besser allerdings ohne Koffer), die Reservierung wäre an diesem Abend nicht nötig gewesen. Das Restaurant selber ein umgebauter historischer Stall(?), von dem wir noch Holzbalken, ein Lager für eine Zwischendecke und ein Betonpodest erkennen konnten. Eher die „Nackte-Wände-ohne-Tischedecken“-Fraktion, aber in sich stimmig.

    Es gab a la carte oder das „6 Teller Probiermenü“, Spezialwünsche waren auch möglich. Das kleine Mädchen am Nachbartisch erhielt eine große Portion Pommes mit offensichtlich selbst gemachten Chicken/Nuggets Fischstäben, einer Sauce des Hauses und Gemüsesticks.

    Wir blieben konventioneller, unsere Erfahrung sagt, dass man bei guten Handwerkern eigentlich immer sagen sollte „Mach mal, wie vertrauen dir.“

    Wir aßen also das Sechs-Teller-Probier-Menü. Es bestand aus vier Vorspeisen (jeweils als Sharing Dish serviert, d.h. auf einem Teller von dem wir beide nahmen), einem Hauptgang und einer Nachspeise. Dazu ließen wir uns einen Sparkling Wine für den Auftakt empfehlen und danach einen Weißwein.

    Der Kellner stellte alle vier Vorspeisenteller gleichzeitig auf den Tisch, gab aber eine Empfehlung der zu essenden Reihenfolge, an die wir uns hielten.

    Es gab

    Vorweg

    Helles und dunkles Brot. Vielleicht mein Highlight. Kross und weich an den richtigen Stellen und sehr angenehm würzig.

    Vorspeisen

    (In der vorgeschlagenen Reihenfolge)

    • Enten-Teigtaschen mit getrockneten Pilzen auf einem Sauce aus Pilz und Ente. Ich glaube, die Pilzsauce war Madames Highlight des Essen.
    • Frittierte Cheddar-Kugeln, gefüllt mit Pulled Beef, dazu Buchweizen und Sauce Bearnaise. Gerade das Fleisch und die Bearnaise vielleicht mein Highlight.
    • Tatar mit Pistazien, Feigenmarmelade, Comte und Kartoffelwaffeln.
    • Forelle(?) mit einer Senfsauce, Obst und Algen.
    Ab rechts oben im Uhrzeigersinn: Tartar, Forelle, Pilzente und Käsebälle mit Bearnaise

    Hauptgericht

    • Kabeljau mit Miesmucheln und Bratkartoffeln auf einem Muschel-Mandel-Schaum. Mir fast zu intensiv im Geschmack.

    Nachtisch

    • Etwas Tiramisu-artiges mit Johannisbeeren. Auch ganz vortrefflich.

    Der Laundry Room hat ein Zweitleben als Kino

    Madame hat in Vorbereitung der Reise umfangreiche Hotelrezensionen gelesen und erfreute sich besonders an einer eines Geschäftsreisenden, der aus Versehen in unserem Speziel Apartment-Hotel landete. Er hasste alles. Für komplikationslose Geschäftsreisen ist das Nichts.

    Er fing damit an, dass er im Zimmer weder vernünftig sitze konnte noch einen benutzbaren Tisch hatte (darüber jammerte mein Blog-ich aber auch schon) und endete damit, dass sich die vier Shampoo/Duschgel-Flaschen in der schwarzen Dusche auch bei angeschaltetem Licht nur mit Hilfe einer Taschenlampe auseinander halten lassen.

    Aber hey, es gab vier verschiedenen Flaschen zur Auswahl. Und die Aussicht aus dem Zimmer war stunning. Und es war super-speziell und etwas komplett anderes, man konnte immer neue Ideen entdecken. Auch unser „Bestelle per App am Tag vorher“-Frühstück war eigentümlich. Aber das Sandwich mit Entrecote Medium Rare, das ich nächsten Morgen hatte und auch die Belgische Rote-Beete-Waffel waren vortrefflich.

    Auch mein Saft Apple-Dill-Yew-Saft schmeckte wie der beste, frischeste Gurkensalat meines Lebens. Zum Glück erinnerte ich mich erst nach dem Trinken, welcher Baum Yew eigentlich ist, vertraute auf einen Übersetzungsfehler, denn sonst könnte ich diesen Text nach Einnahme giftiger Eibe nicht mehr schreiben.

    Inzwischen entdeckten wir übrigens auch, dass zwei Häuser weiter ein Architekturbüro in der Altstadt sitzt, das anscheinend mit dem Boheme House zusammenhängt, was vieles erklärt, ich habe auch den Verdacht, dass einige Häuser dazwischen auch noch zum Boheme-Imperium gehören und ihre Entrecote-Sandwiches aus derselben Küche beziehen.

    Die Kaffeetassen waren auch in weiß toll.

    Was ich nur nicht verstehe, was auch untypisch war, es war mir fast unmöglich ins Bett zu klettern, ohne mir dabei das Schienbein aufzuschlagen. Das war auch bei großzügigster Auslegung a bug and not a feature.

    Sowjetmenschen im Rollstuhl waren sehr offensichtlich nicht vorgesehen

    Die Verkehrsplanung von Kaunas faszinierte mich wie sie mich fertig macht. Und Schuld ist nur die Sowjetunion. Der Konzept, umgesetzt ab 1975 der autogerechten Stadt, sieht vor, dass es einen riesigen Bereich für Fußgänger gibt, der (immer/wieder/erstmals?) total schön ist. Aber sobald man diesen verlassen will, gerät man an dicht befahrene vier- oder sechsspurige Schnellstraßen ohne Ampeln und „natürliche“ Fußgängerüberwege sind mit Sperrgittern blockiert.

    Der Sowjetmensch sollte offenbar Treppen steigen und durch Unterführungen laufen. Auch die Stadtväter und -mütter von Kaunas sahen da wenig Änderungsbedarf.

    Als wir also einen Trolleybus-Ausflug ins Grüne machen wollten, an das Mare Kauno, den Memel-Stausee am Rande der Stadt, konnten wir zwar eine Bushaltestelle beim Hotel direkt an der Memel nehmen, nicht ohne vorher eine neue Unterführung kennenzulernen, und um dann ungeschützt rechte lange auf einem schmalen Fußweg neben der Schnellstraße zu warten.

    Eine der besserungen Unterführungen: Sieht zwar abenteuerlich aus, hat aber nicht ganz so viele Stufen und ausreichend Platz für die Nachfrage,.

    Pac – Pacis – Pažaislis / Kamaldulenser – Kasimir

    Mit Bus (zuerst) und Trolleybus (danach) fuhren wir Richtung Stausee. Mit uns im Bus fast ausschließlich ältere Damen, die allem anschein nach alle zu einem der kleineren Einkauszentren an den Ausläufern der Stadt wollten. An der Haltestelle am Stausee waren wir alleine; denn alle nicht-verrückten Litauer*innen, die können, fahren dort mit dem PKW hin,

    Litauische Kirchengebäude ersparen dem Touristen Arbeit. Die grundlegende Geschichte muss mensch nie nachlesen: Gegründet katholisch, dann irgendwann nach 1795 (Polnische Teilung – Litauen fiel Großteils an Russland) Russisch-Orthodox geworden, nach der Litauischen Unabhängigkeit 1920 wieder katholisch, zu Zeiten der sowjetischen Okkupation wurde es Lager/Schwimmbad/Pferdestall/Kindergarten, um seit 1991 wieder an die Katholiken zurückzugehen.

    So auch das Kloster Monte Pacis / Pažaislis am Rande von Kaunas. Ursprünglich vom Gründer Krzysztof Zygmunt Pac als Monte Pacis bezeichnet (Berg des Friedens, die Pac/Pacis-Ähnlichkeit ist sicher nur Zufall), nannte es der Rest der litauischen Menschheit Pažaislis nach einem Fluss in der Nähe.

    Besonders ist vor allem, dass das Kloster einst auf einem Hügel über der Memel thronte, seitdem die Memel 1959 dort zu einem Stausee aufgestaut wurde, liegt es direkt am Ufer des Sees. Einst von den Kamaldulensern betrieben – wir kannten den Orden vorher auch nicht – ist es seit 1920/1991 ein Kloster der Schwestern des Heiligen Kasimir.

    Deren Wohnräume und ihr Teil der Kirche sind gesperrt, das ehemalige Gästehaus ist ein Hotelrestaurant, der Rest ist für Besucher*innen und ungefähr 50 Schwalben zugänglich.

    Haupteingang der Kirche

    Grün, tranquil, Barockschock

    Nachdem wir uns durch den Bluesrock-Soundcheck navigiert hatten, der gerade vor dem Hotel stattfand, gelangten wir auf das Klostergelände. Das war grün (eindrucksvoll, die chinesische Wisteria, die nicht rankte sondern selber ein Baum war) und abgesehen vom Geschrei der Schwalben tranquil.

    Es gab eine handvoll Tourist*innen, alte Bäume, Gras, alte Rosen, das typische Kloster in einem Zustand, der sagte „gepflegt, aber es gibt auch schon sehr viel zu tun bei so einem Gebäude“

    Der Weg in die Kirche führt durch die Seite an der Krypta vorbei: und dann kommt Marmorbarock breitester Ausprägung. Das hatte ich so nicht erwartet.

    Und zurück

    Wir hatten noch einen Termin an der Laisvės alėja, fuhren also nur die halbe Strecke bis zum Musiktheater zurück. An einer der litausichen Bäckereiketten (Prezo) gingen vor Anker und beobachteten das Treiben auf der Straße. Am Nebentisch erzählte eine Schaffnerin uns unklarer Nationalität auf Englisch wie sie im heißen Zug Kaffee serviert und was dabei zu beachten ist. Vielleicht Kollegen, aber dann wäre unverständlich warum sie englisch sprachen.

    Eine sehr junge, sehr kleine Katze, wurde mehrfach an der Leine vorbeigeführt. Die Wassersprühanlagen wurden dankbar genutzt, denn es wurde wieder sommerlicher.

    Dann sollte es dunkel werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Die Reise

    Falls Sie den Fluchtweg nehmen, fallen Sie bitte nicht in das Loch direkt dahinter.

    Die Reise

    Verkehrsmittel

    Stand Kaunas nach dem Kloster (Mittwoch Nachmittag): 3 Fernzüge, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 2 Metros (Warschau) 5 Trams (2, Ffo, 3 Warschau), 2 O-Busse (Kaunas), 5 Busse (3 Warschau, 2 Kaunas); hinzugekommen: 2 Trolleybusse (Hotel-Kloster und zurück)

    Links

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    Dabei entdecke ich, dass unsere Straßenschilder angebracht worden sind. Bis vor einem Jahr hatten wir keine Straßennamen, alle Post kam immer nur im “village” an. Der Postbote kennt uns sowieso und weiß, wer wo wohnt. Aber jetzt sind Straßennamen auch für kleine Gemeinden verpflichtend geworden.

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    Während wir uns gerade an der litauischen Bahngesellschaft LTG Link erfreuen, lese ich auf Newssites wie der Zugchef auf der Strecke Westerland-Sylt in Hamburg Klopapier für seinen Zug im Supermarkt kaufte, während der Zug solange warten musste. Für unsere Rückfahrt auch ganz interessant: Also, wenn Sie in Lübeck am Hauptbahnhof

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    Allein beim Titel Trabrennbahn Gelsenkirchen schlägt mein Melancholikerherz. Da hätte gar kein Text mehr kommen müssen. (via)

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    Die Lunduke-Problematik: Wenn Rechte deine technischen Positionen zum Erkennungszeichen machen

  • 26-07-14 Weichselnebel, Memelgewitter (Warschau -> Mockava -> Kaunas)

    26-07-14 Weichselnebel, Memelgewitter (Warschau -> Mockava -> Kaunas)

    Pikachu auf der Kofferablage.

    *

    Ein reisender PC-Techniker flickte das südbadische Wlan.

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    Im polnischen Zug nach Litauen flirteten eine Tschechin und ein Ukrainer auf Englisch, in dem sie sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede slawischer Sprachen unterhielten. Ein Deutscher bloggt darüber.

    *

    Wie, um mich zu erinnern, dass ich ihrer Reichweite nie dauerhaft entkommen werde, schickte die Deutsche Bahn Planänderungen und Unmöglichkeiten für die letzten paar Rückfahrkilometer nach Berlin. Wir haben eine aufgehobene Zugbindung gewonnen.

    *

    Es war ein Reisemontag: Go East! Das Reise-Ich ist dem Blog-Ich derzeit 24 Stunden voraus.

    Zugteilung in Białystok

    Um 8:57h sollte unser Zug fahren, eine der beiden (fast-)Direktverbindungen, die es derzeit auf Warschau Richtung Vilnius gibt. Um 9:15h fuhr er tatsächlich. Im Nebel überfuhren wir die Weichsel, erahnten einen letzten Blick auf den Weichselboulevard an dem wir am Vortag noch in der Abendsonne gelesen hatten.

    Immer in den Osten fuhren wir: ein weiterer Halt an einem Nebenbahnhof in Warschau, anderthalb Stunden später ein Halt an einem Nebenbahnhof in Białystok, der Metropole Ostpolens, dann ein Halt in Białystok.

    Zeitlich war nicht einmal die Hälfte der innerpolnischen Fahrzeit geschafft, aber bereits hier wurde eine Zughälfte abgehängt. Die Ansagen über „Anschlußzüge“ entfielen. Offenbar waren wir zwischen Białystok in Suwałki, Augustów und Bielsk Podlaski ganz allein auf der Strecke. Wir waren DER Zug.

    Beim Blick aus dem Fenster zeigte sich eine Art Ausfransen menschlicher Landschaftsgestaltung. Die Zahl ungemährter blütenreichen Wiesen ohne offenbare Nutzung, aber mit Insekten, die ich selbst aus dem Fenster des fahrenden Zuges sehen konnte, nahm zu, ebenso die der sumpfartigen Landschaften oder der urtümlicheren Wälder. Strom- und Telefonleitungen wanderten aus dem Boden an Holzmasten, der Zug brach in ein Dauertröten aus, weil dauernd verlassen aussehende Feldwege unbeschrankt die Gleise kreuzten.

    „Hier endet Europa“ wurde in Szene gesetzt, durchaus überzeugend. Die polnische Bahn gab sich Mühe den Eindruck zu verstärken: das Restaurant war nicht mitgefahren, der einzige Kaffeeautomat des Zuges war in Białystok geblieben, die Toiletten waren defekt oder ohne Klopapier. „Wer in den wilden Osten fährt, ist selber schuld“ schien die Ansage.

    Wenn ich in die Wälder schaute, sah, wie nah Belarus auf der Karte ist, musste ich immer wieder an die Fotos und Filme denken, von Flüchtlingen aus Afrika oder dem nahen Osten, die vom russischen/belarussischen Staat nach Norden gelockt werden, an diesen Wälder ausgesetzt und dort mehr oder weniger legal von polnischen Grenztruppen zurückgeschickt werden.

    Fast sah ich sie vor meinem inneren Auge: Familien, Männer, in komoplett fremder, einschüchterner Gegend, geworfen in ein Spiel das andere spielen. Aber natürlich sah ich sie nicht: so nah der Grenze waren wir nicht, die Wälder endeten weit vor dieser, zumal wenn ich das Westfenster des Zuges hatte,

    Grenzspüren mit dem Hintern

    Die Grenze zwischen Polen und Litauen sah ich kaum. Nur weil ich die Strecke intensiv auf der Railmap monitorte, bemerkte ich überhaupt die vielleicht 10/20-Meter-Schneise im Wald, die zwischen beiden Staaten lag.

    Aber ich spürte die Grenze. Denn ab diesem Meter wurde die Fahrt ruhiger, der Zug holperte weniger und die Gleise waren in besserem Zustand. Auch die Landschaft veränderte sich: sie waren wieder menschlicher mikrogemanaget, die Zahl der Häuser nahm zu, die Straßen waren geteert und ab und an standen kleine Lärmschutzwände neben dem Gleis.

    Schon vor dem offiziellen Umstieg in Mockava (sprich: Moskawa) von PKP auf LTG, von polnischer Normalspur auf litauische Breitspur, machte sich das neue Land bemerkbar.

    In Mockava stiegen wir alle aus. Diesmal warteten auf den Nachbargleisen keine deutschen Kampfpanzer wie 2024 sondern große Mengen an Tankwagen: Öl? Gas? Der komplette polnische IC entleerte sich auf den Bahnsteig, bis auf dem Nachbargleis der litauische Fernzug einfuhr.

    Alle Insassen des LTG-Zuges stiegen in den IC, alle Insassen des ICs danach in den litauischen Zug. Die litauische Schaffnerin ging noch einmal sicher, dass niemand aus Versehen zurückfuhr. Dann ging es weiter nach Osten.

    Warten am Bahnhof Mockava

    Breitspurfreuden

    Vorteile der Breitspur von 1524 mm gegenüber der Normalspur (1435mm): Die Spur ist knapp 10 Zentimeter breiter, der Zug wird dadurch breiter -> mehr Platz für die Passagiere.

    Nachteil: Die russischen Invasionstruppen können in ihren Zügen darauf fahren. Eine Vorstellung, die mehr vor fünf Jahren absurd erschienen wäre, den Litauer*innen vermutlich schon damals nicht, und auch mir zunehmen wahrscheinlich erscheint.

    Aber die russischen Truppen waren nicht weit weg – die Grenze zur Region Kaliningrad beträgt 35 Kilometer – aber doch weit genug, dass ich an bequemes Sitzen denken konnte und an Kaffee, der fehlte.

    Leiderhin war die Schaffnerschaft so beschäftigt mit Kontrollieren und dem Bedienen der 1. Klasse, dass es uns bis Kaunas nicht gelang an Kaffee zu kommen.

    Nachdem der polnische und der litauische Zug überraschend kaffeegeizig gewesen waren, fanden wir in den weiten Räumen des Kaunaser Bahnhofs ein Café, mit gutem Kaffee und Kaltem Hund (auf Litauisch „Faulheit“), gemütlichen Sitzbänken und offenbar wirklich von jemand vor Ort betrieben, nicht Filiale 11.000 eines Franchises.

    Das freute. Aber auch dieses Café in Bahnhofshalle 3 offenbarte, was wir weiter in Kaunas entdecken sollte: die Stadt ist zu groß für ihre Nutzung, dier Bahnhof zu riesig für die handvoll Züge zwischen Vilnius und Marijupole, die dort am Tag anhalten.

    Kaunas Bahnhof – Stadt mit Raum

    Schwarzer Lichtschalter auf schwarzer Wand

    Der Weg zum Boheme House , das selber nicht so genau weiß ob es ein Hotel ist oder Ferienwohnungen vermietet, war überraschend weit. Nominell sind Bahnhof und Haus beide in der Innenstadt – aber die eigentümliche Geographie von Kaunas sollte ein Thema bleiben.

    Ebenso wie die autofreundliche Stadt in Extremus, die die Sowjetunion hier hinterließ. Dass wir vom Bahnhof zur Bushaltestelle zwangsweise die Koffer durch eine Unterführung – natürlich ohne Rolltreppe oder Fahrtsuhl schleppen mussten – weil eine unpassierbare mehrspurige Straße direkt am Bahnhof vorbeiführt was überraschend.

    Noch überraschender aber, dass wir am Bahnhof auch weder Parkplätze sahen noch eine Möglichkeit, Mitfahrer*innen rauszulassen – er ist einfach komplett von der Stadt abgeschnitten.

    Noch überraschender war, dass der Weg vom Bus zum Boheme House auch noch einige Kilometer durch eine Fußgängerzone führte, die in der Mitte durch eine sechsspurige Straße unterbrochen wurde – und die nächste Unterführung.

    Immerhin waren wir vor dem Gewitter im Apartment. Mein erstes Insta-Apartment. Totschick, manchmal überraschend in der Benutzung, manchmal folgt die function doch arg der Form. Aber dafür hat es eine perfekte Panoramaaussicht über die Stadt, einen Moon Roof, und unglaublich stylishe schwarze Lichtschalter im schwarzen Bad.

    Endgültig hingerissen bin ich durch die perfekte Kaffeesituation (guter Filterkaffee!) und das exorbitat seltsamse aber schmackhafte Frühstück. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Best coffee making facilities

    Breite Straßen, niedrige Häuser

    Abends Altstadtbummel am Zusammenfluss von Memel und Neris; dort wo selbst das Rathaus sich als Kirche tarnt und Sportflächen aussehen als gehörten sie zu englischen Privatschulen.

    Basketball is a thing in Kaunas.

    Verkehrsmittel

    3 Fernzüge, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 2 Metros (Warschau) 5 Trams (2, Ffo, 3 Warschau), 4 Busse (3 Warschau, 1 Kaunas); hinzugekommen: 2 Fernzüge (Warschau-Mockawa; Mockawa-Kaunas), 1 Bus (Bahnhof-Hotel in Kaunas)

    Links

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    Herr Buddenbohm macht Sommerpause: „Was für meine Verhältnisse zwar höchst ungewöhnlich ist und bisher niemals vorkam, aber doch von vielen empfohlen wird.“ – Oha

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    Lesen und Schwimmen und Schwimmen und Pride.

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    Karen weiter auf Halbeuropatour: Mala Fatra (1) und Roháče

  • 26-07-12 Chopin mit nasser Hose (Frankfurt(Oder) -> Warschau)

    26-07-12 Chopin mit nasser Hose (Frankfurt(Oder) -> Warschau)

    Am Bahnhof Warszawa Centralna steht ein Chatschapuri,-Automat.

    *

    Am Bahnsteig in Frankfurt ein Zwillingspärchen im Partnerlook. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten hatten sie beide weiße Sneaker, aber verschiedene Modelle, beide eine marineblaue Hose, aber verschiedener Schnitt, beide weiße Oberteile – einmal Bluse, einmal etwas jackenähnliches, beide weiße Kopfhörer (einmal kabellos, einmal mit Kabel). Das war Partnerlook für Fortgeschrittene.

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    Hallo Berlin. Ich möchte es nur gesagt haben. Wir sind jetzt ziemlich kreuz und quer durch Warschau, seine Metrostationen und Bahnhöfe. Und jede einzelne Rolltreppe funktionierte. WIe auch die komplette sonstige Infrastruktur. Bitte Berlin nimm dir ein Beispiel.

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    Speedblogging die zweite: mal schauen wie weit sich das reisende ich vom bloggenden ich absetzen kann.

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    Es waren anderthalb Reisetage. Glaube ich.

    EC47

    In der Sitzreihe hinter uns in Wagen 267 saß ein deutsches Paar – anscheinend bereits in Alter beginnender Schwerhörigkeit – das anscheinend seinen ersten Warschau-Besuch plante. Auf jeden Fall las er ihr über Stunden aus einem Warschau-Reiseführer vor. Das war manchmal interessant, manchmal anstrengend und für uns beide zwischendurch hilfreich beim Einschlafen in den Zugschlaf.

    Denn, wie zu ahnen, sobald wir die Oder überquert und den Einzugsbereich der Deutschen Bahn hinter uns gelassen hatten1, lief alles reibungslos, selbst die Sitze waren hoch genug, dass ich meinen Kopf anlehnen konnte, und wir konnten entspannt zwischen Posen und Kotnu zwischenschlafen.

    Hola Oder

    Polen ist leer, aber hübsch. Im Zug, zumindest in Wagen 267, waren diesmal überraschend wenige Polen auf Heimreise und überraschend viele Deutsche im Urlaub. Das Paar vor uns holte Pierogi aus dem Speisewagen, das Personal war nett, und wir haben, hallo Deutsche Bahn, zwischendurch auch gesehen, dass Toiletten gereinigt wurden.

    Fancy schmancy wie Komfort Check In oder App-Bestellung am Platz gab es natürlich nicht. Aber auch wenn der Satz für jemand, der selber berufliche „Digitale Transformation“ macht – Züge, die dann abfahren und ankommen wie angekündigt sind am Ende halt geiler als Komfort Check-In.

    Railmap-Screenshot: Einfahrt in Warschau

    Und so schaute ich auf der Railmap wo wir langfuhren und freute mich, dass wir wie geplant um 1704 im Warszawa Centralna einliefen und 200 Meter später im Hotel standen.

    Saturday my feelings alright

    Wo kamen sie her die Menschen? Wo kamen sie her die Kleider? Auf den wenigen Metern von Centralna zum Polonia Palace sahen wir mehr aufgebrezelte junge Menschen, als im letzten Jahr Berlin zusammen. Das war auch nicht mehr polnisch-nightlive-chic, das war Hochzeit / Festlicher-Abiball.

    Wir bekamen es nicht heraus?

    Wir aber waren erst einmal froh das Hotel mit Sicht auf den Kulturpalast zu haben, im vielleicht besten Bett der Reise zu schlafen und anzukommen. Hallo Urlaub!

    So erdbeerig wie pilzig

    Wenn man das zweite mal in zwei Jahren in ein Lokal geht, und vorhat das wieder zu tun, dann ist das ein Stammlokal. Das Browar Warszawskie in der Ex-Brauerei von Haberbusch i Schiele2 ist ein solches. Fancy genug, um etwas besonderes zu sein, bodenständig genug, dass ich mich auch nach einem langen Reisetag im T-Shirt nicht komplett fehl am Platz fühle.

    Das Essen ist vage polnisch, aber in chic, das Publikum bunt gemischt zwischen Warsawa Party People am Shisharauchen und festlich angezogenen Tourist*innen. Und vor allem können sie kochen,

    Wir aßen: Duck Soup (Madame) bzw. kalte Erdbeersuppe (ich) als Vorspeise. Danach Boeuf Stroganoff (ich) bzw. den Filet Mignon Burger (Madame) als Hauptgang und wir teilten uns Chocolate Fondant mit Biersauce und polnischem Blauschimmelkäse als Dessert.

    Die Erdbeersuppe schmechte nach dem Besten was Erdbeeren so können, das Boeuf mit Pilzen nach dem Besten was der Wald bietet, und diese Schoko-(milder)Blauschimmelkombinatiin: So großartig.

    Jederzeit wieder.

    Erdbeerige Erdbeersuppe. Quasi Konzentrat der Erdbeerigkeit mit Scharf.

    Kimchi und Duschmatte

    Einst, 2023, waren wir im Zuge der Polen-Rundreise ein paar Tage in Warschau. Wir hatten dort das mit Abstand schlechteste und teuerste Hotel der Reise, zuckten aber leicht resignierend mit den Schultern: „Warschau halt“. Mit großen Augen liefen wir am Polonia Palace vorbei, das schon von außen versprach ein tolle Erfahrung zu bieten, aber auch nach unbezahlbarem Grand Hotel wirkte.

    Wir hatten halb recht: Grand Hotel stimmt irgendwie. Aber es kostet nicht mehr als das leicht verrotete besseres Hostel zwei Straßen weiter. Der BWLer in mir versteht nicht, wie das funktioniert, aber der hat ja auch gerade Urlaub. Deshalb freue ich mich am gigantischen Zimmer, einem Zimmerservice, der sofort Duschmatten bringt wenn benötigt, einem richtig guten Bett, richtigen guten Möbeln und einer Soundanlage, die Fernseh- und Radioton in das Badezimmer mit der Badewanne überträgt.

    Und ach, das Frühstück, ich war überfordert: Frisches Obst, frisches Gemüse, viel Salat, Ei in gerührt, gespiegelt und hartgekocht, frische Waffeln, Bratäpfel mit Beeren, Käsekuchen, Tapioka-Pudding, überbackene Tomaten, Makrelen, Hering, Kimchi(!), Grünkohl-Smoothies, süße Pierogi.. und irgendwann konnte ich nicht mehr.

    Kurz überlegten wir einfach so ausgiebig zu frühstücken, dass wir den ganzen Tag nichts mehr brauchen, aber das wäre dann später auch schade gewesen,

    An diesem Eingang liefen wir einst vorbei und schmachteten das Hotel an. Nicht ahnend, dass wir 2026 das Zimmer genau darüber im 1. Stock belegen würden.

    Am Klavier Karolina Nadolska

    Wenn wir schon Stammhotel und -restaurant haben, können wir auch Stammbeschäftigungen entwickeln in der Stadt: Das Chopin-Konzert zum Beispiel. Seit 1959 finden jeden Sommer jeden Sonntag Chopin-Klavierkonzerte am Chopin-Denkmal im Łazienki-Park statt.

    2023 hatten wir uns vor der brutalen Hitze in den Park geflüchtet, lagen um 12 reglos irgendwo unter dem Busch im Schatten und stolperten eher zufällig ins Konzert. Wir waren aber angefixt genug, um die zweite Runde um 16 Uhr auch mitzunehmen. Besser vorbereitet, es war auch nicht mehr ganz so brülledn heiß, aus einer Sitzbank außerhalb der Sichtweite des Klaviers aber in Hörweite.

    Diesmal waren wir noch besser vorbereitet: Wir hatten eine Unterlage mitgenommen, um uns auf den Rasen direkt am kleinen Teich am Denkmal zu setzen. Leider war es diesmal aber nicht heiß, sondern vorher war ein Wolkenbruch herniedergegangen: in 10 Minuten waren die Handtücher durch, in 20 Minuten die Hosen und in 30 Minuten die Unterwäsche.

    Was machten wir nicht alles für ein wirklich schönes Konzert von Karolina Nadolska am Klavier.

    Luftwurzelschauen

    Das Konzert war schön aber nass. Danach waren wir nass und leicht durchgefroren. Zurück ins Hotel zu fahren, wäre eine Idee gewesen. Aber ich wollte nicht, wo der Urlaub gerade erst angefangen hatte, gleich mit einer Pause beginnen.

    Glüclklicherweise liegt neben dem Łazienki-Park gleich der Botanische Garten der Universität Warschau, und in diesem ein Subtropenhaus und ein Palamarium.

    Waren wir 2023 noch in den Park geflüchtet um den 37 Grad Außentemperaturen zu entkommen, flüchteten wir uns 2026 ins Palmarium aus der Flucht vor den nasskalten 19 Grad – beides im Juli.

    Wir schauten Orchideen und mehr Orchideen, die Klassiker wie Kaffee, Bananen und Kakao, und mehr Orchideen und eine wirklich schicke Abteilung mit fleischfressenden Pflanzen. Mal ausnahmsweise nicht als Einzelpflanze sondern in größeren Gruppen in einer ganzen Anlage.

    Ebenso spannend wie erwärmend,

    Nachdem wir uns dank Tropenhaus wieder etwas aufgewärmt hatten, ging es in den Freiluftteil des Botanischen Gartens. Danach brachte uns die Metro zur Führung durch die Reste des Warschauer Ghettos und danach zur Weichselpromenade. Aber das soll ein andernmal erzählt werden.

    Verkehrsmittelzählung

    (Stand Botanischer Garten Warschau):

    1 Fernzug, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 5 Trams (2, Ffo, 3 Warschau), 2 Busse (Warschau); hinzugekommen 2 Trams, 2 Busse (Warschau Essengehen), 1 Tram (Fahrt in den Łazienki-Park)

    Links

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    Karen ist auf ihrer Halbeuropatur durch Deutschland durch: Halbeuropatour ’26 (4): Prag

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    Als Künstlerin mit Kind: [W]enn aufbauten besonders lange dauerten durfte anton auf den fernsehern, die ich in meine arbeiten einbaute, kinderfilme auf vhs-kassetten schauen.

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    Herr Rau über seine Filmgeschichte: Nickelodeon (Peter Bogdanovich 1976) und Filme der 1970er Jahre

    Die Reise

    Anmerkungen

    1. Der Fairness halber sei noch erwähnt, dass die Deutsche Bahn was Streckenlängen und -zahl, Menge der Zugfahrten und Menge der Passagiere in einer ganz anderen Liga spielt als die PKP. Eine gesellschaftliche Diskussion sähe anders aus. Aber die Diskussion „Meine Bedarfe als zugfahrender Urlauber“ ist ein stehender K.O.-Sieg in der ersten Runde für die PKP. ↩︎
    2. Haberbusch i Schiele sollten wir später noch einmal bei der Warschauer-Ghetto-Führung treffen. Aber später, ↩︎
  • 26-07-11 Alle Wege führen über Erkner, Wiege des modernen Kunststoffzeitalters (B-> Frankfurt(Oder))

    26-07-11 Alle Wege führen über Erkner, Wiege des modernen Kunststoffzeitalters (B-> Frankfurt(Oder))

    Taschentücher in Berlin-Ostkreuz gibt es am einfachsten bei Denn’s Bio-Markt.

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    Wenn man an der UEFI rumspielt, weil ein Windows-Rechner kein Wlan mehr findet, birgt das ein Risiko. Wenn er das Wlan danach immer noch nicht findet, möchte Windows die Microsoft-PIN, weil an der UEFI rumgespielt wurde, ohne Internet aber funktioniert die ganze Microsoft-Account-Geschichte nicht mehr. Alles unglücklich.

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    Der Minister samt Tross kam für zwei Minuten zu Madame und schüttelte ihr die Hand.

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    In Deutschland wird’s heiß. Aber wir weichen der Hitzewelle nach Osten aus.

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    Im Urlaubsblogmodus. Mit dem Ziel, halbwegs schreibend dem Reisenden mir hinterherzukommen. Es wird noch unredigierteres Speedblogging als sonst schon. Mal schauen wie es funktioniert. Es war ein Reisetag von Berlin nach Frankfurt (Oder).

    Friday I’m in Love

    Der erste Urlaubstag. Von einem Urlaub, der so lange dauern wird, wie ich es meiner Erinnerung seit zehn Jahren nicht mehr hatte: 17 Tage. Welch Reich der Möglichkeiten.

    WIe es sich gehört, begann ich diesen Ausblick in das Reich der Freiheit, der Grenzenlosigkeit, damit, dass ich ein paar Stunden auf Youtube rumsemmelte und mittelspannende Videos schaute. Immerhin weiß ich jetzt was The Charismatic Voice zu Zombie von den Cranberries denkt oder zu Piano Man von Billy Joel. Oder was irgendein Klavieryoutuber zu Piano Man denkt. Oder was 10 Songs waren, die BazzBuzz Punk beigebracht haben. Etwas, was ich sonst fast nie mache – ehrlich – aber es war so nötig und tat so gut.

    Denn da die Deutsche Bahn unseren Reiseplan durcheinander gewirbelt hatte, wollten wir schon Freitagnachmittag aufbrechen. Und so war der Freitag termingetriebener als ich mir das vorher ausgedacht hatte: Zeug aufräumen, Koffer packen und noch schnell die lange Kette beim Fahrradmeister kaufen.

    Er fragte mich, wie ich mein Fahrrad finde. Ich bin sehr glücklich, Daraufhin war er sehr glücklich, weil es ihn freut ihn dieser Zeit Menschen glücklich zu machen.

    Die Fahrradglückszeit aber musste erstmal enden. Es ging in den Keller, das Fahrrad an Ivar anschließen.

    Madame arbeitete noch, huschte in die Wohnung, packte ihren Koffer und huschte wieder hinaus. Dann kam das vermutlich größte Abenteuer der ganzen Halbeuropa-Reise: Mit der Bahn von Berlin nach Frankfurt (Oder).

    Boys don’t cry

    Viermal nutzte ich in meinem Leben den Warschau-Berlin-Express. Nicht einmal fuhr ich dabei von Warschau nach Berlin durch. Einmal wollten wir nur nach Posen, einmal war er Ergebnis einer obskuren Umleitung zwischen Stettin und Berlin, und zweimal drängte sich Erkner dazwischen.

    Im Sommer dürfen Berliner offenbar nicht nach Frankfurt. Vor zwei Jahren kamen wir in Warschau an, fuhren mit der PKP entspannt bis Frankfurt, und dann drängte sich ein ganzer EC in eine überlastete Regionalbahn nach Erkner (plus Schaffnerin in Begleitung von Sicherheistpersonal), und in Erkner drängte der ganze EC zur armen S-Bahn, die Schwüle der Angelegenheit noch vergrößernd.

    Dieses Jahr dann andersrum. Gebucht hatten wir einst einen durchgehenden EC, Abfahrt 11:45 in Berlin, Ankunft 17:04h in Warschau. Dann beschloss die Bahn zu bauen, und alle Alternativen waren nicht vertrauenserweckend, rechneten Bahn-Leistungen ein, denen ich keine zwei Meter weit trauen würde.

    Also fuhren wir nicht Samstag um 11:45h nach Warschau, sondern Freitag gegen 16:30h nach Frankfurt(Oder), um dann Samstag ab Ffo nach Warschau zu fahren. Die Fahrt war zwar so irr wie antizipiert, aber da wir alle Zeit der Welt hatten, für uns entspannt.

    Wir fuhren mit der S-Bahn zum Ostkreuz. Diese fuhr „nach dem Mond“, aber wir hatten ja alle Zeit der Welt. Dann schauten wir sehr lange auf den Turm am Ostkreuz während wir auf den Regio warteten. Dann wurden 40 Minuten Verspätung für den Regio angesagt. So hübsch war der Turm nun auch nicht, und wir dachten „da war doch vor zwei Jahren was mit Erkner, der Kleinstadt am Südostende des Berliner S-Bahn-Netzes.“

    Dann wechselten wir zur S3 nach Erkner. Und diese war mindestens so voll wie vor zwei Jahren.

    Diesmal wollte aber nicht die Fahrschaft eines kompletten ECs in die S-Bahn, sondern viele schwarz gekleidete Gestalten unseres Alters. Sehr viele. Die erste S-Bahn ließen wir durch. Die zweite wurde sehr kuschlig. An der Wuhlheide stiegen sie aus, wir entdeckten erste Cure-T-Shirts. Ah, das Konzert.

    Dann der Koffersprint durch Erkner vom S-Bahn-Bahnhof zum Regio-Bahnhof. Nicht, ohne mich zwischendurch am Schild „Erkner – Wiege der modernen Kunststoffwelt“ zu erfreuen. Denn wir ich inzwischen erfuhr: In Erkner wurde ab 1909 das weltweit erste Bakelit hergestellt.

    It’s just like a dream

    Als wir in Frankfurt waren, wurde alles gut. Das BB-Hotel lag direkt am Bahnhof, wir hatten ein großes Zimmer und ein luxuriöses Bad. In Frankfurt selber bekamen wir Geld in der ersten Bankfiliale jemals, die ich als cool bezeichnet würde und konnten damit über das HanseStadtFest „Bunter Hering“ bummeln.

    Das war überraschend groß, mit allein vier oder fünf Musikbühnen, überraschend bunt in jeder Hinsicht und überraschend lebensfroh. Obwohl wir beide weit jenseits eines partyartigen Energielevels waren, genossen wir das Herumbummeln, freuten uns an der guten lokalen Coverband (die auch noch Zombie coverte), der Mischung aus afrikanischen und polnischen Essensständen und der angenehmen Menge auf den Straßen.

    Auf der Oderbrücke betraten wir bereits einmal kurz polnischen Grund, zum Abschied sahen wir noch ein wenig 2raumwohnung mit Inga Humpe, die Hauptact dieses Freitags war.

    Gerne wieder.

    Lullaby

    Nach dem gangen Gegehe, dem Stress der letzten Wochen, und der eher abenteuerlichen Fahrt nach Ffo wollten wir nur noch Sitzen.

    Wir fanden einen Griechen direkt am Oder-Ufer, der nicht nur einen stetigen Ouzo-Nachschub lieferte, sondern auch schönes Bifteki und Gyros und guten Zaziki. Just, as wir es gebraucht haben.

    Zum Einschlafen konnten wir durch das geöffnete Hotelzimmerfenster noch „Wir trafen uns in einem Garten“ hören.

    The Lovecats

    Liebe Bahn-Bubble? Wie sieht das eigentlich aus? Wenn eine Bahn-Verbindung komplett zusammenbricht, und so wie gebucht, im Chaos geendet hätte, ich aber proaktiv schon anders gefahren bin (und früher aufgebrochen bin) und am Ende pünktlich ankomme? Gibt es Entschädigung?

    Denn trotz allem, wir kamen um 17:04h wie gewünscht in Warschau an.

    Samstag schliefen wir aus. Vom Bett aus im Halbschlaf betrachtete ich spannend die Updates von DB Navigator im 10-Minuten-Takt, die mir mitteilten warum Verbindungen B->FFO gerade zusammenbrachen oder wieder funktionierten oder sich ändern mussten. Es war anscheinend ein großer Spaß.

    Statt nun aber mit knirschenden Zähnen im Schienenersatzbus zu sitzen oder morgens um 7 in die Hafenstadt mit einem vielleicht fahrenden Regio zu fahren, saßen wir beim Milchkaffee, verließen um 12 das Hotel und schlenderten langsam zum Bahnhof.

    Die Bahn versuchte noch ein letztes Mal mit Gleisänderungen und seltsamen Anzeigen zu verwirren. Aber am Ende saßen wir im EC47 Frankfurt(Oder)->Fahrschau und fuhren Richtung Warschau.

    Aber das ist eine andere Geschichte.

    Reisestand bisher (Ankunft Warschau Hotel): 1 Fernzug, 1 Regio, 1 S-Bahn (Berlin), 2 Trams (Ffo)

    Die Reise

    Links

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    Karen ist schon wieder zurück von der Europatour und bloggt redigiert im Nachhinein: Halbeuropatour ’26 (1): Turku-Rostock

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    Weniger schön: Sabrina auf der Defqon die in letzter Sekunde der Sommerhitze zum Opfer fiel: Zurück in den Alltag – Code Red auf der Defqon.1

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    Der barschlose Supermarkt der Zukunft in Berlin-Lankwitz: Rewes Green-Farming-Konzept in Berlin: Das interessiert doch keinen Barsch

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    Ranch Dressing Mix

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    Bei Youtube-Daddeln gefunden. Eine von vermutlich sehr zahlreichen Filmlisten der besten Filme. Diese reizte mich, weil der Thumbnail offenbar Le Cercle rouge mit Alain Delon zeigte. Er Film, der viel zu wenig bekannt um je in Top-10-Listen zu landen, aber doch total faszinierend. Die anderen Filme kenne ich nicht, will sie aber jetzt alle sehen. Und das Gesamtwerk von Andrzej Żuławski. Die Liste: 10 HIDDEN Masterpieces That Will CHANGE Your LIFE. Ausgehend von den Ausschnitten und Beschreibungen halte ich den Titel eventuell für korrekt.

  • 26-07-09 Samedi 29 juillet: Ich bin Tochter des Korsaren

    26-07-09 Samedi 29 juillet: Ich bin Tochter des Korsaren

    Madame lud Ms. Bilanz zum Pistazieneis a la casa in la casa ein.

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    Der Kaptain erzählte vom Bad-Bramstedt-Besuch. Alles nicht so einfach dort. Vor allem weil es nicht Dithmarschen ist. Aber der Kaptain konnte helfen.

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    Post und vor allem PIN haben auch nach Monaten der Gewöhnung noch Probleme, unseren Briefkasten zu finden. Wir bekamen am Ende doch mehrere Briefe mit Aufklebern „unbekannt“ oder Stempeln „unbekannt verzogen“ übergeben.

    Ich überzeugte meine Arbeitgeberin, meiner Postadresse noch eine Wegbeschreibung hinzuzufügen.

    Madame war im Bürgeramt am Hohenzollernplatz, ausprobieren, inwieweit auch behördliche Prozesse Anmerkungen bei der Postadresse zulassen. Wir hatten Glück: Die Wegbeschreibung steht so auch im Mietvertrag und ist somit offiziell genug für ein Berliner Bürgeramt.

    Jetzt müssen wir noch auf die Lesefähigkeiten des Briefbot*in vertrauen. Immerhin weiß das Bürgeramt auch schon, dass PIN-Bot*innen anscheinend jede Woche ihr „Revier“ ändern und pro Brief genau drei Sekunden Suchzeit haben oder so.

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    Kaum fahre ich mal eine Woche lang nicht mehr mit Ringbahn, schon ist die Rolltreppe der Gegenwart ganz verschwunden. An ihrer Stelle klafft ein Loch.

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    Es war radelnde Arbeitstage inmitten eines well behaved summers.

    Nicht vergessen: Beim Funkhaus einmal grüßend an den Helm tippen

    Den Fahrradhelm vergaß ich schon wieder.

    Aber langsam groovt es sich ein. Langsam beginne ich auch auf der neuen Strecke ein Kurven- Hubbel- und Bremsgedächtnis zu etablieren. Auch der optimale Fotoschlenker auf die Stadtparkbrücke entsteht. Es wird nicht mehr lange dauern, dann läuft die eigentliche Strecke im Blindflug. Dann kann ich mich ausschließlich auf den Verkehr konzentrieren, den Wind im offenen Haar spüren und Glasscherben ausweichen. Denn vorausschauend fährt es sich am besten, wenn ich im Vorhinein weiß was kommt

    Südkreuz-Office-Tiefgarage. Mensch beachte das inzwischen durchgehende Anti-Tauben-Netz unter der Decke.

    Der Rückweg führte am KaDeWe vorbei hin zum Schuhdiscount. Ich brauchte noch gute lauffähige Schuhe für touristisches Stadtlaufen, die nicht schon vorher halb am auseinanderfallen sind. Endlich wieder einmal der nette Weg durch’s Bayerische Viertel Richtung Wittenbergplatz.

    Verregneter Blick den Tauentzien hinunter Richtung Europacenter, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Shoe City Outlet und Hochhäuser am Zoo.
    West! West! Westberlin!

    Getrieben vom eigenen Schwung die letzten Meter bis zum Beckenrand gleiten lassen

    Anscheinend gehen die Eichenprozessionsspinnerabsperrbänder zur Neige. Am Hans-Baluschek-Park war ein Großteil der betroffenen Bäume nurmehr durch ein aufgespraytes „E“ in rosa gekennzeichnet. Denn, gute Nachricht, ich radelte wieder einmal durch den Hans-Baluschek-Park, der Südkreuz und Insulaner miteinander verbindet.

    Langsam kommt zusammen, was zusammen gehört: Freibad und Fahrrad, der kleine After-Work-Ausritt zum Insulaner, ein Abendplantsch und dann weiter in die Wohnung. Ich hatte ihn vermisst, den Fahrradhain: vom Format einer Halle, fast durchgehend beschattet, und doch angenehm luftdurchzogen und soweit ich sah ohne Eichenprozessionsspinner.

    Vielleicht, wenn das nächste mal 35 Grad plus sind, und ich nicht mehr in das Freibad gehen mag, stelle ich mich einfach dort hin, genieße Schatten und Lufthauch.

    Noch aber muss ich mir die Gedanken nicht machen: noch herrschten 23 Grad bei strahlendem Sonnenschein. Ich konnte hinein, die Kabane genießen1 und noch mehr konnte ich das leidlich leere Becken genießen: ein bißchen Kraul-Total-Immersion üben, ein bißchen mehr rumwabern und ein bißchen auf der Beckenterrasse das Wetter genießen.

    Danach übte ich den neuen Rückweg nach Wilmersdorf. Ich stellte fest, ich radle direkt am Rüdi vorbei. Die ganzen schicken Fachgeschäfte für das verwöhnte Bürgertum haben zu dieser Zeit zwar schon geschlossen, aber die BioCompany und vor allem der Rüdesheimer Weinbrunnen sind noch geöffnet.

    Gerne wieder.

    Leichtigkeit Vielleichtigkeit

    Tja, Sommer. Dieses Jahr übt er noch. Ich liebe Sturm bei 22 Grad, glaube aber ich bin damit eher allein. Dennoch besser als 41 Grad. Solange der vor-der-Haustür-Sommer noch seine Gestalt sucht, gehen wir ins Kino, schauen Sommer von vor 30 Jahren prä-Klimaerwärmung. Eric Rohmers Conte d’été / Sommer von 1996 lief im Ciné Club, der Reihe mit französischen Klassikern im Cinema Paris.2

    Der Mathematik-Absolvent und unentdeckte Shanty-Komponist Gaspard (Melvil Poupaud) verbringt einige Sommerwochen zwischen Uni-Abschluss und Berufseinstieg, zwischen Mittjuli und Augustanfang am Strand der Bretagne. Die Tage werden einzeln mit einer Art Kalendereinblendung aufgezählt, was dem Film einen leicht dokumentarischen Hauch verleiht.

    Dort, im Badeort Dinard, wartet er auf seine vielleicht-Freundin Lena (Aurélia Nolin), die er vielleicht liebt. Während er wartet, lernt er Margot (Amanda Langlet) kennen, die ihn vielleicht liebt und er vielleicht sie. Margot, macht ihn mit Solène (Gwenaëlle Simon) bekannt.

    Gaspard liebt vielleicht Solène, diese allerdings verlangt von ihm eine klare Entscheidung. Gaspard trifft eine Entscheidung – allerdings jeden halben Tag eine neue Andere Entscheidung.

    Am Ende hat Gaspard drei Frauen versprochen, dass er jeweils mit ihnen zusammen ein paar Tage auf der Insel Ouessant verbringen wird; jeweils allein und jeweils in der letzten Woche bevor er arbeiten muss. Er macht, was wohl fast jeder Mann in dieser Situation angesichts dieser Entscheidung machen würde. Er nuschelt „muss ein Mischpult kaufen“ und macht sich aus dem Staub.

    Die äußere Handlung ist spärlich. Gaspard läuft allein durch Dinard an der bretonischen Smaragdküste. Gaspard sitzt allein im Zimmer und schreibt an seinem Shanty Fille de Corsaire. Margot und Gaspard laufen am Strand von Dinard und reden miteinander. Lena und Gaspard laufen am Stand von Saint-Lunaire und reden miteinander. Solène und Gaspard sind zusammen am Strand von Saint Malo und reden miteinander.

    Menschen am Übergang zwischen Studium und echtem Beruf treffen sich in der Jahreszeit in der normalen Regeln des Alltags ausgesetzt sind, alles in den speziellen Sommermodus fällt. Nur Solène ist entschiedener, will Klarheit. Vor allem mit Solène passiert Handlung jenseits des „sie laufen zu zweit am Meer entlang und reden“. Mit Solène findet der emotionale Höhepunkt statt: Die Ausfahrt auf dem Boot in den Ärmelkanal mit Familie, Akkordion und sie singt Fille de Corsaire.

    Ein Film unentschiedener Leichtigkeit. Wie ein guter Sommer selbst, wunderbar um sich hineinzulegen, aber mit einem natürlichen Ende versehen wenn der erwachsene Alltag kommt und Entscheidungen möchte.

    Ein Seemannslied über die Ebenen Mexikos

    In Sommer werden zwei Shanties gesungen. Neben der Tochter des Korsaren, extra geschrieben für den Film, kommt auch Santiano vor.

    Von Santiano dachte ich, ich kenne den Song, gesungen von der gleichnamigen deutschen Band, die vermutlich einen Song schrieben, um sich selbst zu feiern. Um so verwunderter war ich den Song, hier zu hören, viele Jahre bevor Santiano (Band) sich gründete und vor allem mit einem Text über Saint Malo an der Küste der Bretagne.

    Ist das vielleicht gar kein Santiano-eigener Song? Aber auch kein englischer Shanty, den Santiano (Band) einfach eingedeutscht haben? Ist es eventuell französisch? Hat sich hier ein Stück französische Kultur in den deutschen Mittelaltermarkt-Kanon geschlichen?

    Jein.

    Soweit ich weiß: Santiano (deutsch) und ist eine rockige Überarbeitung von Santiano (französisch)3. Der Text blieb dabei weitgehend unverändert, allerdings wurde bei der deutschen Übersetzung Saint-Malo in der Bretagne durch Hamburg ersetzt. Der eigentliche Ausdruck Santiano hat dabei keine Bedeutung, ist eher Marker von Exotik und Ferne.

    Santiano hat im franzöischen Text auch keine echte Bedeutung, Santiano und Saint-Malo sind aber klanglich so nahe, dass ich als Hörer davon ausgehe, das irgendeine Verbindung besteht.

    Das französische Lied hat Hugues Aufray – bekannt vor allem als Interpret französischer Bob Dylan-Coversversionen – einem älteren englischen Shanty Santiana entnommen4. Es erwarteten mich zwei Überraschungen: Santiana ist ein echter Shanty, wirklich aus dem 19. Jahrhundert5 und wohl wirklich auf Schiffen als Arbeitslied gesungen.6

    Und der Text handelt von den Ebenen Mexikos und General/Präsident Antonio López de Santa Anna und dem mexikanischen Unabhängigkeitskrieg. Entgegen den Lyriks des Songs allerdings ging der Krieg nicht gut aus für Santa Anna – und das trotz der Unterstützung durch private britische Soldaten – also Soldaten die nicht im Auftrag von UK kämpften, aber eigentlich normalerweise schon britische Soldaten waren.

    Santiano ist Santiana ist Santa Anna ist ein Name. Und der hat nur höchst indirekt etwas mit Seefahrt zu tun. Das kam überraschend.

    Links

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    Der Tagesspiegel hat sich den Südkreuz-Rolltreppen auch mal wieder angenommen (leider mittlerweile mit Paywall): „Fürs Eigenheim oder dergleichen“: Berliner Student bietet defekte Rolltreppen vom Südkreuz in einer Kleinanzeige an

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    hotel mama sah linie 1: linie 1 war wirklich lustig und kam so frisch und gutgelaunt rüber wie am ersten tag, dabei lief es zum 2343. mal oder so. theater voll bis auf den letzten platz, publikum singt mit. 5 vorhänge.

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    Ein Hotel sollte ein wirtlicher Ort sein. Unser aktuelles Hotel für drei Tage ist kein wirtlicher Ort.

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    Wann sind eigentlich Internet-Cafés und öffentliche Internet-Terminals ausgestorben? (via kaltmamsell). Ich kann zwei Datenpunkte liefern: 2011 als wir in Yorkshire noch eine Überfahrt von Felixstowe(?) auf den Kontinent zurückbuchen mussten, fest davon ausgegangen waren, es Internet-Café zu erledigen – und es gab keins. Nada. Nichts. Nicht einmal in York. Am Ende fuhren wir direkt in den Hafen zum Fährbüro. 2011 waren Internet-Cafés in Deutschland noch total üblich, im nicht-großstädtischen UK aber komplett ausgestroben. Der zweite Datenpunkt ist 2020 als unser damaliger Nachbarspäte/Internetcafé per Schild verkündete: „Interweg wegen Corona geschlossen.“ Ich glaube das war am Ende des Ende der dortigen Terminals. Mittlerweile wurden sie durch einen Billardtisch ersetzt.

    Anmerkungen

    1. Kabanenbesuch No 5/2026 – damit 16 Euro pro Besuch. ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 37 – damit 6,43€ pro Besuch ↩︎
    3. Tolles Video auch. Ehrlich. ↩︎
    4. Für eine lange Liste traditioneller Einspielungen: Mainy Norfolk: Santy Anna / The Plains of Mexico ↩︎
    5. Laut dem Shanty-Blog Wild Chants with Doggerel Words war der erster Druck 1868: #30-32 Santiana/ The Plains of Mexico ↩︎
    6. Roud-Index No. 207! Das allerdings öffnete gleich das nächste Kaninchenloch „Was ist der Roud Index und wie funktioniert seine Nummerierung? Ein andernmal.“ ↩︎