Kategorie: Alltag

  • 26-07-07 I don’t believe in Peter Pan, Frankenstein or Superman

    26-07-07 I don’t believe in Peter Pan, Frankenstein or Superman

    Der Kaptain fuhr nach Bad Bramstedt.

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    Wo kommen die ganzen Elektro-Lastenräder her? Einige Monate war ich nicht auf dem Rad, wir zogen von Schöneberger Haupt- in Wilmersdorfer Nebenstraßen und schon schießen beim ersten Wieder-Radpendeln Elektro-Lastenräder links und rechts mit Karacho an mir vorbei. Zufall? Anderes Nutzungsprofil der Wilmersdorfer Nebenstraßen? The Times are changing?

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    Brian May has said that the song [Bicycle Race] was not an autobiographical portrait of [Freddy] Mercury and that Mercury did not particularly enjoy bicycling, also noting that despite the lyric „I don’t like Star Wars“, Mercury was a Star Wars fan.[10]

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    Madame kehrte ins Stadtbad Schöneberg zurück. Als Bad-Abonenntin durfte sie am Wiedereröffnungs-Probebetrieb teilnehmen. Ihr Fazit: Wie immer, nur unglaublich sauber. Und entspannter, weil die Zahl der Besuchenden noch sehr gering ist.

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    Es war ein aglais-ioscher Latifundiensonntag und ein Tag in den Südkreuz Offices ganz ohne am Südkreuz zu sein.

    Lawn derives from Middle English launde, a borrowing from Old French lande (meaning „heath“, „clearing“). The word shares an origin with land

    Unter dem Schattiernetz las ich das Paul Robbins‘ Buch Lawn People – seine Kultur-/Sozial-Geschichte der amerikanischen Rasenflächen als Vorgarten. Wie kam es, dass ein ganzes Land, ein halber Kontinent, eine vergleichsweise uniforme Vorgartengestaltung betreibt, die aus durchgehenden monokulturellen Rasenflächen quer durch ganze Straßenzüge besteht?

    Ich staunte darüber, dass der vergleichsweise schmale Band mit Vorgartenrasen beginnt, dann einen Bogen über die Kulturtheoretiker Bruno Latour und Louis Althusser schlägt, um zur Biologie der Gräser und einer ausführlichen Besprechung aller relevanten Gras-„Pflege“-Chemikalien des 20. Jahrhunderts zu gelangen.

    Das Büchlein ist schmal, und ich habe erst die Hälfte gelesen, bin mittlerweile sehr gespannt wie es weitergeht.

    Robbins zeichnet nach wie der gepflegte Rasen in französischen Fürstengärten der Renaissance entstand, sich über Englische County Houses verbreitete und mit Frederik Law Olmsted (bekannt durch den New York Central Park und den Niagara Falls National Park) schließlich in die USA kam, wo er am Ende die dominierende Kulturpflanze1 des ganzen Landes wurde.2.

    Und welche faszierende Lektüre zum 4. Juli, dem 250. Geburtstag der USA. Derjenige Geburtstag, den am Ende hoffentlich alle in Erinnerung behalten, als „damals als der verrückte Onkel die Party schmiss.“

    Vielleicht war es ein Lawn-people-Geburtstag.

    Ich habe den Eindruck viele der Trump-Wählenden wünschen sich eine USA zurück, wie aus der Rasenpestizid-Werbung der 1960er: Das Gras so grün so unnatürlich, Papa auf dem Aufsitzmäher, Mama kocht, das Mädchen putzt und der Bub spielt kleine Streiche. Eine Welt, die es nie gab, die ich mir aber hervorragend als ausgeschnittene Zeitungsanzeige der Lawn People vorstellen kann.

    Das Tagpfauenauge ist der Junikäfer des Julis

    Junikäfer (Amphimallon solstitiale) gehören zu den Tierarten Brandenburgs, die manchmal arg herausgefordert wirken von den Anforderungen, die Leben und Welt an sie stellen. An einigen Abenden im Juni steigen sie in den Latifundien zu Dutzenden, Hunderten, aus ihren Erdlöchern empor, beginnen zu fliegen und dotzen gegen alles was im Wege liegt. Gegen Bäume, Häuser, Menschen, Autos.. egal.. Hauptsache dagegen, wieder und wieder. Es ist ein Spektakel der Frühsommerdämmerung. Es ist ein Rätsel wie sich jemals zwei dieser Käfer gegenseitig finden, aber wahrscheinlich ist dieses gegen-Alles-Dotzen ihr Erfolgsgeheimnis. Irgendwann dotzen sie auch gegen andere Junikäfer: Und dann Liebe! Familie! Kinder! Kredit!

    Tagpfauenauge (Aglais io) stellen sich besser an. Die Stelle des Hauptdotzers Brandenburgs kann nur einmal vergeben werden. Die Tagpfauenaugen fliegen nicht gegen den Bungalow. Sie fliegen hinein. Einer, den wir hinausbeförderten, zwei, den wir hinausbeförderten, drei, den wir hinausbeförderten.. spätestens wenn wir die Hütte verlassen, alle Türen und Fenster geschlossen sind, ist das keine gute Gegend für Tagfalter dort.

    Denn obwohl das Wetter auf Grau und Regen geschaltet hatte, sind die Schmettis und die Bienis und Hummis nicht mehr aufzuhalten. Neben all‘ den Schachbrettfaltern (wo kommen sie alle her!?), den weiterhin zu hektischen braun-orangen Schmetterlingen, den nicht mehr abschätzbaren Hummeln und Bienen, den Kohlweißlingen und Zitronenfaltern, kommen auch die Tagpfauenaugen. Auf dem Dost, auf der Wiese, und im Bungalow. Hübsch sind sie. Und weil es kühler war, waren sie auch gerne bereit in der spärlichen Sonne ihre Flügel aufzuspannen.

    Wir waren am Sonntag etwas erholter als am Samstag und werkelten dementsprechend mehr. Leider vergaß ich vor dem weiteren Zupfen der Brennesseln, das ich zwar behandschuht, aber mittlerweile kurzärmlig unterwegs war, so dass ich davon noch den Rest des Tages etwas hatte.

    Mit Coffee making facilities (){}

    Die kommenden Wochen rasen heran. Ich versuche gleichzeitig mit wieder an die korrekte Reihenfolge von package main, und import „fmt“ und func main() in Go zu erinnern, herauszufinden, ob mensch von Kaunas mit dem Schiff die Memel hinunter bis zur kurischen Nehrung fahren kann3, mit Madame zusammen das „wie-kommen-wir-rechtzeitig-nach-Frankfurt(Oder)-Problem“ zu lösen und den Spagat zwischen meinem langsam ausklingenden vorurlaublichen Arbeitstempo und dem Das-muss-alles-noch-fertig-werden-in-Q2 der Kolleg*innen zu schaffen.

    Ich möchte eigentlich nur noch die Arme ausbreiten und der mit Restgeschwindigkeit des metaphorischen Fahrrads ins Ziel trudeln, alles um mich herum, möchte noch schnell ein Bicycle Race gewinnen.

    Trotz überraschend vieler Feuerwehreinsätze gelang es mir immerhin heute eine halbe Entscheidung zu treffen, was wir mit den USB-C-auf-USB-C-Adaptern4 machen, die irgendwie den Weg zu uns fanden, ich kann mittlerweile die drei Arten der Variablendeklaration in Go auswendig genug um sie niederzuschreiben, und wir beschlossen das Frankfurt-Problem mit Flexibilität und Geld zu erschlagen.

    Nein, nicht das Taxi. Aber wenn jede Art Vormittags nach dort zu kommen, um den polnischen EC zu kriegen, ungemütliches und unentspannedes Hassle mit Regios und Bussen sein wird, können wir auch Open-End-am-Abend-vorher fahren und ein Hotel beim Bahnhof nehmen.

    Dann haben wir die chillste Anreise zum EC, die wir uns vorstellen können.

    I want to ride

    Es war der Gegenwind und nicht die mangelnde Übung! Meine Schutzbehauptung von letzter Woche erwies sich zu meiner eigenen Überraschung als war. Endlich, endlich, konnte ich wieder mit einem funktionierenden Fahrrad zur Arbeit fahren. Queens Bicycle Race war meine Hymne. I don’t believe in Peter Pan, Frankenstein or Superman / All I wanna do is Bicycle, bicycle, bicycle, I want to ride my bicycle.

    Ich summte.

    (You say black) I say white. (You say bark) I say bite. And I don’t like Star Wars.

    Nur war ich halt langsamer als Queen sang. Aber es war so schön, entlang der Nebenstraßen Wilmersdorf, vorbei am Volkspark und dann durch die alte Hood. Denn bei allem was sich im Leben in den letzten Jahren änderte: es verlagerte sich nur wenige Kilometer nach Westen.

    In Teilen fahre ich immer noch dieselbe Arbeitsstrecke. Nur ist das, was damals der westlichste Teil des Weges war, nahe der Wohnung war, mittlerweile der östlichste Teil, den ich fahre, nahe der Arbeit.

    Noch läuft es unrund: Helm vergessen, starten der DB-Rad-App vergessen, die elegantes Kurvenführungen vergessen. Aber es wird wiederkommen.

    I want to ride my bicycle I want to ride my bike.

    Zu Hause hatte Madame aus den solidarischen Breiten Bohnen eine Coronation Quiche gebacken. Der Geruch der Melone hatte sie von der Kasse zurück in den Supermarkt gelockt – zu meinem Nachtischsglück.

    Links

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    Kurz bevor wir den Pink Soup Train nehmen werden, sendete der Deutschlandfunk einen Beitrag zum Pink Soup Festival. (Sonntagsspaziergang, ab Sekunde 35)

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    Auch ein Fan der Lawn People ist US-Autor Michael Pollan, der selber einige Bücher über Pflanzen-Mensch-Beziehungen schrieb. Hier ein kurzes Video von ihm zum Thema: Why is America Obsessed with Lawns?

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    Die Stuttgarter Wielandshöhe bloggte ihre Serviceregeln (via Kaltmamsell) und natürlich provozierte das sofort Erinnerungen an das wunderbare Essen mit Dr. D und Dr. E dort im letzten Oktober.

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    Mehr zu Liminalen Orten: Liminal Spaces: Wenn anthropogene Orte menschenleer sind (via Kieselblog)

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    Noch jemand, der am Hitzesonntag Glennkill im klimatisierten Kino sah.

    Anmerkungen

    1. Die Rasenfläche ist weit größer als aller Mais in den USA zusammen. Oder alles Soya. ↩︎
    2. Wobei er auslies, dass ausgerechnet die Shaker – gerade wieder bekannter durch den Film The Testament of Ann Lee – die ersten waren, die qualitativ hochwertige Grassamen züchteten. ↩︎
    3. Ja, aber nicht an Tagen wo es uns nutzen würde. ↩︎
    4. Ja, die gibt es. Ja, ich weiß auch nur halb warum. Deshalb lagen sie ja ungeklärt in der Gegend. ↩︎
  • 26-07-04 Schachbrettfalter-Gammaeulen-people

    26-07-04 Schachbrettfalter-Gammaeulen-people

    Hühnerwald in der Hauptstraße hat wieder geschlossen. Miamor Flora ist nie bis zur Eröffnung gekommen, einzig das Schild an der Ladenfront konnten sie anbringen bevor die Projekt schon wieder starb. Unser alter Hinterhof bleibt weiterhin ein magischer Anziehungspunkt für Bauschutt aller Art.

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    Currywurstand Ruhige Tag macht einen Monat Urlaub.

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    23 Grad Außentemperatur plus viel Erholungszeit in den letzten Tagen. Ich bin wieder halbwegs betriebsfähig. Jetzt muss es sich nur noch ändern, dass ich herumhuste wie ein heiserer Seeelefant kurz vor dem Ableben.

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    Beim Fußball-Tippspiel bin ich auf Platz 10 von 46. Das ist zu schlecht um damit anzugeben und zu gut, um darüber eine schöne Geschichte zu erzählen.

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    Es war ein Homeoffice-Pizza-Freitag und ein Regen-Brennessel-Samstag.

    Ecke Berliner/Brandenburger-Straße

    Dazu ein Helm in weiß

    Lastenrad

    Noch zeigen sich die Folgen der Hitze. Als ich den Fahrradmeister verließ, hörten wir lautes Brüllen vom Ende der Straße. Ich musste eh dort entlang und sah einen Mann neben einem liegenden Lastenrad, einen anderen der gerade von seinem parkenden schwarzen Kleinwagen wegging.

    Die Vorgeschichte erschloss sich mir nicht genau. Ich konnte raten und dabei das Wort Dooring in meine imaginierte Geschichte einbauen, beziehungsweise, da meine imaginierten Geschichten eher im vorsprachlichen Raum entstehen, mir Bilder vorstellen wie das Lastenrad knapp der sich öffnenden Tür am Kleinwagen auswich, dabei ins Schlingern kam und der Radfahrer stürzte. Aber es kann auch ganz anders gelaufen sein. Auf jeden Fall stieß der Lastenradfahrer eine Schimpfkanonade in deutsch und arabisch aus, die ich so seit Jahrzehnten nicht mehr hörte; minutenlang. hörbar bemüht den anderen in seinem tiefsten Inneren zu treffen. Es war so verstörend wie beeindruckend.

    Böttcherrad

    Glücklicherweise konnte ich mich von der Situation ablenken, indem ich mein neues himmelblaues Fahrrad anhimmelte. Der Fahrradmeister hatte mein Böttcher Safari – Farbe himmelblau dormant erhalten, mir fertig eingestellt und übergeben. Er selbst war ja skeptisch gewesen ob der Farbwahl (Arbeitstitel: Farbton Schwimmbadkachel), jetzt aber staunte er und ich. Es war gar nicht so pastellig wie gedacht, eher eine Mischung aus schönen Sommerhimmel meets Schwimmbad meets Glaskugel – die Farbe hat eine Tiefe und scheint fast von allein zu leuchten. Ich bin geflasht.

    Die eigentliche Substanz des Rads steht ja ohnehin nicht zur Diskussion. Ich geriet mit einer anderen Fahrradmeisterin-Besucherin ob der Farbe ins Plauschen. Sie fragte nach einiger Zeit verwundert, wieso ich 1500 Euro für ein normalen Fahrrad ohne E ausgebe, und ich konnte einfach sagen, weil ich mit dem Vorgängermodell 26 Jahre lang hervorragend gefahren bin.

    Noch überwiegt die Begeisterung auch den Gedanken, dass ich auch gleich ein großes „Klau Mich!“ Schild am Rad befestigen könnte, statt der auffallenden Farbe. Aber irgendwas ist immer.

    Auf jeden Fall schwang ich mich auf’s Rad und ich war ganz schön aus der Übung es war sehr starker Gegenwind.

    Kein Foto. Gerade dieses Leuchten ist nicht fotografabel. Und wenn es wieder anders aussieht als ich schreibe, denkt ich noch ich würde mir hier vielleicht Sachen ausdenken.

    Ohne Wirtschaft und Gesellschaft

    Beim Mecklenburger-Käse-Toast am Frühstückstisch mit Kornellkirschenaussicht höre ich im Deutschlandfunk vom „Reformpaket“ des „Koalitionsausschusses.“ Es scheint das Opus Magnum der aktuellen Bundesregierung, und ich bin mir unschlüssig, ob ich darüber nachdenken will, aus Furcht, damit dann nicht mehr aufhören zu können.

    Wartezimmerärger

    Wirklich überraschen mich die gewollten Änderungen bei der Krankschreibung. Ich gehe davon aus, dass ich persönlich dank Öffentlichem Dienst mit Tarifvertrag und Personalrat niemals direkt von der Krankschreibung am ersten Tag betroffen sein werde. Und trotzdem bekomme ich auffallend schlechte Laune nur bei dem Gedanken daran.

    Ich gehe davon, dass diese schlechte Laune fast jede Arbeitnehmer*in dieses Landes trifft, und viele die mit diesen zu tun haben, und frage mich, wie genau die Idee zustande kam, sich willentlich und wissentlich einen Shitstorm quasi aller Arbeitenden Deutschlands zu erschaffen? Wer dachte, das sei eine gute Idee?

    Palastfreude

    Zweifeln tue ich an mir selber und der Koalition beim Begriff „Reichensteuer“. Offenbar haben sie und ich einen verschiedenen Begriff von Reichtum.

    Mein Begriff beruht auf dem Vermögen – also der Bestandsgröße, die an Mitteln schon da ist. Reich ist, wer allein Kraft seines Vermögens eine „Distanz zum Notwendigen“ (Bordieu) hat – wer also nie wieder arbeiten muss und dennoch nie im Leben über Geld wird nachdenken müssen. Reichtum bringt unerschütterbare Sicherheit ohne Gefahr.

    Diesen Reichtum, also meines Erachtens, echten Reichtum, lässt die Regierung in Ruhe. Ihr geht es um höhere (Arbeits-)Einkommen. Also hier reden wir von Einkommenshöhen, die Sicherheit bringen – so lange das Einkommen fließt. Dieses aber ist immer gefährdet, kann von einem Tag auf den anderen vorbei sein, wenn das mit der Arbeit nicht mehr geht. Zumal diese Arbeitseinkommen nach oben gedeckelt sind. Jenseits von DAX-Vorständen bewegen sie sich im menschlich vorstellbaren Rahmen.

    Einkommen, die aus Vermögen entstehen können menschlichen Vorstellungsvermögen komplett sprengen, und sind sehr viel sicherer. Diese werden aber zukünftig genauso wenig besteuert wie bisher. „Reichensteuer“ ist bestenfalls missverständlich, schlechtestensfalls der Versuch eine soziale Gerechtigkeit zu simulieren.

    Bibliothekshoffnung

    Mit etwas Suche finde ich online den Text Vermögensforschung: Reichtum und seine philanthropische Verwendung, der meine Gedanken etwas theoretisch nachfundieren kann. Ich aber fühle mich inspiriert wieder mehr zum Thema zu lesen, mal schauen ob die örtliche Bibliothek vielleicht Max Webers Wirtschaft und Gesellschaft im Regal stehen hat.

    Ich radele mit dem neuen Rad zur Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek in Wilmersdorf City. Ich finde ein Soziologie-Regal, dieses aber scheint mir klassikerarm. Ich sehe ein Buch von Judith Butler, ein Buch über Max Weber (nicht von ihm), eine ganze Menge Stoff, den ich als Talkshow-Begleit-Literatur bezeichnen würde und eine ganze Menge zu aktuellen Themen, dessen Substanz ich auf den ersten Blick nicht einschätzen kann.

    Für eine Bezirksbibliothek – in einer Stadt mit drei großen Universiäten und einer Staatsbibliothek zudem – sinnvoll für die Zielstellung der Bibliothek – für mich in dem Moment aber trotzdem bedauerlich.

    Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek

    Aus dem Lautsprecher: Adriano Celentanos Azzurro. Und es passte.

    Zum Ende der Woche lud mich Madame zur Pizza. Auf halber Strecke zwischen Wohnung und dem Sommerbad Wilmersdorf hatte sie Taormina Tavola Calda entdeckt. Ein kleiner Laden, von dem wir beide dachten, er ließe sich sofort mit Personal, Häuschen, Möbeln und Publikum in eine italienischen Bergdorf beamen könnte und sofort als Dorfimbiss/Trattoria durchginge.

    Bellissima!

    Wir hatten starke Italiengefühle – nicht mare/Roma/grande Piazza sondern Dorfzentrum-am-Wochenende. Und es war so schön. Dazu guter Haus-Weißwein, eine Geburtstagsparty lief, wir hatten ordentliche Pizza1 und Espresso – sahen nebenan durchaus einladenden Salat und Pasta.

    Hinter dem Zaun das Taormina

    Der Sauerampfer schießt, die Clematis eindrucksvoll wie nie, Rosa Goldelse hat plötzlich Volumen

    Ich: Es ist herrlich.

    Madame: Herbstlich.

    Ich: Herrlich herbstlich.

    Im Nachbardorf findet dieses Woche das Dorffest steht. Letzte Woche wäre dieses in der Hitze geschmolzen, vermutlich waren die Veranstalter*innen glücklich über den Termin diese Woche – nur damit es dieses Wochenende in einem Herbststurm untergeht.

    Das mit dem Sommer ist schwierig dieses Jahr. Aber ich liebe den dieswöchigen Herbst. Wir kuscheln uns im Bungalow ein. Abends besucht uns eine Gammaeule.

    Manchmal geht Madame kurz raus, um die abgeblühte Rosenblüten abzuschneiden. Noch manchmaliger gehe ich kurz raus, um große Brennesseln zu rupfen.

    Von der Terrasse aus sehen wir eine schöne Gräser-Trikolore aus Strohgelb (halb hohes verstrohtes Gras) im Westen, dem flauschig-ätherischen rot-grau-braun des Landschilfes in der Mitte und dem kräftigen Gelb des Labkrauts im Osten.

    Auf der Kaffeegartenrunde konnten wir sehen, dass viele Quadratmeter des Labkrauts von rosa-weißen Platterbsen überwachsen sind, bestaunen die Beete, sehen am Dost Dutzende von Schmetterlingen, Bienen und Hummeln.

    Gelesen

    Paul Robbins: Lawn People – einst mir empfohlen, durch eine Bemerkung in einem Michael Polan Buch. Lawn People ein Buch, das bei amerikanischen Vorgärten startet und schon nach wenigen Seiten bei den Theoretikern Louis Althusse und Antonio Gramsci ist. Noch habe ich erst wenige dieser Seiten gelesen, aber ich vermute, das Gras wird noch als handelnder Akteur hinzukommen.

    Grass, nicht lawn

    Links

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    Manchmal fällt es mir schwer, mit kleinen Kindern umzugehen. Ich ziehe es meist vor, mit Beziehungsaufbau zu beginnen, wenn die Kinder sprechen und mich verstehen können und wenn sie ein wenig Selbstverantwortung auf sich nehmen können. Das war bei meinen Enkeln so. Bei meinen Urenkeln, so meine ich, habe ich dafür zu wenig Zeit (immerhin bin ich 91, da hat man keine Zeit mehr, zu warten).

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    Blogs sind schön, um in komplett andere Leben zu sehen. Der Kaptain liest ja gerne unendlich viele Bücher über Kindle Unlimited. Im Blog kann ich leben, wie diese entstehen: Ein Tag in meinem Leben. anmdere leben:

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    Ich muss jetzt nicht schreiben, warum ich feierte: Die Lichtspielhäuser der Nippon Connection 2026: Historisch Kino gucken

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    Team Durchkopplung feierte auch hier:

    „Keine Kunden

    Toiletten vorhanden“

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    Number Stations are my secret passion. Über die (vermutlich israelische) Station 4XZ: These numbers stations are deliberately low key, so to speak, as they exist in a shadowy world. Sending sloppy CW on top of two of the world’s most recognized shortwaves stations (WWV and WWVH) is not a clandestine action. Is this a deliberate provocation?

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    Die Kaltmamsell war bei solidarischer Landwirtschaft für Fortgeschrittene: Journal Mittwoch, 1. Juli 2026 – Ein sehr lautes Kleid und mehr aus der Kartoffelkombinat-Generalversammlung

    Anmerkungen

    1. Alleine wäre diese kein Grund wiederzukommen. Aber auch kein Grund, nicht zu gehen. ↩︎

  • 26-07-02 Liegenbleiben

    26-07-02 Liegenbleiben

    Um 5:10h kam der kleine Parkplatzfuchs. In der Kornellkirsche: Meisenaction.

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    Edeka Duolingo verkauft Ube-Latte. Weil ich Online-Überschriften lese von Journalist*innen, die Social-Media-Accounts betreiben, weiß ich sogar was das ist.1

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    In Kuckswinkel standen die kleinen Störche im Nest.

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    Madame fuhr zum Überraschungsabschied nach Spandau.

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    Es waren drei Tage in schwächelnder Hitzeaufrappelung durch Mensch und System.

    Linksherum und rechtsherum

    Ach, Deutsche Bahn, wo fang ich an. Ich bewundere dein Bemühen, trotz allem immer noch jeden Tag Millionen von Menschen durch die Welt zu befördern und wohlbehalten von A nach B zu bringen. Manchmal jedoch fragte ich mich diese Woche, ob auch ganze Konzerne umschulen können, vielleicht auf eine Tätigkeit, die vielleicht weniger komplex ist als die derzeitige Aufgabe, etwas einfaches, nettes, in dem der Konzern und die Kund*innen glücklicher werden.

    Wo fange ich an?

    Vielleicht mit der guten Nachricht: Die Bahnfahrkarte von Vilnius nach Klaipėda ist gekauft.2

    Die Rolltreppe der Gegenwart wird weiter demontiert und verwandelt sich daweil in den Schrotthaufen der Gegenwart. Soweit so erwartet. Unerwartet hingegen war die Mitteilung, dass Dienstag, nachdem ich mit dem Prignitz-Express et al gekommen war, auch die Treppe der Gegenwart gesperrt war. Da wo Montagnachmittag noch eine Treppe war, sah ich nur noch einen weiß verhängten Bauzaun, drei Mitarbeiter in Warnwesten und viele verwirrte Bahnreisende. Da stand ich nun mit Aussicht und kam nicht mehr hinunter. Eine Lautsprecheranlage informierte mich, dass ich doch über das Gleis und das Parkdeck und dann den Fahrstuhl.. Nein!3

    Der Kran war schuld.

    Die Ringbahn hat Hitzestörungsdauerschaden. Offiziell ist ein Teilstück gesperrt und nur noch im 20-Minuten-Takt befahrbar. Faktisch fährt sie mal oder auch nicht, oder hält an überraschenden Orten an oder hält an erwarteten Orten nicht an. Für mich ist das lästig bis anstrengend. Für Madame, die frühmorgens die Ringbahn als Alternative zur ebenfalls gesperrten S-Bahn in die Hafenstadt benötigt, wird es langsam wirklich schwierig mit dem ÖPNV dorthin zu gelangen.

    Über die Hafenstadt führt vielleicht auch unser Weg an die kurische Nehrung. Die Bahnfahrt durch halb Europa wird ihre größte Herausforderung im Teilstück Berlin->Frankfurt/Oder haben. Auch hier sind die Bahnalternativen vom „durch das Parkhaus“ inspiriert, so dass ich mittlerweile ernsthaft schaute, was ein Mietwagen kostet, den wir in F/O abgeben können (gibt’s nicht), ein Taxi (~ 200 Euro) oder ein Uber (~ 250-450 Euro). Natürlich könnten wir auch mit dem Auto nach F/O fahren. Aber da wir durch Europa im Kreis fahren werden, uns die Rückreise aus Westen/Travemünde verlaufen wird, würde auch das so enden, dass wir in Berlin sein würden, das unerreichbare Transportmittel aber in F/O.

    Immerhin fuhr der ICE375 von Spandau nach Interlaken bis zum von uns benötigten Bahnhof Basel Bad. Er hatte Oberleitung und Signal und er hatte daraus folgende Zugverknäuelung vor Frankfurt/Main, die am Ende zu zwei Stunden Verspätung in Basel führten.

    Expedition Mülltonnenrausrollen

    Das Motto Züge fahren wieder, aber Weichen und Signale sind noch kaputt, scheint auch gerade auf Hirne zuzutreffen. Meines zum Beispiel. Alltagsverrichtungen sind herausfordernd, Orientierung ist schwierig, und so langsam sehe ich ein, dass ich vielleicht einfach liegen sollte.

    Das erste Mal dieses Jahr habe ich keine vorgekauften Kinokarten mehr, nachdem ich gleich drei Besuche cancelte: Tschüss Demon Pond (Japan, 1979), Good bye Supergirl (USA, 1984) und vielleicht irgendwann mal To Live and Let Die in L.A. (USA, 1985). Gerade um Demon Pond (夜叉ヶ池, Yasha-ga-ike), ein drittel japanische Nouvelle Vague, ein Drittel Fantasy-Horror, ein Drittel Kabuki-Theater, in der die männliche Kabuki-Legende Bandō Tamasaburō V in einer Doppelrolle das Mädchen vom Lande und die Dragon Princess spielt, in dem es Rollen wie Norihei Miki as Catfish messenger oder Fujio Tokita as Crab oder Hisashi Igawa as Carp gibt – darauf fiel mir der Verzicht schwer.

    Die Vernunft siegte knapp. Meine Abendplanung besteht im Wesentlichen darin, mich am frühen Abend auf die Nachdenkliege im Kaminzimmer-sans-Kamin zu legen, mich von Madame zu Gurken und Salat zu ermuntern zu lassen und dann ins Schlafzimmer umzuziehen.

    Die Abend und Nächte um die 20 Grad müssen genutzt werden, so lange sie andauern.

    Ich fühle mich nicht alleine. Team-Meetings sind kurz. So kurz wie noch nie, niemand hat mehr Energie, sie um das nicht-Notwendigste zu erweitern. Dafür werfen wir uns im Alltag mehr staunende Blicke zu als normalerweise. Alles schwierig. Zeit für die Ferien.

    Links

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    Den Ube-Latte-Trend habe ich gerade noch mitbekommen. Vollkommen an mir vorbei, bis zum Frau-Zimtkringel-Text, gingen Gochujang Nudeln. Werde ich mir merken.

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    Hitzenachwirkungen allüberall

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    Im Hoffen auf bessere Zeiten widmet Herr Buddenbohm sich lobenswerterweise den Morgen- Schlaf- Bade- und Hausmänteln.

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    Existenzieller und jetzt-bezogener verlinkt Thomas: Hitze, Wandern, Radfahren … Watrify hilft dir Trinkquellen und öffentliche Brunnen zu finden

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    An einem Tag mit lebensbedrohlicher Hitze vier Stunden als Begleitung an einem Patientenbett stehen ist auch eine eindringliche Erfahrung. Es ist völlig überfüllt dort, unfassbar viele Personen mit Hitzeschäden und zwar im wesentlichen sehr alte Menschen und dazu viele junge Männer in Sportkleidung

    Anmerkungen

    1. Wie immer alle mit Paywall außer die taz: Trendfood UbeLila Ausbeutung ↩︎
    2. Die aufmerksame Leser*in wird bemerken, dass die DB an dieser Nachricht nicht beteiligt ist. ↩︎
    3. Die Nichtqualitätspresse hat ein wenig Hintergrund: Rolltreppe kaputt, Treppe gesperrt – und die Fahrgäste gefangen ↩︎
  • 26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day

    26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day

    Madame machte Sugo für vier.

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    Am Potsdamer Hauptbahnhof gibt es einen Automat, der herren- und damenlose verschlossene Paketsendungen1 für einen kleinen zweistelligen Eurobetrag verkauft. Dann Überraschung! Ich bin stolz auf mich, dass ich der Neugier standhielt ob des Geschäftsmodell. Und ein bißchen traurig.

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    Am Bahnhof Schöneberg unterhielt ein Ohrstöpseltelefoniermann den halben Bahnsteig mit „Wir müssen die Performance-Muster rauskämmen“ – joah.

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    Eine Frau im Kleid mit dem Farbton S-Bahn-Sitz verschmolz optisch mit diesem. Es sieht aus wie so Green-Screen-Aufnahmen auf denen mensch nur Arme und Beine aus dem Nichts hervorschauen sieht.

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    Es war ein Sonntag unerträglicher Hitze und ein Arbeitsmontag erträglicher Schwüle.

    14 lines of iambic pentameter

    Köpererinnerung wird von der Hitze ans Tageslicht gedrückt. Als wir aus unserem klimatisierten Restaurant auf den abendlich-vorgewittrigen Uber Plaza in die Hitzeglocke traten, sagte mein Körper „Mississippi“ – nach dem Kino, halb in der Nacht, auf den Parkplatz, es ist dunkel, aber immer noch dürckend heiß – genau so war es.

    Absurderweise kommt mir dann Ms. Thomas in den Sinn, die wunderbare Englischlehrerin, die in der 12. Klasse nach Lehrplan 10% Chaucer und 90% Shakespeare unterrichtete; seitdem bin ich Shakespeare-Hool.2

    Das Sonnet 18 poppt im Geiste wieder auf. Shall I compare thee to a summer’s day – ein Sonnet aus glücklicheren Zeiten, als ein Sommertag in England noch nicht bedeutete, vor der gnadenlosen Sonne zu fliehen.

    Shall I compare thee to a summer’s day?
    Thou art more lovely and more temperate:

    Das wäre auch noch im Jahre 2026 angemessen, auch Ende Juni. Die Aussage more temperate zu sein als der Brutofen da draußen, ist vielleicht niedrigschwellig, aber ein Kompliment.

    Rough winds do shake the darling buds of May,
    And summer’s lease hath all too short a date:

    Die Kürze des Sommers wird heutzutage hingegen nicht ganz so oft beklagt.

    Sometime too hot the eye of heaven shines,
    And often is his gold complexion dimmed;
    And every fair from fair sometime declines,
    By chance, or nature’s changing course, untrimmed

    Schwieriger wird es mit:

    But thy eternal summer shall not fade,
    Nor lose possession of that fair thou ow’st;
    Nor shall Death brag thou wander’st in his shade
    When in eternal lines to time thou grow’st:

    Zeitlos das Ende

    So long as men can breathe or eyes can see,
    So long lives this, and this gives life to thee.

    Was für ein Paradies es sein muss, in dem Menschen Wollpullover tragen können ohne in die Notaufnahme zu müssen

    Passend zum amerikanischen Wochenende mühte sich unsere 50- bis 78-jährige Reisegruppe den Sonntag wie so amerikanischen Teenager in den 1990ern zu verbringen: Wir hingen in der klimatisieren Mall ab.

    Nach dem erfreulichen Samstag im Kühlparadies UCI Uber Plaza, folgte der Sonntag im UCI Postdam Bahnhofspassage: wieder ging es eine Stunde im gekühlten SUV über Land, dann ins Parkhaus, dann ins Kino, dann etwas essen. Es war nicht mehr Friedrichshain, sondern Potsdam, es war nicht mehr Baujahr 2006 sondern 1999, aber es war ähnlich.

    Das Kino war voll. Wir waren nicht die einzigen mit der Idee. Und da wir eine Vorstellung zur Peak Tageshitze um 13:30h gewählt hatten, waren wir im Kinderparadies gelandet. Fast hätte ich gegen 9-jährige um meinen Rosa-goldenen Slushi kämpfen müssen.

    Wir verbrachten Zeit im Foyer, rätselten über die seltsame Aussicht.

    Das Baufeld ist noch unklar. Aber ich fand inzwischen heraus: Der Turm gehört zur Seniorenresidenz Heilig-Geist-Park, die Ende der 1990ern auf den Fundamenten der gesprengten Heilig-Geist-Kirche entstand.

    Dann verschwanden wir in Saal 7. Noch einmal Glennkill – ein Schafskrimi, diesmal in der deutschen Vorstellung, wir in anderern Formation und diesmal mit Liegesitzen. Die gestochen scharfen Bilder wogen die Klimaanlage am Rande ihrer Leistungsfähigkeit nur mit Mühe auf – es war nicht mehr Vergeh-Heiß, aber schwül und stickig im Saal – das konnte Friedrichshain besser – der Film allerdings war auf deutsch genauso toll und lieb und wunderbar wie auf englisch.

    Danach Eisdiele. Diese servierte auch Pizza. Wir beschlossen zu drei Vierteln, dass wir genug Schweisssalz verloren hatten, und schwenkten spontan zu dieser um. Einkaufszentrums-Spontan-Pizza, was gibt es besseres.

    DON’T MOVE!

    Das Kino: rappelvoll. Die Straßen: rappelleer. Die Wege um die Latifundien herum: ausgestorben. Eine einzige Radtour sah ich um 8:36h. Die einzigen Zeiten zu denen ich mich dort freiwillig bewegte lagen zwischen 23 und 8 Uhr.

    Selbst wenn wir es schafften, die heißesten Stunden des Tages in gekühlten Räumen zu verbringen, blieben reichlich heiße Stunden übrig, bis wir um 23 Uhr endlich die 30 Grad Außentemperatur erreicht hatten. Es galt die Kunst des Minimalismus zu zelebrieren.

    Madames getöpferte Insektentränke wird angenommen. Da wir uns selbst am Sonntag nicht mehr bewegten, hatteen wir die Chance näher in Augenschein zu nehmen. Gerade die Hippiewespen, die friedlichen Feldwespen, nutzten diese eifrig. Manchmal landen sie zu Madames Freude auf dem vorgesehenen Ein- und Ausstieg, viel öfter aber besteigen sie abgefallene Rosenblätter, die nun wie kleine Schiffchen auf dem Wasserbecken dümpeln, und als Lande- und Trinkplatz ausersehen werden.

    Neue Freude: Bahnfahrt live auf der Railmap-App verfolgen

    Ich fragte mich: Mal angenommen, ich würde wirklich auf dem Land leben, sagen wir jenseits von Neuruppin. Und der eine Zug, den ich benötigte, würde ausfallen. Wäre ich etwas stadtnäher, vielleicht Kremmen, gäbe es eine halbe Stunde später eine Alternative, die ebenfalls ausfallen würde. Und der Nachfolger „meines Zuges“, eine ganze Stunde später, hätte 40 Minuten Verspätung mindestens, und aus zwei Zugteilen des eh immer überfüllten Zuges wäre einer geworden.

    Was würde ich dann machen? Eine Stunde vierzig in Neuruppin am Bahnhof stehen? Arbeitgeber oder anderen erklären, warum ich schon wieder zwei Stunden zu spät bin? Fragen, die mir durch den Kopf gingen, während sich am Kremmener Bahnhof die Ereignisse im Brandenburger Tempo überschlugen: Zug um 5.49h gestrichen, Zug um 6:15h gestrichen, Zug um 6:50h einteilig mit mindestens 40 Minuten Verspätung.

    Zum Glück hatte ich Madame dabei, und diese das Auto, so dass wir zur S-Bahn nach Hennigsdorf fahren konnten, und ich wieder weiß, warum ich normalerweise unter der Woche in Berlin bleibe. Die S-Bahn-Fahrt selber ist schön, aber mir fällt Schöneres ein, was ich in diesen Anderthalb Stunden (+x) machen kann.

    Zurück der Regio ab Charlottenburg. Ein Anlass für eine weitere West-Berlin-Exkursion: Irgendwann werde ich begreifen wie dieser Bahnhof funktioniert. Diesmal fuhr der Zug; vollwagig. Wieder mit 40 Minuten Verspätung. Bis ich neben Madame in den klimatisierten Autositz sinken durfte.

    Links

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    Dieses Wochenende im Kino war ein Ding. Auch in Friedrichshain im Kühlpalast war Reading in Sweden (wir müssen uns knapp verpasst haben): Hoffen auf den erlösenden …, und ich glaube weiter im Westen Berlins Sari: Unser #WIB am 27./28.06.2026 – Totalausfall oder doch Hitzefrei?

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    Liebe alles am Text, der beginnt mit „Jede einzelne Zugtoilette hat einen eigenen Computer und Schaltschrank der sie steuert.“ und endet mit „Denn ich vertraue darauf Jesus Christus, ich weiß, dass er immer auf mich aufpasst und einen guten Plan für mich hat. Auch wenn Züge ausfallen und kurzfristig Chaos entsteht weiß er wie ich sicher nach hause komme.“

    Nebenbei stelle ich fest, dass ich weiterhin Null Interesse für Blogsoftware und ähnliches aufbringe, aber computergesteuerte Bahntoiletten – that’s my kind of technology!

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    Schafe! Und Meer! Und kühl! Irgendwann komme ich noch auf die Insel. Bis dahin allerdings: Große kleine Sprache Färöisch (via Zeilenkino)

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    Außerdem habe ich ein Schälchen mit „Streber und stolz darauf“-Buttons im Büro, da können sich alle einen nehmen; gesünder als Süßigkeiten. – kann ich dafür bitte einen Klassensatz für den nächsten Wikipedia-Stammtisch bestellen?

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    Frau Novemberregen mit Freuden des Alters: [I]m Laden lief Gothic und Dark Wave der 80er, ich lobte die Musik, die sich für mich positiv vom ewigen Elektrogedudel des Stammpersonals abhob. Die junge Frau wollte mir die Bands und die damalige Szene erklären und ich sagte „entschuldige Mal“ und erklärte es dann umgekehrt ihr.

    Anmerkungen

    1. Technisch diese Plastikumschläge, die der moderne Versender von heute gerne verwendet. Die passen besser in die kleinen Fächer als echte Kartons. ↩︎
    2. Chaucer natürlich auch. Aber das würde ablenken. Whan that Aprill, with his shoures soote / The droghte of March hath perced to the roote / And bathed every veyne in swich licour, / Of which vertu engendred is the flour; / Whan Zephirus eek with his sweete breeth / Inspired hath in every holt and heeth ↩︎
  • 26-06-27 Menschen, die im Schatten stehen

    26-06-27 Menschen, die im Schatten stehen

    Rein prophylaktisch schauten wir, bis zu welchen Temperaturen eigentlich Ticketlesegeräte und Datenschränke in den Freibädern ausgelegt sind.

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    Madame studierte die Guide-Michelin-Websites für Warschau.

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    Rosa Rosarium Uetersen leuchtet.

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    Jungerwachsene in Deutschland-Trikots am Bahnhof Zoo unterhielten sich über das Autofahren unter Alkoholeinfluss. Eine von ihnen stellte die meines Erachtens verwegene These auf: „Da fährt man mit Tunnelblick. Da ist man viel konzentrierter als ohne Alkohol.“

    *

    Es waren.. heiß!

    Hitze

    Unser Bungalow-Thermometer reicht nur bis 40 Grad. Offenbar wurde es in besseren Zeiten gestaltet. Denn es war seit Tagen heiß. Am Mittwoch lief es mit Mitte 30 Grad an, steigerte sich über die nächsten Tage bis zum derzeitigen Höhepunkt von 39 Grad in den Märkischen Hamptons.

    Wir bewegen uns vom Schatten zu klimatisierten Bereichen und wieder zurück. Wir entdecken, dass die Wohnung (Baujahr 1961) sehr viel hitzebeständiger ist als das Büro (Baujahr 2022) und das obwohl das Büro eine Wärmepumpen-Klimaregulierung hat. Aber bei einer raumhohen kompletten Glasfront Richtung Süden, Richtung sechsspurige Straße und Autobahn, hilft die auch nicht mehr.

    Am Bahnhof Südkreuz stellten sich die Tesla-Mitarbeiter*innen, die auf den Shuttle-Bus warteten, in den Schatten der wenigen Bäumchen. Denn der Bahnhofsvorplatz ist gut dafür gemacht, Menschen vom Bahnhof hin irgendwo nach Berlin zu bringen. Er verbindet das aber mit der architektonischen Hilfsaussage „Hau bloß ab.“ Der Drang zur schattenfreien Betonfläche ist groß, Sitzplätze sind spärlich, und Sitzplätze im Schatten, offensichtlich nicht vorgesehen.

    Sommerbuch

    Es begann mit einer vereisten Ostsee, und ich spürte wie ein ganzer kleiner Kinosaal neidisches Verlangen entfand. Wir waren in das klimatisierte Delphi Lux gekommen am Zoo gekommen, um den Film Sommerbuch1nach Tove Janssons – of Mumins Fame – Buch Sommerbuch zu sehen.

    Im Sommerbuch geht es um eine Dreigruppe – Kind, Vater, Oma (Glenn Close) – die einen Sommer in einem Mökki auf einem Inselchen in der finnischen Ostsee verbringen. Die dazu gehörige Mutter ist vor kurzem gestorben. Der Vater flüchtet sich in Arbeit, die Oma versucht sich um die Tochter zu kümmern, kämpft aber auch mit ihrem Alter, die Tochter versucht irgendwo einen Weg zu finden.

    Es wird manchmal gesprochen, manchmal gerudert, oft durch die Natur gelaufen. Nachbar Eriksson auf seinem Motorboot wird oft erwartet, kommt aber nie vorbei. Die Tochter fragt, Papa hat was zu tun und Oma kann sich manchmal zu ihrem eigenen Unwillen nicht erinnern.

    Die Einstellungen sind ruhig, die Musik von Hania Rani auch meistens, die Ostsee und das Inselchen ist dauerpräsent. Es ist eine Szenerie, die zeitlos wirkt und doch offenbar in den 1960ern/1970ern spielt. Es ist auf seine Art sehr friedlich, und doch nah genug am Leben, um nicht idyllisch zu werden. Es ist ein Film, ein Tempo, eine Ruhe, der seelisch entspannt, wo körperliche Entspannung nicht hinkommt.

    Vielleicht lag es aber auch nur am klimatisierten Kino. Denn heiß.

    Ich hatte ausnahmsweise die S-Bahn zum Kino genommen, denn die Ringbahn ist ordentlich klimatisiert. Das war diese Woche ein unschlagbarer Vorteil.

    Der Schmetterling des Jahres 2023

    Es ist Dunkelgartenzeit. Am hellichten Tag lautet der derzeitige Latifundienplan, möglichst regungslos unter dem Apfelbaum zu verharren, oder gleich ganz in klimatisierte Räume zu flüchten. Die Hauptzeit für den Garten-Garten sind dementsprechend der Morgen und sehr frühe Vormittag sowie die Dämmerung und danach.

    Ich begann mich zu fragen, ob Schmetterlunge eine Hitzegrenze haben? Bisher ging ich davon aus, dass diese nach dem Motto leben, je mehr Sonne, desto gut. Inzwischen scheinen auch diese, in die frühen Vormittags- und späten Abendstunden auszuweichen.

    Samstag verteilten sie sich: Am Lavendel oben im Garten die Kohlweißlinge, in der MItte über der Wiese die Schachbrettfalter, unten Richtung Feld und Beeren kleine braunorange Falter. Ein besonderer Fund war das Grüne Ampferwidderchen, Schmetterling des Jahres 2023.

    Ich liebe seinen Glanz. (aber nur vorsichtig, sonst wird es zu aktiv und Aktivität ist nicht gut bei diesem Wetter)

    Grünes Ampferwidderchen an Knautie.

    Couscous und Ribs

    Besondere Zeiten2 verlangen besondere Maßnahmen.

    Wir gingen ins Kino3. Ins klimatisierte Kino. Madame hatte die Idee und plante, aber es entstand am Samstag ein amerikanischer Tag: Wir fuhren eine Stunde mit 100 km/h4 im klimatsierten SUV über die Autobahn, fuhren ins Parkhaus, gingen ins klimatisierte Kino, wo es Cola und Fanta-Slushi gab.

    Im Kino saßen wir auf Ledersesseln, die sich elektrisch in Liegesessel verwandelten. Danach gingen wir einmal kurz über den Platz in Tony Roma’s Rip Place (natürlich klimatisiert), aßen Ribs mit Eistee und fuhren danach wieder eine Stunde mit 100 km/h nach Hause.

    Währenddessen war die Außentemperatur immerhin um zehn Grad von 40 auf 30 Grad gefallen.

    Auch wenn bei mir Kino gehen, immer bedeutet Kino gehen, nicht Film sehen, Ort, Publikum, Reise sind immer wichtig, war das Verhältnis noch nie so deutlich zu ungunsten des Films wie an diesem Samstag: Hauptsache klimatisierte Liegesessel.

    Um so schöner, dass der Film trotzdem schön war: Couscous und Geheimnisse ist eine französische Culture Clash Komödie über einen Koch, Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die aus Algerien nach Frankreich einwanderte, der versucht die Ansprüche die Familie und Welt durch konsequente Vermeidung und Durchschummeln zu bewältigen.

    Das muss schief gehen, allerlei Konflikte entstehen, eskalieren, werden gelöst und am Ende haben sich alle lieb. Das war liebevoll gemacht und ist ein wirklich schöner Film für einen netten Nachmittag oder Abend.

    Besonders freute es mich, dass es kein Kunstfilm war, kein Problemfilm, sondern eine Mainstream-Komödie, die trotzdem aus der Perspektive der französisch-algerischen Familie erzählte. Nicht: Es gibt „normale Franzosen“, die die Fremden integrieren müssen und am Ende sind alle toleranter, sondern die Migration ist die Normalität und die Einwandererperspektive ist diejenige die vor allem erzählt.

    Außerhalb eines echten Kunst- oder Aktivismusfilm-Milieus fallen mir da nur wenige deutsche Vergleiche ein.

    Wie es leuchtet

    Meistens wenn wir auf die Latifundien fahren, dann bestehen die letzten Kilometer aus einer sechsspurigen Autobahn, auf der links und rechts Lärmschutzwände stehen. Selbst mich als Liebhaber unwirtlicher Orte, vermag dies nicht auf die Dauer zu fesseln.

    Am Samstagabend allerdings fuhren wir direkt auf den geöffneten Höllenschlund zu. Zumindest schien dies der Himmel zu versprechen. Eine Art „Sonnenuntergang“ in intensivem Schwefelgelb, darin wilde Wolkenformationen, links davon ein tiefes Schwarz, indem immer wieder lange Blitzkaskasden parallel zum Horizont entlangliefen.

    „The greatest Show on Earth“, wie einst ein berühmter Zirkusdirektor sagte. Nur dass es beim Gewitter an sich vermutlich eher zutraf. Und so bewunderte ich mit offenem Mund den Anblick, machte mir gleichzeitig Sorgen, dass die Schnauze des Subarus genau auf die Mitte dieses Höllenschlundes gerichtet war, wir ihm jede Sekunde knapp 30 Meter näher kamen.

    Ich war nicht böse, als wir noch vor dem Unterwetter im Bungalow ankamen, und diese Greatest Show mit Rotwein von der Terrasse aus sehen konnten. Der Sturm, der Regen und die Bodenblitze zogen schlußendlich knapp südlich an uns vorbei. Aber ein ganzer Himmel, der gleichzeitig für eine halbe Sekunden von einem kompletten Netz aus Blitzen überzogen war. Ich weiß nicht, ob ich so etwas je sah.

    Link

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    Im Nachgang zum Film Backrooms bemerkte ich, dass zwar Wikipedien in 28 Sprachen Artikel zum Konzept liminal space haben, nicht aber die deutsche Wikipedia. Ich begann bereits zu überlegen, wie sich diese Lücke füllen lässt, da las ich bei Herrn Rau über seine diesjährigen Abiturient*innen „außerdem habe ich sehr das Gefühl, dass viele davon, oder jedenfalls einige, und damit vielleicht mehr als sonst, Dinge aus meinem Unterricht mitgenommen haben. Und sei es nur „liminale Orte“, die sich manche vorgenommen hatten, irgendwie in das Deutschabitur einzubauen.“ Jetzt müssen wir sie nur noch überzeugen, das gleich in der Online-Enzyklopädie einzubauen.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 36 – d.h. 6,61€ pro Kinobesuch ↩︎
    2. Wobei „besondere Zeiten“ natürlich schwierig ist, in dem Zusammenhang. Denn Klimawandel yadda, yadda.. Gerichtet auf die Vergangenheit und gerichtet auf das was ich als „normal“ gelernt habe, ist das Wetter crazy. Gerichtet auf die Zukunft hätten wir mehr als nur unverschämtes Glück, wenn the normal etwa 40 Grad bleibt. ↩︎
    3. Nicht in eines der Yorck-Gruppe. Deshalb voll gezahlt. ↩︎
    4. Okay, ich fahre immer 100 km/h. Alles darüber hinaus wird unentspannt und kostet zuviel Treibstoff. ↩︎
  • 26-06-25 Flurfilm

    26-06-25 Flurfilm

    Steigende Temperaturen treiben irrende Menschen um unsere Wohnung herum, auf der Suche nach dem nahe gelegenen Freibad.

    *

    Madame holte ein Paket in einem Mehr-Use-Laden, in dem unter anderem aufgearbeitete Tripp-Trapp-Baby-Hochstühle, edle Second-Hand-Kleidung für Kinder, Second-Hand-Kleidung für Erwachsene, DHL-Pakete, ornamentalen Silberschmuck und Binder für Jugendliche Transpersonen angeboten werden. Sie war etwas verwirrt, weil ihr nicht so recht klar war, was der Laden verkauft – nur, dass sie zu keiner möglichen Zielgruppe gehört – war aber sehr angetan von Freundlichkeit und professioneller Paketorga: Lilli & Paul

    *

    Der Klavierstimmer kam. Das Instrument hat sich in der neuen Wohnung eingewohnt und akklimatisiert. Was für schöne Töne plötzlich aus dem Wohnzimmer kamen. Wie gut es klingt.

    Der vorherige Klavierstimmversucher hatte noch behauptet, das Klavier sei unstimmbar und unrettbar kaputt. Beinahe hätte das Instrument deswegen nicht den Umzug überstanden, denn wer möchte schon ein kaputtes Klavier durch die Gegend tragen? Zum Glück vermittelte Le pianiste diesen Stimmer. Der hatte bereits vor dem Umzug die Rettbarkeit des Klaviers festgestellt. Nun war er gekommen, um – nach angemessener Eingewöhnung des Instruments im Raum – das Klavier zu retten.

    *

    Der Eichenprozessionsspinner spinnt auch in Pankow.1

    *

    Es waren zwei Arbeitstage.

    Gespinst des Eichenprozessionsspinners über Absperrband „Vorsicht Eichenprozessionsspinner.“

    _, err

    Ich arbeite an der Klausurvorbereitung zur imperativen Programmierung. Nach meinen ersten echten geschweiften Klammern und dem ersten echten Code, machte ich diesmal den Multiple-Choice-Selbsttest.

    Der lief gut, bestätigte mir, dass ich im Prinzip alles verstanden habe und zumindest innerhalb der gelehrten Grundlagen weiß, wie Go funktioniert.

    Das theoretische Wissen heißt noch nicht, dass ich den Standardsyntax auswendig kann, mit der beispielsweise eine Funktion als zweiten Rückgabewert einen Fehlercode macht. Aber das wird sich hoffentlich durch ausreichendes Training für das Fingergedächtnis legen.

    15 Grad und es wird noch heißer

    Manchmal stehe ich nachts auf und setze mich an das offene Fenster, um die Kühle zu genießen. Oft stehe ich auch sehr früh morgens auf, wie diese komplette Woche.

    Der Vorteil an Madames Woche der Wochen ist das Aufstehen. An sich ist Aufstehen um 5:00h morgens wenig beliebt. Derzeit bietet es uns aber die Chance, alle Fenster aufzureißen und die Morgenluft hereinzulassen. Manchmal ist sie kühl, manchmal nur „das Kühlste was es gerade gibt“, aber auf jeden Fall ist sie besser als die Nachmittagsluft.

    Mittwochmorgen: 15 Grad. Während ich versuchte durch oftmaliges Aufrufen von Kachelmannwetter irgendwie die Vorhersage für das Wochenende nach unten zu drücken, mochte ich die 15-Grad-Luft-Herzen-an-mich-drücken und nie wieder gehen lassen. Aber es hilft nichts, der einzige erkennbare Effekt ist das Ansteigen der Vorhersage von bisher 39 auf 41 Grad am Wochenende, mit nur geringfügigen Unterschieden zwischen Berlin und den Latifundien.

    Während ich dies Mittwochabend schreibe, sind wir noch bei 32 Grad – kein Wetter, in dem ich mich in der Sonne aufhalten möchte, aber bei eher trockener Luft (Taupunkt 12 Grad) im Schatten noch gut aushaltbar. Nur sind 32 nicht 39 und herannahende Gewitter zerstieben die Hoffnung auf dauerhaft trockene Luft.

    Die zweitgrößte Stadt Litauens

    Mein Versuch, eine Bahnfahrkarte von Vilnius in Litauen in die Hafenstadt Klaipėda zu kaufen, scheiterte. Noch stehen diese nicht zum Verkauf.

    Während ich mich durch die Website und die App klickte, lernte ich, dass wir wählen können: Zur Wahl stehen ein traditioneller Zug mit Lok und Waggons, die mich an deutsche Regios erinnern, oder ihre Pesa-730ML-Triebzüge, in dem ich bisher eine meiner komfortabelsten Bahnfahrten überhaupt (Riga <-> Vilnius, 2024) durchführte.

    Während ich noch darauf warte, die Pesa-Tickets kaufen zu dürfen, beginne ich ganz sutsche mit praktischer Kaunas-Planung: Was wollen wir da überhaupt?

    Das Art Deco/Modernismus-Welterbe ist klar, deshalb fahren wir hin. Die Erfahrung bisheriger Städtereisen spricht dafür, dass wir zentrale Einkaufs- und Ausgehstraßen sowie die Altstadt auch von alleine finden werden, einfach indem wir in den fraglichen Gegenden ein wenig zu Fuß laufen.

    Übersehen könnten wir:

    Der Kiemo Galerija – ein Street-Art-Hinterhof, der damit begann, dass Anwohner Vytenis Jakas in einem ignorierten Hinterhof Kunstwerke anbrachte, die an die ehemaligen jüdischen Bewohner*innen der anliegenden Häuser erinnern. Heute ist er das Zentrum Kaunaser Street Art und vermutlich Insta-Hotspot, aber ohne Insta weiß ich von sowas nichts.

    Das Barockkloster Pažaislis am Rande der Stadt auf einer Halbinsel eines Memel-Stausees.2

    Keine Taxen am Bahnhof Zoo

    Es ist eine schwimmbadbüroreiche Woche. Um überhaupt aus dem Haus zu kommen, und weil ich auf angenehm abendliche Temperaturen hoffte, stieg ich in den 249er Bus zum Delphi Lux am Bahnhof Zoo.

    Vor mir saß ein Mann, eine echte wahrhaftige physische Zeitung lesend, im Anzug, der mehr „gut angezogen“ sagte als „Business“, mit Rucksack und Brille, der zwischendurch den Bus verließ, mit Zeitung, Anzug und Rücksack zügigen Schrittes von dannen eilte. Und ich fragte mich „Herr Buddenbohm in Berlin?“

    Vermutlich war es nicht Herr Buddenbohm. Mit Sicherheit war es Berlin. Spätestens als ich beim Überqueren einer Kreuzung neben mir zwei Damen hatte, von denen einer ihrer Freundin erzählte, sie müsse die japanische Botschafterin begleiten und auch die Staatsministerin, war klar, dass ich in der Stadt der Bundesbeamtinnen unterwegs bin.

    Knapp drei Stunden später, nach dem Film, bot sich ein neues Bild. Die glücklichen und gerade hier, aich die unglücklichen Gestalten der Nacht trafen sich. Sie trafen sich in Mengen, dafür waren die Taxen verschwunden. Denn die Bahn hatte Komplettausfall. Getroffen waren auch S-Bahn und Regios. Insbesondere die Busse nach Spandau waren voll, wie wohl noch nie an einem Dienstag um kurz vor Mitternacht.

    Ich stellte mir kurz vor, wie es ist, mitten in der Nacht irgendwo im nirgendwo zu versacken, weil der Zug nicht fährt, erinnerte mich an einige wenige ungeplante Zwangsübernachten an Überraschungsorten, und freute mich zumindest, weil es warm genug war, um ohne Gesundheitsgefahren die ganze Nacht draußen zu bleiben.

    In Berlin, hier am Zoo, lassen sich zum Glück auch fast alle Strecken irgendwie mit U-Bahn, Tram und Bus und Fußweg bewältigen. So lange die Störung zeitlich begrenzt blieb3, war die Crowd um mich herum in einer vergleichsweise guten Position.

    Backrooms

    Es begann mit gelben Räumen. Ich hatte die Trailer für den Film Backrooms gesehen. Das Horrorfilmszenario reizte mich weniger. Aber diese gelben Räume: in dem verblassten fröhlichen Gelb, irgendwie unwirklich, irgendwie unheimlich und gleichzeitig komplett banal. Das reizte mich. Im laufe der folgenden Wochen las ich mehr zu Hintergrundgeschichte und Hype des Films. Aber das, was mich letztlich ins Delphi Lux trieb4, waren die gelben Räume und Flure.

    Es begann mit gelben Räumen. Die Entstehung des Films begann mit einem Foto von leeren gelben Räumen, das 2019 auf 4chan gepostet wurde. Daraus entwickelten sich erst Memes, dann eine Webvideo-Serie auf Youtube und am Ende ein Spielfilm eines 20-jährigens Youtubers beim Prestigestudio A24, der bei übersichtlichen PRoduktionskosten mit bisherigen Einnahmen von 300 Millionen Dollar zu den Kassenschlagern des Jahres zählt.

    Während des Schauens versuchte ich mich innerlich von der Entstehungsgeschichte zu lösen und den Film nur so zu sehen wie er war: Im Jahr 1990 entdeckt der verkrachte Discount-Möbelhausbesitzer Clarke (Chiwetel Ejiofor) in seinem Keller einen Durchgang in ein schier endloses Labyrinth gelber Räume.

    Mit der Zeit stellt sich heraus, dass sich dort – nach einer Horrorfilmlogik über die mensch besser nicht länger nachdenken sollte – das Unbewusste von Menschen manifestiert, insbesondere die unangenehmen Teile. Seine Therapeutin Mary (Renate Reinsve) folgt ihm, trifft in den gelben Räumen einen Clarke, der offenbar psychisch komplett durch ist. Es kommt zum dramatischen Showdown und irgendwie taucht dann am Ende noch eine geheimnisvolle Organisation auf.

    Diese Räume.. eine Welt, die gleichzeitig unglaublich banal und extrem creepy ist, in der die Gesetze normaler Logik nicht gelten – in einem durchgehend tollen Set-Design. Was hätte der Film an Potenzial gehabt. Der Verschnitt mit einer 1990er-Discount-Möbelhaus-Brüllaffenwerbung-Ästhetik – so großartig!

    Weniger Großartig, dann das ganze Therapie-Unbewusste-Setting, das ist halt auch 2020er-InstaTikTok-Niveau und fällt deutlich ab. Vor allem aber: der Film hat in seinem Setting alle Möglichkeiten. Everything is possible in these rooms. Und er entscheidet sich für 90 Minuten dieselbe emotionale Tonlage – immer ist es creepy, bedrohlich, unheimlich. Immer spielt im Hintergrund der selbe Soundtrack „Grusel“.

    Dabei weiß doch jeder Film, und auch gerade die guten Horrorfilme, dass Fallhöhe vorhanden sein muss. Dass es die emotionalen Highs geben muss, die Momente der Unbeschwertheit, der falschen Gewissheit, der Freude, damit dann der Schock um so größer wird. Die Chance vergibt Backrooms vollkommen.

    Der Film war nicht gut, aber interessant mittelmäßig.

    Die Kugelbar mit der Kegelbahn

    Es endete in einem gelben Raum.

    Der diesjährige Teamtag führte in den für mich fernen Norden Berlins. Es begann mit einem Meeting/Arbeitstreffen auf drei schattigen Bänken im Rosengarten des Bürgerparks Pankow. Der Park deutete an, dass es ein richtig schöner Sommertag werden könnte. lauschig, blumig, schattig mit Kirschen und Wassermelonen, während wir uns in Visionen versuchten und Hochzeitsgesellschaften bei ihren Fototerminen zusahen.

    Nach einem Mittagessen bei einem Italiener (erfüllte seinen Zweck), wechselten wir in den Westen und gingen im Wedding in die Kugelbar Kegeln. Wir hatten das Gebäude für uns: Oben Bar und ein Mini-Biergarten, unten die Kegelbahn, die uns als „70 Jahre alte Grand Dame“ vorgestellt wurde, die ein wenig anspruchsvoll sei.

    Erinnerungen an Kindergeburtstage beim Jugoslawen oder Griechen kamen hoch bei mir, B konnte mit der Kegelbahn beim Wilmersdorfer Chinesen glänzen, die in der damals typischen Rot-Schwarzen-Lackästhetik von Chinarestaurants gestaltet war. Der Semipro-Bowler im Team prophezeite uns Muskelkater für den nächsten Tag, hielt sich aber mit Spielen zurück.

    Vielleicht war es der Geruch, der ihn abhielt. Denn ich fürchte, ich habe einen Gedächtnisgeruch erschaffen – wie ein Raum bei 35 Grad Außentemperatur so kühl und vor allem feucht sein kann, war spektakulär. Eine mit Stoff ausstattfierte nasse Kegelhöhle, in der vermutlich passiert, was passiert, wenn mensch Stoff über längere Zeit in nasse Höhlen legt. Da muss mensch Kegeln wollen.

    Ich wollte. Zwei Stunden lang. Mit überschaubarem Erfolg und sehr viel Spaß. Jetzt habe ich Muskelkater.

    Dem Foto nach könnte diese Kegelbahn in Backrooms vorkommen. Im echten Erleben war sie anders überraschend.

    Links

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    Dank Markus gelernt, dass Melatonin u.a. die Körpertemperatur senkt. Das sollten wir vielleicht für die kommenden Tropennächte in Erwägung ziehen. In der Apotheken-Umschau lernte ich, dass das bewiesen wirksam nur für die verschreibungspflichtige retardierte Form ist und zwei bis drei Wochen der Eingewöhnung benötigt. Es ist alles kompliziert.

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    Menschen, die jedenfalls Hilfe brauchen, so sieht es oft aus. Menschen, die aber manchmal durchaus keine Hilfe wollen. Weil sie keine Papiere haben, wie man dann vielleicht hört. Kaum ein Wort Deutsch können sie, aber „Keine Papiere“, das haben sie doch lernen müssen, und vermutlich schnell. Die dann jedenfalls abwinken und sich hastig weiterschleppen, um die nächste Ecke und weg, bloß weg.

    Es kommt hier alles vor, und nichts daran ist einfach. Ich habe es bisher nie gelesen, glaube ich, aber es kommt mir nicht gerade unwahrscheinlich vor, dass an der Hitze mehr Menschen auf der Straße sterben, und schneller auch, als an der Kälte im Winter.

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    Lawrence von Arabien im Kino: Ich weiß nicht, wie oft ich den Film seitdem gesehen habe. Viele Dialoge kann ich jedenfalls mitsprechen. Gestern bot sich die Gelegenheit, ihn im Kino anzuschauen. Der Film gehört ins Kino. Mit der Ouvertüre auf schwarzer Leinwand. Es war die lange Version. Knapp vier Stunden mit Al ’awrence.

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    Gestern noch unterhielten wir uns über den von einer polnischen Familie betriebenen Dorfkrug in Bärenklau, und dessen große herzliche Gastfreundschaft und Gästesorge, die sich von der üblichen Brandenburger Stoffeligkeit abhebt. Da lese ich bei Frau Rabe von einer Einladung: „Sonntag waren wir zum Geburtstagsgrillen bei den Ex-Nachbarn eingeladen .. Es gab Unmengen zu essen (die ex-Nachbarin ist gebürtige Polin, die hat ein ganz anderes Verhältnis zu Gastfreundschaft als die meisten Norwegys)“

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    Es ist immer gut, wenn man in der Lage ist, seine Meinung zu ändern. Äußerte ich mich vergangene Woche noch zurückhaltend bis ablehnend über Austern, so muss ich mich korrigieren. Nachdem ich ihnen gestern und heute eine weitere Chance gab, empfinde ich inzwischen durchaus Genuss bei ihrem Verzehr.

    Anmerkungen

    1. Vielleicht sollte ich das mit den biblischen Plagen nochmal nachlesen. Raupen und Hitze würde meiner Erinnerung nach passen. ↩︎
    2. Der natürlich jünger ist als das Kloster. Ich vermute, es wurde auf einer ehemaligen Hügelspitze errichtet. ↩︎
    3. Ein klein wenig dazu, was passiert ist auf Mastodon bzw. dem dort verlinkten Bahn-FAQ ↩︎
    4. Damit Yorck Unlimited No. 35 – d.h. 6,80€ pro Besuch. ↩︎
  • 26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    Schweiß-Salzränder auf dem T-Shirt.

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    Klassenfahrtknäuel am Bahnhof Südkreuz.

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    Der Kaptain beackert mit bewundernswerter Energie das Dithmarscher Gesundheitssystem.

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    Der Fifa-Friedenspreistäger droht wieder einmal, den Iran „in Grund und Boden zu bomben“. Um die Männer-Fußball-WM zu verfolgen, ist dieses Jahr noch mehr intellektuelle und moralische Selbstverleugnung als sonst nötig.

    Im Tippspiel dümpele ich weiter vor mich hin, derzeit auf Platz 16. Guter ITler der ich bin, habe ich auch schon einmal vergessen, auf Speichern zu drücken.

    Nachbar Canineri enttäuschte uns. Am frühen Abend vor dem Deutschlandspiel hatte er anscheinend ein paar Kumpels da und wir hofften aus Live-Geräusch-Berichterstattung von ein paar Gärten weiter. Aber bis zum Anpfiff um 22 Uhr war er anscheinend alleine. Sein einsames „Tor! Nein! Doch nicht!“ wirkte er traurig als fanbegeistert.

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    Es war ein schwül-bratwurstig-pfirsicher Latifundiensonntag und ein prozessionsspinnend-freibadiger Montag.

    As in Berlin, 2023, 2024, 2025

    Das vorletzte Juniwochenende macht in Wiederholung. 2026 las ich ermattet von Hitze, Schwüle und unter dem Wissen um die Unwetter der Gegend in alten Blogposts.

    2025 hatte ich am 24. Juni unter Peak Tageshitze geschrieben: „Berlin gab Klimakrise mit erst 35 Grad und dann sturmgefällten Bäumen“, im Jahr 2024 war es etwas später, da lautet der einschlägige Blogpost vom 2. Juli „Vier Schattierungen der Schwüle„. Im Jahr 2023 schrieb ich am 20. Juni „Die Wettervorhersage sieht für die nächsten Tage Temperatursprünge von knapp zehn Grad nach oben und unten vor, zwischendurch Regen. Welcome to heiße Waschküche.“

    Noch spannender allerdings fand ich den Eintrag vom 24. Juni 2025 zu einem anderen Thema: Spannende Entdeckung zum Schachbrettfalter: Seit drei Jahren blogge ich über ihn und jeweils erscheint der Post am vorletzten Juniwochenende. Anscheinend ein Falter mit einem sehr zuverlässigen Jahresrhythmus.

    Ich dürfte raten, welchen Schmetterling wir dieses vorletzte Juniwochenende ganz besonders oft sahen, so dass er auf jeden Fall im Blogpost vorkommen sollte.

    As in Memphis, 1992, 1993

    Wetter war in Thema. Wir saßen sonnengeschützt aber weichgekocht unter dem Schattiernetz als wir irgendwie auf meine Zeit in Southaven, Mississippi, Vorort von Memphis 1992/1993 zu sprechen kamen.

    Unter anderem mit der Frage: „Wie war dort das Wetter?“, und ich konnte nur antworten: „So wie jetzt.“ Denn die heißesten Sommermonate hatte ich damals ausgelassen, war nur von Elvis‘ Todestag Mitte August bis zum Ende des Schuljahres im Juni vor Ort.

    Aber diese Schwüle, diese entsetztliche Schwüle, blieb mir auch noch aus dem September, Oktober, April und Mai in Erinnerung: Football-Training in stehender Luft. Der ewige Duft feuchter Erde. Der leichte Dauer-Schweißfilm, der in jedem klimatisierten Raum verdunstete und sich sofort neu bildete, sobald sich eine Außentür öffnete; Outside-Aktivitäten, die weit in den Abend hineingezogen wurden. Footballspiele im Dunkeln aber Warmen.

    Tagsüber war das ein Wetter wie jetzt. Ein Wetter für Klimaanlagen oder rollende Ermattung unter intensiver Beobachtung von Wetter-Apps. Ich lernte, dass das Maß für absolute Feuchtigkeit der Taupunkt ist.

    Der Taupunkt sagt objektiv wieviel Wasser in der Luft gelöst ist, unabhängig von der Temperatur, subjektiv ist er ein Anhaltspunkt dafür als wie drückend Wetter empfunden wird. Dabei gilt generell ein Taupunkt bis 15 Grad angenehm. Darüber wird es schwül. So ab 18-19 Grad Taupunkt wird es sehr unangehm und bei 24 Grad Taupunkt beginnen größere Gruppen von Menschen Kreislaufprobleme zu bekommen.

    In Memphis zu meiner Zeit lag er zumindest in den Fast-Sommermonaten Mai/Juni/September/Oktober jenseits der 20 Grad. Auf den Latifundien am Wochenende lag er bei 22.

    Noch blühen die Alten Rosen

    Wir saßen weiter im Insektenobservatorium Pergola. Wildbienen in allen Tönen von schwarz, braun und gelb surrten um uns herum. Wie beruhigend das Surren war. Wie beschaulich das Schwirren und Sirren der Tiere wirkte.

    Wie hektisch es wirkte, wenn ich eine einzige Biene fokussierte, „Blüte – Rein – Check – Raus – Blüte – Rein – Check – Raus“.. bevor ich beschloss doch wieder mehr auf das beschauliche Summen zu achten. Unwetter und Regen hatten einmal alles geputzt. Die Sauerkirschen leuchteten am Baum, die Johannisbeeren versteckten sich, die Schachbrettfalter flatterten.

    Am Tor zum Feld, ein neuer Gast: Der Balkenschröter Dorcus parallelipipedus1, ein Käfer mit einer „weiten Präsenz in naturnahen Gärten und Parks.“ Das nehme ich jetzt als Kompliment.

    Zia sociale und zio machina kamen zur Übergabe des Rennpolos und brachten Kirschplotzer mit. Während Internet und Sirenengeheul aus der Ferne Landunter meldeten, saßen wir im Fast-Trockenen, redeten über dies und das über Kniee und Hüften über Kirschplotzer mit und ohne Stein.

    Madame hatte das Kochbuch gut bei hitze von Katharina Seiser konsultiert, bereitete Tomaten-Pfirsisch-Salat (sah besser aus) und Salsa-Verde-Fenchel-Bohnen-Salat (schmeckte besser), dazu ein gegrilltes Bratwurst-Potpurri von Wildelust.

    Es war schön.

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    Gemischtschöner war die Berliner Rückkehr in den Alltag.

    Das hafenstädtischen Kalendergötter setzten Madame die Woche der Wochen in den Dienstplan, die immerhin Stoff für zwei bis drei normale Wochen abarbeitet.

    Freundlicherweise möchte meine eigene Stelle diese Woche wieder weniger von mir, eine der zu vertretenden Stellen ist wieder besetzt, die zweite wird Mittwoch wieder besetzt und der Sonntagabend offenbarte noch eine weitere Deus-Ex-Machina-Vertretung.

    Ich schaute in meinen Kalender, weitete ungläubig die Augen und begann kurz zu hecheln, als ich merkte, dass es ich nur noch 36 Nicht-Urlaubs-Tage bis zur Imperativen Programmierklausur habe. Bis dahin hatte ich immer noch keine Klammer in Go geschrieben.

    Jetzt schon.

    Wellen. Fast wie im Freiwasser. Nur klarer.

    Die Berliner Großstädter durchlaufen eine unfreiwillige Fortbildung zum Thema „Welcher Baum ist eine Eiche?“ Die Bezirke kennzeichnen diese jeden Tag etwas flächendeckender mit weiß-roten Absperrbändern auf denen „Eichenprozessionsspinner“ steht.

    Wenn ich einen Radwege sehe, neben dem links und rechts ein Dutzend gekennzeichnete Eichen stehen, ich daran denke, dass schon einzelne eingeatmete Härchen Reaktionen erzeugen können und im 20-Sekunden-Takt Radfahrer*innen vorbeifahren, dann zweifle ich an der Situation.

    Die spinnen, die Eichen

    Frei nach Margrit, Wasser erdet mich, hatte ich mich bei 30 Grad Richtung Insulanerbad begeben2.

    Es war voller. Die Schnellschwimmbahn war zur Mäßíg-schnell-Schwimmbahn motiert, die Schwimmbahn war zur Langsamschwimmbahn geworden und der Treibzholzbereich hatte sich in Richtung „versuch es gar nicht erst“ gewandelt. Aber noch was alles sutsche, peacig, die Sonne schien, ein leichtes Lüftchen wehte, und ich konnte im kühlen klaren Wasser schweben.

    Hach, ach, wie schön, schweben erdet.

    Links

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    Gelesen und für gut befunden. Ich freue mich schon auf die Umsetzung: Milchreis-Eiscreme

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    Gelesen und für gut befunden. Umsetzung hier schwierig, weil Mangos im Juni. Mango Gazpacho

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    Für den Freundeskreis Dystopie: Palettenweise wandern Sachbücher und Romane aus europäischen Antiquariaten in die USA. Dahinter stecken mutmasslich KI-Unternehmen: Sie nutzen gedruckte Bücher als Rohdaten für ihre Sprachmodelle – und werfen sie nach dem Scannen in die Tonne.

    Anmerkungen

    1. Heißt der lateinische Name auf deutsch wirklich Parallelfuß? ↩︎
    2. Kabanenbesuch No. 4 – 20 Euro pro Besuch ↩︎