Kategorie: Alltag

  • 23-04-30 Put on some makeup. Turn on the 8-track

    23-04-30 Put on some makeup. Turn on the 8-track

    Zwei Eichelhäher scheiterten. Als wir den Bungalow betreten wollten, lag vor der Tür ein gigantischer Stapel Zweige. Weiteres Beobachten erbrachte: auf einem Balken etwa anderhalb Meter über der Tür befand sich der Beginn eines Vogelnestes.

    Im Laufe des Samstags kristallisierte sich heraus: zwei Eichelhäher versuchten auf dem schmalen Balken über der Tür ein Nest zu bauen. Leider ist der Anflug schwierig, der Balken schmal – mehrfach am Tag funktioniert das mit dem rechtzeitigen Bremsen nicht, und der Nest-Ansatz fliegt auf den Boden.

    Zweige vom alten Nest-Ansatz darf man nicht mehr benutzen. So sagt es das eherne Eichelhäher-Gesetz. Deshalb lag direkt vor der Tür genug Baumterial für eine komplette Eichelhäher-Großsiedlung.

    Naja, und da wir nicht umhin konnten die Eingangstür jetzt mehrfach als solche zu benutzen, wurde es dem Pärchen auch zu unruhig und sie suchten sich hoffentlich einen geeigneteren Ort zum Nestbau.

    Jetzt müssen wir nur noch das Rätsel klären, warum andauern Bienen durch die Terrassentür hinein oder hinaus wollen. Ein Nest im Bungalow fanden wir noch nicht.

    Während wir hier also saßen, telefonierte Madame mit südwestdeutschen Bekanntschaften. Sie tauschten sich darüber aus, dass das was Westdeutsche als „Datscha“ bezeichnen, im ostdeutschen ein „Bungalow“ ist. Kurzes etymologisches Nachschlagen bei Wikipedia: Datscha bezeichnet eigentlich das Stück Land auf dem sich das Haus befindet. Das Wort Bungalow hingegen stammt aus dem Gujarati und ist „ein Haus in bengalischer Bauweise.“

    Diese bengalischen Häuser bauten sich die Kolonialbeamten gerne als Wochenend/Landhäuser, womit die Doppelbedeutung des Bungalows als ebenerdiges Haus ebenso wie die als Wochenendehaus abgedeckt war.

    Aber bevor wir zum Garten gelangt waren, galt es, unseren Kulturwinter zu beenden. It ended with a bang: Hedwig and the Angry Inch im Renaissancetheater. Das Rockmusical von Hansele/Hedwig aus Ostberlin/Kansas, die als alternde Diva ihre Lebens- und Liebesgeschichte erzählt und rockt. Würdiges, ungewöhnliches rockiges Ende eines Barrie-Kosky-reichen Kulturwinters. Zudem an bezaubernder Spielstätte. I put on my make-up and turn on the eight-track.

    Fast leere Zuschauerraum und Bühne des Rennaissance-Theaters

    Darstellertrivia 1: Sven Ratzke (Hedwig) wurde im selben Jahr nur wenige Kilometer entfernt im deutsch-niederländischen Grenzgebiet geboren, wie Ilse DeLange, die wir letzte Woche sahen. Zufall?

    Darstellertrivia 2: Noëlle Haeseling (Itzhak) ist die deutsche Hörspielstimme von Prinzessin Lillifee. Und nun werde ich den Rest meines Lebens glauben, dass Prinzessin Lillifee eine jüdisch-bulgarische Dragqueen ist.

    Da ich noch Multizip bin, hatten wir reichlich Hustenbonbons und Maske dabei. Die Gartenzeit dient folgerichtig dem Entzippen bei leichtem Rehaprogramm: Lange schlafen, sehr behutsame Arbeit an der frischen Luft (vorzugsweise bei Sonnenschein.), viel nichtalkoholisches Trinken. „Echtes“ angrillen (also ernsthaftes Fleisch): Ein Krustenbraten landete im Grill, dazu Grillpastinaken.

    Dazu Podcast hören: Wer hat Angst vorm Drachenlord. Meine Güte. Die Geschichte ist noch krasser als ich schon immer dachte.

    Birne, Mirabelle und Kische blühen wie noch nie. Die Äpfel sind kurz davor. Der Goldlack verbreitet sic selber um die Ecke herum. Die Rosen bereiten die Blätter vor. Madame bewunderte die blauen Anemonen. Die Indigo-Lupinen scheinen unsere letztjährige Teilung mittels Axt und Kettensäge überstanden zu haben. Beide Pflanzenteile treiben aus.

    Nachbar Caninero hat einen neuen Rasenmähroboter.

    Christine Cazon schrieb einen Q&A zum Cannes-Filmfestival. Und ich stelle fest: Cannes-Festival und Berlinale haben zumindest eines gemein: Es ist traditionell arschkalt.

    Wir werden nächste Woche vermutlich nicht genug Kochzeit haben. Aber die New York Times veröffentlicht immerhin etwas zum Nachlesen: The History of the Coronation Chicken.

  • 23-04-27 Multizip

    23-04-27 Multizip

    Die Post hatte beschlossen, dass wir schon lange nicht mehr am Gleisdreieckpark waren. Sie hatte dort extra für uns eine gänzlich neuen Schreibwarenspätipostfiliale entdeckt, an die sie eine Buchbestellung ausliefern konnte. Madame brachte außer dem Paketbrief einen Block mit Karopapier mit (was man alles so benötigt für’s Fernstudium! Spannend!) und testete den nicht-ganz-so-neuen Yorckstraßen-Rewe. („Krasse Auswahl“)

    Während die Hinterhausbaustelle zentimeterweise vor sich hinarbeitet, enstand eine neue Mittelhausbaustelle. Das MIttelhaus ist ein Nachkriegszweigeschosser, der das im Krieg zerstörte Berliner Mietshaus ersetzte. Auf dem Flachdach dieses Mittelbau wurden Dachdecker tätig. Wir sind uns noch uneins, ob das Dach einfach undicht ist oder eine Dachterrasse entstehen soll. Die Dachterrasse hätte für uns den höheren Unterhaltungswert.

    Auf der Neben-dem-Büro-Baustelle kommt über die Tiefgarage eine Grünanlage. Bisher besteht sie aus mehrere Lagen feurig verlegter Dachpappe, einer Folie, einer etwa 30 Zentimeter dicken Schicht, die nach überdimensionierten Rasengittersteinen aussah und dann einer weiteren Folie. Wenn ich die weiteren Vorkehrungen richtig interpretiere, soll darauf ein halber Meter Erde aufgeschüttet werden.

    Aber Büro ist gerade so mäßig. Mehrfacherkrankte Menschen sind ja multimorbide. Nun bin ich nicht wirklich krank. Aber mit dem Ding am Arm, wegbrechender Stimme und gelegentlichem Husten wirke ich mitgenommener als ich mich fühle. Nicht viele Krankheiten, aber verschiedene Zipperlein. Ich bin nicht multimorbide sondern multizip. Und arbeite immobil vom Heimschreibtisch aus.

    Wo ich schon bezippert bin, könnte ich mir Gedanken um die Sozialwahlen machen. Leider ist die Informationslage dürftig. Also so dürftig wie meine Fertigkeiten eine Reck-Kür zu turnen dürftig sind.

    Über jede Bürgermeisterwahl in Tübingen erfahre ich mehr als über die Sozialwahlen. Das höchste der Gefühle sind allgemeine Aufrufe, dass die Wahlen sehr wichtig sind („Aber warum?!?“) und wenn sich jemand ganz verausgabt hat, hat er/sie die Wahlprogramme der verschiedenen Gruppen gelesen und gekürzt abgetippelt. Was halt auch komplett nichtssagend ist.

    Also folge ich meinem Bauchgefühl, dass Gruppen die sich als „unabhängig“ bezeichnen nie unabhängig sind – ihnen ihre Abhängigkeiten aber peinlich sind. Bei den Sozialwahlen wähle ich die Gewerkschaftslisten. Da weiß ich immerhin, woran ich bin.

    In Berlin heißt es, man solle sein Fahrrad möglichst räudig aussehen lassen, damit es nicht geklaut wird. Diese*r Radfahrer*in hat den Frisch-aus-dem-Landwehrkanal-Look bis zur Meisterschaft perfektioniert:

    Aufnahme von stark verrostetem Fahrradschutzblech und -gabel.

    Dank Madame entdeckte ich die Let’s-Dance-Berichterstattung von Salsango. Ich bin ob ihrer komplett unironischen Ernsthaftigkeit fasziniert und noch faszinierender werden die Kommentare des lesenden Publikums. (Auch faszinierend: Die Webseiten-Navigation im besten 2000er-Wirrwarr.)

    Frau Brüllen schrieb schon vor ein paar Tagen, warum in den USA Medikamente in Plastikflaschen verkauft werden und nicht in Blistern.

    Herr Rau digitalisierte ein Märchen.

    Gute Nachricht: Die Unsitte der nicht-haptischen Bedienung per Touchscreen geht zumindest bei teuren Autos zurück. The Glorious Return of a Humble Car Feature.

  • 23-04-23 Penicilin ist aus, Mme Hardy drin

    23-04-23 Penicilin ist aus, Mme Hardy drin

    Der Hausrotschwanz knirschte.

    Gibt es im deutschen ein Wort für das erste echte Frühlingswochenende? Mit Sonne und T-Shirt-Temperaturen und Vögeln und so? Dieses Wochenende war am Samstag. Und alle kamen sie raus:

    Erdhummeln, Radfahrer, Steinhummeln, Quadfahrer, Hippiewespen, Cabriofahrer, Wildbienen und Herthafans. Aber vor dem sonnigen Samstag galt es den Freitag zu überwinden.

    Berlin->Bungalow

    Ein Insektenstich(?) am rechten Arm war spektakulär eskaliert. Um Borreliose oder andere Gefährlichkeiten für das Wochenende auszuschließen, führte mich der erste Freitagsweg zum Arzt. Dort gleich doppeltes Elend des Gesundheitswesens:

    • Penicilin ist aus. In ganz Berlin nicht zu bekommen. So dass der Arzt es auch gar nicht mehr verschreibt. Das Standard-Normal-Antibiotikum. Krasse Sache.
    • Im Wartezimmer ein (aus Nervosität) sehr gesprächsfreudiger Mann Ende 40. Der hat die meisten Zähne seines Oberkiefers verloren und die Zahnärztin möchte 27.000 Euro, um einen Ersatz wiederherzustellen. Die er nicht hat. Er reist nun also nächste Woche in das Heimatland seiner Eltern, die Türkei, um das für die Hälfte des Geldes machen zu lassen. In einem Land in dem er in vierzig Jahren zweimal war und der dortigen Medizin nicht vertraut. Aber 27.000 Euro. Ich war kurz davor, ihn zu herzen.

    Bei meiner Nicht-Borreliose scheint Kortisonsalbe auszureichen. Das Notfall-Ersatz-Antibiotika-Rezept liegt uneingelöst in der Tasche.

    Nach der Fahrt durch den alle-Zuckerfest-Feiernden-wollen-offensichtlich-zum-Jahrmarkt-Stau begann die Gartenzeit. Handwerkerfortschritte: Der neue Wasserzähler ist eingebaut. Nachbar U entpuppte sich als gelernter Elektriker, stellte fest, dass bei der Badsicherung wirklich die Sicherung defekt ist (und nicht die Elektrik). Er kann dieses problemlos nächste Woche kurz selbst in Ordnung bringen.

    Bungalow->Berlin

    Frühling. In allen Facetten. Mit Aufwachen und Aufstehen im Garten. Die Taubnesseln und Narzissen noch am Blühen, alle Stauden beginnen sich emporzurecken, die Obstbäume sind nur noch Augenblicke davon entfernt, ihre Blüten zu entfalten. Hippiewespen balgten sich auf der Terrasse, der Hausrotschwanz sang und knirschte über Stunden vor sich hin.

    Blick in einen fast blühenden Mirabellenbaum hinein.

    Wir saßen mit Rotwein auf dem Rotweinbänkle, und gruben endlich die Rosen Mme Hardy (zu den alten Rosen, Nordende) und und Tweekleurig Scarman (Beet 2 L, Südende) ein.

    Die Zeit war endlich, denn Ms. Fluffy hatte den perfekten Samstag gewählt, um zum Grillen nach Berlin-Tempelhof einzuladen. Wir brachten vegane Cocktailsauce mit. Wir diskutierten über das Motto „bringt Essen mit, das ihn noch in 30 Jahren ohne Reue essen mögt“, ließen uns über den Dresscode „Start-Up-aber-trotzdem-hohe-Tagessätze-wert“ informieren und bekamen die Filmtipps Ankle Biters und Rubber.

    Berlin – Berlin

    Die erste Nacht auf der neuen Matratze. Im Wesentlichen dasselbe Modell wie die alte, aber in 10 Jahre weniger verbraucht. Ist besser.

    In Nicola Keegans Roman Schwimmen bin ich aktuell auf Seite 280 und konnte mir mehr Meinung bilden.

    Schlecht: Das Buch heißt „Schwimmen“ und auf dem Cover ist ein Turmspringer abgebildet. Ist halt wie ein Buch „Fußball“ auf dessen Cover ein Hockeyspieler ist. Und genauso oberflächlich, uninteressiert wird das ganze Schwimm-Thema abgehandelt. Ist halt ein nötiges Plot-Element.

    Der eigentliche Kern aber, die Familiengeschichte, erinnert mich in ihrer Mischung aus Seltsamkeit und Tragik positiv an John Irving. Das Setting ist nicht wie bei Irving Neuengland sondern Kansas. Die Familie besteht aus fünf Schwestern, die eine von Nonnen regierte Schule besuchen und der Vater ist Fledermausforscher mit Privatflugzeug. Den Teil mag ich schon sehr.

    Manchmal lese ich Blogs und bei mir clickt so gar nichts. Menschen denen ich ein gutes Leben wünsche, aber mich interessiert nichts was sie schreiben. Und manchmal clickt es total, und ich denke: „Lese ich total gern, sind sicher auch super spannend zum Kennenlernen.“ Frau Rabensalat hatte mich bei den ersten Worten und endgültig begeistert war ich bei der Schilderung des Mindfulness-Workshops.

    Frau Novemberregen schildert Erfahrungen aus einer Welt in der man regelmäßig Augenbrauen kosmetisch behandeln lässt.

    Die kuriose Fernsehsendung „Raue der Restaurantretter“ führte uns mal wieder in das ioff-Forum. Old-School-Internet-Foren in denen man gemeinsam über schlechtes Fernsehen lästert – besseres 90er-Jahre-Feeling geht nicht.

  • 23-04-20 Schulte-Ufer, Ihme-Ufer

    23-04-20 Schulte-Ufer, Ihme-Ufer

    Morgens schaue ich die Tage aus dem Fenster auf den Regen in grau. Dann schaue ich auf den Dürremonitor und denke „gut, gut.“ Dann überlege ich, dass vier Wochen mit Buch im Bett – bis die Sonne kommt – auch eine Option wären.

    Ich aber stehe auf, radle zum Südkreuz und darf den Jahreszeiten-Diskonnekt noch vergrößern. Denn die Vorbereitung der Freibadsaison ist natürlich ein Thema. Was für den Einzelhandel die Weihnachtszeit sind für Badbetreiber die Sommerferien.

    Ein Küchenwarenfachgeschäft war nicht in der Lage Madame einen Ersatz für einen zerstörten Topfdeckel zu verkaufen. Es wirkte aber auch nicht sehr willig, dafür irgendwelche Umstände auf sich zu nehmen.

    Beschriftung auf einem Topfboden. "Ecoline" von Schulte-Ufer

    Entdeckung bei dieser Gelegenheit: Der noch sehr neue aber recht bizarre Edeka im Forum Steglitz zeigt mit geschlossenen Ständen und außer-Betrieb-seienden Attraktionen bereits im ersten Jahr deutliche Verfallserscheinungen.

    Erfolgreicher war der Online-Kauf zweier Matratzen, die in erstaunlich kleinen Paketen geliefert wurde. Wir packten sie aus, rollten sie aus und müssen nun 48 Stunden warten, bis sie sich auf volle Größe und Festigkeit entwickelt haben. Diese moderne Technik ist so faszinierend.

    Der Kaptain buchte einen Zug nach Sylt. Ich erfuhr, dass es inzwischen rote und blaue Autoreisezüge auf die Insel gibt. Rot: Deutsche Bahn. Blau: Railroad Development Corporation, die mittlerweile auch den Autoreisezug Hamburg -> Lörrach und den Nachtzug Hamburg -> Stockholm betreibt. Zeitweise existierte ein Nachtzug zwischen Sylt und Salzburg.

    Die Pedestrian Observations stellen Überlegungen zu einem möglichen Netz von Hochgeschwindigkeitszügen in Ostmitteleuropa an. Obwohl Bevlökerungsdichte und -verteilung unvorteilhaft sind, kommt er auf lohnende Strecken. Die insbesondere lohnen würde, wenn der Anschluss an das Deutsche Netz über Berlin gelänge: Eastern European High-Speed Rail

    Herr Rau entdeckte eine Proto-IKEA-Anleitung in Wilhelm Hauffs Die Bettlerin vom Pont des Arts (1826)

    Die taz hat einen langen Artikel zum Ihme-Zentrum. Als Sohn der Stadt Hannover verfolge ich das Bauwerk und seine Geschichte seit Jahrzehnten fasziniert. Dass ausgerechnet Lars Windhorst sich als Geier versuchen darf, war mir allerdings entgangen.

    Zufällig geriet ich auf die Seite der Goldenen Blogger und stellte fest: mich reizt dort wenig. Zuviel wirkt mir wie da „gewollter Journalismus, aber mit noch weniger Recherche-Budget und mehr Meinung.“

    Entdeckung via Tröt. Der Autor des Buchs zum Wikinger-Stricken (Viking Knitting) sieht genauso aus wie er aussehen muss. Selten war ein Autorenfoto auf dem Buch-Cover so passend.

  • 23-04-18 Wohlgeklammerte Ausdrücke

    23-04-18 Wohlgeklammerte Ausdrücke

    Eine Expedition fand ein jähes Ende.

    Vor etwa zehn Jahren schenkte uns eine ehemalige Nachbarin im Haus einen langen Beistelltisch. Dieser diente Neuneinhalbjahre als improvisiertes Flurregal. Vor einem halben Jahr beschlossen wir, dass der Flur seriös werden sollte und kauften ein echtes Flurregal.

    Der Tisch stand seitdem im Weg. Versuche ihn auf den gängigen Onlinewegen loszuwerden, scheiterten. Ebenso erfolglos blieb das Fragen bei Bekannten. Heute also machten wir, die Glasplatte des Tisches, das Gestellt des Tisches, drei alte Energiesparglühbirnen und ein kaputter Klemmstrahler uns auf den Weg zum BSR-Recyclinghof einen Stadtbezirk weiter. Es fühlte sich ein wenig an, wie eine Polarexpedition. Aber bereits nach kurzer Strecke fand sie ein Ende.

    Madame schlug vor, einfach bei Alpha & Omega zu klingeln. Deren Tisch war, für uns unbekannt, letzte Woche kaputt gegangen. Und so freuten sie sich über den Nachfolger. Unsere kleine Expedition endete nach 23 Treppenstufen.

    Ich kapitulierte.

    Nachdem ich gestern mehrere Stunden mit den Einsendeaufgaben-Aufgaben herumgebracht hatte, gelangte ich zur Überzeugung, dass ich nie im Leben die notwendigen Punkte erreichen werde. Es bleiben weitere Chancen.

    Heute gab es die Lösungen: Inhaltlich war ich auf dem richtigen Weg (soweit so beruhigend), aber noch weit davon entfernt, es so formal ausdrücken zu können, wie gewünscht. Gerade bei den induktiven Beweisen. Besser als umgekehrt. Immerhin konnte ich korrekt begründen, warum die Wahrscheinlichkeit zwei Töchter zu haben größer ist, wenn jemand sagt „ich besitze eine Tochter, die an einem Dienstag geboren wurde“ als wenn nur gesagt wird „ich besitze eine Tochter.“ (Was eine Variante des Ziegenproblems ist).

    In der heutigen Post waren die Kursunterlagen Teil 3. Es geht um Bäume, Matchings und wohlgeklammerte Ausdrücke.

    Was IST mit den Menschen?

    Auf dem Weg zum mittäglichen Blumenfisch-Lunch laufen wir über eine Autobahnbrücke und schauten hinunter auf den Stau. Im Hintergrund ein Martinhorn, eine Rettungsgasse bildet sich. Eine junge Frau in einem Auto der Kompaktklasse schert vor dem Polizeiwagen aus und tuckert durch die Rettungsgasse.

    Nach etwa 50 Meter bemerkt sie, dass ein Auto mit Blaulicht und Martinhorn direkt hinter ihr ist und zieht zur Seite. Polizeiwagen hält kurz neben ihr an und sagt ihr vermutlich unfreundliche Sache.

    Polizeiwagen fährt weiter. Frau schert wieder aus, versucht hinter der Polizei weiter durch die Rettungsgasse zu fahren. LKW zieht vor ihr zu. Die Frau gestikuliert wild und verärgert.

    Stau auf der Autobahn und Autobahnabfahrt

    Fundstücke

    MMBs Freundin wurde ihr parkendes Auto kaputt gefahren. Heute kam der Sachverständige der Versicherung. Leider fuhr er zur Meldeadresse der Freundin nach Brandenburg. Das Auto stand bei MMB vor der Haustür im Wedding.

    Madame war im Museum und empfiehlt nachdrücklich die Ausstellung Retrotopia – Design for Socialist Spaces.

    Die Uni empfiehlt dieses Video zu Parking Funcations. Inhaltlich finde ich es total spannend. Aber andererseits, damit war selbst Telekolleg Mathematik meiner KIndheit Multimedia-Entertainment-Overkill: Lecture 15 . Enumerative Combinatorics (Federico Ardila)

    A Holy Day for Hat People!

  • 23-04-16 Oh daffodils so beautiful

    23-04-16 Oh daffodils so beautiful

    Vierundzwanzig asiatische Marienkäfer wanderten über die Terrassentürscheibe. Wir nahmen den Bungalow wieder in Wochenendbetrieb. Die erhöhten Temperaturen weckten nicht nur Bienen und Wanzen aus dem Winterschlaf in unseren Gehölzen auf, sondern auch ebenjene Marienkäfer.

    Monate der feuchten Kälte hatten Spuren hinterlassen. Ein Stück aufgequollenes Holz an ebenjener Terrassentür, Brennholz, dass sich strikt jeder Flammenentfaltung verweigerte und zu feuchter Holzkohle verschmirgelte, eine Steckdosensicherung, die wir zwar aus-, nicht aber wieder einschalten konnten.

    Es war herrlich.

    Madame wagte sich zwischendurch in den windigen Regen bei 8 Grad und begann in den Beeten herumzukrauchen. Ich blieb beim Birding, welches mit geschlossenen Terrassentür besser geht, da die Vögel weniger furchtsam sind. Amsel, Meise, Rotschwanz und Spatz.

    Merken für den Herbst: Im Narzissenweg machen sich die Sunshine Boys ganz besonders gut. Beim Obstbaumweg reichen die Osterglocken bis gegenüber der alten Birne. Allgemein können mehr Osterglocken in den Bereich zwischen Brombeere und Rotdorn.

    Gelbe Frühlingsblümchen im Rasen. Dahinter Lavendel, im Hintergrund der Beginn eines Hauses.

    Daneben: Einsendeaufgaben algorithmische Mathematik. Langsam, also ungefähr im Tempo einer Halbseite pro Stunde, komme ich glaube ich dahinter, was mir die Dozenten sagen wollen. Aber dass ich morgen Abend Einsendeaufgaben abgeben muss: Es bleibt spannend.

    Zwischendurch: Nicole Keegan: Schwimmen . Das Buch stand in Südbaden in einem Hauseingang „zum Verschenken“; und wenn mir ein Roman mit einem solchen Titel begegnet, steckt dahinter offensichtlich so viel göttliche Fügung, dass ich es mitnehmen musste. Bis Seite 100 kann ich mich weder entscheiden ob ich es mag oder nicht oder ob es ein gutes Buch ist oder nicht. Bisher weiß ich nur: Die Nicht-Schwimm-Abschnitte im Roman sind besser als die Schwimm-Abschnitte.

    Sonntagabend klang in Wochenend-West aus. Mit Geschichten über Geschäftsübergaben, Rosen- und Apfelschneiden, Apfelkuchen und Shakshuka.

    Auf der Autobahn begegneten uns zwei Bandidos. So in echt mit Harley und offenbar großen Reisegepäck auf dem Motorrad.

    Nebenan. Die Diaries of Note zitieren das Tagebuch von Dorothy Wordsworth, Schwester von William Wordsworth mit ihrem Tagebucheintrag einer Wanderung in Lake District, der William zwei Jahre später zu seinem Gedicht „I wandered lonely as a cloud“ inspirierte: I never saw daffodils so beautiful

  • 23-04-13 Ringbahn zu Drehkreuzen

    23-04-13 Ringbahn zu Drehkreuzen

    Katharina Witt schrieb mir einen Brief. Sie fordert mich zur Teilnahme an der Postcode-Lotterie auf, die gleichzeitig sehr hohe Gewinne ausschüttet und mindestens 30% der Einnahmen an wohltätige Projekte ausschüttet. Da muss ich nicht einmal an meinem Mathe-Seminar arbeiten, um den Fehler in der Logik zu finden.

    Kurzer Einschub

    Es ist möglich, Roulette zu schlagen (also mathematisch-statistisch, in echt). Und ich bin total fasziniert.

    In kurz: Roulettekessel sind physische Geräte und als solches nicht perfekt. Während der Ball rollt, ist es theoretisch möglich die ungefähre Ankunftszone des Balls zu bestimmen (verbotenerweise mit Computern, eventuell – noch nicht geklärt – auch durch lange Übung rein auf Sicht) und so die Wahrscheinlichkeitsrechnung zu eigenen Gunsten zu verändern.

    In lang: Bloomberg schreibt eine spannende Räuberpistole aus der Welt zwischen Glamour, Mathematik und Kriminalität: The Gambler Who Beat Roulette.

    Einschub Ende

    Nach der ostermontäglichen Bahn-Odysee zog ich den mobilen Home-Office-Tag auf Dienstag vor. Die Reaktion des Teams rührt mich weiter. Abends fotografierte ich einen Stein auf dem Küchentisch. Noch später Abends trafen wir e-Hälfte der Schwiegerfamilie, die sich über Ostern aus Süddeutschland nach Berlin begeben hatte. Ich liebe diesem Familienteil dafür, wie unkompliziert und einfach unfassbar nett er ist. Das Sagar erwies sich wieder als ebenso leckerer wie familienfreundlicher Inder. Dann k.o.

    Mittwoch konnte ich die Möglichkeit nutzen, direkt aus der Arbeit durch das Drehkreuz zu treten und in das 50-Meter-Becken zu hüpfen. Freundlicherweise fährt eine Ringbahn direkt von der Verwaltung zur Betriebsstätte SSE (Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark) und so ließ sich der spontane Außeneinsatz direkt ins Feierabendpaddeln überführen.

    Blick auf SSE und Parkhaus darunter.

    In der Bahn nachdenken über die beiden IT-Typen Keyboardklöppler*in und Unter-dem-Tisch-Kabel-Verlöter*in und nachdenken darüber, dass Informations-Technologie-Betreiber*innen sich nett in Team Information und Team Technologie aufteilen lassen. Ich bin froh, dass bei mir sowohl Neigung wie Stellenbeschreibung zu Team Information gehören. (und bin dementsprechend dankbar für die Team-T-Leute mit denen ich zusammenarbeite).

    Heute erlebte ich einen Heureka-Moment dabei, ein Häkchen zu setzen. Nachdem ich 120 Minuten lang danach gesucht hatte, wo der Haken fehlt.

    Mittwoch abend/Donnerstag tagsüber/Donnerstag abend crockten Madame und ich kubanische Frijoles negros nach Miss South.

    Ich erwarb das Deutschlandticket, um kurz darauf zu erfahren, dass der VBB unseren netten Zug nach Verlorenort umplante und der Umstieg an der Ringbahn in Jungfernheide wegfällt. Wie soll ich zum Umsteigen nach Charlottenburg kommen?

    Es ist mir komplett unklar: Der RE6 stellt eine wichtige Pendlerverbindung weit über den Berliner Speckgürtel hinaus dar. Die zu den üblichen Zeiten immer überfüllt ist, und immer unpünktlich. Der Drang auf dieser Strecke etwas zu verbessern, ist nicht vorhanden. Selbst falls alle Nordwestbrandenburger Pendler vom Auto auf die Bahn umsteigen wollten: Sobald das mehr als ein Dutzend umsetzen, wird der öffentliche Nahverkehr auf dieser Strecke komplett zusammenbrechen.

    Leider beschäftigten sich die alternativen Berliner Verkehrsdenker mehr damit, sich selbst unliebsame Brandenburger per Kiezblock vom Leibe halten zu wollen, als sich Gedanken über klimafreundliches Pendeln zu machen.

    Passend: die Letzte Generation möchte die eigene schnell gelangweilte Klientel bei Laune halten, indem sie „Berlin zum Stillstand bringt.“ Nicht dass Autobahnkleben zu öde wird, und die Event-Klimaschützer*innen wieder nach Thailand fliegen.

    Der Berliner Radfahrteil in mir ist immerhin Happy: Auf der Schöneberger Hauptstraße wird ein echter Radstreifen entstehen.

    (Internetsuchen/DuckDuckGoen nach der Postcode-Lotterie brachte Spannendes zum Vorschein. Es ist nicht ganz so schlimm unseriös wie zuerst von mir gedacht. Die deutsche Lotterie ist eine Tochter der niederländischen Nationale Postcode Loterij. Katharina Witt hatte in ihrer Werberolle Vorbilder in Rafael Nadal, Bill Clinton oder Nelson Mandela. Trotzdem möchte ich bemerken: Lotterie ist Unfug, der funktioniert weil Menschen mehr einzahlen als herausbekommen. Wenn Ihr Geld für Gutes (mit groß-G) ausgeben wollt, dann spendet direkt.)