Kategorie: Alltag

  • 23-05-16 Fluch der Karibik

    23-05-16 Fluch der Karibik

    Die Hinter-dem-Büro-Baustelle dichtet das Tiefgaragendach mit Dachpappe ab. Das Dach liegt genau auf Bodenhöhe. Es sieht so aus, als würden mehrere Lagen Dachpappe direkt auf den Erdboden verlegt. Darauf wird ein halber Meter angekarrter Erde kommen, um Natur zu suggerieren. Die Hinterhausbaustelle zog Schläuche quer über den Hinterhof. Irgendeine weitere Baustelle sperrte spontan den Radweg vor unserem Haus.

    Der Bungalow-Wasserzählerwechsel mit Verplombung ist in all‘ seinen Verästelungen durchlaufen. Damit ist die letzte der dortigen Winter-’22/’23-Aufgaben vollendet.

    Der Kaptain schickte Fotos aus Sylt – ich bewundere, dass sie eine Wohnung mieten konnte, die im Erdgeschoss liegt, Meerblick hat und bezahlbar ist. Madame stand am Spandauer Damm.

    Meine Lieblings-Event-Mitarbeiterin (MLEM) testete freundlicherweise einen neu erfundenen Prozess.

    Zur mittelfristigen Erhaltung meiner geistigen Gesundheit nahm ich mir vor „Keine Uni auf der Arbeit. Auch nicht in den Pausen.“ Jetzt aber bin ich aber an einem Punkt, an dem ernsthaft Neugier und Ehrgeiz geweckt sind, Ich will wissen, wie diese komischen Mathe-Sachen funktionieren. Ich nahm mehrfach Mathe mit zur Mittagspause – weiß aber noch nicht was ich davon halte.

    Matritzenrechnungen mit zahlreichen Variablen
    Mathematiker haben es nicht so mit Zahlen.

    Weißer Flügel in Neukölln

    Neukölln gab alles. In der U7 zwischen Mehringdamm und Karl-Marx-Straße der junge Mann, gestylt, mit seiner großartigen Pastell-Neon-leuchtenden Boombox, der viel zu laut Achtziger-Jahre-Pop spielte und tanzen wollte. Das Publikum im Wagen schwankte zwischen amüsiert und genervt. Mit der ganz genervten Radfahrerin versuchte der junge Herr sich anzufreunden.

    Wir waren auf dem Weg zu Professor Transformation. Mit unserem Gourmet-Sachverständigen waren wir im „Vorwerck“, dem Event-Restaurant im Erdgeschoss der Neuköllner Oper verabredet. Ich haderte etwas – mehrgängiges Essen in Innenräumen fällt für mich unter Kultur, und damit unter Winteraktivitäten, – aber Madame und Professor Transformation waren von einem dortigen Zufallsbesuch so begeistert, dass ich zum geplanten Essen mitkam.

    Lohnend. Es gab ein 3-Gänge-Menü (Schaum vom Tomatenessenz mit Spalten von Rotweinschalotten), Kalbsrückensteak, Süßkartoffel gefüllt mit Graupen-Risotto und Azuki-Bohnen und New York Cheesecake. Durchgehend kompetent gekocht.

    Dazu, für uns nicht geplant, kamen wir zur Grand Piano Show. Wechselnd setzen sich Kellner an den weißen Flügel und spielen Pophits, Filmmusik, Klassik, die Tische raten gegeneinander. Wer zuerst den richtigen Song ruft, bekommt einen Punkt. Wir waren eher schlecht (3 Pünktchen brachten uns I will Survive, Jeannie und Time Warp). Über das Konzept an sich herrschte an unserem Tisch Uneinigkeit:

    Die klavierspielenden Kellner sind schick – wo muss man schon Fluch der Karibik am Flügel vorspielen, um Kellner zu werden? Ín seiner eigentümlichen Anmutung könnte das ganze Restaurant direkt dem New York Magazine entsprungen sein. Für Berliner Verhältnisse wirkte alles ungewohnt großstädtisch.

    Andererseits war das Essen eigentlich so gut, dass es hätte alleiniger Star des Abends sein sollen und nicht noch mit einer Klaviershow um unsere Aufmerksamkeit buhlen müssen. Aber wir kommen wieder, spätestens im Winter.

    Schafe und Scones

    Frau Herzbruch wurde zur Handball-Eishockeymutter (und als ehemaliger Kreismeister im Kleinfeldhandball kommt mir alles sehr bekannt vor.)

    Sarah Merker von den National Trust Scones besuchte die sconefreien Birmingham Back to Backs.

    Frauherr Streifzug verbrachte die ersten Wochen eines Sabbaticals auf den Orkneys und brachte unter anderem großartige Schafsbilder mit.

    Wem es entging. Meine „du meine Güte-Meldung des Monats:“ Zwei Öl/Gasfelder in Turkmenistan setzen mehr Treibhausgase frei als das komplette Vereinigte Königreich mit alles. Sprich: der Effekt, dort die Lecks zu stopfen wäre größer als die Umstellung eines kompletten westlichen Industriestaates auf Null Treibhauseffekt. Bei dem Thema merkt man immer mal wieder wie klein, unbedeutend und unwichtig man in dieser Welt ist.

  • 23-05-14 Oh wie grün ist Panama

    23-05-14 Oh wie grün ist Panama

    Die erste einzelne Mohnblüte erschien. Die erste Holzbiene flog über das Grundstück. Regen und Wärme der letzten Tage bescherten uns eine grünes Grün des Grünseins um den Bungalow herum.

    Das Schicksal bescherte uns eines der Jahreshighlights in Form von „Mitgliederversammlung Gartenverein.“ Immerhin: Gartenvereinsversammlungen haben den Vorteil, dass sie an holden Maientagen bei 20 Grad im Sonnenschein Outdoors stattfinden.

    Gartenvereinsmitglieder haben den Vorteil, dass sie sich auch von besuchenden Hornissenköniginnen nicht aufschrecken lassen, sondern stoisch sitzen bleiben.

    Und selbst das Bikeshedding der Versammlung hielt sich in Grenzen. Wobei der imaginäre Bau eines gemeinsamen Fahrradschuppens für diesen Verein bereits zu den mittelgroßen Problemen gehören würde.

    Madame lud die Echsen zum Grillen ein. Diese brachten Wicküler, Fürst Wiacek und Bratwürste aller Geschmacksrichtungen mit. Party-Small-Talk-Gewinner: „Ich werde das Protokoll bei der Hauptversammlung von Hertha BSC führen.“ Ein Verein am Abgrund, 3000 Teilnehmer:innen und alle sind redeberechtigt.

    Ihr erinnert Euch an die Harpyie aus „Das letzte Einhorn?“ Dieses furchterregende Wesen wird in einem engen Käfig gehalten. Sie versucht immer wieder Ausbruchsversuche. Das letzte Einhorn und ihr Freund erzählen der „Besitzerin“, dass man Harpyien unmöglich einsperren kann. Es kommt wie es kommen muss – Harpyie entflohen, „Besitzerin“ tot.

    Wir halten – natürlich – keine Harpyie im Käfig. Aber wir hatten eine Brombeere inmitten einer Wurzelsperre. Diese hat eine Neigung mehr-als-daumendicke-Triebe im Millimeterabstand neben der Wurzelsperre auszufahren und in zwei Wochen auf Oberschenkelhöhe zu bringen.

    Da man Brombeeren schlecht in die Freiheit entlassen kann, haben wir sie ausgebuddelt, klein geschnitten und in die Mülltonne überführt. Wir wollten unser Schicksal nicht versuchen.

    Auch Knauzien und Mohn setzen an, sich in Massen zu zeigen. Bei denen ist dies aber erwünscht. In den nächsten Wochen wird sich das grüne Grün bunter Färben.

    Nur die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, inzwischen in niederländischem Besitz, hatte mit dem Frühlingsgrün schon abgeschlossen. Sie mähte das Roggenfeld hinter dem Haus. Der beige Rest auf dem Feld erinnerte schon sehr Spätsommer. Wir genossen den Anblick eines halben Dutzends Greifvögel (Rotmilane sicher, vermutlich auch Falken und Bussarde), die sich im frisch gemähten Feld Mäuse und andere Kleintiere erhofften.

    Brown, all brown

    Einst fragte ich eine finnische Band, die relativ schräge Musik machte, warum so viele seltsame Musik aus Finnland kommt. Antwort: „All brown. Everything is brown. All sand. Some trees. But mostly sand.“ Inzwischen lernte ich, dass Finnen eine salzarme Ernährung bevorzugen. Dieses reizarme Leben scheint kreative Kräfte freizusetzen.

    Lebensziel für mich: den finnischen ESC-Beitrag einmal komplett fehlerfrei beim Karaoke runterreißen. Dass der schwedische ESC-Gewinnertitel von ausgesprochener Langeweile war, halte ich für gegeben. Es muss hier nicht weiter ausgeführt werden.

    Madame entdeckte eine Superkraft: Sie kann türkische Namen (relativ) korrekt aussprechen. Von dieser Kenntnis wusste sie natürlich. Aber dass die Fähigkeit selbst in Berlin außerhalb der entsprechenden Community kaum verbreitet ist, fiel erst wirklich auf.

    Noch letzte Woche bekam ich eine Mail, die vor zwei Jahren hätte lebensverändernd sein können. Jetzt denke ich höchstens „Ach, nett.“ Irre, was in diesem Haushalt seit 2020/2021 alles passiert ist. Evehtuell fällte ich lebensverändernde Fernstudiums-Entscheidungen. Aber darüber werde ich noch einige Nächte schlafen.

    Mein BVG-Deutschlandticket schlägt weiterhin Wirrungen. Aktueller Stand: ich schicke der BVG-Briefe des Tonfalls „Noch bin ich nur etwas sauer, aber ich habe die Kontaktdaten eines Anwalts bereits herausgesucht.“

    Falls Ihr Euch fragtet, ob (a) mensch KI-Sprachmodelle auch betrunken machen kann und (b) ob das Metaverse und Web 3.0 wirklich tot sind? Eine Adidas-Werbeanzeigte lieferte mir die Antwort. Es geht übrigens um einen stinknormalen Schuh:

    Ein Affe, eine Ikone, unendliche Inspiration. Indigo Herz bringt das Metaverse mit der ersten Kollektion aus physischen Produkten ins Real Life. So wird das open Metaverse für alle zugänglich. Die Kollektion greift das blaue Fell von adidas’ Bored Ape auf und findet sich in der gleichen Farbwelt wieder, die bereits adidas’ Reise ‚Into the Metaverse‘ gekennzeichnet hat.

    [sic]

  • 23-05-11 Neue Matratze

    23-05-11 Neue Matratze

    Falls ich mich in einigen Jahren fragen werde: Wann habt Ihr die Matratzen zuletzt ausgetauscht? Es war Ende April 2023. Und diese Matratze benötige ich jetzt auch.

    Denn das letzte Wochenende war nicht nur hochspannend, sondern auch anspannend. Diese Spannung fällt langsam ab und ich fühle mich wie eine Flasche Cola, die seit drei Tagen offensteht.

    Es half nichts, dass ich zwar – dank Studientag – meine bestvorbereitetetn Einsendeaufgaben aller Zeiten abgab. Aber trotzdem insgesamt noch 10 Stunden an der Lösung den Aufgaben saß und wieder entgegen allen ursprünglichen Planungen die Mittagspausen mit Algorithmischer Mathematik verbrachte; mehr als einmal dachte „Hä?“

    Blick auf ein Heft und Pausenraum.

    Dabei entdeckt: eine Kollegin, die in einem anderen Bereich arbeitet, studierte einst Mathematik. Ich „Dann kann ich dich ja im Zweifel fragen.“ Sie: „Das ist sehr lange her.“ Ich: „Aber wenn ich mich mal wieder frage: WAS WOLLEN DIE VON MIR?!?“ Sie: „Das habe ich auch andauernd erlebt und wusste es oft nicht.“

    Immerhin: Nachdem ich Einsendeaufgaben eins gar nicht abgab, bei den Einsendeaufgaben zwei alles in letzter Minute vonstatten ging und ich echt Glück zum Bestehen benötige, bin ich mit Nummer 3 nun einige Tage vor Abgabeschluss fertig und bin optimistisch die nötigen 30% der Punkte erlangt zu haben.

    Irritirrenderweise unterbrochen von kurzen Exkursionen auf die Fernuniseite, ob und wie ich von Wirtschaftsinformatik nach Mathe wechseln kann.

    Allerdings dachte ich dann, ich bleibe erstmal bei einem Fach, bei dem ich faire Bestehenschancen habe – und außerdem bin ich ja alt und habe irgendwann gelernt dass „gute Sachen zu Ende machen“ bessere Resultate bringt denn „andauernd aufregende Sachen anfangen und dann liegen lassen.“

    Ja, sonst ist alles ziemlich vorbeigerauscht. Mathe, Arbeit, Matratze, war was?

    Berlin-Bülowstraße

    Bei Versuch zu ergründen, was die Mathematiker von mir wollen, traf ich auf das Blog nebenbeistudent. Offensichtlich ein Fernuni-Hagen-Blog. Dessen letzter Beitrag liest sich ganz hoffnungsfroh. Ist aber halt nicht gut, dass es der letzte ist. Auch sollte ein Blog nicht mit etwas enden, das Zwischenstand heißt.

    Frau Anjesagt war/ist in Berlin und fremdelt. Eigentlich ganz niedlich. Teil 1 und Teil 2.

    Vorteile von Berlin: Deutsche Popstars machen Alben über deine unmittelbare Nachbarschaft. LEA veröffentlichte Bülowstraße.

  • 23-05-09 (n-1)

    23-05-09 (n-1)

    Warum Fernstudium? Ein Motiv kristallisiert sich erst im Verlauf des Studiums richtig heraus: Es ist ein großes Abenteuer.

    Vor allem natürlich intellektuell: Ich lerne krass viele Sachen.

    Aber auch sonst: die Verfahren, die Lehrmaterialien, die Organisation – und an diesem Wochenende neu: Lehrende und Kommiliton*innen. Bisher hatte ich die Lehrenden ja bestenfalls im Video gesehen. Die Kommiliton*innen aus dem Berliner Umland traf ich direkt vor Klausuren – aber in dieser Situation reden Menschen erfahrungsgemäß gar nicht oder großen Unsinn.

    Letztes Wochenende änderte sich alles: Ich war beim Studientag auf dem Campus Nürnberg der Fernuni. Zwei Tage von jeweils 9.30h bis etwa 16:30h Algorithmische Mathematik intensiv: Beweisarten, Abbildungen, Relationen, Graphen, Bäume.

    Die Veranstaltung teilte sich in vier inhaltliche Teile: Jeder begann mit einem Vortrag, dann gemeinsames Durchgehen von Übungsaufgaben im Kursverbund an der Tafel. Im nächsten Teil: dasselbe in einem anderen Themengebiet. Es half viel: Inhaltlich, weil es viele meiner Fragen „WTF wollt ihr von mir ?!?“ beantwortete.

    Aber auch bei so trivialen Sachen wie „Notation.“ Algo-M ist ein Kurs für Wirtschaftsinformatiker, Informatiker und Mathematiker. Vieles was an Notation vorkommt, ist für die Mathematikstudent*innen ein alter Hut, wird im Kurs nie so richtig eingeführt. Also stolpere ich bei vielem schon beim Lesen der Formeln.

    Jetzt zwei Tagen den Dozent*innen gelauscht, wie sie die Formeln aussprechen und welches Zeichen wirklich was bedeutet: quasi alles in der Hinsicht ist geklärt. Mein Formel-Lesetempo hat sich ungefähr verzehnfacht.

    U-Bahn-Station Nürnberg Hauptbahnhof. Eine Wand in orange weiß mit Pfeilmuster, die Anzeige "Hauptbahnhof."

    Gut für’s Ego: Die anderen sind genauso blöd wie ich. Wirklich jede*r kämpft, hat sehr viele Fragen und tastet sich nur mühsam an die Aufgaben heran. Algo-M gehört zu den Klausuren, die gerne um mehrere Semester geschoben werden, weil sie niemand schreiben möchte.

    Spannend: Die Zusammensetzung der Anwesenden. Ich würde sagen, überwiegend im Altersbereich von Mitte 20 bis Ende 30, fast die Hälfte der Anwesenden waren Frauen. Alle, von denen ich es mitbekam, waren voll berufstätig.

    Ich war froh, dass ich mir für die Veranstaltung Bahnfahrt und zwei Hotelübernachtungen buchen konnte ohne einmal drüber nachdenken zu müssen.

    Aber weil alle Komiliton*innen 40 (39) Stunden die Woche beschäftigt sind: Alle, mit denen ich sprach, gaben gleich im ersten Semester zwei Illusionen auf: (1) Das lässt sich irgendwie nebenbei erledigen – komplett unmöglich. (2) Man kann höhere Ziele als „irgendwie durchkommen“ anstreben. Nicht als erwachsener Mensch mit einem nicht-studentischen Leben nebenbei.

    Was aber auch die Anwesenden entspannt: Die haben schon ein Leben, das nicht vom Ausgang dieses Studiums abhängig ist.

    Und auch noch Erkenntnis: Inhaltlich kickt mich der Kurs bisher von allen Fernuni-Kursen am meisten. Natürlich gerade wegen der vielen WTF-Momente.

    Gen-Z-Gelb

    Ein beeindruckender Wikipedianer war Deror Lin. Dieser ist für mich komplett überraschend gestorben.

    Stell Dir vor, es ist das Jahr 2023. Du segelst auf einem kleinen Boot durch den Ärmelkanal und Dein Ruder bricht. Du sendest Seenot. Die Rettung naht. Und es kommt ein hölzerner Dreimaster, ein Ostindienfahrer, um Dich zu retten. So geschehen am 25. April vor Paimpol (Bretagne) – Fotos und Bericht gibt es auf der Website der Götheborg of Sweden.

    Kellerkind war auch in Bayern. Frau Herzbruch feierte ein Fest.

    Herr Rau erinnerte sich an die Wohnungen seiner Kindheit und Jugend. Herr Buddenbohm fuhr Bahn (u.a. durch Langenhagen). Gabriele Frankemölle machte Pastrami und Anke Gröner las „Noch wach?“. Die New York Times fotografierte Hüte. Die FAZ erklärte, dass Generation Z Yellow DIE neue Farbe ist. Diese Entwicklung begrüße ich sehr.

  • 23-05-07 Charakterisierung von Bäumen

    23-05-07 Charakterisierung von Bäumen

    Wie zählen Mathematiker? „Nichts, eins, zwei, viele.“ Das stimmt so nicht. Aber die Zählweise „0,1,2,…,n“ kommt näher an die Realität heran. Ich hatte ein intensives Fernuni-Präsenz-Wochenende am Standort Nürnberg mit Bäumen, Graphen, Abbildungen, Beweisen und Sätzen – und wir bewegten uns komplett im Zahlenraum zwischen 0 und 12 innerhalb der natürlichen Zahlen.

    Wobei alles größergleich 2 glaube ich nur aus pädagogischen Gründen vorkam, nicht aus inhaltlichen. Immerhin warfen wir das halbe lateinische Alphabet und Zeichen diverser anderer Alphabete mit in den Mix. Ein anstrengendes, lohnendes Wochenende.

    Logo der Fernuni Hagen im Fenster eines Bürogebäudes

    Originell: Madame kam mit dem ICE72 aus Richtung Interlaken, ich mit dem ICE701 aus Richtung München. Und ab Erfurt fuhren wir quasi parallel. Wir kamen mit 10 Minuten Abstand am selben Bahnsteig auf dem Bahnhof Südkreuz an. Wäre mein Zug nicht fünf Minuten verspätet gewesen, hätten wir uns schon in Erfurt einmal über den Bahnsteig hinweg winken können.

    Abendprogramm: Südstadtbad Nürnberg.

  • 23-05-04 Pollinator Pathmaker

    23-05-04 Pollinator Pathmaker

    Madame ließ Finanzbeamtenklischees zeichnen.

    Ich nutzte die Gelegenheit, neben dem ICE-Bahnhof zu arbeiten. Nach Feierabend konnte ich noch kurz rüberlaufen und Madame zu ihrem Zug nach Süden bringen. Zum Glück hatte dieser nur „geänderte Wagenreihenfolge“ und nicht „einige Wagen fehlen“ wie der Vorgängerzug. Für das Jahr 2023 überraschend: Madames Zug kam pünktlich in Stuttgart an.

    Auch ansonsten mag ich die Bürolage direkt neben einem Preisklasse-1-Fernbahnhof. Ich mag dieses „Allein in der Menge“-Gefühl, das Bahnhöf bieten. So viele spannende Geschichten, die sich gerade ereignen. Sollte ich jemals einen Posten als „Poet in Residence“ anstreben, kämen für mich eigentlich nur Freibäder, Bahnhöfe oder Flughäfen in Frage.

    Blick in den Bahnhof Südkreuz. Zentrales Motiv. ein abstraktes Rosa Kunstwerk, das sich entoang der Decke zieht.

    Ich bestellte mein Deutschlandcard-Jobticket. Es bleibt spannend: Gerne hätte ich mein privates Deutschlandticket für den Mai gleich gekündigt. Dies war aber nicht möglich, weil ich das Mai-Deutschlandticket immer noch nicht besitze. Weder habe ich das Ticket noch eine Kunden- oder eine Vertragsnummer. Werde ich nun im Juni zwei BVG-Deutschlandtickets besitzen? Oder gar keines? Oder etwas Anderes?

    Die Taubenkolonie in der Tiefgarage der „Südkreuz Offices“ erfreut sich weiterhin ausgeprägter Lebendigkeit. Immerhin hat sich jemand nach vier Monaten erbarmt und die zersausten Federreste einer ehemaligen Taube aus der Ecke neben meinem Fahrradständer geräumt.

    Im Internet lese ich von zurückkehrenden Mauerseglern. Nur unser Hinterhof bleibt leer. Ich fürchte, die Nachbarhaus-Fassaden-und Dachbodensanierung hat diese Kolonie aus unserer Hinterhoflandschaft vertrieben. Gerade im Spätsommer boten diese ein großes Spektakel, wenn sie im Rahmen der „Screaming Parties“ laut kreischend in ihrem Tempo im Formationsflug Kreise über die komplette Hinterhoflandschaft flogen.

    Ihr kennt vielleicht diese lustigen Internet-Clickereien „In welchem Land hast Du bereits gelebt?“. Auf Tröt fand ich die Frage in der Variante: „In welchen WWF-Ökoregionen hast Du gelebt?“. Und deren Ergebnisse fand ich fast spannender als die Länderfrage: Bei mir sind es die Central European mixed forests, die Atlantic mixed forests und die Mississippi lowland forests. Leider kann ich den einschlägigen Karten nicht entnehmen, wo genau in Deutschland die Grenzen verlaufen. Eventuell lebte ich auch in den Western European Broadleaf Forests.

    Letztens waren wir in der Garten-Ausstellung im Vitra-Museum. Und eines meiner Lieblingsstücke wollte ich doch noch erwähnen: Pollinator Pathmaker. Ein interaktives Online-Kunstprojekt mit praktischer Anwendung: Der Garten aus der Sicht von Wildbienen und anderen Bestäubern. Bastel dir Deine Fläche (Gib Größe, Lage, Boden, Wetter an und Präferenzen an) und du kriegst eine 3-D-Ansicht wie dieser aus Sicht der Bestäuber aussehen würde. Und wenn Du ihn dann umsetzen willst, gibt es gleich einen Pflanzplan. Erfreulicherweise stehen bei uns (Lehm, Vollsonne, Deutschland) viele Pflanzen auf dem Plan, die eh schon im Garten stehen. Tolles Spielzeug, schöne Kunst und vielleicht inspirierend.

    Meine persönlich spannendeste Karl-3-Krönungsfrage war: Rücken die Schotten den heiligen Stein wieder heraus, der für die Krönung nötig ist? Sie haben. Ich liebe Monarchie dafür, dass sie so herrlich nicht-logisch, nicht-rational und reichlich ineffizient ist. Und dass sie gelebte Geschichte ist, die in ein paar Aspekten das Mittelalter in die Jetztzeit trägt. Mehr zum Stone of Destiny bei medievalists.net.

    Die Welt ist ja so etwas wie die interne Schüler:innenzeitung der Axel Springer SE. Umso spannender war, wie und wer „Noch Wach?“ besprechen würde. Die Besprechung wurde überraschend gut: Die Enthüllung.

    FAZ-Feuilletonkorrespondent Andreas Kilb ist Stammgast in der Schwimmhalle Finckensteinallee.

    Falls ich jemals ernsthaft mit e-Sport anfange, habe ich meinen Wettbewerb gefunden. (Nicht, dass ich irgendwie gut wäre, selbst bei so Haushalts-Excel schleppe ich mich mühsam durch. Aber die Idee gefällt mir sehr).

  • 23-05-02 Retroradeln

    23-05-02 Retroradeln

    Zwei Kurzzeitbesucher machten mit neckischen Gesten darauf aufmerksam, dass Sommer wird. Das lange Gartenwochenende entließ mich mit je einem Mückenstich links und rechts auf Hosenbundhöhe. Ich brachte sofort den bite-away in Anschlag; in der Hoffnung, dass dieser 2023 genauso gut funktioniert wie in den Vorjahren.

    Und so ist es mit den Größen- und Machtunterschieden. Was für mich zwischen neckisch und ärgerlich läuft, war für die Mücken eine Aktion zwischen Leben und Tot.

    Während das Radio aus der Ferne etwas von Demos redete, erinnerte ich mich in innerer Nostalgie an die Leipziger Mai-Gegendemos gegen Mai-Nazidemos. Unvergessen diese Momente in abgelegenen Seitenstraßen mit „Jörg, das sind Nazis!“. – „Ich weiß! Auf sie!“ – „Jörg, das sind 20 Nazis und wir sind vier.“ – „Ich weiß! Auf sie!“

    Im Radio sprachen Menschen derweil von der Vier-Tage-Woche. An einem recht sonnenreichen Drei-Tages-Wochenende klingt eine Vier-Tage-Arbeitswoche nach einem reizvollen Konzept.

    Tatsächlich aber hatte ich mich selbst meiner Freizeit beraubt, rechnete algorithmisch vor mich hin und vertiefte mich in den Graphentheorie nach dem gebürtigen Basler Leonhard Euler. Die Einsendeaufgaben drohten. Was ich nicht gedacht hätte: Wenn ich endlich mal Mathe auf universitärem Niveau lerne, wird es darin enden, dass ich Bastelbögen dreidimensionaler pyramidenartiger Polygone ausschneide, zusammensetze und die Kanten an jedem Knoten zähle.

    Der Vorteil des Informatik-Kurses dieses Semester: Der ist so abstrakt, klassisch mathematisch, dass er komplett ohne Computer auskommt. Ich muss auf Bildschirmspiegelungen keine Rücksicht nehmen. Ich kann fröhlich von der Terrasse aus auf blühende Birne und Zwetschge, brummende Hummeln, suchende Bienen und goldlacktrunkene Fliegen schauen. Nicht zu vergessen: Der aus dem Winterquartier zurückgekehrte Rotmilan, der über das Weizenfeld vor unserem Zaun segelte.

    Goldlackblüten von oben. Nicht wirklich erkennbar: Fliegen darinnen.

    Auf der Terrasse redeten wir aus verschiedenen Anlässen über Axel Springer SE. Unter anderem stellte Madame verwundert fest, dass ausgerechnet ntv die aus ihrer Sicht passendste Rezension von Noch Wach! veröffentlichte. Wir stellten auch fest: Manchmal ist es schwer zu glauben, dass idealo, Stepstone, Die Welt und der Springer-Club alle zum selben Konzern gehören. So krass unterschiedlich sind die Firmenkulturen dort. Wobei mein Eindruck auch ist: Je mehr ein Unternehmensteil finanziell zum Konzernergebnis beiträgt, desto angenehmer sind die Menschen dort.

    Madame übererfüllte mit den Beeten 5L (komplettemang), 4L und 4R das Entkrautungsplansoll für das Wochenende. Trotz (abklingemdem) Multizip räumten wir Möbel auf die Terrasse. Der gegrillte Krustenbraten plus die Resultate unseres Spargelhof-Hofladen-Hauls reichten uns über das komplette lange Wochenende und auch noch in den Beginn der Arbeitswoche.

    Auf dem Weg zum Spargelhof: Wir passierten nicht nur die üblichen Cabrios und Radreisegruppen, sondern auch einen Retro-Radgruppe. Räder, Anzüge und Kleider vermutlich neu: Alles aber erweckte den Anschein als wäre der Cast von Three Men in a Boat auf Brandenburger Straßen unterwegs; oder zumindest als wäre die Gruppe um 1910 zu ihrer Tour aufgebrochen. Wenn ich mal groß bin, mache ich nur noch so stilvoll Fahrradausflüge.

    (Inzwischen gefunden: Anscheinend wurde der Ausflug vom Londoner Tweed Run inspiriert.)

    Herr Buddenbohm fror in Hamburg, die Kaltmamsell wanderte bei München, Hotel Mama haderte in Berlin und Kitty Koma aß einen veganen Burger.

    Ich harre gespannt dem Ergebnis, ob die BVG mich noch irgendwie mit dem Deutschlandticket versorgen wird, bevor ich es das erste Mal benötige.