Kategorie: Alltag

  • 23-06-01 Linksverkehr – Eisbär

    23-06-01 Linksverkehr – Eisbär

    Die Karotte im Treppenhaus war weg. Dann war sie wieder da. Dann wieder weg. Inzwischen liegen dort zwei Karotten. Gibt es eine Methode, über hingelegte Karotten zu kommunizieren?

    Neben Karotten vermehren sich im Treppenhaus auch stetig die Briefkästen. Die Zahl der Briefkästen dürfte inzwischen doppelt so hoch wie die Zahl der Wohnungen sein.

    MMB fuhr ins Platsch.

    Der Dienstag war ein Mittwoch. Und wenn der Wecker für den zweiten Arbeitstag der Woche auf Dienstag gestellt ist, kann das in Feiertagswochen zu bösen Überraschungen führen. Madame nahm es tapfer und hastete sich noch pünktlich nach Brandenburg. Ich hatte eigentlich jede Menge Zeit, war dann aber so uhrzeitverwirrt, dass ich fast zu spät gekommen wäre.

    Heute ist der 1. Juni. Tag 1 meines Deutschlandtickets. Und damit Tag 1 meines ersten BVG-Abos jemals. Ich bin so aufgeregt. Leider ist auch der Wochentag des (im)mobilen Arbeitens, an dem ich oft genug die Wohnung gar nicht verlasse. Aber weil ich es kann, fahre ich zum Wannsee, besuche das Strandbad und führe nach „Anbaden Meer“ und „Anbaden Freibad“ auch „Anbaden See“ durch.

    Der eine Arm der BVG begrüßt mich freudig als Jobticket-Neu-Abonnenten. Der andere Arm der BVG weigert sich weiterhin, mir eine Auskunft zu geben, warum er mir das private Deutschlandticket nicht verkaufen wollte. Stille schweigt auch der angeblich beteiligte Zahlungsdienstleister. Ich neige dazu, das ganze für eine Namensverwechslung zu halten, empfinde aber die penetrante Nichtkommunikation der Beteiligten zunehmend als ärgerlich.

    Heute ist der 1. Juni. Der Tag an dem ich mich an der Fernuni zurückmelden und neue Module belegen kann.

    Gestern war der 31. Mai und genau so wie gestern hatte ich mir das Fernstudium in meinen Wünschen vorgestellt: Ich liege in holder, nicht zu heißer, Sonne auf der Liegewiese des Insulanerbads, trockne vom Schwimmen, höre Schwimmbadgeräusche und arbeite mich durch lokale Minima in Gleichungssystemen mit mehreren Variablen. Nicht ohne zu denken „WTF WOLLEN DIE VON MIR???“ So könnte ich problemlos die nächsten vier Monate verbringen.

    Eingangsbereich des Sommerbads am Insulaner

    Um zumindest das Hä???-Gefühl weiter zu erhalten, habe ich beschlossen, bei der Uni-Rückmeldung von meinem Augen-zu-und-durch-Kurs abzuweichen und auch mal außerhalb der Wirtschaftsinformatik-Pflichtmodule in der echten Mathematik zu wildern: Ich starte ganz sutsche mit dem Mathe-Einführungskurs für den Bachelor in Mathematik/Mathematisch-Technische Softwareentwicklung mit 10 ECTS. Dazu kommen die Wirtschaftsinformatik-Pflichtmodule:

    • 01646 – Einführung in die technische und theoretische Informatik (5 ECTS)
    • 01647 – Einführung in Betriebssysteme und Rechnernetze (5 ECTS)
    • 31751 – Modellierung betrieblicher Informationssysteme (10 ECTS)

    Madame wechselte TwinDos. Später kaufte 10 Kilogramm Gußeisen mit Gummimantel. Sie bekommt eventuell Stunden verschoben.

    Meine ukrainische E-Mail-App gibt es jetzt auch „mit AI“. Meinem Eindruck nach liegt generell die Hauptkompetenz von KI bisher vor allem darin, wohlklingenden Unsinn zu fabrizieren. Aber dafür brauch ich keine App. Das kann ich in ausreichenden Mengen selber.

    Seat61 hat eine vollständige Seite für den European Sleeper Train.

    Das Unsound-Festival Krakau veröffentlichte sein erstes Programm für den Herbst.

    Vielleicht der schönste Part an That’s my Jam: Linksverkehr – Eisbär.

    Netflix drehte eine Dokumentation über die Geschichte unserer Nachbarschaft.

    Ich bin stolz: Ich habe gestern Abend ein Interview mit einem sächsischen CDU’ler zu Lina E. gehört und lag danach nicht noch 4 Stunden mit rasendem Blutdruck und Schaum vor dem Mund wach. Trotzdem würde ich die Selbstauslöschung der sächsischen CDU unbedingt befürworten.

  • 23-05-30 Uelzen Hildesheim Wohnmobil

    23-05-30 Uelzen Hildesheim Wohnmobil

    Der Regio nach Sylt ratterte am Bad vorbei. Ich hatte etwas Mitleid. „Ihr müsste noch Anderthalb Stunden im im überfüllten Ferienregio sitzen, während ich hier schon Nordsee, Wind, Sonne und Wasser in Dithmarschen habe.“

    Ich umrundete gemählich schwadernde Osteuropäerinnen mit Kopftuch. Madame hatte sich zurückgezogen und las weiter in Stadt Land Raub. Der junge Mann in der neofarbenen Badehose übte sich an formvollendeten Köppern vom 5-Meter-Turm. Der Güterzug nach Hamburg rauschte vorbei.

    Wir schwelgten im 29-Grad-Freibad – beheizt durch die Abwärme der Raffinerie, deren Erzeugnisse nach Hamburg fuhren. Nachdem das Meer sich rar gemacht hatte, holten wir den Schwimmausflug im Freibad Hemmingstedt nach. Erfreut darüber, dass auch in ländlichen Kleinstadtfreibädern inzwischen Currywurst (Rindfleisch) auf der Karte steht.

    Es folgten die anderen Standard-Programmpunkte: Wandeln am Eidersperrwerk, wandeln am Deich und Scholle essen am Büsumer Hafen. Herr Ch. wollte nach Heide gebracht werden, damit er zusammen mit der Landjugend zur Albersdorfer Pfingstfete fahren konnte.

    Radtourschild mit Schaf-Route und Kohl-Route
    Kohl-Route und Schaf-Route. Wie es sich gehört.

    Nebenbei, immer wieder: LU(LR)-Zerlegung und Cholesky-Zerlegung. Die Einsendeaufgaben ruhen in diesem Semester nie. Ich hatte es natürlich nicht geschafft, sie vor dem langen Wochenende abzugeben. Immerhin: inzwischen sind einige Aufgaben eingereicht, vier Stunden vor Abgabeschluss.

    Auf der Rückfahrt; die Strecke von Büsum zur Autobahn. Ich zählte Kennzeichen auf: Hamburg – Pinneberg – Einheimisch – Pinneberg – Essen – Hannover – Schweiz – Hamburg – Einheimisch – Einheimisch – Irgendwasausbadenwürttemberg – Itzehoe – Einheimisch – Uelzen – Hildesheim – Wohnmobil. Die pfingstlichen Urlauberkolonnen rollen.

    Girl Gone Missing

    Madame gestaltete derweil naturnahe Blumenkäste und las Stadt Land Raub. Die deutsche Übersetzung von Girl Gone Missing war über den Hammett-Newsletter und dann diverse Irrungen in Madames Hände gelangt. Ihren gelegentlichen Äußerungen nach sprach sie dem Buch jegliche Krimihaftigkeit ab. Deswegen war sie von der Geschichte der Native Americans in Minnesota sehr angetan. Sie zitierte zustimmend eine Kritik „Es passiert nicht viel auf der Handlungsebene. Aber es passiert viel mit den Menschen.“

    Der Kaptain entdeckte den Whats-App-Status.

    Im Kofferraum fand sich ein halber Kaninster mit Winter-Scheibenreiger.

    Von mir gelesen: Horst Evers: Bumm! Ich zweifelte schon beim Kauf, weil sich das Buch eigentlich zu sehr nach persönlicher Komfortzone von mir anhörte. Bei der bisher gelesenen ersten Hälfte bin ich unterwältigt. Aber ich erinnere mich an den Vorgänger, den ich auch lange unterwältigend fand, bis ein furioses Finale alles zusammenfügte.

    Frau Rabe folgte einer norwegischen Hochspannungsleitung.

    Beim Guardian gab es eine #metoo-Affäre und in der britischen Presse rollt Tumbleweed vorbei. Die nytimes berichtet über Nicht-Berichte: A British Reporter Had a Big #MeToo Scoop. Her Editor Killed It. (Paywall entfernt).

    Politico produzierte eine Grafik-Multimedia-Reportage über den neuen European Sleeper Train von Berlin nach Brüssel. (Achtung, lädt ewig)

    Shocking! Die Hamptons sind nicht mehr Hip!

    Merken für das nächste Jahr. Alle Mauer-Blumenkästen beim Kaptain zusammen fassen etwa 100 bis 120 Liter Blumenerde. In der Hütte sind noch 100 Liter.

  • 23-05-28 Sommer für Sommer wachsen hier wilde Brombeeren

    23-05-28 Sommer für Sommer wachsen hier wilde Brombeeren

    Pfingsten für Pfingsten fahren wir an die Nordsee. Und baden die Saison an im kalten Watt. Pfingsten für Pfingsten staune ich, wie wenig Wasser da ist. Und erst dieses Jahr merkte ich: Es gibt einen Grund.

    In der Kurzversion: Sowohl der Pfingsttermin als auch der Wasserstand hängen vom Mond an. Es ist kein Zufall, dass beides zusammenfällt. Pfingsten ist immer bei Halbmond. Und bei Halbmond ist Nipptide – das heißt, die Gezeiten sind wenig ausgeprägt. Das Niedrigwasser ist vergleichsweise hoch, das Hochwasser ist besonders niedrig.

    Und so watetet wir in Westerkoog viele hundert Meter durch Modder und Watt, bis wir an eine Stelle gerieten, die zumindest das Hinsetzen erlaubte. Dank einem strahlenden Sonnentag und Hochwasser am frühen Abend hatten sich Boden und Wasser aufgewärnt. In anderen Jahren waren wir beim Saisonanbaden von bibbernden Menschen in dicken Fahrradjacken umgeben, heute wagten sich mehrere Gruppen ins Watt.

    Nur um des Schwimmens willen werden wir noch ein Schwimmbad aufsuchen müssen. Vielleicht gelingt es uns, den Kaptain mitzunehmen und sie im Eiscafé abzusetzen.

    Der Freitag begann anstrengend. Die Vibes auf Arbeiten waren gestresster als auch schon. Den Hauptbeteiligten gönne ich die freien Tage sehr.

    (Mit Gedanken an die Leute im Bad, denen ein intesives Wochenende bevorsteht.)

    Wer Freitag vor Pfingsten Berlin in Richtung Meer verlässt, darf sich nicht wundern, in Menschenmassen zu geraten. Der Verkehr stockte bis zur Weggabelung Nordsee/Ostsee.

    Auf der Höhe des Westhavellandes gerieten wir in das obligatorische Funkloch, das selbst den UKW-Radioempfang erschwert. Wir schwelgten im Luxus vergangener Tage mit einem 6-CD-Wechsler der Teil des Autoradios ist. Es lief unter anderem Dota. Das Hören von Bademeister*in ist speziell: Denn inzwischen tauchen dabei sehr spezielle Personen vor meinem inneren Auge auf (Hallo Angie, hallo Sissy, hallo Steve, hallo Sven, hallo Rene, hallo Britta und Britta, hallo Heike, …). Vor allem aber habe ich seit der Fahrt einen „Sommer für Sommer“-Ohrwurm:

    Und Sommer für Sommer wachsen hier wilde Brombeeren
    Und ich pflücke die Reifen ab, wenn ich vorüber geh
    Sommer für Sommer sind die Süßesten schwer zu erreichen
    Die Schrammen, die man sich holt, tun nicht lange weh

    In Dithmarschen wachsen keine wilden Brombeeren. Viel zu kostbar ist jeder Quadratmeter des premiumfruchtbaren Agrarlandes für eine solche Platzverschwendung. Aber die Kohlpflanzen werden gesetzt, die Kartoffelfurchen werden gerade gezogen. Miniaturfohlen liegen ermattet auf den Weiden, erschöpft vom Fohlen-sein. Größere Lämmer sind von den Weiden wieder auf die Deiche zurückgekehrt.

    Spaghetti-Eis in der Eisdiele Cortina. Durch die Marktstadt im Nordseewind wabert ein Didgeridoo-Festival mit Didgeridoo-Jams an allen Enden. Wir stöbern über den Markt, sehen Gemüse aus heimischem Anbau, Tomaten aus heimischen Gewächshäusern (beheizt mit der Abwärme der Raffinerie), Krabben und Schollen aus heimischem Fang.

    Im ältesten Traditionsgeschäft der Innenstadt kaufen wir Strohhüte und lassen uns vom Feiertags-Nordsee-die-Sonne-scheint Vibe einhüllen.

    Wir sitzen im Gras. Schauen auf das Meer und das Watt. Und immer wieder von neuem schwingt sich die Sonne ins Himmelblau.

    Blick von Deich Richtung Nordsee

    Passend zum Sommerbeginn: der erste Nieser des Jahres erzeugt durch Alternaria-Allergie.

    Linear-Fernseh-Entdeckung: That’s my Jam. Echte Musik im Fernsehen mit guter Band, Musiker*innen, die informiert über Musik reden und vor allem live vor Ort echt Musik machen. Wir staunten, was manche der Dauer-Fernseh-Bewohner*innen so können wenn man sie nur machen lässt.

    Und noch ein Dota-Fundstück: Das Video zu öffentlicher Nahverkehr. Mit lauter Bildern, die ich dauernd so sehe.

  • 23-05-25 Srieh srieh

    23-05-25 Srieh srieh

    Heute ist internationaler Tag der Datenschutzbeauftragten. Leider haben wir dieses Datum zu spät bemerkt, um unserem DSB noch einen Strauß Blumen zu besorgen.

    Im Briefkasten lagen Karten aus Trier (Krähe, selbstgemalt) und Sylt (Hindenburgdamm, umspült von 3-Meter-Wellen) – Danke.

    Ich verbrachte den Tag im immobilen Arbeiten zu Hause. Denn ein fremder Mann in Arbeitsmontur kam in die Wohnung. Er brachte einen langen Stab mit, mit dessen Spitze er auf alle Rauchmelder drückte. Als diese kurz auslösten, war er zufrieden. Vor der Wohnungstür machte ein anderer Mann Notizen.

    Er fragte noch kurz besorgt, ob unser Haus auf Fernwärme umrüsten wollte – „Nein“ – Die Auskunft machte ihn glücklich. Sonst hätten sie die Rauchmelder alle ändern müssen.

    Besuch von oben

    Unangekündigt kamen im weiteren Verlauf des Tages zwei schwer atmende Zeug:innen Jehovas vorbei. Allein für den Mut, mit einer so potenziell konflikterzeugenden Mission durch die Berliner Innenstadt zu wandeln, hätte ich sie am liebsten zum Kaffee eingeladen.

    Aber

    (a) Bin ich mir nicht sicher, ob Zeugen Jehovas überhaupt Kaffee trinken dürfen.

    (b) Bin ich mir sicher, dass die Bewirtung von Missionaren auch bei liberaler Auslegung nicht zu meiner Stellenbeschreibung im Home Office gehört

    (c) Wäre es ja kein netter Plausch geworden, sondern sie hätten mit mir über die Bibel reden wollen. Da ich in meiner Punk-Jugend bereits einen mehrstufigen Bibel-Fernkurs der Siebter-Tags-Adventisten durchlaufen habe und alle „Fragen-junger-Leute/Praktische-Antworten„-Bände der Zeugen Jehovas las, hätten sie mir nichts Neues erzählen können.

    Die Mauersegler, welche die energetische Sanierung des Nachbarhauses aus unserer Hinterhoflandschaft vertrieben hatte, flogen kurz im Hinterhof vorbei. Im Sturzflug ihr lautes Srieh strieh! (Wikipedia) ausstoßend. Es freut mich, dass sie zumindest ein anderes Obdach in Südwestberlin gefunden haben.

    Gestern eröffnete Madame die Freibadsaison im Sommerbad im Insulaner. Danach gelang es mir, sie Mittags in die Blumenfisch-Via-Raststätte auszuführen, welche ein Lichtblick in der kulinarischen Ödnis zwischen Bahnhof Südkreuz und IKEA ist. Schöne Räume, total freundliche Leute und echtes vor Ort selbst gekochtes Essen.

    Madame vollendete die Lektüre des 34-seitigen Threads zum Thema Ninja Creami im Forum des Grillsportvereins. Ergebnis: Der Creami kann auch weitere Massen außer Eiscreme.

    Auf eine Tafel handgeschriebener Speise-Wochenplan der Gaststätte.

    Drei Gleichungen und sieben Variablen

    Seltsam: ich war der Mensch, der bei Computerspielen immer aufhörte, wenn „Logikrätsel“ auftauchten und mir der Lösungsweg nicht gleich sofort offensichtlich war.

    Diese Mathe-Einsendeaufgaben sind am Ende auch eine Art „Logikrätsel jetzt even more extreme.“ Und ich beginne mich hinein zu verbeißen. Jeglicher Ehrgeiz in mir ist geweckt. Ich stelle fest: Logikaufgaben interessieren mich vor allem in ihrer even more extreme Variante und wenn es um Etwas geht.

    An einer Aufgabe (zur Gauß-Elimination) scheitere ich immer wieder am selben Punkt. Der Neugier halber habe ich die Aufgabe nun einem Onlinetool zur Lösung von Gaußeliminationen gegeben. Und es scheitert an genau denselben Stellen wie ich. Was mir immerhin sagt: den Lehrstoff habe ich verstanden. Das um-die-Ecke-denken jenseits der normalen Verfahren will der Aufgabensteller halt, dass man es sich erarbeitet.

    Eine weltberühmte Schweizerin starb.

    DWDL würdigt Let’s Dance als die letzte große Livesendung des Deutschen Fernsehens.

    Die profilierungsfreudigen Eskalationtaktiker:innen der Letzten Generation sind auf genauso profilierungsfreudige Eskalationstaktiker:innen bei Politik und Staatsanwaltschaft gestoßen. Bild und Welt wissen schon seit Wochen nicht mehr, wohin mit all‘ den Champagnerflaschen. Die Empörungsgruppen sammeln sich. Rudelbildung erfolgt. Gruppen, die nicht ganz so profilierungsfreudig sind, verlieren Zulauf. Alle regen sich über Alle auf.

    Wenn es nicht immer so deprimierend vorhersehbar wäre.

    Ach. wenn die LG wenigstens radikale Forderungen hätte oder inhaltlich etwas zu sagen hätte.

  • 23-05-23 Auslöschung

    23-05-23 Auslöschung

    Madame ließ den Unterschied zwischen Auto-Motoren und Sahnetorten-Sahne erläutern. Angesichts von Schienenersatzverkehr der S-Bahn, ausfallenden Regios und beklebten Autobahnen ist erstaunlich, dass sie überhaupt am Ort der Erläuterung ankommt.

    Ich zombiete durch die Gegend. Sei es der mehrfache Wetterumschwung, zu wenig und zu schlechter Schlaf oder das, was ich mir eventuell Ende letzter Woche bei Brandenburgfahrten in S-Bahn und Regio eingefangen habe: Ich laufe in einem Drittel meiner normalen Geschwindigkeit und finde das Konzept „Pause“ noch besser als sonst.

    Highlight des Tages: Der Pfandflaschenautomat im Edeka Kaiser-Richard-Platz nahm sämtliche Pfandflaschen an, die sich im Laufe der letzten Wochen im Schuppen angesammelt hatten.

    Bis heute hatte ich gelernt, dass für solche Tage im Zombiemodus das Home Office (das Deutsche, nicht das Englische) der bessere Ort ist. IT-Fachkleidung hilft vermutlich und hier darf alles etwas langsamer funktionieren.

    Blick durch die Fenster des Bahnhofs Südkreuz. Sich abseilende Fensterputzer.
    Mittagspausenausblick aus dem Bahnhof Südkreuz. Bitte mit Mission- Impossible-Musik vorstellen.

    Zum Glück hatte ich mit der Algorthmischen Mathematik bereits am Wochenende begonnen.

    Auslöschung ist ein Konzept der Mathematik, bei dem die eigentlichen Zahlen sich gegenseitig aufheben und Rundungsfehler weit hinter dem Komma das Ergebnis bestimmen. Dies kommt bei Gleitkommazahlen vor.

    Als Beispiel: Zwei Drittel geschrieben als 0,666….. wird irgendwo weit hinter dem Komma einen Rundungsfehler haben.

    Subtrahiere ich zwei fast gleichgroße Gleitkommazahlen voneinander besteht das Ergebnis quasi nur noch aus dem Rundungsfehler.

    Zum Beispiel Wurzel 99999999999998 minus Wurzel 99999999999997. Das Ergebnis lautet 0,00000005000000000000000Rundfungsfehler. Rechne ich mit diesem Ergebnis weiter, das nur noch aus Rundungssfehler besteht, so erhalte ich kompletten Quark.

    Aufgabe ist es also mögliche Auslöschungen schon im Vorfeld zu erkennen und die Gleichungen so zu schreiben, dass diese gar nicht erst auftreten können.

    Was noch Abstrakt ist.

    Relevant ist: Die Auslöschung wird mir, zusammen mit LU-Zerlegung und Cholesky-Zerlegung hoffentlich die notwendigen Punkte der diesmaligen Einsendeaufgaben bringen.

    Mein privates Deutschlandticket (Mai) befindet sich weiterhin in einem Kafka-antäuschenden Limbo. Ich sollte Wetten anbieten, ob sich BVG-Online, BVG-Briefpost oder vermutlich unbeteiligter Zahlungsdienstleister (Briefpost) zuerst meldet. BVG-Telefon hatte bereits auf Zahlungsdienstleister (online) verwiesen, der wiederum an Zahlungsdienstleister (Briefpost) weiterverwies.

    Mein BVG-Jobticket-Deutschlandticket (ab Juni) hingegen macht keinerlei Probleme und lag im Briefkasten.

    Durch Frau Brüllen entdeckten wir, dass es vom Pacojet auch eine nachgebaute Haushaltsversion eines anderen Anbieters zu einem Zwanzigstel des Preises gibt. Trotz ausufernder Diskussion kann der Grillsportverein aber die relevante Frage nicht beantworten: Kann der Ninja Creami auch etwas außer Eiscreme?

    Wir hoffen auf den Gerätetest von Gabriele Frankemölle. An sich testet sie ja gerne Küchengeräte aus dem Hause Ninja.

    Barrie Kosky ist fast ein Nachbar. Zumindest für Berliner Verhältnisse. Immerhin wohnt er im selben Ortsteil.

    Ein Aufsteller vor dem Edeka Duolingo preist Spargel für 7,77€ / Kilo an.

  • 23-05-21 Pimpinelle Bluthänfling

    23-05-21 Pimpinelle Bluthänfling

    Hertha BSC stieg ab. Das erste echte Sommerwochenende folgte.

    Madame strich die Terrassentür und entkrautete mehrere Beete.

    Die Fernuni bewertete eine von sieben Einsendeaufgaben algorithmische Mathematik. Zumindest diese eine habe ich bestanden. Drei muss ich bestehen. Eine gab ich nicht ab, eine ist noch in Korrektur – aber für deren Bestehen bräuchte ich unverschämt viel Glück. Noch vier Möglichkeiten gibt es, um zwei weitere Male über die Hürde zu kommen.

    Die Motorradbraut besuchte uns auf dem Weg zum Kino. Wir sprachen über die generelle Arbeitsweise von Amtsgerichten und über besonders inkompetente NGOs. (Meine Wertung, nicht ihre).

    Die niederländische Gartenbau Gmbh setzte die Feldarbeiten hinter dem Garten fort. Nach Mähen und Gülle-Ausbringen Ende der Woche folgten Pflügen, Eggen und Aussähen. Angesichts der Arbeit bis spät in die Nacht hinein, wollen sie noch vor dem möglichen Gewitter am Dienstag fertig werden. Was man noch sinnvoll im Frühsommer ausbringen kann, wissen wir nicht, aber wir werden beobachten.

    Die Rotmilane waren begeistert von Feldarbeiten. Die neben dem Feld brütenden Krähen waren unbegeistert von den Rotmilanen. Wir waren zusammen mit der Motorradbraut gebannt von den Vogelluftkämpfen über unserem Garten.

    Wenn es aussieht wie ein Steinpilz, sich bewegt wie ein Steinpilz und schmeckt wie ein Steinpilz, muss es nicht unbedingt ein Steinpilz sein. Es könnte sich auch um einen Birkenpilz handeln. Der aber auch ein begehrter Speisepilz ist. Wir haben uns die Birke gemerkt, an der die beiden Pilze zu finden waren.

    Dank eines Schweinenackens der Fleischerei Bachhuber und dem bewährten Kugelgrill hatte ich diesen Wochenende eventuell den besten Schweinebraten meines Lebens. Das Beste: wir haben noch Reste für diese Woche.

    Im Wiesenteil des Gartens entdeckte ein Madame ein apartes neues Wildkraut. Bei näherer Betrachtung und unter Zurhilfename von PlantNet entpuppte es sich als Pimpinelle. Wir waren angetan und überlegen, wie wir seinen gurkenähnlichen Geschmack in Mahlzeiten integrieren können.

    Blühende Pimpinelle vor Rasen.
    Pimpinelle

    Auf dem Schuppen entdeckte ich einen Bluthänfling. Später am Abend fragten wir uns, welcher Vogel wohl so kanarienvogelartig singt. Vermutlich war es auch dieser Bluthänfling. Der eine überraschend enge Verbindung zum Textilwesen hat. Nicht nur folgt sein deutscher Name dem Hanf, sondern auch sein lateinischer (Linaria cannabina), Alternativ auch Flachsfink. Auch englisch wiederum nach dem Leinenstoff als Common Linnet bezeichnet.

    Und, hier schließt sich der Kreis, die Common Linnets war der Name der ehemaligen Band von Ilse de Lange.

    Die New York Times hatte vor ein paar Tagen ein Artikel dazu, wie Paris die Seine rechtzeitig zu den Olympischen Spielen beschwimmbar machen will. Und für eine beschwimmbare Spree würde ich ja sogar Olympische Spiele in Berlin befürworten.

    Herr Rau editierte Wikipedia zu Enki und Inanna und erhielt darüber passive Sichterrechte.

    Zum Einschlafen hörten wir eine Dokumentation „wie das Programmieren männlich wurde.“ In den 1940ern und 1950ern galten Jobs in der Computerprogrammierung als wenig professionell, nicht karriereträchtig und dubios – also als typische Frauenjobs. Mit zunehmender Bezahlung und Ansehen wurden die Frauen aus dem Beruf gedrängt. Spannende Geschichte aus der Frühzeit der Computer.

    Zufällig, aber passend zum Programmierthema gelesen: Zwei Rechts, zwei Links. Eine Kulturgeschichte des Strickens von Ebba D. Drolshagen. Unbedingt lesenswert.

    Über das Buch stolperte ich über Richard Rutt. Der verfasste ein Standardwerk zur Geschichte des Strickens, hatte aber auch sonst ein abwechslunsgreiches Leben:

    Cecil Richard Rutt was born in Langford, Bedfordshire, educated at Cambridge, became a Royal Navy codebreaker at Bletchley Park and spent 20 years as a missionary and bishop in Korea. He spoke at least eight languages and wrote widely on Korean culture and literature. He had learned to knit aged seven and on returning to Britain knitted some of his regalia notably his golden mitre when he became Bishop first of St.Germans in Cornwall, then Leicester, a historical centre of knitting.

    Aus dem Eintrag „Richard Rutt“ im Knitting History Forum.
  • 23-05-19 Milchstraßen

    23-05-19 Milchstraßen

    Im Treppenhaus liegt eine Karotte.

    Als Berliner mit norddeutschem Migrationshintergrund möchte ich schreiben „liegt eine Wurzel“. Aber für eine potenziell DACH-weite Leserschaft wäre das zu uneindeutig.

    Im Treppenhaus liegt also eine Möhre. Aber wie sie dorthin kam, was sie dort macht? Alles bleibt offen.

    Madame entdeckte an Brandenburger Straßen und Wegen zwei Alpakas und zwei Steinpilze. Letztere waren überraschender. Aber wenn es aussieht wie ein Steinpilz, sich bewegt wie ein Steinpilz und schmeckt wie ein Steinpilz, dann war es ein Steinpilz. Zumal wir jetzt mehr als 24 Stunden seit dem Verzehr gesundheitlich unbeeindruckt überstanden haben.

    Die Erdbeere am Südkreuz hat eröffnet.

    Braveheart war zu Besuch und erzählte von Südkorea. Wir unterhielten uns über Finanzbeamt*innen in Filmen. Neben Everything everywhere und Stranger than Fiction fiel uns wenig ein. Für Tipps wären wir dankbar. Nicht geklappt hat es, Braveheart und die Königin gleichzeitig hier zu haben. Zu sehr war sie damit beschäftigt, einen Chatbot zu bauen.

    Abends betrachteten wir Venus und ISS am Himmel. Die Milchstraße erwies sich schnell als Wolkenband, das die nahe gelegene Berliner Großstadtlichtkuppel widerspiegelte.

    Über die Kleinstadt Velten kann man, oder zumindest ich, einiges an Schlechtem sagen. Aber die weißen Wände der Bahnstrecke kurz hinter Velten, voll von Weißdornhecken, möchte ich uneingeschränkt Loben. Im Garten zeigen Stacheldrahtrose und Stanwell Perpetual erste weiße Blüten. Die Wege voll von Gänseblümchen. Weiße Tage.

    Gänseblümchenreicher Blick entlang von Gartenweg und Beeten

    Eine der positiven Entdeckungen von Corona war das Autokino. Wir bedauern das schnelle Verschwinden desselben. Im Internet entdeckte ich nun das Autokino Zempow. Dieses wurde durch Corona wieder zum Leben erweckt. Es bietet für Brandenburger Dorfkinoverhältnisse ein spektakulär gutes Programm.

    Durch eine FAZ-Überschrift (Rest: Paywall) entdeckte ich Jessica Wynne und ihr Fotoprojekt/Buch Do Not Erase – über Tafelbilder von Mathematikern. Und ich glaube es enthält vieles dessen, was ich an Mathematik großartig finde.

    Herr Buddenbohm schrieb einen Nachruf. Frau Tibertaunus diskutiert mit dem Römer über Brioche und Brioche.

    Die ersten TwinDos sind fast alle. Die Agragenossenschaft um den Garten herum feiert das lange Feiertagswochenende mit einer mehrfachen Gülleausbringung.