Kategorie: Alltag

  • 23-03-23 Cinque latte macchiato

    23-03-23 Cinque latte macchiato

    Madame bestellte 31 Collegeblöcke.

    Währenddessen saß ich hier im Wesentlichen zwei Tage herum, atmete aus und dachte „Erstmal Ruhe für die nächsten paar Monate.“ Little did I know.

    Ich machte was man so im Urlaub-in-der-eigenen-Stadt macht:
    FMSE-Impfung (Teil 1), Termin für die Fahrradinspektion machen, endlich die Schlichtungsstelle Energie in Bewegung setzen, den verschwundenen Bonuspunkten hinterherjagen, Blutspendetermin buchen, länger unbeantwortete Privatmails beantworten, VHS-Kurse Italienisch recherchieren.

    Ich las und saß im Lassenpark. Passend zu meinen Bummeltagen schaltete die Sonne auf Frühjahr. So konnten ich, die Three Men on a Bummel (die Nachfolger von Three Men in a Boat), und mein Notizbuch lange auf wechselnden Parkbänken sitzen und Menschen und Hunden zusehen.

    Das Beste an den Tagen: Ich saß im Café und trank Latte Macchiato. Einfach so am hellichten Vormittag, über Stunden mit Buch und Notizbuch. Es fühlte sich herrlich dekadent an.

    Der Besuch der Traglufthalle im Kombibad Seestraße fiel aus. Ich liebe die Atmosphäre unter diesem Hallendach. Sehr eigen, sehr besonders. Aber: Streik!

    Streik ohne mich: Wer urlaubt kann nicht streiken – soweit klar. Aber wäre es ein Streikbruch wenn ich privat als Kunde in ein Hallenbad gehe an Tagen an denen die BBB eigentlich streiken? Die Frage stellte sich nicht, denn das Bad war geschlossen.

    Also planten wir um und nutzten die Gelegenheit um auf die Dachterrasse des Humboldforums/Stadtschlosses zu gehen. Berlin spielte weiterhin mit und bescherte perfektes Aussichtsterrassenwetter.

    Blick auf sonnenbestrahlten Fernsehtirm, Nikolaukirche, Park Inn vor einem dunklen Gewitterhimmel.

    Das Forum/Stadtschloss selber: meine Spontanassoziation war „Repräsentatives Geschäftshaus mit Geld in München“ – keine Preußenherrlichkeit, keine Restauration, aber auch keinerlei Berlin-Flair. Madame assoziiert „Flughafen Zürich.“

    Fernuni

    Kellerkind fragte: Warum Fernstudium. Ich habe die Frage schon mal beantwortet, aber da die Antwort anscheinend nicht hängen blieb, gelobe ich ausführlichere Behandlung in Zukunft.

    Einer der Gründe, „warum Wirtschaftsinformatik“ war, dass ich mir Mathe/Informatik nicht mehr zutraue. Der Mathe-LK ist Jahrzehnte her. Ich ging davon aus, dass man die sehr saubere, schnelle Art des Denkens, die für Mathe notwendig ist, mit dem Alter graduell verliert. Sprich: mein 20-jähriges Ich ist dem jetzigen Ich mathematisch deutlich überleben. Ich ging davon aus, dass Wirtschaftsinformatik was den Mathe-Logik-Teil angeht eher „Mathe light“ wird.“

    Und dann – stellte ich fest, dass es mit Alter und Mathematik wohl komplizierter ist. So gibt es auch Studien, die sagen, Menschen können einfache Arithmetik am besten wenn sie 50 sind.

    Und ich bekam den Kurs „Algorithmische Mathematik“ für das Sommersemester 2023 ins Haus geliefert, der seine Literaturtipps beginnt mit „Dieses Buch empfehlen wir insbesondere den Wirtschaftsinformatikern. Sie können damit ihre mathematischen Defizite gegenüber den Informatikern nacharbeiten.“ Und auch sonst wirkt der ganze Kurs als folgte er dem Motto „Keine Gefangenen. Hier wird sauber und logisch gedacht und wer nicht sauber und logisch mitdenkt, mag ein toller Mensch sein – aber hier nicht.“

    Mich kickt das. Aber ich fühle mich auch wie vor dem Aufsitz auf einem Rodeobullen. Es wird a wild ride. Es kann sehr viel Spaß machen. Aber die Chancen, dass ich vor dem Ende runterfalle und mich in Sicherheit bringen muss, sind hoch. Meine Chancen auf Fernuni-Ruhe sanken natürlich auf 0%, sonst rast der Bulle schon los, bevor ich mich auch nur festhalten konnte.

    Vorbeigeschwommen

    Uta Bräuer postete wieder ein Schwimmbadvideo. Das Stadtbad Spandau Nord bezeichnete ich einst als „das schönste Berlins“ und dank Uta könnt ihr auf Youtube sehen, warum.

    Bevor ich in die ultimative Lobhudelei auf das Panzermuseum ausbreche, poste ich einfach einen Link.

    Dank des Museums holte ich meinen zweiten Oscar-Film nach: Im Westen nichts Neues. Den Film habe ich noch nicht gesehen. Aber eine 80-minütige-Besprechung der fünfminütigen Panzerszene aus dem Film durch das Museum. Ich habe so krass viel gelernt über den ersten Weltkrieg und den Grabenkrieg und Strategie dahinter und über Panzer in Filmen.

    Zum Glück hatte ich die Zeit um dann im Panzermuseums-Youtubekanal zu versacken, mir die sowjetisch-russische Panzerstrategie erklären zu lassen, die Frage erläutert zu bekommen, ob der Tiger 1 ein Bauhauspanzer aus der Industriedesignschule ist und mir Klassiker wie The Face of Battle nahebringen zu lassen.

    Wer sich mehr für manchmal konfliktgeladenes Zivilleben interessiert. Frau Klugscheisser erzählt was hinter den Kulissen eines Langstreckenfluges interessiert. Teil 1 und Teil 2 und Teil 3.

    Worüber ich schon wieder vergaß zu Schreiben: Das Basketball-Team der University of Alabama. Das ist gerade heißer Favorit die College-Meisterschaften zu gewinnen; obwohl einer von Ihnen wegen einer Schießerei mit Todesfolge in Unterschungshaft sitzt und drei andere Spieler auch bei der Schießerei anwesend waren. Ganz wilde Geschichte.

  • 23-03-21 Urlaub ohne Klaus

    23-03-21 Urlaub ohne Klaus

    Madame brachte zur Feier des Tages ein Maishähnchen vom Wochenmarkt aus Königs Wusterhausen mit. Zusammen mit den Crowdfarming-Zitronen wird daraus aktuell ein Lemon-Scented Sticky Chicken.

    Bei meinen Bummeleien durch die Stadt testete ich den Edeka am Wittenbergplatz gegenüber dem KaDeWe. Wenig überraschend: Eher klein, eher teuer, unterhaltsame Kundschaft. Mich überraschend: im Obst-Gemüse-Bereich gab es zu 90% Biowaren. Hätte ich Nicht-Bio haben wollen, hätte ich gezielt suchen müssen.

    Ich hatte Zeit zum Bummeln. Heute, ziemlich genau um 10 Uhr endete der Klausurlaub mit der Abgabe der letzten Klausur. Jetzt folgen einige Tage Urlaub ohne Klaus, in Berlin, für die der Ausdruck Bummel- und Erholungsurlaub ein passender sein wird.

    Berlin Ku'damm. Im Vordergrund Menschen auf dem Gehweg, dahinter klassische Berliner Traufhöhenbauten, im Hintergrund überragt vom neuen Hotelhochhaus.

    Falls ich Euch in den letzten zwei, drei Wochen ignoriert habe – es wird wieder besser werden. Heute aber musste ich dringend Wohnung und Schreibtisch verlassen. Wir fuhren mit dem M46 zum Bahnhof Zoo und wendeten unsere Schritte ins Delphi-Lux-Kino.

    Neues aus dem Metaversum

    Hurra, Everything Everywhere All at Once hat sich – vielleicht dank der Oscars – noch im Kino gehalten. Wir nutzten das glückliche Zusammentreffen von noch-laufendem-Film und beiderseits freiem Nachmittag. Wir besuchten die 14-Uhr-Vorstellung.

    Ich genoß, dass meine Art des Films lief. Ich hatte viel Freude. Albernheiten, Explosionen, eine Mischung aus echten-Charakter-die-man-so-auf-der-Straße-treffen-könnte und komplett abstrusem Plot, etwas Sentimentalität und großartige Schauspieler.

    Allerdings staune ich: dass diese Art von Film überhaupt produziert werden kann und überhaupt ein großes Budget bekommen hat – auch noch von zwei Filmemachern, die vorher nur eine einzigen Film produziert habe. Ich staune, dass er Zuschauer*innen und Kritiker*innen begeistert zurücklässt. Und noch vielmehr, dass er Oscars gewinnt. Es freut mich sehr, dass sich „die Welt an sich“ in den letzten 30 Jahren deutlich auf meinen Geschmack zubewegt hat.

    Erfreulich auch, dass wir dieses Jahr so oft im Kino waren, dass ich zu allen wichtigen Oscar-nominierten-Filmen eine Meinung hatte. Sei es, weil ich den Trailer gesehen hatte. Oder den Film dringend sehen wollte (Everything, Tár, Elvis). Oder den Film nicht sehen wollte. Tatsächlich sah ich nur Women Talking und eben Everything.

    Für Menschen, die meinen Geschmack teilen, ein dringender Sehtipp. Aber er ist schon sehr anders als „normale“ Kinofilme.

    Neues aus dem Wikiversum

    Dem Museum of Northern Californian Art in Chico entnehmen ich, dass der gute Frank Schulenburg, aka wikiphotographer, inzwischen in den USA als Fritz Schulenburg kursiert. Das Museum berichtet darüber anhand der Ausstellung „Northern California on Wikipedia„, die von März bis Mai stattfindet. Fritz-Frank postete ein Hinter-den-Kulissen-Video auf Youtube: Fotoausstellung „Northern California on Wikipedia“ (Making-of)

    Außerdem wurde der Ort für die Wikimania 2024, das globale Wikipedianer*innen-Treffen bekannt gegeben. Es wird Krakau sein. Als möglicher Besucher und Krakau-Fan gefällt mir das sehr. Ich wünsche den Krakauern, dass sie den Organisations-Mammutaufwand, den eine solche Veranstaltung bedeutet, gut überstehen.

  • 23-03-19 Park + Learn

    23-03-19 Park + Learn

    Endspurt. Noch eine Klausur am Dienstag und dann ist das intensive Gelerne vorbei. Jetzt also Steuern, Buchhaltung und Jahresabschluss. Mir fällt deutlich der Unterschied zwischen den Abschnitten und ihren Autoren auf.

    Buchhaltung: Sorgfältig aufbereitet. Zusätzlich: Ich hätte es nicht geglaubt: Ich musste mehrfach beim Lesen lachen. Beispiel „Die Bilanzierung teilausfallender Forderung ist bei Ihnen erfahrungsgemäß unbeliebt, bei uns in Einsendeaufgaben und Klausuren aber sehr beliebt. Deshalb noch einige Beispiele..“

    Jahresabschluss: Pflegt ungefähr den Stil, den ich an den Tag lege, wenn ich komplexe Zusammehänge aufschreibe und dann nicht mehr korrekturlese. Sicher kompetent. Aber auch verworren. Voll mit Gedankensprüngen und Wiederholungen. Und mehr vom Geiste geprägt: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott. Beispiel, die komplette „Lösung“ zu einer Übungsaufgabe: „Wenn Sie die angegebene Literatur gelesen haben, erschließt sich das Ergebnis von selbst.“

    Ich lese, denke, lese, schreibe und höre RAI Tutta Italiano. Im Bekannten Kreisel zwischen den Lernorten 1 (Schreibtisch) 2 (Wohnzimmertisch) und 3 (Schaukelschaf). Der Sound bringt die Dauerschleife des italienischen ESC-Beitrags Due Vite. Daneben scheint die RAI auch gerade in Oldie-Coverversionen zu machen. Dauernd läuft eine Italo-Version von (Here comes the) Hotstepper – Interpret noch nicht gefunden – und die mir Spaß bereitete Umwandlung von Downtown (Petula Clark) in Ciao Ciao.

    Madame betrachtete derweil Stuttgart 21 von oben und schlug sich tapfer durch das Bahnhofslabyrinth Stuttgart.

    Gegen meine stets drohende Lernverhöhlung sorgte das Wetter. Ich raffte mich zu Lern + Park auf. Am Eingang des Lassenparks, gleich neben der Bibliothek bescherte der Bezirk uns neue Sitze – und das auch noch mit Schwimmbadausblick.

    Im Vordergrund: Einzelsitze im Parkbankstil. Am Boden befestigt und Drehbar. Dahinter ein Sandweg, dahinter das Stadtbad Schöneberg.
    Sitze vorne neu, Schwimmbad rechts im Hintergrund alt. In gelb hinter den SItzen ahnbar: Der Spielplatz.

    Neben mir nutzte ganz Schöneberg das gute Wetter. Der Spielplatz war überfüllt, auf der Wiese stritten Badmintonspieler und Fußballer um Plätze, jede*r dritte Parkbesucher*in hatte eine Eiswaffel in der Hand.

  • 23-03-17 Bis zur Endstation

    23-03-17 Bis zur Endstation

    Madame zog keine Wartenummer.

    Nach dem mittwöchlichen Klausur-Ende stellte ich die Ohren auf Querlüften, öffnete alle Gehirntüren und hoffte, dass zwei Tage Luftzug durch’s Hirn jegliche Erinnerung an Mathematik und Statistik hinausblasen und Platz für doppelte Buchführung und Jahresabschlussklausur nächste Woche schaffen.

    Zum Hirndurchlüftprogramm gehört eigentlich Schwimmen – aber ich war kaum dort, denn ich bin zu erschöpft und auch leicht verschnupft. Aber nächste Woche dann.

    Zum Hirndurchlüften gehört das Lesen netter Unterhaltungsliteratur. Ich beendete „Three Man in a Boat“ und ausgerechnet der deutsche Wikipedia-Artikel zitiert die vielleicht passendste Kritik:

    Das Geheimnis von Jeromes Komik ist die einzigartig moderne Mixtur aus wahrheitsgetreuer Anekdote und Phantasie. Und weil Jerome, im Unterschied zu Dickens, seines Materials nicht ganz Herr ist, kommt reine Komik dabei heraus.

    Der Text schwankt stilistisch zwischen unbeholfener Reiseführersentimentalität und brüllender Slapstick-Komik. Der Leser fühlte sich beim Lesen so wacklig wie die Protagonisten beim Rudern auf der Themse. Für den heutigen Leser ein schönes Eintauchen in den Alltag der 1890er, einerseits zeitgenössisch andererseits stilistisch auch heute problemlos verdaubar.

    Dazu gehört Fernsehen: Kitchen Impossible zum Beispiel. Die Folge von Soontag belegt Madames auf zahlreichen Balkanreisen gewonnen Erkenntnis, dass Südosteuropa den Rest des Kontinents an Hipness links und rechts überholt. Passend zur These, nicht zur Kitchen-Impossible-Folge: Is this the New Cocktail Capital of Europe?

    Dazu gehört im Internet lesen: Vielleicht sollten wir die Digitale Transformation im Schwimmbadbereich out of the box denken. And into the water: Free data-center heat is allegedly saving a struggling public pool $24K a year

    Und dazu gehört Bahn- und Busfahren. Der White Noise der Großstadt auf allen Sinnesebenen, bis zur Endstation und dann das Verkehrsmittel wechseln. Heute mit der U6 und dem 170er Bus und einigen anderen, die nicht bis zur Endstation führten. Die Sonne lockte mich ans Wasser und es zog mich zurück zu Ullsteinhaus und Tempelhofer Hafen.

    Vordergrund: Größere Motorboote im Hafen, noch in Winterverkleidung. Hintergrund: der Bakcstein-Expressionismus-Bau des Ullsteinhauses.

    Obwohl Madame keine Wartenummer zog, bekam sie einen neuen Personalausweis.

    Entdeckung des Tages: die BSR veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern Kiez-Sperrmüll-Tage. Schöne Idee. Wie vorherzusehen war, beteiligt sich Tempelhof-Schöneberg nicht.

    Seltsame Zeiten. Ich spendete für ein Zielfernrohr und ein Nachtsichtgerät für den Vater einer ukrainischen Wikipedianerin. Der Verfasser des Aufrufs ist Administrator der ukrainischen Wikipedia und bekannt zuverlässig. Beklemmende Zeiten.

  • 23-03-15 Schreibtisch leer, Kopf leer

    23-03-15 Schreibtisch leer, Kopf leer

    Madame prüft die Reichweite der Wissenschaftsschranke.

    Ich hänge hypnotisiert wie ein Fußballfan beim WM-Finale vor dem Fernseher. Ich verfolgte die DHL-Live-Sendungsverfolgung. Die Avocados und Orangen sind Freitag im Zustellbezirk angekommen, wurden Samstag um 7 morgens zur Verladung vorbereitet – aber nicht verladen. Samstag um 22:20 verkündete dann auch DHL, dass es heute nichts mehr wird.

    Montag wurden sie ganz ignoriert, Dienstag dann wieder um 8 zur Verladung vorbereitet – aber nicht verladen und heute am Mittwoch landeten sie im Zustellfahrzeug. Ich fürchte wenn ich dem Boten nicht auf der Treppe entgegenstürme werden die Orangen ihr Leben vergammelt in irgendeinem Sammelpunkt beenden.

    Aktuell noch fünf Stopps bevor die Avocados hier ankommen. Laut Karte müsste ich das Fahrzeug bereits vom Balkon aus sehen könnten. Laut Karte konnte ich das aber auch schon vor 90 Minuten als es noch 10 Stopps waren. Es bleibt spannend.

    Auf die DHL-Karte schauen ist heute das höchste der geistigen Gefühle. Denn ich schrieb meine Online-Mathe-Klausur (damit 2 von 3 dieses Semester beendet, sofern bestanden war das Klausur 4 von 16) und nun bin ich geistiger Wackelpudding.

    Gestern Abend räumte ich noch den Schreibtisch frei – denn beim Schreiben werde ich gefilmt und wollte nicht einmal den Anschein erwecken in der Nähe Spickzettel zu haben. Heute morgen schaltete ich den Rechner ein – der Windows-Updates installieren wollte, Hurra – und trat dann dem Zoom-Meeting bei. Zoom hatte zwischen dem Techniktest vorgestern und heute auch noch Updates zum Installieren entdeckt – aber mein Puls war ja eh noch unter 200.

    Schreibtich nur mit Keyboard und Monitor vor einer weißen Wand, an der Wand ein leeres Bücherregal.

    Ich trat dem Meeting bei, teilte meinen Bildschirm und rief die Onlineklausur auf. Ich entdeckte die Kraft des Lernens. Dachte ich letzte Woche noch „Mathe passt schon – Statistik keine Ahnung“, waren mir heute die Statistik-Aufgaben sehr viel sympathischer als die Mathe-welchen. Am Ende beantwortete ich alle Fragen, manche gewusst, manche geraten – und bin gespannt auf das Ergebnis.

    Und ich möchte mich bei den 44 anderen Anwesenden in diesem Meeting mit zwangsweise offenem Mikrofon entschuldigen – ich habe den Presslufthammer auf dem Nachbargrundstück (Nicht Hinterhaus, nicht Hinterhof – Nachbarn) wirklich nicht bestellt.

    Noch 3 Zustellstops. Laut Karte steht das DHL-Auto in unserem Hinterhof. Laut Fensterblick ist es dort noch nicht.

  • 23-03-13 Spearman = Bravais-Pearson mit Rangzahlen

    23-03-13 Spearman = Bravais-Pearson mit Rangzahlen

    Die Hinterhausbaustelle lahmt. Gelegentlich sehen wir zwei Männer auf dem Hof, die sich anschreien oder einen Mann, der in ein Telefon schreit. Eigentlich schreit auch nur einer, wenn zwei Männer anwesend sind. Der ruhige Mann heißt Carlos und der aufgeregte Mann besteht darauf, dass ihm noch Geld geschuldet wird. Meine Interpretation: So lange Carlos nicht zahlt, wird die Hinterhausbaustelle weiter ruhen.

    Mein Lernzeit ist in einem seltsamen Loch. Für die (erstrebenswerten) 100% der Punkte bräuchte ich noch intensives Lernen für drei Wochen (und nicht für zwei Tage). Aber die sind mit einem 39-Stunden-Job nebenbei sowieso utopisch. Bei den (notwendigen) 50% der Punkte bin ich mir relativ sicher, dass ich dafür genug kann. Und so hänge ich.

    Beiße aber natürlich die Zähne zusammen und mache trotzdem weiter, denn ich würde mit mir hadern wenn ich an eigener Arroganz oder Selbstüberschätzung scheitern würde, weil ich es habe schleifen lassen. Die nächste Runde Basics verinnerlichen: Gini-Koeffizient, Korrelationsmaße (Bravais-Pearson, Spearman und Chi-Quadrat) und Kurtosis. Stetige Zufallsvariablen und das unmögliche Ereignis.

    Irgendwo in der Post sind Avocados und Orangen verschollen. Irgendwo in der brandenburgischen Nachbarschaftspipeline ging unser Handwerkerauftrag verloren, so dass wir jetzt eher hektisch umplanen müssen. Wobei ich noch den Vor-Klausur-Luxus in Anspruch nehme bis Dienstagabend alles Aktivitätswollende wegzuschieben, solange es nicht brennt und meine Haare bereits feuer fangen.

    Heute immerhin erlaubte ich mir Ausgang, kaufte in der BioCompany Goldstaub geriebene Vanille und im Asia-Markt Pandanblätter und Sesamöl. Im Asia-Markt entdeckte ich gleich zweierlei: Der Markt hat sich einmal komplett von rechts nach links und von vorne nach hinten umgeräumt. Meine lang anhaltende innere Frage, aus welchem Teil von Asia der Markt kommt, klärte sich etwas. Der Markt sucht neue Mitarbeiter:innen, die deutsch und „vorzugsweise chinesisch“ sprechen.

    Während ich mir das Ausgehen am Wochenende versagte, übernahm Madame dies mit einem Doppelausgang. Sonntag in Besame Mucho in der Neuköllner Oper, Samstag beim Ensemble reflektor / Elina Albach mit Super Suite im Theater im Delphi (Weißensee). Insbesondere am Samstag war sie geflasht.

    Gelesen:

    Freudig erinnere ich mich an eine Bahnreise im Februar 2020 von Basel über Köln und Brüssel nach London. Jon Worth schreibt zu neu aufkommenden Forderungen einer Direttissima Basel->London. Will there be a direct train from [insert city] to London through the Channel Tunnel? Probably not (Tl;dr Unwahrscheinlich: Denn die Briten wollen so viele Kontrollen, dass die an den Bahnhöfen nicht durchführbar wären und es gibt überhaupt keine physischen Züge, die die Strecke bedienen könnten.)

    Samsung ersetzt auf Fotos, die seine Handies machen, verschwommene Mondbilder durch KI-berechnete Monde. Warum sollten Kameras auch das verschwommen-kaum sichtbare abbilden, was die Physik vor der Linse hergibt, wenn der fotografierende Mensch viel lieber einen scharfen, detailreichen Mond hätte. (Reddit via Tröt)

    Wasserfarbenbild eines Kranken aus den 1820ern.
    Bild: Octopus vulgaris – Kawahara Keiga von: Kawahara Kaiga, entstanden zwischen 1823 und 1829. This media file is from Naturalis Biodiversity Center, donated in the context of a partnership program. Please mention as the source: Naturalis Biodiversity Center/Wikimedia Commons when using this file.

    Beim Nachdenken über LLM (Large Language Model, also sowas wie ChatGPT) muss ich immer an Paul den Tintenfisch denken. Ihr erinnert Euch: Paul, das Männer-Fußball-WM-Orakel der WM 2010. Ein Oktopus, der Fußball-WM-Ergebnisse mit hoher Präzision vorhersagte.

    Natürlich verstand Paul nichts von Fußball. Aber er nutzte den Kluger-Hans-Effekt: Paul konnte erkennen, welches Ergebnis die Menschen im Saal erwarteten und dieses dann zielsicher wählen.

    Die LLMs kommen mir genau so vor: Natürlich haben sie keine Ahnung davon was die Wörter bedeuten, die sie aneinanderreihen. Aber sie haben gelernt, welche Wortabfolgen Menschen glücklich machen.

    Ich freue mich über den Oscar für Everything everywhere all at once. Nachdem das Odeon den Film wieder aus dem Programm nahm bevor ich ihn sehen konnte, hoffe ich auf eine zweite Chance. Außerdem: Hey, eine schräge Science-Fiction-Komödie mit Dildokampf gewann mehr Oscars in den Hauptkategorien („above the line“) als je ein Film in der Oscargeschichte. Er wurde getragen von einer 60jährigen Hauptdarstellerin, die in diesem Alter den Scheitelpunkt ihrer Karriere erreicht. Und die Annahmereden waren ungewöhnlich schön. I am Happy.

  • 23-03-11 Klausurlaub

    23-03-11 Klausurlaub

    Madame machte einen Paketboten glücklich. Beziehungsweise machte sie ihn weniger unglücklich, indem sie zwanzig Kilo Edelstahl/Gusseisen im Laden kaufte anstatt diese online zu bestellen.

    Freitag um 15:40h brach mein Klausurlaub aus. Eigentlich habe ich Urlaub: Ich werde diesen aber vor allem nutzen, um für Klausuren zu lernen und diese auch zu schreiben. Was einerseits schön ist: ich bin ein Mensch, der sich freut, wenn er fünf Tage am Stück intensiv Mathe machen darf.

    Aber es ist auch bedauerlich, denn ich fühle mich urlaubsreif. Ich könnte es auch gut brauchen, ganze Tage damit zu verbringen, zu lesen, ins Schwimmbad zu gehen, ziellos mit dem Rad durch Berlin zu kullern und „echte“ Blogposts oder andere „echte“ Texte zu schreiben.

    „Echte“ Texte bei mir sind Texte für die zutrifft:

    • Ein Text hat genau ein Thema.
    • Im Vorfeld des Schreibens habe ich recherchiert und mir eine innere Struktur überlegt.
    • Nach dem Niederschreiben lese ich den Text mehrfach korrektur.

    Es geht um Texte, wie sie in Poolhopping stehen oder in low-n-slow oder in Fahrrad-Datenautobahn oder auch im verschollenen Schwimmbadbuch. Derzeit fehlen mir dazu gedankliche Ruhe und Struktur. Nach Arbeit und Klausurlernen komme ich nur zu dem Verfahren, das ich gerade machen: Gedanken, Meinungen und Beobachtungen unstrukturiert in den Raum werfen.

    Lesen, Schwimmen, Texte schreiben, werde ich trotz Urlaub bis zur letzten Klausur nur eingeschränkt können. Denn zwischen mir und dieser Freizeitgestaltungen stehen ungefähr 1600 Seiten Mathe, Statistik, Steuerlehre und Doppik. Diese Woche ist Mathe und Statistik das Thema.

    Derzeit lese ich die diesbezüglichen 800 Seiten noch einmal durch. In der Hoffnung, dass ich bei jedem Fachbegriff und jeder Art der Fragestellung zumindest weiß, ich welche Richtung es geht. Danach geht es an die Vertiefung.

    Nach Durchsicht alter Statistik-Klausuren habe ich festgestellt, dass die Klausurfragen einfacher erscheinen als die Fragen der Übungsaufgaben. Es kommt eine Variante des 80/20-Prinzips zur Anwendung. 80% der Fragen (und möglichen Punkte) beziehen sich auf 20% des Stoffs. Also werde ich mich vorerst darauf konzentrieren, die Statistik-Grundlagen auch alkoholisiert und verschlafen nachts um 3 Uhr korrekt wiedergeben zu können. Wenn das geschafft ist, kann ich mich dem Funky-Statistik-Stuff widmen. Bei der eigentlichen Mathematik (Analysis, Vektoren und Matritzen) denke ich „passt schon“. Die spielt im aktuellen Lernen die zweite Geige.

    Bild: Einfluss des Stichprobenumfang auf die Gütefunktion eines einseitigen Hypothesentests von: Qniemiec Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported(*)

    Zur Hirnschonung funktioniert Fernsehen besser als Lesen und Schreiben. Das ist gut, denn der März ist der Monat des Jahres in der Kitchen Impossible und Let’s Dance gleichzeitig laufen. Als Gelegenheits-Mediathek-Streamer kommen wir kaum hinterher.

    Wir entdeckten spannende Zusatzangebote: Den Podcast Tanz oder gar nicht der Ex-Let’s-Dance-Profitänzer:innen Oana Nechiti und Erich Klann – die ganz spannende Einblicke in Hintergründe geben; oder auch darin, wie ein Profitänzer und -trainer die einzelnen Tänze sieht. Es wirkt nicht so als wären sie verbittert. Aber offenbar ist die Trennung von Paar und Sendung endgültig. Was der Inhaltstiefe des Podcasts entgegenkommt.

    Die KitchenImpossible-Kitchen-Rezepte von Food & Co kannten wir schon. Aber Frau Food & Co war in der aktuellen Staffel als Jury in der Sendung selbst. Und auch der Post erlaubt einen anderen Blick hinter die Kulissen.

    Wo ich bei Linktipps bin: Joan Collins‘ Tagebucheintrag als sie John Major Stylingtipps gab. Diaries of Note: What advice can you give to Mr. Major?

    Herr Rau als Jean Pütz der Heim-KI bloggt über Teil 4 seiner KI-Experimente: KI: Reinforcement Learning 4 (Autofahren) während Frau Herzbruch lang, ausführlich und hochgradig unterhaltsam mit sich hadert, um am Ende dann doch noch etwas KI-Theorie von sich zu geben.

    Im Internet stolperte ich über die ersten ESC-Wettquoten. Hoher Favorit ist Schweden. An sich ist das nicht überraschend beim ESC-Dauergewinner und heimlicher Heimat der Welt-Chart-Popsongs. Überraschend ist, dass Schweden seinen Beitrag erst heute Abend wählen wird. Und die Wetter demnach sagen „Irgendwas aus Schweden, egal was, wird beliebter sein als alle anderen Beiträge, die schon feststehen.“ Dann folgt die Ukraine, die mich leider musikalisch gar nicht abholt. Und dann Finnland mit Cha cha. Der Beitrag ist .. wie sage ich.. unbeige.

    (*) Ich würde nicht darauf wetten, dass das Bild genug originäre Schöpfungshöhe hat, um unter den Urheberrechtsschutz fallen. Aber das ist ein anderes Thema aus dem bereits beendeten Studium von mir.