Kategorie: Alltag

  • 23-02-21 Frauen reden, Männer ringen

    23-02-21 Frauen reden, Männer ringen

    Madame ruderte mit einem Regenschirm. Mehrfach.

    Dort, wo vor wenigen Wochen noch die weiße Ledercouch auf dem Innenhof stand, liegt nun eine Weihnachtsbaum. Er scheint die Odyssee der Couch über den Hof, die Straße und wieder den Hof fortsetzen zu wollen. Vor einigen Tagen tauchte er eingepackt in einen Plastiksack direkt vor der Haustür auf. Dann wanderte er – ohne Plastiksack – auf den Radweg. Dann in die Baustellenabsperrung, dann vor die Baustellenabsperrung. Mittlerweile liegt er auf dem Hinterhof.

    Der Kaptain kaufte in Büsum ein. Als sie zurückkehrte stand auf dem Parkplatz ein Auto mit kaputtem Scheinwerfer, kaputter Frontschürze und demolierten Kotflügel. Natürlich ohne einen Verursacher in Sicht. Im besten Fall bedeutet das einen Haufen Stress und Ärger, im schlechtesten Fall noch dazu einen Haufen Kosten. Auf jeden Fall ist das Auto in der Werkstatt, die einschlägigen Stellen sind verständigt und wir sehen weiter.

    Ich überwand mich und nutzte den sonntäglichen Sonnenscheim, um das Fahrrad zu putzten großzügig Kette und Schaltung am Fahrrad abzuwischen und neu einzuölen. Immer wieder erstaunlich, wie ein 20 Jahre altes Rad durch ein bißchen Öl und Luft auf den Reifen neue Lebensgeister gewinnt.

    Die Berliner Bäder gebierten (gebaren? geborten?) sich heute überraschend überraschend. Im weiteren Verlauf des Tages stellte sich heraus, dass Mr. Elliott einst einen Rettungsschwimmerschein hatte. Er möchte dennoch nicht den Sommer über als Freibad-Rettungsschwimmer arbeiten. Die Eiserne startete einen Server neu.

    Zwei Filme

    Da Berlinale ist, gingen wir ins Kino. Da es fast unmöglich ist, Berlinale-Tickets zu bekommen, gingen wir ins „normale“ leere Kino. Am Sonntag: Motståndaren im Titania-Palast Steglitz im Rahmen der Berlinale. Montag: Women Talking im Odeon in Schöneberg. Beides sind eindrückliche Filme über Flucht/Verlassen und beide enden mit der Naheinstellung eines Säuglings als Symbol für die Hoffnung auf zukünftige Generationen.

    Eingang zim Titania-Palast mit Berlinale-Plakat.

    Motståndaren – die Geschichte eine iranischen Ringers, der vielleicht, vielleicht auch nicht, mehr als freundschaftliche Gefühle für einen Teamkameraden im Iran hatte. Auf jeden Fall machten dementsprechende Gerüchte die Runde. Der Ringer flieht mit Frau und zwei Töchtern nach Schweden. Um seine Chancen auf einen Aufenthaltstitel zu vergrößern fängt er wieder mit dem Hochleistungssportringen an. Dort ist er, zum Unglück seiner Frau, wieder von schwitzend-muskulösen Männerkörpern umgeben. Das Nicht-Reden-können ist ein Thema des Films, ebenso wie das Gefangensein in der eigenen Lage.

    Wo reden schwerfällt, sind Bilder um so wichtiger. Bildlich wechselt der Film zwischen dem klaustrophisch-monotonen Inneren von Flüchtlingsheim und Behörden sowie der Winterwunderlandschaft Nordschwedens mit Bergen, Wäldern und jeder Menge Schnee. Die Landschaft macht aber auch deutlich: Außerhalb des Flüchtlingsheims gibt es nur Bäume, Schnee und Wölfe. Ihr sitzt wirklich fest. Und natürlich zeigt der Film zahlreiche choreographierte Nahaufnahmen des Ringkampfes.

    Women Talking – Erzählt nach einem Roman von Miriam Toews, der sich wiederum an einer realen Geschichte orientiert. In einer abgelegenen Mennonitischen Gemeinschaft vergewaltigt eine Gruppe von Männern über Jahre Frauen, indem sie diese vorher Kuh-Betäubungsmittel ohnmächtigt macht. Die offensichtlichen Zeichen sexueller Gewalt werden als Werk der Geister/ des Satans oder überbordender weiblicher Phantasie geschildert. Irgendwann werden die Männer erwischt und kommen vor ein weltliches Gericht. Soweit der wahre, reale Teil der Geschichte. Dieser dient aber nur als Aufhänger für den Film.

    Eine Gruppe von Frauen aus mehrere Familien und Generationen diskutiert wie sie mit der Situation umgehen sollen: Bleiben und es akzeptieren, bleiben und kämpfen oder die Kolonie verlassen. Wo Iman, der Ringer, in Motståndaren daran scheitert, dass er nicht sprechen kann, geht es in Women Talking darum, eine Sprache zu finden. Wie redet frau – in einer Gemeinschaft in der Frauen weder Wünsche noch einen Geist noch einen Körper haben dürfen – über das was geschehen ist? Wie streitet sie über Wünsche und Pläne? Ein Film, der im Wesentlichen das zeigt was der Titel verspricht: Women Talking. Was heutzutage ein Garant für viele Filmpreise und einen Box-Office-Flop ist, leider.

    Vier Links

    Miss South empfahl für mein Kochprojekt Cuban Style Black Beans. Ein Blick in die Trockenvorräte ergab nur eine alte Packung Schälerbsen. Schälerbsen im Cuban Style wirkte selbst mir zu unseriös. Und so internetsuchte ich mich zu Gabi Frankemölles Westfälischer Erbsensuppe. Die mir insbesondere gefiel, weil sie eine Rezeptvariante mit Räuchertofu statt Fleisch vorschlug. Mein Experimentiergeist war geweckt. Ich stellte fest: Erbsenuppe im Slow Cooker dauert ewig. Mit der nicht-ganz-neuen-Packung Schälerbsen musste der Crocky sieben bis acht Stunden auf High laufen. Jetzt ist es aber schön sämig und rauchig und wir werden demnächst testen.

    Frau Kellerkind war nicht Hinten im Garten sondern in München.

    Falls ich jemals nach Japan komme, möchte ich ins Miyazaki-Land. Oder: wie kann man einen Freizeitpark so gestalten, dass er die komplette Gegenthese zu Disney World ist.

    Der Berliner in mir freut sich über die Suche des New York Magazins nach dem besten Döner der Stadt: The Kebab Chain Poised to Shake Up New York’s Doner Scene. Es beginnt bei German Doner Kebap (GDK) „in Astoria on a busy part of Steinway Street“ (zu mittelmäßig). Die Autorin geht weiter zu Istanbul Kebab House in Hell’s Kitchen (kein echter Döner-Stand). Der nächste Stop ist Kotti Berliner „at its Dekalb Market Hall location“ (zu Curry-lastig). Schließlich findet sie den besten Döner bei Berlin Doner in Greenwich Village – wo es sowohl das perfekte Lammfleisch als auch die perfekte Umgebung aus Halbbetrunkenen, enge und Hitze gab.

  • 23-02-16 Grazie Venezia, grazie Genova

    23-02-16 Grazie Venezia, grazie Genova

    Da war er, der Heureka-Moment. Ich verstand ernstlich wie und warum doppelte Buchführung funktioniert. Krasse Sache.

    Ich verneige mich innerlich auf den Knien vor dieser zivilisatorischen Leistung.

    (Und sollte erwähnen, dass die Italienier vermutlich auf indisch-arabische Inspirationen zurückgriffen bei ihrer Erfindung.)

    Titelblatt des Buches Indrizzo degli economi, o sia ordinatissima instruttione da regolatamente formare qualunque scrittura in vn libro doppio. Schwarz-Weiß-Druck aus dem 17. Jahrhundert
    Bild: Indrizzo degli economi, o sia ordinatissima instruttione da regolatamente formare qualunque scrittura in vn libro doppio; Public Domain.
    Available in the BEIC digital library
  • 23-02-15 Hotze Holz Holzspalter

    23-02-15 Hotze Holz Holzspalter

    Vor zwei Wochen beschloss ich, nur noch Dienstags, Donnerstags und am Wochenende zu bloggen. Gestern beschloss ich, heute auf keinen Fall an die Fernuni zu denken. Heute las ich Altklausuren durch und werden nun darüber bloggen.

    Aber zuerst: Madame entdeckte einen Blog, der seit 2012 kontinuierlich vor sich hinbloggt, auf hohem Niveau, anscheinend unbeirrt und quasi 2023 genauso schreibt wie 2012. Ich bin mehr als beeindruckt.

    22. April 2012: Stendhal-Syndrom: Tief schlafend oder tot? Michelangelos Pietà in St. Peter

    9. Februar 2023: Stendhal-Syndrom: Rembrandts „Bathseba“: der Voyeur – bist du

    Auch noch vorweg. „Mein“ Mastodon-Server, also der von mir genutzte, nicht der betriebene, ist vom Plan abgekommen sich privat – beziehungsweise über die Wikimedia Foundation zu finanzieren – und funktioniert nun auf Spendenbasis. Open Collective: Wikis.World Sobald ich meine Faulheit des Zahlungsdatenheraussuchens überwunden habe, werde ich auch unten in der Liste stehen. Ich vertraue Technik eher, wenn ich für sie bezahlt habe.

    Beleuchtetes Keyboard, mit Kennzeichnung welche Tasten für den Backslash zu drücken sind.

    Aber: Klausuren-Lesen.

    Entdeckung eins. Die Mathematiker und Statistiker stellen eine gemeinsame Klausur zu einem Termin. Sie reden aber sonst anscheinend so wenig miteinander, dass man je halbe Altklausuren auf zwei verschiedenen Webseiten der jeweiligen Fakultät abrufen muss, um sie dann selber zu einer Klausur zusammenzustellen.

    Erkenntnis des ersten Lesens.

    Analysis und Lineare Algebra: Konnte ich alles schon mal. Konnte ich sogar dieses Semester schon mal. Ist lernbar.

    Statistik / Wahrscheinlichkeitsrechnung: Das ist jetzt etwas peinlich. Immerhin ist Statistik das einzige Thema im Fernstudium behandelte Thema, das ich als Soziologe einst auf Uni-Niveau gelernt habe. In etwa der Hälfte der Fälle verstehe ich nicht einmal die Frage. Das wird die Knacknuss.

    Buchhaltung/ Jahresabschluss. Die ausnehmend albernen Beispielfälle treffen meinen Humor und ich lachte beim Lesen mehrfach laut. Inhaltlich stehe ich auf schwankenden Füßen. Aber ich mag die Art des Denkens und ich glaube, wenn man die Grundlage versteht (was machbar ist) liegt die Herausforderung in der Masse. Und schnell große Mengen auswenig lernen kann ich auch.

  • 23-02-14 Unsortiertes Treibenlassen

    23-02-14 Unsortiertes Treibenlassen

    Vor Abgabe

    What a ride. Die „Eingführung in die objektorientiere Programmierung“-Prüfung ist vorbei + das war mal ein Erlebnis. Sonntag stand noch komplett im Zeichen des Lernens, Rekapitulierens und des „Wo kommt denn dieses Unterkapitel auf einmal her? War das schon immer Teil des Stoffs?“

    Montag Vormittag folgte die Vorbereitung des Spickzettels: wir durften ein A4-Blatt mit in die Klausur nehmen, gefüllt mit Inhalten und Formaten unserer Wahl – und das wollte am Montag strategisch geschickt erstellt werden. Im Gegensatz zu den meisten meiner Mitschreibenden entschied ich mich für leserliche Schrift (10 Punkt), Überschriften, und nur einige kurze Anrisse. Die meisten hatten anscheinend versucht, das halbe Skript in 3-Punkt-Schrift auf einen Zettel zu bekommen.

    Wir waren 12 Leute in dieser Pflichtklausur 2/3. Semester. (Zum Vergleich: Zur Pflichtklausur erstes Semester waren noch etwa 60 Menschen erschienen – sagt etwas über die Durchhalteraten dieses Studiengangs). Und ich habe selten in meinem Leben in einer „Wissensklausur“ mit vielen Fragen wirklich die komplette Zeit durchgeschrieben und litt am Ende in Zeitnot. Ich bin eigentlich immer früher fertig: entweder weil ich es weiß, oder weil ich zumindest sicher weiß, dass es ich nicht weiß. Heute war es zwei Stunden durchpowern. High Intensity Klausuring.

    (Immerhin fiel mir noch auf, dass die Klausuraufsicht mich in ihrer Art an einen jungen Sheldon Cooper erinnerte)

    Ergebnis: Ich beantwortete 90% der Fragen, bin mir sicher, dass meine Antworten alle tendenziell in die richtige Richtung gingen – aber ob sie weit genug in diese Richtung gingen zum Bestehen – ich weiß es nicht. Chapeau übrigens an den Lehrenden: er verzichtete komplett auf Multiple Choice und stellte Fragen, die entweder in Text oder in Stift-auf-Papier-geschriebenem Javacode beantwortet werden mussten. Es ist sicher kein Spaß, dies zu korrigieren.

    Aufsteller mit "Fernuni Hagen Prüfungen M+I"

    Nach Abgabe

    Und nachdem ich hoffte, dass der Bubblesort ein paar nötige Punkte eingebracht hatte, war mein Hirn leer. der Adrelinspiegel sank gewaltig und ich war nur ein großes unsortiertes Puuuh! Madame lud mich zur Feier des Tages zum Mittagessen auf ein Butter Chicken bei Sagar ein. Und ich beschloss, mir eine BVG-Tageskarte zu kaufen und mich treiben zu lassen.

    S-Bahn Ringbahn gen Westen, Norden und Nordosten: Auf zur Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park. Diese wurde nach längerer Zeit renoviert wieder eröffnet. Nachdem sie vorher eher ein warmes, einladendes Farb- und Lichtkonzept hatte, folgten nun blaue-kühle Farben. Respekt: die erste Berlin-83-Typenbau-Schwimmhalle in der die Umkleidekabinen nicht in-die-Ecke-gezwängt-wirken. Treiben lassen im wahrsten Sinne des Wortes.

    Tram M4 gen Süden: Bis zum Alexanderplatz. Neue Baustellen besichtigen und bei Saturn kurz einen Blick auf externe Festplatten werfen.

    U-Bahn U5 gen Westen: die neu eröffnete U-Bahn unter Unter den Linden. Musste ich auch mal sehen. Ausstieg bei Dussmann – das Kulturkaufhaus. Die CD-Abteilung ist wirklich arg geschrumpft, die Gruscht-Deko-Anteile im Sortiment sind gestiegen. Aber noch gibt es vier Etagen Musik und Bücher und noch ist das ein gefährliches Pflaster für mich.

    Ein versuchter Kurzeinkauf im Edeka am Bahnhof Friedrichstraße. Die Frau im weißen Mantel auf der Suche nach Schokopops und ich auf der Suche nach Milch liefen uns so oft über den Weg – wir waren kurz davor eine gemeinsame Band zu gründen. Zwanzig Minuten später suchte ich nach der Geheimhaltestelle für den Schienenersatzverkehr.

    Bus SEV gen Süden. Warum fahren Menschen mit dem PKW nach Berlin-Mitte-Mitte-Mitte? Eine halbe Stunde im Stau stehen für 100 Meter von der Friedrichstraße bis zur Russischen Botschaft? Das ist doch in hohem Maße Widersinnig? Naja, ich stand mit im Bus – mir war’s recht, ich war ja im Modus des mich sinnlosen Treibenlassens. Da passte das gut. Ich konnte sehr ausführlich der Komischen Oper winken an der wir vorbeistanden. Der SEV bescherte mir noch eine lange Stadtrundfahrt und schließlich schleppte ich Milch und neue Bücher nach Hause.

    Bücher

    Ich habe ja heute den ganzen Abend Zeit an dem ich nicht lernen, werde, und ich fand ich durfte mir etwas gönnen, und Dussmann ist so toll:

    Kazuo Ishiguro – Klara and the Sun. Ich liebe und bewundere The Remains of the Day – finde ihn handwerklich einen der besten Roman, den ich je las – und wollte Clara and the Sun schon länger besorgen. Da lag er nun.

    Kurt Vonnegut – Slaughterhouse Five. Ich habe immer noch den Eindruck, dass der Roman in den USA nahezu Canon ist, in Deutschland aber fast unbekannt. Steht auch schon langer auf der inneren Liste der Bildungslücken. Und wo er schon auf dem Stapel „Set in Germany“ lag.

    Jasper Fforde – The Constant Rabbit. Ich bin Jasper-Fforde-Fanboy. Bester Fantasy-Autor.

    Olga Tokarczuk – Die Jakobsbücher. Ich erwarte 1000 Seiten persönliche Welterweiterung und Erschütterung.

    Berlin wählte

    Fast hätten mich meine Grünen Stimmen gereut. 110 Stimmen mehr für die Partei, Franziska Giffey hätte auf jeden Fall ihr Bügermeisterinnenamt abgeben müssen und schneller als man hätte hupen können, wäre es zur großen Autobahnkoalition gekommen.

    Schön in Berlin

    Dreimal Freude über den Wohnort: Während meine Mitprüfenden wilde Geschichten über die Anreise zum Prüfungsort erzählten, bin ich halt heute morgen aufs Rad gestiegen, und tiefenentspannt mit viel Frischluft auf dem Weg bei der Klausur angekommen.

    „Sinnlos treiben lassen“ umfasst ein neu renoviertes Schwimmbad und lauter Orte bekannt aus Funk und Fernsehen und Literatur. Das ist schon nett.

    Meine Nachbar*innen haben gut gewählt. Im Stimmbezirk: Grün 34,2% (leicht mehr); SPD 19,3% (leicht mehr); CDU 16,2% (mehr), Linke 13,1% (weniger), FDP 4,5% (weniger), AfD 3% (gleich).

    (Übersichtskarte mit Ergebnissen nach Stimmbezirken)

    Bitte schauen

    Justine Miles gebärdendolmetsch Text unnd Musik(!) von Rihannas Super Bowl Halbzeit-Show.

  • 2023-02-09 super.super.this

    2023-02-09 super.super.this

    Der Kaptain fotografierte einen Baum. Das freute mich sehr.

    Mit dem Matrosen unterhielt ich mich darüber, ob eine Krankheit, die keinerlei Symptome verursacht, noch eine Krankheit ist. Mr. Elliott schlug ich vor, PCs zu aquarellieren. Er war prinzipiell angetan. Aber nur falls es als Arbeitszeit angerechnet wird.

    Madame besuchte nicht das Wildorado. Dafür besuchte sie das Stadtbad Schöneberg, während ich zu Hause blieb. Seltsame Zeiten sind dies.

    Währenddessen Madame sich im Wasser tummelte, versuchte ich die Anwendung von this. im Zusammenhang mit Großvaterklassen auswendig zu lernen. Wobei es sich dabei anscheinend um Nischenwissen handelt, das am Dienstag nicht prüfungsrelevant sein wird und auch nicht einfach googlebar ist. Aber es ist spannend. Java und ich hatten ja ein schwieriges Zusammenfinden. Aber langsam finde ich es angenehm abgefahren, was dort vor sich geht.

    Zwei umgekippte Elektroroller vor Baustelle. Im Hintergrund ein Sonnenuntergang.

    Die meisten Kochbücher in diesem Haus sind keine „Berühmte-Namens-„Kochbücher (Also nicht Mälzer, Jamie Oliver oder andere Fernsehköche). Aber natürlich hat sich das eine oder andere darunter gemischt. Miss South zählt irgendwie dazu – obwohl diese so wenig Namen hat, dass sie seit 2015 spurlos aus dem Internet verschwinden konnte. Aber auch berühmtere Autoren wie Nigel Slater fanden den Weg. Von dem gibt es gleich mehrere Bücher in starker Nutzung. Und natürlich hat sich auch ein Ottolenghi-Kochbuch in diese Wohnung verirrt. Das wir mögen, aber irgendwie ignorieren. Madame beendete diesen Zustand und richtete gestern einen wiederholungswürdigen Ottolenghi-Linsensalat mit Sellerie.

    Hinten im Garten in Hamburg.

    Herrn Rau verdanke ich einen Fast-Aufruf beim Internetlesen: „Animalympics!“ Als Kind liebte ich diesen Film. Aber ich war so klein, dass ich nie genau wusste, was ich sah. Und als ich größer war, war er aus dem Fernsehprogramm verschwunden. Ich wusste nie, wonach ich suchen sollte. Langsam gelangte ich zur Überzeugung, diesen Film hätte es nie gegeben. Erinnerungsfragmente spielten mir Falsches vor, ich erinnerte irgendeine unbekannte Disney-Kurzstory und nur mein kindliches Hirn hätte das vollkommen überlebensgroß gespeichert. Das meine vagen Erinnerungen auf einem Disney-Unabhängigen TV-Special beruhten. Darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. Das war eine Zusammenführung mit einem alten Freund.

    (Dem Wikipedia-Eintrag entnehme ich Querverbindungen zu Tron und dem Film Ratatouille. Spannend)

    Madame erträgt tapfer, dass Lernendspurt wieder viel Italopop bedeuten wird. Da unser Internetradio und Rai Tutta Italiana gerade Kommunikationsprobleme haben, wird es diesmal der Sender von Milch & Honig, Radio LatteMiele.

    Sonntag beginnt die neue Staffel Kitchen Impossible.

  • 23-02-07 (2*365) + 366 = 1096

    23-02-07 (2*365) + 366 = 1096

    Drei Männer zersägten eine Heizung in zwei Teile. Madame betreute sie dabei.

    Ein*e dpd-Paketfahrer*in brachte einen Lafuma-Liegestuhl zum Paketshop. Ich versuchte vergeblich, dem Einhalt zu gebieten.

    Wenn ich etwas am alten Job vermisse, dann sind es die acht Kilometer mit den Rad durch ein leeres Berlin, die mir verloren gehen. Das neue Büro liegt sehr viel näher. Ich könnte natürlich das Haus früher verlassen und noch eine Extra-Runde drehen. Aber morgens, wenn es draußen kalt und dunkel ist, ist der Schmerz dann nie groß genug.

    Heute auf jeden Fall war nichts mit Radfahren. Denn das Schloss war einmal wieder eingefroren. Das Schloss war preiswert gewesen und dennoch bei Stufting Warentest eines der sichersten – irgendwo muss sein Nachteil ja liegen. Leider hatte auch der Ersatzbus ordentlich Verspätung. Und dann habe ich meine Haltestelle verpasst. Für einen lächerlich kurzen Arbeitsweg benötigte ich heute erstaunlich lang.

    Als ich angekommen war, war ich, positiv gesagt, sehr beliebt – oder anders: nach etwa fünf Stunden kam ich zum ersten Mal dazu, einen Schluck Kaffee zu nehmen und durchzuatmen. Ich hatte mich dazu in ein Meeting geflüchtet.

    Gestern fertig gelesen. John von Düffel: Wasser und andere Welten. Für „Geschichten vom Schwimmen und Schreiben“ bin ich Kernzielgruppe. Und selbst mich lies es eher kalt. Das ist alles sehr wohlgesetzt in diesem Buch, ausreichend reflektiert, mit einem gesunden Maß an Selbst- und Fremdkritik. Natürlich geistreich und handwerklich gut erzählt. Mir halt viel zu langweilig. Mich persönlich erfreute von Düffels literarisch beschriebener Besuch im Stadtbad Steglitz kurz vor der endgültigen Schließung. Und als Befindlichkeitsporträt des aufgeklärten Bürgertums um die Jahrtausendwende ist das Buch gut. Aber insgesamt hatte ich mehr erwartet.

    Duoling-Screenshot mit 1111 Tagen durchgelernt.

    Besser war die Komische Oper am Sonntag.

    Madame entdeckte Spannendes zu unserem Opernbesuch vom Sonntag. Ein „Käfig voller Narren“ war das erste Mainstream-Bühnenstück in queeren Lebenswelten. Soweit so bekannt. Was wir Sonntag noch nicht wussten: seine deutsche Uraufführung 1985 verdankte das Stück dem damals legendären Helmut Baumann, der Intendant des damals legendären Theater des Westens in Berlin war. Er inszenierte und spielte die Hauptrolle Albin/Zaza. Ein dramatisch-schwules Stück inmitten der 1980er Jahre, im Zeitalter von Ronald Reagan, Helmut Kohl und AIDS. Es lässt sich aus dem Jahr 2023 nur schwer erahnen, was es damals bedeutet haben muss.

    Hinter dem Link ein Video der Inszenierung aus den 1980ern mit Helmut Baumann als Zaza.

    Und für diesen Baumann hat Barrie Kosky in seiner Inszenierung die Nebenrolle des/r ältere/n Restaurantbesitz/erin Jacqueline aufgewertet. Kein Wunder, dass der über 80jährige Baumann quasi bei jedem Auftritt Standing Ovations bekam.

    Es war alles sehr berührend am Sonntag.

    Und jetzt versuche ich, meine Erschöpfung zu überwinden, um wenigstens noch Alibilernen zu Klassenvererbungen und Superkonstruktoren hinzubekommen. Es wird spannend und müde.

  • 23-02-04 Array [month] = Array [month +1]

    23-02-04 Array [month] = Array [month +1]

    Das diesjährige Berlinale-Poster zeigt keinen Bären. Ich prangere dies an! Zum Glück kaufte Madame vor kurzem einen Küchenkalender, dessen Februar-Bild zufällig einen Bären abbildet. Eine kurze Websuche führte mich auf die Berlinale-Seite. Ich wollte schauen ob es schon ein Programm oder Tickets gibt. Aber nichts: Das detaillierte Programm wird am 7. Februar veröffentlicht, Tickets sind ab dem 13. Februar erhältlich.

    Ich stellte diese Woche den Plan auf, nur dreimal die Woche zu bloggen, und werde diesen Plan gleich brechen. Ich prangere dies an! Aber morgen ist WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag), und da geht es dann ja nur um Sonntag, nicht um Freitag und Samstag.

    Am Arbeitsradweg stehen derzeit an der Autobahnauffahrt keine Polizist*innen und auch niemand klebt sich fest. Die Kleber*innen betreiben aktuell in Thailand Selbstfindung. Wie unfassbar dämlich kann man sein?

    Die Klebenden-Dämlichkeit beschäftigt mich mehr als sie sollte und als gut für mich ist. Aber wie unfassbar dämlich kann man sein? Dazu passend: Auf Google Drive standen für Journalisten zugängliche Listen der Letzten Generation. Diese „enthielten unter anderem Telefonnummern [von Interessenten], E-Mail-Adressen, Wohnorte, Angaben zu besuchten Seminaren und Trainings, Angaben zur Bereitschaft, im Rahmen von Protesten ins Gefängnis zu gehen, sowie teilweise Details über ihre Lebenssituation und Auszüge aus E-Mails“.

    Gut, dass ich jegliche gedankliche Abschweifungen zum Thema Weltrettungs-Dämlichkeit einfangen kann, in dem sich die Gedanken auf die „Einführung in die Objektorientierte Programmierung“-Klausur in anderthalb Wochen lenke. Bei den Übungsaufgaben verstehe ich 90% der Fragestellungen so gut, dass ich sie Außenstehenden erklären könnte und auch den Sinn dahinter. Ebenso 80% der Musterlösungen. Bestehen würde ich noch nicht. Aber ich habe noch einige Lerntage Zeit, um die entsprechenden Wissensbrocken in die „Stehen-auf-Abruf-bereit“-Register meines Hirns zu laden.

    Letztens las ich von der Lehrmethode: „Nur wenn alles aus einem Teilproblem verstanden ist, lehre man das nächste Problem.“ Ich würde dabei wahnsinnig werden. Ich brauche erst einmal einen Überblick über alles, quasi die grobe Themengebiets-Landkarte und dann gehe ich gerne ins Detail und schaue vor Ort. Hat die Lerntypenforschung schon etwas zum Thema gebracht „Menschen die erst in die Breite und dann in die Tiefe lernen“ hervorgebracht – beziehungsweise umgekehrt?

    Madame brachte ein Faxgerät zum Recyclinghof. „Unserer“ Hof, der mit dem Fahrrad oder Bus um die Ecke erreichbar war und sich gut eignete, um schwierigen Abwahl einfach loszuwerden, verschwand. Ich prangere das an. Sein Nachfolger ist eine halbe Tagesreise entfernt erfordert fast zwingend die Nutzung eines Autos.

    Gut mit der Tram erreichbar ist die Dominsel in Posen (województwo wielkopolskie). Diese bildet den Ursprung der Stadt – war allerdings immer geistiges Zentrum und wird seit langem als „ruhig, abgelegen“ beschrieben. Wie halt Kirchen so sind. Der Dom stammt in seiner heutigen Gestalt aus dem Jahr 1956. Nachdem die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs repariert wurden.

    Das Gebäude bezieht sich in einer Backsteingotik aus Reste aus dem 14/15. Jahrhundert, die durch die Weltkriegszerstörungen wieder freigelegt wurden. Bei unserem Besuch war es ungewohnt in einer Kirche der Backsteingotik zu stehen, die so deutlich katholisch ausgestattet war. Es fühlte sich fast falsch an. Dabei waren natürlich alle Backsteingotik-Kirchen zu ihrer Bauzeit katholisch.

    Die Dominsel war leer. Das Haupttor war verschlossen.

    Bronzetür des Doms mit fischförmigen Griffen.

    Zuerst waren wir zur zweit in der Kirche, danach kam eine geführte Tour, deren Geplapper aber räumlich begrenzt blieb. Wie in vielen großen Kirchen fühlte ich mich in der Kirche wie in einer kleinen Stadt. Die ganzen Seitenkapellen, der Eigang zur Krypta, die verschiedenen Schiffe und der Chor – was natürlich dadurch ergänzt wurde, dass die Dominsel selber schon eine kleine Stadt mit einigen Wohnhäuser, archöologischen Denkmalen, zwei Museen und einer weiteren Kirche ist.

    Neben Java-Exceptions und Errors, Bubble Sort, Merge Sort und Quck Sort, schweifte mein heutiger Rechnertags-Geist zur Sugo Marinetti. Filippo Marinetti war ein Futurist, der um 1930 den Italieniern die Pasta austreiben wollte. Er hätte am liebsten eine Ernährung aus Tabletten und Pasten eingeführt.

    Von seinen Küchenideen blieb wenig übrig. Das Kochbuch “La Cucina Futurista“ ist vermutlich noch im Gebrauchtbuchhandel zu bekommen (sehr schöne Besprechung hier). Kulinarisch bleibt er vor allem mit der Pastasauce Sugo Marinetti in Erinnerung. Die entstammt einem Kochwettbewerb der Zeitschrift „La Cucina Italiana“ aus dem Jahr 1932, an dem Marinetti als Juror teilnahm. Warum er, der zwei Jahre vorher noch die Pasta an sich abschaffen wollte, sich dafür fand? Nicht nur die Klimabewegung ist inkonsequent.

    Das Sugo besteht unter anderem aus Tomaten, Artischocken, Schinken Sardinen und Pistazien.

    Als ich in dieses Internet-Kaninchenloch fiel, brachte ich auch anderes mit:

    La Cucina Italiana schreibt (anscheinend nur in der englischen Ausgabe) über die Ursprünge der Zeitschrift: Dinner at Delia’s: the Birth of a Magazine

    Auf italienisch gibt es noch: La cucina futurista.

    Und da sowohl die Futuristen als auch die frühen Jahre der Cucina enge Verbindungen zum italienischen Faschismus haben, vorsichtshalber auch: Pastasciutta antifascista.

    Jetzt aber erstmal kochen. Die Miss-South-Oliven-Zitronen-Klößchen verlangen nach Beilagen.