Schlagwort: Deutsche Bahn

  • 23-08-05 Voyager en voiture couchette

    23-08-05 Voyager en voiture couchette

    Weihnachten 2015 fuhren wir mit einem der letzten Nachtzüge der Deutschen Bahn, und dachten, wir werden nie wieder Nachtzug fahren können. Welch Irrtum.

    Donnerstag wurde in Lörrach Käsegebäck gebacken, denn ein Familienfest rückte näher.

    Nachdem ich meine Beschäftigung mit Mensch-Maschine-Schnittstellen beendet hatte, begannen wir das Packen. Es begann mit Vernichtung von Essensresten (Butter Chicken, Paprika, Frühlingszwiebeln, Käsekuchen) und setzte sich mit dem Heraussuchen von Kleidung aus.

    Die Ruhe-vor-dem-Aufbruch – wenn alles fertig gepackt ist, aber der Zug noch nicht fährt – fiel über uns. Ungewohnt, dass diese um 20 Uhr stattfindet.

    Anscheinend soll es mein Schicksal werden, am Home-Office-Tag privat am Büro vorbeizufahren. Ich winkte der Geschäftsstelle aus dem elektrischen 248er-Bus, der uns zum Bahnhof Südkreuz fuhr.

    Donnerstag um 21 Uhr, Geschäfte geschlossen, Bahnhof halbdunkel – ein sehr anderes Erleben als mein normaler Mittagspausenaufenthalt dort.

    In Lörrach wurde derweil Käsegebäck gebacken.

    Der ÖBB Nightjet nach Zürich fuhr ein. Wir suchten Plätze 31 / 32 (unten) in Wagen 311, Liegewagen-6er-Belegung. Im Abteil unseres voiture couchette befand sich bereits eine bezaubernde franko-schweizer-Familie aus Geneva mit zwei Kindern auf der Rückfahrt aus dem Berlin-Urlaub. Die beiden Erwachsenen sprachen ähnlich kompetent deutsch wie wir französisch und so einigten wir uns auf englisch als Konversationssprache.

    (Ehrlicherweise sprachen sie leidlich deutsch wie Madame französisch. Meine Sprachkenntnis ist nicht-existent. Ich freute mich einfach nur in den Sound der Sprache eintauchen zu können, wenn die Familie untereinander kommunizierte.)

    Der Schaffner überzeugte uns, dass er uns morgen keinen Kaffee kochen muss, der Fuchs. Irgendwo in Südbrandenburg kletterten wir in unsere Schlafkojen und schlossen das Rollo. Während aus dem ein oder anderen Erwachsenenbett noch ein Handy leuchtete, war es bei den beiden Kindern (Alter: späte Grundschule, frühe weiterführende Schule) sofort komplett ruhig.

    In Lörrach wurde derweil immer noch Käsegebäck gebacken.

    Längerer Aufenthalt in Leipzig. Wegen Lok-Umkopplung ging zwischenzeitlich die Lüftung aus – es wurde schwül. Einschlafen kurz hinter Leipzig. Das Ruckeln war einschläfernd nicht aufweckend. Irgendwo in Sachsen gelang es der Lüftung auch, die tagsüber angesammelte stickige Luft aus dem Wagen zu blasen.

    Irgendwann nachts in Frankfurt. Vom Tief- in den Halbschlaf. Kopfbahnhof, umkoppeln, Lüftung aus die Nächste. Nur noch im Halbschlaf mitbekommen. Es blieb warm genug, damit ich die Decke als zusätzliches Kopfkissen verwenden konnte.

    In Lörrach wurden um diese Zeit hoffentlich kein Käsegeback mehr gebacken.

    Hinter Frankfurt: weiteres Ruckeln, stehen, weiterschlafen. Später lesen wir etwas von „Zugreparatur in Mannheim.“

    Um 7:38h Ankunft in Basel Badischer Bahnhof, etwa 30 Minuten zugreparaturverspätet.

    Beim Aussteigen sehen wir in den Schlafwagen hinein. Unser Liegewagen war perfekt in Schuss, wir merkten ihm sein Baujahr in den 1960ern/1970ern aber auch deutlich an. Das war Bahnfahren wie es sich in meiner Kindheit anfühlte.

    Der Schlafwagen hingegen, in den wir einen Blick erhaschten, war offensichtlich neu. Das sah aus wie das innere eines Fernseh-Raumschiffs. Ich war schwer beeindruckt und wünsche mir, dass irgendjemand auf der Welt außer der ÖBB neue Schlaf- und Liegewagen bauern lässt.

    Unsere Reiseparter*innen fuhren weiter nach Basel SBB. Sie wollten den Tag über Basel betrachten, abends weiter nach Genf.

    Wir eilen zur S-Bahn, in der Hand das kaffeefreie To-Go-Frühstück zu dem der Schaffner uns hingelenkt hatte. Vor Eil-S-Bahn-Schreck vergesse ich, ein Foto vom Nachtzug zu machen.

    In Lörrach nimmt die Käsegebäckproduktion wieder fahrt auf.

    Wir unterbrechen diese zum Frühstücken und Kaffeetrinken.

    Madame bricht wegen Familiengeschäften zu Bank und anderen Orten auf. Den ursprünglichen Plan „ab ins Freibad!“ kann sie wegen Arm nicht umsetzen. Die Käsegebäckproduktion läuft weiter, Ich führe den Schwimmbadplan alleine durch. Und es war alles perfekt:

    Die Anlage des Parkschwimmbads Lörrach war riesig, schick und bis auf die Drehkreuze funktionierte alles als wäre es farbikneu ausgepackt. Sonne und Trockenheit beim Kommen und Gehen, zwischenzeitlich im Wasser Regen. 20 Grad Lufttemperatur, 21,8 Grad Wassertemperatur. Wir teilten uns ein 50-Meter-Becken mit zwei bis sechs Personen. Es gibt wenig, was so herrlich ist, wie Regen wenn man bereits im Wasser ist und schwimmt.

    Gemaltes Bild; Badende mit Ball in der Hand.

    Letztendlich schwamm ich viel und lange wie seit Monaten nicht mehr. Was wunderbar war. Aber es führte dazu, dass ich mich nach dem Heimkommen leider nicht mehr bewegen konnte.

    Währenddessen ging die Käsegebäckproduktion weiter.

    Irgendwann erhob ich mich wieder. Sollte sich ein Muskelkater abzeichnen?

    Die Geschäftsvorgänge wurden trotz der notwendigen Mitwirkung von übersichtlich kompetenten Bankazubis erfolgreich zu Ende gebracht. Madame möchte an die alte Hamburger EC-Karte erinnert werden.

    Das Käsegebäck war vollendet. Es gab Kaffee und Kuchen. Später traf sich der Cousinenchor zur Probe und dann zum Pizzaessen.

    Jetzt wird noch eine Katzenbarbie eingewickelt und der große Tag beginnt.

    2 Fußgänger

    Nachzutragen von Mittwoch: Der Tag begann mit einem Staatsbesuch. Nicht bei mir, aber als ich versuchte, per Rad die Straße zu überqueren. Die Choreographie der Polizei-Motorräder, die in kurzer Zeit rollierend Kreuzungen absperren, um den Besuchstross durchzulassen, fasziniert mich stets.

    Karen fuhr auch Nachtzug. Von Bukarest nach Istanbul. Ich ahne, dass Madame spätestens Montag Reiserouten von Bukarest nach Istanbul recherchieren wird.

    Lörrach besitzt eine „Fahrradstraße – Autos sind hier Gast“. Ich wandelte diese entlang und traf 1 Fahrrad, 2 Fußgänger (einer davon schob ein Fahrrad) und 11 Autos.

    Die Kollegen waren im Fernsehen als sie einen Motorbootkapitän retteten.

    Mein Lieblingsschwimmbad war im Radio. Gleich am Anfang des Beitrags: Wärme der Zukunft – Wie klimafreundlich geheizt werden kann.

    Über Geld reden, heißt darüber reden, was eine Gesellschaft ausmacht. Ich werde sobald ich in Berlin bin, mal suchen, ob ich an die eigentliche Studie komme.

  • Neun Tage in Polen – die Rahmendaten

    Zur Referenz

    Do, 13. Juli

    Anreise: EC 57 Berlin Hbf. 10:52h Wrocław Głowny 15:05h + Tram

    Transport in der Stadt: 48-Stunden-Ticket via Jakdojade

    Hotel: Hotel Herbal, Wrocław

    Aktiv: Altstadtbummel (zu Fuß), Magdalenenkirche, Adalbertkirche

    Essen: Wrocławska (Zweierlei Bigos)

    Fr, 14. Juli

    Aktiv: Synagoge zum Weißen Hirsch, Jahrhunderthalle, Vier-Kuppel-Pavillon (Museum für Kunst der Gegendwart und „Rococo madness„), Pergola und Parks darum herum. (Tram)

    Essen: Kospyra (Schlesische Roulade; Schweinefleisch mit Rote-Beete-Salat)

    Sa, 15. Juli

    Zug; IC 6124 Wrocław Głowny 11:35h – Warszawa Gdańska 16:06h + Metro

    Transport in der Stadt: 3-Tages-Ticket via Jakdojade Zone 1

    Hotel: SCSK Zurawia

    Aktiv: Altstadtbummel (zu Fuß)

    Essen: Zapiecek (Pierogi, süß + salzig sowie Krokiet)

    So, 16. Juli

    Aktiv: Targ Śniadanowy / Łazienki-Park mit Chopin-Konzerten (Metro, Bus) / Altstadtbummel

    Essen: Chmeli Suneli (Chatshapurri, Shashlik, Chkmeruli-Huhn)

    Mo, 17. Juli

    Aktiv: POLIN Museum der Geschichte der polnischen Juden (Bus) / Mit der Tram von Endstation zu Endstation durch das Unwetter fahren (Tram)

    Essen: Wegetarianski Bar Mleczny (Pierogi, Placki, Nalesniki)

    Di, 18. Juli

    Zug: EIP 3840 Waszawa Centralna 14:28h -> Gdańsk Głowny 17:11h

    Transport in der Stadt: 72-Stunden-Ticket via Jakdojade Metropolregion (Gdańsk, Sopot, Gdynia)

    Hotel: Scandic Gdańsk

    Aktiv: Altstadtbummel (zu Fuß)

    Essen: Piwnica Raców (Kalbsschnitzel / Fish & Chips)

    Mi, 19. Juli

    Aktiv: Notaufnahme im Klinikum der Gdański Uniwersytet Medyczny (Tram) / Altstadtbummel

    Essen: Piwnica Raców (Burger / Fish & Chips + Mousse au cholocat / Sernik)

    Do, 20. Juli

    Aktiv: Marienkirche (zu Fuß) / Europejskie Centrum Solidarności / Strand in Jelitkowo, Seebrücke Sopot (Tram / S-Bahn)

    Essen: Piwnica Raców (Schweinefilet / Fish & Chips + Mousse au cholocat)

    Fr, 21. Juli

    Zug: EC 58 Gdańsk Głowny 9:23 – Berlin Hbf 15:05.

  • 23-07-11 Schwäbsches Schnauferle

    23-07-11 Schwäbsches Schnauferle

    Der Hühnerwald eröffnete. Er befindet sich direkt gegenüber vom Haupt-Grill, welcher bisher im Umkreis von 300 Metern das Monopol auf gegrillte Hähnchen hatte.

    Das Gerüst an unserer Wohnung steht. Das Gerüstbauer-Zuschauen-Fernsehen fällt aus, weil fertig. Es bleibt nur das „Fenster-nicht-mehr-einfach-so-offen-lassen-können“-Problem. Und irgendwann kommt buchstäblich das „Sie-reißen-das-Dach-über-unseren-Köpfen-ab“-Problem.

    Wer lacht hat noch Reserven

    Der Montag lässt sich durch den Sonntag beschreiben. Stellen sie sich das Juliwetter vor. Es waren 33 Grad und dazu war es recht schwül. Stellen sie sich Herrn southpark vor. Dieser liegt im Alter näher an Mary Roos als an Badmómzjay. Er verbrachte am Sonntag erst acht Stunden damit, in einem nicht-klimatisierten schlecht-belüfteten 1980er-Uni-Seminarraum Ausführungen zu Simplexverfahren und der Methode des steilsten Gradienten zu verstehen. Dann fuhr er 7,5 Stunden mit verschiedenen Verkehrsmitteln von Hagen nach Berlin. Er war nachts um Eins zu Hause und um Fünf klingelte der Wecker.

    Wäre ich nicht viel zu erschöpft gewesen, hätte ich immerhin etwas zum Lachen gehabt, als eine Kollegin meinte, ich sehe so erholt aus – ob ich im Urlaub war?

    Pivotieren sie doch mal andersrum!

    Sonntag Tag 2 des Studientags. Ich bewundere die Dozent*innen. Während ich ausreichend damit beschäftigt war, nicht zusammenzuklappen, redeten diese über Stunden über lineare und nichtlineare Optimierung, Schrittweiten und Wegrichtungen. Als gute Mathematiker*innen hatten sie sich die offensichtlichen Schritte nicht notiert – leider waren einige davon in der konkreten Situation nicht ganz so offensichtlich und so lernten wir alle zusammen. Fazit aber wie beim ersten Studientag: Es ist intellektuell eine krasse Challenge, aber ich weiß, ich will mehr davon.

    Nebenbei im Gebäude bewundert: die kleine Ausstellung zur Geschichte der Fernuni. Die Uni verdankt ihre Existenz vor allem dem Einsatz von Johannes Rau (der unter anderem auch Bildungsminister NRW war).

    Die Geschichte der Uni begann mit dem Grundkonflikt, dass die Politik eine Fortsetzung des Abendgymnasiums für die Mühsamen und Beladenen des Bildungssystems haben wollten, während die Lehrstühle alles wie an einer „echten“ Uni haben wollten – am liebsten noch anspruchsvoller, damit ja niemand denkt, sie wären keine „richtigen Professoren.“

    Über die Jahrzehnte haben sich alle Gruppen anscheinend geeingnet: Es ist vor allem eine Uni für Berufstätige mit Weiterbildungswillen. Je länger ich dort studiere, desto spannender finde das Konstrukt. Allein zum Campus gäbe es noch so viel zu erzählen. Aber ein andernmal.

    Jetzt sind erstmal alle Fristen für alle Einsendeaufgaben vorbei – ich weiß noch nicht ob ich im September zwei Klausuren schreibe oder zwei Wochen Urlaub gewonnen habe. Auf jeden Fall finde ich habe ich mir zwei Wochen hart erkämpft, in denen ich erstmal gar nicht an das Thema denken muss.

    Bunt zu schwarz

    Die Deutsche Bahn versucht, uns auf die Autobahn zu locken.

    Freitag, die Butterkekssituation. Ich sitze friedlich im IC von Hannover nach Hamm, da fällt zwischen Minden und Bielefeld das Signal aus. Wir halten länger in Haspe, fahren unter Zurücklassung eines verwirrten Fahrgastes weiter und halten wieder länger in Kirchhorsten. Ich entnehme der App zwischendurch, dass Hagen abends spärlich angefahren wird, der ÖPNV in Hagen noch spärlicher fährt und rette mich über Dortmund mit knapp zwei Stunden Verspätung in die Bildungsherberge.

    Sonntag das Gewitter. Ich habe Vorahnungen und hatte Freitag schon erfahren, dass Hagen schlecht erschlossen ist. Ich nehme anderthalb Stunden vor der eigentlichen Abfahrt den RE nach Hamm. Gute Wahl: Direkt nach mir werden alle Verbindungen von und in die Stadt gekappt.

    In Hamm warte ich 2,5 Stunden, denn auch mein ICE hat Verspätung. „Es mussten noch mehr Wagen bereitgestellt werden.“ Der Bahnhof ist gefüllt mit bunt gekleideten jungen Menschen – Gestrandete auf der Rückfahrt vom Kölner CSD.

    Leerer Autotransportzug fährt am Bahnsteig vorbei,
    Hamm Hbf. Hauptstadt der deutschen Zugteilung

    Ich lande um Mitternacht in Spandau und nehme die S-Bahn nach Hause. An der S-Bahn-Haltestelle Olympiastadion warten hunderte schwarz gekleidete Ü50-jährige. Offensichtlich kommen sie von einem Konzert. Aber dieses innere Glühen, diese Hibbeligkeit die Menschen nach einem Konzert haben, fehlt komplett. Es herrscht eine Stimmung wie nach einer Arbeitssicherheitsschulung. Ich kann auch keine Band-Shirts erkennen; versuche über das Mithören der Gespräche den Anlass zu erfahren: Nichts. Immerhin reden die Ü50s überraschend intelligentes Zeug. Später googele ich: Depeche Mode war im Olympiastadion.

    Die S-Bahn-Fahrt verzögerte sich, denn der Zugführer weigerte sich, weiterzufahren, solange der Einkaufswagen nicht wieder den Zug verlassen hatte.

    Während ich diese Zeilen schreibe, sollte Madame im ICE bereits Leipzig verlassen haben. Stattdessen ist sie kurz hinter München im Ersatzzug des Ersatzzugs der geänderten Verbindung. Die schwäbsche Eisenbahne zwischen Ebingen und Esslingen kollabierte. Der Zugführer schaltete bereits die Klimaanlage aus, damit die Lok die Berge hinaufschnaufen konnte. Aber auch so humpelte die Regionalbahn mit letzter Kraft und fernab aller Anschlüsse ins Ziel.

    3rd Level Support

    Phänomenal aber das Deutschlandticket: Kreuz und quer mit dem Bus durch Hagen, ohne sich einmal Gedanken zu müssen, ist großartig.

    In Tübingen kletterte Madame über einen Abhang und erhielt am anderen Ende Linsen und Salat.

    Seit fast einem Jahr versuche ich, mit eon in Korrespondenz zu treten. Der Konzern beantwortet meine Briefe und Mails nicht. Immerhin: nach 10 Monatan rührte sich das Unternehmen das erste Mal. Natürlich nicht mit einem Schreiben an mich. Der 3rd Level Support („Priority Complaints and Social Communities.“) schrieb an die Schlichtungsstelle Energie: „Wie vom Beschwerdeführer gewünscht haben wir die Änderungen am Vertrag vorgenommen.“ Immerhin. Wenn es halt so sein musste.

    In Schwaben entdeckte Madame das großartige Schwimmbad Ebingen. ICH MUSS DA HIN!

    Frau Novemberregen war in der Therme. Frau Herzbruch schreibt über Geld. Die Kaltmamsell schreibt über sich.

    Vielleicht habt ihr gelesen, dass die Orkneys sich Norwegen anschließen wollen. Noch charmanter finde ich die Idee, dass York nach Dänemark möchte.

    Następnym razem we Wrocławiu

  • 23-07-08 Eskalationsstufe Butterkeks

    23-07-08 Eskalationsstufe Butterkeks

    „I don’t do curves“. Der kurzfristig zugeschaltete diskrete Mathmatikprofessor war da eindeutig. Beim Studientag der Algorithmischen Mathematik versuchten Student:innen ihm Zahlen abzuringen, wie viele Teilnhmer:innen bestehen. Er ließ sich auf nichts ein. In guten Jahren fallen 30% durch, in schlechten 70%.

    Ich bin in Hagen, Mathe live. Außer mir finden es noch vier andere Studenten und zwei Dozent*innen eine gute Idee sich bei 33 Grad in einen 70er-Jahre Unibau zu setzen. Etwa 50 andere nahmen per live-Zoom teil

    Abee er es lohnt: Hagen als Stadt ist spannend, die Fernuni ist noch viel spannender + der Campzs in all seiner 70er-Haftigkeit eine wunderbar grüne Oase, Selbst nach Kuhn-Tucker-Bedingungen, Cholesky-Zerlegung und im Gepãck MIT 6 Stunden Arbeit Freitag plus 6 Stunden geplanter Zugfahrt (+2 Stunden ungeplanter Verspätung – wenn die Bahn anfängt, Wasser und Butterkekse zu verschenken, wird es ernst,), konnte ich das heute noch irgendwie würdigen.

    Fernuni

    Inhaltlich ging es um unrestringierte und restringierte Optimierung so allgemein. Die Teile, die ich bereits im Studienheft bearbeitet hatte. In Teilen fühlte ich mich bestãtigt, weil ich es verstanden hatte, zum Teil fühlte ich mich in meiner Einschãtzung bestãtigt, es nur halb verstanden zu haben und deshalb blöde Sachen falsch zu machen. Morgen kommr der Teil den ich bisher nicht mal anschaute.

    Aber wie sagten sie: Belegen sie gerne mehr Mathekurse, Das Schwerste haben sie quasi hinter sich. Der erste Schock ist der schlimmste.

    Auch noch gelernt. Das schicke Programm, dass sie nutzen, um mit Tablet und Pen Formeln und Zeichnungen in Text zu zeichnen, nennt sich PDF Annotator. Denn nicht nur für Inhalte studieren wir, sondern auch für stinknormales Handwerkszeug.

    Sonst. In Dithmarschen kommt weiterhin kein Klempner. In Hamburg-Volksdorf kühlt es nachts ab. Der ÖPNV in Hagen ist seltsm – aber gebt mir noch eine Woche und ich bin mit allen Busfahrern auf den relevanten Strecken per Du.

    Die „Bildungsherberge“ ist noch schlechter ohne Auto erreichbar als die Uni – okay, 33 Grad und die steigungsaffine Geographie von Hagen helfen auch nicht. Das Westfalenbad ist ein spektakuläres Schwimmbad – ob im guten Sinne, bin ich noch unentschieden.

  • 23-07-06 Ein miauender Gerüstbauer

    23-07-06 Ein miauender Gerüstbauer

    Ein Dithmarscher Klempner lässt sich Zeit. Ein Hannoveraner Stromversorger ist schneller.

    Madame macht ein Examen in generativer KI. Mein eigenes „Data Science Bootcamp“ musste ich aus Zeit und Energiemangel abbrechen. Dafür reichte ich die letzten Fernuni-Einsendeaufgaben ein. Bis Anfang Oktober habe ich Einsendeaufgabenfrei. Allerdings weiß ich in beiden Kursen weiterhin nicht, ob ich klausurqualifiziert bin.

    Ich bekam Post von Krabbenkutter Hauke.

    Frau Novemberregen schildert den Unterschied zwischen „Briefe schreiben“ und „Korrespondenz führen.“ Sie schreibt Briefe an Politiker*innnen. Ich schreibe Briefe an BVG und eon, die beide Organisationen seit Monaten ignorieren. Die eon scheint das auch durchhalten zu wollen, wenn sie Briefe von der zuständigen Schlichtungsstelle bekommt. Bei der BVG bin ich noch eine Eskalationsstufe darunter.

    Eskalieren sollte ich mit meinen zuständigen Mitgliedern des Abgeordnetenhauses. Diese helfen fröhlich mit, den dringend notwendigen und seit Jahren überfälligen Radweg auf der Hauptstraße zu verhindern. In den entsprechenden Wahlkreisen Tempelhof-Schöneberg 1,2 und 3 sind dies Wiebke Neumann (SPD), Orkan Özdemir (SPD) und Katharina Senge (CDU). Auch ein Adressat wäre Michael Biel (SPD), der kurzfristig MdA war, bevor er in die Senatsverwaltung wechselte.

    Eine Dame mit Helm auf Fahrrad (geschätzt Ü50) und ein Herr mit Hund (Ü70) schrien sich auf dem Fuß-/Radweg an. Soweit ich verstanden habe, hatte die Dame den Radweg in die falsche Richtung befahren, während Hund und Leine sich darauf befanden. Alle Beteiligten wirkten unverletzt. Unentschieden würde ich sagen.

    Der Gerüst wächst. Auf der Hofseite hat es unsere Wohnungshöhe überwunden. Auf der Straßenseite ist es kurz davor. Es gibt doppeltes Baustellenfernsehen. Wir sehen fasziniert den Gerüstbauern zu + sie können uns aus nächster Nähe in die Wohnung schauen.

    Wir aber haben Fernsehen mit Ton: Menschen, die vom vierten Stock aus rufend mit dem Team am Boden kommunizieren. Einer hat dabei seine eigene Sprache entwickelt und miaut, wenn sie neue Teile auf den Weg schicken wollen. Wenn ich die Herren betrachte, wie sie 15 Meter über dem Boden ohne Sicherung oder Geländer auf schmalen Weg Bauteile wuchten, bin ich von ihrer Katzenhaftigkeit beeindruckt.

    Gerüst aus dem Fenster heraus fotografiert mit angebrachtem Minikran.

    Deutsche Bahn 2023: Selbst eine Umsteigezeit von 19 Minuten macht mich nervös. Ich zweifele, ob die DB es schafft, den Fahrplan nur um 15 Minuten zu verpassen.

    Meine Nervosität scheint gerechtfertigt. Jetzt verrät Bahn.de mir: „Reparatur an der Weiche zwischen Wolfsburg Hbf und Berlin Hbf. Züge fahren langsamer. Züge erhalten aktuell im Streckenabschnitt eine zusätzliche Verspätung von etwa 15 Minuten.“ Damit ist meine Umsteigezeit auf 4 Minuten geschrumpt.

    Vergesst Social Media. Das beste Soziale, was das Internet hervorbrachte, sind Foren. Ich fragte mich: „Falls ich den IC-Anschluss verpasse und die Zugbindung aufgehoben ist, darf ich dann einen ICE benutzen?“ Und ich fand dieses Forum in dem sich anscheinend Zugbegleiter’innen austauschen: ICE Aufpreis bei Aufhebung Zugbindung. Inhaltliches Fazit: Passt ’scho. Es sei denn das Zugbegleiter:in hat einen sehr schlechten Tag. Aber viel schöner: Menschen aus einem anderen Leben bei ihrer Unterhaltung mitlesen zu dürfen.

    Vielleicht sollte ich im Forum fragen, ob überhaupt noch irgendein:e Zugbegleiter:in auf die Zugbindung achtet, wenn man sich in Zug >1 einer Umsteigeverbindung befindet.

    Zwei Hinweise zum Insulanerbad. Mein Sommerwohnzimmer ist im Fernsehen: Die aspekte-Sendung Das Freibad als Glücksversprechen wurde dort gedreht. Im ZDF, 07.07.2023, 23:25 – 00:10 In der Mediathek verfügbar ab 07.07.2023, 21:00.

    Direkt am Wochenende danach ist die Lange Nacht des Insulaners mit Planetarium, Shakespeare-Company und Freibad. Das Freibad bietet Nachtschwimmen ab 21 Uhr bis 23:30h. Ab 21:30h sind Darsteller der Shakespeare-Company im Schlauchboot dabei und lesen Texte.

    Tröt ergeht sich in er einer Tröt-untypischen Aufregungs-Welle darüber, dass Facebook einen Twitter-Klon aufmacht, der Tröt-Verbindungen aufweisen könnte. Ich entdecke mit Freude an mir: Die Debatte interessiert mich inhaltlich nicht. Ich kann so neugierig und leidenschaftslos zuschauen, wie bei der Hundeleinen-Fahrrad-Diskussion von weiter oben. Social Media im kommerziellen Sinne hat in meinem Leben keine Bedeutung mehr.

    Entdeckt: Der Chatbot im Amtsdeutsch: https://amtsgpt.de/ . Erstaunlich, was Sprache macht: Nach ungefähr drei Minuten des Rumspielens fange ich an, den Bot zu Siezen.

    Herr Rau fotografiert Full English Breakfast. Claudia fährt Rickscha durch Asakusa. H.R. Giger verzweifelt am Prop-Department am Alien-Filmset.

  • 23-06-26 Schachbrettfalter Sturzflutwarnung

    23-06-26 Schachbrettfalter Sturzflutwarnung

    Todmüde tranken wir Rotwein vom Werderaner Wachtelberg und fielen danach mit letzter Kraft ins Bett. Es war der Regenfreitag nach dem Gewitterdonnerstag – und es war so schön und entspannend einen 21-Grad-Tag zu haben, an dem man mittags die Schreibtischlampe anknipsen muss.

    Jetzt bin ich doch noch hauchdünn an Einsendeaufgaben gescheitert. 28,7% der Punkte wo 30% erforderlich wären. Innerlich hatte ich allerdings mit noch weniger Erfolg gerechnet , ich bin nicht überrascht. Einmal muss ich noch bestehen. Einmal sind noch Aufgaben in Korrektur (mit besserem Gefühl als bei den 28,7%) und im Zweifel bleibt mir noch ein Hail-Mary in der allerallerletzten Runde.

    Auf der Nachbarmittelhausdachterrasse veranstalteten in junger Mann und eine junge Frau eine Fotosession. Vermutlich zur Unterhaltung der 30 bis 40 Hinterhauswohnungen, die diese Dachterrasse einsehen können.

    Schwirr, Schwirr

    Beim latifundalen Wege-mähen lässt es sich nicht vermeiden, das hohe Gras im Wiesenteil anzustoßen. Rechts und links stoben Grashüpfer davon. Überhaupt fühlt man sich im Sommer in diesem Garten wie ein Franz von Assisi der Mittelmark, von Insekten umschwirrt.

    Und damit meine ich nicht nur die Junikäfer, die offensichtlich dämlichsten Tiere, die Brandenburg zu bieten hat. Nein, ich bin kein Baum. Auch wenn du fünfmal gegen mich dotzt.

    Mit dem astronomischen Sommeranfang kommen auch die Schmetterlinge. Dieses Wochenende besonders auffallend: der schwarz-weiß bemusterte Schachbrettfalter, der sich an den zahlreichen Knautien erfreute.

    Dr. Dolittle bestimmte eine Dorngrasmücke. Immer wieder spannend: wenn man ein Tier, eine Pflanze einmal sicher identifiziert hat, fällt sie einem dann immer wieder auf.

    Mir kam eine seltsam schnell und geradeaus fliegende Hornisse entgegen, die aus der Nähe betrachtet Libellenflügel hatte. Nach etwas Suchen: es war eine weibliche Plattbauchlibelle. Was es alles gibt.

    Dazu gelernt: Auch Plattbauchmännchen haben Unterscheidungsprobleme: Wie andere Libellen auch, verfügt der Plattbauch über eine ausgezeichnete Sehkraft. Dennoch kommt es bei den Männchen der Art vor, dass des Öfteren Hornissen angeflogen werden, da sie wohl auf einige Entfernung den gelbgefärbten Weibchen gleichen.

    Wiese mit blühenden Platterbsen

    Sürpriz war eine Ralph-Siegel-ESC-Popgruppe

    Wenn man erwachsen ist, bedeuten komplette Überraschungen nur selten Gutes. Gute Nachrichten müssen meist erarbeitet werden oder schicken Vorausboten und Ahnungen. Aus heiterem Himmel passieren:

    • Ein noch-gar-nicht-richtig-da-seiendes Gewitter, eine Bö, ein Scheppern, ein Klirren und im Rahmen hängt ein halbes Fenster. Zum Glück wurde niemand verletzt. Wir haben das Fenster über Nacht provisorisch gesichert und am nächsten Morgen kam der Glaser und nahm den Rahmen mit halben Fenster mit in die Glaserei. Trotz Sturzflutwarnung überstand das Rest-Fenster den Starkregen vom folgenden Tag gut.
    • Ein Sprotz, ein Knall.. ne, ehrlich gesagt keine Ahnung, ob der Zug Geräusche machte. Auf jeden Fall fiel der deutsche Stromabnehmer am ICE Berlin-Zürich aus. Der ICE stand auf „dem längsten Brückenbauwerk Deutschlands“ – rechts der Abgrund, links das Gegengleis, keine Türen offen. Dramatische Szenen, Türen wurden geöffnet (Klimaanlage kaputt – 30 Grad und schwül draußen) und wieder geschlossen (Abgrund / Gegengleis – alles zu gefährlich), dann unter Aufsicht der zufällig anwesenden Bundeswehrsoldat:innen wieder geöffnet.
    • Irgendwann war dann der Schweizer Stromabnehmer soweit präpariert, dass er zumindest Klimaanlagen und Bordbistro-Strom aus der deutschen Oberleitung holen konnte.
    • Ein erster Evakuierungszug kam, war aber selber schon voll mit „normalen“ Fahrgästen. Ein zweiter Evakuierungszug kam.
    • Am Ende nahm Madame nach 8 1/2 Stunden „Fahr“zeit Berlin->Erfurt in Erfurt wieder die Gäste in Empfang, die wir mittags in Berlin in den Zug gesetzt hatten.

    Ich persönlich bin dankbar für die Existenz einer ausreichend großen Vorsichtskasse, die in diesen Momenten ein whatever-it-takes an Autogas-zum-nach-Thüringen-fahren, Hotelzimmern, weiteren Fahrkarten, Glasern et cetera hergibt. So werden die Episoden am Ende eher zu einem Abenteuer. Ich erinnere mich noch lebhaft an Teile meines Lebens in denen keine Chance für eine Vorsichtskasse bestand, und derartige Ereignisse sich sofort zu existenzielle Bedrohungen auswuchsen.

    Alles Geld hilft aber nicht bei den Katastrophennachrichten, die uns vom anderen Ende von Familie Ö erreichten.

    Die Nachricht kam kurz vor unserer Familiengartenfeier. Je nach recht nahem bis sehr entfernten Verhältnis zu ebenjenem Teil der Familie war die Stimmung. Ein anderer Teil der Großfamilie wird demnächst heiraten – und es stellt sich die Frage, wer wie mit wem dorthin gelangt und vor allem wer nicht kommt. Ich bekam nur die Hälfte mit, stand größtenteils am Grill, wo mir La escaladora mexicana Gesellschaft leistete.

    Ein zweijähriger Mini-Herkules hätte fast das Planschbecken bezwungen.

    Erfurt – Jerusalem – Brieselang

    Madame versuchte heute aus Erfurt zurückzukommen. Fast hätte sie um 11:38h den verspäteten 11:09h-Zug nach Berlin genommen. Allerdings konnte dieser „wegen einer Funkstörung“ nur Nebenstrecken fahren. Deshalb nahm sie um 11:40h den nur knapp verspäteten 11:28h-Zug.

    Das mag ich am Bloggen: Da schreibe ich 2017 etwas über die Parkplatzsituation in Jerusalem. Und 2023 kommt ein Kommentator vorbei, gibt den aktuellen Stand und ergänzt. Beeindruckend. Danke Tommy.

    Indian Butter Chicken ist eines der Gerichte, die ich quasi ununterbrochen essen könnte. Wilma Pane-Bistecca hat freundlicherweise ein Gericht für den Slow Cooker.

    Ein Wahrzeichen des Berliner Autobahnrings soll schließen: Das amazon-Logistikzentrum Brieselang macht zu. Weil es 10 Jahre nach Bau nicht mehr modern genug ist, muss andernorts neu gebaut werden. (*Jetzt bitte kulturkritisches Gebrummel von southpark vorstellen*)

    Falls ihr um Umkreis Liebscher-Bracht-Anhänger habt: Liebscher-Bracht müssen Werbung ändern. Erfolgreich verklagt von der Verbraucherzentrale.

    Das ZDF war in meinem Berliner Sommerwohnzimmer zu Gast. Am 7. Juli wird die aspekte-Sendung ausgestrahlt werden, die im Sommerbad im Insulaner entstand. Während des normalen Badebetriebs. Ich bin gespannt.

    Ein Mafia-Geheimdienststaat machte, was in Mafia- und Geheimdienstkreisen manchmal passiert. Da beide Gruppen nicht für akkurate Öffentlichkeitsarbeit bekannt sind, mutmaßen westliche Medien und ihre Experten wild herum. Fast hätte Weltgeschichte in Russland geschrieben werden können. Im Nachhinein werde ich das Wort „Operettenputsch“ aus meinem Kopf nicht los.

  • 23-06-25 Spiegel-Reporter Lukas Eberle war live dabei

    Wenn Du Deinen Ü70-Besuch mittags um 13:30h in Berlin in den Zug setzt. Und denselben Besuch dann Abends kurz vor 22 Uhr in Erfurt wieder in Empfang nimmst. Aus dem Evakuierungszug. Und in einem ganz sicher nicht geplanten Hotel unterbringst. Dann liefen Sachen nicht nach wie vorhergesehen.

    Und Spiegel-Reporter Lukas Eberle war live dabei. Wobei die Play-by-Play-Schilderung, die wir bekamen eher dramatischer klingt als der Artikel: Deutsche Bahn evakuiert Zug mit 800 Fahrgästen auf offener Strecke.