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  • 23-11-16 Kool-Aid McKinstry verliert den Ball

    23-11-16 Kool-Aid McKinstry verliert den Ball

    Es begab sich zu einer Zeit vor ein paar Jahren, da informierte ich mich über Mobilfunkverträge. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass mein Anbieter den Neukunden viel bessere Verträge anbot als mir. Entrüstet setzte ich mich an die Schreibmaschine. Ich hämmerte in die Tasten und schrieb eine Vertragskündigung.

    Wenige Tage – Stunden! – später, entdeckte der Mobilfunkanbieter eine neu entflammte Liebe für mich und warb mit gänzlich neuen und erfreulichen Konditionen.

    Seitdem haben wir eine Tradition begründet: Einige Monate vor Ablauf des Vertrags schreibe ich einen Kündigungsbrief. Und ich kenne genau den Moment, in dem dieser geöffnet wird. Denn ab diesem Moment bekomme ich Anrufe im Zwei-Stunden-Takt. Irgendwann bin ich ausgeglichen genug, um einen der Anrufe anzunehmen. Ich bitte um schriftliche Unterlagen. Das Mensch am Telefon sieht seine/ihre Provision schwinden und verweist auf die Website.

    Dann darf ich ein bißchen rechnen und landete bisher immer wieder beim alten Anbieter. Jährliche Rituale! So wichtig!

    Die DHL-Packstation-Saga setzt sich fort. Das Gerät liegt in der Packstation. Die Nachricht erreichte mich per Mail als ich in gerader Sichtlinie etwa 100 Meter von derjenigen Station entfernt stand. Aber ich komme nicht heran. Der versprochene Abholcode bleibt verschollen. Weder kommt er per Post noch auf die DHL-App und schon gar nicht per Mail. Das einzige, was ich bekomme, sind automatisierte Erinnerungen doch endlich das Päckchen abzuholen.

    Eine andere Organisationseinheit von DHL lieferte mehrere Kilo Mathematik, welche Madame in Wohnung 3R auslösen konnte.

    Eine freudliche Estin schickte ein Kombi-Fähr-Angebot.

    Madame schlug sich mit dem Notverkehr nach Königs Wusterhausen durch. Denn heut‘ steht jede S-Bahn still, weil die GDL es will.

    Bama!

    Mit ETTI-Mentoriat Dienstag, Mathe-Mentoriat Donnerstag Mittwoch und Mathe-Studientag am Wochenende bin ich, finde ich, diese Woche Fernuni-technisch mehr als ausreichend bespaßt und kann mir einfach mal so einen netten Abend machen. Ich komme zum Football-schauen.

    Diese Woche mit Doppelfreude. Einerseits staune ich immer noch, dass deutsches Sportfernsehen inzwischen den Sport versteht und kompetent berichtet. Zum anderen konnte ich die Live-Wiederholung des ein-und-alles-Teams, der Alabama Crimson Tide, schauen.

    Das Spiel selber (Alabama 49, Kentucky Wildcats 21) war durchschnittlich. Alabama war körperlich, technisch und strategisch so deutlich überlegen, dass sie immer wieder nachlässig wurden. Mein spontaner Lieblingsspieler Kool-Aid McKinstry. ließ einen Ball direkt durch die ausgestreckten Arme gleiten. Ein Fehler, den ich eher in Kindergarten-Ligen erwarten würde als bei NFL-Anwärtern.

    Aber es war schön die Atmosphäre zu sehen, einen der besten Trainer aller Zeiten am Seitenrand zu beobachten und mal wieder in die Südstaaten einzutauchen.

    Auch schön und überraschend: Das Halbzeit-Interview mit Justin Okoronkwo (hier ein kurzer Ausschnitt). Der 19-jährige Münchner wird nächstes Jahr bei Alabama spielen. Er erzählte viel wie man plötzlich als Deutscher nach Alabama kommt und wie zukünftige Footballspieler dort aufgenommen werden. Vor allem aber Ist mit seinen 1,90m bei 96 Kilo Muskelmasse und entsprechender Athletik ein Bild von einem Mann. Und dabei so unfassbar nett und zurückhaltend und sympathisch. Könnte er bitte ein Role Model für verwirrte männliche Jugendliche werden?

    Die Band von Taylor Swift?

    Fragen, die in der Wikipedia-Auskunft gestellt werden und die ich mir dann auch stelle: Hat Taylor Swift eigentlich eine Live-Band? Alle Fotos von Liveauftritten, die ich kenne, zeigen sie (und eventuell Tänzer*innen) auf der Bühne ohne Musiker. Aber bei der Art von Musik und dem Anspruch der Produktion, muss eigentlich eine Liveband dahinter stehen. Das aufwendigste Playback aller Zeiten? Die Band spielt ihr Konzert versteckt in den Katakomben?

    Aber das Internet, beziehungsweise Reddit, weiß natürlich Rat:

    The band is split between the two sides of the stage. Matt Billingsley on drums, Amos, and Max Bernstein who is playing guitar and other instruments are on the left side of the stage with Jeslyn and Melanie as backup singers. On the other side is Paul, Mike Meadows, and the new primary keys player Karina DePiano that took over for David Cook along with Kamilah and Elliotte as backup singers.

    Und dazu der Videobeweis. Etwas verloren wirken die Musiker*innen schon.

    (Bonusfrage: ist der auf der Videowand eine Liveaufnahme von Swift, die in das Video übertragen wird oder ist das eine einstudierte synchrone Choreographie?)

    Ein „Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ veröffentlichte „den ersten Zusammenhaltsbericht“, der besagt, dass es Filterblasen nicht nur digital sondern auch in der analogen Welt gibt. (so die taz). Mein erster Impuls ist es, einen bedeutenden Franzosen zu zitieren: „Nein! Doch! Ooh

    Irgendetwas, vielleicht ist es der cringe Name von Institut und Bericht, weckt meine Neugier und ich möchte Hintergründe wissen. Okay. 10 Universitäten mit anscheinend bedeutender Förderung des BMBF. Das ist einerseits eindeutig staatstragend, anderseits sollte es inhaltliche Substanz jenseits des Offensichtlichen haben. Erfreulicherweise ist der ganze Bericht frei verfügbar und ich hoffe mal., ich komme dazu 127 Seiten solider Sozialwissenschaft zu lesen.

    Wir haben Peak Beige überschritten.

    Christa Chorherr mutmaßt, Warum im Ersten die Zahl der Bewohner abnimmt.

    Das war genug Spaß für heute!

  • 23-11-14 Krause Glucke

    23-11-14 Krause Glucke

    Die Schwimmhalle Hüttenweg eröffnet nach mehrmonatiger Sanierung wieder.

    Das DHL-verschollene-Handy tauchte in der Packstation auf. Ich habe den Verdacht, es hängt damit zusammen, dass ich höflich aber bestimmt eskalierte.

    Übermorgen soll die mehrfach verschobene Parkzone vor unserer Haustür in Betrieb gehen. Vorausgesetzt allerdings, die neue Verkehrssenatorin klebt sich nicht unter dem lauten Entsetzensschrei „Die Parkplätze!“ irgendwo fest.

    Passend dazu: In der FAS sah ich eine Tabelle, dass kaum eine andere Großstadt einen derart großen Anteil an Fläche für Automobile bereitstellt wie Berlin. Dabei hat bietet allerdings auch kaum eine andere Großstadt weniger Parkplätze. Mysterien Berlins.

    An der heimatlichen Großkreuzung fiel die Ampel aus. Normalerweise ist das als Fahrradfahrer ein Moment des Grusels, an dem jede Sekunde irgendwoher ein Autofahrer hervorschießen kann, der seine Chance auf Kreuzungsüberquerung sieht. Hier allerdings hatten sich die Autos so sehr ineinander verhakt, dass stehender Verkehr entstanden war. Super.

    Die Fahrrad-Helm-Saison beginnt. Nach dem letzten Arbeitsstellenwechsel vor anderhalt Jahren verkürzte sich der Arbeitsradel auf ein Drittel. Seitdem das Auf- und Absetzen des Helms ähnlich lange dauert wie der komplette Arbeitsweg, werde ich inkonsequent beim Tragen. Habe jetzt allerdings einmal wieder Berliner Autoverkehr bei Nacht im Regen erlebt – und beschlossen dass unter diesen Bedingungen gut ein Viertel der Autofahrenden einfach GAR NICHTS mehr erkennt. Und trage wieder Helm.

    Berlin-Berlin. Wir verbrachten das erste Nur-in-Berlin-Wochenende seit Monaten. Was einem so alles in der Wohnung auffällt, wenn man mal zwei komplette Tage anwesend ist!

    Madame kochte Krause Glucke. Ich möchte auf eine Wiederholung des Experimentes drängen. Allein dieser tolle Vanille-Nuss-Geruch der schon vor dem Kochen die ganze Wohnung durchströmte. Was ein Pilz! Jetzt fertigt sie Quitten-Aronia-Marmelade an.

    Heimwerken: Wenn du eine halbe Stunde lang Zeug wegräumst, Werkzeug hervorkramst und dich erinnerst welches der richtige Dübel war. Dann legst Du alle Einzelteile zurecht, um 20 Sekunden zu bohren. Und dann wieder eine halbe Stunde rückwärts.

    Dies war der Plan.

    Leider machten wir eine archäologische Entdeckung mit dem Schlagbohrer. Eine Leitung: Anscheinend zu einer versetzt liegenden Steckdose auf der anderen Seite der Wand gehörend (?!?). „Der Strom ist aus“, informierte mich Madame als wir uns tastend in der stockdunklen Wohnung trafen.

    Schon fast als archäologische Entdeckung möchte ich die Wurzelgemüsereste aus der hinteren Kühlschrankecke bezeichnen. Zum Glück gab es einen Slow Cooker, der diese in eine wohlgefällige Gemüsesuppe verwandelte.

    Was ist eine Fläche?

    Nach dem Fernuni-Kurzausflug in die Technische und Theoretische Informatik wechselte ich schon wieder das Modul. Kurz erfreute ich mich, dass mit Spieltheorie (Modul Betriessysteme und Rechnernetze) und Formaler Logik (Modul Mathematische Grundlagen) zwei Themen kommen, die ich tatsächlich mal auf universitärem Niveau lernte. Aber das war nur kurz: Am Wochenende steht der zweitägige „Studientag Mathematische Grundlagen“ an. So las ich die entsprechenden Skripte.

    Wobei „lesen“ bei mathematischen Texten ein schwieriges Konzept ist. Verständnishaftes „lesen“ bewegt sich ja gerne im Tempo von einem Zeichen pro Minute voran – welches Zeichen ist das? Warum steht es da? Was bewirkt es? – und in dem Tempo hätte ich keine 250 Seiten geschafft. Ich betrachtete jedes Wort bei mäßigem Verständnis von allem. So etwa wie „eine Bergwanderung mit der Drohne abfliegen“. Die Wanderung steht noch bevor. Und die Wanderung wird eine Herausforderung. Hoffentlich habe ich jetzt einen vagen Eindruck der zurückzulegenden Strecke.

    Da es um Grundlagen geht, spielt die altbekannte Schulmathematik schon eine Rolle. Nur halt von hinten durch den Hals ins Auge. Im Skript wechseln sich neckische Texteinschübe ab mit Holla-die-Waldfee-Formeln. Nach vielen Seiten der Herleitung der Existenz Irrationaler Zahlen wird festgestellt, dass es nun Zeit ist, auch eine Irrationale Zahl zu betrachten. Es geht erstmal um Wurzeln:

    Ein alter Hut, meinen Sie? Nein, nicht wirklich, denn haben Sie jemals einen Beweis dafür gesehen, dass so etwas wirklich existiert? Und bedenken Sie, wir haben ja nur die neun Axiome zur Verfügung, und aus denen leiten wir all dies her.

    Und dann folgen drei Seiten Formeln. Im Wesentlichen wird nachgewiesen, dass ein höchster Wert (ein Supremum) r einer Menge existiert. Danach folgt der Beweis, dass dieses Supremum hoch p (also r^p) gleich a ist, also ist r die p’te Wurzel aus a. Dies erfolgt indem nachgewiesen wird, dass r^p > a und r^p < a zu Widersprüchen führt. Also muss r^p = a sein. Das bedeutet r ist die p’te Wurzel aus a. Es endet mit:

    Mit dem Satz des Archimedes können wir ein \[m \in \mathbb{N} \]so wählen, dass \[m > \max \lbrace \frac {1} {r} , \frac {pr^p} {r(r^p−a)} \rbrace \] ist. Für ein solches m gilt \[ (r− \frac {1}{m})^p > a \]. Da aber \[ r− \frac {1} {m} \] wegen \[ r − \frac {1} {m} < r \] kein Supremum von \[ \mathbb{ M} \] ist, gibt es ein \[ y_0 \in \mathbb{ M} \] mit \[ y_0 > r − \frac {1} {m} \]. Mit dem Lemma 12.2.66 gilt \[y^p_0 > (r |− \frac {1} {m})^p > a \], ein Widerspruch dazu, dass \[ y_0 \] in \[ \mathbb{ M} \] liegt.
    Da \[ r^p >a \] und \[r^p <a \] zum Widerspruch führen, muss \[r^p = a \] gelten, und es folgt, dass r eine p-te Wurzel aus a ist. \[ \square \]

    Die gute Nachricht: Dieser Kurs ist für den Bachelor Wirtschaftsinformatik komplett ohne Belang. Er besitzt formale Bedeutung nur für DEN MASTERPLAN. Und als solches ist er noch mehr Hobby als die anderen Module gerade. Die schlechte Nachricht: Ich verstehe, wie Durchfallquoten von 70/80% in der entsprechenden Klausur zustande kommen.

    Meta-Bildung 1A / 1B

    Als Kurzzeit-Axel-Springer-IT-Dienstleister und unregelmäßger Bild.de-Leser beobachtet ich die Entwicklung der Zeitung mit Spannung. Nach den Rechtsaußen-und-unfassbar-peinlich-Jahren mit Julian Reichelt, kam die halbwegs nette aber belanglose Zeit unter Johannes Boie. Naja, und jetzt kommen die Frauen und machen den Job: Seitdem Marion Horn die Chefredaktion übernommen hat, hat das Blatt sich wieder gefunden. Reaktionär, dass es kracht. Dabei nicht peinlich. Die Leserschaft dort abholend wo sie ist. Agenda-setzend wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bei Axel Springer sollten die Sektkorken knallen und der Rest der Menschheit sollte trauern.

    „Die Grünen nehmen uns die Heizung weg!“ und „Wenn noch ein Migrant mehr kommt, platzt Deutschland!“ – zuerst auf Bild und schon zwei Wochen später im Deutschlandfunk.

    Sympathischer:

    Als ich noch aktiver in Wikipedia war, habe ich mit vielen Journalist*innen über Wikipedia gesprochen. Ihr Verständnis der Prozesse dort war … unterschiedlich. Einer der wenigen bei dem ich den Eindruck hatte, er versteht wirklich wie das alles funktioniert war des Tagesspiegels Sebastian Leber. Um so mehr freue ich mich, dass er thematisch mal wieder bei Wikipedia landete: Nahost-Diskussionen auf Wikipedia: Krieg um die Begriffe

    Poupou bloggt Bildung – Bildung über Bildung geradezu: Modul 1A Lernheit 1Modul 1A Lerneinheit 2Modul 1B – Lerneinheit 1

    Kellerkind taucht irgendwie nicht in meinem Feedreader auf, blickte aber trotzdem auf den Oktober zurück.

    Nic traf Gritty McGritface.

    Signorino sagt NEIN.

  • 23-10-22 Abmähen (Marienkäfer im Ohr)

    23-10-22 Abmähen (Marienkäfer im Ohr)

    Das IT-Team der Berliner Bäder Betriebe AöR sucht ein*e neue*n Mitarbeiter*in. Ich kann diesen Job nur empfehlen. Außerdem dürft/müsst ihr dann mit mir zusammenarbeiten.

    Madame recherchierte Finnlandfähren im Internet. Ich weiß nicht, ob es etwas taugt. Aber das Helsinki-Stockholm-Rostock-Kombiticket der estnischen Fährgesellschaft klingt spannend.

    Ich benötige einen anderen RSS-Reader. Bei Feedly kratze ich immer wieder an den Grenzen der kostenlosen Version. Das Produkt ist mir mittlerweile aber so unsympathisch, dass ich mich weigere, dafür Geld zu bezahlen.

    Laut einem Online-Klamottenhändler sind „die kernigsten Modetrends auf dem Weg zu dir.“ Na dann.

    Auf Herbst gebürstet

    Während die Kranichschwärme über uns zogen, Hummeln und Wespen die Sonnentage nutzten, bürsteten wir den Garten jetzt doch auf Herbst.

    Madame entkrautete 1R.

    Die Wiese wurde komplettemang abgemäht und ein vollkommen neuer Garten offenbarte sich. So wunderlich, alle Beete gleichzeitig sehen zu können.

    Beim Wiesenmähen offenbarte sich ein Stapel noch-zu-verbrennender-Rosenschnitt, dem ebenjenes wiederfuhr.

    Madame erntete Quitten bei Nachbars. Dann ging sie zur Brombeere, um Hagebutten zu sammeln.

    Der Grill-Pizzastein erlebte seine Einweihung mit Flammkuchen (Samstag) und Pizza (Sonntag).

    Da ich der Wettervorhersage nicht traue, stellten wir das Wasser ab.

    Auf der Terrasse sitzend, hatte ich ein Wasser-im-Ohr-Gefühl. Das war überraschend, denn es war sonnig, trocken und einen Wasserangriff auf mein Ohr hätte ich vermutlich mitbekommen. Im Ohr entdeckte ich erstmal nichts. Nachdem das Gefühl nicht wegging und etwas später, tauchte dann ein Marienkäfer auf. Glück gehabt.

    Überhaupt saßen Dutzende Marienkäfer auf allen sonnenbeschienenen Flächen.

    Diese wurden nur von den Gänsen und Kranichen übertroffen. Mitte Oktober ist die beste Kranichzeit in den märkischen Hamptons. Stundenlang jeweils morgend und abends von Nord nach Süd, von Ost nach West und im Kreis eine Thermik ausnutzend. Neuer Anblick: ein Gänsekeil in Vollbremsung:

    Der Gänsekeil kommt von Westen. Rechts fliegen, anscheinend auf einer Höhe, zwei Kraniche heran. Die drei Spitzen-Gänse bemerken das, bremsen ab. Die weiter hinter versetzten fliegenden Gänse fliegen ungebremst weiter. Bis sie auch abbremsen. Und so weiter. Es sah aus wie ein Keil, der auf ein Hindernis trifft und geknautscht wird.

    Größer Kranichschwarm vor Himmel.

    Die Standardformel

    Fast beendet: Der Fernuni-Teil „Produktion und Logistik“ im Model „Internes Rechnungswesen und funktionale Steuerung.“ Morgen werde ich noch die Einsendeaufgaben absolvieren, dann kommt in dem Modul nur noch „Marketing“ dran. Danach wird das Modul bis Mitte Februar unbeachtet in der Ecke liegen.

    Fast bedauere ich mein 4-Modul-Semester. Ich halte es immer noch für schaffbar. Aber es bedeutet, dass ich die wahrscheinlich einfacheren Module – wie dieses – erstmal nur oberflächlich und kursorisch abhandeln kann. Und, Überraschung dieses Studiums, eigentlich finde ich die BWL-Sachen echt spannend, würde gerne tiefer einsteigen, mir Literatur besorgen und all‘ sowas. Aber dieses Semester wird das nichts mehr.

    Und in diesem Studiengang auch nicht. Im Bachelor Wirtschaftsinformatik ist ebenjenes mein letztes BWL-Modul.

    Bleibt mir nur DER MASTERPLAN – in dem könnte ich bis zu acht BWL-Master-Module wählen. Aber erstmal muss ich morgen beantworten was die optimale Logistik zur Herstellung der Wimblendon-Tennisbälle wäre, aus finanzieller oder aus ökologischer oder aus sozialer Hinsicht.

    658 Englischvokabeln

    Signorino feiterte Tante Guri.

    Herr Rau zählte Englischvokablen.

    Herr Buddenbohm lauschte der Disco-Version von Hava Nagila.

    Karen inspirierte nicht nur zu Finnlandfährerecherchen (siehe oben) sondern hat auch wieder finnische Pfadfinderadventskalender im Angebot. (Und ich hoffe, die finnische Post nutzt wenigstens einen berittenen Kurier, der die Kalender dann persönlich zustellt..)

    Das 25-Jahre-USA-kulinarisch-Kochbuch gedruckt.

    Eine AI-Firma testete KI, um Einzelnachweise in Wikipedia zu verbessern. Sie veröffentlichte das Ergebnisse in Nature Machine Intelligence. Ich versuche immer noch, die Umfrage zu verstehen, nach der 21% befragter Wikipedistas die KI-Vorschläge besser fand als die menschlichen, 10% fanden die menschlichen Vorschläge besser, 39% hatten keine Meinung. Ergibt nach meiner Kopfrechnung 70% einschließlich der Meinungslosen. Und die 30% die übrig blieben, sind schreiend aus dem Raum gerannt, oder wie?

    Die Schweiz hat gewählt. Lieber Schweizer*innen das könnt ihr doch besser. Bitte nochmal rausgehen, wieder reinkommen und dann vielleicht nächste Woche ein Versuch mit vernünftigerem Ergebnis?

  • 23-09-16 Hund, Rollator, Kinderwagen

    23-09-16 Hund, Rollator, Kinderwagen

    Madame hat Handgelenksmuskelkater.

    Die wilde Brombeere verschwand. Kein neuer Widergänger der Unausgrabbaren zeigte sich im Gehege. Naja, nächstes Mal wieder und dann werden wir sie wieder ausgraben. Dafür übersahen wir eine Goldrute auf der Wiese, die bereits blüht. Es wird höchste Zeit.

    Die Regionalbahn pries ihre „INDERSPIELECKE“ an.

    Wir vergaßen die Lurex-Schwämme.

    Über den Latifundien im Tiefflug ein Rotmilan. Wir hofften, er jagt die Wühlmäuse und nicht den Starenschwarm. Über dem Doppelnachbargrundatück eine Drohne.

    ETTI

    Ein freier Wochentag erwartete mich am Freitag. Welch ungeahnter Luxus seit Fernstudiumsaufnahme. Er war allerdings auch nötig, um die Klausuranspannung wieder loszuwerden.

    Noch bin ich so im Tunnelmodus, dass ich gleich versuchte, die Altklausuren für meine nächsten Kurse zu finden. Es wird: BWL – ist halt BWL, Sollte machbar sein. Modellierung von Informationssystemen – die Klausur verwirrt mich, aber im letzten Semester hat bei 140 Schreibenden eine*r nicht bestanden – sollte auch lösbar sein. Mathe – machbar aber wahrlich kein Selbstläufer. Technische und theoretische Grundlagen der Informatik – Ich finde nichts Konkretes nur Erfahrungsberichte zwischen „ganz normal“ bis zu „rechnet damit, dass Euch allein dieses Modul 2 Semester kostet.“

    Wer mitzählte, wird merken, dass das 4 Module sind – was bei der Fernuni ein Zeichen absoluten Größenwahns ist. Und 400 Euro kostet (4 x 80 plus diverse allgemeine Semestergebühren.) Wir werden sehen.

    Sitzwiese

    Kopf freikriegen:

    Plan A – Strandbad Wannsee – scheiterte an der Verbrennung. Die ist auf dem Weg der Besserung, aber größere Wunde plus Seewasser plus Sand erschien mir keine erfolgversprechende Mischung.

    Plan B: Freibad ohne Becken. Ich schnappte mir recht wahllos etwas vom Stapel ungelesener Lektüre (Granta 161 – Sister, Brother) radelte zum Lassenpark, der ungefähr Freibadwiesenformat aufweist und las.

    Mitrags kurzer Aufbruch, Essen (Sucuk-Pide) und eine kurze Fahrradrunde durch Schöneberg drehen, dann zurück auf meine Parkbank.

    Gesehen: Vormittags nur Menschen im Park, die etwas ausführten: Hund, Kinderwagen oder Rollator. Bis auf den stark tätowierten jungen Mann in Boxershorts mit Goldkette, der durch den Park in einem Tempo joggte, in dem Normalsterbliche sprinten – Respekt.

    Auf der Bank neben mir: Die geheime Parkbürgermeisterin. Auf jeden Fall konnte sie sämtliche Parkbesuchende Ü60 namentlich anrufen und in Gespräche verwickeln – vorzugsweise über Nicht-Anwesende.

    Sister, Brother

    Gelesen: Granta.

    Als in der vorletzten Geschichte des Literaturmagazins zwei Schwestern ausgehen, und auf halber Strecke eine als krebserkrankt offenbart wird, dachte ich nur noch: Come on. Müsst ihr jetzt in jedem einzelnen Text das emotionale Level voll aufdrehen? Geht es nicht mal etwas drunter?

    Was schade ist: Die Vielzahl verschiedener Geschwisterbeziehungen in den vielfältigsten Familienkonstellationen bietet eigentlich gute Lektüre.

    Mir besonders erwähnenswert: Viktoria Lloyd-Barlow, die in einem autobiographischen Text präzise-humorvoll-empathisch eine Kindheit beschreibt, die mit „Horror“ untertrieben dargestellt wäre.

    Und Karolina Ramqvist über ihr Leben als Einzelkind mit vier Halbgeschwistern und ihre schwierigen männlichen Vorfahren. Dort der Satz über ihren Großvater Theodor Svedberg, der mich als Wikipedia-Autor besonders berührt:

    His biographical section on Wikipedia ends with my own name. It has been there for years now and yet it still shocks me when I see it on the screen, that I have written myself into his story, worked up my way alongside the other names.

    Nicht James Krüss

    Nachdem ich Granta ausgelesen hatte, war ich neugierig wie andere es fanden. Ich fütterte Duckduckgo mit „Granta sister brother“. Neben dem Wikipedia-Artikel zu den Great Giana Sisters fand ich natürlich die Kaltmamsell sowie das Harrcross-Blog, das neben Granta-Besprechungen vor allem Berichte von Leeds-United-Fußballspielen enthält.

    Hotel Mama war wieder in der Volksbühne. Es war weniger laut.

    Ich bin neidisch. Sowas von.

  • 23-08-27 Der letzte James Grieve (Sechsbindige Furchenbiene)

    23-08-27 Der letzte James Grieve (Sechsbindige Furchenbiene)

    Madame las einarmig Kant.

    Zwei Gärten weiter wurde ein Kindergeburtstag gefeitert. Zum Abschluss gönnten sich die Eltern zwei Lieder der Rammstein GbR in Siedlungslautsstärke.

    Madame zeichnet Pergolen. Beziehungsweise – da auch Zeichnen einarmig schwierig ist – überlegt sie an Zeichnungen, die sie zweiarmig anfertigen kann, sobald die Orthese verschwunden ist.

    Ungeahnte Zustände herrschten im Bungalow. Wir suchten Jacken und Socken! Der Sonnenschirm blieb im Schuppen. Wir schlossen Fenster, bevor es zwingend notwendig wurde. Irgendwann sagten wir „Es wird kühl, wir könnten jetzt reingehen.“ Ich konnte am hellichten Tag von der Terrasse zum Apfelbaum laufen, ohne das Gefühl zu erleiden, an Hitzschlag zu sterben. Es gab wieder Essen zu normalen Zeiten, weil ich mich vor 20 Uhr zu seiner Zubereitung aufraffen konnte. So herrlich.

    Die Kaffeegartenrunde musste nicht mehr im Halbschlaf durchgeführt werden, weil es sonst zu heiß würde. Prompt entdeckte ich ein neues Insekt: Wespenartig, aber länger und schlanker und mit auffallend weißen Binden. Nach längerem Suchen in Büchern und dem Netz: Anscheinend ein männliches Exemplar einer Sechsbindigen Furchenbiene. (Halictus sexcinctus)

    Von mir übersehen, aber von Madame entdeckt: Eine Tarn-Libelle.

    Braun-weiße Libelle an braun-weißem Pflanzenstängel

    Überhaupt: Angesichts dessen wie trocken die Latifundien eigentlich sind, fliegen erstaunlich viele Libellen vorbei.

    Auch überflogen: Kraniche. Ist schon die Zeit des Rückflugs?

    Madame möchte mehr Gaura. (Auch sehr schön, aber mit einer Schönheit, die sich nur schwer auf Fotos bannen lässt).

    Dem Blog entnahm ich, dass wir vor genau einem Jahr auf Helgoland waren. Spontan schaue ich, ob es eigentlich Bildungsurlaub gibt, der auf Helgoland stattfindet: Gibt es. Aber die Themen finde ich öde.

    Dem Blog entnahm ich, dass wir letztes Jahr am 11. September die Alkmene-Äpfel ernteten. Das wäre ein Plan für dieses Jahr. Vorausgesetzt, wir finden die fünf Äpfel ganz oben am Baum wieder. So ist mit den Äpfeln: Letztes Jahr gab er uns noch eimerweise Ernte, dieses Jahr keine. Dafür trägt James Grieve.

    James Grieve, der Apfelbaum, der dieses Jahr immer gibt. Wieder gab es einen Fallapfelcrumble. Es wird der letzte gewesen sein. Wir beschlossen: die Sommeräpfel sind reif. jetzt wird geerntet.

    (Einschub: Vielleicht sollte ich auch den von mir selbst geschriebenen Wikipedia-Artikel zum Apfel öfter lesen. So einiges erschien mir gerade komplett neu.)

    New Orleans / Grünheide

    Dafür gelesen: Tony Fenelly: Robins Hochzeit. Der letzte Band der Matty-Sinclair-Trilogie. Einerseits weniger gelungen als die beiden Bände zuvor, andererseits besser.

    • Weniger schön: Die Handlung ist in ihren Themen ambitionierter. Aber damit der Plot das hinbekommt, rumpelt seine Konstruktion erheblich und die Glaubwürdigkeit der Handlung wirkt mehr als einmal fadenscheinig.
    • Die Romane spielen in den 1980ern in der schwulen Halbwelt von New Orleans. Dort kommen viele Begriffe vor, die das Standardamerikanische nicht kennt und schon gar nicht das Standarddeutsche. Mir war zuerst eine deutsche Übersetzung in die Hände gefallen, und die zog mich in ihren Bann. Ich weiß gar nicht, ob die Übersetzerin Mechthild Küpper die damalige Szenesprache nutzte, oder ihren eigenen Jargon erfand. Es gab so einen ganz gewissen Sound. Der dritte Teil hat einen anderen Übersetzer, der deutlich näher am Standarddeutschen schreibt: Womit das Buch noch mehr holpert als nur durch den Plot bedingt.
    • Spannend: Ein Krimi, in den 1980ern geschrieben und veröffentlicht, der sich mit der Frage auseinandersetzt: Wie ist es denn nun, wenn Schwule unter den damaligen Bedingungen einen „Bund für’s Leben“ schließen wollen? Was ist möglich und wie sieht es mit dem Selbstbild aus?
    • Chilling: Eine Szene im Kitt’s, eine Art schwuler Gentlemen’s Club in New Orleans mit Séparées im Obergeschoss für ihr-wisst-schon-was. In dem Club taucht als Nebenfigur eine verhärmte Gestalt auf, die Wunderheilungen gegen AIDS nachjagt. Wenn man weiß, wie sehr AIDS in den 1980ern die gesamte Subkultur zerstörte und dass genau solche Clubs Opfer von AIDS wurden – nur eine kurze Szene, ohne weitere Relevanz für die Handlung. Aber für mich nachdrücklich.

    Beim Radio-DAB-Durchzappen über eine wunderlich-schöne Austropop-Sendung gestolpert. Mit Georg Kreisler, der EAV, Reinhard Fendrich und Hubert von Goisern. In einer Individualität der Anordnung wie ich sie nur aus den Anfangsjahren des deutschen Privatradios erinnere, oder aus den stets schwindenen Nischenfenstern im ÖR-Rundfunk. Oder halt aus selbstgemachten Sendern wie Radio FSK (Hamburg) oder dem Offenen Kanal Westküste (Dithmarschen). Dafür allerdings wirkte die ganze Austropop-Sendung viel zu professionell.

    Gefunden: Es sendet Radio Ginseng. Aus Grünheide bei der Tesla-Fabrik Berlin. Ein Radio das von sich sagt: „Radio Ginseng – das sind reife und sehr reife Menschen, die Sendungen produzieren“. Es hat im positiven Sinne alle Offenheit und Individualität von unkommerziellen Radio, aber in einer Professionalität, die ich dort noch nie so hörte.

    Von Vergessenem

    Madame las nicht Kant, sondern Michael J. Sandel über Kant. Komplett vergessen hatte ich, dass ich in meinem Studium politischer Philopshie natürlich auch einst Sandel und seine Rawls-Kritik las. Komplett aus den Augen verloren. Jetzt ist er in Harvard und war „einflussreichster Ausländer in China.“

    Über vergessene Künstler schrieb der Guardian: „‘That’s it? It’s over? I was 30. What a brutal business’: pop stars on life after the spotlight moves on“ (Gefunden via Anke Gröner)

    Anke Gröner schrieb auch einen Wikipedia-Artikel.

    In Südfrankreich war es noch heißer als in Berlin oder in Italien.

    Kellerkind war in Wittenberg.

    Karens Europa-Nachtzugreise machte Zwischenstation in Athen.

    Herr Rau bloggt Tagebuch.

    Zu recherchieren: Hat Kant je etwas zum Königsberger Brückenproblem geschrieben?

  • 23-08-13 Schwefelvögelchen

    23-08-13 Schwefelvögelchen

    Am 10. September ist Dackelrennen in Bärenklau. Alle 50 Startplätze sind bereits vergeben. Ein Besuch ist empfehlenswert.

    Am 9/10. September ist Landeserntedankfest Brandenburg und Stadtjubiläum in Kremmen.

    Am 9. September ist Gartenvereins-MV.

    Offensichtlich ist der 9/10. September das eine Spätsommer/Frühherbstwochenende an dem weder Ferien sind noch ein anderer wichtiger Termin dazwischen kommt.

    Noch aber ist das Wochenende 12/13. August.

    Madame erarbeitete sich im Garten eine Wespenkampfblase.

    Wir mussten diese mit der bewährten Methode des Wäschesprengers von der Fallobstverarbeitung abhalten. Denn James Grieve – immer wieder James Grieve dieses Jahr – produzierte in gut 10 Tagen schon wieder anderthalb Eimer Fallobst, die ein Apple Crumble wurden und noch Apple Sauce werden werden. Die erstaunliche Entwicklung von James zeigt auch die Tatsache, dass ich auch auf Zehenspitzen nicht mehr an die obersten Äpfel komme.

    Ähnlich entwickeln sich die Wespen. In einer Premiere anderer Ort verlegten wir das Frühstück in den Bungalow bei geschlossenen Türen und Fenstern. Der Wäschesprenger hilft zwar. Aber wenn man vor laute Sprengen nicht vom Frühstücken kommt und zudem irgendwann doch recht nass ist, reicht es.

    Auch des Abends gingen wir nach Innen. Nachdem den ganzen Nachmittag über die Wettervorhersage sagte „Sturzregen am Abend“ und das Regenradar sagte „wahrscheinlich eher kein Regen“ und das aktuelle Wetter sagte „schwüüüül“, verzichtete aufs Grillen, kochte in der Küche. Und just in dem Moment, in dem wir auf der Terrasse Teller und Wein gerichtet hatten, ging der Regen los. (Blieb aber lahm, Gewinn für das Regenradar gegen die Wettervorhersage)

    Die Brombeere ist zurück. Nachdem wir diese samt aller Wurzeln (dachten wir) und noch einem halben Kubikmeter Erde in den Müll befördert hatten, sprießt an ebenjener Stelle einer neuer Austrieb. Zum Glück noch innerhalb des Geheges. Aber auch der neue Trieb landete samt reichlich Umgebungserde in der schwarzen Tonne.

    Ein ganz entzückender Schmetterling auf Schafgarbe mit liebreizendem orange-braun-Farbverlauf am Flügel entpuppte sich nach Konsultation verschiedener Bestimmungsbücher als Brauner Feuerfalter, auch Schwefelvögelchen genannt.

    Das penetrante Gras, das sich gerne vehement in Beeten und auf der Treppe ausbreitet, haben wir gleich der PlantNet-App vorgeführt. Diese meinte „87% Blut-Fingerhirse.“ Ich schaute nach. Madame fragte: „Steht da auch, dass sie ein anstrengendes Unkraut ist?“ Wikipedia schreibt im zweiten Satz des Artikels: „Sie ist fast weltweit als Archaeophyt oder Neophyt verbreitet.“ – Also ja.

    Später am Abend: Madame „Ich höre eine Schnake?“ Ich: „Soll ich das Zeug holen?“ Madame: „Bring auch das Ding mit.“ Wir verstehen uns.

    Für zum Merken: die Abelie wird nach der Blüte geschnitten. Wir wechselten jetzt den Buchsbaumzünslerfallenlockstoff.

    Delta Berlin

    Nachbar RR fährt jetzt auch Swapfiets.

    Madame meldete sich auch zur Emotionalen Stadt an. Und faszierenderweise bekommen wir verschiedene Fragesets. So soll ich zum Beispiel ein Foto meiner Umgebung machen, sie eines des Bodens und dazu eine Tonaufnahme. Die Skalen einiger Fragen sind bei mir von 1 bis 5 nummeriert, bei ihr finden Beschreibungen mit Worten statt. Hochspannend.

    Zufällig schaltete ich das Radio auf Cosmo und wurde mit „Der Soundtrack of .. RZA“ belohnt.

    HipHop wird 50 Jahre alt. Und bei der Gelegenheit möchte ich in den Raum werfen, dass ich vor 18 Jahren den Wikipedia-Artikel „Ursprünge des Hip-Hop“ schrieb. (Version von damals, an allem danach bin ich unschuldig)

    Longform.org war mir stets eine Quelle für schönen englischsprachigen Journalismus. Sehr bedauerte ich es, als sie den Service eingestellt haben. Mein Lese-Bandbreite schrumpfte. Warum ich allerdings Jahre benötigte, um reddit.com/r/Longreads zu finden verstehe ich nicht. Eines der Fundstücke dort:

    Die russische Exilseite The Projekt (Proekt) mit einem Porträt von Jewgeni Prigoschin: Chef and Chief. Portrait of Yevgeny Prigozhin, the personal sadist of the Russian president. (Was ich alles nicht wusste: Vaterjude; lässt sich von seinen Body-Doubles unterscheiden, da ihm ein Teil eines Fingers fehlt; der Wagner-Gründer und militärische Chef Dmitry Utkin ist Nazi – und zwar im Sinne von „Benutzt-SS-Runen-als-Unterschrift“-Nazi.)

    Nebenfrage: Warum haben die Linken alle Gramsci vergessen, die Rechte von Kubitschek bis Prigoschin aber wenden ihn praktisch an?

    Haupt-Wochenend-Lektüre: Dispatches from Pluto. Lost and Found in the Mississippi Delta. Mein Jahr in den USA habe ich nicht ganz im Delta verbracht – aber 20 Fahrradkilometer von seiner Grenze entfernt. Vieles an der Gegend ist schrecklich – so sehr dass man sich das in Deutschland kaum vorstellen kann – vieles großartig und alles unglaublich speziell. It touched my heart seitdem. Und ich habe immer noch Probleme, es in Worte zu fassen. Grant ist das deutlich besser gelungen als ich je gedacht hätte, dass möglich ist. Und so outlandish das Buch mehr als einmal scheint: Wirklich alles darin kommt mir extrem bekannt vor.

    Mehr dazu später: Ein kleiner Teil des Beginn des Buches stand in der New York Times: Sweet Home Mississippi (w/o Paywall – allerdings war ich hier noch nicht wirklich überzeugt)

    Istanbul-Berlin

    Karen machte diesen Sommer die Reise bei der ich am ehesten denke „Ich auch“ und ist mit ihrer Reisebeschreibung in Istanbul angekommen.

    Christine Carzon machte eine der bessere Berlintouren von denen ich je hörte: Berlin by Bike.

    Frau Landlebenblog entdeckte ein Mausoleum.

  • 23-07-30 Othello (Schuld und Bommelmütze)

    23-07-30 Othello (Schuld und Bommelmütze)

    Ein Admiral saß auf der Terrasse. Ein General lief über eine Bühne. Aber dazu später mehr.

    Madame betreute telefonisch ein Therapiekatzendrama. Vorher hatte sie das Jüdische Museum besucht.

    Freitagmittag am Bahnhof Südkreuz: Eine junge Frau geht entschlossenen schnellen Schrittes auf die Rolltreppe zu. Etwa zwei Meter hinter ihr läuft eine andere junge Frau, ähnlich schnell. Erstere sagt immer nur „DU bist Schuld! Du bist Schuld! Du bist Schuld!“

    Ähnlich viele Hintergrundinformationen fehlen uns zu den Immobilien-Hallodris im Haus, die ein Büro, fünf Briefkästen und 30 Briefkastenadressen betreiben. (Schätzung – ist alles etwas unübersichtlicht.) Auf jeden Fall waren am Freitagmorgen alle ihre Briefkästen aufgebrochen.

    Auch am Südkreuz: Bei 23 Grad Außentemperatur fangen Menschen an, Bommelmützen zu tragen.

    Auf dem Heimweg: Vor Tinte+Toner steht ein neuer Automat. Beim Vorbeifahren sieht es aber eher nach Essen + Trinken aus als nach E-Zigaretten-Liquids.

    Auf dem wochenendlichen Weg auf die Latifunden führten uns die diversen Sommerferienbaustellen der Stadtautobahn bis nach Spandau. Wir entdeckten beim Vorbeifahren nicht nur eine zweite Filiale Hühnerwald, sondern auch „das größte chinesische Restaurant Deutschlands“ und den Schlemmer-Paradiies-Imbiss (der nicht nur Pulled-Pork-Pommes anbietet sondern auch einen monatlichen Stammtisch mit dem Hertha-BSC-Präsidenten Kay Bernstein).

    Bildungslücken taten sich auf: Madame aß noch nie in ihrem Leben Freibadpommes!

    Nacht-Stadtautobahn-Begegnung: ein Konvoi auf vier neuen, nicht gekennzeichneten Kleintransportern, der mit Blaulicht reichlich schnell die Stadtautobahn entlang fuhr. Wohin sie wohl wollten? Was sie transportieren? Zu wem sie gehörten?

    James Grieve

    Im Garten finden die Schmetterlingsfestspiele statt. Neben Admiralen (Admirälen?), die auch gerne des Nachbarn Schmetterlingsflieder aufsuchen, fallen die Kohlweißlinge auf, die über die Wiese torkeln. Kommt man der Wiese näher, stiebt ein Dutzend ätherisch aussehener Bläulinge auf, von den vielen ununterscheidbaren mittelgroßen braunen Schmetterlingen gar nicht zu reden.

    James Grieve! Ausgerechnet James Grieve! Der Apfelbaum, der immer etwas kleiner, verkümmerter und weniger tragend war als seine größere Nachbarin Alkmene weiß dieses Jahr überhaupt nicht mehr wohin mit den ganzen Äpfeln. Nur an vorreifen Fallobst fiel diese Woche ein halber 10-Liter-Eimer voll – ohne dass es am Baum einen erkennbaren Unterschied machte. Wobei halt die gesamte Ernte der letzten Jahre zusammen etwa einen 10-Liter-Eimer voll ausgäbe. Das wird noch spannend.

    Neben Schmetterlingen waren auch weitere Insekten unterwegs. Spannend: Die Raubfliege, die versuchte eine knapp doppelt so große erbeutete Raupe an der Hauswand hochzuschleppen. Und wir fanden eine weitere unbekannte Fliege: Nach der Durchsicht vieler Fliegenbestimmungsseiten halte ich sie für eine Raupenfliege der Gattung Gymnosoma. Ich lernte aber auch: die einzelnen Arten lassen sich nicht mehr an der Zeichnung unterscheiden, sondern an deren Merkmalen für die man die Fliege einfangen, einfrieren und dann mit Pinzette und Mikroskop untersuchen muss. Oder man zieht DNA. Ist mir im Garten beides zu aufwendig.

    Raupenfliege an Mazedonischer Witwenblume (Knautia)

    Desdemona im Schwimmbad

    Das Latifundenwochnenende wurde von einem Kulturschwimmbadbesuch unterbrochen. Wir hatten dem Motorradmeister zum Geburtstag einen Besuch der Shakespeare Company Berlin geschenkt. Wir trafen uns zum Auftaktessen bei Sagar. Das Ta Panta Ri, bei dem auch schon manches Geburtstagessen mit Meze-Platten stattfand, schloß leider die Tage.

    Nach Butter Chicken und Biryani machten wir uns auf den Weg zum Insulaner. Denn das Shakespeare-Theater steht auf der (ehemaligen) Liegewiese des Sommerbads am Insulaner.

    Dort führe ich mich eh zu Hause. Und wenn dann noch unter freiem Himmel wunderbare Kultur hinzukommt. Die Company versucht sich an Shakespeare zu orientieren: Volks- und Unterhaltungstheater mit Tiefgang zu inszenieren. Spärliches Bühnenbild, relativ viel Musik, spezielle Kostüme, vor allem aber die Shakespearische „Wortkulisse.“

    Und spannend: Bei Shakespeare und diesen Inszenierungen funktioniert, was bei mir bei Sprechtheater nur selten funktioniert: Ich habe den Eindruck, emotional involviert zu sein, die ganze Vielfalt und Abgründe der armen, kleinen, fehlbaren Menschenwesen auf der Bühne dargestellt zu bekommen.

    Othello hatte ich bisher komplett ignoriert. Großes Stück, schöne Inszennierung.

    Lebensziele

    Das Kulturphänomen Barbenheimer ist zumindest soweit nach Deutschland vorgedrungen, dass es einen Wikipedia-Artikel (samt abgewiesenem Löschantrag darauf) gibt.

    Die New York Times porträtiert einen New Yorker, der vielleicht 77 Jahre alt ist, vielleicht auch 97 Jahre alt und dessen Aufgabe im Leben aktuell darin besteht, Pickleball-Spielern auf die Nerven zu gehen. Schon das klingt erstrebendwert. Am ertrebenswertesten aber fand ich den Satz:

    His name is Paul Owens (or maybe Paul Rubenfarb or Paul Rosenberg); he claims to be 97, and his cryptic business card reads “Let’s go dancing,” while listing a variety of genres like “doo-wop” and “1950s red-light mambo.”

    Auch ein spannendes Proträt: Mike Masnick. Der Outsider/Insider der amerikanischen Techszene, der mir schon durch meine Magisterarbeit 2000 durchgeholfen hat – und immer noch derjenige ist, der Techfreak ist und trotzdem einmal am Tag ruft: Der Kaiser ist nackt!

    Die Turku -> Istanbul-Reisebeschreibung kam bei der Etappe Wien->Bukarest an. Ich musste Madame davon abhalten, spontan rumänische Bahnfahrtkarten buchen zu wollen.