Schlagwort: WIkipedia

  • 23-07-27 Ali Barber und der E-Bus

    23-07-27 Ali Barber und der E-Bus

    Am Hühnerwald hängt ein E-Zigaretten-Liquid-Automat.

    Das Gerüst am Haus ist unverändert. Gestern schien es kurz, als sollte ein Aufzug am Gerüst befestigt werden – aber verschiedene Bauzuständige haderten miteinander. Dann wurde doch kein Aufzug gebaut.

    Fahrrad und Subaru sind wieder entdemoliert. (Kilometerstand Subaru 184060, Kilometerstand Fahrrad unbekannt). Wir lernten inzwischen, dass Teilkaskoversicherungen eventuell Seitenspiegelschäden bezahlen. (Zuständig sind sie für Glasschäden und so ein Spiegel besteht ja zu relevanten Teilen aus Glas). Wir testen.

    Seltsames Gefühl: Heute ist der (im)mobile Donnerstag an dem ich zu Hause arbeite. Es ergab sich aber die Möglichkeit, den Subaru zu entdemolieren. Auf dem Weg zur Werkstatt fuhr ich erst in der Mittagspause von der Wohnung am Büro-Büro vorbei, um das Auto abzugeben und dann nach Feierabend nochmal, um es wieder abzuholen. Aber gearbeitet habe ich dort nicht.

    Immerhin: Ich nutzte auf den nicht-Auto-Fahrten einen echten BVG-Elekrobus. Premiere! Anscheinend setzen die Verkehrsbetriebe gerade lauter neue Fahrzeuge in Schöneberg ein. Aus dem Busfenster heraus, Blick auf den Friseur/Barber „Ali Barber“. Integration in die deutsche Leitkultur zu 100% erfolgt.

    Auch in Schöneberg stehen neue Parkscheinautomaten. Auch wenn bei uns offiziell noch gar keine Parkzone ist, beantragten wir Anwohnerparken. Bis der Antrag in Bearbeitung kommt, existiert wohl auch die Parkzone.

    Madame trägt eine hochzeitstaugliche Kurzhaarfrisur.

    Ich möchte bitte, dass das Wetter bis Oktober so bleibt: 12 bis 19 Grad und gelegentlicher Regen.

    Das Sanitätshilfsmittel Handykette bewährt sich ganz auszugezeichnet. So kam ein neues Sanitätshilfsmittel hinzu: Apple Airpods (von 2017, von BackMarket). Alles im Dienste der handfreien Handybedienung.

    Da ich nur so sooo sooo hauchdünn daran gescheitert bin, mich mit den Einsendeaufgaben für die Klausur in Algorithmischer Mathematik zu qualifizieren, ging ich noch einmal durch, ob irgendwo ein Pünktchen zu holen ist. Das hätte ja gereicht. Aber nada. Erfreulicherweise/leider war die Korrektur schon tendenziell großzügig.

    Polen-Nachträge

    Schick war: in der Notaufnahme der Danziger Uniklinik war eine voll funktionsfähige Rohrpost im Einsatz. Das freute mich.

    Weniger schön: Anscheinend leiden polnische Großstädte noch unter dem Konzept der autogerechten Stadt. Was wir Koffer durch seltsame Unterführungen schleppten, nur weil es komplett unmöglich war, Straßen zu überqueren – das geht besser.

    Dafür ungewohnt erfreulich: wenn einfach Freitag Abend eine Warschauer Hauptstraße durch Innen/Altstadt für den Verkehr gesperrt wird und das ganze Wochenende lang eine mehrere Kilometer lange Fußgängerzone entsteht.

    Schlossplatz Warschau in der Abenddämmerung

    Erstaunlich: der Hotelgast, der mit uns eincheckte und für später nach einem Taxi zum Hauptbahnhof Warszawa Centralna fragte. Die Rezeptionistin fragte zweimal nach – vermutlich deshalb, weil die Strecke von einem Ende der Bahnhofshalle zum anderen Ende ähnlich lang war, wie die Strecke vom Hotel zum Bahnhof.

    In all dem Unterführungslabyrinth niedlich: Der historische Aufzug am Warschauer Kulturpalast, der wie eine schnucklige unterdimensionierte Telefonzelle wirkte und nicht wie ein Aufzug.

    Bewegend das Denkmal für Janusz Korczak im Park direkt neben dem Warschauer Kulturpalast. (Bemerkung für mitlesende Wikifanten: Der Wikipedia-Artikel zum Warschauer Ghetto hat starkes Verbesserungspotenzial. Unter anderem steht quasi nichts zum Ghetto im Artikel).

    Dänemark, Schleswig-Holstein, Barbieland

    Der Guardian fuhr mit der Marschbahn von Hamburg-Altona nach Esbjerg. Den unteren Teil der Strecke kenne ich auswendig und fühle die Gegend sehr gut besprochen.

    Das gibt mir die Chance, Dänemark-Ferienhaus-Content zu verlinken. Die Reisegruppe Rabensalat/Wunnibar ist an der Nordsee und besuchte unter anderem das Fischereimuseum Esbjerg (Bericht Frau Rabe / Bericht Frau wunnibar), während die Reisegruppe Herzbruch/Novemberregen an der Ostsee unterwegs ist und das Miniaturwunderland Faaborg besuchte. (Bericht Novemberregen / Bericht Herzbruch.)

    Die Bahnreise Turku->Istanbul macht Zwischenstopp in Wien.

    Wir sollten mal wieder nach Maine. Und solange wir das nicht schaffen, gibt Lily King in der New York Tims Buchtipps: Read Your Way Through Maine.

    Die New York Times feiert so derart ausufernd die Barbie-Festspiele, dass man gar nicht weiß, was verlinken. Nur die Stil-Redakteurin, von Berufs wegen immer ganz vorne auf der Welle, hat schon lange Peak Pink erreicht: All Pinked Out.

  • 23-06-08 Denk-Jan

    23-06-08 Denk-Jan

    In den Notizen für das Blog steht Denk-Jan. Ich denke länger: „Was wollte ich mir selber sagen?“, scheitere aber an der Antwort.

    In der Wohnungsbaustelle im zweiten Stock sind die Maler. Ein Zeichen dafür, dass diese Baustelle sich ihrem Ende nähert. Letztens empfing Madame den Schornsteinfeger. Und dieser meinte „Ist schon ein besonderes Haus. Immer so viele Baustellen.“ Das Mittelhausdach bekam derweil in seiner Westhälfte neue Dachpappe. Was noch immer die beiden Szenarien „Dach undicht“ oder „Einbau einer Dachterrasse“ offenlässt.

    Wahrscheinlich wird die Zweite-Stock-Wohnung demnächst möbliert. Und danach für Fantastillarden monatsweise an planlose Neu-Berliner vermietet.

    Wenn ich mich jemals einsam, alleine und verlassen fühle, dann kann ich mich auf den Blutspendedienst des Roten Kreuz verlassen. Kaum bin ich drei Wochen überfällig, schon schreiben sie nicht nur Briefe und Mails sondern rufen auch an.

    Über meine Büro-Gegend schrieb „Entwicklungsstadt Berlin“: Neubau: Am Südkreuz sind Gewerbe- und Wohnquartiere entstanden. Die Entwicklungsstadt-Website verdient ihr Geld von Immobilieninvestoren und dementsprechend lobhudlerisch sind die Artikel normalerweise. Außer wenn es um einen ganz besonderen Bürobau geht:

    Architektonisch wurde hier, zumindest was die Fassadengestaltung angeht, wenig Kreativität eingesetzt. Auch die Gestaltung der Außenräume ist ungemein nüchtern. … Unter den bisher umgesetzten Projekten finden sich sowohl gelungene als auch weniger gelungene Beispiele moderner Architektur. Kommende Projekte sollten aus den Erfahrungen der bisherigen Bauvorhaben ihre Lehren ziehen – und dürfen durchaus mehr Mut bei der Gestaltung der Gebäude zeigen.

    Von meinem ungemein nüchternen Bau aus war ich auf der anderen Seite des Bahnhofs – den Subaru aus der Werkstatt abholen. (Ölwechsel und Inspektion bei 182.000 km) Dort stieß ich auf eine Jelbi-Mobilitätsstation. Wie damals am Ullsteinhaus. Nur dass das Ullsteinhaus noch spannender war als der Bahnhof. Und ich direkt darin arbeiten durfte.

    Wenn die Bahn jemals eine Besenkammer im Südkreuz ausmistet und als Co-Working-Space vermietet: Ich wäre dabei.

    Mehrere Leih-Elektroroller und ein Aufsteller einer "Monilitätsstation" auf Bahnhofsvorplatz

    Ich stellte fest: Fahrten in die Werkstatt sind neben Bahnhofs-Absetz-Fahrten unsere einzigen Autofahrten, die innerhalb des S-Bahn-Rings beginnen und enden.

    Beim Schreiben fiel mir inzwischen auf, dass Denk-Jan wohl Denk-Jam bedeuten sollte. Also so etwas wie Stau im Hirn. Das Gefühl, dass sämtliche Denkwege von linearer Algebra verstopft sind.

    Ich wollte zur Stauauflösung kurzzeitig etwas komplett Anderes unternehmen. Also erfreute ich mich am Deutschlandticket (Ich kann mich einfach so in den Bus setzen und irgendwohin fahren. Und wieder zurück. Wie krass ist das denn!) und fuhr nach Steglitz, Baumarktluft einatmen.

    Madame traf währenddessen eine alte Bekannte – und die hatte Überraschendes zu erzählen. Sie trafen sich unter anderem im Café Peri. Erster Eindruck: Wirkt so wie sie Madame sich Cafés in hippen Istanbuler Stadtteilen vorstellt.

    Herr Rau schrieb einen Wikipedia-Artikel. Und einen Blog-Artikel wie er den Wikipedia-Artikel schrieb. Außerdem empfahl er einen Billy-Joel-Podcast. Den ich mangels ruhiger Hörzeit und wegen zuviel Denk-Jan aber noch nicht hörte.

    Aus Gründen, die ich nicht mehr verstehe, habe ich mich beim Data Science Bootcamp von Openhpi des Hasso-Plattner-Instituts angemeldet. Das startete ausgerechnet jetzt. Und die beiden Bootcampenden sind hinreißend.

    Die Neben-der-Toilette-Kräuter-Gewächshauskästen im Edeledeka Steglitz sind weg. Der Betreiber verschwindet unter bösem Blut aus Europa. „Deutschlands erstes Lebensmittel-Start-Up mit einer Bewertung von über 1 Milliarde US-Dollar“ (=Infarm) hatte 2020 Fünf Millionen Euro Umsatz (das sind 0,5% von einer Milliarde) bei Kosten von 53Millionen (das ist das 10,5-fache des Umsatzes). Seltsam finde ich, dass ein Startup, welches sich Nachhaltigkeit auf Fahnen und Website schreibt an „zu hohen Energiekosten“ scheitert. Aber oh well, so ist das Leben. Aufgefallen ist mir Infarm vor allem, weil ihr ehemaliges Welthauptquartier an meinem Mittagspausenspaziergang am Ullsteinhaus lag.

    Die re:publica ging vorbei und sie lehrt mich etwas über Bubbles. Ich verbringe mein Leben seit Jahren unter gelernten Fachinformatiker*innen (=Ausbildungsberuf). Von denen bisher keiner je von „Europas größter Digitalkonferenz“ gehört hatte. Und wenn man erzählt, klingt es für sie wie so eine typische Laberveranstaltung auf der Chef*innen ihre Zeit verdödeln, um nicht arbeiten zu müssen.

    Karen erzählte etwas über Zeugnisausgaben in Finnland.

    Die Mauersegler fliegen wieder durch den Hinterhof.

  • 23-05-21 Pimpinelle Bluthänfling

    23-05-21 Pimpinelle Bluthänfling

    Hertha BSC stieg ab. Das erste echte Sommerwochenende folgte.

    Madame strich die Terrassentür und entkrautete mehrere Beete.

    Die Fernuni bewertete eine von sieben Einsendeaufgaben algorithmische Mathematik. Zumindest diese eine habe ich bestanden. Drei muss ich bestehen. Eine gab ich nicht ab, eine ist noch in Korrektur – aber für deren Bestehen bräuchte ich unverschämt viel Glück. Noch vier Möglichkeiten gibt es, um zwei weitere Male über die Hürde zu kommen.

    Die Motorradbraut besuchte uns auf dem Weg zum Kino. Wir sprachen über die generelle Arbeitsweise von Amtsgerichten und über besonders inkompetente NGOs. (Meine Wertung, nicht ihre).

    Die niederländische Gartenbau Gmbh setzte die Feldarbeiten hinter dem Garten fort. Nach Mähen und Gülle-Ausbringen Ende der Woche folgten Pflügen, Eggen und Aussähen. Angesichts der Arbeit bis spät in die Nacht hinein, wollen sie noch vor dem möglichen Gewitter am Dienstag fertig werden. Was man noch sinnvoll im Frühsommer ausbringen kann, wissen wir nicht, aber wir werden beobachten.

    Die Rotmilane waren begeistert von Feldarbeiten. Die neben dem Feld brütenden Krähen waren unbegeistert von den Rotmilanen. Wir waren zusammen mit der Motorradbraut gebannt von den Vogelluftkämpfen über unserem Garten.

    Wenn es aussieht wie ein Steinpilz, sich bewegt wie ein Steinpilz und schmeckt wie ein Steinpilz, muss es nicht unbedingt ein Steinpilz sein. Es könnte sich auch um einen Birkenpilz handeln. Der aber auch ein begehrter Speisepilz ist. Wir haben uns die Birke gemerkt, an der die beiden Pilze zu finden waren.

    Dank eines Schweinenackens der Fleischerei Bachhuber und dem bewährten Kugelgrill hatte ich diesen Wochenende eventuell den besten Schweinebraten meines Lebens. Das Beste: wir haben noch Reste für diese Woche.

    Im Wiesenteil des Gartens entdeckte ein Madame ein apartes neues Wildkraut. Bei näherer Betrachtung und unter Zurhilfename von PlantNet entpuppte es sich als Pimpinelle. Wir waren angetan und überlegen, wie wir seinen gurkenähnlichen Geschmack in Mahlzeiten integrieren können.

    Blühende Pimpinelle vor Rasen.
    Pimpinelle

    Auf dem Schuppen entdeckte ich einen Bluthänfling. Später am Abend fragten wir uns, welcher Vogel wohl so kanarienvogelartig singt. Vermutlich war es auch dieser Bluthänfling. Der eine überraschend enge Verbindung zum Textilwesen hat. Nicht nur folgt sein deutscher Name dem Hanf, sondern auch sein lateinischer (Linaria cannabina), Alternativ auch Flachsfink. Auch englisch wiederum nach dem Leinenstoff als Common Linnet bezeichnet.

    Und, hier schließt sich der Kreis, die Common Linnets war der Name der ehemaligen Band von Ilse de Lange.

    Die New York Times hatte vor ein paar Tagen ein Artikel dazu, wie Paris die Seine rechtzeitig zu den Olympischen Spielen beschwimmbar machen will. Und für eine beschwimmbare Spree würde ich ja sogar Olympische Spiele in Berlin befürworten.

    Herr Rau editierte Wikipedia zu Enki und Inanna und erhielt darüber passive Sichterrechte.

    Zum Einschlafen hörten wir eine Dokumentation „wie das Programmieren männlich wurde.“ In den 1940ern und 1950ern galten Jobs in der Computerprogrammierung als wenig professionell, nicht karriereträchtig und dubios – also als typische Frauenjobs. Mit zunehmender Bezahlung und Ansehen wurden die Frauen aus dem Beruf gedrängt. Spannende Geschichte aus der Frühzeit der Computer.

    Zufällig, aber passend zum Programmierthema gelesen: Zwei Rechts, zwei Links. Eine Kulturgeschichte des Strickens von Ebba D. Drolshagen. Unbedingt lesenswert.

    Über das Buch stolperte ich über Richard Rutt. Der verfasste ein Standardwerk zur Geschichte des Strickens, hatte aber auch sonst ein abwechslunsgreiches Leben:

    Cecil Richard Rutt was born in Langford, Bedfordshire, educated at Cambridge, became a Royal Navy codebreaker at Bletchley Park and spent 20 years as a missionary and bishop in Korea. He spoke at least eight languages and wrote widely on Korean culture and literature. He had learned to knit aged seven and on returning to Britain knitted some of his regalia notably his golden mitre when he became Bishop first of St.Germans in Cornwall, then Leicester, a historical centre of knitting.

    Aus dem Eintrag „Richard Rutt“ im Knitting History Forum.
  • 23-05-09 (n-1)

    23-05-09 (n-1)

    Warum Fernstudium? Ein Motiv kristallisiert sich erst im Verlauf des Studiums richtig heraus: Es ist ein großes Abenteuer.

    Vor allem natürlich intellektuell: Ich lerne krass viele Sachen.

    Aber auch sonst: die Verfahren, die Lehrmaterialien, die Organisation – und an diesem Wochenende neu: Lehrende und Kommiliton*innen. Bisher hatte ich die Lehrenden ja bestenfalls im Video gesehen. Die Kommiliton*innen aus dem Berliner Umland traf ich direkt vor Klausuren – aber in dieser Situation reden Menschen erfahrungsgemäß gar nicht oder großen Unsinn.

    Letztes Wochenende änderte sich alles: Ich war beim Studientag auf dem Campus Nürnberg der Fernuni. Zwei Tage von jeweils 9.30h bis etwa 16:30h Algorithmische Mathematik intensiv: Beweisarten, Abbildungen, Relationen, Graphen, Bäume.

    Die Veranstaltung teilte sich in vier inhaltliche Teile: Jeder begann mit einem Vortrag, dann gemeinsames Durchgehen von Übungsaufgaben im Kursverbund an der Tafel. Im nächsten Teil: dasselbe in einem anderen Themengebiet. Es half viel: Inhaltlich, weil es viele meiner Fragen „WTF wollt ihr von mir ?!?“ beantwortete.

    Aber auch bei so trivialen Sachen wie „Notation.“ Algo-M ist ein Kurs für Wirtschaftsinformatiker, Informatiker und Mathematiker. Vieles was an Notation vorkommt, ist für die Mathematikstudent*innen ein alter Hut, wird im Kurs nie so richtig eingeführt. Also stolpere ich bei vielem schon beim Lesen der Formeln.

    Jetzt zwei Tagen den Dozent*innen gelauscht, wie sie die Formeln aussprechen und welches Zeichen wirklich was bedeutet: quasi alles in der Hinsicht ist geklärt. Mein Formel-Lesetempo hat sich ungefähr verzehnfacht.

    U-Bahn-Station Nürnberg Hauptbahnhof. Eine Wand in orange weiß mit Pfeilmuster, die Anzeige "Hauptbahnhof."

    Gut für’s Ego: Die anderen sind genauso blöd wie ich. Wirklich jede*r kämpft, hat sehr viele Fragen und tastet sich nur mühsam an die Aufgaben heran. Algo-M gehört zu den Klausuren, die gerne um mehrere Semester geschoben werden, weil sie niemand schreiben möchte.

    Spannend: Die Zusammensetzung der Anwesenden. Ich würde sagen, überwiegend im Altersbereich von Mitte 20 bis Ende 30, fast die Hälfte der Anwesenden waren Frauen. Alle, von denen ich es mitbekam, waren voll berufstätig.

    Ich war froh, dass ich mir für die Veranstaltung Bahnfahrt und zwei Hotelübernachtungen buchen konnte ohne einmal drüber nachdenken zu müssen.

    Aber weil alle Komiliton*innen 40 (39) Stunden die Woche beschäftigt sind: Alle, mit denen ich sprach, gaben gleich im ersten Semester zwei Illusionen auf: (1) Das lässt sich irgendwie nebenbei erledigen – komplett unmöglich. (2) Man kann höhere Ziele als „irgendwie durchkommen“ anstreben. Nicht als erwachsener Mensch mit einem nicht-studentischen Leben nebenbei.

    Was aber auch die Anwesenden entspannt: Die haben schon ein Leben, das nicht vom Ausgang dieses Studiums abhängig ist.

    Und auch noch Erkenntnis: Inhaltlich kickt mich der Kurs bisher von allen Fernuni-Kursen am meisten. Natürlich gerade wegen der vielen WTF-Momente.

    Gen-Z-Gelb

    Ein beeindruckender Wikipedianer war Deror Lin. Dieser ist für mich komplett überraschend gestorben.

    Stell Dir vor, es ist das Jahr 2023. Du segelst auf einem kleinen Boot durch den Ärmelkanal und Dein Ruder bricht. Du sendest Seenot. Die Rettung naht. Und es kommt ein hölzerner Dreimaster, ein Ostindienfahrer, um Dich zu retten. So geschehen am 25. April vor Paimpol (Bretagne) – Fotos und Bericht gibt es auf der Website der Götheborg of Sweden.

    Kellerkind war auch in Bayern. Frau Herzbruch feierte ein Fest.

    Herr Rau erinnerte sich an die Wohnungen seiner Kindheit und Jugend. Herr Buddenbohm fuhr Bahn (u.a. durch Langenhagen). Gabriele Frankemölle machte Pastrami und Anke Gröner las „Noch wach?“. Die New York Times fotografierte Hüte. Die FAZ erklärte, dass Generation Z Yellow DIE neue Farbe ist. Diese Entwicklung begrüße ich sehr.

  • 23-03-21 Urlaub ohne Klaus

    23-03-21 Urlaub ohne Klaus

    Madame brachte zur Feier des Tages ein Maishähnchen vom Wochenmarkt aus Königs Wusterhausen mit. Zusammen mit den Crowdfarming-Zitronen wird daraus aktuell ein Lemon-Scented Sticky Chicken.

    Bei meinen Bummeleien durch die Stadt testete ich den Edeka am Wittenbergplatz gegenüber dem KaDeWe. Wenig überraschend: Eher klein, eher teuer, unterhaltsame Kundschaft. Mich überraschend: im Obst-Gemüse-Bereich gab es zu 90% Biowaren. Hätte ich Nicht-Bio haben wollen, hätte ich gezielt suchen müssen.

    Ich hatte Zeit zum Bummeln. Heute, ziemlich genau um 10 Uhr endete der Klausurlaub mit der Abgabe der letzten Klausur. Jetzt folgen einige Tage Urlaub ohne Klaus, in Berlin, für die der Ausdruck Bummel- und Erholungsurlaub ein passender sein wird.

    Berlin Ku'damm. Im Vordergrund Menschen auf dem Gehweg, dahinter klassische Berliner Traufhöhenbauten, im Hintergrund überragt vom neuen Hotelhochhaus.

    Falls ich Euch in den letzten zwei, drei Wochen ignoriert habe – es wird wieder besser werden. Heute aber musste ich dringend Wohnung und Schreibtisch verlassen. Wir fuhren mit dem M46 zum Bahnhof Zoo und wendeten unsere Schritte ins Delphi-Lux-Kino.

    Neues aus dem Metaversum

    Hurra, Everything Everywhere All at Once hat sich – vielleicht dank der Oscars – noch im Kino gehalten. Wir nutzten das glückliche Zusammentreffen von noch-laufendem-Film und beiderseits freiem Nachmittag. Wir besuchten die 14-Uhr-Vorstellung.

    Ich genoß, dass meine Art des Films lief. Ich hatte viel Freude. Albernheiten, Explosionen, eine Mischung aus echten-Charakter-die-man-so-auf-der-Straße-treffen-könnte und komplett abstrusem Plot, etwas Sentimentalität und großartige Schauspieler.

    Allerdings staune ich: dass diese Art von Film überhaupt produziert werden kann und überhaupt ein großes Budget bekommen hat – auch noch von zwei Filmemachern, die vorher nur eine einzigen Film produziert habe. Ich staune, dass er Zuschauer*innen und Kritiker*innen begeistert zurücklässt. Und noch vielmehr, dass er Oscars gewinnt. Es freut mich sehr, dass sich „die Welt an sich“ in den letzten 30 Jahren deutlich auf meinen Geschmack zubewegt hat.

    Erfreulich auch, dass wir dieses Jahr so oft im Kino waren, dass ich zu allen wichtigen Oscar-nominierten-Filmen eine Meinung hatte. Sei es, weil ich den Trailer gesehen hatte. Oder den Film dringend sehen wollte (Everything, Tár, Elvis). Oder den Film nicht sehen wollte. Tatsächlich sah ich nur Women Talking und eben Everything.

    Für Menschen, die meinen Geschmack teilen, ein dringender Sehtipp. Aber er ist schon sehr anders als „normale“ Kinofilme.

    Neues aus dem Wikiversum

    Dem Museum of Northern Californian Art in Chico entnehmen ich, dass der gute Frank Schulenburg, aka wikiphotographer, inzwischen in den USA als Fritz Schulenburg kursiert. Das Museum berichtet darüber anhand der Ausstellung „Northern California on Wikipedia„, die von März bis Mai stattfindet. Fritz-Frank postete ein Hinter-den-Kulissen-Video auf Youtube: Fotoausstellung „Northern California on Wikipedia“ (Making-of)

    Außerdem wurde der Ort für die Wikimania 2024, das globale Wikipedianer*innen-Treffen bekannt gegeben. Es wird Krakau sein. Als möglicher Besucher und Krakau-Fan gefällt mir das sehr. Ich wünsche den Krakauern, dass sie den Organisations-Mammutaufwand, den eine solche Veranstaltung bedeutet, gut überstehen.

  • 23-03-17 Bis zur Endstation

    23-03-17 Bis zur Endstation

    Madame zog keine Wartenummer.

    Nach dem mittwöchlichen Klausur-Ende stellte ich die Ohren auf Querlüften, öffnete alle Gehirntüren und hoffte, dass zwei Tage Luftzug durch’s Hirn jegliche Erinnerung an Mathematik und Statistik hinausblasen und Platz für doppelte Buchführung und Jahresabschlussklausur nächste Woche schaffen.

    Zum Hirndurchlüftprogramm gehört eigentlich Schwimmen – aber ich war kaum dort, denn ich bin zu erschöpft und auch leicht verschnupft. Aber nächste Woche dann.

    Zum Hirndurchlüften gehört das Lesen netter Unterhaltungsliteratur. Ich beendete „Three Man in a Boat“ und ausgerechnet der deutsche Wikipedia-Artikel zitiert die vielleicht passendste Kritik:

    Das Geheimnis von Jeromes Komik ist die einzigartig moderne Mixtur aus wahrheitsgetreuer Anekdote und Phantasie. Und weil Jerome, im Unterschied zu Dickens, seines Materials nicht ganz Herr ist, kommt reine Komik dabei heraus.

    Der Text schwankt stilistisch zwischen unbeholfener Reiseführersentimentalität und brüllender Slapstick-Komik. Der Leser fühlte sich beim Lesen so wacklig wie die Protagonisten beim Rudern auf der Themse. Für den heutigen Leser ein schönes Eintauchen in den Alltag der 1890er, einerseits zeitgenössisch andererseits stilistisch auch heute problemlos verdaubar.

    Dazu gehört Fernsehen: Kitchen Impossible zum Beispiel. Die Folge von Soontag belegt Madames auf zahlreichen Balkanreisen gewonnen Erkenntnis, dass Südosteuropa den Rest des Kontinents an Hipness links und rechts überholt. Passend zur These, nicht zur Kitchen-Impossible-Folge: Is this the New Cocktail Capital of Europe?

    Dazu gehört im Internet lesen: Vielleicht sollten wir die Digitale Transformation im Schwimmbadbereich out of the box denken. And into the water: Free data-center heat is allegedly saving a struggling public pool $24K a year

    Und dazu gehört Bahn- und Busfahren. Der White Noise der Großstadt auf allen Sinnesebenen, bis zur Endstation und dann das Verkehrsmittel wechseln. Heute mit der U6 und dem 170er Bus und einigen anderen, die nicht bis zur Endstation führten. Die Sonne lockte mich ans Wasser und es zog mich zurück zu Ullsteinhaus und Tempelhofer Hafen.

    Vordergrund: Größere Motorboote im Hafen, noch in Winterverkleidung. Hintergrund: der Bakcstein-Expressionismus-Bau des Ullsteinhauses.

    Obwohl Madame keine Wartenummer zog, bekam sie einen neuen Personalausweis.

    Entdeckung des Tages: die BSR veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern Kiez-Sperrmüll-Tage. Schöne Idee. Wie vorherzusehen war, beteiligt sich Tempelhof-Schöneberg nicht.

    Seltsame Zeiten. Ich spendete für ein Zielfernrohr und ein Nachtsichtgerät für den Vater einer ukrainischen Wikipedianerin. Der Verfasser des Aufrufs ist Administrator der ukrainischen Wikipedia und bekannt zuverlässig. Beklemmende Zeiten.

  • 23-03-02 Autostraßen

    23-03-02 Autostraßen

    Madame ent-wickelte sich.

    Des Kaptains Versicherung bezahlt für den Unfallschaden, den ihr ein unbekannter Gegner auf dem Supermarkt-Parkplatz hinzugefügt hat. Das ist eine beruhigende Nachricht. In des Kaptains Nachbarschaft rufen Menschen die Polizei, weil bei anderen Menschen, beziehungsweise ihren Autos, der TÜV abgelaufen ist.

    Uns begegneten gleich drei Polizeiwagen. Als wir harmlos vom Kurzbaden im Stadtbad Schöneberg nach Hause schlenderten, ereignete sich vor unseren Augen ein Auffahrunfall. Zwei Autos, beide deutlich zu schnell unterwegs, fuhren Slalom. Einer setzte sich vor den anderen. Der andere fuhr mit Karacho hintendrauf. Fast hätten sich die Beteiligten danach geprügelt. Fast möchte man froh sein, dass sie sich nur gegenseitig die Autos demolierten.

    Sahnehäubchen: Eines der beiden Autos entsprach dem Klischee, war offensichtlich getunt und mit extra großem Auspuff versehen. Das andere allerdings war ein Fahrschulwagen. Der hochemotional aus dem Auto springende Mensch ein Fahrlehrer. Die arg eingeschüchtere Fahrschülerin saß noch auf dem Fahrersitz.

    Schwarz-Weiß Bild von 1959. Mehrere Autos stehen nach einem Unfall auf einer Landstraße.
    Bild: Five-car road accident in Caernarfon von: Geoff Charles (1909-2002), Geoff Charles‘ photographs also form part of the Europeana Libraries Project Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

    Auch wenn ich schon bei diversen Unfällen anbei war, war dies der erste den ich wirklich sah. Beide Autos ließen vorher den Motor aufheulen und fuhren so auffallend, dass ich sie schon vorher betrachtete. Wir machten brav unsere Aussage, hinterließen die Personalien und wandelten der Wege.

    Am alten Arbeitsplatz vermisse ich überhaupt nicht das häufige Aufstehen zwischen 3:30h und 4:30h. Aber ich vermisse sehr die halbe Stunde auf dem Rad durch das nächtlich-frühmorgendliche Berlin, mit Sonnenaufgang und ohne Menschen. Dringend muss ich mir eine regelmäßige Radstrecke suchen, die länger als der derzeitige Mini-Arbeitsweg ist. Aber es sollte halt auch eine Strecke sein, in der ich nicht in Feierabendverkehr und irre Autofahrer gerate und trotzdem etwas von der Stadt sehe.

    Dienstagabend konnte ich zumindest nach Kreuzberg radeln zur Buchhandlung des Vertrauens. Alleine die paar Meter durch das Tempelhofer Fliegerviertel, hinaus zum Platz der Luftbrücke, dann wieder hinab bis zum Kreuzberger Bergmannkiez: Es war einfach schön.

    Ich holte Klausurlektüre ab (Kracher wie: Aktiengesetz 49. Auflage mit Corona-Sonderrecht und Wichtige Steuerrichtlinien 39. Auflage, aber auch ein wenig was schönes wie Gioacchino Criaco: Die Söhne der Winde. Des Hammett-Buchhändlers Augen leuchteten als er mir das Buch übergab – und das ist immer ein gutes Zeichen.

    Wenn ich das Fenster aufmache, höre ich ein Rauschen. Das sind die fallenden Umfragewerte der Berliner SPD. Die Partei, die bei der Wahl mehr abgestraft wurde als alle anderen; die Partei, die seit 32 Jahren in der Regierung sitzt, sagt jetzt „Wir haben verstanden, die Leute wollen Änderung. Deshalb bleiben wir – ohne einen Tick an Personal oder Programm zu ändern – an der Regierung“. Und damit die Leute überhaupt nicht verstehen, warum sie uns je wieder wählen sollten, nehmen wir dieselbe Muff-Koalition, die schon in den 1990ern das ganze Elend anrichtete, unter dem die Verwaltung bis heute leidet.

    Madame empfiehlt das Blog National Trust Scones.

    In der Wikipedia findet zum dritten Mal der Ukraine’s Cultural Diplomacy Month 2023 statt. Er dient dazu, ukrainische Kultur in den weltweiten Wikipedien besser darzustellen. Der zweite Cultural Diplomacy Month fiel direkt in den Kriegsausbruch.

    Passionierte Blogleser interessiert sicher auch „Diaries of Note“ – jeden Tag ein anderer Tagebucheintrag. Mal von Kafka, mal von komplett Unbekannten.

    Montag streikt der öffentliche Dienst in Berlin. Mein erster Streik! Ich bin so aufgeregt.

    Die Wikipedia:Auskunft ist eine Unterseite der Wikipedia, auf der allgemeine Wissensfragen gestellt werden können. Ich bin dahingeschmolzen bei dieser Frage:

    Guten Morgen,

    (Sie werden meine Sprachfehler entschuldigen, ich benutze einen Übersetzer).

    Als Kind habe ich die Geschichten der „Menschen aus Fulda“ gelesen. Nach dieser Erzählung, zunächst intelligent und gebildet, waren sie überfordert und beschlossen, sich als dumm auszugeben. Nur dass sie durch Glauben wirklich geworden sind. Daher eine ganze Reihe lustiger Missgeschicke. Meine Fragen : Ist es ein klassisches Märchen aus der deutschen Folklore oder eine Erfindung eines neueren Autors? Wo würde ich ein deutsches Buch finden, das darüber spricht? Und warum wird es nicht im „Kultur“-Teil des Artikels Fulda erwähnt?

    Danke