26-08-28 Goldrutenspalier vor Falkensee

Verfasst von

in

Die Schulkarawane schlurft wieder morgens am Wohnzimmerfenster vorbei.

Aldi Heidi räumte Weihnachtsgebäck ein. Burger Qualität ist kein Zufall hat nach der Sommerpause wieder geöffnet, Currywurst Ruhige Tag macht – natürlich – noch Urlaub.

*

Mehrfach schrieb und dachte ich in den letzten Tagen 2027, seit Mittwoch habe ich auch meine erste Verabredung für das kommende Jahr. Hertha BSC gegen Hannover96 am 25. April 2027 im Olympiastadion.

*

Tastatur-Nachbestellungen als Running -Gag.

*

Am Putzmenschenkarren in den Südkreuz Offices ein großer Zettel: „Einloggen nicht vergessen.“

*

Es waren drei Arbeitstage der letzten Kabane zwischen Morgennebel und Abendshakespeare.

Abbiegen vor dem Nymphensee

Um 5:30h vor dem Bungalow dachte ich über die Heizung nach. Vermutlich das erste Mal seit Mai, dass das Wort Heizung in mein Bewusstsein drang.

Wer im Garten übernachtet, muss mit dem Prignitz-Express um 6:50h nach Berlin. Aufwachen ist schön, das Verlassen des Geländes in der perfekten Sonnenaufgangs-Morgenstimmung schwierig, aber wir gelangten zum Bahnhof. Dort standen zwei Überraschungsautos, der Süßigkeitenautomaten wurde eifrig genutzt und ich begab mich in den Zug nach Südosten.

Am Bahnhof Kremmen

Ich entschied mich für die etwas längere aber gemütlichere Fahrt mit dem Regio außenrum, statt Regio und dann S-Bahn mittendurch, wurde damit belohnt, dass zwischen Hennigsdorf und Falkensee kilometerweise Goldrutenspaliere beiderseits der Gleise den Weg säumten.

Mit Hilfe der Railmap, die ich zwischen Hennigsdorf und Falkensee intensiv bei der Fahrt beobachtete, entdeckte ich das Klärwerk Wansdorf. Mensch sollte meinen, dass ein komplettes Klärwerk direkt neben den Gleisen kaum zu übersehen ist – aber bevor ich nicht auf’s Handy schaute, nahm ich es bei den vielen Fahrten im Prignitz Express niemals war.

Auch entdeckte ich, dass ich fast direkt am Lieblingsbadesee, dem Nymphensee vorbeiführe, wenn nicht die Bahn direkt davor den Berliner Außenring verliesse und sich Richtung Spandau zurück in die Stadt begibt.

Dann umsteigen in Charlottenburg – langsam begreife ich die seltsame Bahnhofsgeopraphie, bei der Regio-Gleise und S-Bahn-Gleise gegeneinander versetzt sind, und wieder am Westkreuz. Dort erhaschte ich einen kurzen Blick auf das leerstehende ICC bevor mich die Ringbahn zu den Südkreuz Offices brachte.

Hallo, ICC!

Lost Place für Faule

Für den Rückweg bot es sich an, die S25 bis zum Ende und dann die Bummelbahn Unter-Oberhavel zu nehmen. Die Strecke ging schneller und bot mir noch zehn Minuten Zeit am Lost Place hinterer Bahnsteig Hennigsdorf.

Leider wurde der ehemalige Ausgang Richtung Stahlwerk mittlerweile komplett entfernt. Aber das imposante Dachskelett, ich vermute aus echt Hennigsdorfer Stahl, steht immer noch dort, breitet seine Arme aus, die nichts mehr tragen.

Bahnhof Hennigsdorf

Durch die Gräser streichen

Madame holte mich am Bahnhof Schwante ab, wir legten einen kurzen Zwischenstopp bei Netto (ohne Hund) ein und fuhren in den Feldblick in der Abendsonne.

Ich strich und stromerte noch über das Gelände, während best of Gemütlichkeit in Ofen und Dämpftopf sich vollendeten. Das Wetter reichte wieder für Außendinner.

Alles Gemüslich: Bohnne, Mais, Patisson, darunter Rote Beete und Karotten.

Chefsache

Ich lernte: das ITDZ, der interne IT-Dienstleister für das Land Berlin, druckt auch die Wahlzettel und Ähnliches.

Ich steigere mich das in Lernen für das Dienstleistungsmanagement hinein. Ich lese die Texte gründlicher, tiefer würde ich geradezu sagen. Das ist einerseits erfreulich, weil ich entdeckte, wie viel soziologisches/sozialpsychologisches Niveau sich im Lehrbrief versteckt – ich mein, wir sind hier in BWL, das ist sonst selten so.

Es kommen Praktiken, Rituale und Normen vor, Identitäten und Rollenzuschreibungen und von den mir bekannten Großtheoretikern spielt insbesondere Erving Goffmann („Wir alle spielen Theater“) eine wichtige Rollen. Kein Wunder, denn was ist ein Dienstleistungsprozess anderes als eine spontane Theateraufführung mit mehr oder weniger improvisiertem Skript.

Ja, das Service Script gibt es natürlich auch.

Die unerwartete aber erfreut zur Kenntnis genommene Tiefe verlangsamt mein Lesen und Kapieren natürlich auch. Groß ist die Gefahr, Text zu überfliegen und damit das eigentliche Wesen der Aussage zu übergehen.

Ich spiele kurz mit dem Gedanken, auch diesen Lehrstuhl als potenziellen Masterarbeitslehrstuhl in Betracht zu ziehen, komme aber schnell zu dem Entschluss, dass ich keine Lust habe, bei einem „normalen“ BWL-Lehrstuhl verargumentieren zu müssen, warum das trotzdem eine wirtschaftsinformatische Masterarbeit werden wird.

Da bleibe ich lieber bei formaler Komplexitätsreduktion und nehme einen der W-Info-Lehrstühle, da ist der W-Info-Bezug selbstevident.

Wird Regenbogenkiez Chefsache? Wird er Chef?

Gegenüber der Südkreuz Offices fand ich ein Plakatkuriosum. Unsere Nachbarn sind er Lebensort Vielfalt – „ein einzigartiges Wohnprojekt der Schwulenberatung Berlin, das Menschen jeden Alters, Geschlechts und jeder sexuellen Orientierung willkommen heißt.“ und genau vor diesem Lebensort hat der CDU-Direktkandidat ein neues Plakat aus dem Hut gezaubert „Regenbogenkiez wird Chefsache – LSU

Ein Plakat das ich ja prinzipiell sympathisch finde. Aber in angesichts dessen, dass es wirklich nur an genau dieser einen Stelle hängt, weckt es in mir ungute Erinnerungen an 1980er/1990er als Schwule sich noch „outen“ mussten, untereinander Erkennungszeichen gaben, die so gestaltet waren, dass die Mehrheitsgesellschaft sie möglich nicht bemerkte.

The last Kabane

Meine Arbeitgeberin verwehrt mir Besuche im Sommerwohnzimmer, indem sie dieses ab September so früh schließen lässt, dass ich nicht mehr rechtzeitig vom Büro dorthin komme.

Also erfolgte der traditionelle Kabanen-Schlüssel-Abgabe-Schwumm am Mittwoch. Es war einer der wenigen Sommertage dieses Jahr die weder brüllend heiß noch Herbst waren, sondern in den Endzwanziger Temperaturen mit Sonne und leichtem Wind nahezu perfekt.

Ich richtete mich ein letztes Mal in der Kabane ein, entdecke die nette Helmaufhängung und begab mich gen Becken. Ich war eher sportlich unterwegs auf der weder-Treibholz-noch-ernsthafter-Sport-Bahn und ganz erfreulich im Flow. Aber selbst an diesem Sonnentag hatten die Schwimmer*innen klar die Überzahl gegenüber den Badenden.

Kabene Nummer zwei, Goodbye

Da ich nicht sicher war, ob der Freibadpommesstand so spät im Jahr so spät am Tag noch offen haben würde, hatte ich mir im Supermarkt zwei Onigiris als Abendessen mitgenommen. Da der Freibadpommesstand noch offen hatte, wurden diese um eine kleine Pommes ergänzt. Ich hatte den Eindruck, dass nicht nur ich ein Freibadpommes-Abschiedessen durchführte. Die Zahl der Erwachsenen Pommesafficionados war ungewöhnlich hoch.

Denn ich hatte noch einiges vor. Ich blieb auf dem Gelände, die Shakespeare Company spielte Viel Lärm um Nichts / Much Ado About Nothing.

Eine Stunde

Die Shakespeare-Company bezeichnet sich manchmal als „Theater mit dem größten Pool der Stadt.“ Als Theater auf dem Freibadgelände bietet es sich an, erst ins Freibad zu gehen, dann ins Theater. So sehr, dass ich es dieses Jahr wieder nicht schaffte – bis zum Saisonende.

Ich gab kurz vor Kassenschluss um 19 Uhr meinen Kabanenschlüssel ab und bekam das Pfand zurück. Dann setzte ich mich vor das Bad, sah dem Kollegen zu, der abschloss, sah Leute aus dem Freibad kommen und andere Menschen, die sich zu Theater eintrudelten. Das ganze in der Abendsonne, manchmal schaute ich in mein Buch. Es war sehr schön.

Pool’s out für Winter, für mich

So gegen 19:30h trudelte ich auch, entdeckte zu meiner großen Freude eine Schaukelstuhlliege auf der Rückseite des Theaterbaus und richtete mich dort häuslich ein, bis der „Saal“ freigegeben wurde. Ich las die ersten Seiten in Brigitte Kronauers Berittener Bogenschütze, das mal irgendwann durch eine Aussortieraktion der Bibliothek Wesselburen in meinem Haushalt landete und war sehr angetan. Dazu immer noch Abendsonne, sanftes Schaukelliegen und das Stimmengewirr der Theatergastro im Hintergrund. Es war sehr schön.

Ich begab mich zu den Plätzen, wurde von Benedick / Stefan Plepp / dem Geschäftsführer des Theaters wiedererkannt als Besucher „Du warst doch gerade erst da?“. ich machte es mir in Kategorie gelb gemütlich.

Ich staunte, dass auch das Publikum schon Much Ado about nothing aufführte, als es die ersten 8 Anwesenden im leeren Saal es bereits schafften, sich so sehr über die Plätze zu zerstreiten, dass die Abendmanagerin hinzugerufen werden musste.

Ich hatte Glück. Ich hatte die Plätze der billigsten Kategorie und entdeckte, dass die zwar schräg versetzt, aber dafür sehr bühnennah sind. Beste Plätze.

Julia hat schlechte Laune

Das spannende, wenn Mensch zwei Aufführungen derselben Bühne kurz hintereinander sieht, sind Schauspieler*innen. Letzte Woche noch war Elisabeth Milarch die jungverliebt-unschuldige Julia, diese Woche schon die intrigante Donna Juanna mit der stets atemberaubend schlechten Laune.

An Stefan Plepp, der mich am Eingang begrüßte, konnte ich mich nur noch vage erinnern, dass er mir aus Lear positiv in Erinnerung blieb – aber er bestätigte dies, sein Benedick war mein Lieblingscharakter.

Und so hatte ich einen sehr schönen Abend, obwohl ich manchmal haderte. Ja, es ist eine Komödie, und der Titel „Viel Lärm um Nichts“ ist auch Programm, aber mir driftete sie für Shakespeare doch zu sehr ins albern-belanglose: der echte Konfliktpunkt, wie einfach man eine Frau sozial und emotional zerstören kann, tauchte kurz auf, gab eine starke Szene und verschwand sofort wieder. Der Rest war Geplänkel.

Toll inszeniertes Geplänkel allerdings. Eine schöne deutsche Übersetzung der Shakespeare-Texte (wieder Markus Molitor), wunderbare Schauspieler*innen, tolle Kostüme und grandioseste Szenen, wie Benedick und Beatrice sich am/mit/unter/hinter dem Zitronenbaum verstecken und diesem dann ihre Liebe klagen.

Es hätte groß sein können, es war sehr gut.

Um halb Elf folgte ein letztes Mal dieses Jahr die neu gefundene Radstrecke vom Insulaner in die neue Wohnung, bereits in der dunklen Variante: Zum Fuß des Insulaners (Hügel), dann immer die Thorwaldsenstraße entlang, den kleinen Anstieg über Autobahn und S-Bahn, eine Schussfahrt bis zur Schloßstraße, den Kaiser-Friedrich-Platz leicht streifen, dann durch das grüne Friedenau ins grüne Rheingauviertel und ab dem Rüdesheimer Platz wieder die Steigung hinauf, die Meter gut machen, die es zur Schloßstraße bergab ging.

Am Heidelberger Platz der Grünflächenfuchs.

Vor dem Insulaner bei Nacht. Nicht mein Rad.

Links

Does ice-cream have a future in the age of wellness fads and weight-loss drugs?

##

poupou produzierte veganes Kokos-Mandel-Eis und Veganes Scholokadeneis in der Ninja Creami.

##

loosy beim Hofkino

##

Viele Stunden meines Lebens verbrachte ich auf der Hamburger Grindelallee und in den dortigen Buchhandlungen. Manchmal fragte ich mich, was im Laufe der letzten Jahre und den letzten Einzelhandels- und Buchhandelskrisen aus ihnen wurde, meistens will ich darüber gar nicht nachdenken. Die Zeit klärte mich auf: Alle weg. Dafür gibt es eine neue: Der letzte erste Buchladen.

##

Spannend wurde es, als uns plötzlich ein Lastwagen entgegen kam. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie es jetzt weitergehen könnte, also standen wir erst mal wieder 10 Minuten alle rum. Der Lastwagenfahrer stieg aus, lief ein wenig rum, schien einen Plan zu machen und fuhr dann irgendwann rückwärts, wir alle vorwärts hinterher, und dann verstanden wir den Plan: Alle bogen rechts ab. Auf der Karte gab es kein Rechts, aber 10 Engländer:innen können nicht irren

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert