Wenn wir die Mülltonne nachts an die Straße stellen und am Nachmittag wieder reinholen, ist zwar unser Müll geleert, dafür aber die halbe Tonne schon wieder von Passant*innen gefüllt.
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Der Vermieter siedelte unser Office-Lager temporär in einen Kellerraum direkt unter der Parkhausrampe um. Glücklicherweise ist der Raum nicht gelb. Die ganze eigenartig-verschobene Raumgeographie wirkt selbst mit den Betonwänden schon wie ein Set aus dem Liminial-Space-Raum-Horror-Film Backrooms.
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Am Freitag 9. Oktober 2026 schaltete Madame erstmals in dieser Saison die Heizung im Wohnzimmer an.
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Freddie Mercurys Briefmarkensammlung wird im Postal Museum London aufbewahrt. Der größte Teil seiner anderen materiellen Hinterlassenschaften wurde verbrannt.
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Es waren Kinoabendtage des Athletischen und weniger Athletischen.

Glitzerzauberland
Der Herbst verherbstet. Selbst im Regengrau leuchten die Farben. Im Regenschwarz leuchten die Straßen, sie spiegeln die Lichter.

Mit der U3 nach Budapest
In der U-üç lernte ich, dass Edelsteine bei jungen Frauen heutzutage Gems heißen. Ein mäßig begabter Straßenmusiker spielte. Aber wer mitten im Berliner Herbstregen Bossa Nova spielt und ein wenig Sommerleichtigkeit herbeilockt, dem muss ich Geld geben.
Überhaupt: Der schlafende Obdachlose der nach einer Station später ausstieg. An seiner Stelle sofort die Gruppe Young Professionals mit Empfangsutensilien (verpackte Sektflaschen, Handouts), die eine Station fuhren und durch niederländische Tourist*innen ersetzt wurden.
Ich fühlte mich wie im Musical Linie 11 bis mir auffiel, dass die heutige U-üç ja die damalige Linie 1 ist und auch auf der Linie-1-Strecke mitfahre. Kein Wunder!
Nachdem die Bahn uns Montag noch nach Dahlem gebracht hatte, schlug ich wieder den Weg nach Osten ein, über Kreuzberg hinaus bis zur Warschauer Brücke und dem Uber Plaza. Mein Favorite Plastic Plaza Berlins.
Dort traf ich Madame und viele Tausend Fans von Niall Horan (Ex-One Direction) und des K-Pop-R’n’Blers Jay Park, die in der Uber Arena bzw. der Uber Eats Music Hall spielten.
Ich glaube ich muss mir langsam mal die Uber Plaza Uber App besorgen, so oft wie ich da bin.
Wie waren auch da, um Musik zu hören. Aber wir wollten Musik für alte Leute hören, deren Protagonisten noch älter als wir, bzw. tot sind: Queen.
Im IMAX spielte Queen Budapest. Der Film über das Queen-Konzert 1986 in Budapest, das erste westliche Stadionrockkonzert jenseits des Eisernen Vorhangs.2
Queen, die Band von der meine erste gekaufte Langspielplatte war3, 4,5 von der ich aber nie gesagt hätte, ich sei Fan, vermutlich, weil sie zu uncool war, zu sehr noch Progrock der 1970er, zu sehr Stadionrock, zu wenig Metal oder Punk.6,7,8

A Crazy Little Thing Called Love
Ich glaube am Donnerstag rückte ich meinem Hörgerät einige Jahre näher. Der Film wollte ein Original-Queen-Konzerterlebnis nahebringen. Und samt IMAX-Soundsystem gelang das auch in der Lautstärke. Wenn wir eines aus dem mehrfachen ansehen von E.P.i.C. – Elvis Presley in Concert gelernt hatten, dann „viel hilft viel“. Bei dieser Art von Film lohnt es, zum besten Bild und besten Soundsystem zu gehen.
Aber die Investition der hörgerätsfreien Jahre und der Eintrittskarte haben sich gelohnt. Queen und Freddie Mercury auf der Höhe ihres Schaffens in einer High-Prestige-High-Aufwand-Filmproduktion.
Gezeigt wird das damals mit großem Aufwand gefilmte Konzert in Budapest, ab und an mit kurzen Hintergrundschnipseln zum Budapest-Aufenthalt an sich gefilmt. Wir sehen kurz vier sehr englisch wirkende Lads im Europaurlaub und wir sehen Superstars in ihrer Höhe.
Eine Band, die zusammenspielt, erkennbar aufeinander eingespielt ist und im Konzert live auf die jeweils anderen eingehen kann. Und vier Individuen.
John Deacon am Bass, der immer ein wenig so wirkt als hätte sich der Praktikant auf die Bühne verirrt, dessen Spiel aber entscheidend Queen ist. Roger Taylor so versteckt hinter seinen Schlagzeugtürmen, dass er machen kann was er will. Brian May mit wallenden Locken, breiten Beinen und der Leidenschaft für das prägende Gitarrensolo. Und natürlich Freddie Mercury, der die ganze Bühne bespielt; der mit dem Publikum spielt als wäre es ein weiteres Instrument.
Wir dachten an Elvis, der ähnliches konnte. Besonders auffallend natürlich bei Queens Cover von Tutti Frutti und A Crazy Thing Little Thing Called Love – dem Song den Freddie Mercury als Hommage an Cliff Richard und Elvis Presley geschrieben hat.
Mal pathetisch am Anschlag, im nächsten Moment herumalbernd und über sich selber lachend. Mit dem perfekten Gespür, wann ein entschiedener Gang mit Brust raus entschieden wirkt, und wie wenig er ändern muss, damit es albern wirkt. Über die Bühne springend, rennend und doch immer präsent habend, was Bandkollegen und Publikum gerade machen.
Große Show, großes Kino.

Mit dem Fahrrad nach Paris
Das Uhlandessen erfuhr seine erste Änderung. Ausgerechnet direkt am Ku’damm schloss das dortige Lokal, Go Sylt, das von Gosch-Sylt „inspirierte“ Sea-Fast-Food-Lokal und wird durch echten Fastfood ersetzt: Zagros Gemüse Kebap, weltberühmt bei Dönerfluencern.9

Ich radelte vom Büro am Park vorbei, dann endlich einmal die Bezirksexklusive Fahrradstraße, die Prinzregentenstraße nach Norden, weiter zum Fernuni-Berlin-Campus am Kranzler Eck und dann noch ein Stück den Ku’damm entlang. Weil ich es konnte.
Ich entdeckte, dass das Cinema Paris seine traditionelle Kino-Buchstabentafel durch eine neue moderne Digitalanzeige ersetzt hatte. Denn ich wollte ins Cinema Paris: Frau Winkler verlässt das Haus10.

Das Handy flog, das Bier spritzte
Es gibt ja die Technik des Method Acting, bei der vereinfacht gesagt, Schauspieler*innen nicht spielen sollen, sondern das dargestellte selbst erleben und sich in den Charakte auch emotional hineinversetzen sollen.
Aber gibt es auch Method Watching? Eine Technik, bei der sich die Zuschauer*innen im Vorfeld versetzen?
Auf jeden Fall probierte ich es. Bei Frau Winkler verlässt das Haus geht es im Wesentlichen um die Beziehung zwischen 80jähriger Mutter und ihrer Tochter. Die Handlung wird in Gang gebracht, indem die Mutter stürzt.
Und stürzen tat auch ich. In der linken Hand alkoholfreies Bier und Eiskonfekt, in der rechten das Handy und mit dem Geist dabei der widerspenstigen App mein Kinoticket zu entlocken, schritt ich forsch Richtung Kartenkontrolle. Leider übersah ich dabei, dass zwischen mir und Kontrolle ein Absatz mit zwei oder drei Treppenstufen lag, trat schwungvoll ins Leere – und lag bäuchlings am Fuß der Treppe – das Bier einmal quer durch’s Foyer verteilt, das Handy lag etwa vier Meter entfernt von mir.
Im Gegensatz zu Frau Winkler war ich zwar dezent durchgeschüttelt, aber immerhin der Lage selbsttätig wieder aufzustehen, und mich die rettenden Meter in den Kinosessel zu schleppen. Aktueller Zwischenstand: Schürfwunden an Ellbogen und Knie (rechts), Prellungen/Verstauchungen an Fuß und Handgelenk (links) – was links genau ist, wird Anfang der Woche hoffentlich der Orthopäde herausfinden.11
„Ich will keinen depressiven Roboter! Ich bin selber depressiv!“
Ich erwartete einen Film, der nicht ganz doof ist, aber doch „mostly harmless“. So ein langsames Ausklingen der Woche und etwas Leerlauf für den Kopf. Das hatte mir der Trailer suggeriet und auch Doris Dörries letzten Film Freibad würde ich in die Kategorie einsortieren.
Schlimmstenfalls wäre es ein Film voller früher-war-alles-besser-und-analoger-Film alter Menschen über moderne Technik geworden. Aber irgendwie kam mir dafür der Trailer wieder zu charmant vor.
Charmant war der Film. Aber sicher nicht mostly harmless. Der Film hatte mehr impact. Grundgerüst des Plots sind die 80jährige gescheiterte Schauspielerin Frau Winkler (Angela Winkler), die in Hamburg wohnt und ihre Tochter Emi Winkler (Laura Tonke), deren eigene Schauspielambitionen irgendwo im Limbo versacken.
Der Film spielt in der nahen Zukunft. Er beginnt als Emi ein Angebot in Tschechows Drei Schwestern am Schauspiel Lübeck bekommt – dieselbe Rolle am selben Theater bevor Frau Winklers Karriere endete, Frau Winkler stürzt, Emi scheitert daran gleichzeitig in Hamburg die Mutter zu pflegen und in Lübeck zu proben und besorgt einen Pflegeroboter.
Der Film ist eine Liebeserklärung an Tschechow. Er werden umfangreiche Szenen aus den Proben in Lübeck gezeigt, während gleichzeitig Frau Winkler mit dem Roboter dasselbe Stück in Erinnerung re-enacted. Gefühlt besteht ein Viertel des kompletten Filmdialogs aus Drei-Schwestern-Zitaten.
Es ist ein wenig ein Film über Technik und was sie aus unserem Leben macht. Wobei die Technik nicht Fokus des Films sondern eher Farbe und Atmosphäre. Ganz grundsätzlich würde ich sagen, das Jahr 2030 ist zu nah das beschriebene Szenario, aber das wirkt schon alles ganz plausibel. Auch weil Dörrie ganz gut mitbekommt, was solche Roboter vermutlich gut können (Theaterstücke in hunderten Sprachen zitieren) und was nicht so gut (Feinmotorik).
Vor allem aber ist ein Stück über alte Eltern und Kinder. Einsamkeit, das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden, dem Bestreben festzuhalten und sich zu lösen, verbunden mit den Anforderungen des Alltags. Selten sah ich so realistische Szenen des Stützstrümpfe-Anziehens im Film, immerhin semirealistische Szenen des Windelwechselns bei erwachsenen Menschen.
Wobei es auch beidseitig großartig gespielt ist. Angela Winkler zwischen Lebenswille und Depression, Anforderungen, der Angst verlassen zu werden und gleichzeitig nicht zur Last fallen will. Laura Tonke getrieben zwischen den Anforderungen der Mutter, denen ihrer Tochter und denen das Theaters – manchmal scheint sie zu verschwinden in ihrer Gehetztheit, manchmal darf sie ein kleines bißchen eigenes Leben erhaschen.12
Warum wir leben. Warum wir leiden. Wenn wir’s nur wüssten. Wenn wir’s doch wüssten, wenn wir es wüssten! (Drei Schwestern)

Southuhland
Ich hatte von Madames Polen-Extravaganzen in Erinnerung, dass ein gebrochenes Handgelenk und die Tätigkeit des Fahrradfahrens eine wirklich schlechte Kombination bilden13. Also versicherte ich mir, dass das Handgelenk nicht gebrochen sein konnte. Irgendwie musste ich ja nach Hause und die biciletta azzurra wollte ich auch nicht allein in der Innenstadt lassen.
Es regnete. Es war dunkel. Hand und Fuß schmerzten ziemlich. Und selbst durch diesen Nebel zahlreicher Ablenkungen dachte ich, dass die Uhlandstraße eigentlich unter anderen Umständen eine nette Fahrradstrecke wäre.
Aber nicht Freitag. It hurt.
Irgendwie kam ich nach Hause. Schmerzmittel, Schnaps und Kytta-Salbe. Dann Bett.

Links
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Nur 25 Minuten, nicht IMAX, vermutlich weniger aufwendig gefilmt14. Aber es lässt sich sehen, was Queen zu Queen macht, sie sind in topform: Queen – Live Aid 1985 _ (Concert Remastered) und in der Kurzversion: Ein Mann setzt sich so ans Klavier, das ein ganzes Stadion stunned ist und ein Reaction-Youtuberin versucht es in Worte zu fassen
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Wenzel Hablik bei Messy Nessy (No. 6)
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Die Kaltmamsell wird in Marbach gesammelt. Ich finde das sehr verdient und beglückwünsche.
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Frau Landleben macht nicht mehr öffentlich-rechtliches Lokalstudio
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Herr Rau verliert gegen die Haustechnik: Im Informatikunterricht würde ich gerne zeigen, wie Client und Server arbeiten
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Für alle die es lieben wenn es hier nerdiger wird, bitteschön: Immer! Es geht im Theaterperücken.
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Das Geheimnis von Mamdani in New York: Richard-Scarry-Sozialismus: The NYC mayor is trying to build a city that functions like a city in a children’s picture book, where people aren’t caught in a web of lies and scams.
Anmerkungen
- Von 1986. Dasselbe Jahr indem Queen Budapest gedreht wurde. Das hat etwas zu bedeuten. ↩︎
- Und das sechstletzte Konzert an dem Freddie Mercury noch teilnahm. ↩︎
- The Miracle (1989) mit I Want it All oder Breakthrough ↩︎
- Ich bedauere, dass WordPress keine Fußnoten an Fußnoten zulässt, sonst könnte ich auch erwähnen, dass meine nicht-öffentliches-Fantum auch damit zusammenhängen könnte, dass die Platte für mich damals eher enttäuschend war. Zu wenig rockig, zu wenig gerade, zu sehr Kunst. ↩︎
- Vielleicht sollte ich sie mal wieder hören. Ich denke schon, dass sich mein Musikgeschmack weiter entwickelt hat, seitdem ich 14 war. ↩︎
- Ich glaube am Ende war es wirklich eher Coolness als Musikgeschmack, der verhinderte, dass ich mich als Queen-Fan bezeichnete. Vielleicht jetzt, jetzt bin ich lockerer was Fan-Bekenntnisse angeht, und glaube ich kann auch mit dem theatralisch-verspielteren komplexeren der nicht–rockingen Tracks mehr anfangen als damals. ↩︎
- Ich sollte The Miracle (das Album) echt noch mal hören, um mir ein heutiges Bild zu machen. ↩︎
- Da der Text hier normalerweise über mehrere Tage abschnittsweise passiert, habe ich mittlerweile in The Miracle reingehört. Und ja, ich glaube gerade die etwas komplexeren Songs gefallen dem southpark 2026 deutlich besser als dem southpark 1989. ↩︎
- Ich hoffe der Berliner-Morgenpost-Artikel über Zagros bleibt noch eine Weile ent-paywallt, der ist wirklich niedlich. ↩︎
- Yorck Unlimited No. 49 – 4,86€ pro Besuch. ↩︎
- Stand Sonntag Mittag: Handgelenk entwickelt sich gut. Weiterhin nichts geschwollen, der Bewegungsradius entspricht fast der rechten Hand. Zeh sieht spektakulärer aus, aber insgesamt bin ich auch da recht hoffnungsvoll. ↩︎
- Etwas abseits der Haupthandlung aber auch ziemlich großartig Via Jikeli und deren Entwicklung von der toughen Pflegeroboter-Vertriebsfrau hin zum besorgten Mensch, die sich selbst als Mensch in die Pflege einbringt aber auch mit ihren eigenen Emotionen klarkommt. ↩︎
- So im Alltag ist mensch sich gar nicht bewusst, wie viel an Erschütterungen so ein armes Handgelenk während einer Radtour abfängt. ↩︎
- Was bei Live Aid überraschend klingt. Aber tatsächlich bot Ungarn damals aus Prestigegründen (und weil der Film notwendiges westliches Geld verdienen sollte) alles auf, was das Land an Kamera- und Filmexpertise hatte mit 17 Kameras in 35mm-Film und internationaler Veröffentlichung. Die Version von 2026 ist nach 2012 bereits die zweite remastered- und released-Runde. ↩︎
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