Madame senste. Später sang sie Bach.
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Katwarn warnte mich erst vor regenüberschwemmten Straßen in Dithmarschen, dann vor Sturmflut. Amphibisches Land.
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Vor ziemlich genau einem Jahr entdeckte ich dank Effi Briest das Wort Haselant; weiterhin erscheint es mir die beste Bezeichnung für jedes LLM: eine Person (oder Maschine), die schön und überzeugend reden kann, aber inhaltlich ein ziemlicher Windbeutel ist.
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Im Deutschlandfunk lernte ich: Enno Poppe komponierte das Stück „Rad“ für zwei Synthesizer, in dem sich in 20 Minuten einhundertmal die Tastenbelegung des Instruments ändert.
Im Laufe des Stücks erzeugt dieselbe Taste bis zu 100 verschiedene Klänge, je nachdem wann sie gedrückt wird. Die Belegung verläuft irgendwo zwischen: Alle Tasten bilden nur sehr fein aufgeteilt eine Oktave ab, jede geht einen winzigen Tonschritt nach oben. Oder: Jede-Taste-spielt-ein-Dutzend-Töne. Notiert ist das Stück, wie ein gewöhnliches Klavierstück: nur erklingt nie, das was die Musiker*in über Jahre eingeübt hat, was erklingen sollte. Das antrainierte Spielgefühl, dass aus einer bestimmten Handposition bestimmte Töne erfolgen, wird aufgelöst. Und zwar während des Stücks andauernd anders.
What a beautiful brainfuck.
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Es war ein bunt-immobiles Wochenende.

Rot, Gelb, Grün
Während nach dem Sturz zu Paris das Handgelenk ein wenig vor sich hinmöppert, aber sich sonst ganz gut verhält, könnte mein großer Zeh derweil als LGBTQ*-Solidaritätszeh durchgehen, so wie er in allen Regenbogenfarben leuchtet.
Die freitagnächtliche Exkursion in die Latifundien ließen wir ausfallen. Schnaps, Schmerzmittel, ein frühes Bett und langer Schlaf schienen angemessen.
Die Fahrt aufs Land verschob sich auf den nächsten Tag.
Samstagfrüh wartete der Subbotnik (auf Madame..) und diese fuhr auch hinaus nach Brandenburg. Ich durfte die Stelle des beifahrenden Landschaftsbetrachters ohne Hand- und Fußeinsatz einnehmen.
Eine gute Gelegenheit für mich den wilden Wein mit den roten Blättern an der Berliner Nordautobahn zu bewundern, ebenso wie die Alleen Richtung Latifundien. Spannend: Eine Seite der Bäume ist schon gelb, die andere noch grün. Ich weiß jetzt auf welcher Seite es nachts kälter ist.

Die Mango-Astern-Zeit
Auf den Latifundien sahen wir den Mango-Baum der Nachbarn. Die Früchte werden vermutlich nicht mehr reif werden. Aber große, pralle, grüne Mangos hängen am Baum.
Bei uns blühen die Astern.
Es ist die Mango-Astern-Zeit.

Madame nahm am Subbotnik teil. Ich zeigte auf meinen Fuß, zog eine Leidensmimik und entschuldigte mich. Madame entastete übergriffige Bäume, ich las.
Später senste sie bei uns den Beginn der Wiese und baute das Schattiernetz ab. Ich las, erfreute mich an den wild wachsenden Rosen und den leuchtenden Astern. Der Zierapfel blüht über und über als wolle er eine mittelalterliche Allegorie der Üppigkeit illustrieren.

Ein Bartgeier erzählt von Wildschweinen
Fuß-kaputt-Tage sind Lesetage. Gesuine Némos Theologie des Wildschweins wird unter dem Label Regio-Krimi verkauft. Das ist nicht komplett falsch, aber eigentlich schon.
Was passt: Am Anfang stirbt jemand, das Buch beschäftigt sich intensiv mit dem sardischen Dorf in dem in den 1960ern gestorben wird und am Ende wissen wir, wer wen ermordete.
Aber zwischendurch fehlt die Ermittlung. Die planlosen Norditaliener der Polizei sind so planlos, dass sie auch im Buch keine Rolle spielen, außer ab und an als Staffage durch das Bild zu laufen.
Der sardische Polizist weiß, dass es besser ist, nicht zu ermitteln. Der jesuitische Priester möchte einen Teilaspekt wissen, kann aber nicht ermitteln, weil er ja Priester und an das Beichtgeheimnis gebunden ist und der verrückte Sänger singt den halben Verbrechenstatbestand, aber niemand weiß, was man1 damit anfangen soll.
Die endgültige „Lösung“ des Falls erfolgt dann auch erst einige Jahrzehnte nach der Tat durch einen Luther-inspirierten Thesenanschlag an die Dorfkirche, als fast alle Beteiligten schon tot sind.
Das Buch selber interessiert sich auch nicht so richtig für das Verbrechen. Die ganze lange Mitte hinüber verschwindet die eigentliche Tat und deren Aufklärung fast aus dem Buch, vor allem geht es darum, wer mit dem redet und wer nicht redet. Wer wem Wildschweine, Käse und Wein schuldet. Welches Verhältnis der Priester zu den beiden Jungen in seiner Obhut hat. Und irgendwann fängt der Bartgeier an seine Geschichte zu erzählen.
Spätestens wenn ausführlich Italo Calvino zitiert wird, stelle ich fest, dass das hier nur im weitesten Sinne ein Krimi und eher ein postmoderner Roman ist, der so schlecht als Krimi getarnt ist wie ein Sarde im Wildschweinkostüm sich als Wildschwein tarnen kann.
Mich freut das. Es war kein Italo-Calvino-Buch aber doch deutlich vergnüglicher zu lesen, als ein Standard-Regio-Krimi.

Rudolf Wissel stimmte im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis
Sonntag früh ging es zurück in die Metropole.
Auf Madame wartete die Bach-Kantate Herz und Mund und Tat und Leben2 und ein Pfarrer, der wirklich den gesamten Gottesdienst der Kantate widmete; inklusive der Tatsache, dass er nicht die Liturgie des aktuelles Sonntags (19. nach Trinitatis) verwendete, sondern die der Kantaten-Erstaufführung in der Thomaskirche (Maria Heimsuchung)
Über die wirklich, wirklich leeren Autobahnen fuhren wir am Sonntagmorgen. Wir sahen die frisch halbgesperrte Rudolf-Wissel-Brücke, laut meiner Rechtschreibprüfung auch Rudolf-Wiesel-Brücke, die zentrale Autobahnbrücke des Berliner Westens, auf deren Sperrung wegen Einsturzgefahr auch der gesamte Berliner Westen seit Jahren wartet.
Madame sang. Ich ging auf das Sofa.

Oh oh
Fuß-kaputt-Tage sind Lerntage.
Da waren sie wieder, das große O und das kleine o (oder hier in verständlicher). Mein Fernuni-Modul „Datenstrukturen und Algorithmen, diesmal jetzt aber richtig wirklich“ will ja auch einmal in Angriff genommen werden.
Es startet mit Komplexitätstheorie und damit erstmal ziemlich mathematisch. Ich habe seit einem Jahr für das Studium keine Mathematik mehr angeschaut, und staune dementsprechend. Zumal die ganze Zeit Logarithmen vorkommen, die mir selbst anno dulle im Mathe-Leistungskurs schon immer suspekt waren.

Aber immerhin: Von der letzten D&A-Runde erinnere ich mich noch, dass die ersten beiden Kapitel eine steile Lernkurve haben und den Theoriebrocken hinwerfen. Ab Kapitel drei aber wird diese Theorie angewendet. Ab Kapitel drei geht das Verständnis nicht mehr steil nach oben, sondern es breitet sich aus.
Auch inhaltlich merke ich die diversen bisherigen Anläufe: Ich kann die Testaufgaben zwar derzeit nicht beantworten. Aber ich verstehe immerhin was sie von mir wollen und würde sagen, ich kann auch die Lösungen nachvollziehen. Es wird.
Abends ein doppelter Regenbogen

Morchelsalat
Fuß-kaputt-Tage sind Uhlandessen-Tage, denn die BVG meint es gut mit uns. Nach zwei Tagen des Ausheilens konnte ich aus der Haustür in den Bus fallen und vom Bus dann drei Schritte in das Tian Fu stolpern. Die nächste Station des Uhlandessens.
Ungefähr hier beginnt auf der Uhlandstraße die echte Ausgehmeile. Die Dichte der Restaurants nimmt ab jetzt in Richtung Ku’damm deutlich zu. Auch ist es der Beginn der asiatischen Wochen für uns. Ein Großteil der Lokale weiter nördlich ist mal koreanisch/japanisch/chinesisch oder auch generischer „asiatisch“.
Fu, New Fu, Fuzius
Da passt es, dass das Tian Fu auch historisch „das Erste“ war. Das Lokal existiert seit den 1990ern, inzwischen in der zweiten Betreibergeneration. 2013 übernahm Wen Wen Wang mit ihrer wok.aholic3 Gmbh das Lokal von ihren Eltern, gründete zeitweise das New Tian Fu in Wilmersdorf und immernoch das vegetarische Tianfuzius am Vicky Lu im Bayerischen Viertel.
Soweit ich ergründen konnte, waren sie mit die ersten, die authentische regionale Sichuan4-Küche in Berlin anboten. Gleichzeitig waren sie aber auch immer Nachbarschaftslokal für den Güntzelkiez.
Weder Chilis noch Sichuan-Pfeffer
Die Karte gibt das wieder. Zwischen reichlichen Chili-Schoten-Symbolen. Natürlich gibt es Mapu-Tofu, Hotpot, Hühnerfüße, Schweinebauch etc. gerne in scharf und sehr scharf.
Es gibt aber auch Huhn Süß-Sauer, gebratenen Eierreis und ähnliches, was für deutsche Esser*innen unkompliziert ist.
Da Sichuan-scharf bei mir schnell an der Grenze dessen ist, dass ich außer „scharf!“ gar nichts mehr schmecke, und wir eh nicht mehr abenteuerlustig waren, blieben wir im eher deutschen Teil der Karte.
Vom anderen „unserer“ Sichuan-Restaurants, dem leider mittlerweile geschlossenen Da Jia Le, hatten wir uns überzeugen lassen, dass Bier der beste Begleiter ist und bestellten Benediktiner. Als Essen kam auf den Tisch:
- Shaomai , offene gedämpfte Dumplings mit Schweinehackfüllung über Kohl gedämpft.
- Morchelsalat
- Gebratenes Rindfleisch mit Lauch
- Fleisch von der Hühnerkeule in süß-saurer Tomatensauce
Das schmeckte schon alles sehr fein. Tief, aromatisch. Die Dumpling mit prägnantem Kohl-Aroma, das ich so nicht kannte, die Morcheln bester Pilz und die Hühnerkeule mit wirklich herausragender Fruchtigkeit der Sauce.
Dreiteiler mit Krawatte
Das Restaurant selbst war frisch renoviert, weckte in mir eher die Assoziation „minimalistisch Japan“ mit wirklich sehr schicken negativen Bambus-Reliefs in der Wand, die Gäste waren teils erkennbar langjährige Stammkunden, eine spanische Familie und das was ich für ein nicht-gut-gehendes-erstes-Date hielt.
Interesse weckend: als das Restaurantteam mehrere größere Holzplatten und eine Art Tischbeine für diese holte, lagerte und schließlich einer Gästegruppe (Großeltern? im Dreiteiler, Jungerwachsene) mitgaben. Ich wüsste gerne die Geschichte dahinter.

Links
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Knospenheide (Besenheide): kommerzieller Erfolg, ökologisches Desaster
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Dringend mal ins Hansa-Theater
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Im Paradies der Noten. Die Musikalienhandlung M. Oelsner
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