Kohlbrot ist aus. Da muss man schon vormittags kommen. Das wollen ja alle haben. Das gibt es nur einmal im Jahr. Nur wenn in Dithmarschen Kohltage sind, der Spielmannszug Blau- Weiss neben einem Traktor auf dem Ankerplatz Büsum auftritt und Edeka Kohlpyramiden neben dem Eingang stapelt, dann gibt es Kohlbrot.
Dr. Ali war auf ausnehmend freundlich. Das will ich ihm auch geraten haben. Ich glaube, ich besiegte den semi-smarten Stromzähler.
In Elmshorn gerieten wir in ein Feuerwerk.
Madame warf sich Indiana-Jones-like in den ICE.
Obwohl mein Geburtstag erst nächsten Monat ist, kündigte DHL ein erstes Geschenk an: Gut 2000 Seiten Fernuni-Kursmaterialien sind auf dem Weg.
Im Anzeigenblättle schöne Kohltage-Fotos. Unter allem sämtliche lokale Honoratioren stolz mit je einem Kohlkopf im Arm. Und die beiden im Kostüm auf Kohlfeld, die das Blãttle als „Tanz der Kohlelfen“ titulierte.
Trotzdem zog es uns ans Meer. Wir wandelten in einer Regenpause von der Büsumer Jugendherberge vorbei an den Krabbenkuttern zum Strand. Dann weiter zur Perlebucht, Kitesurfer schauen und zurück. Wäre ich sehr viel sportlicher – und wohnte ich am Meer – und wäre bereit viel Geld in Sport-Grümpel zu investieren, dann könnte ich mir Kitesurfing als Sport vorstellen. Zwischen Strand und Jugendherberg brach der nächste Sturzregen über uns herein.
Gelesen: Claudio Magris: Verstehen Sie mich bitte recht. Nicht aufgepasst. Erfolgreiche-Schriftsteller-schreiben-selbstreflexiv-über-die-Allüren-erfolgreicher-Schriftsteller ist nicht mein Lieblingsgenre.
Ich steige jetzt aus
Es ist ein wenig lahm, bei jeder Bahnfahrt über die Deutsche Bahn zu lästern. Aber sie ist halt so voller Überraschungen. Nachdem Berlin-Hamburg weitgehend komplikationsfrei funktionierte, wurde es im RE6 nach Heide spannend.
Der Zug fuhr. Dann stand er. Durchsage „Personen im Gleis“. Dann fuhr er wieder „Personen weg“. Dann hielt er wieder. Dann fuhr er und der Lokführer sagte: „Wir halten jetzt in Pinneberg. Das ist kein regulärer Halt. Aber wir müssen da jetzt anhalten.“ Dann hielten wir in Pinneberg.
Wir hörten zufällig wie der Lokführer sagte: „Ich steige jetzt aus“. Dann stieg er aus und ging und ward nicht wieder gesehen. Etwa 20 Minuten später kam eine Schaffnerin und erzählte, dass der Zug nicht weiterfährt. Also standen wir in Pinneberg, an einem Bahnhof an dem der reguläre RE nicht hält.
Irgendwie gelangten wir um 22:30h nach Heide. Leider ohne Anschluss bzw. wäre der nächste Zug um 4:49h gefahren. Knapp 20 Kilometer vom Kaptain entfernt. Zum Glück ist das örtliche Taxigewerbe auf die Deutsche Bahn eingestellt und wartete bereits am Bahnhof.
Das Gefahrenpotenzial der gemeinen Raucherpause wird unterschätzt. Auch kurzfristig.
Der Teppichreinigungsdienst in der Straße erneuert mal wieder ein gebrochenes/zerschlagenes/zerstörtes Fenster. Wie es sich für eine solche Baustelle gehört, arbeiten zwei Personen, eine weitere gibt wedelnd Anweisungen und vier stehen daneben und schauen.
Die Absperrgitter für den Berlin-Marathon werden in Stellung gebracht
In Dithmarschen finden die Kohltage statt. Der Kohlanstich auf einem Feld in Wesselburen erfolgte bereits. Auf dem Heider Marktplatz wird ein großes Kohlfestzelt stehen. In Wesselburen treten nicht nur die beiden Kohlregentinnen Inken III. und Luisa I. auf, sondern auch die Tanzgruppe Westerdeichstrich. Nur beim Meldorfer Kohlvergnügen kommt es Sonntag zu einem eingeschränkten Programm:
12:00 – 13:00 Jagdhornbläser – abgesagt wegen Personalproblemen!!!
Der Matrose lachte verschmitzt. MMB möchte einen Pokal. Madame nahm an einem Onlinemeeting mit Berliner Psychologiestudentinnen teil. Ich installierte mir eine krankenkassengesteuerte Wellnessapp und bin gespannt.
Die Baustelle am Sachsendamm verwandelt sich in halb Baustelle, halb Kunstinstallation, indem sie mehrere hundert Meter Abwasserrohr einfach auf der Straße verlegt.
Flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis, auch Grenzplankostenrechnung genannt
Geschuldet meinem ehrgeizigen Fernuni-Programm dieses Semesters las ich bereits die beiden Studienbriefe zum Internen Rechnungswesen. (D.h. ich betrachtete jedes Wort einmal weitgehend sinnverstehend.)
Der Mathe-Lern-teil, in dem ich mich zum Slow Reading zwinge, indem ich alle Formeln rausschreibe, einmal die Variablen und ihren Zusammenhang schriftlich benenne und die Formeln dann mit willkürlichen Beispielzahlen durchrechne, kommt noch.
(Nebenbemerkung: Angesichts der Zeit, die ich damit verbringe, Mathesachen aufzuschreiben, lohnt noch einmal die Recherche nach dem perfekten Stift).
Mathematisch wird das interne Rechnungswesen die Steigerung/Fortsetzung der Investitionen: Formal eher einfacher (Nichts Schlimmeres als Grundrechenarten und doppelte Brüche), dafür werden die Formeln selbst länger, es gibt mehr verschiedene Formeln und die Variablen vermehren sich offenbar via Zellteilung.
Spannend: 330 Seiten im Wesentlichen zum Thema „Wie lege ich allgemeine Kosten – Verwaltung, Entwicklung, Miete etc. – auf Kosten pro produziertem Werkstück um.“
MSSSPSIPSI
Mit 16/17, in einem leicht zu beeindruckenden Alter, durfte ich schon einmal die Realität verlassen und eine andere, schönere, wildere, tragischere Realität betreten. Von Hannover ging es in eine Kleinstadt, jeweils etwa 20 Kilometer von Memphis, Tennessee und den Grenzen des Mississippi Deltas entfernt. In eine Realität, die vielleicht vage mit dieser Welt zusammenhängt, vielleicht auch nicht. Seitdem versuche ich, das Erlebte in Worte zu fassen.
Mississippi ist der emotionale Süden der US-Südstaaten und das Delta ist wieder der Süden davon. Amerikas schwärzeste Gegend, die ärmste Gegend, diejenige Gegend mit der höchsten Rate an Teenage-Schwangerschaften und vermutlich der schlechtesten Bildung des Landes. Ein Fest für jedes US-Klischee eines Deutschen(*) und selbst für die Klischees der US-Amerikaner.
Und doch, vielleicht liegt es an den Sumpfdämpfen, der Einsamkeit, den Giftschlangen oder der unterträglichen Armut: „Realität“ funktioniert hier anders. Gefühlt verbrachte ich jeden Tag in einem magischen Realismus direkt vor der Haustür.
Und nun erschien Dispatches from Pluto, ein New-York-Times-Bestseller über einen Engländer, der nach Mississippi zog. Ich dachte an Berliner-ziehen-nach-Brandenburg-Bücher und mein Magen zog sich zusammen. Und dann las ich Ausschnitte, und es war gut. Und ich las das Buch und es war noch besser.
Er schafft es, die Schönheit ebenso zu sehen wie das Elend. Für eine derart rassistisch geprägte Gegend gelingt es Grant überraschend gut in weiße wie auch schwarze Sozialzusammenhänge zu kommen. (Natürlich trotzdem ganz anders als es einem Schwarzen ginge). Und vor allem: Er lebt in einem einsamen Landhaus, kauft ein Gewehr um sich der Gürteltiere, Schlangen und einsamer Gestalten auf nächtlichen Landstraßen zu erwehren.
Und bleibt trotzdem recherchierender Journalist, der in Europa aufwuchs und versucht durch die Realitätsverzerrungen der Gegend hindurch feste Realität zu finden.
Es ist nicht möglich der Gegend gerecht zu werden. Aber Dispatches form Pluto ist ein guter Anfang.
Herr Buddenbohm zieht mit seiner Helgoland-Ausfahrt meinen ewigen Neid auf sich – aber immerhin bloggt er schön darüber. Vielleicht am schönsten in Und jetzt waren wir auch hier.
(*) Meistens zumindest. Wie das mit Klischees so ist: Bei einem schwarzen Bevölkerungsanteil von über 80% ist das Delta natürlich die Demokraten-freundlichste Wählerdemographie der USA. Vor New York, vor Neuengland, vor Portland. Keine Gegend wählt so verlässlich demokratisch.
Luzifer hat lange, blonde Haare und spielt Fußball.
Der Lidl-Balsamico erfuhr seit unserem letzten Kauf eine Designänderung. Die historische Stadtansicht ist kleiner, der goldene Rahmen verschwand. Die goldene „Balsamico“-Schrift wurde durch eine schwarze Schrift ersetzt. Dafür prangen nun die Farben der italienischen Trikolore auf der Flasche. Ich vermute, für Deutsche sieht es italienischer aus als vorher, für Italienier hingegen deutscher.
Madame beschäftigte sich erst mit Staubsaugen und dann mit Designschutz.
Der Kaptain wartet auf einen Teppich.
Nachzutragen bleibt Madames erfreulicher Anfall von Italianità, als sie Steinpilze auf dem Wochenmarkt sah und spontan Risotto ai funghi porcini kredenzte. Später erntete sie die Birne Köstliche von Charneaux Noch hart, aber ihr bereits entgegenfallend.
Die tiefstehende Abendsonne setzte Libellen über beschatteten Wiesen prächtig in Szene. Insekten versuchten Abends, den aufgewärmten Bungalow zu entern. Wir fanden eine Hornisse hinter der aufgehängten Landkarte. Beim Frühstück tauchte plötzlich ein untertassengroßes Heupferd auf. Einzig die Stinkwanzen traf ich bisher nur in der S-Bahn.
Sonntag frühstückten wir bei der Bundesgamerin et al. Auf dem Weg kurzes Winken in den Park Sanssouci und bestaunen des neuen Garnisonskirchturms.
Im Bundesgaminghaushalt erfuhren wir unter anderem von grundlegenden Trapezfiguren. Bei „Banane mit Häkchen“ kann man das Bein noch um ein Band wickeln, um sicherer zu hängen. Das Gespräch kam auf Verwandtenbesuch in Thüringen und vor allem die Bekannten der Verwandten: Dunkel ist’s in Thüringen. Dunkel.
Weil ich es kann, fuhr ich Montag von den Latifundien aus zu den Südkreuz Offices und Abends wieder zurück. 25 Menschen im Regio sitzen, stehen. liegen direkt um mich herum. Ich sehe innerlich 25 Romanhandlungen vor mir. Vielleicht war ich auch einfach übermüdet.
Kraniche flogen hoch über den Bungalow und niedriger über den Bahnhofsparkplatz.
Neutrale Kosten
Da mein vier-Modul-Plan dieses Semester vermessen größenwahnsinnig sportlich ist, begann ich mit dem Querlesen der PDF-Skripte (die Papierversion war bisher nicht in der Post.)
31031 – Internes Rechnungswesen und funktionale Steuerung: Ist eine Art „BWL-Gedöns“, also „Alles was noch in die Pflichtkurse soll, aber kein eigenes Modul bekommt.“ Das heißt, Internes Rechnungswesen, Produktionsplanung, Logistik und Marketing. Alles eher Hand-am-Arm, aber schon einfach Masse.
01141 – Mathematische Grundlagen: Das ist er, der Missing-Link zwischen „Mathe für Wirtschaftsinformatiker“ und „Algorithmische Mathematik.“ Das ist der fehlende Stoff, den ich mir letztes Semester irgendwie mühsam selbst erarbeiten musste. Ich bin gespannt wie es im Detail wird. (Note: Mein erstes Modul, dass nichts mit Wirtschaftsinformatik zu tun hat, sondern ein reines Mathe/Informatik-Modul ist).
63511 – Einführung in die technischen und theoretischen Grundlagen der Informatik. (ETTI) Die reinste Wundertüte zwischen physischem Chipdesign, Assemblercode und der Diskussion von NP-Vollständigkeit. Hier wurden viele Themen reingepackt. Die Erfahrungsberichte im Internet lesen sich arg variabel. Der mehrmalige Wechsel von Titel und Kursnummern in den letzten Jahren hilft nicht bei der Recherche. Selbst die Unterlagen helfen nur bedingt. Eine Hälfte des Kurses gibt es nicht als gedrucktes Skript, sondern als gefilmte Vorlesungen. „Querlesen“ ist da schwer möglich.
Aktueller Plan: Da nur die ersten beiden Kurse obligatorische Einsendeaufgaben haben und mir tendenziell leichter erscheinen: Diese beiden Kurse schnell durchlesen, Einsendeaufgaben-Pflicht absolvieren. Dann sind die Aufgaben aus dem Weg und ich kann mich Mathe und ETTI widmen.
Ekkenekkepen
Gelesen: Richard Grant: Dispatches from Pluto. Etwa 40 Seiten vor Ende legte ich das Buch beiseite. Nicht, weil ich nicht mehr mochte, sondern weil ich fürchtete, es zu Ende zu lesen und dann wäre es weg und ausgelesen. Jetzt bin ich durch und habe viel zu erzählen. Aber später oder an anderer Stelle.
Einen so heißen Sommer, wie nun vor hundert Jahren, hat es seitdem nicht wieder gegeben. Kein Grün fast war zu sehen; zahmes und wildes Getier lag verschmachtet auf den Feldern.
Es war an einem Vormittag. Die Dorfstraßen standen leer; wer nur konnte, war ins Innerste der Häuser geflüchtet; selbst die Dorfkläffer hatten sich verkrochen.
Wer kennt es nicht in diesen Jahren? Storm am Anfang der Industrialisierung stehend, mit dem Blick darauf, was am verschwinden ist. Neben der schönen Gestaltung fallen mir besonders die klaren Naturbeschreibungen auf.
Die wilde Brombeere verschwand. Kein neuer Widergänger der Unausgrabbaren zeigte sich im Gehege. Naja, nächstes Mal wieder und dann werden wir sie wieder ausgraben. Dafür übersahen wir eine Goldrute auf der Wiese, die bereits blüht. Es wird höchste Zeit.
Die Regionalbahn pries ihre „INDERSPIELECKE“ an.
Wir vergaßen die Lurex-Schwämme.
Über den Latifundien im Tiefflug ein Rotmilan. Wir hofften, er jagt die Wühlmäuse und nicht den Starenschwarm. Über dem Doppelnachbargrundatück eine Drohne.
ETTI
Ein freier Wochentag erwartete mich am Freitag. Welch ungeahnter Luxus seit Fernstudiumsaufnahme. Er war allerdings auch nötig, um die Klausuranspannung wieder loszuwerden.
Noch bin ich so im Tunnelmodus, dass ich gleich versuchte, die Altklausuren für meine nächsten Kurse zu finden. Es wird: BWL – ist halt BWL, Sollte machbar sein. Modellierung von Informationssystemen – die Klausur verwirrt mich, aber im letzten Semester hat bei 140 Schreibenden eine*r nicht bestanden – sollte auch lösbar sein. Mathe – machbar aber wahrlich kein Selbstläufer. Technische und theoretische Grundlagen der Informatik – Ich finde nichts Konkretes nur Erfahrungsberichte zwischen „ganz normal“ bis zu „rechnet damit, dass Euch allein dieses Modul 2 Semester kostet.“
Wer mitzählte, wird merken, dass das 4 Module sind – was bei der Fernuni ein Zeichen absoluten Größenwahns ist. Und 400 Euro kostet (4 x 80 plus diverse allgemeine Semestergebühren.) Wir werden sehen.
Sitzwiese
Kopf freikriegen:
Plan A – Strandbad Wannsee – scheiterte an der Verbrennung. Die ist auf dem Weg der Besserung, aber größere Wunde plus Seewasser plus Sand erschien mir keine erfolgversprechende Mischung.
Plan B: Freibad ohne Becken. Ich schnappte mir recht wahllos etwas vom Stapel ungelesener Lektüre (Granta 161 – Sister, Brother) radelte zum Lassenpark, der ungefähr Freibadwiesenformat aufweist und las.
Mitrags kurzer Aufbruch, Essen (Sucuk-Pide) und eine kurze Fahrradrunde durch Schöneberg drehen, dann zurück auf meine Parkbank.
Gesehen: Vormittags nur Menschen im Park, die etwas ausführten: Hund, Kinderwagen oder Rollator. Bis auf den stark tätowierten jungen Mann in Boxershorts mit Goldkette, der durch den Park in einem Tempo joggte, in dem Normalsterbliche sprinten – Respekt.
Auf der Bank neben mir: Die geheime Parkbürgermeisterin. Auf jeden Fall konnte sie sämtliche Parkbesuchende Ü60 namentlich anrufen und in Gespräche verwickeln – vorzugsweise über Nicht-Anwesende.
Sister, Brother
Gelesen: Granta.
Als in der vorletzten Geschichte des Literaturmagazins zwei Schwestern ausgehen, und auf halber Strecke eine als krebserkrankt offenbart wird, dachte ich nur noch: Come on. Müsst ihr jetzt in jedem einzelnen Text das emotionale Level voll aufdrehen? Geht es nicht mal etwas drunter?
Was schade ist: Die Vielzahl verschiedener Geschwisterbeziehungen in den vielfältigsten Familienkonstellationen bietet eigentlich gute Lektüre.
Mir besonders erwähnenswert: Viktoria Lloyd-Barlow, die in einem autobiographischen Text präzise-humorvoll-empathisch eine Kindheit beschreibt, die mit „Horror“ untertrieben dargestellt wäre.
Und Karolina Ramqvist über ihr Leben als Einzelkind mit vier Halbgeschwistern und ihre schwierigen männlichen Vorfahren. Dort der Satz über ihren Großvater Theodor Svedberg, der mich als Wikipedia-Autor besonders berührt:
His biographical section on Wikipedia ends with my own name. It has been there for years now and yet it still shocks me when I see it on the screen, that I have written myself into his story, worked up my way alongside the other names.
Madame soll melden, ob sie einen Besucherparkplatz benötigt.
Der Herbst naht. Lidl verkauft Weißwurst. Der Herbst naht. RTL kündigt die nächste Staffel Ninja Warrior Germany an.
Der Fahrstuhl der Hinterhausbaustelle verschwand. Entweder sie haben jetzt alles Schwere und Sperrige vom Dach entfernt und neues Schweres und Sperriges hinaufverfrachtet. Oder das Geld ging ihnen aus. Oder jemand hat vergessen, den Mietvertrag zu verlängern. Alles ist möglich.
„Unser“ Fahrtstuhl ist noch da. Und passend zum Klausurtermin hat mal wieder jemand lautstark auf dem Dach gearbeitet.
Freundlicherweise waren die lauten Bohr-Zeiten immer nur einige Minuten kurz und über einem anderen Abschnitt der Wohnung. Nicht so gut war, dass dann auch noch auf dem Hof eine Mischung aus Laubbläser und Presslufthammer losging. (Keine Ahnung was – konnte ja nicht rausschauen, ich stand unter Klausuraufsicht). Immer sehr passend, wenn die Klausur eine Onlineklausur ist und ein Teil über eine Zoomkonferenz mit zwangsweise offenem Mikro läuft. Ich hoffe, bei den anderen kam der Baustellengeräuschpegel nur gedämpft an.
r(*) = (e1/-2e0) x ((Wurzel(e1/2e0 – e2/eo)) -1)
Ich stellte fest: Offensichtlich habe ich keine Blogleser*innen, die hier BWL-Korrektur lesen. Meine Ausführungen zum Cashflow vor ein paar Tagen waren falsch – aber zum Glück merkte ich es noch rechtzeitig. In der Klausur erschien auch prompt eine Frage zum Themenkomplex.
Vor der Klausur kamen die letzten Tage der Vorbereitung. Wieder in Schöneberg. Wieder ging es mir am letzten halben Tag, vor allem darum, den Kopf frei zu kriegen und mir wieder etwas Flexibiliät in Hirn zu schaffen. Das heißt normalerweise Park + Schwimmbad.
Diesmal nicht.
Ich möchte die Chance nutzen, um unaufgefordert Gesundheitstipps zu geben: Falls Ihr vorhabt, Euch einen schwall kochendes Wasser über den Bauch zu kippen: Haltet ein!
Es fühlt sich nicht so toll an. Das optische Resultat ist meines Erachtens verbesserungsfähig. Und vor allem: Danach habt Ihr länger eine größere nicht-verheilte-Wunde – mit der Schwimmen nicht möglich ist. Und das ist das Schlimmste!
Irgendwie habe ich Mittwoch überstanden. Die Klausur entsprach im Wesentlichen meinen Erwartungen: (a) Wenn ich scheitere, dann nur an eigener Dämlichkeit. (b) Wie ich mich kenne, liegt das komplett im Bereich des Möglichen.
Also, einloggen heute um 8.40h, dem Zoom-Meeting beitreten, den Name auf Nachname, Vorname (park, south) ändern und den Bildschirm freigeben. Die Klausuraufsicht spricht Einzelne an, die bei einem der beiden Punkte Probleme haben.
Um 8.55h werden die Fragen freigeschaltet. Um etwa 9.10h spricht mich eine Aufsicht via Breakout-Session an, lässt sich Personalausweis, Taschenrechner und leere Schmierblätter zeigen.
Ich folge meinen üblichen Verfahren:
1. Runde – alles überfliegen, so dass ich eine ungefähres Gefühl habe, für das was kommt.
2. Runde – alle Fragen beantworten, bei denen ich ohne Überlegen entweder die Antwort weiß (MC) oder weiß was ich rechnen muss.
3. Runde – Fragen, die mich einige Minuten des Überlegens kosten (Ich weiß, ich weiß die Formel – muss sie mir aber erstmal korrekt ins Gedächtnis rufen. Oder auch: Aufgabe mehrfach lesen, um sicher zu sein, wie ich sie verstehen muss.)
4. Runde – Fragen, bei denen ich überhaupt mal überlegen muss, was der Ansatz sein könnte.
Glücklicherweise war ich danach mit allen Fragen durch. Es war kurz nach 10 und ich hatte noch fast eine Stunde Zeit.
Und dann kam: Gegenrechnen und gegenrechnen. Im Wesentlichen bestanden die Aufgaben aus Berechnungen, die etwas Taschenrechnerartistik verlangten. Auch wenn ich mich überzeugt hatte, dass all‘ meine Ergebnisse zumindest ein plausibles Ergebnis hatten; ich in der richtigen Größenordnung ankam- Verrechner sind bei mir immer möglich.
Und wenn ich mal irgendwo 1,02 statt 1,03 getippt habe oder einen Term ganz vergaß – dann schreibe ich halt 330,679 statt der korrekten 337,987 – dann sind das Null Punkte bei der Frage.
Naja, ich fand Verrechner und dann noch einige Verrechner und irgendwann fand ich keine mehr, war aber auch schon so gehirnmatschig, dass mein Rechnen vermutlich nicht mehr besser geworden ist.
Um 11 Uhr war Schluß. Passend gewürdigt mit einem wilden Bimmeln vieler Handies in Hörweite der Klausurteilnehmer*innen. Und damit war mein 3. Fernuni-Semester beendet. Ich kann raten: Legt Euch wichtige Termine auf 11 Uhr am Alarmtag, das macht Stimmung.
Nach der Klausur. Mit beschmiertem Schmierpapier und ordnungsgemäßen Taschenrechner.
1, 2 und 3 – vorbei
Damit ist Semester 3 des Fernuni-Abenteuers vorbei. Aktueller Stand: Bestes Semester. Sei es die wilde Achterbahnfahrt der Algo-Mathe, sei es Investition und Finanzierung (das ich viel zu lange sträflich ignoriert habe, eigentlich finde ich auch das inhaltlich spannend.)
Langsam komme ich im ganzen Prozess auch so an, dass ich auf dem Fahrrad das neue Kranzler Eck/den Fernuni-Campus-Berlin ohne Nachdenken finde. Mein Arbeits- und Lernrhythmus wird besser. Meine Klausurvorbereitung zumindest etwas entspannter. Ich bekomme ein besseres Gefühl dafür, wie die Fernuni so tickt und was sie wirklich von mir will.
(Wie immer half mir Inaugenscheinname: Zum Studientag nach Hagen fahren war trotz 38 Grad und Bahn-Chaos jeden Schweißtropfen wert).
Morgen stehen vermutlich die Unterlagen für Semester 4 auf dem Briefkasten.
Da ich immer noch nicht schwimmen durfte, also ausgiebig seufzen. Danach brach ich auf zur nächstbesten Alternative: Mit Ringbahn, U7 und Bus zum Bürgeramt Wasserstadt und meinen neuen Personalausweis abholen.
Und jetzt bin ich knülle.
Türkischer Basar
Noch ein Gesundheitstipp: Nicht vom eigenen Steuerordner erschlagen lassen. Zum Glück sah Madame das ähnlich und wehrte das herabfallende Regalbrett ab.
Karen war unterwätigt von Florenz und sah zu wenig von Pisa.
Nachdem der Silobrand den NDR nach Wesselburen gelockt hatte, entdeckten die Journalisten auch gleich die rumänische Community. Ist auch nicht ganz einfach. Ein 3000-Einwohner-Städtchen (Land, Schleswig-Holstein, starker Rentneranteil), in das in wenigen Jahren mehrere hundert Rumänische Landarbeiter*innen ziehen. Sagen wir mal, die Auffassungen, was „normal“ und „richtig“ ist divergieren stark. Bisher verhalten sich alle Beteiligten vergleichsweise zivil.
Für einen (Wirtschafts)Informatik-Studenten, dessen Arbeitsplatz sich im Organigramm unter Informationstechnologie->Infrastruktur findet, war mein Verhältnis zum „Programmieren“, immer etwas schwierig. Ich fand und finde es ziemlich umständlich, dem Rechner wirklich buchstabenweise erklären zu müssen, was er tun soll. Meine Neigung zu Tippfehlern ist in dem Kontext nicht hilfreich.
Aber inzwischen verstehe ich genug vom Thema, um Programmiersprache als Konzept total spannend zu finden und auch, wie verschiedene Sprachen bestimmte Strukturen ähnlich oder halt verschiedenen lösen. Mit Genuß las ich „Python erklärt für Benutzer von R„.
Ich habe leichte Hoffnung. Hoffnung, dass die Medien-Schul-Universitäts-Deutschen es schaffen, „Gastarbeitergeschichte“ auch als Teil „ihrer“ Geschichte zu begreifen. Vielleicht entwickelt sich eine kollektive deutsch Geschichtserzählung, die die Zeit der 1950 und folgende ebenso aus Sicht der Gastarbeiter*innen erzählt, wie aus Sicht der hier schon ansässigen.
(Fiat 500, Elektro-Version. Ich hoffe ihr habt in der ersten Zeile innerlich den Holperreim mitgesprochen.)
Wir ernteten Alkmene (fürs Protokoll: Perfekter Zeitpunkt) und Gellerts Butterbirne. Soweit so normal für Mitte September. Außerdem bewässerten wir reichlich. Bei 31 Grad. Am 10. September. Nebenan verloren die Apfelbäume erste Blätter.
Obwohl die Latifundien fast noch auf Berliner Stadtgebiet liegen, profitierten wir davon, dem großstädtischen Hitzeglockeneffekt zu entkommen. Die Hitzeglocke offenbarte sich Montag Abend: Aufbruch am Bungalow bei 18 Grad Außentemperatur. Ankunft etwas später in Schöneberg bei 25 Grad.
Während Madame mit RE, S und Bus nach Südwestberlin fuhr, um Hamburger Anglist*innen zu treffen, war mein Plan „Nicht bewegen.“ In statischer Ruhe beobachtete ich überraschend viele Libellen. Der Garten wandelt sich über das Jahr: Vom Hummelgarten des Frühjahrs über Bienen und Feldwespen (Frühsommer) zu Schmetterlingen, Schwebfliegen und Marmeladenwespen (Hochsommer) bis zu den Libellen (Spätsommer).
„Nicht bewegen“ ließ sich mäßig in Einklang bringen mit Grillen (Burgerpatties, Kürbis, Zucchini; Madame kochte dazu gigantische Artischocken vom Wochenmarkt.) Es lies sich gut in Einklang bringen mit: Für die Klausur lernen.
Hand am Arm
Auch wenn mich die frei fließende Mathematik aus der Algo-Mathe mehr reizte. Ich muss zugeben: Bei der sehr viel handfesteren Wirtschaftsmathematik lernt man etwas für’s Leben. Die Formel für den Annuitätenfaktor (ANF) in der Überschrift zum Beispiel berechnet bei einem Darlehen mit festem Zinssatz (r) und einer Laufzeit (T), wie viel man im Jahr zurückzahlen muss.
Auch handfest: In der Vorbereitung lerne ich den Taschenrechner Casio fx87DE Plus ganz neu kennen. Wenn man die Formeln oft genug durchrechnet, entdeckt man manchmal doch weitere Tasten, die alles erleichtern oder stellt fest, dass das Modell manchmal Eingaben anders interpretiert als gemeint.
Zu meiner Überraschung gibt es laut Skript keine allgemeine Formel des internen Zinsfußes (r*), sondern nur eine Annäherung und Spezialfälle.
(Für diejenigen, die sich fragen: Welcher Zinsfuß? Das ist der Zinssatz auf dem freien Markt, bei dem sich eine Investition noch lohnt. Also wenn ich bei der Bank Kredite für 10% Zinsen aufnehmen muss, lohnen sich weit weniger Investments als bei 0,5%.)
Einer dieser Spezialfälle wird auf jeden Fall in der Klausur ein Thema sein. Und deshalb liste ich sie noch einmal auf.
Modell Zero-Bond (eine Auszahlung, eine Einzahlung T Jahre später: \(r* = \sqrt[T] {e_T/-e_0} -1 \) . Dabei T = Zahl der Jahre. \(e_T \) = Einzahlungsbetrag am Ende. \(e_0 \) = Auszahlungsbetrag am Anfang.
Modell Kuponanleihe (Eine Auszahlung am Beginn, zwischenzeitlich Raten, am Ende Rate+Ersteinzahlung zurück). \(r* = z \). Dabei enstpricht \(z \) dem Prozentsatz der jährlichen Rate von der Ursprungseinzahlung, der Endbetrag \(e_t \) ergibt sich aus \(-e_o + z \).
Modell drei Zahlungen: Ist mit jetzt zu komplex, das hier als Formel zu schreiben. Man muss die diversen Zahlungen dividieren, addieren, exponieren und wurzeln.
Bei der ewigen Rente gilt \(r* = (e/-e_0) \) Dabei ist \(e \) der jährlich zu erwartende Betrag, \(e_0 \) die Eingangsauszahlung.
Für eine allgemeine Formel rät das Skript zur Wahl zweier möglicher Zinssätze. Man errechnet aus denen einen besser passenden dritten Zinssatz und tastet sich immer näher heran.
Ich halte es für möglich, dass in der Welt da draußen auch eine allgemeine Formel existiert. Aber die Klausur wird Skriptwissen abprüfen, nicht Weltwissen. Ich werde mich jetzt nicht mehr mit Zusammengegoogeltem selbstverwirren.
99 Luftballons
Gibt es noch Bungee-Jumping auf der Welt? Ich habe schon lange nichts mehr davon gehört.
An verschiedenen Stellen First-Hand-Horror-Stories über das Elend des Berliner Schulwesens gehört. Wie schnell würde ich diese Stadt verlassen, hätte ich Kinder im entsprechenden Alter.
In den Märkischen Hamptons ist die Welt noch in Ordnung. Und das bedeutet: Es gibt Feuerwehr/Alarm/Katastrophenschutz-Sirenen, die wöchentlich getestet werden. Ihr Test jeden Samstag um 10 erinnert uns: Klassik, Pop et cetera auf dem Deutschlandfunk beginnt. Eine Ankündigung, die dieser Sendung durchaus würdig ist.
Diese Woche herausragend: Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy über ein Leben zwischen Italien, Frankreich und Deutschland. Nicht-Parties in Paris und die Gang der Germanstik-Studentinnen.
Die Wespen verschwanden. Der Sommer tritt nach mit 31 Grad und einer Alternaria-Allergiepilz-Invasion, dass mir Atmen und Sehen vergeht. (Hätte mir heute morgen während der Kaffeegartenrunde jemand eine Antarktis-Kreuzfahrt verkaufen wollen, ich hätte begeistert zugegriffen – wäre aber nicht in der Lage gewesen zu unterschreiben, weil ich mir sofort jeden Stift aus der Hand genießt hätte) Aber das Terrassenfrühstück findet wieder ohne Wespen-Begleitung statt.
In Kremmen findet das Brandenburger Erntefest statt. Ich hielt einmal an der Tankstelle neben dem Festgelände (Für’s Protokoll: Autogas 1,000€/l) und sah die Vorbereitungen: Prägnante „Parken-Verboten-Schilder“ auf sämtlichen Stellflächen der Tankstelle, dafür im Innenraum ein dreimal so hoher Stapel mit Bierkästen wie normal.
Mehr reizte mich das Erntefest Bärenklau mit dem traditionellen Dackelrennen (41 Meter Rennstrecke! 50 Dackel. Nacheinander). Aber zwischen mich und das Dackelrennen hat die Fernuni die Klausur in Investition und Finanzierung gesetzt. Ich darf Variablen und Formeln auswendig lernen und meine Überlegungszeit „Welche Formel zu welchem Anlass“ hoffentlich auf Sekunden verkürzen. Gefühlt: Sobald ich Kapitalwert, Annuität und internen Zinsfuß nachts um drei frisch aufgeweckt fehlerfrei rechnen kann, ist das die halbe Klausur.
Bevor ich mich in die Lern-Ermitage unter dem Apfelbaum begeben konnte, hatte die Welt noch den Rest der Arbeitswoche gesetzt. Die brachte überraschend viel Freizeitstress mit sich. Nach Blutspende (Dienstag) und Tanzen (Mittwoch) folgte noch Fassbrause-Trinken mit Direktor Laser in der Resonanz und dessen Nordkorea- Geschichten (Freitag) und vermutlich Europas größte Versammlung von Bademeister*innen Rettungsschwimmer*innen/FABs – aka dem Sommerfest der Berliner Bäder. Das fand im Wellenbad am Spreewaldplatz statt, wo tags zuvor der Stöpsel gezogen wurde, um zu kernsanieren.
Seitenwechsel
Es war gut, dass ich Mittwoch nach dem Tanzen schon so zerschlagen war, sonst wäre ich noch durch die Wohnung gehüpft und die Mieter ein Stockwerk darunter wären unglücklich gewesen.
In eigener Sache: Seitenwechsel: Ab dem Wintersemester studiere ich wieder, und zwar „Computing in the Humanities“ #CitH an der Uni Bamberg: https://www.uni-bamberg.de/ma-cith/ Ich arbeite weiter in der UB Bamberg, hier ändert sich nur die Stundenzahl. Das Studium geht zum Glück auch in Teilzeit. Und so wird es 25 Jahre, nachdem ich das erste Mal Linux auf meinem Pentium 200 installiert habe (und dann doch so viele andere Dinge interessanter fand), nun doch noch Informatik. #studarisan
…
Und warum hier so ausführlich? Weil mich genau solche Berichte zum #Studium neben dem Beruf auf den Gedanken gebracht haben, dass das auch für mich noch mal was sein könnte (looking at you, @southpark, danke!) #studarisan
Merken: Auf den Latifundien benötigen wir Wein und Lurex-Schwämme. In B&B Balsamico. Diese Woche Apfel Alkmene und Gellerts Butterbirne ernten, nächste Woche die Köstliche von Charneux.