Kategorie: Alltag

  • 23-08-22 Fahrrad des Theseus

    23-08-22 Fahrrad des Theseus

    Montag ist ein Tag des Aufbruchs und der Entdeckungen. Zum Beispiel der Entdeckungen zahlreicher neuer Mückenstiche, denn ich war Sonntag zu faul kurz vor dem Aufbruch mich noch abzusprühen.

    Jeder Tag beginnt damit, in dem letzten bisschen kühle Brise zu liegen und zu hoffen, dass der Morgen nicht vorbeigeht.

    Die Tupperdosen liegen in der Latifundienkiste. Auf dem Lidl-Parkplatz stand ein Auto mit Wasserstoffantrieb.

    Madame traf sich mit dem Kantor.

    Essen gibt es wieder aus dem Crocky: Oxtail Stew nach Jamie Oliver. Und da es im August spontan nirgendwo Ochsenschwanz gibt, wird es Ossobuco Stew nach Jamie Oliver.

    Aber es wird: wenn die Wettervorhersage sich nicht komplett irrt, wird es kühler und dann ist der Hochsommer auch vorbei. Immerhin kein nennenswerter Waldbrand, keine Überschwemmungen in unmittelbarer Nähe und die Hitzewellen blieben selten länger als eine Woche erhalten. Glück gehabt, so insgesamt.

    Langsam wird das Freibadwetter wieder besser. Also wieder auf in das Insulanerbad – für einen bewölkten Tag war es überraschend voll; vielleicht wollten die Berliner noch die letzten paar Tage Sommerferien mitnehmen und die letzten Coupons vom Ferienpass einlösen?

    Die Bahnaufteilung verlief auch nicht so ganz reibungslos – Langsamschwimmer und im-Wasser-Treidler sortieren sich nicht so schön auseinander. Aber für eine schöne Dreiviertelstunde im Untergang der hinter den Wolken hervortretenden Sonne reichte es.

    Kleine Rutsche in Form eines Krokodilkopfes. Darauf ein Blumenkübel.

    Auf dem Weg entdeckt: Das Fahrrad muss wieder zum Fahrradmeister. Eine Befestigung des Gepäckträgers ist gebrochen. Was nach 23 Jahren und mehrfach wöchentlichem Einkaufstransport vollkommen okay ist. Andererseits war der Gepäckträger eines der letzten Originalteile des Rads. Es bleiben noch Gabel, Lenker, Lenkervorbau, Sattelstütze und Rahmen – alles andere wurde (mehrfach) erneuert.

    Die Ferne rückt nah

    Die Fernuni-Klausuren rücken näher und langsam groove ich mich wieder auf den Studiumsrhythmus ein. Nicht ohne zwischendurch ein paar Blogs zu lesen.

    Länger schon kannte ich den Nebenbeistudent, der Bildungswissenschaft und Wirtschaftsinformatik studierte. Spannend. Aber wie viele derartiger Blogs in der Mitte abbrechend. Studium geschmissen? Blog umgezogen? ich weiß es nicht.

    Um so beeindruckender der Blog zum Fernstudium Wirtschaftsinformatik und Praktische Informatik an der FernUniversität Hagen. Der gute Mensch hat nicht nur den Bachelor in Wirtschaftsinformatik gemacht und den Master in Wirtschaftsinformatik und dann auch noch den Master in Praktischer Informatik, sondern auch bis zum Ende darüber gebloggt.

    (und nach meinen durchaus fordernden Erfahrungen zum Thema Algorithmische Mathematik erfreute ich mich auch am Post zu dem Thema – wobei es damals noch keine Einsendeaufgaben gab und jede*r an der Klausur teilnehmen durfte. Eine Herausforderung war der Kurs dennoch.)

    Let it Bahn

    In das Nachtzugthema kommt Bewegung. Nicht nur die Finnen, die Österreicher und die Italiener bestellten neue Nachtzuggarnituren, sondern auch die Norweger, die polnische PKP und das Privatunternehmen Midnight Trains bestellten neue Waggons. Back-on-track.eu bringt ein längeres Update zu den ersten Trenitalia/Skoda-Entwürfen für neue Nachtzugwaggons: IC Notte starts to renew its fleet.

    Nur die Deutsche Bahn ist nicht dabei. Die hat andere Sorgen. Nachdem wir live miterlebt haben, wie ein ICE zwischen Leipzig und Erfurt strauchelte, stundenlang in der Hitze brütete und nur mühselig evakuiert werden konnte, wird dieser nun zum Beispiel: Chaotisches Notfallmanagement bei der Bahn – Diesen Sommer steckten Tausende Bahnreisende oft stundenlang in Zügen ohne funktionierende Klimaanlage fest, weil unter anderem der Strom ausfiel. Recherchen von Report Mainz zeigen Probleme beim Notfallmanagement der Deutschen Bahn.

    Die New York Times hat einen Newsletter zu neuer Musik. Meist ignoriere ich diesen. Aber diesmal schaute ich rein: Guns’n’Roses existieren noch! Über die Band und das einzige Stadionkonzert meines Lebens sollte ich vielleicht auch mal schreiben.

    Es gibt eine neue Coversion von Let it Be. So weit, so öde. Diese aber ist von Peter Frampton (73 Jahre alt), Mick Fleetwood (Fleetwood Mac, 76 Jahre, Ringo Starr (The Beatles, 83 Jahre), Paul McCartney (The Beatles, 81 Jahre) und the one and only Dolly Parton (77 Jahre) – und das Ergebnis entsprechend grandios.

    Ähnlich besonders: Emma McKee – die Kreuzstich-Stickerin der US-Hip-Hop-Szene. (The Stitch Gawd)

    Nachdem das Wetter sich langsam wieder in erträgliche Gefilde bewegt, scheint mein Körper zu sagen: Nun hab‘ ich mich aber auch lange genug zusammengerissen. Der erste Abend in der Wohnung ohne Ofeneffekt und prompt kommt die Erkältung. Noch ist alles offen: Wird morgen ein „Mit einmal Nachtschlaf ist alles okay.“ oder ein „So wie ich huste und niese bleib ich aus Infektionsschutzgründen besser im immobilen Arbeiten“ oder wird es „Uuuaaaah, krank, schlafen..“ Ich bin gespannt.

  • 23-08-20 Vamos a la Playa

    23-08-20 Vamos a la Playa

    Madame dachte an das Bienenkissen.

    Die Wäschesprengerwespenabwehr funktioniert. Hatten uns die (Marmeladen-)Wespen am letzten Latifunden-Wochenende noch zum Indoor-Frühstück gezwungen, war dieses Wochenende ihre Angriffslust erlahmt. Sie besuchten uns zwar zum Frühstück und zum Kuchen und zum Falläpfelverarbeiten und auch einfach so. Aber es lief wie eigentlich immer: zwei drei mal den Wäschesprenger in Anschlag gebracht und die Wespen flüchteten wieder in den weiten Himmel.

    Wobei ich hier nur von den Aggro-Wespen schreibe – also der deutschen Wespe (Vespula germanica) oder der gewöhnlichen Wespe (Vespula vulgaris) – die immer nur im August auftreten. Mit den vielen Solitärwespen und den gallischen Feldwespen und den Hornissen und vielen anderen haben wir ganzjährig vollkommen unproblematische Beziehungen.

    Vielleicht war den Wespen auch zu schwül.

    Ankunft Freitag abend 22 Uhr: Im Bungalow herrschen 37 Grad. Bis 23:30h hatten wir ihn auf 33 Grad heruntergekühlt. Die morgendliche Minimaltemperatur waren 25 Grad.

    Im Internet lernte ich, dass der „Taupunkt“ die entscheidende Größe ist, um persönliches Hitzeleiden zu bestimmen. Das ist die Temperatur an der sich Tau zu bilden beginnt, weil die Luft das Wasser nicht mehr aufnehmen kann. Je höher die Temperatur, desto mehr Feuchtigkeit in der Luft. Der Taupunkt ist eine Methode, die absolute Luftfeuchtigkeit anzugeben (anstatt der meist verwendeten relativen Luftfeuchtigkeit.)

    Und ich lernte auch, ab 16 Grad Taupunkt wird es unangenehm – dann spricht Meteorolgen von „Schwüle.“. Ich lief Samstag Abend bei 26 Grad durch das Gras und es war vom Tau klatschnass.

    Dementsprechend inaktiv war der Samstag. Wir fuhren zum Supermarkt, kauften Fluchtwürste, Tonic und alkoholfreies Bier. Gegrillt wurden eine handvoll Minitintenfische (Gefrierfachfund), eine handvoll Nürnberger Würstchen und viel Gemüse. Und wir beiden dachten: diese Platte aus etwas (Tinten)fisch, etwas Schweinefleisch und viel gegrilltem Sommergemüse: Das fühlt sich an wie Griechenland.

    (Nachzutragen: Gepreppt letzte Woche: Polpettone nach Michele Scicolone.

    Alle anderen Aktivitäten verschob ich auf Sonntag. Madame ist mit in ihrer Einarmigkeit ja eh derzeit ausgeliefert, was viele Aktivitäten angeht und musste dementsprechend mitziehen.

    Libellenkunstflug

    Angenehm wurde es Nachts, als die Temperaturen erträglich wurden, wir den Kopf in den Nacken legen konnten und uns am Sommerdreieck erfreuten.

    Heute war es immer noch schwül, aber nicht mehr arg so arg, und so reichte es für eine kleine Bungalowrepatur, das Einsammeln der James-Grieve-Falläpfel samt Apple-Crumble-Herstellung (Die Äpfel am Baum sind immer noch nicht ganz pflückreif, aber kurz davor) und ein wenig Deadheading.

    Von der Terrasse aus beobachteten wir Libellen, die eindrucksvoll Hochgeschwindigkeitskurven flogen, wie ich es sonst nur von Mauerseglern kenne. Und groß waren sie die Libellen. Immerhin konnten wir sie von der Terrasse aus sehen.

    Kein neues unbekanntes Insekt bestimmt, aber dafür einen entzückenden Tarn-Bläuling vors Handy bekommen.

    Zwei Schmetterling (einer braun, einer blau) an blauen Blüten

    Gelesen

    Gelesen vor allem: Tony Fenelly: Mord auf der Klappe (en: The Glory Hole Murders). Ein anderes Buch von Fenelly war mir einst, in der Gebraucht-Bücher-für-zwei-Euro-Kiste bei Hammett in die Hände gefallen. Das Zauberwort „New Orleans“ funktioniert bei mir immer. Und dann war ich verwirrt: Einerseits sprachlich hardboiled, keine Gefangenen nehmend und heutzutage vermutlich nicht mehr publizierbar ohne entrüstete Demos vor dem Verlag. Anderseits ist der Haupt-Protagonist ein schwuler Antiquitätenhändler, der treffsicher Abgründe, Verlogenheiten und Rassismus in New Orleans Ober- Unter- und vor allem Halbwelt benennt. Ein Macho-queerer-Achtziger-Krimi. Die Biographie von Tony Fenelly gab Hinweise, wie so ein Buch entsteht. Und ich war hooked.

    Gelsen: Die Lokalzeitung, den Oranienburger Generalanzeiger, der im Lokalteil vom CCC-Camp berichtete. Das war niedlich.

    Die andere Lokalzeitung, den Märkischen Anzeiger, aus Versehen geliefert, die einen Rückblick auf 40 Jahre Vamos a la Playa bot. Und ich stellte fest, niemals hatte ich auf den Text gehört. Die explodierende Atombombe entging mir ebenso wie der radioaktive Wind.

    Robbe weg, Statue da

    Karen und Familie machten bei ihrer epischen Nachtzugreise Zwischenstopp in Sofia

    Herr Buddenbohm hatte so etwas ähnliches wie gute Laune. Tanzen ist ganz erstaunlich.

    Robben & Wientjes verschwand nun auch als Marke. Und damit ging die letzte der „Weltmarktführer in Berlin“-Marken. (Siehe Bolle, siehe Reichelt, siehe Bäckerei Wittler) – Nach der Wende kamen die Westdeutschen und nutzten ihren Größenvorteil.

    Nach Dresden kam eine Schwimmbadstatue zurück ins Schwimmbad. In Berlin-Lichtenberg ging ein Bad, aber vielleicht kommt ein wahnsinnig schönes Mehrzweckegebäude.

    Mathematisch-Technischer Softwareentwickler ist ein Ausbildungsberuf.

    Merken

    Es müssen wieder Tupperdosen in den Bungalow.

    Vom Freitag 20 Uhr bis Montag 5 Uhr ist nächste Woche die A111 gesperrt.

  • 23-08-17 Wasserstadtamt

    23-08-17 Wasserstadtamt

    Im Mittelhaus hängt in einer Wohnung eine indische Fahne. Das erklärt vermutlich, wo die indisch wirkenden Menschen hingehören, die man seit ein paar Wochen auf dem Hinterhof trifft.

    In der Gegenüber-dem-Büro-Baustelle konnten wir einem Bauarbeiter zusehen, der oben auf einem Baucontainer stehend durch die Luft schwebte während dieser vom Kran versetzt wurde. Ich glaube, unser eigener Arbeitssicherheitsbeauftragter hyperventiliert immer noch.

    (Cool fand ich den Kranfahrer, der danach 5 Euro für die Karusselfahrt haben wollte)

    Am Samstag wird das Sommerbad Wilmersdorf komplettemang eröffnen. Bisher war ein größerer Teil des Bades (u.a. das 50-Meter-Becken) eine Baustelle. Ab Samstag ist es wieder offen – und ich darf mich entscheiden, ob ich dem Insulanerbad als Sommerstammbad treu bleibe oder wieder nach Wilmersdorf wechsle.

    Auf ersten Fotos allerdings wurde nicht nur das Kachelbecken durch ein Becken aus Edelstahl ersetzt, sondern auch die niedrigen Hecken zwischen Becken und Liegewiese verschwanden. Das Freibad Godshorn, das Bad meiner Jungend und damit natürlich DAS Freibad hatte genau solche Hecken wie auch Wilmersdorf. (Liveblog vom letzten Tag vor der endgültigen Schließung. Mit Video mit Hecken.)

    Ich bin natürlich entsetzt, wenn diese verschwinden.

    Vorerst war ich im Insulanerbad. Da dieser Sommer bisher entweder 33 Grad oder 18 Grad bot, war ich zwar oft im Freibad. Aber immer einsam und allein, wie es halt ist bei 18 Grad. Mittwoch: 28 Grad, bedeckt, das Insulanerbad hätte sich für die Aufnahme in das Bilderbuch „Im Freibad“ bewerben können.

    Jugendliche sprangen vom Sprungturm, aber die Schlange unten wuchs nie mehr als auf eine handvoll Menschen. Die Treppentribünen neben dem Becken waren besetzt mit Lesenden und Dösenden – aber für jeden Neuankömmling blieb reichlich Platz. Alle Essensstände hatten geöffnet, aber keine Schlange hatte mehr als eine handvoll Menschen. Die FABs ermahnten Kinder, nicht auf den Leinen zu sitzen. Es gab zwei (Doppel)bahnen, die vor allem von Im-Wasser-sich-kaum-Bewegenden belegt wurden, eine Doppelbahn für Schnellschwimmer und eine Doppelbahn für Langsamschwimmer.

    Auf letzterer schwomm ich, und es war gut und friedlich. Das eigene Slalomschwimmen hielt sich in Grenzen. Die etwas schnelleren Langsamschwimmer kamen gut an den langsamen Langsamschwimmern vorbei. Und nur ein einziges Damenpärchen hielt mitte auf der Bahn mal an, um die Wolken zu betrachten. (Soweit ich hörte sah eine so aus wir Irland, eine andere wie Island).

    Danach konnte ich mit ein paar Uniunterlagen auf die Liegewiese. Im Hintergrund hörte man das Shakespeare-Theater bei den Probenvorbereitungen und alles war gut.

    Gerne wäre ich bis Toresschluss geblieben und hätte danach an der Freiluft-Theaterbar noch einen Cocktail zu mir genommen. Aber mir schwante schon das frühe Aufstehen.

    Denn ich hatte einen Termin beim Bürgeramt. So weit so gut so ungewöhnlich aktuell in Berlin. Erwartbarer: Der Termin lag in Wasserstadt, Spandau-Nord, erforderte eine Busfahrt (187), eine mehr als halbstündige U-Bahn-Fahrt (U7) und wieder eine Busfahrt (M36) um dort überhaupt hinzulangen. Ein Zettel empfing mich, dass es wegen Serverausfall Probleme gibt.

    (Zwei Gedanken gleichzeitig in meiner Brust: (1) Fuck (2) Liebe Kolleg*innen im ITDZ. I feel you.)

    Aber das Amt improvisierte geschickt darüber hinweg. Meine Fotos aus dem Fotostudio Neukölln waren biometrisch genug, meine Fingerabdrücke wurden beim ersten Versuch erkannt, ich bestätigte auch weiterhin nur eine Staatsbürgerschaft zu besitzen und war nach fünf Minuten wieder entlassen.

    Und staunte über die Wasserstadt. Ich glaube ich kennen, keinen Kiez von Berlin, der sich so wenig nach Berlin anfühlt. Alle Häuser aus den 1990ern oder später. Auch 20 Jahre nach Eröffnung nicht ein einziges Graffitti. Es wirkt alles wahnsinnig aufgeräumt und ordentlich. Selbst der Turm des Heizkraftwerks Reuter West ist weit genug entfernt, um am Horizont vor allem pittoresk zu wirken. Fast beängstigend.

    Blick über die Havel. Segelboote, im Hintergrund der Schornstein des Kraftwerks Reuter

    Meine andere Frage: Wo kam in toller Lage direkt an der Havel in den 1990ern das Gelände her, um einen kompletten Stadtteil neu zu bauen? – konnte ich weiterhin nicht klären.

    Brot und Superzelle

    In der Wikipedia existiert seit zwei Wochen ein Artikel zu Wilhelm Auerbach nach dessen Schwimmbad der Auerbach-Sprung im Wasserschwimmen benannt ist.

    Madame traf sich mit Professor Transformation im Phojito zum Mittagstisch, danach gingen sie testweise zur neuen schicken Bäckerei gegenüber. Offensichtlich wird dort der Sauerteig in den Schlaf geschaukelt, mit Entspannungsmusik beschallt, die ein extra dafür bezahlter DJ erschaffen hat und der Dinkel von extra nach Brandenburg importierten skandinavischen Dinkelmeistern angebaut. Aber Professor Transformation meinte auch „Unsere Omas würden das nicht als Bäckerei erkennen.“ Eine der Hauptherausforderungen: Jedesmal wenn man ein Brot kauft, zerstört die Brotentnahme die minimalistische Raumgestaltung mit Einzelbrotinszenierung.

    Während wir Dienstag auf den Freiluftkinobesuch verzichteten, und im Regenradar beobachteten, wie alle Regenwolken sich vor Berlin auflösten, sah es in Brandenburg an der Havel so aus. Ich glaube es war vernünftig, zu Hause zu bleiben; auch wenn das Unwetter nie bei uns ankam.

    Herr Rau sucht einen Dungeonplot. Karen bloggt über die Nachtzugfahrt Istanbul -> Sofia.

    Treppenlifte haben Akkus.

  • 23-08-15 Zugluft (wäre schön)

    23-08-15 Zugluft (wäre schön)

    Rolltreppe, Bahnhof Südkreuz, hinter mir ein telefonierender Mann im besten Beratersprech „Also ich hab echt keinen Kopf für den Burger. Es wäre gut, wenn du das schon mal aus dem Urlaub heraus anschieben würdest.“ Und ich freue mich, in einer komplett anderen Welt zu leben.

    Die neuen Garnituren der S-Bahn sind klimatisiert. Vielleicht lege ich das „mobile Arbeiten“ doch mal wörtlich aus und fahre einfach acht Stunden am Tag mit der Ringbahn.

    Wenn ich mir vornehme „Keine überdachte Kultur vor Mitte Oktober“, kann man es ja mal unüberdacht probieren. Madame besorgte Karten für Frances Ha im Freiluftkino am Kulturforum. Aufgrund zahlreicher Regen- und Unwetterwarnungen verzichteten wir. Und während im Norden und Süden, im Osten und Westen von Berlin anscheinend größere Weltuntergänge stattfanden, zerstoben die Wolken am Berliner Schutzschild.

    (Oder war es die Wärmeglocke über der Stadt, die erfolgreich jede andere Luftmasse stoppte und umleitete?)

    Madame folgt in ihrer Rekonvaleszenz dem Motto „Gehen sie ins Museum, wir haben Klimaanlagen.“ Sie war von

    Die Kunst der Gesellschaft 1900–1945. Sammlung der Nationalgalerie (Neue Nationalgalerie) und Suddenly Wonderful – Zukunftsideen für Westberliner Großbauten der 1970er Jahre (Berlinische Galerie) äußerst angetan.

    Secessionen – Klimt, Stuck, Liebermann (Alte Nationalgalerie) war zu viel. Zu viel Trubel. Zu viele Leute. Aber auch zu viele Bilder, die die eigentliche Ausstellungsidee erschlugen.

    Heute versuchte ich, eine Dame zu überzeugen, dass das riesige Gebäude vor ihrer Nase auf dem „DB BERLIN SÜDKREUZ“ stand, der Bahnhof Südkreuz ist, an dem ihr Flixtrain abfahren soll. Sie schaute skeptisch und ging dann in eine andere Richtung.

    In meinem bizarren BVG-Drama „Wir verkaufen dir keine Abos, verraten aber auch auf mehrfache Rückfrage nicht, warum nicht“, bekam ich einen Anruf einer BVG-Hotline. Leider verpasste ich ihn und dann wusste wieder niemand von nichts.

    Ein anderer Arm der BVG verkaufte mir bereits in Juni klaglos ein Deutschlandticket. Und auch nach mehreren Monaten fühlt es sich immer noch seltsam an, einfach so in ein Öffi zu steigen ohne vorher eine Karte zu besorgen.

    U-Bahn-Station Hermannplatz
    Baustelle U-Bahnhof Hermannplatz

    Bereits vor einigen Wochen besiegte die Schlichtungsstelle Energie die eon und eon berechnete brav nachträglich den Preis, der schon letztes Jahr korrekt gewesen wäre. (Heißt: etwa die Hälfte von dem was sie ursprünglich verlangten). Was aber natürlich auch heißt: Nur diejenigen, die penetrant sind, die Schlichtungsstelle kennen und dort einen Antrag ausfüllen können, profitieren. Im Normalfall sind das halt auch diejenigen, die es am wenigsten nötig haben.

    Ein Ausflug führte mich ins tiefe Neukölln an den Hermannplatz. Ich kehrte mit vier Passbildern zurück, staunte über die Vielfalt in meiner Stadt, aber auch darüber, dass das Neuköllner Durchschnittsalter anscheinend bei 24 Jahren liegt.

    Barbie wird der erste Nicht-Action-Film seit 25 Jahren sein, der erfolgreichste Hollywood-Produktion des Jahres sein wird.

    A twelve-bar blues instrumental standard first recorded by Jimmy Forrest

    Ein Weg führt von Duke Ellington zu James Brown via dem Jimmy-Forest-Jazz-Standard Night train. Und weil sie so schön ist, hier eine James-Brown-Liveversion.

    Karen wies bereits darauf hin, dass nicht nur die ÖBB neue Schlafwagen bestellt, sondern auch die finnische Bahn. Madame fand eine zusätzliche Meldung der Trenitalia über ein Auftragsvolumen von 730 Millionen Euro: Italian state operator Trenitalia has awarded a contract of 70 sleeping coaches, and up to 370 total railway coaches to the manufacturer Škoda.

    Keine neuen Wagen, aber neue alte Strecken: TUI lässt den Nachtzug-Ferienexpress wiederauferstehen: Im TUI-Express durch Europa.

    Und wo ich schon dabei war, fand ich diese Übersicht aus dem Januar 2022 über die existierenden Nachtzugwagen und mögliche Interessenten für neue Modelle: Where we stand with the need to order new night trains

  • 23-08-13 Schwefelvögelchen

    23-08-13 Schwefelvögelchen

    Am 10. September ist Dackelrennen in Bärenklau. Alle 50 Startplätze sind bereits vergeben. Ein Besuch ist empfehlenswert.

    Am 9/10. September ist Landeserntedankfest Brandenburg und Stadtjubiläum in Kremmen.

    Am 9. September ist Gartenvereins-MV.

    Offensichtlich ist der 9/10. September das eine Spätsommer/Frühherbstwochenende an dem weder Ferien sind noch ein anderer wichtiger Termin dazwischen kommt.

    Noch aber ist das Wochenende 12/13. August.

    Madame erarbeitete sich im Garten eine Wespenkampfblase.

    Wir mussten diese mit der bewährten Methode des Wäschesprengers von der Fallobstverarbeitung abhalten. Denn James Grieve – immer wieder James Grieve dieses Jahr – produzierte in gut 10 Tagen schon wieder anderthalb Eimer Fallobst, die ein Apple Crumble wurden und noch Apple Sauce werden werden. Die erstaunliche Entwicklung von James zeigt auch die Tatsache, dass ich auch auf Zehenspitzen nicht mehr an die obersten Äpfel komme.

    Ähnlich entwickeln sich die Wespen. In einer Premiere anderer Ort verlegten wir das Frühstück in den Bungalow bei geschlossenen Türen und Fenstern. Der Wäschesprenger hilft zwar. Aber wenn man vor laute Sprengen nicht vom Frühstücken kommt und zudem irgendwann doch recht nass ist, reicht es.

    Auch des Abends gingen wir nach Innen. Nachdem den ganzen Nachmittag über die Wettervorhersage sagte „Sturzregen am Abend“ und das Regenradar sagte „wahrscheinlich eher kein Regen“ und das aktuelle Wetter sagte „schwüüüül“, verzichtete aufs Grillen, kochte in der Küche. Und just in dem Moment, in dem wir auf der Terrasse Teller und Wein gerichtet hatten, ging der Regen los. (Blieb aber lahm, Gewinn für das Regenradar gegen die Wettervorhersage)

    Die Brombeere ist zurück. Nachdem wir diese samt aller Wurzeln (dachten wir) und noch einem halben Kubikmeter Erde in den Müll befördert hatten, sprießt an ebenjener Stelle einer neuer Austrieb. Zum Glück noch innerhalb des Geheges. Aber auch der neue Trieb landete samt reichlich Umgebungserde in der schwarzen Tonne.

    Ein ganz entzückender Schmetterling auf Schafgarbe mit liebreizendem orange-braun-Farbverlauf am Flügel entpuppte sich nach Konsultation verschiedener Bestimmungsbücher als Brauner Feuerfalter, auch Schwefelvögelchen genannt.

    Das penetrante Gras, das sich gerne vehement in Beeten und auf der Treppe ausbreitet, haben wir gleich der PlantNet-App vorgeführt. Diese meinte „87% Blut-Fingerhirse.“ Ich schaute nach. Madame fragte: „Steht da auch, dass sie ein anstrengendes Unkraut ist?“ Wikipedia schreibt im zweiten Satz des Artikels: „Sie ist fast weltweit als Archaeophyt oder Neophyt verbreitet.“ – Also ja.

    Später am Abend: Madame „Ich höre eine Schnake?“ Ich: „Soll ich das Zeug holen?“ Madame: „Bring auch das Ding mit.“ Wir verstehen uns.

    Für zum Merken: die Abelie wird nach der Blüte geschnitten. Wir wechselten jetzt den Buchsbaumzünslerfallenlockstoff.

    Delta Berlin

    Nachbar RR fährt jetzt auch Swapfiets.

    Madame meldete sich auch zur Emotionalen Stadt an. Und faszierenderweise bekommen wir verschiedene Fragesets. So soll ich zum Beispiel ein Foto meiner Umgebung machen, sie eines des Bodens und dazu eine Tonaufnahme. Die Skalen einiger Fragen sind bei mir von 1 bis 5 nummeriert, bei ihr finden Beschreibungen mit Worten statt. Hochspannend.

    Zufällig schaltete ich das Radio auf Cosmo und wurde mit „Der Soundtrack of .. RZA“ belohnt.

    HipHop wird 50 Jahre alt. Und bei der Gelegenheit möchte ich in den Raum werfen, dass ich vor 18 Jahren den Wikipedia-Artikel „Ursprünge des Hip-Hop“ schrieb. (Version von damals, an allem danach bin ich unschuldig)

    Longform.org war mir stets eine Quelle für schönen englischsprachigen Journalismus. Sehr bedauerte ich es, als sie den Service eingestellt haben. Mein Lese-Bandbreite schrumpfte. Warum ich allerdings Jahre benötigte, um reddit.com/r/Longreads zu finden verstehe ich nicht. Eines der Fundstücke dort:

    Die russische Exilseite The Projekt (Proekt) mit einem Porträt von Jewgeni Prigoschin: Chef and Chief. Portrait of Yevgeny Prigozhin, the personal sadist of the Russian president. (Was ich alles nicht wusste: Vaterjude; lässt sich von seinen Body-Doubles unterscheiden, da ihm ein Teil eines Fingers fehlt; der Wagner-Gründer und militärische Chef Dmitry Utkin ist Nazi – und zwar im Sinne von „Benutzt-SS-Runen-als-Unterschrift“-Nazi.)

    Nebenfrage: Warum haben die Linken alle Gramsci vergessen, die Rechte von Kubitschek bis Prigoschin aber wenden ihn praktisch an?

    Haupt-Wochenend-Lektüre: Dispatches from Pluto. Lost and Found in the Mississippi Delta. Mein Jahr in den USA habe ich nicht ganz im Delta verbracht – aber 20 Fahrradkilometer von seiner Grenze entfernt. Vieles an der Gegend ist schrecklich – so sehr dass man sich das in Deutschland kaum vorstellen kann – vieles großartig und alles unglaublich speziell. It touched my heart seitdem. Und ich habe immer noch Probleme, es in Worte zu fassen. Grant ist das deutlich besser gelungen als ich je gedacht hätte, dass möglich ist. Und so outlandish das Buch mehr als einmal scheint: Wirklich alles darin kommt mir extrem bekannt vor.

    Mehr dazu später: Ein kleiner Teil des Beginn des Buches stand in der New York Times: Sweet Home Mississippi (w/o Paywall – allerdings war ich hier noch nicht wirklich überzeugt)

    Istanbul-Berlin

    Karen machte diesen Sommer die Reise bei der ich am ehesten denke „Ich auch“ und ist mit ihrer Reisebeschreibung in Istanbul angekommen.

    Christine Carzon machte eine der bessere Berlintouren von denen ich je hörte: Berlin by Bike.

    Frau Landlebenblog entdeckte ein Mausoleum.

  • 23-08-10 Die Abrechnung (kein Kaffee)

    23-08-10 Die Abrechnung (kein Kaffee)

    Der Aufzug fährt. Ich sah, dass der Gerüstaufzug am Haus in der Position „oben“ geparkt war. Madame berichtete davon, dass verschiedene Handwerker (mir ist nicht 100% klar welches Gewerk zuständig ist) einen Durchgang im Dach öffneten und dort einen Tunnel von der Aufzugplattform auf den Dachboden errichteten.

    Damit uns die Baustellen nicht ausgehen, informierte uns die S-Bahn von Gleisbauarbeiten in Hörweite in den kommenden Nächten.

    Wenigstens das Gerüst vor Domino’s Pizza verschwand, so dass dort die Fahrradfahrt etwas einfacher voruberführt.

    Anlässlich der Familienaufdröselung lernte ich, dass „gegenüber von Straßburg“ gar nicht in Nordbaden liegt, sondern Mittelbaden. Und der Familienteil S(ö) demzufolge nicht aus der Schweiz nach Nordbaden zog, sondern nach Mittel- und Südbaden.

    Derweil besuchten zwei Abgesandte von Familienteil S(e) mit ihren beiden Cavalier King Charles Spaniels die Stadt Berlin. Sie reisten aus Luxemburg an. Madame lief mit ihnen die große Spazierrunde vom Stadtschloß die Spree entlang bis zum Hauptbahnhof, dann Kaffee im Futurium und über Kanzleramt/Brandenburger Tor und Unter den Linden zurück zu Dussmann.

    Madame hatte danach 12.000 Schritte absolviert, die Spaniel mit den kurzen Beinchen und ihrem Zick-Zack-Lauf vermutlich um die 80.000 Schritte. Dafür wirkten sie erstaunlich frisch.

    Abends trafen wir uns auf halber Strecke zwischen Hotel und unserer Wohnung. Madame hatte das Phojito („Vietnamese & Tapas in Berlin“) entdeckt. Es gab vietnamesisch beinflusste Tapas. Allein der Anblick von 12 Schälchen mit Dim Sum, Tofucurry, Pfannkuchen, Papayasalat, Sommerrollen et cetera war eine Schau. Auch geschmacklich zu empfehlen. Wir kommen wieder.

    Danach Eis.

    Auffallend. Sowohl bei Phijito als auch in der Eisdiele waren sämtliche Beschriftungen im Raum, die auf Angebote und Karte hinwiesen auf englisch.

    Für den Alltag preppte ich Linsen Stroganoff, für den Crocky umgewandelt nach einem Rezept von Frau Küchenlatein.

    Bergfest! Sofern die Dottores recht behalten, hat Madame die erste Hälfte ihrer Armbruchrekonvaleszenz hinter sich gebracht.

    Nach dem Urlaub habe ich wieder etwas Energie und lebe nicht nur meiner Planung aus dem Frühjahr hinterher, sondern mache Neues. Ich installiere zum Beispiel spontan die App Urban Mind um am Projekt Deine Emotionale Stadt teilzunehmen.

    Der Flurfunk sagt, dass jemand sämtliche freien Parkplätze in der Tiefgarage der Südkreuz Offices mietete. Eigentlich kommen dafür nur das DLR oder Vattenfall in Frage.

    Auch wenn die ganze Gegend um die Südkreuz Offices etwas seltsam ist. Ich mag den Gedanken, dass ich aus der Geschäftsstelle spontan über die Straße gehen könnte und mich in einen Zug nach Prag setzen könnte oder auch nach Interlaken.

    Niemals nach Interlaken

    Richtung Interlaken will ich vielleicht auch nicht. Die Züge kommen ja nie an. Die SBB ist kurz davor, die Deutsche Bahn komplett aus dem Netz zu verbannen. Die irrlichterndern Züge der Deutschen Bahn enttakten das SBB-Netz und aktuell hält die SBB für jeden deutschen Zug einen Schweizer Zug in Reserve.

    Wenn ich richtig rechne, sind wir bei unseren letzten 5 Fahrten nach Basel nicht einmal in dem Zug gefahren, den wir nehmen sollten. Also er war nicht zu spät – oder viel zu spät. Er fuhr nicht.

    Mal nahm Madame den Ersatzzug vom Ersatzzug des Ersatzzugs des Ersatzzugs. Mal fingen wir an, bei Offenburg heftig Verbindungen zu suchen, weil unser Ersatzzug ohne jeden Ersatz in Mannheim aufhören würde. Mal gab es eine stundenlange Evakuierung.

    Ich glaube, das Problem ist, dass es nur eine kleine Zahl an physischen Zügen gibt, die technisch und rechtlich in der Schweiz dürfen – und diese sind alle marode.

    Diesmal: Der Zug fährt erst ab Karlsruhe. Was uns in Basel wenig nutzt. Es gibt einen Ersatz nach Karlsruhe. Der kommt aber erst an, wenn „unser“ ICE70 bereits abgefahren ist. Wir bekommen es gerade noch mit, sprinten zum Bahnhof Lörrach, fahren mit der S-Bahn nach Basel, wo wir in den EC8 fallen (Thank God, betrieben von der SBB) und gerade noch rechtzeitig nach Karlsruhe gelangen.

    Blick aus dem Zugfenster. Strommast, grüner Acker im Hintergrund Unwetterwolken.

    Durch die Überstürzung hatten wir keinen Kaffee mehr. Ich gehe also kurz nach Abfahrt Karlsruhe im ICE von Wagen 2 in Wagen 10 ins Bistro. Dort eine 5-Personen-Schlange. 10 Minuten später ist es eine 4-Personen-Schlange und ich verstehe nicht, was die Dame an der Theke so macht. Weitere 15 Minuten später haben wir Mannheim passiert. Ich stehe vorne. Die Dame sagt „in 50 Minuten erreichen wir Frankfürt Süd. Da gibt es Personalwechsel. Wir müssen das Bistro jetzt zumachen.“ Ich stolpere mit Koffeinmangel zurück, nicht ohne auf dem Rückweg nochmal die Durchsage zu hören „Besuchen Sie auch unseren gastronomischen Service.“

    Abrechnung

    Die Abrechnung der Polen-Reise ist durchgeführt.

    Wir zahlten 1822 Euro. Davon für

    Bahn 239 Euro (2 Personen, Berlin -> Breslau. Breslau -> Warschau. Warschau -> Danzig. Danzig -> Berlin)

    Hotel 796 Euro (2 Personen, 8 Übernachtungen, davon 5 mit Frühstück)

    ÖPNV 60 Euro (2 Personen, jeweils großzügig geschnittene 2/3-Tagestickets)

    Sonstiges 727 Euro (vor allem Essengehen, Eintritte etc.)

    In dem Fall bin ich ungern der Welle voraus: Poland to see growing summer tourism amid climate change, says head of travel giant TUI

    Soultrain / Busspur

    Madame hört „Alles gesagt?“ mit Kevin Kühnert. Kühnert lebte und lebt in der Gegend, in der wir wohnen; er spielte Jugendhandball und arbeitete einst im Call Center. Ich fühle mich verbunden.

    Herr Rau testet einen mechanischen Elektrobaukasten.

    Frau Chilli Ciabatta probiert einen Potje aus (ähnlich dem, was in Deutschland Dutch Oven heißt, aber mit rundem Boden).

    Neidisch bin ich auf die Ferienwohnung in der Hufeisensiedlung von Christine Cazon.

    Nachwirkend von der Hochzeit, überlegte ich, wie so ein Paar-und-Trauzeugen-Let’s-Get-Loud-Einzug wohl aussehen könnte. Das prodancersstudio auf youtube scheint mir ein paar Ideen zu haben. Das ist die Version, die für Normalsterbliche machbar sein könnte. Wer höher hinaus will, kann sich auch am LD Dance Studio orientieren. (Man achte allein auf das deutlich höhere Tempo).

    Wo wir bei Tanz-Videos sind. Im Laufe der Hochzeit stellte es sich heraus, dass ich Madame noch nie zu Soul-Train-Video-Schau-Sessions gezwungen habe. Das gilt es nachzuholen: Soul Train Line Dance to Jungle Boogie (1973)

    Falschparker auf Berliner Busspuren sollen zukünftig mit Kameras aufgezeichnet werden.

  • 23-08-08 Rapunsel, LET’S GET LOUD!

    23-08-08 Rapunsel, LET’S GET LOUD!

    TwinDos 1 ist leer.

    Ich entdeckte eine korrekte Durchkopplung in freier Wildbahn und war begeistert. Outlook redet von „Anwendungs-Add-Ins“. Selbst in diesem Deutsch-Englisch-Gemischt funktioniert der Bindestrich. (Next step: Ist es auch der typographisch korrekte Halbgeviertstrich?)

    Das aber streift nur vorbei in meinem Hirn, denn eigentlich bin ich noch dabei, eine Hochzeit zu verarbeiten. Diese ist ist noch so präsent, dass selbst die deutsche Bahnigkeit der Deutschen Bahn akut in den Hintergrund tritt.

    Regenbogenfische

    Es begann um 14 Uhr mit der Trauung in der Stadtkirche Lörrach. Danach folgte Empfang vor der Kirche mit Auftritt der Kindergartengruppe, Sekt und Gebäck. Später ging es über den Hof in die Alte Feuerwache (heute ein evangelisches Gemeindezentrum). Dort gab es Kuchen, später Essen vom Buffet, Programm und Tanz.

    Angenehm: eine Innenstadthochzeit. Diverse Hotels waren in Laufnähe, ebenso wie sonst eine komplette Infrastruktur. Spannend: die Passant*innen, die während des Empfangs immer wieder durch die Hochzeitsgesellschaft liefen.

    Aber auch neue Probleme: Der Geldgeschenketisch erfuhr eine dauerhafte Bewachung.

    Als Leser weiß ich, dass blinde Schwärmerei urlangweilig zu lesen ist: Aber wir alle wünschten es dem Paar aus ganzen Herzen. Die Feier traf genau den schmalen Grad zwischen organisatorischer Perfektheit und informell-menschlich-bodenständig. Überhaupt passte die Feier genau zum Paar.

    (und auch wenn wir aus der Ferne im Vorfeld manche Rumpelei und sich abahnendes Gewitter in den Organisationskreisen vernahmen – es wäre wunderlich wenn nicht; auf der Feier selbst konnten wir als Gäste nichts davon wahrnehmen.)

    Es war reichlich perfekt. Also perfekt im Sinne „so wie es sein soll.“ Wenn der Anspruch ist, dass alle sich wohlfühlen und sich mit Freude zurückerinnern, scheint mir dieser eingelöst.

    Überhaupt: Auch eine Entdeckung der letzten Jahre: wenn man schon mal selber geheiratet hat, ist jede andere Hochzeit natürlich ein Anlass für unfassbar viele Erinnerungen – schon allein dadurch wird die Laune echt gehoben.

    Erwähnte ich, dass es schön war?

    Der Cousinenchor fand mit seinen Stücken (Geh aus mein Herz, Irish Blessing (May the road rise to meet you(*)), Endlich sehe ich das Licht) großen Anklang. Auch bei Cousins und Cousinen selber – sehr erfreut, wie gut alles funktionierte und natürlich erst recht bei den Gästen.

    Ein großer Knaller bei den Kindern waren die Konfettikanonen. Eigentlich waren sie für den Abschluss von Endlich sehe ich das Licht gedacht, aber anscheinend blieben welche von Ihnen unbenutzt, die dann den Abend über gezündet werden konnten.

    Mitten im Traugottesdienst trank die Pfarrerin zusammen mit dem Paar eine Runde Softdrinks. Und es ergab Sinn und hatte seinen Platz. So dezent unkonventiell wie dieser Moment sind Paar und war die ganze Feier.

    Vor dem Einmarsch des Paares in die Kirche erklang Jennifer Lopez‘ Let’s get Loud. Wären sie mit einer Samba-Choreographie in die Kirche gekommen, wäre auch niemand der Gäste überrascht gewesen.

    Hochzeitstafel mit Tischdecke, goldenerm Überzeug, roten glitzendernden Papierherzen und einem Leuchtelement.

    Es war ausreichend Käsegebäck vorhanden. Der peruanische Teil der Familie hatte Empanadas gebacken.

    Sehr lieb die Cateringdamen, die Madame das Roastbeef in gabelgerechte Stücke vorschnitten.

    In einem früheren Leben war die Alte Feuerwache kein Ort für Familienfeste sondern ein alternativer Jugendtreff. Verschiedene Anwesende erinnerten sich an wüste Punk-Konzerte oder an unverfänglichen Smalltalk, bei dem man Fremde fragte, warum sie nach Lörrach gekommen sind – „Ja, weischt, hier ist das mit dem Heroin einfacher.“

    An die Zeiten als die Alte Feuerwache noch der Jugendfeuerwehr dienten, erinnerten sich vermutlich nur noch wenige der Anwesenden.

    Faszinierend, den Familienteil K kennenzulernen, von dem ich öfter gehört hatte, aber sie noch nie live getroffen. Während die S ihre Ursprünge ja anscheinend unter preußischen Pastoren und Industriellen hatten und durch die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts nach Baden gelangten, scheinen mir die K’s urbadensch zu sein. (Urbadisch? Uhrbadend?)

    (Wobei der S-Teil der Familie S eigentlich aus der Schweiz kam und nach Nordbaden auswanderte – nicht ohne Exkursionen ins Elsaß; der preußische Bildungsbürgerteil hört eigentlich auf die Namen K und T. Auf jeden Fall sind Familienfeste eine gute Gelegenheit Familien aufzudröseln.)

    Zusammen mit anderen Angeheirateten überlegten wir, dass doch so ein Diagramm mit Beziehungen und aktuellen Fotos nützlich wäre. Außerdem gäbe es dann zwei tolle neue Familienevents: „Hier ist dein erstes Diagramm.“ und wichtiger „Du wurdest in das Diagramm aufgenommen.“

    Was ist nur mit den jungen Leuten los! Sie spielen Bierpong und dann nicht-alkoholisch!

    Erfreulich: Trotz Madames gebrochenem Arm wurden wir im entsprechenden Spiel als Paar erwählt, dass am ehesten Tanzen wird.

    Am Ende 12,5 Stunden gefeiert. Am Ende durch Lörrach downtown ins Gästezimmer gehumpelt. Und Sonntag kam die Deutsche Bahn.. vielleicht bin ich ab Ende der Woche wieder ansprechbar.

    Wasser

    Poupou war auf einer Hochzeit.

    Frau Brüllen fuhr Kayak.

    Frau Krautundrüben wanderte doch nicht durch Slowenien.

    Im polnischen Wahlkampf geht es darum, dass die Deutschen den Polen das Pilzesammeln verbieten wollen.

    Im Radio gehört, dass die nächste Weltjugendtag der katholischen Kirche in Seoul stattfinden soll. Die Pfadfinderbewegung weltweit weiß nicht ob sie lachen oder weinen soll.

    (*) Anscheinend hat dieser „traditionelle irische Song“ sein Leben als Neues Geistliches Lied der deutschen evangelischen Kirche begonnen. Das ruft nach Recherche.