Kategorie: Alltag

  • 23-09-07 16 x 0- (14,9)

    23-09-07 16 x 0- (14,9)

    Ungewohntes Gefühl. Ich sitze im Büro und auf dem Handy meldet sich der Staubsaugroboter mit „Hilfe! Ich hänge fest! Rette mich!“ – Es fällt schwer, den Roboter in diesem Moment nicht zu vermenschlichen und zur Hilfe zu eilen.

    Madame kaufte auf dem Wochenmarkt erstaunlich preiswerte Heidelbeeren. Bei erster Inspektion erwiesen diese sich als erstaunlich bitter. Bei noch näherer Inspektion erwiesen sie sich als Aronia – die Apfelbeere. Immerhin gesund.

    An den Südkreuz Offices tauchten neue Schilder auf. Bei uns im Haus residiert nun Tempton, die Zeitarbeitsfirma. Somit büro’en zwei Zeitarbeitsfirmen im Gebäude, ein öffentlich-rechtlicher Schwimmbadbetreiber sowie ein eingetragener Verein, der 2 Millarden Euro öffentlicher Mittel verwaltet

    Auf jeden Fall eine originelle Mischung.

    Nebenan ließ sich netgo ein großes Schild ans Dach schrauben. Anscheinend wollen die Macher nicht nur reich werden, sondern jetzt auch bekannt.

    Im Bus ein Teenie-Pärchen. Beide sahen gesünder aus, hätten in Outfit, Taschen, Make-Up und Frisur aber direkt dem Wir-Kinder-vom-Bahnhof-Zoo-Film entsprungen sein können. Haben wir schon so heftig wieder 80er-Revival?

    Disco-Fox

    Am Mittwoch wollt‘ die Süße mit mir tanzen gehn. Und das war reichlich schön. Erstes ernsthaftes Tanzen im Walzer linksgestrickt – inmitten von Leuten, die wissen was sie machen – seit Corona. Dazu noch anderthalbarmig. Denn das ehemals gebrochene Handgelenk reagiert weiterhin sensibel.

    Passend, dass Tanzlehrer G eine sehr handgelenklastige Disco-Fox-Drehung einführen wollte. Die war weniger schlimm als gedacht – aber mit Herausforderungen: Richtig ausgeführt ging es gut, falsch ausgeführt schmerzte es. Wir gingen eine Stunde vor Ende. Handgelenkschonung und ehrlich gesagt nach knapp 4 Jahren Tanzpause war auch die Kondition nicht mehr die beste.

    Auf dem Rückweg Duolingo. Streak retten und neue Streak-Freezes kaufen. Noch kann ich das aus ehemals angesparten Punkten machen, aber der Punkte-Cashflow ist klar negativ.

    Dabei ist der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit im engeren Sinn:

    Betriebliche Einzahlungen – Betriebliche Auszahlungen

    Alternativ lässt sich das auch aus der Bilanz bestimmen:

    Jahresüberschuss + Abschreibungen – Zuschreibungen + Zuführung von Rückstellungen – Auflösung von Rückstellungen

    Der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit im weiteren Sinn (CabiwS) umfasst auch die Veränderung der Betriebsmittel im Umlaufvermögen. Das heißt in der Bilanz lässt er sich bestimmen als

    Jahresüberschuss + Abschreibungen – Zuschreibungen + Zuführung von Rückstellungen – Auflösung von Rückstellungen – Bestandsveränderungen Forderungen aus Lieferungen & Leistungen + Bestandveränderungen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen – Bestandsveränderung Vorräte

    Verkürzt: Der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit i.w.S. (CabiwS) entspricht dem Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit i.e.S. ergänzt um den Betriebsmittelabbau.

    Der Cashflow aus Investitionstätigkeit (CaInv) entspricht dem

    CabiwS – Bestandsveränderungen Sachanlagevermögen – Abschreibungen – Bestandsveränderung Finanzanlagevermögen

    Und der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit wiederum errechnet sich aus

    CaInv – Ausschüttungen + Netto-Aufnahme von Krediten und Begehung von Anleihen.

    Wie man sieht: Ich lerne noch für die Klausur Finanzierung und Investition.

    Quengelhipster

    Bisher hatte ich den neuen Automaten an der Kreuzung für klassische Quengelware gehalten: Süßkram, ein paar Getränke, vielleicht Yum Yums. In 50 Meter Nähe von mehreren Spätis ein wagemutiges Konzept.

    Nach dem Tanzen betrachteten wir den Automat genauer. Welch Irrtum! Das ist voll die Hipster-Quengelware! Also er beinhaltet schon Süßkrams, Getränke und Yum Yums. Aber nicht irgendwelche Sachen. Die Hälfte der Packungen ist asiatisch beschriftet, bei der anderen Hälfte sagt mir der Markenname nichts. Und eine Packung Süßbapp kostet sechs Euro. Und dann sind noch die Energy-Drinks.

    Getränk des Eris

    Zum den Energy-Drinks muss ich etwas ausholen:

    Ich schreibe ja ab und an Fernuni-Klausuren in Präsenz. Da trifft man seine Kommiliton*innen. Die sind direkt vor der Klausur angespannt. Menschen, die sehr angespannt sind, teilen sich erfahrungsgemäß in zwei Gruppen auf: In Menschen, die gar nicht mehr reden und in sich versinken und in Menschen, die ununterbrochen reden.

    Eine Mathe/Informatikklausur im Fernstudium betreibt eine doppelte Sozialauswahl in Richtung „redet gar nicht“ und dementsprechend gespannt-ruhig war es vor der Klausur.

    Bis auf die beiden Jungs, ich würde schätzen im besten Erst-Präsenzstudiums-Alter direkt nach dem Abi, die zusammen gelernt hatten, nochmal den Spickzettel durchsprachen, dreimal ihre Sachen umsortieren und überhaupt „normal“ waren. Beide hatten eine identische auffallende Flasche GÖNRGY auf dem Schreibtisch. Sagte mir nichts. Naja, was interessieren mich die Anwandlungen der Jugend.

    Dann tauchte der Drink auch im Quengelhipsterautomaten auf und ich wurde neugierig. Gönrgy ist nicht irgendein Energydrink. Es ist der Energydrink von MontanaBlack, weltberühmt im deutschen Youtube und Twitch. Und damit ziehen von mir unbeachtete Internetecken schon in den Süßwarenautomat um die Ecke ein.

    Vampire

    Madame war bei den kleinen Vampiren.

    Ich war bei den großen Vampiren. Sprich ich furh mit dem Bus zum Zentrum für Transfusionsmedizin und Zelltherapie von DRK und Charité – wobei das DRK sich selbst sehr viel offensiver am Zentrum bewirbt. Aber das DRK wirbt vermutlich auch die Freiwilligen an, welche die Blutspender versorgen und die wahre Geheimwaffe dieser Blutspendeeinrichtung anrichten: Schlesische Häckerle-Häppchen.

    Nachdem der Vorlauf mittlerweile in Rekordzeit durchgeht, zeigten sich die Adern ungewohnt widerspenstig. Am Ende gewann ich eine Piccolo-Flasche Sekt.

    Auf dem Weg vorbei an der weiter vor sich hin lahmenden Querdenkerdemo. Die immerhin versucht die Corona-Protest und Pro-Russland-Bewegung auf einen Nenner zu bringen mit „Deutschland raus aus WHO, NATO und EU.“

    Zentrum für Transfusionsmedizin von DRK und Charité

    Excelsior

    Kellerkind empfiehlt den Lido-Komplex auf Madeira.

    Die Zahl der Nachtzüge von Berlin nach Brüssel und Paris erhöht sich deutlich.

    Via Tagesspiegel-Nachrufe entdeckte ich den schön klingenden Dokumentarfilm Berlin Excelsior. Erhältlich über Filmfriend – das heißt über die Mitgliedschaft in vielen öffentlichen Bibliotheken.

    Im Mai schrieb hier ihr schonmal über das Garten-Kunst-Projekt Pollinator Pathmaker. Ich ahnte nicht, dass es in Berlin bereits umgesetzt wird, auf der Grünfläche vor dem Naturkundemuseum.

    Es gibt finanzielle und ökologische Gründe, um nicht für eine Vorstellung in die USA zu fliegen. Aber wenn die Oper Valis nach Phil K. Dick am MIT uraufgeführt wird – ich bin versucht.

  • 23-09-05 Äquivalente Annuität (Büffelzikade)

    23-09-05 Äquivalente Annuität (Büffelzikade)

    Rombitombi fuhr auf’s Land. Rombitombi wagte sich an Abgründe, aber fiel nicht herunter.

    Frau Fuchs wird nach Weimar ziehen.

    Madame traf auf dem Dachboden einen jungen Mann beim Saubermachen.

    Die Post lieferte Kokos und Kaffee.

    Madame war wieder des zweihändigen Schneidens mächtig.

    Um mir während des Lernens den Kopf freizukriegen, las ich ein wenig in verschiedenen „Ich-studiere-an-der-Fernuni-Blogs“ herum. Was mir auffiel: während nach Fernuni-Zahlen etwa ein Viertel bis ein Drittel der Student*innen bereits einen Uni-Abschluss haben, besteht die Fraktion „Ich beginne ein Blog, um nur über das Studium zu schreiben“ anscheinend zu 100% aus Menschen, die noch nie vorher mit einer Uni zu tun hatten.

    Wieviel Geld würden Sie für einen Lottoschein ausgeben?

    Nach der Klausur ist vor der Klausur. Wunder der Algo-Mathe. Keine anderer Kurs hat mich im Vorfeld so viel Energie gekostet wie dieser, dafür habe ich die Klausur schnell und gut weggesteckt. Nach der Klausur ging es noch ins Insulanerbad, Kopf freischwimmen und dann auf in die Brandenburger Hamptons.

    Den extra freigenommenem Montag konnte ich schon wieder dem Lernen für Modul 31021 Investition und Finanzierung widmen.

    Die gute Nachricht: Die einzige Chance durch diese Klausur zu fallen besteht in eigener Dämlichkeit. Die schlechte Nachricht: Wie ich mich kenne, liegt das komplett im Bereich des Möglichen.

    Inhaltlich ist Nichts überraschend. Ich habe Anno prä-Jahrtausendwende bei Karl-Dietrich Opp Soziologie studiert. Dessen Mikro-Makro-Ansatz mit Betonung auf dem (mehr oder weniger) rational handelnden Individuum lag nah an der wirtschaftswissenschaftlichen Entscheidungstheorie. Inhaltlich lernte ich das alles schon einmal.

    Bisher war meine Vorbereitung rudimentär: Einmal das komplette Script durchlesen und beschließen: „Im Prinzip ergibt das alles Sinn. Ich verstehe was sie wollen. Die verwendete Mathematik ist kein Hexenwerk.“ und einmal mit Hilfe der Script-PDF und Strg+F die Einsendeaufgaben bearbeiten. Wobei mir der Einsendeaufgaben-Erfolg der Methode auch sagt: Inhaltlich habe ich das verstanden.

    Aber ich muss noch viele Formeln, Variablen und deren Zusammenhang auswenig lernen.

    Mathematisch ist es das Gegenteil der Mathe-Klausur: Während die Matheklausur im Wesentlichen mit den Zahlen 1,2,n agierte und dafür die dollsten formalen Zaubertricks aus dem Hut zauberte, bleiben wir hier bodenständig mit Exponentialrechnung, leichter Statistik (Varianz/Standardabweichung) und wenn es Hart-auf-Hart-kommt einer ersten Ableitung im zweidimensionalen Raum. Dafür kommen hier lauter echte Zahlen mit vielen Nachkommastellen in langen Gleichungen. Anders gesagt: Viel Chancen für southpark sich zu verrechnen.

    Und wieder die Basler. Während Leonhard Euler aus Prinzip in jede Mathe-Klausur gehört, wird sein persönlicher Freund Daniel Bernoulli mit dem Bernoulli-Prinzip für Entscheidungen unter Risiko mit Sicherheit einen Auftritt in der Investitions-Klausur bekommen.

    Hornissenbuffet

    Von der Terrasse aus beobachteten wir wilde Kohlweißlingskämpfe. Also für die beteiligten Kohlweißlinge waren diese vermutlich wild, aus Menschenperspektive wirkte das apart.

    Der Montagmorgen fiel über die Brandenburger Hamptons. Das Außenthermometer zeigte 12 Grad. Die Sonne fiel gelb-orange über Feld und Wiese und im leichten Tau zeichneten sich Spinnennetze zwischen dem Sauerampfer ab. Besser wird es nicht mehr.

    Fast ebenso gut: Spätabends auf der Terrasse bei einem Glas Wein das Sommerdreieck betrachten und plötzlich feststellen, dass die ISS vorbeifliegt.

    Auf einer Rose (Eden ’85?) entdeckten wir eine Büffelzikade. Hätte ich nicht zufällig gesehen, wie sie sich bewegt, hätte ich sich für einen Teil des Blattes gehalten. Vermutlich hätte ich sie im Sinne der Obstbäume gleich erschlagen sollen.

    Büffelzikade auf Blatt vor grünem Hintergrund

    Goldruten haben als invasive Arten einen schlechten Ruf. Auch uns flogen sie zu und jedes Wochenende ziehen wir den ein oder anderen Goldrutentrieb aus der Erde. Zwei Pflanzen ließen wir: uns diese sind ein Insektenmagnet erster Güte. So stelle ich mir die Buffeteröffnung auf einem Kreuzfahrtschiff so, so wie Dutzende Bienen, Fliegen und Hummeln sich um die Goldrute tummeln. Nur wenn die Hornisse kommt, schrecken sie auf und stieben kurz davon. Die Hornisse scheint eher am Buffet der Buffetbesucher interessiert. Ich möchte es filmen und mit der Jaws-Melodie unterlegen.

    Töpfern und Termini

    Meine Kommillitonin Sarah Schulze Tenberge hat es auf die Vorstellungsseite der Fernuni geschafft. Was ich noch ergänzen kann: Mathe kann sie auf jeden Fall richtig gut.

    Karen schriebt wieder von ihrer großartigen Europareise, die auf dieser Etappe eher die Fähre als den Zug nutzte: Von Kineta über Patra nach Bari nach Roma Termini.

    Von Pariser öffentlichen Bädern berichtet die New York Times und unterstreicht, was auch ja auch immer sage (und nicht nur über Paris): Swimming in Paris is a full-on cultural experience. Many public pools don’t just feel like historical monuments, they are historical monuments… But after a year of swimming in Paris, it’s the smaller cultural insights I’ve gleaned that I find most precious: the intimate views into the French psyche and style of living that are on near-naked display in the swimming lanes, locker rooms and showers. (Catherine Porter: To Experience Paris Up Close and Personal, Plunge Into a Public Pool)

    Ilfiglio Maultaschenravioli fuhr mit Zug und Bus nach Bosnien.

    In den Hamptons-Hamptons sind Töpfer-Parties der neue Trend.

    Letztens schrieb ich noch, dass Kunstmarkt und Organisierte Kriminalität nicht ohne aneinander zu denken sind. Der Deutschlandfunk geht dem freundlicherweise mit einem Podcast nach: Tatort Kunst.

  • 23-09-02 Maximales Matching?

    23-09-02 Maximales Matching?

    Madame besuchte ein Konzert. (Nicht die Premiere, den Abend danach, selbes Programm, selbe Energie). Zuvor aß sie mit Professor Transformation in den Galeries Lafayettes.

    Vor vielen Jahren – Jahrzehnten geradezu – war ich einmal als Gruppen-Gast einer Bundestagsabgeordneten in Berlin. Der ganze Trip war hochgradig abstrus (was vor allem an der hochgradig eigenwilligen Reiseleitung lag, die uns der Bundestag stellte) – aber in Erinnerung blieb das Essen im Alt-Berliner Biersalon.

    Das Gericht war, es gibt kein anderes Wort und ist nun auch lange her, eine wirklich eklige Matschepampe aus halbglasigen zerkochten Kartoffeln, Fleisch, das ebenso zerfallen wie zäh war und einer hellbraunen dünnen Sauce. Nur die Vegetarier hatten Glück: Frisches Gemüse in vielen Farben, eine aromatische Käsesauce und krosse Bratkartoffeln.

    Ich erinnere mich daran, weil ich damals vegetarisch lebte und vegetarisches Restaurantessen in jenen Jahren gerne auch aus Rührei mit Kartoffelbrei oder ähnlichem Bestand. Aber nicht hier!

    Niemals hätte ich geahnt, dass ich einst vom Altberliner Biersalon aus einmal über den Ku’damm gehen würde, in die Hinterhöfe des Neuen Kranzler-Ecks schlendere und dort Mathe-Klausuren schriebe. Wie die Fernuni ausgerechnet in dieses Gebäude kam – die Geschichte wüsste ich gerne.

    Injektiv, Surjektiv, Bijektiv

    Aber vor der Klausur kommt die Vorbereitung. Ich wiederholte alles noch einmal, und noch einmal. Ich überlegte, welche Teile ich wirklich dringend wissen sollte. Dann ging ich alte Klausuren durch, schrieb alles an Sätzen, Formeln und Definitionen auf, die ich für diese gebraucht hätte, aber nicht im Kopf hatte, Die schrieb ich auf den erlaubten Spickzettel.

    Danach googlete ich nach anderen Sprickzetteln zur selben Klausur – hatte ich noch etwas vergessen, was andere Leute aufgeschrieben hatten?

    Beim Suchen fand ich zwei weitere „Wirtschafts-informatik-Uni-Hagen-Blogs“, die beide mit Uni-Abschlüssen enden: FernUni Blog (Bachelor Informatik, Master Wirtschaftsinformatik) und der peripherstudent (Bachelor Wirtschaftsinformatik) sowie das schon bekannte Blog zur Wirtschaftsinformatik Uni Hagen (Bachelor Wirtschaftsinformatik, Master Praktische Informatik, Master Wirtschaftsinformatik).

    Wobei ich nicht weiß, was ich spannender finde: Die gemeinsame Erfahrungen zu bestimmten Kursen, Dozenten und der „Fernlernexperience“ oder die Unterschiede war Lernart und Lerntyp und persönlichen Hintergrund angeht.

    Dann abendliches Kopf-Leer-Bekommen. Erst zu Fuß durch den Schöneberger Nachbarschaftspark: dort ein lauer Abend aus dem Bilderbuch: Junge Herren, die Frisbee spielen ein französisch sprechender Junge mit Mutter(?) in dezenter Punkkleidung am Fußballspielen, kleine Hunde tollen herum, Paare/Zweiergruppen (m/w/d) schlendern zusammen über die Wege.

    Mich führte der Weg ins Stadtbad Schöneberg: ein paar Bahnen schwimmen, ein paar Bahnen planschen, und zwischenzeitlich war es leer genug für zwei Bahnen auf dem Rücken.

    Heute dann, vor der Klausur: Für keine andere der Fernuni-Klausuren habe ich so intensiv gelernt. Und vor keiner anderen war im direkten Vorfeld meim Kopf so leer/frei – die Gedanken so sehr bei anderen Themen und so wenig bei der Mathematik.

    Vier Kugeln, drei davon Schwarz

    Zur Klausur immerhin waren die Mathe-Gedanken wie geplant wieder zurück.

    Die Klausur hat einige Eigenheiten. Unter anderem: Es sind immer 12 Frageblöcken zu 12 Themengebieten. Die Fragen ändern sich, die Themengebiete bleiben im großen und ganzen identisch.

    Wichtiger: Es ist eine 3-Stunden-Klausur mit zwei Stunden Bearbeitungszeit. Das heißt, wer ein volles 2-Stunden-Programm schafft (also 60 von 90 Punkten) bekommt 100%, wem die Hälfte davon gelingt (also 30 von 90 Punkten) besteht. Oder anders gesagt: Wenn man ein Drittel der Klausur komplett richtig hat, kann man zwei Drittel vollkommen ignorieren.

    Ich hatte eine Klausurstrategie entwickelt: Ich lerne zwei Drittel der Themen. Ich lasse das Drittel weg, das (a) aufwendig zu lernen ist und (b) für dessen Lösuing viel Schreiberei und Rechnerei nötig ist – es also kostbare Klausurzeit kostet und potenziell Punkte kostet für blödsinnige Verrechner.

    Der Plan ging weitgehend auf, die Fragen waren im Wesentlichen wie erwartet. Nur dass ich bei der Wahrscheinlicheitsrechnung überraschend strauchelte, das ist mir schon etwas peinlich. Wenn jeder meiner Sätze und Aussagen komplett richtig ist, habe ich 49 Punkte – zu den 30 zwingend nötigen Punkten existiert ein gewisser Sicherheitsabstand.

    Andererseits lief der ganze Kurs so abstrus, dass man nie weiß was passiert.

    Wind im Haar, Sonne im Rücken

    Selten bin ich so dankbar, in Berlin zu wohnen wie an diesen Klausur-Tagen. Während Kommiliton*innen teilweise Stunden anfahren müssen, dann in Berlin ein Hotel nehmen (und das auch noch währned Ifa stattfindet!) und im Zweifel auch noch den Rückreisezug erreichen wollen, kann ich morgens auf das Fahrrad steigen. Ich radle tiefenentspannt durch die halbleere Stadt Richtung Kranzler-Eck und komme mit frisch freigeblasenem Kopf und einmal aktiviertem Kreislauf an.

    Fahrrad anschließen vor Käthe Wohlfahrt, noch einmal Beine vertreten und durchatmen vorbei an Ralph Lauren, dem Altberliner Biersalon und dem Theater des Westens. Und dann hinein in die Challenge.

    Fahrrad vor Schuld "Blvd KU'damm" und Buddy Bears. Im Hintergrund ein Käthe-Wolffahrt-Geschäft.

    Ordner und U-Boote

    Der Kaptain war ihrer Zeit voraus. Das Ordner/Datei-System auf Computern hat sie immer abgelehnt. Und ist damit voll in der heutigen Zeit angekommen: File not found. A generation that grew up with Google is forcing professors to rethink their lesson plans.

    Ich lernte: bei diesem fatal geplatzten U-Boot wusste nicht nur die komplette Community vorher, dass es platzen würde (aber konnte nichts Entscheidendes dagegen machen), sondern die zahlenden Gäste waren auch „Mission Specialists“, also offiziell Besatzungmitglieder. Nicht etwa nur aus Marketinggründen und weil es cooler klingt, sondern auch weil im Seerecht Besatzungsmitglieder weit weniger Schutzrechte genießen als zahlende Gäste: The Titan Submersible Disaster Was Years in the Making, New Details Reveal

  • 23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    Madame macht sich Gedanken: „Was ist Recht?“ Unterscheidet sich „Recht“ von „das Recht“?

    Bei diesen Gedanken stieß sie auf den Heavy-Metal-Mathe-Professor Christian Spannagel und seine Ausführungen zum Flipped Classroom. Ich verstand, warum Spannagel-Videos seid vielen Jahren zur Grundausstattung einer/s jeden Mathe-Lernenden-Studis gehören.

    Mit Lernen – also Neu-Lernen – ist bei mir natürlich gerade gar nichts. So kurz vor der Klausur im Klausurlaub denke ich „Alles was ich während des Kurses schon nicht verstanden habe, verstehe ich jetzt auch nicht mehr.“ Aber ich bin eigentlich optimistisch, dass ich bis in den Juli/August hinein genug verstanden habe, um zu bestehen.

    Jetzt halt: Wiederholen. Sich erinnern. Und den handschriftlichen DIN-A4-Spickzettel erstellen, den ich mitnehmen darf.

    Erinnerungen an den Sommer: Beim 18 Grad und Dauerregen schaue ich Studientagsvideos. Die kümmern sich zwar nur um Mathe, aber ab und an kommen auch die Bedingungen des Studientags vor. Lebhaft erinnere ich mich an 34 Grad Außentemperatur – wir saßen in einem nicht-klimatisierten 80er-Jahre-Unibau, in dem wir die Fenster nicht öffnen durften, denn direkt davor war die Baustelle. Sie erzeugte Lärm und Staub.

    Und so pivotierten wir links herum und rechts herum und wieder rechts herum und vielleicht auch einmal auf dem Kopf, dass einem ganz schwindelig wurde. Sei es wegen der 34 Grad, sei es wegen der Pivoetten.

    Jetzt ist angenehmer. 18 Grad. In der Wohnung bei bedarfsweise offenen oder geschlossenen Fenstern. Natürlich verlernhöhle ich dabei auch. Es kommt zu wenig mehr als einem Gang zum Supermarkt, zum Fahrradmeister und vielleicht auch mal mit Lernmaterialen in den Park.

    Tablet mit Matheaufgabenfilm. Im Hintergrund Wohnzimmer.
    In da Lernhöhle

    Die Hinterhausbaustelle bietet uns wieder Gerüstnahsehen an. Denn das Hinterhausgerüst verschwindet endgültig. Die alleroberste Etage, die über das Dach hinausragte ist bereits weg, weitere werden vermutlich folgen. Die katzenhafte Sicherheit mit der die Herren dort herumturnen – beeindruckend.

    Andere Herren legten dafür mit der Dachbodenbaustelle über unseren Köpfen los und fanden eine Mauer zum Einreißen. Es wirkt genau so wie es sich liest: „Direkt über Deinem Kopf wird eine Mauer eingerissen.“ Ich hoffe, sie setzen das nicht fort, wenn ich gerade eine Onlineklausur schreiben möchte.

    Madames Armbaustelle baut auch ab. Tagsüber darf sie sich wieder ohne Rüstung, nacktarmig und orthesenfrei in die Öffentlichkeit wagen. Nur Nachts, wenn niemand die Armbewegungen kontrolliert, ist der gerüstete Schutz nötig. Sonst steht halt das übliche Programm auf dem Plan, um Arm und Handgelenk wieder zum Leben zu erwecken.

    Zur Feier des Tages trafen wir uns bei der Kaffeerösterei Enrico, tranken Galao und aßen Zitronen-Baiser-Tarteletts. Zur Feier des Tages verschwand Madame im Stadtbad Schöneberg (Schwimmen: Gut. Radfahren: Böse.) Und zur Feier des Tages brachte sie ein neues Geodreieck mit. („Ignorieren Sie nicht die geometrische Lösung einer Optimierungsaufgabe!“)

    Das Weihnachtsbaumgeschäft brummt

    Corona existiert noch. Der politisch-moralisch stets mustergültig postende Teil der Menschheit muss sich noch zurückgewöhnen. Auf Tröt lese ich mehrere Posts des Inhalts „Ich bin erst zwei Stunden zur Rush Hour mit der Ringbahn gefahren, war dann in der Karaokebar, um erst im Aufzug Potsdamer-Platz-Aussichtsturm 15mal rauf und runter zu gelangen und dann in den KitKat-Club zu gehen. UND NUR ICH HATTE EINE MASKE AUF!“. Aber das wird noch.

    Das Silofeuer in Wesselburen ist gelöscht. 500 Einsatzkräfte auf mehreren Landkreisen bis hin zu Experten der Hamburger Berufsfeuerwehr.

    Die Wikipedia-Gruppe Hannover entdeckte eine*n verstorbene*n Erblasser und fuhr mit dem Erbe nach Posen/Poznań.

    Via Landlebenblog lernte ich: Das Weihnachtsbaum-Geschäft brummt quasi schon, Sie sollten sich also eilen, wenn Sie noch einen vernünftigen Baum ergattern wollen

    Merken: ChubbyCable. Gutscheincode: edent. (Suchwort Ladekabel, USB-C, Lightning)

  • 23-08-29 Lichterlohes Lodern über Dithmarschen

    23-08-29 Lichterlohes Lodern über Dithmarschen

    Die Dachbaustelle im Hinterhaus bekommt einen erkennbaren Balkon.

    Auf unserem Dachboden, den ich eigentlich für komplett leer halte, sind neuerdings Abends nach 22 Uhr oder morgens vor 7 Uhr kleine Männergruppen und machen irgendwas. Ich vermute, dort findet fortgeschrittenes Hallodritum statt.

    Fortgeschrittenes Fensterputztum fand in der Wohnung statt, dank eines Profis mit Leiter und norddeutschem Migrationshintergrund.

    Der italienische Feinkostladen in der Straße eröffnete. Stilecht mit grün-weiß-roten-Luftballons. Angesichts der übrigen Kleineinzelhändler dieser Straße vermute ich trotzdem, dass er im Hintergrund einer türkischstämmigen Familie gehört. Aber es waren Leute anwesend. Viele.

    Wir sind Zeugen einer Transformation: Wirkten die Geschäfte dieser Straßenzeile (Wettbüros, Sportschuhe, Gastrogroßbedarf) bisher so als wären sie nicht auf Laufkundschaft – oder überhaupt auf Kundschaft – angelegt, hat die rapide Transformation in den letzten Wochen viel Neues gebracht: Hühnerwald, „Medien + Reisebüro“, der neue Inder und jetzt auch der Feinkostladen wirken ernstlich so, als sollten Leute hineinkommen. Nur der „Barbershop-Großbedarf“ verströmt weiterhin das Flair einer geschlossenen Gesellschaft.

    Gepreppt: The one and only Coffee Chili. Als Nachtisch: James Grieve aus eigenem Anbau. Unter dem anderen Apfelbaum wächst Borretsch. Der hat sich freundlicherweise ohne unsere direkte Intervention dort angesiedelt.

    Heute morgen beim Frühstück warnte mich die Katwarn-App: Feuerwehreinsatz in Dithmarschen. Halten Sie Fenster und Türen geschlossen. Eines der beiden Wesselburener Wahrzeichen brannte. Und da im Getreidesilo immer wieder Getreide nachrückte, war es quasi unlöschbar. Drama in Wesselburen. Anruf beim Kaptain: „Ach, deshalb riecht es so. Ich hab mich schon gefragt, wer so früh am Morgen grillt.“

    Der Geruch in der Tiefgarage der Südkreuz Offices wird intensiver. Soweit ich verstehe, scheitert eine Taubenbekämpfung am Taubenschutzverein, der Nester mit Eiern entdeckte. Als Mieter eines Berliner Balkons sage ich: Herrje. Natürlich. Sobald man drei Minuten nicht hinschaut, haben sich Tauben angesiedelt, ein Nest gebaut und Eier gelegt. Das ist ihre Superkraft.

    Taube im Parkhaus: Darunter Taubendreck.
    Die Höhenwarnung schaukelt. Ein Eigenschaft, die die Stadttaube offensichtlich schätzt.

    Mutter von Welt, Zug in Griechenland

    Kitty Koma war in Nachbarschaft unserer Latifunden auf einer Einschulungsfeier. Sie entdeckte: Die Mutter von Welt trägt bei so einer Veranstaltung um 9:30 Uhr langes Abendkleid, silberne High Heels und falsche Wimpern zu ihren üblichen Tatoos.

    Ich finde Karens Zugreise durch halb Europa ebenso cool wie inspirierend. Und auf meiner eigenen Löffelliste landete sofort der Plan: Mit dem Zug an den griechischen Strand: Turku-Istanbul mit dem Zug: (13) Kineta

    Strong, striving, great, more, wider

    Überraschenderweise bin ich ja in meinem Leben aktuell im öffentlichen Dienst gelandet – und den Vorurteilen nach soll dort nicht alles immer rasend schnell gehen. Umso mehr freut es mich, dass mein Ex-Arbeitgeber, Wikimedia Deutschland, sich das „10-Wochen-Jetzt“ angewöhnte. WMDE bloggt We are excited to announce that Wikimedia Deutschland (WMDE) now has a new strategic direction until 2030!

    (Formell beschlossen am 17. Juni, gebloggt am 29. August)

    Zu meiner Zeit war es so, dass WMDE ein disparater Verein war, mit reichlich verschiedenen Abteilungen. Um ein Bild zu nutzen: Wäre es ein „Verein zur Förderung des Sports gewesen“, hätte es eine Abteilung für Schwimmen gegeben, eine zur Entwicklung von Kufen für Rennrodeln, eine zur Erforschung des Sports im Nationalsozialismus und eine für internationale Beziehungen.

    Dementsprechend schwierig waren alle Strategiedebatten. Meistens endeten sie darin, dass unter Hinzuziehung mehrerer Arbeitsgruppen mit großem Aufwand und in schönen Worten gesagt wurde „Wir müssen Wassersporttreibende ohne Sportgerät fördern und schnellere Verbindungen zwischen durch Schwerkraft angetriebenen Renngeräten und dem Eis entwickeln und das Wissen über das Wesen des Sports im Nationalsozialismus vertiefen und das alles in einen internationalen Kontext stellen.“

    Meine Zeit ist lange vorbei. Aber wenn ich mir die Strategie so betrachte: Nicht viel hat sich geändert seitdem.

    Viel Geld

    Die 1990er haben angerufen und möchten ihre Standort-Deutschland-Debatte zurück. Einziges Zeichen des ökonomischen Wandels seitdem: Das Schimpfwort der „Vollkaskomentalität“ wandelte sich zur „Flatratementalität.“ Eine Nation der Autobesitzer verwandelte sich in eine Nation der Handynutzer.

    Wobei sowohl Vollkaskoversicherungen wie auch Handy-Flatrates nur existieren, weil sie für die Anbieter gewinnbringende Geschäftsmodelle sind. Die Kunden zahlen im Schnitt mehr einzahlen als sie entnehmen. Menschen schätzen es, wenn sie keine finanzielle Unsicherheit erfahren. Sie sind bereit, dafür Geld zu auszugeben.

    Die New York Times berichtet, dass Dänemark überlegt zwei nationale Wirtschaftsbilanzen aufzustellen: Eine mit Novo Nordisk, dem Entwickler von Ozempic und Wegovy, (Gesamtes Nationales Wirtschaftswachstum mit NN knapp 2%) und eine ohne (Wirtschaftswachstum 0%). Zwei Diätmedikamente machen genug Umsatz und Gewinn um komplette europäische Volkswirtschaften aus dem Rahmen zu werfen.

    Um fast soviel Geld geht es im New-York-Times-Feature The Inheritance Case That Could Unravel an Art Dynasty (Geschenklink ohne Paywall) – die Welt aus gigantischem Reichtum (mehrfache Milliardärsklasse), einem kulturell-distinguierten Lebensstil weit über jede Karikatur hinaus, totaler Verschwiegenheit und Organisierter Kriminalität auf Eliteniveau fasziniert mich. Ähnlich fasziniert mich aber auch seit Jahren Feuilletonberichterstattung über moderne Kunst, die ohne die Wörter Schwarzgeld, OK und Mafia auskommt.

    Die Zeit entdeckte (hinter der Paywall), dass ausgerechnet der Veltener Bernsteinsee ein „Trendsee“ sein soll. Da kommen auch Journalismuszweifel auf: Von den etwa zehn Badeseen in der Nordwestecke Berlins, die mir einfielen, liegt der Bernsteinsee irgendwo zwischen Platz 9 und 10.

  • 23-08-27 Der letzte James Grieve (Sechsbindige Furchenbiene)

    23-08-27 Der letzte James Grieve (Sechsbindige Furchenbiene)

    Madame las einarmig Kant.

    Zwei Gärten weiter wurde ein Kindergeburtstag gefeitert. Zum Abschluss gönnten sich die Eltern zwei Lieder der Rammstein GbR in Siedlungslautsstärke.

    Madame zeichnet Pergolen. Beziehungsweise – da auch Zeichnen einarmig schwierig ist – überlegt sie an Zeichnungen, die sie zweiarmig anfertigen kann, sobald die Orthese verschwunden ist.

    Ungeahnte Zustände herrschten im Bungalow. Wir suchten Jacken und Socken! Der Sonnenschirm blieb im Schuppen. Wir schlossen Fenster, bevor es zwingend notwendig wurde. Irgendwann sagten wir „Es wird kühl, wir könnten jetzt reingehen.“ Ich konnte am hellichten Tag von der Terrasse zum Apfelbaum laufen, ohne das Gefühl zu erleiden, an Hitzschlag zu sterben. Es gab wieder Essen zu normalen Zeiten, weil ich mich vor 20 Uhr zu seiner Zubereitung aufraffen konnte. So herrlich.

    Die Kaffeegartenrunde musste nicht mehr im Halbschlaf durchgeführt werden, weil es sonst zu heiß würde. Prompt entdeckte ich ein neues Insekt: Wespenartig, aber länger und schlanker und mit auffallend weißen Binden. Nach längerem Suchen in Büchern und dem Netz: Anscheinend ein männliches Exemplar einer Sechsbindigen Furchenbiene. (Halictus sexcinctus)

    Von mir übersehen, aber von Madame entdeckt: Eine Tarn-Libelle.

    Braun-weiße Libelle an braun-weißem Pflanzenstängel

    Überhaupt: Angesichts dessen wie trocken die Latifundien eigentlich sind, fliegen erstaunlich viele Libellen vorbei.

    Auch überflogen: Kraniche. Ist schon die Zeit des Rückflugs?

    Madame möchte mehr Gaura. (Auch sehr schön, aber mit einer Schönheit, die sich nur schwer auf Fotos bannen lässt).

    Dem Blog entnahm ich, dass wir vor genau einem Jahr auf Helgoland waren. Spontan schaue ich, ob es eigentlich Bildungsurlaub gibt, der auf Helgoland stattfindet: Gibt es. Aber die Themen finde ich öde.

    Dem Blog entnahm ich, dass wir letztes Jahr am 11. September die Alkmene-Äpfel ernteten. Das wäre ein Plan für dieses Jahr. Vorausgesetzt, wir finden die fünf Äpfel ganz oben am Baum wieder. So ist mit den Äpfeln: Letztes Jahr gab er uns noch eimerweise Ernte, dieses Jahr keine. Dafür trägt James Grieve.

    James Grieve, der Apfelbaum, der dieses Jahr immer gibt. Wieder gab es einen Fallapfelcrumble. Es wird der letzte gewesen sein. Wir beschlossen: die Sommeräpfel sind reif. jetzt wird geerntet.

    (Einschub: Vielleicht sollte ich auch den von mir selbst geschriebenen Wikipedia-Artikel zum Apfel öfter lesen. So einiges erschien mir gerade komplett neu.)

    New Orleans / Grünheide

    Dafür gelesen: Tony Fenelly: Robins Hochzeit. Der letzte Band der Matty-Sinclair-Trilogie. Einerseits weniger gelungen als die beiden Bände zuvor, andererseits besser.

    • Weniger schön: Die Handlung ist in ihren Themen ambitionierter. Aber damit der Plot das hinbekommt, rumpelt seine Konstruktion erheblich und die Glaubwürdigkeit der Handlung wirkt mehr als einmal fadenscheinig.
    • Die Romane spielen in den 1980ern in der schwulen Halbwelt von New Orleans. Dort kommen viele Begriffe vor, die das Standardamerikanische nicht kennt und schon gar nicht das Standarddeutsche. Mir war zuerst eine deutsche Übersetzung in die Hände gefallen, und die zog mich in ihren Bann. Ich weiß gar nicht, ob die Übersetzerin Mechthild Küpper die damalige Szenesprache nutzte, oder ihren eigenen Jargon erfand. Es gab so einen ganz gewissen Sound. Der dritte Teil hat einen anderen Übersetzer, der deutlich näher am Standarddeutschen schreibt: Womit das Buch noch mehr holpert als nur durch den Plot bedingt.
    • Spannend: Ein Krimi, in den 1980ern geschrieben und veröffentlicht, der sich mit der Frage auseinandersetzt: Wie ist es denn nun, wenn Schwule unter den damaligen Bedingungen einen „Bund für’s Leben“ schließen wollen? Was ist möglich und wie sieht es mit dem Selbstbild aus?
    • Chilling: Eine Szene im Kitt’s, eine Art schwuler Gentlemen’s Club in New Orleans mit Séparées im Obergeschoss für ihr-wisst-schon-was. In dem Club taucht als Nebenfigur eine verhärmte Gestalt auf, die Wunderheilungen gegen AIDS nachjagt. Wenn man weiß, wie sehr AIDS in den 1980ern die gesamte Subkultur zerstörte und dass genau solche Clubs Opfer von AIDS wurden – nur eine kurze Szene, ohne weitere Relevanz für die Handlung. Aber für mich nachdrücklich.

    Beim Radio-DAB-Durchzappen über eine wunderlich-schöne Austropop-Sendung gestolpert. Mit Georg Kreisler, der EAV, Reinhard Fendrich und Hubert von Goisern. In einer Individualität der Anordnung wie ich sie nur aus den Anfangsjahren des deutschen Privatradios erinnere, oder aus den stets schwindenen Nischenfenstern im ÖR-Rundfunk. Oder halt aus selbstgemachten Sendern wie Radio FSK (Hamburg) oder dem Offenen Kanal Westküste (Dithmarschen). Dafür allerdings wirkte die ganze Austropop-Sendung viel zu professionell.

    Gefunden: Es sendet Radio Ginseng. Aus Grünheide bei der Tesla-Fabrik Berlin. Ein Radio das von sich sagt: „Radio Ginseng – das sind reife und sehr reife Menschen, die Sendungen produzieren“. Es hat im positiven Sinne alle Offenheit und Individualität von unkommerziellen Radio, aber in einer Professionalität, die ich dort noch nie so hörte.

    Von Vergessenem

    Madame las nicht Kant, sondern Michael J. Sandel über Kant. Komplett vergessen hatte ich, dass ich in meinem Studium politischer Philopshie natürlich auch einst Sandel und seine Rawls-Kritik las. Komplett aus den Augen verloren. Jetzt ist er in Harvard und war „einflussreichster Ausländer in China.“

    Über vergessene Künstler schrieb der Guardian: „‘That’s it? It’s over? I was 30. What a brutal business’: pop stars on life after the spotlight moves on“ (Gefunden via Anke Gröner)

    Anke Gröner schrieb auch einen Wikipedia-Artikel.

    In Südfrankreich war es noch heißer als in Berlin oder in Italien.

    Kellerkind war in Wittenberg.

    Karens Europa-Nachtzugreise machte Zwischenstation in Athen.

    Herr Rau bloggt Tagebuch.

    Zu recherchieren: Hat Kant je etwas zum Königsberger Brückenproblem geschrieben?

  • 23-08-24 A room in a book in a flat

    23-08-24 A room in a book in a flat

    Die Post bringt Multiple-Choice-Bücher.

    Also Bücher über Multiple Choice, nicht Bücher mit Multiple Choice.

    Ich stelle fest, dass es „Diskrete Mathematik: Eine Entdeckungsreise“ (besser bekannt als der Matoušek/ Nešetřil) für gar nicht so viel Geld gebraucht online gibt (und wehe, ihr kauft es mir weg.)

    Phase 4 meiner Bloggerei begann am 14. August letztes Jahr mit dem Eintrag:

    Warten unter Alkmene
    Warten auf den Abend, an dem die Temperaturen unter 30 Grad sinken. Auf Tage unter 30 Grad. Madame verkochte Falläpfel zu Apfelkaramell. Ich las ein mittelprächtiges französisches Buch dessen Namen ich bereits wieder vergaß sowie das weit bessere „Flight Portofolio“ von Julie Orringer.
    Oh wie braun-gelb ist Panama. Immerhin weht unter dem Apfelbaum eine frische Brise. Die Hornissen im Baum halten die Wespen fern.

    Die Zeit als Zirkel: Auch dieses Jahr Warten im Mitt-End-August auf das Ende der schwülen Tage, das auch nicht schneller kommt, wenn ich halbstündlich die Wetterseite neu lade. (Weiteres Warten: Klausururlaub im September. Madames wiederkehrende Zweiarmigkeit).

    Es zirkelt weiter: Verarbeitung von Falläpfeln. Wespen, die uns bis in die Wohnung verfolgen. Ich lese nicht mehr das Flight Portfolio (damit war ich ja letztes Jahr schon durch), aber ich lese von Menschen, die das Flight Portfolio lesen: die Kaltmamsell liest und Herr Buddenbohm schaut die dazugehörige Miniserie.

    Mich motiviert das, Giovanni’s Room von James Baldwin wieder hervorzusuchen, das halb gelesen unter einem Nachttischstapel entschwunden war. Die Bücher spielen in ähnlicher Szenerie (Orringer: Amerikaner in Südfrankreich Anfang der 1940er, Baldwin: Amerikaner in Paris, Anfang der 1950er), die verhandelten Fragen sind ähnlich existenziell – und ich gehe Wetten ein, dass Orringer sich in mehreren Teilen ihres Buches auf Baldwin bezieht / sich von ihm inspirieren ließ.

    Während aber Orringer in großer Besetzung aufspielt und die Verfilmung schon im Buch angelegt ist, geht Baldwin ins intensive Kammerspiel – wie ja schon im Titel zu ahnen.

    Ruhe zum Lesen habe ich, denn ich bleibe ich in der Wohnung. Im Jahr 2023 muss man in einem Bürojob nicht mehr die Kollegen von Angesicht zu Angesicht voll-Niesen und -Husten selbst wenn man sich relativ manierlich fühlt. Naja, und viel mehr Energie als zum Lesen bleibt am Ende dann doch nicht.

    Blick aus dem Fenster auf Baugerüst und ein Auto.

    Meinen Duolingo-Streak rette ich damit, dass ich alle drei Tage eine Kürzestübung mache und dann wieder zwei Streak-Freezes nachkaufe.

    Vielleicht schaue ich noch die Depeche-Mode-in-der-DDR-Doku.

    Es gibt weiter geprepptes Stew. Noch verkauft der Supermarkt Buschbohnen aus Niedersachsen.

    Skikurse

    Das Fernuni-Semesterende nähert sich. Und ich habe wahrhaftig den Eindruck, in der Algorithmischen Mathematik zumindest inhaltlich auf festen Füßen zu stehen. Das heißt nicht, dass ich je in Zukunft gut durch eine Klausur zum Thema kommen werde. Aber ich weiß wieder wo oben und unten, links und rechts ist.

    Im Vergleich zum Rest des Fernstudiums war der Kurs wie: „Ich mache fleißig Ski-Langlauf, biege links ab und falle die schwarze Piste hinab.“ Nach einigen Blessuren und Schrammen stehe ich wieder aufrecht.

    Nach Lektüre der einschlügigen Blogs und Foren scheint mir das auch die einzige Schwarze Piste des Studiengangs zu sein.

    Und habe nun das Problem, dass mir Schwarze Pisten eigentlich besser gefallen als Skilanglauf. Ich schiele immer mehr in Richtung Mathematik-Studium (und überlege intensiv, was ich wo anerkennen lassen kann.) Bei gerade mal bisher 50 von 190 ECTS für den Wirtschaftsinformatikbachelor ist das aber ein sehr frühes Ausscheren. Zumal ich halt erstmal sowas wie die „Investition und Finanzierung“-Klausur dieses Semester bestehen muss, bevor ich überhaupt weiter denken sollte.

    Bleibt spannend. Vielleicht bleibe ich auch bei den Wirtschaftswissenschaftlern und belege zum passenden Zeitpunkt das „Ski-Seminar“ [sic!] „Controlling in dynamischen Umwelten“, dass ungelogen in Champéry im Wallis am Fuss der Dents du Midi und der Dents Blanches im Herzen des Skigebietes Portes du Soleil stattfindet.

    Die Hinterhausbaustelle schreitet voran.

    In Russland stürzte zu Niemandes Überraschung ein Flugzeug ab.

    Ich lese erste Opinion Pieces, dass Künstliche Intelligenz schon wieder vorbei ist.

    Mich freut:

    Sieben Sommerbäder bleiben länger offen als ursprünglich geplant:

    • Sommerbad Kreuzberg (bis 30. Oktober),
    • Sommerbad Olympiastadion (bis 1. Oktober)
    • Sommerbad am Insulaner (bis 30. September)
    • Sommerbad Humboldthain (bis 17. September)
    • Sommerbad Wuhlheide (bis 15. September)
    • Sommerbad Mariendorf (bis 10. September)
    • Staaken-West (bis 3. September)