Kategorie: Alltag

  • 23-08-05 Voyager en voiture couchette

    23-08-05 Voyager en voiture couchette

    Weihnachten 2015 fuhren wir mit einem der letzten Nachtzüge der Deutschen Bahn, und dachten, wir werden nie wieder Nachtzug fahren können. Welch Irrtum.

    Donnerstag wurde in Lörrach Käsegebäck gebacken, denn ein Familienfest rückte näher.

    Nachdem ich meine Beschäftigung mit Mensch-Maschine-Schnittstellen beendet hatte, begannen wir das Packen. Es begann mit Vernichtung von Essensresten (Butter Chicken, Paprika, Frühlingszwiebeln, Käsekuchen) und setzte sich mit dem Heraussuchen von Kleidung aus.

    Die Ruhe-vor-dem-Aufbruch – wenn alles fertig gepackt ist, aber der Zug noch nicht fährt – fiel über uns. Ungewohnt, dass diese um 20 Uhr stattfindet.

    Anscheinend soll es mein Schicksal werden, am Home-Office-Tag privat am Büro vorbeizufahren. Ich winkte der Geschäftsstelle aus dem elektrischen 248er-Bus, der uns zum Bahnhof Südkreuz fuhr.

    Donnerstag um 21 Uhr, Geschäfte geschlossen, Bahnhof halbdunkel – ein sehr anderes Erleben als mein normaler Mittagspausenaufenthalt dort.

    In Lörrach wurde derweil Käsegebäck gebacken.

    Der ÖBB Nightjet nach Zürich fuhr ein. Wir suchten Plätze 31 / 32 (unten) in Wagen 311, Liegewagen-6er-Belegung. Im Abteil unseres voiture couchette befand sich bereits eine bezaubernde franko-schweizer-Familie aus Geneva mit zwei Kindern auf der Rückfahrt aus dem Berlin-Urlaub. Die beiden Erwachsenen sprachen ähnlich kompetent deutsch wie wir französisch und so einigten wir uns auf englisch als Konversationssprache.

    (Ehrlicherweise sprachen sie leidlich deutsch wie Madame französisch. Meine Sprachkenntnis ist nicht-existent. Ich freute mich einfach nur in den Sound der Sprache eintauchen zu können, wenn die Familie untereinander kommunizierte.)

    Der Schaffner überzeugte uns, dass er uns morgen keinen Kaffee kochen muss, der Fuchs. Irgendwo in Südbrandenburg kletterten wir in unsere Schlafkojen und schlossen das Rollo. Während aus dem ein oder anderen Erwachsenenbett noch ein Handy leuchtete, war es bei den beiden Kindern (Alter: späte Grundschule, frühe weiterführende Schule) sofort komplett ruhig.

    In Lörrach wurde derweil immer noch Käsegebäck gebacken.

    Längerer Aufenthalt in Leipzig. Wegen Lok-Umkopplung ging zwischenzeitlich die Lüftung aus – es wurde schwül. Einschlafen kurz hinter Leipzig. Das Ruckeln war einschläfernd nicht aufweckend. Irgendwo in Sachsen gelang es der Lüftung auch, die tagsüber angesammelte stickige Luft aus dem Wagen zu blasen.

    Irgendwann nachts in Frankfurt. Vom Tief- in den Halbschlaf. Kopfbahnhof, umkoppeln, Lüftung aus die Nächste. Nur noch im Halbschlaf mitbekommen. Es blieb warm genug, damit ich die Decke als zusätzliches Kopfkissen verwenden konnte.

    In Lörrach wurden um diese Zeit hoffentlich kein Käsegeback mehr gebacken.

    Hinter Frankfurt: weiteres Ruckeln, stehen, weiterschlafen. Später lesen wir etwas von „Zugreparatur in Mannheim.“

    Um 7:38h Ankunft in Basel Badischer Bahnhof, etwa 30 Minuten zugreparaturverspätet.

    Beim Aussteigen sehen wir in den Schlafwagen hinein. Unser Liegewagen war perfekt in Schuss, wir merkten ihm sein Baujahr in den 1960ern/1970ern aber auch deutlich an. Das war Bahnfahren wie es sich in meiner Kindheit anfühlte.

    Der Schlafwagen hingegen, in den wir einen Blick erhaschten, war offensichtlich neu. Das sah aus wie das innere eines Fernseh-Raumschiffs. Ich war schwer beeindruckt und wünsche mir, dass irgendjemand auf der Welt außer der ÖBB neue Schlaf- und Liegewagen bauern lässt.

    Unsere Reiseparter*innen fuhren weiter nach Basel SBB. Sie wollten den Tag über Basel betrachten, abends weiter nach Genf.

    Wir eilen zur S-Bahn, in der Hand das kaffeefreie To-Go-Frühstück zu dem der Schaffner uns hingelenkt hatte. Vor Eil-S-Bahn-Schreck vergesse ich, ein Foto vom Nachtzug zu machen.

    In Lörrach nimmt die Käsegebäckproduktion wieder fahrt auf.

    Wir unterbrechen diese zum Frühstücken und Kaffeetrinken.

    Madame bricht wegen Familiengeschäften zu Bank und anderen Orten auf. Den ursprünglichen Plan „ab ins Freibad!“ kann sie wegen Arm nicht umsetzen. Die Käsegebäckproduktion läuft weiter, Ich führe den Schwimmbadplan alleine durch. Und es war alles perfekt:

    Die Anlage des Parkschwimmbads Lörrach war riesig, schick und bis auf die Drehkreuze funktionierte alles als wäre es farbikneu ausgepackt. Sonne und Trockenheit beim Kommen und Gehen, zwischenzeitlich im Wasser Regen. 20 Grad Lufttemperatur, 21,8 Grad Wassertemperatur. Wir teilten uns ein 50-Meter-Becken mit zwei bis sechs Personen. Es gibt wenig, was so herrlich ist, wie Regen wenn man bereits im Wasser ist und schwimmt.

    Gemaltes Bild; Badende mit Ball in der Hand.

    Letztendlich schwamm ich viel und lange wie seit Monaten nicht mehr. Was wunderbar war. Aber es führte dazu, dass ich mich nach dem Heimkommen leider nicht mehr bewegen konnte.

    Währenddessen ging die Käsegebäckproduktion weiter.

    Irgendwann erhob ich mich wieder. Sollte sich ein Muskelkater abzeichnen?

    Die Geschäftsvorgänge wurden trotz der notwendigen Mitwirkung von übersichtlich kompetenten Bankazubis erfolgreich zu Ende gebracht. Madame möchte an die alte Hamburger EC-Karte erinnert werden.

    Das Käsegebäck war vollendet. Es gab Kaffee und Kuchen. Später traf sich der Cousinenchor zur Probe und dann zum Pizzaessen.

    Jetzt wird noch eine Katzenbarbie eingewickelt und der große Tag beginnt.

    2 Fußgänger

    Nachzutragen von Mittwoch: Der Tag begann mit einem Staatsbesuch. Nicht bei mir, aber als ich versuchte, per Rad die Straße zu überqueren. Die Choreographie der Polizei-Motorräder, die in kurzer Zeit rollierend Kreuzungen absperren, um den Besuchstross durchzulassen, fasziniert mich stets.

    Karen fuhr auch Nachtzug. Von Bukarest nach Istanbul. Ich ahne, dass Madame spätestens Montag Reiserouten von Bukarest nach Istanbul recherchieren wird.

    Lörrach besitzt eine „Fahrradstraße – Autos sind hier Gast“. Ich wandelte diese entlang und traf 1 Fahrrad, 2 Fußgänger (einer davon schob ein Fahrrad) und 11 Autos.

    Die Kollegen waren im Fernsehen als sie einen Motorbootkapitän retteten.

    Mein Lieblingsschwimmbad war im Radio. Gleich am Anfang des Beitrags: Wärme der Zukunft – Wie klimafreundlich geheizt werden kann.

    Über Geld reden, heißt darüber reden, was eine Gesellschaft ausmacht. Ich werde sobald ich in Berlin bin, mal suchen, ob ich an die eigentliche Studie komme.

  • 23-08-03 Uffz uch

    23-08-03 Uffz uch

    Wohnungsrenovierende im Kollegenkreis führten Fachgespräche über Schraubendreher-Varianten von Kreuzschlitz zu Vielzahn.

    Des Herzogs 3D-gedruckte Smartiesausgabemaschine ging derweil kaputt. An einem zu harten Smartie verschluckt.

    Vorteil, wenn mensch die IT-Ausgabe für neue Kolleg*innen übernimmt: Man kennt alle neuen Kolleginnen bereits ab dem ersten Tag.

    Madame durfte am Euref-Campus einen Eiskaffee bezahlen, die Bowl-Bezahlung gestaltete sich schwieriger. Derweil erfuhr sie von Plänen zu einer Anwaltskanzler mit Buchstrickecke.

    Am New-German-Style-Garden am Südkreuz lief eine Frau mit Schere fröhlich durch die Beete, um sich einen üppigen Blumenstrauß zusammenzustellen. Erst war ich sehr verblüfft und sprachlos. Nachdem ich sie dann darauf ansprach, verstand sie kein deutsch und begab sich zurück zu Mann und Kinderwagen.

    Seit vielen Wochen sehe ich andauernd Shuttlebusse vom Bahnhof zur Tesla-Fabrik abfahren. Und immer noch denke ich jedes Mal: Mein Gott! Sie existiert wirklich!

    Das neu gebaute Gerüst am Haus stört den Handy-Empfang in der Küche. Andere Räume umgibt es auch – aber anscheinend beeinflusst nur der Knick in der Wohnung, der zu einer doppelten Gerüstecke führt, den Empfang. Mobiltelefongespräche ab jetzt nur noch aus Wohn- oder Schlafzimmer.

    Im zweiten Anlauf steht auch der Dachdecker-Aufzug am Gerüst. Wie geahnt, glücklich für uns, unglücklich für die Nachbarn, vor der anderen Haushälfte. Nun haben wir den Dachausbau nur über dem Kopf, ohne dass uns dauernd Handwerker*innen und Bauschutt vor der Nase herumfahren.

    Dachdecker-Aufzug

    Derweil reißen Handwerker beim Kaptain Fliesen weg und finden Unerfreuliches.

    Madame entwickelte sich von einer Kunststoff-Gips-Trägerin zu éiner Orthesenträgerin.

    Überraschend schnell kam neuer Sanitätsbedarf an. Ein gebrauchter refurbishder Roomba e5152 dreht gerade seine Runden durch die Wohnung. Erster Eindruck: putzig. Und der Boden wirkt sauberer. Nur gelingt dem Gerät die Flucht aus der Küche in den Flur, nicht aber der Rückweg.

    Gooey Chocolate Rugelach

    In Tübingen ging es auf Schatzsuche.

    Die mit-dem-Greyhound-durch-die-USA-fahrende Joanna Pocock war einige Jahre vorher auf einem Ecosex-Festival in Washington State und schrieb darüber in Granta: Surrender.

    In der New York Times war ein Artikel über Kosher Salt. Über den gelangte ich zu den 100 Most Jewish Foods und über diese schließlich zu Laurel Kratochvila.

    Kratochvila stammt aus Massachusetts, lebte einige Jahre in Prag und inzwischen in Berlin. Als sie nach Europa zog, entdeckte wie sie sehr jüdisch-amerikanische Backwaren und klassisches europäisches Angebot miteinander verwoben sind. Nun schrieb sie ein Buch „‘New European Baking: 99 Recipes for Breads, Brioches and Pastries,’“ das laut Rezensent:

    Her collection of 99 recipes for breads, brioches, and pastries touches on all corners of Europe, from the ubiquitous French croissant to unique cross-cultural combinations, like nutty baklava danishes. But at the heart of it all, it’s hard not to notice dos pintele yid––the Jewish spark at the heart of it all.

    Although hers is not an explicitly Jewish cookbook, Kratochvila weaves the history and evolution of Jewish baking into the pages like strands of a challah.

    (Joe Baur: Bringing Jewish Baking Home to Europe)

    Gerade weil wir ja gerade in Polen waren und die Backwaren bewunderten und uns noch gerne an israelische Bäckereien erinnerten: Glauben wir sofort und sind neugierig.

    Neben dem Buch, das wir wohl brauchen, betreibt Kratochvila das Bäckereicafé Fine Bagels. Und da müssen wir auch hin.

    (Von allen Orten in der Warschauer Straße – hier vermute ich aber doch Zufall)

  • 23-08-01 Global Reader

    23-08-01 Global Reader

    Ich betrachtete den neuen Automat vor Tinte+Toner. Es handelt sich, um einen Süßigkeiten/Softdrink-Automat. Ob dieser Automat Erfolg haben wird, in einer Gegend, in der in 50 Meter Abstand drei Spätis sind? Ich zweifle.

    Madame hat ein Kinodate für Barbie und versucht, mich zum mitkommen zu überreden. Was reizvoll wäre. Aber dem steht meine Regel entgegen: „Keine Indoor-Kulturveranstaltungen vor Mitte Oktober.“ Und was wäre heiliger als selbst auflegte Regeln ohne jeglichen inhaltlichen Sinn?

    Ms Fluffy war bereits in Barbie und davon sehr angetan.

    In Berlin ist die erste Hälfte der Sommerferien vergangen. Die ersten Urlaubsheimkehrer*innen tauchen im Bekanntenkreis auf. Es ging nach

    • Spanien und Portugal – sehr heiß
    • Die Nordsee und den Heide-Park – sehr nass
    • Umziehen und Wohnung renovieren – sehr anstrengend

    Mir scheint, wir haben es mit dem Polen-Urlaub ganz gut getroffen.

    Madame teilte mir mit, dass sie diesen Donnerstag mit dem Zug über Wien nach Bukarest fahren wird. Das kam überraschend. Noch überraschender angesichts des gebrochenen Arms. Aber anscheinend war nur Export-Funktion der Bahn-Website zu enthusiastisch. Madame hat bisher nur mögliche Verbindungen herausgesucht. Dieser Blog-Reisebericht ist schon sehr inspirierend.

    Montagabend ging ich unter die Prepper. Wenn Madame nur einarmig unterwegs ist und ich auch nicht jeden Abend vom Urschleim an kochen mag, gibt es derzeit einmal die Woche eine Grundmenge aus dem Slowcooker, die dann tagesaktuell mit frischem Gemüse ergänzt wird. Wobei das Gemüse nicht gepreppt wird, sondern täglich frisch gedämpft wird. Letzte Woche gab es die weltbeste Bolognese nach Frankemöller, diese Woche Butter Chicken.

    Und da Madame vom Tag des Käsekuchens inspiriert war, kam Ralfs Käsekuchen hinzu.

    Käsekuchen in Springform

    Mein Personalausweis läuft die Tage ab. Und da es schwierig ist, mit Berliner Bürgeramtsterminen habe ich nun – dank Madames Einsatz – einen Termin in einigen Wochen um 8:24h im Bürgeramt Wasserstadt.

    Global Reader ist eine Micorosoft-Azure-Berechtigungsgruppe. Aber es wäre auch ein schöner Romantitel. Oder eine schöne leicht eitle Selbstbeschreibung eines kulturinteressierten Menschin.

    Innenstadt-Infrastruktur

    Letzten Herbst bahnfuhren wir nach Domodossola. Und dort wurde mir bewusst, dass zum Bahnreisen nicht nur Züge und Schienen gehören, sondern die ganze Infrastruktur drumherum: Das Bahnhofsgebäude, aber auch Cafés, Restaurants und Hotels in Laufnähe vom Bahnhof. Eine echte Innenstadt, ein Anschluss an andere Verkehrsmöglichkeiten.

    Domodossola ist das erste Bahnhof in Italien, wenn man aus Richtung Norden kommt. In Prä-Schengen-Zeiten Ort der Grenzkontrollen. Einst ein wichtiger Halte- und Knotenpunkt auf dem Weg von Norden (Deutschland, Schweiz) nach Italien.

    In Domodossola sieht man noch viel Infrastruktur, die nicht mehr gebraucht wird – denn die Bahn verliert an Bedeutung, Grenzen zum Glück auch. Die Stadt ist noch belebt, Restaurants und Cafés besucht. Aber wenn ich mir den ganzen großen Bahnhof voller Leben vorstelle, mondäne Menschen mit ihren Schrankkoffern auf den Weg in den Süden. Das waren noch andere Zeiten.

    Das bedeutet für mich aber auch: Bahnfahren heißt die bahnhofsnahe Fußgängerinfrastruktur stärken.

    Wie es aussieht, wenn die Infrastruktur stirbt, erlebte Joana Pocock, die für den Guardian mit dem Greyhound Bus durch die USA fuhr. Wie es aussieht, wenn Menschen noch Reisen, aber keinerlei Infrastruktur mehr existiert: A beautiful, broken America: what I learned on a 2,800-mile bus ride from Detroit to LA.

    (Und ganz großartiger Reisebericht auch an sich).

    Pferdlöwenbär

    Viele Menschen, die zeichen können, klagen ihr Leid, wie schwer Pferde darzustellen sind. Ein Problem anscheinend ähnlich alt wie die Menschheit: „35.000 Jahre alte Elfenbeinschnitzerei zeigt doch Bär oder Löwe statt Pferd

    Kellerkind zeichnete. (keine Pferde)

    Herr Rau kehrte zurück mit einem Abschied.

    In Wasserstadt wird an der Havel Discofox und Walzer getanzt.

    Buchwunsch: Networks of New York: An Illustrated Field Guide to Urban Internet Infrastructure (via Tröt)

    Die Turku->Istanbul-Reisebeschreibung kam in Bukarest an.

  • 23-07-30 Othello (Schuld und Bommelmütze)

    23-07-30 Othello (Schuld und Bommelmütze)

    Ein Admiral saß auf der Terrasse. Ein General lief über eine Bühne. Aber dazu später mehr.

    Madame betreute telefonisch ein Therapiekatzendrama. Vorher hatte sie das Jüdische Museum besucht.

    Freitagmittag am Bahnhof Südkreuz: Eine junge Frau geht entschlossenen schnellen Schrittes auf die Rolltreppe zu. Etwa zwei Meter hinter ihr läuft eine andere junge Frau, ähnlich schnell. Erstere sagt immer nur „DU bist Schuld! Du bist Schuld! Du bist Schuld!“

    Ähnlich viele Hintergrundinformationen fehlen uns zu den Immobilien-Hallodris im Haus, die ein Büro, fünf Briefkästen und 30 Briefkastenadressen betreiben. (Schätzung – ist alles etwas unübersichtlicht.) Auf jeden Fall waren am Freitagmorgen alle ihre Briefkästen aufgebrochen.

    Auch am Südkreuz: Bei 23 Grad Außentemperatur fangen Menschen an, Bommelmützen zu tragen.

    Auf dem Heimweg: Vor Tinte+Toner steht ein neuer Automat. Beim Vorbeifahren sieht es aber eher nach Essen + Trinken aus als nach E-Zigaretten-Liquids.

    Auf dem wochenendlichen Weg auf die Latifunden führten uns die diversen Sommerferienbaustellen der Stadtautobahn bis nach Spandau. Wir entdeckten beim Vorbeifahren nicht nur eine zweite Filiale Hühnerwald, sondern auch „das größte chinesische Restaurant Deutschlands“ und den Schlemmer-Paradiies-Imbiss (der nicht nur Pulled-Pork-Pommes anbietet sondern auch einen monatlichen Stammtisch mit dem Hertha-BSC-Präsidenten Kay Bernstein).

    Bildungslücken taten sich auf: Madame aß noch nie in ihrem Leben Freibadpommes!

    Nacht-Stadtautobahn-Begegnung: ein Konvoi auf vier neuen, nicht gekennzeichneten Kleintransportern, der mit Blaulicht reichlich schnell die Stadtautobahn entlang fuhr. Wohin sie wohl wollten? Was sie transportieren? Zu wem sie gehörten?

    James Grieve

    Im Garten finden die Schmetterlingsfestspiele statt. Neben Admiralen (Admirälen?), die auch gerne des Nachbarn Schmetterlingsflieder aufsuchen, fallen die Kohlweißlinge auf, die über die Wiese torkeln. Kommt man der Wiese näher, stiebt ein Dutzend ätherisch aussehener Bläulinge auf, von den vielen ununterscheidbaren mittelgroßen braunen Schmetterlingen gar nicht zu reden.

    James Grieve! Ausgerechnet James Grieve! Der Apfelbaum, der immer etwas kleiner, verkümmerter und weniger tragend war als seine größere Nachbarin Alkmene weiß dieses Jahr überhaupt nicht mehr wohin mit den ganzen Äpfeln. Nur an vorreifen Fallobst fiel diese Woche ein halber 10-Liter-Eimer voll – ohne dass es am Baum einen erkennbaren Unterschied machte. Wobei halt die gesamte Ernte der letzten Jahre zusammen etwa einen 10-Liter-Eimer voll ausgäbe. Das wird noch spannend.

    Neben Schmetterlingen waren auch weitere Insekten unterwegs. Spannend: Die Raubfliege, die versuchte eine knapp doppelt so große erbeutete Raupe an der Hauswand hochzuschleppen. Und wir fanden eine weitere unbekannte Fliege: Nach der Durchsicht vieler Fliegenbestimmungsseiten halte ich sie für eine Raupenfliege der Gattung Gymnosoma. Ich lernte aber auch: die einzelnen Arten lassen sich nicht mehr an der Zeichnung unterscheiden, sondern an deren Merkmalen für die man die Fliege einfangen, einfrieren und dann mit Pinzette und Mikroskop untersuchen muss. Oder man zieht DNA. Ist mir im Garten beides zu aufwendig.

    Raupenfliege an Mazedonischer Witwenblume (Knautia)

    Desdemona im Schwimmbad

    Das Latifundenwochnenende wurde von einem Kulturschwimmbadbesuch unterbrochen. Wir hatten dem Motorradmeister zum Geburtstag einen Besuch der Shakespeare Company Berlin geschenkt. Wir trafen uns zum Auftaktessen bei Sagar. Das Ta Panta Ri, bei dem auch schon manches Geburtstagessen mit Meze-Platten stattfand, schloß leider die Tage.

    Nach Butter Chicken und Biryani machten wir uns auf den Weg zum Insulaner. Denn das Shakespeare-Theater steht auf der (ehemaligen) Liegewiese des Sommerbads am Insulaner.

    Dort führe ich mich eh zu Hause. Und wenn dann noch unter freiem Himmel wunderbare Kultur hinzukommt. Die Company versucht sich an Shakespeare zu orientieren: Volks- und Unterhaltungstheater mit Tiefgang zu inszenieren. Spärliches Bühnenbild, relativ viel Musik, spezielle Kostüme, vor allem aber die Shakespearische „Wortkulisse.“

    Und spannend: Bei Shakespeare und diesen Inszenierungen funktioniert, was bei mir bei Sprechtheater nur selten funktioniert: Ich habe den Eindruck, emotional involviert zu sein, die ganze Vielfalt und Abgründe der armen, kleinen, fehlbaren Menschenwesen auf der Bühne dargestellt zu bekommen.

    Othello hatte ich bisher komplett ignoriert. Großes Stück, schöne Inszennierung.

    Lebensziele

    Das Kulturphänomen Barbenheimer ist zumindest soweit nach Deutschland vorgedrungen, dass es einen Wikipedia-Artikel (samt abgewiesenem Löschantrag darauf) gibt.

    Die New York Times porträtiert einen New Yorker, der vielleicht 77 Jahre alt ist, vielleicht auch 97 Jahre alt und dessen Aufgabe im Leben aktuell darin besteht, Pickleball-Spielern auf die Nerven zu gehen. Schon das klingt erstrebendwert. Am ertrebenswertesten aber fand ich den Satz:

    His name is Paul Owens (or maybe Paul Rubenfarb or Paul Rosenberg); he claims to be 97, and his cryptic business card reads “Let’s go dancing,” while listing a variety of genres like “doo-wop” and “1950s red-light mambo.”

    Auch ein spannendes Proträt: Mike Masnick. Der Outsider/Insider der amerikanischen Techszene, der mir schon durch meine Magisterarbeit 2000 durchgeholfen hat – und immer noch derjenige ist, der Techfreak ist und trotzdem einmal am Tag ruft: Der Kaiser ist nackt!

    Die Turku -> Istanbul-Reisebeschreibung kam bei der Etappe Wien->Bukarest an. Ich musste Madame davon abhalten, spontan rumänische Bahnfahrtkarten buchen zu wollen.

  • 23-07-27 Ali Barber und der E-Bus

    23-07-27 Ali Barber und der E-Bus

    Am Hühnerwald hängt ein E-Zigaretten-Liquid-Automat.

    Das Gerüst am Haus ist unverändert. Gestern schien es kurz, als sollte ein Aufzug am Gerüst befestigt werden – aber verschiedene Bauzuständige haderten miteinander. Dann wurde doch kein Aufzug gebaut.

    Fahrrad und Subaru sind wieder entdemoliert. (Kilometerstand Subaru 184060, Kilometerstand Fahrrad unbekannt). Wir lernten inzwischen, dass Teilkaskoversicherungen eventuell Seitenspiegelschäden bezahlen. (Zuständig sind sie für Glasschäden und so ein Spiegel besteht ja zu relevanten Teilen aus Glas). Wir testen.

    Seltsames Gefühl: Heute ist der (im)mobile Donnerstag an dem ich zu Hause arbeite. Es ergab sich aber die Möglichkeit, den Subaru zu entdemolieren. Auf dem Weg zur Werkstatt fuhr ich erst in der Mittagspause von der Wohnung am Büro-Büro vorbei, um das Auto abzugeben und dann nach Feierabend nochmal, um es wieder abzuholen. Aber gearbeitet habe ich dort nicht.

    Immerhin: Ich nutzte auf den nicht-Auto-Fahrten einen echten BVG-Elekrobus. Premiere! Anscheinend setzen die Verkehrsbetriebe gerade lauter neue Fahrzeuge in Schöneberg ein. Aus dem Busfenster heraus, Blick auf den Friseur/Barber „Ali Barber“. Integration in die deutsche Leitkultur zu 100% erfolgt.

    Auch in Schöneberg stehen neue Parkscheinautomaten. Auch wenn bei uns offiziell noch gar keine Parkzone ist, beantragten wir Anwohnerparken. Bis der Antrag in Bearbeitung kommt, existiert wohl auch die Parkzone.

    Madame trägt eine hochzeitstaugliche Kurzhaarfrisur.

    Ich möchte bitte, dass das Wetter bis Oktober so bleibt: 12 bis 19 Grad und gelegentlicher Regen.

    Das Sanitätshilfsmittel Handykette bewährt sich ganz auszugezeichnet. So kam ein neues Sanitätshilfsmittel hinzu: Apple Airpods (von 2017, von BackMarket). Alles im Dienste der handfreien Handybedienung.

    Da ich nur so sooo sooo hauchdünn daran gescheitert bin, mich mit den Einsendeaufgaben für die Klausur in Algorithmischer Mathematik zu qualifizieren, ging ich noch einmal durch, ob irgendwo ein Pünktchen zu holen ist. Das hätte ja gereicht. Aber nada. Erfreulicherweise/leider war die Korrektur schon tendenziell großzügig.

    Polen-Nachträge

    Schick war: in der Notaufnahme der Danziger Uniklinik war eine voll funktionsfähige Rohrpost im Einsatz. Das freute mich.

    Weniger schön: Anscheinend leiden polnische Großstädte noch unter dem Konzept der autogerechten Stadt. Was wir Koffer durch seltsame Unterführungen schleppten, nur weil es komplett unmöglich war, Straßen zu überqueren – das geht besser.

    Dafür ungewohnt erfreulich: wenn einfach Freitag Abend eine Warschauer Hauptstraße durch Innen/Altstadt für den Verkehr gesperrt wird und das ganze Wochenende lang eine mehrere Kilometer lange Fußgängerzone entsteht.

    Schlossplatz Warschau in der Abenddämmerung

    Erstaunlich: der Hotelgast, der mit uns eincheckte und für später nach einem Taxi zum Hauptbahnhof Warszawa Centralna fragte. Die Rezeptionistin fragte zweimal nach – vermutlich deshalb, weil die Strecke von einem Ende der Bahnhofshalle zum anderen Ende ähnlich lang war, wie die Strecke vom Hotel zum Bahnhof.

    In all dem Unterführungslabyrinth niedlich: Der historische Aufzug am Warschauer Kulturpalast, der wie eine schnucklige unterdimensionierte Telefonzelle wirkte und nicht wie ein Aufzug.

    Bewegend das Denkmal für Janusz Korczak im Park direkt neben dem Warschauer Kulturpalast. (Bemerkung für mitlesende Wikifanten: Der Wikipedia-Artikel zum Warschauer Ghetto hat starkes Verbesserungspotenzial. Unter anderem steht quasi nichts zum Ghetto im Artikel).

    Dänemark, Schleswig-Holstein, Barbieland

    Der Guardian fuhr mit der Marschbahn von Hamburg-Altona nach Esbjerg. Den unteren Teil der Strecke kenne ich auswendig und fühle die Gegend sehr gut besprochen.

    Das gibt mir die Chance, Dänemark-Ferienhaus-Content zu verlinken. Die Reisegruppe Rabensalat/Wunnibar ist an der Nordsee und besuchte unter anderem das Fischereimuseum Esbjerg (Bericht Frau Rabe / Bericht Frau wunnibar), während die Reisegruppe Herzbruch/Novemberregen an der Ostsee unterwegs ist und das Miniaturwunderland Faaborg besuchte. (Bericht Novemberregen / Bericht Herzbruch.)

    Die Bahnreise Turku->Istanbul macht Zwischenstopp in Wien.

    Wir sollten mal wieder nach Maine. Und solange wir das nicht schaffen, gibt Lily King in der New York Tims Buchtipps: Read Your Way Through Maine.

    Die New York Times feiert so derart ausufernd die Barbie-Festspiele, dass man gar nicht weiß, was verlinken. Nur die Stil-Redakteurin, von Berufs wegen immer ganz vorne auf der Welle, hat schon lange Peak Pink erreicht: All Pinked Out.

  • 23-07-25 Handykette als Sanitätshilfsmittel

    23-07-25 Handykette als Sanitätshilfsmittel

    Ein weiteres Wettbüro in der Straßen verschwand. In wenigen Tagen verwandelte es sich in „Reisebüro & Medien.“

    Eine Ecke weiter hat die hipstereske Gentrifizierung eine Fahnenstange in den Boden gerammt. Die Gorilla-Bäckerei hat nicht nur eine eigene „Philosophie“ auf der Website, die mit allen einschlägigen Buzzwords glänzt. Ihre Team-Vorstellung beginnt mit „Gina has joined us straight from Seattle. She has a background in nutritional science and worked as a personal chef.“. Mehr Berlin-Klischee wäre nur noch eine Freibadschlägerei, an der Wildschweine beteiligt sind.

    (Nebenbemerkung: Fernab aller Klischees sind Berliner Freibäder extrem toll. Das sage ich nicht, weil ich da arbeite, sondern ich arbeite da, weil ich das denke).

    Ex-Korean-Fried-Chicken ist nun eine afghanische Bäckerei. Vermutlich ist es 300 Meter nach Norden gezogen, wo ein Ex-Döner-Laden jetzt ein Korean-Fried-Chicken and Bowl-Shop wurde.

    Die BVG setzt in Schöneberg nagelneue Gelenkbusse mit USB-Buchsen ein.

    Das demolierte Fahrrad hat der Fahrradmeister wieder in Ordnung gebracht. Schlauch komplett defekt. Was gelangweilter Menschen halt auf Hinterhöfen anrichten. Dafür ist jetzt der Subaru demoliert. Ich möchte nicht darüber sprechen, wie es geschah.

    Das Gerüst wuchs weiter. Zum einen in die Höhe, inzwischen ist es beim Dachfirst angekommen. Ein kleiner Teil bekam auch eine zweite Ebene. Quasi ein Gerüst vor dem Gerüst. Warum – wir werden es erfahren.

    Im Hof traf ich einen Nachbarn aus dem Hinterhaus, der mich mit den Worten begrüßte: „Jetzt habt ihr die Arschkarte gezogen.“

    Madame war mit der Europareisenden friedlich beim Italiener essen, sie saßen drinnen, als das Unwetter losbrach. Erst wurde es dunkel, eine Minute später senkte sich ein Vorhang aus Starkregen und wieder eine Minute später flog der komplette Außenbereich des Restaurants mit Stühlen, Tischen und allem zurückgelassenem auf den Tischen in einer Böe davon. Das war eindrucksvoll.

    Nachdem wir in mehreren Versuchen noch einen Orthopäden fanden, der nicht im Urlaub ist, war der erfreulicherweise zugewandt, aufmerksam und wirkte kompetent. Madame hat einen neuen leichteren Kunststoffgips, einen schicken neuen Verband und die Information, dass die Röntgenbilder den Umständen entsprechend sehr gut aussehen.

    Temporäre Einarmigkeit erzeugt überraschende Erkenntnisse. Zum Beispiel: eine Handykette ist hilfreich, wenn frau sonst das Telefon nur einarmig halten und bedienen kann – was eine reichlich wacklige Angelegenheit ist. Wacklig ist es immer noch – aber dabei nicht mehr absturzgefährdet.

    Polen-Nachträge

    Wenn man Meer war, muss man Fotos zeigen, so will es das Gesetz. Ostsee bei Zoppot:

    Ostsee mit Schlauchboot der Seenotrettung und Plattform mit WIndsack. Im Hintergrund ein Containerschiff.

    Auf mehreren Speisekarten fanden wir „Zusatzstoffe.“ Diese kosteten Geld (1-8 Euro) und es handelte sich um Kartoffeln, Salat, Pilze und ähnliches.

    Das polnische Wort Dodatki scheint ein breites Bedeutungsspektrum zu haben.

    In der Judaica-Ausstellung in der Synagoge zum Weißen Hirsch (Wrocław) gelernt: Etrog ist eine Zitronatzitrone, die eine wichtige rituelle Bedeutung am Fest Sukkot (Laubhüttenfest) spielt. Dazu muss sie unbeschädigt sein. Und wie macht man das in Mitteleuropa, wo keine Zitronen wachsen? Man erfindet Schutzverpackungen für einzelne Zitronen – die im Laufe der Zeit zu eigenen rituellen Gegenständen werden: Der Etrog-Schachtel.

    Entdeckt durch die Rococo-Madness-Ausstellung. Die russische Künstlergruppe AES+F aus deren Projekt Europe, Europe Figuren ausgestellt waren.

    Bienenwolfnachtrag und anderswo

    Erfahren: Der geschätzte Wikiphotographer begann seine Nebentätigkeit als Wikivideographer 2008 mit einem Video über den Bienenwolf (Wespe).

    Madame suchte Joga für einarmige und fand immerhin 8 Fun and Safe Exercises to Stay Active in an Arm Cast

    Während es dänischen Ferienhauscontent aktuell in vier Blogs gleichzeitig gibt, findet auch anderer Reisecontent statt. Christine Cazon reiste einst nach Burkina Faso und verbrachte eine Nacht zu zweit allein erst am leeren Busbahnhof in Bamako und dann in einem Stundenhotel.

    (Beschreibung geändert, siehe Kommentare)

    Karen fuhr mit kompletter Familie mit dem Zug von Turku nach Istanbul. Sie schreibt darüber, bisher in drei Teilen: (1) Turku-Stockholm-Berlin-Prag (2) Prag (3) Prag-Wien.

  • 23-07-23 Bienenwolf an Gartentür (Galeria Sztucki)

    23-07-23 Bienenwolf an Gartentür (Galeria Sztucki)

    Madame telefoniert lieber linksohrig.

    Erstaunlich: Mehr als 10 Kilometer von den Latifundien entfernt findet das Technofestival Nation of Gondwana statt. Und wie hören die Bässe bis ins Schlafzimmer.

    Erfreulich: Es ist Juli, ich sitze auf der Südseiten-Terrasse und benötige keinerlei Sonnenschutz. So darf der Rest des Sommers bleiben.

    Seit Freitag sind wir zurück in Berlin. Ich würde sagen: Zurückfinden in den Alltag. Aber natürlich ist ein (temporär) dreiarmiger Alltag anders als ein vierarmiger und so ruckeln wir zurecht. Ein wenig finden wir zurück, ein wenig finden wir neu.

    Gute Nachrichten von den Einsendeaufgaben: „Investition und Finanzierung“ ist absolviert. Die Klausur darf ich auf jeden Fall schreiben.

    Das Gerüst steht unverändert. Ein Held des Hinterhofs hat das Ventil am Fahrrad demoliert. Dieses muss zum Fahrradmeister, bevor ich das Fahrrad wieder nutzen kann.

    Im Garten sprießte der Sauerampfer. Neu gepflanzte Hortensie und Himbeeren vermissten die Gießkanne. Kugeldistel und Stacheldrahtrose erreichten unangeahnte Höhen.

    Auffallend: Seitdem wir das Mähen im Wiesenteil von „selten“ auf „einmal, höchstens zweimal im Jahr“ umgestellt haben, verschwanden die Wilden Möhren.

    Unsere Zeitungsausträgerin ist auch im Urlaub. Die Vertretung weiß nicht, dass wir ein Fr/Sa-Abo haben und belieferte uns täglich. Wir haben jetzt einen großen Stapel ungelesener Zeitungen.

    Vor einigen Wochen entdeckten wir bereits einen Bienenwolf (Käfer) am Liegestuhl, jetzt gesellte sich ein Bienenwolf (Grabwespe) an der Terrassentür hinzu. Unser Bienenbestand scheint okay, was die Menge der Bienenparasiten schließen lässt. Die Schachbrettfalter sind noch da, werden an Menge aber deutlich von den Kohlweißlingen übertroffen.

    Bienenwolf (Wespe) auf weiß-blauem Stoff.

    Wir unterhielten uns, ob Barbenheimer schon ein Thema in Deutschland ist. Also im engen Sinne, im Kino eine Doppelvorstellung Barbie/Oppenheimer zu sehen, oder halt als kulturellen Topos. Ich allerdings nehme es dem Internet übel, dass es mich in den letzten Christopher-Nolan-Kino-Stuss Inception quatschte und werde mich sicher nicht in Oppenheimer setzen.

    Zu Ende gelesen: Kurt Vonnegut: Slaughterhouse V: Erstaunliches Buch, bewegendes Buch. Aber auch ein sehr männliches Buch. Nicht nur weil die Kernhandlung unter jungen Männern im Krieg spielt, sondern auch im erweiterten Rahmen sind die Frauenfiguren eher schlimm.

    Begonnen: Lutz Raphael: Jenseits von Kohle und Stahl. Die verschriftlichte Adorno-Vorlesung zum Thema „Verschwinden der Industriegesellschaften“. Und nachdem ich im Alltag vielzuviel vehement substanzloses „Meinungswissen“ In Medien und Social Media konsumiere, wirkte das wie ein frischer Wind im Hirn. (Auf der Terrasse liegt es in der Suhrkamp-Ausgabe, aber mich freut, dass es auch die Bundeszentrale entdeckte)

    Polen-Nachträge

    Noch-nicht-gebloggte Notizen aus neun Tagen Polen.

    Oftmals liefen wir an einer Galeria Sztucki oder einer Academie Sztucki vorbei. Nachdem wir herausbekommen hatten, dass es anscheinend kein Eigennahme ist, sind wir weiter: Sztucka bedeutet Kunst. Sztucki wird also eine der sieben möglichen Deklinationen dieses Nomens sein.

    Auffallend: Im Museum der Geschichte der polnischen Juden fanden wir keinen Abschnitt zu Esperanto. Obwohl Ludwik Lejzer Zamenhof die Sprache in Warschau entwickelte. Es gibt in der Stadt eine Straße „Esperanto“, die vor allem Endpunkt diverser Bushaltestellen ist. Aber entweder übersahen wir ihn, oder er ist in der Achterbahnfahrt der polnischen Nation irgendwie herausgefallen.

    Cocktail-Karten-Entdeckung im Restaurant. Der Hinweis bei einigen Cocktails „Good for Instastories!“.

    Während wir in der Notaufnahme der Uniklinik Danzig warteten, lief in einem Fernseher TVP2. Neben diversen Folgen polnischer Jeopardy- Glücksrad- und Familienduell-Adaptionen, lief auch die polnische Eigenproduktion Na sygnale. Es scheint sich um eine Daily Soap zu handeln, die auf einem Ambulanzwagen spielt. Und dann im Fernsehen einen Daily-Soap-Ambulanzwagen und eine Daily-Soap-Notaufnahme zu sehen, während wir in der echten Notaufnahme saßen und die Ambulanzwagen vor der Tür vorbeifahren. War schon eigen.

    Vor dem Insta-Riesen-GDAŃSK-Schild in Danzig ist eine kleine Bühne. Dort tanzten einige Paare, anscheinend nur aus Spaß an der Freud, Tango. Das war schön.

    Nicht-Polen

    Ich glaube, ich sollte bei der Schriftenreihe mal wieder bestellen. Das sieht gut aus.

    Christine Cazon versuchte, nach Berlin zu gelangen. Ich hoffe, es geht besser weiter.

    Als Doppelblogger*innen ein Ferienhaus in Dänemark zu mieten, scheint ein Ding zu sein. Nach wunnibars/rabensalaten fahren nun auch herzbruch/novemberregen. Ich bin von so viel Blogcontent überfordert und kann nicht mehr verlinken.

    Der rbb widmete sich einer der traurigsten Berliner Fast-Ruinen: dem Kathreiner-Hochhaus.