Kategorie: Alltag

  • 22-12-18 Dill-Rahm > Milram

    22-12-18 Dill-Rahm > Milram

    „Zauberhaft“ ist ein Adjektiv, das mir in Verbindung mit Berlin-Schöneberg quasi nie einfällt. Außer heute, als ich aufstand, den Vorhang beiseite schob – und auf die Bäume im Hof schaute, deren Zweige mit einer feinen, geradezu zauberhaften, Schneedecke bedeckt waren.

    Die Zeit vom 27.12. bis 31.12. heißt bei uns „zwischen den Tagen.“ Aktuell ist erst der 18, aber es fühlt sich ähnlich an. Nach den Familienfeierlichkeiten ist vor den Familienfeierlichkeiten. „Zwischen den Feiern“ wäre passend, klingt aber zu profan und zu wenig geheimnisvoll.

    Die erste Feier-Runde endete um 12:29h mit der Abfahrt des ICE373 in Berlin Hauptbahnhof. Die nächste Runde beginnt mit meinem ersten Vorweihnachtsurlaubstag Ende dieser Woche. Jetzt ist..

    Jetzt wäre – ins Hallenbad gehen, den Kopf 2000 Meter unter Wasser halten und nur Einatmen und Ausatmen. Aber draußen ist kalt, ich bin mir auch weiterhin zu verhustet für solche Aktionen. Den Plan, alternativ Pizza zu bestellen, lehnte Madame ab („bis die hier ist, ist sie kalt“) und so wird Sushi kommen.

    Auch heute morgen durchschritten wir mit vier Personen und zwei Koffern erfolgreich das Friedenauer Treppenlabyrinth. Zum Sonntagsfrühstück gab es Buffetreste (u.a. Dill-Rahm, Polnische Wurst, Kaptainskuchen) bevor wir uns zum Hauptbahnhof begaben.

    Originellerweise ist der Hauptbahnhof der einzige Ort innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings, von dem ich sagen würde, er ist mit dem Auto besser erreichbar als mit dem ÖPNV. Wir erwischten den letzten Fahrstuhl vom Parkhaus ins Erdgeschoss, bevor der Fahrstuhl den Betrieb komplett einstellte. Die Zeit reichte für Kaffee bei Pret-a-manger und selbst der Zug fuhr pünktlich, in korrekter Wagenreihung vom vorher angekündigten Gleis.

    Zurück durch das weiterhin zauberhafte Schöneberg. Ich versuche, Putin’s People zu lesen, scheitere an akuter Energielosigkeit, werde mich zu Madame begeben und die Kitchen-Impossible-Weihnachtsfolge in der Mediathek schauen.

  • 22-12-17 Clownsnase

    22-12-17 Clownsnase

    @Sebaso@chaos.social erschien auf Tröt (bzw. vermutlich war er schon lange da und erschien mir genauso wie Amerika Christoph Columbus erschien) und brachte einen Zeit-Artikel zum gestern erwähnten Blumenstraußautomat mit.

    Mir mangelte es an Zeit zum Lesen, denn es galt ein Adventsbuffet durchzuführen; mit Sauerteigbrot, Lachstarte und Breakfast Strata mit Spinat und Käse. Beziehungsweise andere führten durch, ich versuchte, vage hilfreich vorbereitend herumzustehen.

    Während ich mit dem Staubsauger vage hilfreich herumstand, erschien Alexander Herrmann bei Klassik, Pop et cetera im Deutschlandfunk. Ich verstand nicht viel (Staubsauger), aber zwischendurch hörte ich die Titelmusik von Dallas und Eye of the Tiger (Rocky). Die Sendung wird auf jeden Fall nachgehört.

    Von 15 Eingeladenen waren sieben erschienen. Alle Andere waren mit Atemwegsinfekt entschuldigt. Das war ungefähr die Quote, die wir auch vor 10 Tage schon erwartet hatten, waren froh, selber anwesend sein zu können.

    L hatte ausnahmsweise eine Bluse angezogen. Um den eventuell überbordenden Eindruck von Seriösität zu mindern, schlug sie vor, eine Clownsnase aufzusetzen.

    Neben Clowns ging es um Überwachungskameras, De Bello Gallico und Trennungen in der Altersgruppe Ü50, Familiengeschichte und ihre Abschweifungen in die allgemeine Geschichte. Wir war es mit der Vertreibung der Deutschen aus dem Elsass 1918? Welche:r Beteiligte hat mit welchem Kind und Enkel wie über die NS-Zeit gesprochen? Wie hat sich Giftgaseinsatz an der Ersten Weltkriegsfront für die Soldaten erlebt? Furchtbar? Oder „das-sind-Mittel-der-modernen-Zeit-die-mir-das-Leben-als-Soldat-einfacher-machen?“

    Über Soldatentum stolperte ich beim Querlesen der New York Times. Die Redaktion dort versucht aus internen russischen Dokumenten den Kriegsablauf nachzuzeichen, wie er wirklich für die russische Armee war.

    Als ich begann in die Wikipedia zu schreiben, war das wie mit diesem Blog. Ich schreibe halt was ins Internet, freue mich über jede Leserin und wenn es mehr als zehn sind, staune ich. Ehrlich gesagt, staune ich immer noch, wie weit Wikipedia verbreitet ist und wie prägend für Vieles Wikipedia-Inhalte sind. Heute staunte ich etwas mehr:

    Die New York Times beschreibt Ruslan, 54, dessen Leiche zusammen mit seiner Ausrüstung bei der ukrainischen Rückeroberung des östlichen Distrikts Charkiw gefunden wurde. Ruslan war anscheinend als Scharfschütze eingesetzt. Aber statt einer monatelangen Ausbildung und ein inniges Vertrautmachen mit der Waffe war in seinen Unterlagen eine kurze Anleitung – und der Wikipedia-Artikel zur Waffe selber.

    (Link zum Artikel ohne Paywall)

    Dass Soldaten im Krieg darauf vertrauen (müssen), was irgendsoein hergelaufener Wikipedianer ins Internet geschrieben hat – das eventuell ich mal etwas in Wikipedia schreibe, worauf Menschen dann ihr Leben vertrauen – das macht mir etwas Angst. Andererseits: wer hätte geahnt, dass man mit russischsprachigen Wikipedia-Artikeln die russische Armee sabotieren könnte.

  • 22-12-16 Blumenstraußautomat

    22-12-16 Blumenstraußautomat

    Die Asbestsäcke sind zurück. Aber, die Bauarbeiter machen Fortschritte, diesmal in der Form ordentlich gepackter Big Bags, die an einer Stelle stehen, an der regelmäßig der Baumüll sogar entsorgt wird. Nur Frage ich mich weiterhin: wo im Hinterhaus finden sie diese vielen Kubikmeter Asbestbauschutt? Angesichts der Müllmengen, den sie von dort entsorgt haben, dürfte das Haus nicht mehr stehen.

    KFL hatten Spaß mit Froschkönig und Meerjungfrau.

    Leser*innen meines Schwimmbadblogs werden meine Aussage kennen „Wasser und Gebäude vertragen sich nicht.“ Aber doch nicht so. Du meine Güte. Ein Wunder, dass es keine Toten gab.

    Explodiertes Eine-Million-Liter-Aquarium aus Menschenperspektive. Bild: Giant Fish Tank in Berlin 2 von: temporalata Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

    Zur Hustenauskurierung war heute noch einmal das angesetzt, was meine Arbeitgeberin „mobiles Arbeiten“ nennt, für mich aber faktisch immobiles Arbeiten bedeutet. Denn weder verlasse ich die Wohnung, noch gehe ich mal schnell ins Lager oder den Serverraum.

    Plan für den immobilen Donnerstag 2023: das Miss-South-Slowcooker-Kochbuch durchkochen. Jeden Donnerstag ein Crocky-Rezept klingt machbar.

    Zum Glück wurde ich noch auf die Straße gelotst.

    Beim Weg zu Sac Kebap und Kuzu şiş entdeckte ich: Blumen Dilek in der Hauptstraße betreibt neuerdings einen Automaten für Blumensträuße. Also wie ein Süßigkeitenautomat – nur sind die Fächer größer und in Ihnen kann man 24/7 frische Blumensträuße entnehmen.

    Mit einigen Wochen Verspätung kam das gedruckte New York Magazine mit einem Artikel über die Familie von Britney Spears und ihre Herkunft aus dem ländlichen Louisiana. Ich will nicht sagen, Heimweh kam auf, aber es fühlte sich schon komisch an beim Lesen. (House of Spears)

    Ebenjenes New York Magazine hat sich nach langer Zeit des Schweigens zu einer Kritik der Harry-Meghan-Serie herabgelassen: Es wurde ein Verriss. Wie alle sonstigen Kritiker*innen bemängeln auch sie Ödnis und die Wiederholung der immergleichen Story. Was mir aber neu war, und die Frage bewegt mich: welche brutalen Verrenkungen muss das Paar unternehmen, um mit zwei Kindern und drei Hunden zu leben und trotzdem eine gepflegte weiß-hellbeige Hauseinrichtung zu erhalten?

    In der New York Times ein Artikel über the Luddites. Eine Gruppe New Yorker Teens, die Smartphones aus ihrem Leben verbannt hat, Bücher liest und Handarbeiten betreibt (und halt gebildet genug ist, um sich nach dem historischen Luddism zu benennen). Erst dachte ich: So cool, wäre ich heute 16 würde ich Mitglied werden wollen. Dann musste ich lachen:

    While Logan’s parents appreciated her metamorphosis, particularly that she was regularly coming home for dinner to recount her wanderings, they grew distressed that they couldn’t check in on their daughter on a Friday night. And after she conveniently lost the smartphone they had asked her to take to Paris for a summer abroad program, they were distraught. Eventually, they insisted that she at least start carrying a flip phone.

    “I still long to have no phone at all,” she said. “My parents are so addicted. My mom got on Twitter, and I’ve seen it tear her apart.

  • 22-12-15 Stille (ca. 7 Minuten)

    22-12-15 Stille (ca. 7 Minuten)

    Bless the Lord, my soul, and bless God’s holy name. Es gibt Lieder, die einen sofort zurückbringen an einen Ort, an eine Zeit. Während hier im Kopfhörer „Bless the Lord, my soul“ läuft, spielt vor meinem inneren Auge der Taizé-Film mit Schlafhütten mit Stockbettenbett, der Abendandacht, Gesprächsrunden mit Holländern und Wallisern, Essensausgabe, dem Gang durch das Dorf. Was man halt so mit 15 macht, wenn man gleichzeitig ein Abenteuer erlebt an einem Ort, der eine tiefe Ruhe und Religiösität ausstrahlt. Zwei Runden Taizé-Gesang heute und alles war wieder da. Hervorgerufen durch die abendliche Taizé-Andacht und nicht bereit, das innere Hirnkino wieder zu verlassen.

    Mit offeneren Augen: die Paul-Gerhard-Kirche in Schöneberg. Konstruiert als Zelt/Höhle, die ihren eigenen Raum schafft. Wenn man sich vor der Tür umschaut, Kino, Sexshops, Shisha-Bars, Blaulichtfahrzeuge, die Tag und Nacht die Hauptstraße herunterfahren – sie wird ihrem Bauzweck gerecht, einen ganz eigenen Raum zu schaffen.

    Dabei fing der Tag sehr unruhig mit einem überraschenden Serverupdate und dessen überraschenden Auswirkungen an. Ich unterhielt mich in der Mittagspause über die Bundesdruckerei. Diese befindet sich wieder im Staatseigentum.

    KFL waren in geheimer Mission bei Nummer 1.

    Die geplanten Schnitzel-Sommerrollen hatten sich über Nacht in Milchreisauflauf a la Frankenmölle verwandelt, der bei allen Beteiligten sehr gut ankam. Wir diskutierten Frischkäseaufstrich (mit oder ohne Lachs).

    Frau Hinten im Garten bloggte unter anderem über Weihnachten allein. Und so sehr ich natürlich alle meine Weihnachtsbegleiterinnen liebe. Manchmal träume ich ja schon davon, drei Tage allein im weihnachtlichen Berlin zu sein und einfach so durch die leere beleuchtete Stadt radzufahren.

    Bless the Lord, my soul, who leads me into life

  • 22-12-14 Mailto: {empty}

    22-12-14 Mailto: {empty}

    Madame begrüßte mich mit dem Morgengruß.

    Die weiße Ledercouch vom Hinterhof ist inzwischen auf die Straße gewandert. Also auf die Busspur, direkt vor einer Baustellenabsperrung. An ihr hängt ein Zettel „Eigentum von [Einer-der-Parkplatzhallodris]“. Wir vermuten, dass das Schild von einem weiteren Nachbarn angebracht wurde, den Parkplatzhallodri und Lederdouch-Nichtentsorger anklagen soll. Wobei unklar ist, ob dieser in den letzten Monaten überhaupt noch unseren Innenhof besucht. Das einsame kaputte Autorad, das vorher auf der Couch lag, liegt weiterhin im Innenhof.

    Mein Fahrradschloss ist vereist. Zwar besitze ich sogar Schlossenteisungsspray, aber auch vage Erinnerungen daran, dass es nicht effektiv war. Bevor ich jetzt zehn Minuten bei Minus acht Grad auf mein Schloss wartete, fuhr ich wieder Bus. (Rückweg dann S-Bahn).

    An der Haltestelle traf ich meinen alten Teamlead, der einmal pro Jahr aus dem Home Office ins Office-Office fährt – und zwar heute. Das war sehr nett. Wir unterhielten uns die Busfahrt über bis ich am Südkreuz ankam. Madame traf auf einem Parkplatz ihren Nachfolger in einem anderen Job. Heute ist so ein Tag.

    Zu Abend gab es Gemüse Königsberger Art. Morgen wird es Schnitzel-Sommerrollen geben.

    Frau anjesagt schrieb einen spannenden Text zum Thema „Verhältnis-zu-Geld-und-wie-es-durch-die-eigenen-Kindheit-geprägt-wird.“: Über die Bedeutung von Geld.

    Im New York Magazine schrieb @adriandaub@mastodon.social über das Zusammenwachsen von rechtslibertärer Technotopie und Alter-Schule-Europäischem-Autokratismus, aufgehängt daran, dass Heinrich XIII (der Reichsbürger-Putsch-Heinrich) seine Antisemitischen-Weltverschwörungs-Klassiker vom Podium des Worldwebforums ließ, dem „Forum für Vordenker der digitalen Welt“ – auf dem sich auch viele Silicon-Valley-Größen sehen lassen. The Technolibertarian Crossover of the German Prince Who Would Be Kaiser

  • 22-12-13 Pharao süßsauer

    22-12-13 Pharao süßsauer

    Um meinen CO2-Feuerlöscher-Kurs von gestern fortzusetzen:

    • Solltet ihr einen handelsüblichen Serverraum besitzen (also kein Rechenzentrum, keine ganze Etage, sondern einen Raum, bestenfalls Wohnzimmergroß), der ein bis eine handvoll Racks beherbergt und natürlich keine Außenöffnung besitzt.
    • Und sollte ein Feuer in diesem Raum sein.
    • Und ihr habt zufällig einen CO2-Feuerlöscher in der Hand, weil der die Technik nicht beschädigt.
    • Dann löscht von außerhalb des Raums.

    CO2 löscht, indem es den Sauerstoff verdrängt. In einem Raum von Wohnzimmergröße reicht ein Löscher locker, um sämtlichen Sauerstoff zu verdrängen. Und ihr wollt Euch sicher nicht in einem Raum befinden, in dem keinerlei Sauerstoff ist.

    Die beste Löschtechnik: Tür auf. Auf den Flur stellen. Einmal den Feuerlöscher in den Raum blasen. Tür wieder zu. Und warten bis der Raum entlüftet ist – oder die Feuerwehr mit Atemschutzmasken gekommen ist – bevor ihr die Tür wieder öffnet.

    CO2-Löschen ist Spaß mit Trockeneis!

    Bild: Brandweer Co2 von: Erik1980 Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

    Weniger Spaß mit Nasseis hatte ich heute morgen als das Fahrradschloss eingefroren war. Ich nahm also überraschend den Bus zum Südkreuz.

    Ich kam eher spät und dann war eher viel los. Anderthalb Stunden Zeitablauf, nur um endlich Gelegenheit zu haben, die externe Tastatur aus dem Schließfach zu nehmen und an den Rechner anzustöpseln, das hatte ich auch noch nicht. Nach dem Blumenfisch-Mittag wurde es weihnachtlich-entspannter. (Unser Azubi wirkt leicht überfordert von der Tatsache, dass man dort nur Bar bezahlen kann).

    Nach unserer Perlen-der-Cleopatra-Vorbereitung am Samstag erlebten KFL Abenteuer am Nil, bildeten erst sich und dann uns fort.

    Aufführungsort der Ägyptenbildung war ein „Chinese“, also ein Chinarestaurant wie es früher einmal war, mit Holzvertäfelung, Aquarium, Warmhalteplatten und Ente süßsauer. Selbst ein Telefon-Symbol hing noch an der Garderobe, wo früher einst der öffentliche Fernsprecher war. Das Hee Lam Mun ist laut Berliner Zeitung eines der besten chinesischen Restaurants Berlins. Wir hatten einen wohlschmeckenden, vergnügten Abend.

  • 22-12-12 Zwei Käfige voller Narren

    22-12-12 Zwei Käfige voller Narren

    Heute lernte ich: Das Löschmittel aus CO2-Feuerlöschern verlässt diesen mit -78Grad Celsius. Man muss aufpassen, wo man dieses Gerät festhält. Überhaupt: ein phänomenales Spielzeug. Leider zu teuer zur reinen Freizeitgestaltung.

    Der Feuerwehrmann empfiehlt Feuerlöschsprays (zB aus dem Baumarkt). 600ml aus der Spraydose löschen bis zu 15 Liter brennendes Friteusenfett.

    Madame sprenkelte Mandeln. Der Kaptain begutachtete Glasuren.

    Italienisches Wort des Tages: Coltelleria.