26-06-11 E.T.A.I

Madame holte gemüslich-prignitzer Salat und Zuckerschoten. Ich aß das Burger-Mix-Menü bei Cebo’s. Beides können wir weiterempfehlen.

Nicht mehr empfehlen können wir das afghanische Restaurant Bahar an der Ecke neben dem Odeon. Dieses schloss. Sie waren unfassbar nett und sie mühten sich redlich. Aber die professionelle Gastronomie war merklich nicht Ihres. Ich hoffe, sie konnten die Reißleine ziehen, bevor es zu schlimm weh tat.

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Da arbeiten, wo andere Staatsbesuche machen: Am Dienstag zogen die einschlägigen Kolonnen zu Arbeitsbeginn und Arbeitsende an mir vorbei. Nachmittags geschmückt mit Schweizer Fahnen. Am Mittwoch traf ich den Polizeimotorräder-Polizeiwagen-Schwarze-Limousinen-Convoy auf dem Weg aus dem Schwimmbad. Diesmal in ungarisch.

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Bei Edeka Duolingo interviewten zwei Polizist*innen einen älteren Herrn. Diesem war anscheinend die Dramatik der Situation wichtiger als die präzise Faktizität. Im Vorbeigehen flog ein gestisch untermaltes „Und dann DÄNG mit der Faust“ an mir vorbei.

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Die Rolltreppe der Gegenwart am Südkreuz wird demontiert. Der Boden um sie herum ist zerschlagen, die Handläufe existieren nicht mehr. Seitdem Bauzäune dort stehen, wirkt die übrige Treppe doppelt so schmal wie vorher, obwohl der objektive Platz genau gleich blieb.

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Es waren vier Arbeitstage gefolgt von Wasser und Außerirdischen.

50 Meter Freude

Madame war zweimal im Lochow. Dieses Jahr trennen sich unsere bisherigen Badewege. Madame geht in das örtlich sinnvollste Bad, das Lochowbad; ich gehe in das zeitlich sinnvollste Bad, das Insulanerbad,

Nach dem vergeblichen Versuch am 1. Juni, folgte am 8. Juni vor dem Kino Versuch Nummer 2 des Insulanerbadbesuchs im Juni. Und auch dieser lief holprig. Den Kabanenschlüssel vergaß ich in der Wohnung1, die S-Bahn hatte Polizeieinsatz und nachdem ich mit Irrungen und Wirrungen ankam, erhielt ich einen EC-Geräte-Vortrag.

Aber ich hatte die Badehose dabei und konnte baden! Zu Freibadwetter, wie ich es liebe: Sonne, Wind, Wolken, die rasch vorbeiziehen, und insgesamt kalt genug, um Platz im Becken zu lassen. Ich schwamm im Nicht-Totholz-aber-auch-nicht-sportlich-Bereich für meine Verhältnisse zügig, ich wollte ja noch ins Kino, und verließ entspannt das Becken. Der Sommer groovt sich ein.

Mittwoch hatte ich kinofrei. Lange studierte ich Regenradar, Blitzradar und Wettervorhersage, um mich doch ins Bad zu wagen. Diesmal fuhr die S-Bahn und ich hatte den Kabanenschlüssel2. Meine Lieblings-Badleiterin3 nutzte das schlechte Wetter, um das Tor am Eingang neu zu streichen – und wie beim Tom Sawyer, ich hatte große Probleme, dem Spontansubbotnik zu entfliehen und nur zu Baden.

Aber welch ein Traum. Wir waren zu dritt im Treibholzbereich. Ich kam kaum zum Schwimmen, weil ich die ganze Zeit den Himmel mit seiner Mischung aus blau, Sonne, schwarzen Wolken, weißen Wolken und grauen Wolken betrachten musste. Es war ein Schweben mit weit aufgerissenen Augen. Fast wie ein Sternenhimmel.

Der vielfache Spielberg

Madame durchlebt weiter die Mehrchorwochen. Chor 2 hat zwar keinen Fuchs am See zu bieten. Aber dafür singt er das Cherubini-Requiem. Madame ist hin und weg.

Ich kontere mit den Mehrsesselwochen. Auf in’s Kino, in’s Kino und in’s Kino.

Auf dem Arbeitsverlassweg, ausnahmsweise ohne begleitenden Staatsbesuch, traf ich die Hüterin der Outlookkalender. Wir plauschten kurz über wohin und woher, über Begehr, ich erzählte von meinen Plänen, und sie erzählte, dass sie ein Yorck-Unlimited-Abo hat. Gute Kinokette, die Yorcks. Gute Frau die Frau!

Ich hatte vorher erzählt, dass ich auf dem Weg zu meiner Spielberg-Alien-Immersion war im Odeon war. Nach A.I.4 5am Montag folgten E.T.6 am Dienstag Nachmittag, Close Encounters of the Third Kind7 am Dienstag Abend.

Am Plan „nicht mehr als zwei Filme“ pro Woche arbeite ich noch. Immerhin kann ich bei diesem Konvulut hinterher ganz gut sortieren, welche Filme mir nach einigen Tagen am eindrücklichsten im Gedächtnis hängen. Sie folgen in aufsteigender Reihenfolge.

Almost

Der Begriff Uncanny Valley bezeichnet in der Robotik einen Zustand, in dem Roboter so menschenähnlich werden, dass sie unheimlich sind. Roboter, die klar nach Robotern aussehen – okay. Roboter, die wirklich wie ein mensch wirken – sehr okay. Roboter, die fast nach Menschen aussehen, bei denen aber irgendwas nicht stimmt – unheimlich.

Wir saßen 146 Minuten im Uncanny Valley. Einerseits ging es im Film A.I. um Roboter, hier einen kleinen Jungen, der fast menschenähnlich ist (unfassbar großartig gespielt von Haley Joel Osment), anderseits galt das auch für den Film an sich. Geschrieben vom Meister der gothischen Kathedralen des Films, immer eindrucksvoll, immer zum Luft anhalten, immer aus einer Distanz, allen Kitsches beraubt so dass nur die nackte Essenz übrig bleibt, immer weht ein kalter Wind durch seine Filme; verfilmt vom Meister der dichten emotionalen Packung, des Gefühlskinos, immer wird mensch umarmt und durchgeschüttelt in seinen Filmen. Es entstand ein Film, der fast Kubrick ist, aber nicht wirklich, ein Film der fast Spielberg ist, aber nicht wirklich.

Sehr faszinierend, aber beim ersten unvorbereitenden Sehen, überfordernd.

Noch uncannyer. Diesen Film aus dem Jahr 2001 über Künstliche Intelligenz sehen und danach mit dem LLM ChatGPT darüber reden.

The Stars, the Music, the Suits

Die Unheimliche Begegnung der Dritten Art, ein Film, der mich dazu brachte, die Spielberg-Biographie nachzulesen.

(a) Close Encounters of the Third Kind ist wirklich nach Jaws/ Der Weiße Hai erschienen. Auch wenn es nicht so wirkt, auch wenn die Close Encounters auf mich viel unfertiger, tastender und versuchender wirken als das Hai-Meisterwerk.

(b) Scottsdale it is! Spielbergs Faszination mit Außerirdischen ist hinlänglich bekannt. Und gerade hier im Film tauchen immer wieder eindrucksvolle dunkle Sternenhimmel auf, die in allen Farben blinken – so wie ich sie nur von extrem guten Tagen an den Latifundien, vor allem aber von dunklen Nächten an der Nordsee kenne. Der Himmel, ist einziger Show-Act.

So prominent wie diese Sternenhimmel im Film auftauchten, sagte es mir: Spielberg hat die Himmelsglitzershow in Echt gesehen. Oft genug, und mit ihm selbst jung genug, um ihn dauerhaft zu prägen. Das kann nicht in einer hellen Großstadt passiert sein: Cincinatti, New Jersey, Philadelphia – die frühen Stationen von Spielbergs Kindheits sind zu lichtverschmutzt. Aber „zog die Familie im Februar 1957 .. nach Scottsdale, einem exklusiven Vorort von Phoenix Und ja, Phoenix, Arizona, Wüste, 1957 noch kaum besiedelt. Dort schien der Sternenhimmel, der der Menschheit viele Außerirdischen-Filme einbrachte.

Close Encounters of The Third Kind ist der erste dieser Filme. Seltsame Sichtungen, Phänomene, Erscheinungen, Ufos kommen auf die USA nieder. Ein Raumschiff landet am Fuße des Devil’s Tower in Wyoming, einige fast magisch Angezogene (die Protagonisten des Films) schleichen sich an allen Militärabsperrungen vorbei, um Raumschiff und Außerirdische zu sehen.

Ich musste mich gewöhnen. Zu sehr sah das immer wieder aus, wie die 1970er-Fernsehserien, die der Kaptain so gerne schaut. Wenn man an Spielberg denkt, den Meister darin, einen durch die Gefühlswaschmaschine zu jagen, jemand der halbe Staaten an Logistik und Technik aufbietet, um die Geschichte eines kleinen Jungen zu erzählen, wirkte das alles sehr unfertig, sehr rumpelhaft, sehr nicht-perfekt.

Fast alles ist schon da: Der kleine Junge, die fremdartig-niedlichen Alians, die John-Williams-Musik, das Poetische im Alltäglichen, die Utility-Cars die auf Sand bremsen, der abgefahrene Menschen-Außerirdischen-Kommunikations-Jazz, die unglaubliche Fähigkeit gewöhnliche Menschen in ungewöhnlichen Situationen zu schildern – am Ende der Spielberg Woche war es wie ein Blick in Spielbergs Emotionswerkstatt, in der die Fassaden noch nicht richtig sitzen, die Leitungen noch nicht verlegt sind, und man viel mehr von der Maschine sieht als in späteren Filmen.

Und Sternenhimmel natürlich. Sternenhimmel. Ich sah den Sternenhimmel. Diesen Film würde ich gerne noch mal sehen.

Phone home

Nach dem Film sahen wir uns beide an, sagten beide: „Ich dachte, das ist ein harmloser, netter Kinderfilm.“

Wir beide füllten die Bildungslücke E.T.

What a movie! Herzlich, niedlich, süß, anrührend, und viel dramatischer, trauriger und unheimlicher als wir vorher gedacht hätten. Der Film hat alles. Großes Kino. 10/10.

Danach: Der Nachthimmel über Schöneberg.

phone home

Links

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Es gibt jetzt eine Citizen-Science-Karte um Eichenprozessionsspinner einzutragen. Hier in der Berlin-Ansicht. Unbedingt gehört er in meinen dystopischen Roman.

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Unfreiwilliger Selbstversuch von Andrea: Ein Tag ohne Smartphone

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Über das Klavierspielen

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Villeicht doch mal über das Zurück-in-die-Zukunft-Musical nachdenken? Ich lese nur Gutes.

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Heimatgefühle: Nicht nur die Outdoorjacken der Paare sind gleich aussehend, wie seit Jahren schon, auch die Räder sind jeweils Zwillinge. So häufig, dass man irgendwann annimmt, okay, diese E-Bikes werden vermutlich nur in Zweierpacks verkauft, die gehören einfach so. Es ist ein Für-Zwei-Produkt.“ Wobei ich glaube, viele Auto-Pendel-Strecken haben die Länge, dass sie schlecht mit einem Fahrrad aber ganz hervorragend mit einem E-Bike substituiert werden könnten. Wenn dass die Gesellschaft merken würde, könnten wir einen großen Schritt richtung bessere Welt gehen.

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Sun-Tsu-Zitate peppen jeden Blogeintrag doppelt auf, wenn man sie auf Englisch bringt.

Anmerkungen

~~ An der Fernuni für die Klausur zur Imperativen Programmierung angemeldet

~~ An der Fernuni für das nächste Semester rückgemeldet. Das Programm lautet Datenstrukturen und Algorithmen, sowie Objektorientierte Programmerung sowie Socio Technical Information Systems Design.

  1. Es blieb bei Kabanenbesuch No. 1 – 80€ pro Besuch ↩︎
  2. Damit Kabanenbesuch No. 2 – 40€ pro Besuch. ↩︎
  3. Eine meiner Lieblings-Badleiterinnen. Natürlich schätze ich alle Kolleginnen und Kollegen. ↩︎
  4. Okay, technisch keine Außerirdischen sondern entwickelte Maschinen. Spätestens zum Ende hin, sind sie aber nicht mehr unterscheidbar. ↩︎
  5. Yorck Unlimited No. 30 – 7,93€ pro Besuch ↩︎
  6. Yorck Unlimited No. 31 – 7,68€ pro Besuch ↩︎
  7. Yorck Unlimited No. 32 – 7,44€ pro Besuch ↩︎

2 Gedanken zu „26-06-11 E.T.A.I“

  1. Kann ich empfehlen. Und ich glaube angesichts des neuen Spielberg-Films gibt es auch anderswo Chancen auf Retrospektive oder Wiederholungen seiner Alien-Filme.

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