26-09-06 (Die Band imitiert eine anfahrende U-Bahn)

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Madame war beim Dorfchor. Dort entdeckte sie die Chortradition des gemeinsamen deutschen Abendbrots mit belegten Stullen nach der Probe.

Auch im Chor sprach sie über Edeka Autobahn. Sie wurde für todesmutig gehalten, sich mit ÖPNV/zu Fuß dorthin zu begeben.

Unabhängig von Madame lernte ich, dass der Edeka Autobahn einst DER Reichelt West-Berlins war und inzwischen einer der umsatzstärksten Edekas der Stadt. We are not surprised.

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Microsoft hat anscheinend alle seine Übersetzungen von einem LLM überarbeiten lassen. Seit Neustem stoße ich auf Perlen wie „Es dauert etwas länger. Bitte halte dich fest.“, „Die Organisation hat ihr Gerät gelöscht“ und ein Shortcut-Link wird als „Tastaturkürzel“ bezeichnet. Das fördert kreatives Denken bei der Anwenderin.

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Wissendes Lächeln derzeit wenn mensch mit Dienstleistern redet. Die Berliner Senatsverwaltungen sind zwar gerade der spektakulärste Fall einer erfolgreichen Attacke, aber nicht der einzige. Gefühlt stößt man derzeit an jeder Ecke und jedem Ende auf kompromittierte Systeme. Cyberattacken, die erste Industrie, die KI wirklich groß zur Produktivitätssteigerung einsetzt.

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Die Rolltreppe der Zukunft am Südkreuz sah zwar immer noch nach einer ruhenden Baustelle aus. Aber ein behelmter Mann mit Industriesauger staubsaugte sie.

Da sie ja immer noch nicht rolltreppt, geht sie inzwischen der Nebenbeschäftigung der Hundesuche nach.

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Es war ein 1980s-DoFr zwischem frühem Deutschrap und souligem Country.

Prenzlauer Berg vor dem Dritten Kaffee

Mittwochabend lief ich mit der Basketballlokalpräsidentin durch Alt-Wilmersdorf, zeigte ihr die Gegend: Das historische Kino, den Dorfanger, den See, den Nicht-mehr-See, den immerwährenden Edeka. Inzwischen schon wieder in vollkommener Dunkelheit, obwohl auch andere Läden als der immerwährende Edeka noch geöffnet waren.

Inzwischen ist es Dunkel bei der Abendgestaltung und Dunkel beim Aufstehen. Und die Zeitumstellung ist noch sieben Wochen entfernt. Da ich derzeit eher früh aus der Wohnung muss, bin ich schon Dämmerungsaktiv unterwegs.

Eher zufällig hatte ich mir auf den home-office-Tag einen Außertermin im Bad gelegt. Wenn ich den Tag nicht im Büro erwartet werde, vermisst mich dort auch niemand, wenn ich den Morgen auf der Fahrt durch die Stadt verbringe.

Das gute daran: Die Basketballlokalpräsidentin konnte unbeschwert im Gäste/Arbeitszimmer schlafen, ohne dass ich neben ihr an den Rechner wollte. Das schlechte daran: Irgendwie hatte ich es geschafft, mich um 8 im Prenzlauer Berg zu verabreden.

Ein Arbeitsweg über den halben S-Bahn-Ring bis zum Bahnhof Greifswalder Straße dauert länger als meine übliche Parkradtour.

Ein Bad von 1983

Es kann nur ein Hausbad geben, nämlich das mit der Wohnung.

Aber ich gebe zu, wenn ich im Ernst-Thälmann-Park schon gleich durch den Personaleingang hineinlaufe, dann kommen auch dort leichte Gefühle von „zu Hause“ auf. Ich betrete das Bad, sehe die Menschen und habe den Eindruck „hier stimmt alles, hier ist alles gut.“1

Ich bin echt gerne dort und nutze jede Gelegenheit für eine berufliche Exkursion die halbe Ringbahn entlang, hinter der Schwimmeisterkabine ins Bad und dann nach oben in die Büros. Mal treffe ich den Chef und bespreche was, mal die Chefin, und das spannendste ist es, wenn ich direkt mit den Leuten am Beckenrand zu tun habe und sie dann vor den Rechner zerren muss.

Leicht wehmütig verließ ich das Bad, denn es hatte öffentlichkeitsbetrieb, aber ich keine Zeit mehr, um mich ein halbes Stündchen auszustempeln und mal kurz eine Runde durch das Wasser zu drehen. Nächstes mal!

Wir hier oben ihr da unten

Baltikumsreisen öffnen die Augen für Ostberliner Eigenheiten. Nachdem wir erfolgreich viele Male Köffer durch Ex-sowjetische Unterführungen schleppen mussten, weil diese die einzige Möglichkeit waren, die Straße zu überqueren, fallen mir auch wieder mehr dieser Unterführungen im Ostberliner Stadtbild auf.

Immerhin sind sie hier alternativ, es gibt fast immer auch noch eine nahe gelegene Ampel. Nur die Trolleybusse fehlen.

Entscheidungsvermeidung

Verkehr bleibt beliebtes Plakatthema. Damit können Parteien differenzieren. Nur Volt versucht sich mal wieder als die Schlaubi-Schlau-Partei der wahren Besserwisser. „Nicht Fahrrad gegen Auto. Alle gegen Schlaglöcher“ klingt erstmal gut und kreativ und mal was anderes.

Dann fällt mir, dass ich ja Rad- und Autofahrer in Berlin bin, und in beiden Rollen spielen Schlaglöcher keine Rollen. That is not the problem my friends.

Und dann habe ich ein Problem mit dem Voltschen-Politikbegriff. Meiner lautet „Politik ist das Treffen kollektiv bindender Entscheidungen.“ Da steckt das Wort „Entscheidung“ drin. Nicht larifari-„wir-müssen-uns-alle-irgendwie-liebhaben“. Für konstruktive Problemlösungen möchte ich eine gute Verwaltung. Für die Entscheidung welche Probleme zuerst gelöst werden sollen, oder was passiert, wenn sich Lösungen widersprechen, möchte ich Politik.

Volt will das anscheinend anders.

Ein Theaterstück von 1986

Die Nettigkeit der Basketballlokalpräsidentin hätte uns fast die besten Plätze gekostet. Wir waren früh ins Foyer des Grips-Theaters gekommen, um das Musical Linie 1 zu sehen. Denn es herrschte freie Platzwahl, aka Windhundprinzip, aka, wer zuerst an der Tür steht, darf auswählen.

Dann aber fiel sie der Zuschauer*innenbefragung in die Hände. Während sie bereitwillig Auskunft zum Woher und Wohin, zum Warum und Wodurch gab, wurden die Tore geöffnet.

Aber es gelang mir, mich durch mehrere Schulklassen durchzutacklen und einen Mittelplatz zu erlangen. Denn die Linie 1, West-Berlin 1986, der Klassiker, vom Bahnhof Zoo nach Schlesisches Tor wartete.

Die Theatertruppe spielte das schon fast legendäre Musical über Sunny/Momo/Nathalie, die ihre liebe und sich selber in Kreuzberg sucht zum 2145. mal, inzwischen in der Neuinszenierung von 2023. 2

Als erstes fiel die Band auf. Angekündigt waren englische Übertitel. Das Display an den Seiten zeigte aber auch den Text für Gehörlose. Das erste was ich vom Stück las, war der Hinweis (rockiges Intro), später gefolgt von (gefühlvolle Musik) oder (langes rockiges Stück mit Gitarrensolo). Mein Liebling blieb durchgehend (Band imitiert eine anfahrende U-Bahn).

Sie sangen „Fahr mal wieder U-Bahn“ und „Hey Du„, einmal rappten sie sogar. Der Kreuzberger Obermacker Bambi hatte seinen Auftritt und Schlucki vom Bahnhof Zoo und natürlich die Proto- und Nochnazis, die es auch 1986 in Berlin gab.

Vom Publikum erwartet wurde der Auftritt der Wilmersdorfer-Witwen; als er dann kam, merkte ich die Gespaltenheit des Publikums: das Lied war schmissig, lud zum Mitklatschen und Mitsingen ein – aber wer will schon lobpreisend „Wie vor 50 Jahren [=1936], tirili tirili taralalla“ singen?

Freudiger funktionierte das Mitsingen bei der Strecke der Linie 1: Wittenbergplatz, Nollendorfplatz, Kurfürstenstraße, Gleisdreick, Möckernbrücke, Hallesches Tor, Prinzenstraße, Kottbuser Tor, Görlitzer Bahnhof, Schlesisches Tor.

Heutzutage die Strecke der U-üc. Also meiner Bahn. Und als jemand im Publikum sagte, dass sie Linie 1 einfach einmal im Jahr sieht, dachte ich: „Das wäre ein schönes Ritual. Immer im September, zum Auftrakt der Kultursaison, einfach mal in der Stadtkultur erden.“ Vielleicht 2027 wieder.

So we Zoo again

Es waren Bahnhof-Zoo-Tage.

Schon wieder standen wir dort. Nachdem die Baskeltballlokalpräsidentin und ich gerade das Musical gesehen hatten, indem der Bahnhof Zoo und seine Bewohner eine wichtige Rolle spielten, wir deswegen noch nichts gegessen hatten, und nur eine U-Bahn-Station vom Bahnhof Zoo entfernt waren, bot es sich an, zum Bahnhof Zoo zu fahren, um dort zu essen und Leute zu schauen.

Ich betonte, dass Berlin-arabische Chicken-Kette nachts um 23 Uhr am semiverlassenen Bahnhof Zoo ganz besonders authentisch ist, und so kehrten wir bei Risa ein. Die Chickenteile waren aus (wie bitte?!?), das halbe Chicken ist der Star der Karte, war mir dann aber doch too much und so gab es scharfe Burger, nicht so scharfe Filetstücke und Mais.

Danach in den 249er nach Hause.

Ein Film von 1980

Dann wieder stand ich zu früh auf. Es sind auch die Arbeit-muss-früher-als-Normal-beginnen-Tage. Das ist schön, weil mit jeder Minute, die ich morgens früher durch Berlin radle, die Strecke schöner und entspannter ist; das ist nicht schön, weil ich halt früher los muss.

Um so mehr freute ich mich auf Nacharbeitsnachmittag im gemütlichen Sessel im Dunkeln, aufgehellt von Dolly. Oder anders gesagt: After-Work-Kino. Das Odeon spielte in Reminiszenz an Dolly Parton den Film 9 to 5.3

Dolly war großartig, Lily Tomlin war großartig, die Grundidee war großartig. Sonst war Nine to Five ein Film, der so eigentümlich war, dass er manchmal faszinierend war, manchmal verstörend.

Die Titel brachten das Spannungsfeld zum Ausdruck:

  • Originaltitel Nine to Five – eine schmerzhaft realistische Satire über amerikanische Bürojobs 1980.
  • Deutscher Verleihtitel Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um? – ein schmerzhalft alberner AchtzigerJahre-Film, dessen Humor immer wieder Ausflüge in Richtung Eis-am-Stiel, Klimbim. die Jungs aus der ersten Reihe ging.

Einerseits ein Film, der für Hollywood-Verhältnisse wirklich politisch-kämpferisch-feministisch war; anderseits verpackt in eine derart alberne Plotline, die mich an Klimbim, die Jungs aus der ersten Reihe oder ähnliche Humorentgleisungen der 1970er erinnerte.

Ich fürchte, ich kann die Szene nicht mehr vergessen, in dem sich die drei Protagonistinnen einen einzigen Joint teilen und abgehen als hätten sie größere Mengen LSD intus.

Ein Film, der dieselben sexistischen Sprüche brachte, wie Eis am Stiel, denen aber sofort den Boden unter den Füßen wegzog, weil auch dem Film, den Protagonist*innen und dem Publikum auffiel, wie unfassbar fremdschäm sie auch damals waren.

Ein Film, der ein ernsthaft aufklärerisches, kämpferisches Anliegen hat, dem aber sofort den Boden unter den Füßen wegzog, weil es in Teilen so albern war.

Es war skurril.

Nine to Five erzählt die Geschichte dreier Frauen (Zwangs-Berufsanfängerin-nach-Scheidung Judy (Jane Fonda), der kompetenten ehrgeizigen Managerin Violet (Lily Tomlin) und der sehr blonden, aber selbstbestimmten persönlichen Assistentin Doralee (Dolly Parton), die versuchen sich in einem gesichtslosen New Yorker Großunternehmen unter dem Machtgierigen Chef zu behaupten, der sie wahlweise anbaggert oder Kaffee kochen lässt und natürlich nur seinen Boys Club befördert, im sicheren Wissen, dass die drei keinerlei Macht haben.

Durch den Plot, den ich nicht näher wiedergeben möchte, übernehmen die drei heimlich die Macht, führen Gleitzeit, Teilzeit, Kinderbetreuung, Equal Pay und menschliches miteinander ein und das Unternehmen profitiert.

Es war ein Film der Schmerzen. Die Szenen, die das Problem schildern, den herablassenden anbaggernden Boss, weil diese halt schmerzlich realistisch für 1980 waren, die Plot-Szenen waren schmerzhaft, weil diese so überdreht waren, um dem Rest des Films die Glaubwürdigkeit gleich wieder unter den Füßen wegzuziehen.

Immerhin durfte ich Dolly Parton sehen, die sich in drei Sekunden von der liebsten, freundlichsten, südstaaten-twangerischten Darling zu einer kampfes- und durchsetzungsfreudigen Frau verwandeln konnte und wieder zurück. Das Geheimnis ihres Erfolgs.

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Da lacht mein Herz, das ist warum das Internet existieren sollte: Der ikea complexity index von Greg Sadetsky listet Tausende Ikea-Produkte mit einem Komplexitäts-Grad, ihrer geschätzten Aufbauzeit und den Links zu den PDF-Anleitungen.

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Schutzhelme für Buchhändlerinnen? Readinginsweden zurück bei der Arbeit. und zwei Tage später Ich bin froh, wenn die zweite Ladung Cozy-Autumn-Kürbis-Romane endlich eintrifft und ich den Herbsttisch wieder auffüllen kann.

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Frau Klugscheisser über Die Zeit, die ich im Layover verbringe, wie der 24 – 48 stündige Aufenthalt am Zielort genannt wird, hat sehr wenig mit dem allgemein bekannten Reisen oder Geschäftsreisen zu tun.

Anmerkungen

  1. Faszinierenderweise hat das Bad mir das Gefühl auch schon vermittelt lang bevor ich die Leute dort persönlich kannte oder auch nur bei den BBB war. Ich zitiere mich selbst von 2017: „[Die Gegend..] Fühlt sich an wie Vorortwohnen. Dass man gerade mit der Ringbahn kam: schon lange vergessen. Bis da dieses warme, einladende Licht auftaucht. “Komm her. Hier ist es schön.“ ↩︎
  2. Sehr spannende Geschichte. Bei der Überarbeitung wurde quasi eine realitischere Version von 1986 in braun und grau durch eine stärker stilisierte, buntere poppigere Welt ausgetauscht, die für heutige Jugend vermutlich mehr nach 1980s aussieht als die echten 1980s. Trailer Original und Trailer Neuinszenierung. ↩︎
  3. Yorck Unlimited No. 47 – 5,06€ pro Besuch. ↩︎