26-09-11 Zum Kirschblick

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Nicht nur ich treffe beim Bohren Stromleitungen. Auch echte Profis schaffen das.

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An den Innsi-Neubauten wachsen Wandbegrünung und Graffiti um die Wette.

Ist Scratching an ÖPNV-Scheiben noch a thing?

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Waküfa, „seit 45 Jahren stadtbekannt“ für den Verkauf gebrauchter WAschmaschinen, KÜhlschranke und FA(???) geht mit der Zeit und entdeckte das Wort refurbished für sich. Vielleicht finden sie irgendwann Vintage und erhöhen dann die Preise um das Dreifache.

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Falls ich doch noch einen Schwimmbadroman schreibe, wäre ein möglicher Titel Trichloramin.

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Es waren Puerto-Rico-Marokko-Tage mit guter Sicht.

Bei Büronachbars im Flur

Kalter Kaffee

Das Beste, was sich über meinen Montag sagen lässt, ist, dass der Saucenfleck auf dem Shirt an genau derselben Stelle landete wie der Kaffeefleck. Abends habe ich mich vermutlich nicht in Luft aufgelöst, aber weder meine Erinnerung noch Notizen oder Fotos geben mir einen Tipp darüber, was eigentlich geschah.

Die aktuelle Verteilung von wenig Abwesenheit in den Südkreuz Offices (Menschen, die Etwas von uns wollen – MdEvuw) und viel Abwesenheit („uns“) ist auch gerade unerquicklich, zumal die MdEvuw immer noch in fröhlichem Nach-Urlaubs-Enthusiasmus unterwegs sind.

Auch die Tiefgaragentauben dort scheinen noch unterwegs. Ich sah sie nicht, aber sie hinterließen Zeichen.

Der Begründer der Schichtungssoziologie

Während ich mich über den Montag hangelte, schrieb Madame ihre Klausur, die sie im Nachhinein als „fair“ beschrieb. Im Gegensatz zu allen anderen wählte sie die Aufgabe Karl Marx/Theodor Geiger während sich alle anderen für Émile Durkheim/Pierre Bourdieu entschieden.

Später bereitete sie die Marschmallow-Spaghetti-Challenge vor und ich griff mir die ehrenvolle Aufgabe, die Marshmallows und Spaghetti dafür zu besorgen.

Aus dem Bahnhof raus, dann schräg links auf die Mittelinsel, da ist die Bushaltestelle

Montag war schön, weil ich sehr früh die bicicletta azzurra nehmen musste, dann aber durch die halbleere Stadt radeln durfte.

Mittwoch hingegen konnte ich die S-Bahn nehmen und durfte Abenteuer erleben: Ein Mann, der mit sich allein ebenso emotionale wie vernuschelte Gespräche führte, aus denen ich nur mehrfach ein besonders emphatisch hervorgerufenes „heterosexuell“ heraushörte.

Zwei Geschäftsreisende, die sich am Innsbrucker Platz darüber unterhielten, dass sie am Südkreuz noch knapp ihren Anschluss kriegen würden. Bis dann die Bahn einfach nicht mehr losfuhr. Als der S-Bahn-Fahrer aus seiner Kabine trat und nach hinten lief, war klar, dass alle Anschlüsse weg sind.

Als der zweite Mensch in Signalweste kam erst recht. Und als wir dann die Bahn verlassen mussten, um so mehr.

Zum Glück habe ich dort vor 10 Monaten noch gewohnt, kannte noch den 248er-Geheimbus unter dem Radar der BVG-App und rettete mich in diesen.

Fuchsblick hoffentlich auch

Dienstag kam Fensterputzer Moin, dessentwegen ich weder S-Bahn noch biciletta nahm, sondern dort blieb wo ich die Wohnungstür öffnen konnte.

Er war angemessen beeindruckt von der Lage der Wohnung. Danach sahen wir auch wieder die Kornelkirsche vor dem Fenster.

Was gut war, denn kurz zuvor hatte ich das Gast-Wlan „Zum Kirschblick“ eingerichtet. Da ist es besser, wenn die Kirschen erkennbar sind.

Derzeit 2,50€ bis 11,50€

Dienstagabend genoss ich doppelten Wohnungsluxus: Direkt die letzte halbe Stunde im mobilen Arbeiten bereits in der Badehose absolvieren, damit ich direkt danach ins Becken weiterziehen kann (gegen 17:00h recht leer, ein überraschend hoher Männeranteil, später kamen Mengen an Kampfschwimmern).

Später dann ausgehen im Kreuzberg 61, das wo es mal wild war, danach in die U-üç fallen und direkt vor der eigenen Haustür wieder aussteigen. Auch wenn die Entfernung nach 61 gar nicht so nahe ist, auf der gefühlten Strecke der Bequemlichkeit liegt es schon nahe.

Am Görlitzer Bahnhof kam ich am passenden Plakat vorbei: „Schwimm Bad Preise runter“. Inhaltlich werde ich natürlich nicht die Preisgestaltung meiner Arbeitgeberin kommentieren. Aber ich bin inhaltlich weit genug weg, um zu überlegen: Wer legt eigentlich wirklich die Preise fest? Das Parlament wird es nicht sein.

Dabei entdeckte ich das Gesetz über die Anstalt öffentlichen Rechts Berliner Bäder-Betriebe (Bäder-Anstaltsgesetz – BBBG) Vom 25. September 1995 in dessen §8 festgelegt wird, dass der Aufsichtsrat die Preise festlegt, normalerweise auf Vorschlag des Vorstands hin.

Und der Aufsichtsrat wiederum wird im Wesentlichen vom Senat bestimmt. Was dazu führt: Ja, okay, wenn die Linke nach der Wahl die Regierung stellt, kann sie im Prinzip die Schwimmbadpreise festlegen.

Ob das sinnvoll ist? Ich habe keine öffentliche Meinung.

Schwimm Bad Preise runter

Zartes Lamm mit Pflaume

Die Basketballlokalpräsidentin lud uns ins Baraka ein – marokkanisch Essen. Der Abend erlaubte noch Frischluftsitzen mit Blick auf U-üç und Kreuzberger Abendpublikum. Das Essen und Trinken erlaubte Schwelgen: Minztee, Mokka und Laban, eine Lamm-Pflaumen-Tajine mit Mezze: Bohnensalat, würziger Joghurtdip, Hummus, Falafel und Halloumi, scharfer Kartoffelsalat, Reis und Baba Ganoush.

Seit 1991 eine Kreuzberger Institution und bei uns auf gutem Weg auch Stammlokal für mit Gäste zu werden.

Der Ort, an dem ich einmal Ikkimel aus 100 Metern Entfernung sah und nicht erkannte

Praktischerweise blieben wir Mittwoch bei der U-üç, fuhren aber nicht nur die alte Linie-1-Strecke Wittenbergplatz, Nollendorfplatz.. Gleisdreieck.. Schlesisches Tor, sondern fuhren noch die eine Nachwendestation weiter über die Spree in den Osten bis Warschauer Straße, die Frauenbaskettball-WM rief.

Der Bahnhof machte seinem Ruf alle Ehre, indem nicht nur alle drei Meter ein*e Straßenmusikant*in stand, sondern auf dem S-Bahn-Dach auch gleich ein Messer lag. Ditte is Balin, wa, hätte ich Tourist*innen auf die Nerven gehen können, wenn ich denn welche angesprochen hätte.

Ich aber staunte über das Treiben, ließ mich mit den Menschenmengen mitziehen, um mich in wenigen Metern von diesem Berlin-wie-in-den-feuchten-Träumen-ländlicher-CSU zu einem Berlin-wie-in-den-feuchten-Träumen-von-Investoren zu begeben: der von mir zuverlässig bestaunte Most plastic Plaza der Stadt namens Uber Platz mit Uber Arena und Uber Eats Music Hall. Das Ufo an der Spree.

Jedes herumliegende Messer hat eine Geschichte.

Am Pommesstand: Ein Mann mit Basketball-Kippa

Erst an der Warschauer Straße fielen mir die ersten Basketballbesucher*innen auf. Wenig offensichtliche Fans im Outfit, vermutlich waren Puerto Rico und China und Australien zu weit weg für die Anreise von Fan-Massen, Italien sollte erst später spielen.

Wir waren auf verschiedenen Wegen aus verschiedenen Ortsteilen bekommen und die Basketballlokalpräsidentin, Madame und ich trafen uns vor dem Kumpir Club. Ich wollte wissen, ob Puerto Rico als Nicht-Staat überhaupt eine Nationalhymne hat, die gespielt werden konnte und drängte hinein.

Erst später sahen wir das Basketballentertainment sowohl in der Halle mit unterwältigendem Merch-Stand und diversen Basketball-themed Sponsorenständen. Auf dem Platz selber waren größere Areale von Toyota und Ing Diba und der eigentliche Höhepunkt: ein 3×3-Feld auf dem echt viele Kinder spielten, ein DJ von Kiss FM auflegte und ein Sponsorenmaskottchen auf dem Basketballkorb herumtanzte.

Dieser Platz ist so strange, ich kann nicht anders als mich hingezogen zu fühlen.

de mágico primor

Puerto Rico besitzt eine Nationalhymne. La Borinqueña ist ein langsamer Marsch von 1958 mit einem revolutionären Text von 1868. Der Titel ist der Name der Taino für Puerto Rico, der Text ist aber auf Spanisch:

La tierra de Borinquén
donde he nacido yo
es un jardín florido
de mágico primor.

The land of Borinquén
where I was born
is a flowery garden
of magical beauty.

Eigentlich waren wir für Basketball gekommen und sahen ein mitreißendes bis zur letzten Sekunde spannendes Spiel, das China knapp gewann. Die eher statischen und gar nicht so gut spielenden Chinesinnen, die vor allem davon lebten, dass sie mit Xu Han eine Spielerin mit 2,05m Körpergröße hatten, mit Ziyu Zhang mit 2,23m sogar, laut mäßig seriöser Internetseiten, die größte Frau der Welt, welche einfach auch herumstehend über den Puerto-Ricanerinnen spielen konnten und unblockbar waren.

Die Puerto-Ricannerinnen, bei der selbst die 2-Meter-Spielerin Imani McGee-Stafford im Vergleich klein wirkte, spielten und spielten, sprinteten, kämpften und rannten, hatten aber eine Tendenz einfache Körbe zu vergeben. Insbesondere Trinity San Antonio („die tragischte Heldin der WM“) machte das Spiel ihres Lebens. Sie hatte anscheinend die beste Turnier-Einzelleistung in Effizienz1 aller Spielerinnen aller Partien bisher, sie war quasi durchgehend am Ball, hat hinten den Steal gemacht dann den Pass geworfen und dann ist es ihr irgendwo gelungen aus den riesigen Chinesinnen den Rebound herauszufischen2.

Am Ende verlor Puerto Rico hauchdünn, was sehr schade war, denn ich hätte gerne mehr davon gesehen.

Ganz am Anfang. Die Halle wurde noch voller.

77:77

Ganz anders das zweite Spiel: Italien-Australien. Beide Teams waren sich körperlich und vom Stil her ähnlicher. Nur dass die Australierinnen erfolgreich waren, die Italienerinnen nicht. Kurz vor dem vierten Viertel führte Australien mit 26 Punkten. Wäre da nicht der italienische Trainer gewesen, der am Rande großes opernreifes Drama aufführte, rief, sprang, Jacket und Krawatte von sich warf, auf die Knie ging, wäre die Halle allgemein ermüdet.

Dann passierte etwas, plötzlich hatte Italien Lust, Australien vielleicht keine Kondition mehr. Als es noch 15 Punkte Abstand waren, wachten die ersten wieder auf. Bei 8 Punkten saßen alle aufrecht in ihren Sitzen. Bei vier Punkten Rest-Abstand stand das Publikum. Als Italien 90 Sekunden vor Schluss ausglich, gingen die Emotionen wild.

77:77, ein Hexenkessel.

Dann traf Australien etwa 30 Sekunden vor Schluss zweimal. 81:77. Es schien wieder fast vorbei. Bis Italien 20 Sekunden vor Schluss einen irrsinnigen Dreier schaffte und wir bei 81:80 waren. 11 Sekunden vor Schluss bekam Australien zwei Freiwürfe. Traf aber nur einen 82:80. Bis Italien wieder im Ballbesitz war, blieben acht Sekunden.

Italien wechselte Francesca Pasa ein. Der gelang es sich in der kurzen Zeit durch die Abwehr zu dribbeln, zu einem Korbleger anzusetzen – und zu verwerfen.

Oh, grandi emozioni!

Constanza Verona (#8) passt zu Lorela Cubaj (#13)

Auf dem Heimweg zeigte Madame noch einmal die Fotos von der Gottesanbeterin am Hauseingang. Dann sahen wir den Parkplatzfuchs.

Links

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Mit dem Zug durch die Ukraine bei Drehscheibe online.

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loosy beim Jazz-Abschlusskonzert in Leipzig

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Mitte der Woche war es soweit – der Umbau der Wasserstelle in meinem gepachteten Kleingarten war abgeschlossen.

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Radfahrn auf der Autobahn – Astrids erste Bike Night

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Das mit den IT-nahen-Zertifikatsweiterbildungen ist einfach ein Elend. Herr Paul steckt in einer fest: Zweiter Weiterbildungstag. Sehr ernüchtert, weil wir die meiste Zeit von Powerpoint-Folien ins Handbuch übertragen, während der Coach ein bisschen erzählt.

Anmerkungen

  1. (Punkte + Rebounds + Assists + Steals + Blocks) – ((Anzahl Wurfversuche – Anzahl verwandelte Würfe) + (Anzahl Freiwurfversuche – Anzahl verwandelte Freiwürfe) + Turnover) ↩︎
  2. Und hat trotzdem in keiner einzigen Sprache einen Wikipedia-Artikel ↩︎

Kommentare

Ein Kommentar zu „26-09-11 Zum Kirschblick“

  1. Avatar von Poupou

    Farbfernseher. Ich war mal drin und habe gefragt.