Kategorie: Alltag

  • 24-01-20 Horizontaltage

    24-01-20 Horizontaltage

    Ich boll.

    Eigentlich belle ich immer noch. Diese Erkältung ist so besonders, da sie eine faszinierende Reise durch sämtliche mir bekannten Infekt-Symptome darstellt. Jeden Tag kommen neue hinzu und andere verschwinden. Nur die durchgehende Erschöpfung blieb über Tage konstant. Wenn Du Dich überfordert von dem Gedanken fühlst, den Türöffner zu drücken, weil ein Paket kommen könnte..

    So langsam steigt mein Energielevel wieder (Ich habe Müll rausgebracht!). Dafür setzt jetzt ein nahezu ununterbrochener Reizhusten ein. Sprich: Ich fühle mich besser als die gesamte Woche, klinge aber kränker als je zuvor.

    Damit war unmöglich: die Weihnachtsgeschenkeinlösung mit Corelli – Concerti Grossi der Akademie für Alte Musik. Nicht nur, dass es mir komplett an Energie gefehlt hätte, überhaupt bis zum Konzerthaus zu gelangen. Auch ein Dauerhuster im Publikum wäre sozial schwierig gewesen.

    Madame ging mit Professor Transformation und war begeistert. Also schwer begeistert. Also unfassbar begeistert. Fast schon megabegeistert. Naja, nächstes Jahr soll es den zweiten Teil des Zyklus geben.

    Madame holt die Gans ab. Ein geplantes Gänseessen mit la chanteuse und le pianiste fand im Dezember keinen Termin mehr. Im Januar hingegen sind Gänse schwierig. Anscheinend möchte niemand im Januar Gänse essen.

    Zum Glück wohnt die Geflügel- und Wildfleischerei Albrecht nebenan. Selbst die bekommt im Januar nur Tiefkühlgänse. Albrecht hat eine solche aber Donnerstag anliefern lassen und bis zum heutigen Samstag fachgerecht aufgetaut. Nun wird Madame die niedersächsische Weidegans abholen, über Nacht niedertemperaturgaren und morgen mit zu les musiciens nehmen.

    Dank Paula habe ich neue Perspektiven aufs Wohnzimmer. Fühle mich bestätigt: Es gibt nur eine legitime Variante, private Büchersammlungen zu organisieren: Folgend dem Prinzip Serendipität nach Farbe.

    Bücherregal mit einer gelben und einer schwarzen Buchreihe.

    Rekonstruktion vergangener Tage

    Die Woche begann damit, dass ich Montag um 5:00h von hupenden Demonstrations-Traktoren aus dem Schlaf gerissen wurde. Meine spontane Reaktion bewegte sich im vorpolitischen Raum, war aber nicht von Sympathie und Verständnis geprägt.

    Etwas wacher habe ich mich gefragt, wie wohl die öffentlich-politischen Reaktionen ausfallen würden, wenn 10.000 rumänische Landarbeiter*innen Autobahnen und Straßen blockierten.

    Aber tausende Bilderbücher, Spielzeugsets und Kinderserien mit „mein erster Bauernhof“ sind die beste Imagekampagne aller Zeiten. Dagegen, dass ein Großteil der Deutschen davon träumt, mit dem eigenen Traktor über die eigene Parzelle zu fahren und eigenes Gemüse zu ernten, kommt keine Argumentation an.

    Menschen denken in Bildern oder Worten. Ich tendenziell in beidem. Das Originelle: Seitdem hier regelmäßig Der Bestatter auf Netflix läuft, denke ich teils in Schweizerdeutsch. Nur dass ich gar kein aktives Schweizerdeutsch kann. Ich denke also in einer Pseudosprache, die ich nicht verstehe, die sich aber apart anhört. Vielleicht auch nur ein Erkältungssymptom.

    Die CDU plakatiert „Stoppschild für die Ampel.“ Ich frage mich, was aus der Autofahrerpartei geworden ist. Ampel sticht Stoppschild! Das lernt man doch in der ersten Stunde Fahrschule. D’oh!

    Letztes Wochenende der Versuch mit der Telekom zu kommunizieren, die uns irre Briefe schreibt, obwohl wir keine Kunden sind. Leider erfordert das Kontaktformular zwingend eine Kundennummer. Nach einer Bonusrunde am ebenso merkbefreiten wie sinnlosen Chatbot vorbei, gelang ich an einen Menschen. Immerhin weiß ich, warum sie uns schreiben. Jetzt muss ich nur noch zu den Stellen vordringen, die den Irrsinn auflösen können.

    Nach der letzt-sonntäglichen Maple-Installation fehlte dann jegliche Energie mit damit zu befassen. Ich habe ein neues Spielzeug und es eine Woche lang nicht einmal angeschaut. So sad.

    Auch noch letztes Wochenende: Madame crockte, ich bloggte: Boston Baked Beans.

    Gaggenau-Kaunas-Cannes

    Mehr Rezepte sollten beginnen mit „Im Keller fand sich noch ein Lötkolben.“

    Via Kellerkind auf Tröt. ARD Panorama war bei den Erntehelfern für Kohl.

    Was macht ein Zugbegleiter wenn die GDL streikt? (Und wer fährt die Notzüge: Azubis, Führungskräfte, Beamte)

    Karens Turku-Warschau-Zugreise geht weiter: Kapitel 3: Riga -> Kaunas.

    In Turku schneit es, in Cannes blühen die Mimosen.

    Gaggenau, Zentrum des Florida Death Metal.

  • 24-01-18 Synchronhusten (Hallo, Paula)

    24-01-18 Synchronhusten (Hallo, Paula)

    Ein Hund boll.

    Draußen soll es schneien habe ich gehört. Da ich die Wohnung seit dem Arztbesuch nicht mehr verließ, kann ich darüber keine Auskunft geben. Heute dachte ich eine gute halbe Stunde lang, ich werde aktiv. Seitdem fühle ich mich als hätte ein paar Tonnen Erde mit Spaten und Schubkarre bewegt.

    Madame ist mir voraus, um ein paar Tage. Irritierend: Während ich Dienstag ein buntes Sammelsurium an Erkältungssymptomen aufwies, fehlte jeglicher Husten. Madame hingegen hustete mitleiderregend. Sollte das noch kommen?

    Ja. Seitdem Synchronhusten. Bei mir mit zunehmender, bei ihr mit abnehmender Frequenz.

    Immerhin geht manchmal das Leben auch so weiter, ohne dass man sich aktiv beteiligt.

    Die Fernuni-Einsendeaufgaben wurden ausgewertet: Ich bestand und darf an allen vier Klausuren teilnehmen.

    Zwei möpperige Speditionsmitarbeiter lieferten Paula und Puff No. 9. Ab jetzt können wir sofistische Dialoge führen. Jetzt Kamillentee.

  • 24-01-16 U-Bahn-Arzt mit Maple

    24-01-16 U-Bahn-Arzt mit Maple

    So kommt es. Die Erkältung lugte nicht nur um die Ecke, sondern sprang hinaus. Ein Grund, den Hausarzt mit der U-Bahn in seinem neuen Domizil zu besuchen.

    Als ich am Wochenende noch Energie hatte: Bürokram. Unter anderen: Im Dritten Versuch endlich Maple installiert. („Maybe the most powerful software you have ever used.“)

    Jetzt Lammfell und Kamillentee.

  • 24-01-13 Tuba mirum halleluja (Epsilontik)

    24-01-13 Tuba mirum halleluja (Epsilontik)

    Madame betrachtete Autos beim Um-die-Kurve-schlittern.

    Niemand im näheren Berliner Umfeld ist in den letzten Tagen gestürzt oder hat sich Frakturen zugezogen. Das ist erfreulich.

    Überhaupt ist die Entwicklung auf medizinischer Front weitgehend erfreulich. Und die Erkältung, die in diesem Haushalt wieder um die Ecke lugt, wird auch in die Flucht geschlagen werden.

    In der Apotheke: mehrere Schilder, dass rassistische Beleidigungen der Mitarbeitenden nicht geduldet werden und zum Hausverbot führen. Recht so. Aber was bitte ist passiert, damit das Aufhängen dieser Schilder notwendig wurde? Was IST mit den Menschen?

    Im Ex-Bierbrunnen/Ex-Aquaristikbörsen/Ex-Theater-ohne-Namen zieht jetzt „Talea – Botanisches Bistro“ ein, das wirbt mit: „Italienisches Café Bistro […] Seitlich bieten wir ein nachhaltiges Pflanzen Sortiment für Dich und Deine Geliebte“. Leider hat es noch nicht eröffnet. Aber ich möchte dorthin.

    Es gelang mir, (schon wieder) den Kaptain aus dem Griff von eon zu entreißen. Langsam sollte ich mir das als Hobby zulegen. Dafür schickt jetzt die Telekom irre Briefe. Die um so irrer werden, weil schon seit Jahrzehnten kein Telekom-Vertrag mehr besteht.

    Paula kommt am Donnerstag.

    Im Markgräflerland tutete ein Computer.

    Am 25. Dezember werden alle toten deutschen Gänse tiefgefroren. Straußen in Königs Wusterhausen haben vier Beine.

    Madame schaut „der Bestatter„, der ganz sicher im Aargau gedreht wurde. In diesem kommt realitätsgerecht ein wildes Sammelsurium von bundesdeutschem Deutsch, österreichischem Deutsch und diversen Schweizerdeutschvarianten vor. Leider haben wir es zu spät entdeckt: „Der Bestatter – der Film“ lief schon letztes Frühjahr im Kino.

    Berliner Innenstadt-Verkehrstipp zum Bahnstreik: Der S-Bahn-Ersatzverkehr, der den ganzen Januar hindurch den bebaustellten S-Bahn-Tunnel ersetzt. Der fährt mit Bussen und ist nicht von der GDL betroffen. Niemand aber hat ihn auf der Rechnung. Und während in den regulären Bussen Rudelkuscheln mit Anfassen stattfand, hatte ich auf nahezu identischer Strecke einen kompletten Gelenkbus für mich alleine.

    IT-Entdeckung: in einem MS-Teams-Meeting kann man alle Teilnehmer*innen gleichzeitig in eine Aquariumslandschaft setzen. Die Erkenntnis entstammt natürlich hochseriösen Testzwecken.

    Im Körper ist 1 ungleich 0

    Mathematiker*innen haben es nicht so mit Zahlen. Und so dauert der Studientag wieder zwei Tage. Dieses Wochenende wieder in seiner Zoom-Online-Variante mit „Mathematische Grundlagen – Reelle Zahlen, Folgen, Funktionen und mehr..“

    Mir ist das gerade hochsuspekt. Die ganze Zeit denke ich beim Mithören „Ja, klar. Ist offensichtlich. Die nächsten fünf Schritte, um den Beweis zu Ende zu bringen sind eigentlich überflüssig, weil schon jetzt sonnenklar.“

    Da meine normale Mathe-Fernuni-Hagen-Reaktion eher ist „Was wollen die von mir???“ betrachte ich meine Einstellungsänderung skeptisch.

    Entweder das ist inhaltlich viel einfacher geworden. Oder ich habe mehr Vorwissen. Oder langsam bringt die ganze Lernerei etwas. Oder ich bin hirnermatscht und kann überhaupt nicht mehr einschätzen, was ich mache. Letzteres halte ich für möglich.

    Allerdings war selbst in den seligen Zeiten der Schulmathematik die Analysis mein Lieblingsbereich. Vielleicht passt auch nur gerade meine Art des Denkens zum Thema.

    Beim Studientag im Begleitchat gelernt: in keiner der 12 veröffentlichten Altklausuren kam das winzig kleine ε vor.

    Depression und Trecker

    Auch im Studientagsbegleitchat entdeckt: Es gibt ein Wikibook: „Mathe für Nicht-Freaks

    Neben dem Schaukelschaf liegt gerade Lutz Raphaels „Jenseits von Kohle und Stahl„. Eine empfehlenswerte Monographie zum Thema „Wie gingen westliche Industriegesellschaften mit dem Postindustriellen Umbruch um“, der in der Tiefe die ökonomischen Veränderungen betrachtet. Aber auch die Politik und deren Umgang damit im britischen (Thatcher!), französischen und deutschen Modell.

    Den ersten Teil las ich während wir durch Polen fuhren – das zum Teil immer noch in dem Umbruch ist, den Raphael hier beschreibt. Jetzt bin ich beim Kapitel „Umgestaltung der berufsqualifzierenden Ausbildung weg von korporatisch-handwerklichen-Facharbeiter-Strukturen“ hin zu „halt so irgendwas studieren und dann training on the Job.“ Das geschah vor 30 Jahren und wurde maßgeblich von den Konservativen getrieben. In Großbritannien und Frankreich deutlich ausgeprägter als in Deutschland.

    Während ich das lese, stehen Bauern und Handwerker auf der Straße und demonstrieren gegen die Folgen. Womit Deutschland Entwicklungen nachzieht, die in UK und Frankreich schon seit Jahren eskalieren.

    In Südfrankreich scheint die Sonne am Mittelmeer.

    hmbl über den Umgang mit beginnenden Depressionen.

    Karen und Familie fuhren mit dem Zug von Turku nach Warschau. Folge 1: Turku -> Riga. Folge 2: Riga.

    Passend dazu: Ein Bericht von der Premienfahrt der brandneues Verbindung Riga -> Wilna. Damit ist es erstmals seit vielen Jahren wieder möglich mit dem Zug alle drei baltischen Staaten zu erreichen.

    Die Epsilontik ist ein Begriff aus der Analysis.

  • 21-01-11 Stand-Up Waddling

    21-01-11 Stand-Up Waddling

    Das Gerüst am Hinterhaus verschwindet. Es ist unklar, ob die Baustelle fertig ist oder der Bauherr kein Geld mehr hat. Unser Gerüst steht noch. Die dazugehörige sporadische Baustelle allerdings kehrte aus der Dezemberruhe nicht zurück.

    Die Deutsche Bahn möchte mit mir vielleicht ein einstündiges Onlinegespräch zum Thema „Bahn Bonus-Komfortsitze“ führen. Meine komplette Meinung zum Thema ist „Funktioniert halt nicht.“ Bleiben 59:30 Minuten übrig.

    Nick Saban hört nach 17 Jahren als Trainer der Alabama Crimson Tide auf. Damit geht einer der wichtigsten Trainer in 120 Jahren College-Football-Geschichte.

    Madame fuhr mit der Not-S-Bahn in die Hafenstadt.

    Die Bahn streikt, die S-Bahn betreibt einen Notverkehr. Die Busse sind entsprechend voll. Mein Fahrradschloss ist im Eise festgefroren. Also lief ich zu Fuß in die Verwaltung.

    Wobei ich heute morgen noch laufen konnte, mich freiwillig durch die Stadt begab. Dies sollte sich ändern.

    Dabei überquerte ich die Autobahnabfahrt auf der gerne die Letzte Generation festklebt. Kurz überlegte ich mich, mich dem Trend anzuschließen, mich auf die Abfahrt zu setzen und etwas zu blockieren. Ein Grund zur Demonstration und Beschwerung würde sich finden, und sei es dass es kalt und ungemütlich sei.

    Der Heimweg war schwieriger. Nachdem Bahn, Bus und Fahrrad bereits ausgefallen waren, war Nieselregen auf den Minus-Fünf-Grad-Boden gefallen und zu einer glatten Eisfläche gefroren. Zu-Fuß-gehen war nur noch schwerlich möglich. Über einen grasbewachsenen Mittelstreifen rettete ich mich bis zu einem S-Bahn-Ersatz-Bus, der mich die halbe Strecke nach Hause brachte.

    Der Rest: selten habe ich so langsam ein paar hundert Meter zu Fuß hinter mich gebracht; watschelnd in Mini-Schritten an den Hauswänden klebend. Selten habe ich dabei so gut sämtliche Muskeln trainiert, die für die Balance zuständig sind. Wenige Menschen waren auf der Straße, von denen viele rutschten und um ihr Gleichgewicht kämpften. Überraschenderweise sah ich niemand am Hinfallen.

    Noch leerer als die Straßen: Der Verkehrsübungsplatz.

    Epsilon ist winzig winzig klein

    Die Einsendeaufgaben sind durch. Gestern war die Deadline für die zweite Runde Aufgaben. Die hatte ich ja schon im November eingegeben und gespeichert. Aber erst jetzt sind wir im Stadium „nichts geht mehr.“ Ich hoffe, mein November-Ich war kompetent und errang genug Punkte, damit ich im März die Klausur in „Internes Rechnungswesen / Produktion und Logistik / Marketing“ mitschreiben darf.

    Natürlich konnte ich nicht widerstehen und belegte noch einen Kurs, der weder in Plan A Wirtschaftsinformatik, noch in Plan B Mathematisch-Technische-Softwareentwicklung formal eine Rolle spielt: Planen mit mathematischen Modellen. Aber er klingt spannend. Und inhaltlich auch passend. Und nicht zuletzt, er ist eine „wünschenswerte Vorbedingung“ für das Seminar dass ich dann im WS 24/25 belegen möchte. Ich will ja nicht in ein Seminar geraten und dann inhaltlich keine Ahnung haben, worum es geht.

    Noch aber bin ich gerade bei den Mathematischen Grundlagen unterwegs. Weiter unterwegs bei den reellen Zahlen und den Wurzeln mit Brüchen. Maxima und Minima kommen vor, Suprema und Infima und vor allem der winzig, kleine, unvorstellbar kleine Abstand ε, der eine nicht zu unterschätzende Rolle in vielen Beweisen spielt.

    Geld, das rätselhaft verschwindet und erscheint

    Da meine Konzentration immer nur für kleine Mathe-Dosen reicht, ruhe ich das Hirn zwischendurch indem ich durch das Blog-Konvolut der inzwischen 373 Jahresrückblicke schmöckere. Das ist nett und entspannend.

    Verschiedene Menschen bloggen. Aber es liegt eine starke Gewichtung auf bloggende Shepreneure, die achtsames Persönlichkeitscoaching betreiben. Gäbe es eine Wortwolke über alle dortigen Blogs, würde neben Achtsamkeit auch Hochsensibilität, Verbindung, Selbstwirksamkeit, Empowerment et cetera eine Rolle spielen. You get the vibe.

    Fast hätte ich beim Lesen allerdings das Lese-Spielzeug ruiniert, indem ich einen Schluck Tee darauf geprustet hätte. Der Satz in Jahresrückblick No. 286 kam unterwartet:

    Sich wirklich mit Geld zu beschäftigen und selbst die Verantwortung dafür zu übernehmen, bedeutet nämlich auch mal links und rechts über den Tellerrand zu schauen. Und wenn Du das tust, landest Du auf einmal beim Thema Krpytowährungen.

    Das wirkte so passend als würde ein Fußballkommentar zwischendurch Liebeslyrik von Rumi zitieren. Aber nachdem ich den Tee dann runtergeschluckt hatte wurde ich neugierig, wie The Gospel of Crypto in diesem Umfeld umformuliert würde.

    Kurze Antwort: Gar nicht. Es folgte überhaupt nicht The Gospel of Crpyto sondern das viel ältere Loblied des Multi-Level-Marketings aka Schneeballsystem. Ein unseriöses Geschäftsmodell, dass sich als anderes unseriöses Geschäftsmodell tarnt. Irgendwo auch faszinierend. Aber falls jemand in Eurer Nähe die GamesCoin erwähnt: Rennt!

    Auf den ersten Blick seriöser ist Fujitsu. Das Unternehmen allerdings verursachte einen Skandal, der das Vereinigte Königreich in Atem hält. Über Jahre hat die Horizon-Finanz-Software, von Fujitsu für das britische Post Office erstellt, falsche Zahlen geliefert. Hunderte Betreiber*innen einzelner Postfilialen wurden verklagt, zu Gefängnisstrafen verurteilt, in den Ruin gefrieben, in den Suizid getrieben, da sie angeblich Geld unterschlagen hatten – Geld, das nie fehlte, aber von der Software erfunden wurde. Es ist so unglaublich. Der Fall sollte bitte Curriculums-Pflichtinhalt in der Wirtschaftsinformatik werden.

    Schwarzwald-Jungfernstieg-Israel

    Frau Herzbruch entdeckt Plotholes in Schwarzwaldklinik – Die neue Generation

    Herr Buddenbohm würdigt den Yüksel-Mus-Platz

    Lila trifft sich mit dem Team vom Kindergarten Charuv, der seit dem 7. Oktober im Kriegsgebiet liegt.

  • 24-01-09 Jatz und Axiome

    24-01-09 Jatz und Axiome

    Die Wahlplakate hängen wieder. Währenddessen möchten SPD/CDU vor unserer Haustür das Tempo wieder von 30 auf 50km/h erhöhen, WEIL AUTO.

    Paula meldete sich. Sie will bald kommen.

    Die Gartenpacht ist überwiesen und die KfZ-Versicherung bezahlt.

    Michigan gewann das College-Football-Endspiel gegen Washington mit 34:13. Was ich bedauere. Ich werde das Spiel nicht schauen.

    Mir entging die Wiedereröffnung der Alsterschwimmhalle in Hamburg. In New York soll der +Pool im East River verwirklicht werden.

    Auf meiner „lies-jedes-Zeichen-und-denke-mit“-Mathematik-Bergwanderung habe ich das Bergfest erklommen und die linearen Gleichungen überstanden. Jetzt kommen die reellen Ungleichungen. Es beginnt mit den neun Axiomen der reellen Zahlen und was man aus ihnen alles herleiten kann. Noch gut vier Wochen bis zur Klausur.

    Währenddessen stöbern im Vorlesungsverzeichnis. Fatalerweise entdeckte ich Veranstaltungen, die spannend klingen, aber nicht Pflicht und auch nicht Wahlpflicht sind – mir also für das formale Studienziel gar nix einbringen. Ich überlege, diese auch zu belegen – aber eigentlich bin ich mit dem Pflicht-Programm schon mehr als ausgelastet.

    Nebenentdeckung: Der Anbieter des „Ski-Seminars“ im Wintersemester, veranstaltet sein Sommersemesterseminar in Bregenz. Mit Controlling lässt es sich gut leben.

    Familiärverursacht beschäftigte ich mich wieder erstmals wieder seit vielen Jahren mit digitalen Bilderrahmen. Nachdem sie damals um die 100 Euro kosteten, dachte ich: Technischer Fortschritt bringt uns bei gleicher Qualität den 30-Euro-Bilderrahmen.

    Denkste. Kostet genauso viel. Die einzigen Unterschiede: Inzwischen muss man aufpassen, dass die Geräte überhaupt noch manuelle Tasten besitzen und nicht nur per App bedienbar sind. Auch wird gerne am Speicher gespart und die Bilder landen in einer Cloud. Und nachdem vor 10 Jahren auf den Packungen noch Sony, Kodak oder Philipps stand, heißen sie inzwischen Aeezo, Aorppd oder Yenock.

    Rossmann am Kaiser-Richard-Platz baut um und macht vorher einen Räumungsverkauf mit „25% auf alles.“ Spannend zu sehen, was inmitten des komplett leeren Laden noch stehenblieb: Sonnencreme, Proteinpulver, Elektrische Zahnbürsten, Rasierklingen, Alnatura-Fertiggerichte. Waren, die anscheinend nur wenige Umdrehungen haben aber dafür entsprechende Gewinnspannen besitzen müssen.

    Glitzerunterhosen und Spinatknödel

    Um Jazz (deutsch bitte: JATZ!) ging es in der Komischen Oper. Barrie Kosky inszenierte Chicago. Das Musical von 1975, dass sich zwer vermutlicher Mörderinnen im Chicago der 1920er annahm.

    „Nach einer wahren Geschichte“, mehrfach als Theaterstück aufgeführt (erstmals in Berlin in den 1920ern), 1975 als Musical Vaudeville auf die Bühne gebracht und in den 1990ern in einer überarbeiteten Musical-Version schließlich ein Welterfolg.

    Kosky nutzt die 1975er-Version als Grundlage, die „mit voller Opulenz“ an den Start geht. Im Orchestergraben war ein großer Bläsersatz zu sehen, zwei Flügel, eine Ukulele, ein verstimmtes Klavier, ein Bass und ein umfangreiches Schlagwerk mit Triangel. Und es jatzte. Wie sehr es jatzte. Die halbe Zeit dachte ich an hf leipzig, wie er es wohl genießen würde.

    (Anscheinend ist die 1975er-Version musikalisch sehr viel näher an den 1920ern und weniger poppig als die 1990er-Variante)

    Auf der Bühne: Kosky. Glitzerunterhosen, 6500 Glühbirnen im Bühnenbild, die beste rote-Puschel-Polonäse, die ich je gesehen habe, die glitzerigsten Glitzeranzüge, die ich je gesehen habe (die New York Times schreibt von den „sparkliest suits legally permitted onstage„), Humor, Drama, Konflikte, hach. Das wirkte gleichzeitig modern und als tiefe Hommage an 1920s Entertainment.

    Selbst der deutsche Text funktionierte. „Mein Schnusseldussel“ hat jetzt schon Chancen auf mein Wort des Jahres.

    Postive Überraschung im Rahmenprogramm: Die 18.000 Mitglieder des Berliner Theaterclubs hatten Hauptdarstellerin Katharine Mehrling den Goldenen Vorhang als beste Darstellerin 2023 verliehen. Nach der Vorstellung fand die Preisübergabe statt, was die Komische Oper veranlasste, dem gesamten Publikum Sekt und Brezeln zu spendieren.

    Vor der Oper Österelli: das Minilokal, das genau gegenüber vom Schillertheater liegt. Das Lokal, das bis Saisonbeginn an einer entlegenen Ecke Berlins lag; seitdem die Komische Oper in ihr Ausweichquartier zog, hat es die perfekte Lage als Theaterrestaurant. Und so wunderte es nicht, dass um 17 Uhr alle 25 Sitzplätze belegt waren.

    Organisatorisch kämpfte das Restaurant noch etwas damit plötzlich nachmittags volles Haus zu haben. Aber das Essen von Spinatknödeln über echtes Wiener Schnitzel bis hin zum Backhendl war Komische-Oper-würdig. Madame lobte insbesondere den Salat, ich bin jetzt schon neugierig auf die Rote-Beete-Knödel.

    Granta dünn und Granta dick

    Trotz Angst vor der Leere nach dem Ende beendete ich Rebecca Solnits Orwell’s Roses. Bis zum Ende ein Buch, das ich gerne selber geschrieben haben würde und damit in der engeren Auswahl meiner „10 Bücher für die eigene Insel.“ Erfreulich überraschend auch, dass es im Granta-Verlag erschien, von dem hier auch das Magazin herumfliegt.

    Auf dem Nachttisch zum Beispiel fand sich eine halbgelesene Granta-Ausgabe von 2021. Wie öfters: wenn man diverse Granta-Geschichten hintereinander liest, plätschert es vor sich hin. Melancholische Menschen blicken auf ihre Kindheit/Jugend/Jungerwachsenenzeit zurück. Viele sind arm. Die Erwachsenen sind erledigt. Dann fließen Körperflüssigkeiten. Am Ende ist alles wie vorher.

    Dann kam Okwiri Oduor mit „Mbiu Dash„. Was anfängt wie eine Afrikanische Festgeschichte, wird traurig, dann bedrohlich, dann horrormäßig, dann versöhnlich, dann politisch. Schockschwerenot. Statt des üblichen Grantagraus quillt der Text über von Farben. Und es findet eine Entwicklung statt. Ich war so beeindruckt, dass ich beschloss mir Oduors inzwischen erschienenen Roman Things They Lost zu besorgen.

    Tadelnde KI

    Am Rande bekam ich das Drama um „Jule Stinkesocke“ mit. Die freche, junge, querschnittsgelähmte Frau war weltberühmt in der deutschen Blogosphäre – nur kam nach 10 Jahren des Weltberühmtseins heraus, dass sie gar nicht existiert. Anscheinend wurde der Account von einem mittelalten Mann betrieben, der als „ihr Vertrauter“ auch im Blog vorkam.

    Eine Website dröselt das ganze auf. Wie aus dem Lehrbuch für 2000er-Internet-Schmuh. Auch der unter Sockenpuppe angelegte Selbst-Wikipedia-Artikel darf nicht fehlen. (Achtung, für Menschen, die keinen Fäkalien-Fetisch haben wird es teilweise recht eklig. Für Menschen, die Sexfantasien mit jungen behinderten Frauen mit Fäkalienfetisch ethisch schwierig finden, ist das auch an mancher Stelle hart.)

    Nun kann man sagen: Den Account gibt es nicht mehr. Die Staatsanwaltschaft hat festgestellt, dass es die Person auch nicht gibt. Ende zu. Alles vorbei. Da stellt sich die Frage, wer enthüllt. Das Impressum der Aufklärungsseite ist selber ein Musterbeispiel von „legal, aber maximal nicht-vertrauenserweckend“ und auch sonst bleiben die Vorhänge zu. Das einzige, was man über die Macher*innen weiß: Sie können ihr Blog ganz gut über Social Media streuen.

    MPF wird von seiner eigenen KI getadelt. Andernorts entfernt ePubli anstößige Schlumpfbilder.

    Die Kaltmamsell schneeschwimmt. Christiane lässt sich derweil vom kiné fit für’s Stand-Up-Paddling machen: Im Januar am Meer.

    ADHS-Diagnose mit 43. WIe sich das anfühlt.

  • 24-01-07 Die Weihnachtscactii blühen wieder (Dunkeljogger)

    24-01-07 Die Weihnachtscactii blühen wieder (Dunkeljogger)

    In den Rebbergen weiden vermehrt Schafe. Das ist schön. Vor allem handelt es sich um Bretonische Bergschafe.

    Der Maienzug ist das Fest der Feste in Aarau. Natürlich findet der Maienzug im Juli statt.

    Morgenradeln durch den Schneefall. Die schweren Flocken im beginnenden Licht sind reizvoll. Ich bin versucht, noch eine halbe Stunde auf die Dämmerung zu warten, um schönes Licht für Schneefallfotos zu haben. Dann fällt mir ein, dass ich ja nicht aus Jux und Dollerei um 7.45h auf dem Fahrrad sitze, sondern um um kurz nach acht ins Taubengehege einzurollern.

    Ich beschränke mich darauf, von der Ossietzkybrücke in den Volkspark hinunter zu schauen und schwarzen Blobs vor dunkelgrauem Hintergrund beim Joggen zuzusehen.

    In ihren Sportsachen fand Madame einen Brief an sich selber.

    Madame kocht Aronia-Steinmarmelade.

    Die Nebenkostenabrechnung 2022 ist weiterhin nicht im Briefkasten: Good news. Selbst falls wir nachzahlen müssten, ist das jetzt „verjährt.“ Schlechte Nachricht: Da 2022 das Jahr war, in dem monatelang das Heißwasser ausgefallen war, bekämen wir vermutlich Geld zurück, wenn denn eine Abrechnungs existierte. Wir haben ja über Monate kein Heißwasser genutzt.

    Mr. Elliot schwärmte von der Elektrotechnikerausbildung, als sie Prozessorbahnen per Hand gesteckt haben und dann am richtigen Flip-Flop jeweils „high“ oder „low“ herauskommen musste.

    Beim Herumlesen im Internet das Programm Obsidian entdeckt. Ein Art Notizapp, die mich spontan anspricht: sieht nett aus, legt Wiki-/Zettelkastenstil-artig großen Wert auf’s Verlinken; die Dateien sind in einem freien Format und die Daten werden auf der lokal Festplatte des jeweiligen Geräts gespeichert.

    Knapp 10 Minuten brauche ich, um zu realisieren: „Lokal gespeichert“ bedeutet „keine Synchronisation zwischen einzelnen Geräten.“ Was gerade bei spontane Notizen misslich sein könnte. Naja, einen gemeinsamen Netzspeicher im Haushalt (aka NAS) wollte ich eh mal einrichten.

    Da meine spärliche Ahnung entweder von lokalen Festplatten an abwärts oder von echten Fileservern an aufwärts geht, finde ich den Michael Seemann/FAZ-Text zum einlesen: Die beste NAS für Einsteiger

    Das Umtopfen provozierte eine zweite Blüte der Weihnachtskaktus.

    Samstagabend: Essen und Oper. Wieder einmal zu Barrie Kosky in die Komische Oper im Aushilfsquartier. Chicago. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andernmal erzählt werden.

    Glitschen in der Gitschiner

    Im Dezember hatte ich versucht, einem Lieferanten begreiflich zu machen, dass dasselbe Büro eine Sommeradresse (über den Freibadeingang) und eine Winteradresse (über den Hallenbadeingang) besitzt. Beide Eingänge liegen an verschiedenen Straßen und sind mehrere hundert Meter voneinander entfernt.

    Jetzt der Feldversuch. In den Weihnachtsferien findet kein Schulschwimmen statt. Für Zivilisten sind die Schwimmbäder länger geöffnet und so kommen ich und die Schwimmhalle Kreuzberg endlich zusammen. Die wurde im August 2021 auf dem Gelände des Prinzenbads als temporärer Bau in Leichtbauweise eröffnet und soll etwa fünf Jahre in Betrieb bleiben.

    Es dauerte mehr als zwei Jahre bis ich dort hinkam. Ein Skandal. Und obwohl ich das mit den Eingängen wusste, sind wir länger durch die Gitschiner Straße geirrt. Auf halber Strecke: Plakate einer anscheinend abgefallener Plakatwand liegen mitten auf dem Bürgersteig. Auf deren Rückseite ergeben Plakatkleister und Regenwasser einen perfekten Schmierfilm. Ich setze einen Fuß darauf und schon liege ich in einer Mischung aus Plakatkleister und Regenwasser.

    Ich rate vom Plakatkleisterrollen ab.

    Wenigstens war ein Schwimmbad mit warmen Duschen nicht weit entfernt.

    Das Bad: Überraschend. Leichtbauweise, klein. So gar kein Schnickschnack. Ein 25-Meter-Becken mit fünf Bahnen, das zum Ende hin flach wird. Sammelumkleiden, ein paar Spinde. Alles sieht leicht improvisiert aus, aber nicht umsympatisch. Die Schuhe bleiben im kleinen Empfangsbereich. Der Weg durch die Kabinen zum Becken verläuft so ähnlich wie in anderen Schwimmbädern. Die ganze Anmutung im Gang erinnert mich an den guten alten DDR-Typenbau Typ „Bitterfeld.“ Aber alles halt in klein und niedlich.

    Überraschend sind die vielen alarmgesichte Türen, die jeweils direkt nach draußen führen. Madame fühlte sich an das University of York Sports Center erinnert: Mensch kann Sport treiben and that’s it.

    Wenn meine Lebenszeiten und die Öffnungszeiten wieder zusammenfinden: Gerne wieder. Generell frage ich mich: Warum nicht mehr davon? Selbst wenn man die Hallen auf 25 Jahre auslegt, kosten die immer noch einen Bruchteil der geplanten Multifunktionsbäder mit alles. Warum nicht lieber 5 bis 10 solcher Hallen in den schwimmbadfreiesten Bezirken?

    Mit Bilders: Ein Video der BBB zur Schwimmhalle.

    Not Broadway

    Poupou fährt Bahn und isst Ente und denkt über den Kongo nach.

    In der Komischen Oper dachte ich mal wieder „Vielleicht doch mal im Leben 10 Tage nach New York und jeden Tag zum Broadway oder Off-Broadway oder Off-Off-Broadway?“ Einfacher wäre London. Julia Pracht gibt Tipps zum Theaterbesuch in London.

    Ein sehr irritierter Amerikaner schaut „Dinner for One.“

    Christa Chorherr über Safes und Safeschlüssel. Falls sie einbrechen wollen: Hinter der Napoleon-Biographie liegt der Schlüssel nicht.