Kategorie: Alltag

  • 24-01-04 Zivile Mittagsdämmerung

    24-01-04 Zivile Mittagsdämmerung

    Das Stadtbad Schöneberg ist geschlossen. Das Stadtbad Tiergarten wird in den nächsten Tagen nach Jahren der Sanierung wiedereröffnen.

    Passend zum Jahresanfang sah ich eine junge Frau, die in Selfie-Position durch den Park joggte. Immer schön den rechten Arm mit dem Handy noch oben ausgestreckt.

    In der Tiefgarage prügeln sich die Tauben um die besten Plätze auf den Autos.

    In der Verwaltung: Die eine Hälfte der Kolleg*innen kommt erholt und motiviert aus der Pause und startet neue Projekte. Die andere Hälfte ist noch im Urlaub. Wie ein Auto, das startet aber noch nicht läuft.

    Was vielleicht eine Metapher für diese Tage ist. Sachen beginnen sich wieder zu bewegen. Aber noch rollen sie nicht von selbst, noch ist Anschieben erforderlich.

    Das Jahr in seiner Morgendämmerung. Passend dazu kommen die Tage über fahles Dämmerlicht nicht hinaus. Ich versuche, wenigstens mittags an Licht zu kommen und wähle die Mittagspausenvarianten mit den längeren Außenzeiten. Aber mehr als ein fröhliches Mausgrau will der Himmel auch zum Sonnenhöchststand nicht zustande bringen.

    Immerhin habe ich mich erfolgreich daran erinnert, dass ich Ende Dezember begann, meine Morgenradarbeitsanfahrt zu ändern. Die neue, längere, Strecke führt über die Stadtparkbrücke, zu JFK, am Kaiser-Richard-Platz vorbei und über die Rote Insel zum Gasometer.

    Langsam, sehr langsam, kommt das Gefühl wieder, jedes Gefälle, jede Straßenunebenheit und jeden Lenkereinschlag schon Sekundenbruchteile vorher im Körpergefühl zu haben. Ich erfasse intuitiv die Stellen an denen nach einer Kurve der Wind von vorne kommen wird.

    Hätte ich den Weg zum Ulllstein Castle vermutlich am Ende auch bei geschlossenen Augen radeln können, geht es auch hier langsam wieder in die Richtung. Aber noch kann ich Monate. eher Jahre, damit verbringen, die Fahrt zu verfeinern.

    Dabei gesehen: Berlin wirkt für den Jahresanfang überraschend aufgeräumt. Die Böller waren bereits alle zu ordentlichen Haufen zusammengekehrt als ich die Straßen und Plätzen passierte.

    Madame erforschte die neue Hausarztpraxis.

    In der BioCompany lernte sie: Der 10%-Rabattkarten-Rabatt gilt nur noch für die Waren, die dem Oktopus des Kaisers gehören. Also quasi für nichts.

    Keine Leuchttürme

    Im Dunkeln noch eine Erledigung vom letzten Jahr. Neben dem leeren geschlossenen Stadtbad Schöneberg liegt der andere schöne Schöneberger Ort: die Stadtbibliothek. Ich brachte Bücher zurück. Während die Theoretische Informatik in ihrer Art recht drollig war, fehlte mir zu „Menschen im Hotel“ die Zeit. Ein nächstes Mal.

    Im Bestseller-Regal entdecke ich den neuen Walter Moers „Die Insel der Tausend Leuchttürme“. Selbst ohne Meer- und Leuchtturmbezug würde ich den dringend lesen wollen. Aber die Bedingungen („Keine Vormerkung, keine Verlängerung“) halten mich ab. Ich sehe nicht, wann ich in den nächsten vierzehn Tagen 656 Seiten Buch durchlesen kann.

    Während ich schon vor Ort war, hielt ich Ausschau nach einem möglichen Lern- und Arbeitsplatz. An sich ist das meine bevorzugte Atmosphäre zum Lernen. Allein – in Ruhe – aber mir einem leichten Grundrauschen im Hintergrund. Wenn ich hochschaue, gibt es etwas zu sehen.

    Jahrelange Sozialisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken zeigt sich: Ich fühle mich körperlich unwohl, wenn ich mit Jacke und Tasche in den Lesesaal gehe. Aber in der hiesigen Stadtbibliothek ist das halt so.

    Madame bestellte derweil einen Ersatz zum Hören.

    Räume, klein und kalt

    Die fast-fertig-gelesenen „Orwell’s Roses“ sind im Reisetrubel untergegangen. Stattdessen las ich Kübra Gümüşays „Sprache und sein“ weiter. Der Spiegel-Bestseller-Aufkleber auf einem politischen Buch machte mich skeptisch. Aber zum Glück ließ ich mich zum Lesen überreden. Zumindest der erste Teil des Buchs sagt schöne Sachen über Sprache, Debattenkultur und die Konstruktion von Schubladen.

    Irgendwann verfällt das Buch selber in konfrontative Debattenkultur, indem es sich Dauer-wiederholt und sich quasi in seine eigene Argumentation eingräbt. Aber alleine die Hommage an die türkische Sprache und das Sehnen nach Differenz – alleine das lohnt.

    Anke Gröner über altes Amerikanisch: 1. Januar 2024

    Auf Borkum steigt die Flut.

    Frau Herzbruch wohnt in einem 120 Jahren alten Altbau mit einer defekten Heizung – Was tun im Jahre 2024? mit Fortsetzung am nächsten Tag. (Und Kommentar in den Kommentaren: Preiswerteste Heizlösung derzeit: IKEA-Teelichter).

    Lila Haus ist warm, steht aber Zielgebiet von Hisbollah-Raketen: Eloge auf ein kleines Zimmer. Sie schreibt über drei Monate Krieg: Zeit, Zeit, Zeit

  • 24-01-02 Cointreau, Eierlikör, Blaubeere, Ingwer-Orange

    24-01-02 Cointreau, Eierlikör, Blaubeere, Ingwer-Orange

    Sargassum ist die Alge des Jahres 2024.

    Ausweislich des Altpapiercontainers bekamen die Nachbarn Bluetooth-Lautsprecher zu Weihnachten.

    Als wir am 1. Januar im letzten Tageslicht die Wohnung betraten war nichts in der Gegend abgebrannt und auf dem Balkon lagen keine Raketenreste. Das ist nicht selbstverständlich, aber erfreulich.

    Johann Mayer hatte eine extra Abholstation für vorbestellte Pfannkuchen eingerichtet. Aus dem Hof kamen im Halbminutentakt Menschen mit großen Boxen auf dem Arm.

    Die College-Football-Playoffs begannen: Alabama 20 vs Michigan 27 und Texas 31 vs Washington 37. Damit ist Alabama schon wieder raus.

    Die Qualifikation zu den Playoffs läuft nicht über rein sportliche Kriterien. Tatsächlich bestimmt ein Kommittee die Teilnehmer. Und dabei spielen neben der sportlichen Leistung auch die Stellung des Mondes, althergebrachte Vorurteile, das Lieblingsteam des Sohnes eines Teilnehmers und zehn andere Kriterien die Teilnahme.

    Alabama war eigentlich viel zu schlecht dieses Jahr. Eigentlich dominierten die Georgia Bulldogs wieder einmal alle Ligen. Nur verloren die Bulldogs das allerletzte Spiel unglücklich gegen Alabama. Und hups, war Alabama unter wilden Diskussionen in den Playoffs. Und ist gleich wieder raus.

    Neujahr bedeutete: Abgelaufene Gutscheine aus Coronazeiten wegwerfen und diese innerlich als Kulturunterstützung verbuchen.

    Haus am See

    Überraschende Erkenntnis: Wir wohnen auf einem Seegrundstück. Umso überraschender, da wir uns dort schon einige Jahre aufhalten. Nur der See ist neu. Der Mais-Acker hinter den Latifundien enthält immer mal wieder eine größere Pfütze. In einigen Jahren nahm diese auch das Format „Tümpel“ an. Aber dass dort ein ausgewachsener See liegt, ist neu.

    Der Kaptain kündigte einen sofortigen Besuch mit Liegestuhl und Büchern an.

    Schön: Das Feuerwerk der Nachbarn spiegelte sich sehr picturesque im See.

    Schön: Andere Menschen müssen Seehund-Eisrobben-Clubs gründen, um zum neujährlichen Eisbaden zu kommen. Bei mir reichte das Abdrehen des Bungalow-Wassers. Der Haupthahn liegt in einem Schacht. Dieser Schacht wiederum war hüfttief mit winterlichem Wasser gefüllt. So super für den Kreislauf.

    Abgesehen von unserer permanenten Wochentagsverwirrung gestaltete sich Silvester as every year. Teelicht-Raclette mit gebackenem Gemüse, Lesen, Musik hören. Gegen 22 Uhr beginnt die Schläfrigkeit, gegen 24 Uhr stoßen wir mit dem geöffneten Rotwein an und schauen das Feuerwerk der Nachbarn. Mit Götz Alsmann und dem Deutschlandfunk geht es schnell ins Bett.

    Madame las Lili Grüns „Junge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit …“ und Manfred Krugs „Ich bin zu zart für diese Welt“ und empfiehlt beides. Ich las weiter in Rebecca Solnits „Orwell’s Roses„, das Klimawandel, Natur-und-Politik, Stalin, Tina Modotti, Orwell-als-Vater, den spanischen Bürgerkrieg und Emma Goldmann streift. Weiterhin ein Buch, das ich gerne geschrieben haben würden möchte und damit natürlich mehr als nur eine Empfehlung.

    Die Fernuniskripte machten nur geringe Fortschritte. Recht früh begannen wir mit dem Sekt und danach war an Mathe-Verständnis nicht mehr zu denken.

    Zum Feuerwerk aßen wir die Pfannkuchen Cointreau und Eierlikör, am Nachmittag des Neujahrstags dann Blaubeere und Ingwer-Orange.

    Jahresmotto 2024: Pogo-stick

    Allüberall auf den Blogspitzen sehe ich Jahresrückblicke sitzen. Als Leser bin ich überfordert und kann nicht mehr auswählen. Am erschreckendsten/beeindruckendsten/überraschendsten das Konvolut aus 337 Jahresrückblicken epischer Länge, die mittels betreutem Bloggen entstanden sind. Formal sind sie dank der Betreuung alle sehr ähnlich, inhaltlich doch sehr verschieden, wenn auch mit starken Schwerpunkt auf das Leben als beginnende Coach-Solo-Shepreneurin.

    Dort lernte ich: Das Jahr braucht ein Motto. Das gebe ich doch gerne. Das Jahresmotto 2024 lautet Pogo-Stick. Mehr Details in Annex D.

    Was war so in 2023:

    • Das Jahr Klimakatastrophe kicked in. Um uns persönlich zog sie dieses Jahr einen Bogen. Diverse Hitze- und Waldbrand-Meldungen aus zum Beispiel Kanada oder Südeuropa hätte sich vor 15 Jahren nicht mal ein Klimawandel-Fernsehspiel getraut, weil es zu drastisch gewirkt hätte.
    • Fünf Klausuren bestanden (und damit eine mehr als der Studienplan vorsieht. Yeah!)
    • Überhaupt die Endgegner-Klausur „Algorithmische Mathematik“ überstanden.
    • Wir beiden hatten am 31. Dezember denselben Arbeitsvertrag bezogen auf den selben Arbeitsort wie am 1. Januar des Jahres. Das kam seit 2018 nicht mehr vor.
    • Madames Armbruch überstanden.
    • Neun Tage in Polen plus drei Tage in Polen,
    • Soviel Zug gefahren wie seit 2013 nicht mehr.
    • Dadurch übernachtet in 9 Bundesländern und 4 Woiwodschaften.
    • Soviel Präsenz-Kultur wie seit dem Studium nicht mehr.
    • Madame bekam lebenslänglich.
    • Ein Dithmarscher Wohnzimmer unter Wasser.
    • Eine Dezember-Geburtstagsfeier
    • Eine spektakuläre Hochzeit
    • Keine teuren Schäden am Subaru, nur ein arg unpassender.
    • DER MASTERPLAN entstand.
    • B->HEI (Pfingsten, Advent), HEI->OHV (Geburtstag), B->LÖ (Ostern, Weihnachten), LÖ->OHV (Sommer).
    • Der Angriff auf die Ukraine geht weiter. Polen wählt die PiS ab. Ein Hamas-Pogrom neben dem Gazastreifen.

    Und 2024 könnte kommen:

    • Sieben Klausuren (ohne Endgegner vermutlich) und die Anmeldung zu DEM SEMINAR.
    • Eine Zitronenpresse-Veröffentlichung (wobei ich mir zeitnah überlegen sollte was für eine).
    • Am 1. Mai das zweijährige BBB-Jubiläum und damit der Zeitpunkt, an dem ich mir Gedanken machen wollte, ob das eigentlich eine gute Idee ist.
    • Mit dem Zug von Lettland nach Litauen.
    • Eine goldene Hochzeit.
    • Weiterhin die Suche nach einem Bildungsurlaub der weder „resilientes Waldbaden“ noch „Kulturbusfahren mit pensioniertem Erdkundelehrer“ ist.
    • Mehr in AnnexD.

    Steak Bake

    Während ich Rebecca Solnit über „Bread and Roses“ las, die die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit und das notwendige „mehr“, die metaphorischen Rosen, las, starb Torsun (Egotronic), „der Erfinder der hedonistischen linksradikalen Tanzfläche“. Linus Volkmann schrieb einen Nachruf.

    McDonalds ist nicht mehr der beliebteste Frühstücksort der Briten. Es ist nun Greggs: How a Super Affordable Bakery Chain Became a British Culinary Icon

    Das Rezept des World Famous Greggs Steak Bake: STEAK OUT Greggs has now revealed the exact recipe of their famous steak bakes & people in lockdown are desperate to try them

    Regisseur John McTierman zum Thema „Ist Die Hard ein Weihnachtsfilm?“ Den Kaptain wird freuen, dass McTierman sich auf „Ist das Leben nicht schön?“ bezieht? (Warning: McTiermans amerikanisches Englisch ist selbst für US-English sozialisierte nicht ganz einfach zu verstehen).

  • 23-12-30 Stallhalbschlafe

    23-12-30 Stallhalbschlafe

    Rombitombi findet nicht mehr nach Hause, sondern verkriecht sich beim Blauen Sessel bis die Batterien alle sind.

    Vielleicht verbringe ich die Zeit bis Mitte April durchgehend auf dem Schaukelschaf mit dem neuen Fell und höre Italopop.

    Nachdem wir uns irgendwie bis zum Jahresende durchgeschleppt hatten, taten mir drei Tage des Herumschlumpfens in der Wohnung gut.

    Die IT-Stallwache war den Umständen entsprechend gut besetzt, so dass ich den traditionellen (im)mobilen Donnerstag in der Wohnung bleiben konnte. Meine Tätigkeiten konnte ich aus der Ferne lenken und renken. Freitag kam es gar zu seinem Rest-Team-Mittagessen in der Verwaltung. Wenn alle Anwesenden im Flur mitessen, stört sich auch niemand am Geruch.

    Und wie fast jedes Quartal: Das Monatsende bringt Abschiede. Mit dem tapferen Kollegen P, der bis Freitag, 29. Dezember 15:00h arbeitete.

    Madame signalisierte den Brüllenblick aus Basel Bad während sie auf ICE106 wartete.

    (Angeblich eine Zugnummer Österreich-Deutschland. DU IRRST, Wikipedia!)

    Sonst nur Exkursionen zum Tanken (Holla! 1,12€ für Autogas. Das ist viel.) und zum Einkaufen. Ich hatte mich von der leeren Stadt in die Irre führen lassen, hatte gehofft die meisten Menschen haben frei und gehen Freitag vor der Feierabendzeit in den Supermarkt.

    Welch Illtum! Das Chaos blieb allerdings freundlich. Nur im Drogeriemarkt („Hier bin ich Mensch – hier kauf ich ein“) lagen die Nerven blank und die Kundinnen ließen ein best of an passiv-aggressiver Beschimpfung hören.

    Beim Hochschleppen bemerkt: Energie- und Konditionslevel ist noch lange nicht wieder auf Vor- Erkältungsniveau. Aber ich kam an.

    Es gelang mir im Chaos, Rote Beete, Sellerie und Rosenkohl zu erbeuten, die sich je nach Wetter und Laune in Gemüsesuppe oder Wintergrillgemüse verwandeln werden lassen. Vielleicht holen wir morgen früh noch Pfannkuchen. Johann Mayer hat von 8 bis 12:30h geöffnet.

    Re dei Pirati

    Im-Internet-Rumschlumpf-Wiederentdeckung. Ich staune, wie sehr Horoskope und Astrologie sich als „Human Design“ wiedererfunden haben und fröhlich ihren Siegeszug in der Coachingszene antreten.

    Rumschlumpftgerecht befindet sich das Netflix-Abo in seiner winterlichen Aktivphase. Ich nutzte es, um Mixed by Erry zu sehen. (In italienischer Aussprache bitte, beide „e“ gesprochen und betont. Ein weiteres gesprochenes „e“ hinter dem Ypsilon schadet auch nicht.)

    Eine nette italienische Drama-Komödie „nach einer wahren Geschichte.“ Drei (im realen Leben: vier) Brüder aus Neapel raubkopieren Mixtapes mit allen Hits der 1980er und frühen 1990er. Zeitweise sind sie damit eines der erfolgreichsten Plattenlabels Italiens. Sie haben einen derartigen Ruf, dass andere Piraten nicht die Originale kopieren, sondern „Mixed by Erry.“ Der Spaß endet als Mitte der 1990er andere Plattenlabel und der Staat beginnen, Raubkopien ernst zu nehmen und entschlossen dagegen vorzugehen.

    Der Film bietet viel 80er-Nostalgie für ein italienischen Publikum, 80er-Nostalgie und Italien-Sehnsucht für ein deutsches. Der Guardian hat einen guten Artikel zum Hintergrund: ‘I was the Spotify of the 1980s!’

    Mein Versuch, endlich einmal Die Hard zu sehen und die Frage zu ergründen „Warum ist das ein Weihnachtsfilm?“ scheiterte. Kein Die Hard bei Netflix. In der Rubrik „ähnliche Filme“ wurde mir „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ vorgeschlagen.

    Birewegge Chnote Dim Sum

    Für die Feiertage mit Zeit zum Kaninchenlochen: Die Wissenschaftsredaktion des Atlantic: Science Facts that blew our Mind 2023 (ohne Paywall) .

    Würzbutter Café des Paris wäre eine Idee für 2024. Und Crêpes Suzette natürlich. Sie stehen schon lange auf der Liste.

    Eine Newsjunkie betreibt zum Jahreswechsel Schweige-Exerzitien.

    Die Königin des Schweizer-Italienisch-Asiatischen Pastafaltens mit ihrem Jahresrückblick: Pane Bistecca: Foodblogbilanz 2023.

    Kellerkind in Travemünde.

  • 23-12-28 Orwells Rosen leben noch

    23-12-28 Orwells Rosen leben noch

    Sonne – Wasser- frische Kakis vom Baum – ab dem zweiten Weihnachtstag begann die vorsichtige Rückwendung zur Welt da draußen.

    Die große Tischplatte verschwand wieder im Keller.

    Nach dem Bahnenziehen im Hallenbad Lörrach stellte ich fest, noch nie die legendäre Hauptstraße Weil am Rhein gesehen zu haben. Wir stiegen spontan vor dem Hallenbad in den Bus, passierten zwei Staatsgrenzen, stiegen wieder aus und wanderten die Hauptstraße ab – vom Leinen-Fachgeschäft und dem Märklin-Laden bis hin zu dutzendweise türkischen und chinesischen Restaurants, badischen Fleischereien und Bäckern. Die Schweiz is near.

    Am Ende der Straße liegen Kaufring, der Endpunkt der Basler Tram und der traurige Abstieg zum Bahnhof. Einst der wichtigste (Güter-)bahnhof in hunderten Kilometern Umkreis, der Weil zur Eisenbahnerstadt machte. Und jetzt, zwei traurige Gleise, kaum auffindbar, an denen gelegentlich mal eine S-Bahn oder ein Regio hält.

    Die S5 brachte uns zurück nach Lörrach Grand Central.

    Rombitombi stieß sich den Kopf am Klavierpedal.

    Mannheim ist laut Bahnhof Mannheim eine „Eishockeystadt.“

    Kurz fasste ich den Plan, Silvester und Neujahr kein Uni-Skript anzuschauen, denn es ist Feiertag. Dann dachte ich: „Bin ich bescheuert? Mir macht das ja Spaß. Mir Spaß entsagen, weil Feiertag ist. Soweit kommt’s noch.“

    Die Deutsche Bahn is on a run. Auf meiner Rückfahrt war wie immer der physische Zug defekt, der die deutsch-Schweizer-Grenze überqueren sollte. Aber die Bahn war in der Lage, rechtzeitig fahrenden Ersatz bereitzustellen. Gar als Uprade sehe ich es, dass meine IC-Fahrkarte Basel-Mannheim nun von einer ICE-Garnitur bedient wurde. (IC2870 – Ad-hoc-Zug ersetzte EC6 – Deutschland-Schweiz)

    Ab Mannheim ging es weiter wie gebucht. Ich hatte mir für insgesamt 62 Euro (mit Reservierung; ohne Rotwein) des Luxus eines 1-Klasse-Supersparpreises Basel-Bad->Südkreuz geleistet und Rotwein-an-den-Sitz im ICE594 (Linie 11 ICE München–Stuttgart–Frankfurt–Erfurt–Berlin); daran könnte ich mich gewöhnen.

    Vorher aber galt es, Weihnachten fertig zu feiern. Mit Kuchenresten, Hühnerfrikassee in Pastetchen, gemeinsamem Youtube-sehen und dem Empfang weiterer Familienteile, die auf ihrem eigenen Feierrückweg im Markgräflerland vorbeischauten.

    Billet – Nicht-Billet – Fast-Billet

    Nach Weil brachte uns das Deutschlandticket. Ich schätze es, irgendwo in Deutschland an einer Bushaltestelle zu stehen, zu denken „Ach, wäre praktisch“. Und weder muss ich ergründen welche Tarifzonen der Bus passieren wird, noch ob die Fahrerin mir überhaupt gegen Bargeld ein Ticket verkauft, noch sonstwas. Sehr sehr schön.

    Auch schön: Das erste Mal seit Umstellung der DB-App funktionierte mein Komfort-Check-Inn.

    Weniger Erfolg mit den Tickets, hatte ein Gast in meinem ICE. Der Zugbegleiter, unweihnachtlich-streng orientiert, ließ den Gast in Erfurt von 4 Bundespolizist*innen aus dem Zug hinausbegleiten. Der Versuch, mit dem „Screenshot eines abgelaufenen Deutschlandtickets“ unbemerkt 1. Klasse ICE zu fahren, war vielleicht doch zu sportlich. Da kein Ausweis = Polizei.

    Kurz vor Berlin das nächste Zugbegleiterdrama. Zwei Personen hatten versucht, Bahnbonus-Punkte in Freifahrten umzuwechseln. Soweit ich der Diskussion gewahr wurde, hatten sie bezahlt, aber formal nicht korrekt gebucht. Folge: Eine von beiden hatte technisch kein gültiges Ticket. Zugbegleiter 1 hat es nicht bemerkt (bemerken wollen) und die beiden eingecheckt.

    Bei allen weiteren Konrollen galten ihre Plätze als „schon kontrolliert“. Kein Problem.

    Hinter Leipzig leerte sich der Zug. Eine der beiden Personen setzte sich auf einen anderen Platz. Das provozierte eine neue Kontrolle. Ergebnis: Ungültiges Ticket. Großes Drama. Der Zugbegleiter wollte „nur“ die Daten aufnehmen und das ganze wegen „ist kompliziert und wir sind in 10 Minuten in Berlin“ zur Entscheidung an die Zentrale weitergeben. Die beiden Fahrenden fühlten sich des Schwarzfahrens bezichtigt und waren entsprechend aufgewühlt.

    Ich dachte gleichzeitig „Ey, Weihnachten. 22:30h; kein böser Wille; in 20 Minuten ist der Zug am Endbahnhof. Die beiden sitzen problemlos seit Stuttgart im Zug. Ein Auge zudrücken?“ und „Ey, ihr habt genug Bahnbonus-Punkte für zwei 1.-Klasse-Freifahrten quer durch Deutschland; da darf man auch ein bißchen Bahn-Erfahrung und -Kompetenz bei der Buchung erwarten.“

    Ein weiterer Fahrgast sprach den Auge-Zudrücken-Gedanken laut aus, und alles eskalierte noch weiter.

    *Der Autor seufzt*

    Die Pfeife fehlte

    Wenn nicht Sitz-externes Drama meine Aufmerksamkeit auf sich zog, schaltete ich gelegentlich das Handy live. Und ab Fulda trötete jedes mal eine neue Katwarn-Hochwassermeldung eines anderen Landkreises auf. Wasser sah ich keines, Nachts ist es dunkler als draußen.

    Untrötend konnte ich bei den Nachbarn linsen. Es wurde gelesen: ich konnte drei Sitze einsehen, auf dreien war ein Buch in Nutzung: (1) Das dritte Herz des Oktopus (2) School of Life (3) 1984.

    Auch ich las:

    • „Spektrum der Wissenschaft“ (u.a. wie man an zufällig bekannten Seriennummern die Gesamtgröße einer Serie abschätzen kann. Auch online: German Tank Problem).
    • Natürlich das Mathe-Skript. Über die Feiertage hatte ich, vom Flow überströmt, teilweise drei, vier Seiten am Stück gelesen und fand das schon beim Lesen suspekt. Es zeigte sich: natürlich blieben Lücken. Also backtracking im gewohnten Tempo: eine Seite lesen. Dann mindestens 20 Minuten die Konzentrationsfähigkeit regenieren. So zockelte ich durch die Homomorphismen.
    • Das Theoretische-Informatik-Buch. Da das „extern“ und nicht prüfungsrelevant ist, erlaube ich mir hier schnelleres Lesen auf Lücke. Immerhin brachte es die schöne Formel:

    |- (A -> ((A -> A) -> A)) -> ((A -> (A -> A)) -> (A -> A))

    • (Ein Teil einer formalen Fingerübung für das Hilbert-Kalkül, mit dem hier nachgewiesen wird, dass der Satz „Wenn A, dann A – formal: A -> A“ allgemeingültig ist.)
    • Vor allem las ich Orwell’s Roses. Essays über George Orwell, Gärtnern, Rosen, Orwell und Gärtnern, Gärtnern und Schreiben, Schreiben-als-Beruf, Nazis, Sozialismus und Cox Orange. In anderen Worten: ein Buch von dem ich wünschte, ich hätte es geschrieben haben würden. Leider bin ich schon an dem Punkt, an dem ich Angst habe, weiter zu lesen, DENN DANN IST ES JA BALD ZU ENDE!!!
    • Auch mit Zitat: „Most of writing is thinking, not typing.“ Bestärkt meinen Vorsatz für 2024, mehr Zeit und Gelegenheit zum Denken und Träumen zu finden.

    Silent night, lonely night

    Kurz hatte im Raum gestanden, dass wir den Freiluft-Weihnachtsgottesdienst in Stetten besuchen. Was nicht passierte. Aber ein Blogbeitrag zum Gottesdienst existiert dennoch: So war mein Weihnachten 2023, ein Open Air Gottesdienst

    Weihnachten allein versus Weihnachten einsam: So, 24.12.2023 – Holynight

    Von selbstgeschaffenen Weihnachtstraditionen: Weihnachten und die Weihnachtszeit bei den Farnientes

    Heiligabend mit Turkuer Friedensgruß: Heiligabend 2023

    Schon einen Schritt weiter beim Thema Jahresrückblick. Rezepte nach CO2: Foodblog-Bilanz 2023: Das Jahr bei Klimafreundlicher Kochen

    Der heutige Beitrag zum Thema „Ey, Berlin, WTF?“:

    Seit vielen Jahren gibt es die Forderung, den Nahverkehr auf der Straße zu beschleunigen. Warum hat sich so wenig getan?
    Ich weiß es selbst nicht. 2006 wurden für die Fußballweltmeisterschaft Vorrangschaltungen für die Straßenbahn abgeschaltet. Das sollte damals nur für das Turnier gelten. Doch die Vorrangschaltungen sind bis heute nicht wieder alle in Betrieb. Das ist einfach absurd

    Ganzes Tagesspiegel-(Paywall)-Interview: Experte rechnet mit Berlins Verkehrspolitik ab: „Der Fokus auf das Fahrrad macht Dinge kaputt“

  • 23-12-26 et gloriam plebis tuae Israhel

    23-12-26 et gloriam plebis tuae Israhel

    Merken: Der Ausziehtisch im Aquazimmer lässt sich bedienen, indem erst auf der einen Seite (Richtung Straße) die Verriegelung gelöst wird. Dann Beine und Gestell (nicht die Platte) herausziehen. Die Verlängerungs-Platte aus dem Unterboden heben und in das Gestell einsetzen.

    Traditionelle Familienspiele zeichnen sich dadurch aus, dass die Spielmarken aus Inflationsmünzen von 1923 bestehen. Der persönliche Einsatz lag bei 32000 Reichsmark. Drumherum Käsefondue (Variante Gruyere, nicht Vacherin), Feuerwehrkuchen, Kartoffelsalat.

    Die Rollschuhtãnzerin gewann mit einer Mariage. Passend: Sie hatte das Hochzeitsfotobuch mitgebracht.

    Ausgleich für die Badewanne und 10 Kilo Kartoffeln..

    Geschenke: Damaskus – Paula – Zwetschgen – Wolken. Mehr Details in Annex D [unveröffentlicht].

    In den Leerzeiten: Isomorphe Vektorrãume.

    Verdauung mit Hilfe des Hallenbads Lörrach. Dort Badisch-Berliner Bekanntschaft getroffen.

    Madames gebraucht-Airpods heißen anscheinend Hans-Peter.

    Aus dem Bekanntenkreis zweiter Hand: ICE-Rãumung auf der Fahrt nach Göttingen

    Der Zug den ich zur Rückfahrt zu nehmen plane, fiel die letzten beiden Tage aus. Bleibt spannend. Immerhin werde ich auf der Rückfahrt das erste Geschenk „Orwell’s Roses“ von Rebecca Solnit lesen.

    Gloria in excelsis Die Hard

    So viele Gottesdienste, so viel Auswahl: Von Krippenspiel über Musical und Gospel-Gottesdienst bis hin zur Mitternachtsmesse. Wir entschieden uns für den „normalen Gottesdienst“ um 18 Uhr.

    Dank Kirchenrenovierung wurde im Gemeindesaal gegottesdienstet.

    Mich erinnerte es an die Kindheit, in der die Gemeinde im Neubaugebiet immer Wichtigeres wollte, als ein Kirchengebãude zu errichten – meine komplette evangelische Sozialisation fand in einem Gemeindesaal statt.

    Nebeneffekt: Dank großer Fensterfront im Saal und großer Fensterfront und großem Fernseher im Nachbarhaus, konnte bei Bedarf auch ohne Ton der Actionfilm geschaut werden, der beim Nachbarn im Fernseher lief.

    Predigt über Simeon und die Tugend des Wartens. Wem dieser Teil der Weihnachtsgeschichte nicht mehr präsent ist: Simeon ist ein alter, frommer Jude, dem von Gott versprochen worden war, er werde den Heiland noch vor seinem Tod sehen.

    Und am Tag kurz nach Jesu Geburt, wurde Jesu in den Tempel gebracht und Gott Gebot Simeon auch in den Tempel. Und Voila, versprechen gehalten.

    Das Wort, dass ich neben dem Warten noch in dieser Predigt erwartet hãtte, wãre Demut gewesen – auch ein zentrales christliches Konzept.

    Vielleicht nicht einmal als Demut vor Gott, aber als Demut im Wissen um die eigene Begrenztheit. Das würde einiges an menschlichem Zusammenleben erleichtern. Und vielleicht den einen oder die andere auch psychisch entlasten, wenn klar ist, dass der Zustand der Menschheit nicht an einem selber hängt.

    Un-Demut

    Das klassische Gegenteil von Demut ist der Stolz. Nahe heran kommt die Rechthaberei. Christa Chorherr zum Thema: Rechthaberei bitte rechtzeitig im Leben ablegen: Un-weihnachtliche Überlegungen.

    Auch un-weihnachtlich: Ein Jahr Arbeitsamt.

    Weihnachtlicher: Herr Raus Weihnachtskrippe.

    Westfãlischer Grünkohl. Eins und zwei.

  • 23-12-24 Urbilder; eine Zugreise

    23-12-24 Urbilder; eine Zugreise

    The Arbeitsyear ended with a bang.

    Nach genau einem Jahr verließ uns die Büropflanze wieder.

    (Kein Zusammengang).

    Kellerkind fuhr Ende der Woche an die Ostsee. Mit doppelter ICE-Räumung.

    Unsere Bahnhofserlebnisse blieben friedlicher. Freitag der Coca-Cola-Zug. Wenn der schon direkt neben der Verwaltung am Gleis steht, dann will ich den auch sehen.

    Samstag die Frau, die den Bahnsteig entlang sprintete, um recht professionell jedes S-Bahn-Graffiti zu fotografieren. Optisch wãre sowohl Szene-Mitglied wie auch schlecht bezahlte Bahn-Hilfskraft denkbar. Vielleicht auch beides.

    Geschenkübergaben- Abensessen mit Zia benessere und Zio macchina bei Ente Vindaloo und Butter Chicken. Nach halbem Mahl hagelte es, dann donnerte es und dann fielen 10 Zentimeter Schnee. Das kam überraschend.

    Auf dem Heimweg durch Berlin-Innenstadt überholten uns zwei gallopierende Füchse. Das kam überraschend.

    Die Deutsche Bahn zeigte sich fahrtechnisch von ihrer besten Seite. Dank ICE599 (Südkreuz-Frankfurt) und ICE77 (Frankfurt-Basel) kamen wir fast komplikationsfrei an. Der abschließende Gepäcksprint zur S-Bahn in Basel (2 Bahnsteige weiter links in 90 Sekunden) nahmen wir als Erlebnisabschluss nach langem Sitzen.

    Auf nebenliegenden Vierern freundeten sich verschiedenen allein reisende Damen miteinander an. Nach allgemeinen Gesprãchen über Politik (keine Nazis, keine Querdenkerinnen), folgten Gesundheitstipps und schließlich Lebensgeschichren. Es sprach die weißhaarige ehemalige Chemie-Ingeneurin mit der Charité-Medizinstudentin. Irgendwie niedlich die Frau, die jeden Sommer mit ihrer Mutter mit der Fähre in deren Geburtsland Litauen fährt und jetzt gleich zum Studium an den Fãhr-Abfahrtsort nach Kiel zog.

    Um etwa 2030 Ankunft im Weihnachtsdomizil. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

    Hilberts Hotel

    Madame las auf Platz 112 in Wagen 3 Rebecca Solnits Men explain things to me und kann es sehr empfehlen.

    Ich hatte Skripte mitgenommen. Im Matheskript (Aktuell: Vektorrãume, ihre Dimensionen, Erzeugungssysteme und Basen) lese ich weiterhin im Tempo: 2 Seiten, dann 30 Minuten Pause zum erholen.

    Deshalb hatte ich noch ein Gut-Glück-Bibliotheksbuch mitgenommen: Theoretische Informatik. Das wirkt auf den ersten Blick harmloser, das Layout ist eher Schulbuch als wissenschaftlicher Text, der Autor ist definitiv schwatzhafter als die Skript-Schreibenden, aber dann geht es doch schnell zur Sache.

    Und schon wieder ein Kapitel Mathe. Hallo Mengen, hallo Abbilder, Urbilder und Bilder allgemein.Gallo Mächtigkeit und Kardinalitãt.

    Der Themenkomplex ist so grundlegend. Vermutlich kann mensch es wirklich nicht ist genug wiederholen.

    Und am Ende das Hilbert-Hotel mit unendlich vielen Zimmern, die alle belegt sind. Dann kommt ein Hilbert-Bus mit unendlich vielen Busreisenden, die alle ein Zimmer benötigen – wo bringen Sie sie unter?

    Honigparadies Bielefeld

    Ich entdeckte die großartige Welt der Zugnummern.

    Lila im Norden von Israel.

    Frau Rabe erfreut sich an Supermãrkten.

    Wenn die Rettung im Cabrio kommt und Hawaii-Hemd trägt (von der Bedeutung deutlicher Aussprache).

    „Gruß an Bord“: Weihnachts-Botschaften für Seeleute in aller Welt – wird 70.

  • 23-12-19 Käsekrakauer im Nordseewind

    23-12-19 Käsekrakauer im Nordseewind

    Madame spielte Sabrina Setlurs „Nur mir„. Damit erfreute sie eine Gruppe älterer Damen.

    Die Schlafkur am Wochenende half. Das erste Mal seit etwa 10 Tagen hatte ich in der Mittagspause genug Energie, um die Verwaltung zu verlassen. Es ergab sich gut, dass ich endlich auch wieder Fahrradfahren darf.

    Der Matrose folgt auf Humboldts Spuren.

    Ex-Fisch-Beckmann in Heide Innenstadt ist jetzt die Pizzeria Layla.

    Die Mini-Judoka im ehemaligen Elite Kickboxing stellten sich als Mini-Karateka heraus. So mini wie sie sind, sehe ich noch keinen sportlichen Unterschied. Ein Schild im Fenster informiert mich. Außerdem gibt es noch MMA und Stretching. Vielleicht doch keine Zwischenlösung.

    Ein anderes Schild informiert mich, dass die Hausarztpraxis umzieht. Von „einmal um die Ecke schlurfen“ hin zu „Einmal um die Ecke schlurfen, in den Bus steigen, acht Stationen fahren.“ Da ich dort normalerweise hinschlurfe, wenn mich jeder Schritt an den Rand meiner Kräfte bringt, ist das keine gute Nachricht. Wir vermuten, dass der Arzt in Rente geht und bereits seit Monaten daran arbeitet, einen fließenden Übergang zur Nachfolgepraxis herzustellen.

    Mein Mathematik-Skript-Tempo verbleibt im Modus „gemütliche Schnecke.“ Aber es erscheint mir sinnvoll. Auf der Zugfahrt las ich die Theoretische Informatik, die hält ähnlich denkt und formuliert wie die Mathematik, und an ein paar entscheidenden Stellen machte es „Klick. Soo ist das also gemeint.“

    Die Kaptains-Rückfahrt verlief erfreulich ereignislos.

    Einmal täuschte die Bahn kurz an: „Streckensperrung zwischen Elmshorn und Hamburg. Wir verbleiben in Elmshorn.“ Ich erschrak. Mit einer kurzzeitigen Streckensperrung zwischen Hamburg und Elmshorn begann meine bizarrsten Bahnepisode 2023. Aber es ging sechs Minuten später komplikationsfrei weiter.

    Insbesondere den ICE699 zwischen Altona und Südkreuz kann ich sehr empfehlen. Er fuhr. Mit dem physischen Zug, der vorgesehen war und alle erforderlichen Waggons enthielt. In der richtigen Reihenfolge. Pünktlich! Er war fast leer. Das Bistro funktionierte. Der freundliche junge Mann, der mir Rotwein brachte, hatte sogar ein Glas dabei. Krasses Erlebnis. Ich fahre nur noch ICE699.

    Paranoid geplante Umsteigezeiten führen zu langen Bahnhofsaufenthalten. Zum Glück hat Hamburg-Altona einen Premium-Presseshop. Ich weiß jetzt unter anderem, dass es ein offizielles Magazin für den „Landwirtschafts-Simulator“ gibt und eine Landwirtschaftssimulator-Con mit 1500 Teilnehmer*innen.

    Außerdem die Zeitschrift mit dem schlechten Wortspiel des Jahres „VANderlust.“ Irgendwie fand ich romantisches Reisen bewunderungswürdiger, als man dafür noch nicht Auto fuhr.

    Aus dem RE6.

    L’altro Natale

    Wir schlenderten über den Weihnachtsmarkt in Heide, der „Marktstadt im Nordseewind.“ Der Kaptain fand den Markt zu klein, aber die Marktstadt ist ja auch eine Kleinstadt. Ich fand ihn gelungen; schöner als in manch anderem Jahr. Der Traditionalist in mir freute sich, dass er – auch anders als in manch anderem Jahr – ordnungsgemäß an Weihnachten enden wird.

    Der Teilzeitnordseebewohner in mir freute sich, dass Krabbenkutter Andrea auch einen Stand hatte. Krabbenkutter Andrea bot unter dem beleuchteten Rentier Krabbenpasta und Krabbenbrötchen.

    Die obligatorische Weihnachtsmarktbratwurst verwandelte sich dieses Jahr in eine Käsekrakauer.

    Überhaupt: In den Weihnachtsvorbereitungen hängen wir gegenüber anderen Jahre deutlich hinterher (Weihnachtskarten? Was ist das?), aber so „in der Adventszeit sein“ nahm ich mehr mit. Vier Weihnachtsmarktdurchquerungen wenn ich richtig zähle!

    Es gibt dieses Spiel, möglichst lange durch die Adventszeit kommt, ohne „Last Christmas“ zu hören. (Siehe FAZ: Whamageddon-Challenge : Bloß nicht „Last Christmas“!)

    Es gab Jahre, in denen fragte ich mich, wo da die Herausforderung liegt. Kein Last Christmas nirgends. Dieses Jahr bin ich schon Mitte Dezember bei bei fünf bewussten Hörungen: Zweimal in Fremdautos, ohne Einfluss aufs Radioprogramm. Einmal bei „The Masked Singer“, einmal beim Synchronschwimm-Weihnachtsmärchen und einmal per „Natale Italiano“-Playlist auf Spotify. (Dort die englische Version, nicht L’altro natale)

    Nummer sechs in Vorbereitung dieses Blogposts, beim Heraussuchen von L’altro natale. Anscheinend ist mehr Adventszeit um mich herum als normal.

    Als ich noch ein Jugendlicher war und reguläres Fernsehprogramm schaute, ärgerte ich mich über Jahresrückblicke im Dezember. Das Jahr ist doch noch gar nicht vorbei! Das geht doch nicht!

    Aber ich kann schon mal einen Ausblick für 2023 zitieren, den ich am 31. Dezember 2022 bloggte:

    Mein Plan für nächstes Jahr wäre an dieser Front: ein Jahr zwischendurch, in dem privat alles ruhig so weiterläuft wie aktuell – und wie schon länger nicht mehr. Die größeren Abenteuer dürfen ab 2024 wieder kommen. Für 2023 bin ich mit Abenteuer per Bahnurlaub und Statistikklausuren zufrieden.

    Rückblick und Ausblick folgt später.

    Käsefondue-Ketwurst

    Um beim Weihnachtsmarkt-Thema zu bleiben. Die New York Times bereiste mit dem Interrail-Ticket Weihnachtsmärkte entlang des Rheins von Basel bis Strasbourg. Der Artikel: Frugal Traveller: A Magical Tour of Christmas Markets Along the Rhine (ohne Paywall) erklärt Strasbourg zum „Capital of Christmas.“ Über Basel weiß die Reisende zu berichten von „The fondue dog: a half-baguette drilled with a well in the center filled with molten cheese and a frankfurter.“ Kein Berliner, wer da nicht an Ketwurst denkt.

    Des Buddenbohms-Bluesky/Threads/Mastodon-Timeline ist eine andere als meine Tröt-Timeline. Aber schöne Erinnerung daran, warum ich einst Twitter verließ und warum ich mich so sehr an den Trans-Furry-Catgirls auf Mastodon erfreue.

    Christina Chorherr blickt auf ihre Großmutter zurück (Sie wurde 1882 geboren, Österreich war noch eine Monarchie, Kaiser Franz Joseph I. regierte schon seit 1848, aber er entgeht bei einem Besuch von Triest 1882 einem Bombenattentat. Zwei Zuschauer sterben. Richard Wagners Parzifal hat seine Uraufführung, am Theater an der Wien in Wien findet die Uraufführung der Operette Der Bettelstudent von Karl Millöcker statt.): JULIANE, EINE PIONIERIN UND IHRE ERDÄPFELPUFFER

    FrauTiberTaunus fragt den Römer nach Last-Minute-Geschenkideen für Italien-Liebhaber und solche, die es noch werden wollen

    Ein Ausstellungshinweis: im Aedes Architekturforum Berlin findet bis zum 31. Januar eine Ausstellung zum Thema Bäderbau unter dem Titel „Swimming in Atmosphere“ statt. Ausgestellt werden Bäder (also wohl eher: Materialien zu den Bädern) von 4a Architekten.