Kategorie: Alltag

  • 23-11-14 Krause Glucke

    23-11-14 Krause Glucke

    Die Schwimmhalle Hüttenweg eröffnet nach mehrmonatiger Sanierung wieder.

    Das DHL-verschollene-Handy tauchte in der Packstation auf. Ich habe den Verdacht, es hängt damit zusammen, dass ich höflich aber bestimmt eskalierte.

    Übermorgen soll die mehrfach verschobene Parkzone vor unserer Haustür in Betrieb gehen. Vorausgesetzt allerdings, die neue Verkehrssenatorin klebt sich nicht unter dem lauten Entsetzensschrei „Die Parkplätze!“ irgendwo fest.

    Passend dazu: In der FAS sah ich eine Tabelle, dass kaum eine andere Großstadt einen derart großen Anteil an Fläche für Automobile bereitstellt wie Berlin. Dabei hat bietet allerdings auch kaum eine andere Großstadt weniger Parkplätze. Mysterien Berlins.

    An der heimatlichen Großkreuzung fiel die Ampel aus. Normalerweise ist das als Fahrradfahrer ein Moment des Grusels, an dem jede Sekunde irgendwoher ein Autofahrer hervorschießen kann, der seine Chance auf Kreuzungsüberquerung sieht. Hier allerdings hatten sich die Autos so sehr ineinander verhakt, dass stehender Verkehr entstanden war. Super.

    Die Fahrrad-Helm-Saison beginnt. Nach dem letzten Arbeitsstellenwechsel vor anderhalt Jahren verkürzte sich der Arbeitsradel auf ein Drittel. Seitdem das Auf- und Absetzen des Helms ähnlich lange dauert wie der komplette Arbeitsweg, werde ich inkonsequent beim Tragen. Habe jetzt allerdings einmal wieder Berliner Autoverkehr bei Nacht im Regen erlebt – und beschlossen dass unter diesen Bedingungen gut ein Viertel der Autofahrenden einfach GAR NICHTS mehr erkennt. Und trage wieder Helm.

    Berlin-Berlin. Wir verbrachten das erste Nur-in-Berlin-Wochenende seit Monaten. Was einem so alles in der Wohnung auffällt, wenn man mal zwei komplette Tage anwesend ist!

    Madame kochte Krause Glucke. Ich möchte auf eine Wiederholung des Experimentes drängen. Allein dieser tolle Vanille-Nuss-Geruch der schon vor dem Kochen die ganze Wohnung durchströmte. Was ein Pilz! Jetzt fertigt sie Quitten-Aronia-Marmelade an.

    Heimwerken: Wenn du eine halbe Stunde lang Zeug wegräumst, Werkzeug hervorkramst und dich erinnerst welches der richtige Dübel war. Dann legst Du alle Einzelteile zurecht, um 20 Sekunden zu bohren. Und dann wieder eine halbe Stunde rückwärts.

    Dies war der Plan.

    Leider machten wir eine archäologische Entdeckung mit dem Schlagbohrer. Eine Leitung: Anscheinend zu einer versetzt liegenden Steckdose auf der anderen Seite der Wand gehörend (?!?). „Der Strom ist aus“, informierte mich Madame als wir uns tastend in der stockdunklen Wohnung trafen.

    Schon fast als archäologische Entdeckung möchte ich die Wurzelgemüsereste aus der hinteren Kühlschrankecke bezeichnen. Zum Glück gab es einen Slow Cooker, der diese in eine wohlgefällige Gemüsesuppe verwandelte.

    Was ist eine Fläche?

    Nach dem Fernuni-Kurzausflug in die Technische und Theoretische Informatik wechselte ich schon wieder das Modul. Kurz erfreute ich mich, dass mit Spieltheorie (Modul Betriessysteme und Rechnernetze) und Formaler Logik (Modul Mathematische Grundlagen) zwei Themen kommen, die ich tatsächlich mal auf universitärem Niveau lernte. Aber das war nur kurz: Am Wochenende steht der zweitägige „Studientag Mathematische Grundlagen“ an. So las ich die entsprechenden Skripte.

    Wobei „lesen“ bei mathematischen Texten ein schwieriges Konzept ist. Verständnishaftes „lesen“ bewegt sich ja gerne im Tempo von einem Zeichen pro Minute voran – welches Zeichen ist das? Warum steht es da? Was bewirkt es? – und in dem Tempo hätte ich keine 250 Seiten geschafft. Ich betrachtete jedes Wort bei mäßigem Verständnis von allem. So etwa wie „eine Bergwanderung mit der Drohne abfliegen“. Die Wanderung steht noch bevor. Und die Wanderung wird eine Herausforderung. Hoffentlich habe ich jetzt einen vagen Eindruck der zurückzulegenden Strecke.

    Da es um Grundlagen geht, spielt die altbekannte Schulmathematik schon eine Rolle. Nur halt von hinten durch den Hals ins Auge. Im Skript wechseln sich neckische Texteinschübe ab mit Holla-die-Waldfee-Formeln. Nach vielen Seiten der Herleitung der Existenz Irrationaler Zahlen wird festgestellt, dass es nun Zeit ist, auch eine Irrationale Zahl zu betrachten. Es geht erstmal um Wurzeln:

    Ein alter Hut, meinen Sie? Nein, nicht wirklich, denn haben Sie jemals einen Beweis dafür gesehen, dass so etwas wirklich existiert? Und bedenken Sie, wir haben ja nur die neun Axiome zur Verfügung, und aus denen leiten wir all dies her.

    Und dann folgen drei Seiten Formeln. Im Wesentlichen wird nachgewiesen, dass ein höchster Wert (ein Supremum) r einer Menge existiert. Danach folgt der Beweis, dass dieses Supremum hoch p (also r^p) gleich a ist, also ist r die p’te Wurzel aus a. Dies erfolgt indem nachgewiesen wird, dass r^p > a und r^p < a zu Widersprüchen führt. Also muss r^p = a sein. Das bedeutet r ist die p’te Wurzel aus a. Es endet mit:

    Mit dem Satz des Archimedes können wir ein \[m \in \mathbb{N} \]so wählen, dass \[m > \max \lbrace \frac {1} {r} , \frac {pr^p} {r(r^p−a)} \rbrace \] ist. Für ein solches m gilt \[ (r− \frac {1}{m})^p > a \]. Da aber \[ r− \frac {1} {m} \] wegen \[ r − \frac {1} {m} < r \] kein Supremum von \[ \mathbb{ M} \] ist, gibt es ein \[ y_0 \in \mathbb{ M} \] mit \[ y_0 > r − \frac {1} {m} \]. Mit dem Lemma 12.2.66 gilt \[y^p_0 > (r |− \frac {1} {m})^p > a \], ein Widerspruch dazu, dass \[ y_0 \] in \[ \mathbb{ M} \] liegt.
    Da \[ r^p >a \] und \[r^p <a \] zum Widerspruch führen, muss \[r^p = a \] gelten, und es folgt, dass r eine p-te Wurzel aus a ist. \[ \square \]

    Die gute Nachricht: Dieser Kurs ist für den Bachelor Wirtschaftsinformatik komplett ohne Belang. Er besitzt formale Bedeutung nur für DEN MASTERPLAN. Und als solches ist er noch mehr Hobby als die anderen Module gerade. Die schlechte Nachricht: Ich verstehe, wie Durchfallquoten von 70/80% in der entsprechenden Klausur zustande kommen.

    Meta-Bildung 1A / 1B

    Als Kurzzeit-Axel-Springer-IT-Dienstleister und unregelmäßger Bild.de-Leser beobachtet ich die Entwicklung der Zeitung mit Spannung. Nach den Rechtsaußen-und-unfassbar-peinlich-Jahren mit Julian Reichelt, kam die halbwegs nette aber belanglose Zeit unter Johannes Boie. Naja, und jetzt kommen die Frauen und machen den Job: Seitdem Marion Horn die Chefredaktion übernommen hat, hat das Blatt sich wieder gefunden. Reaktionär, dass es kracht. Dabei nicht peinlich. Die Leserschaft dort abholend wo sie ist. Agenda-setzend wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bei Axel Springer sollten die Sektkorken knallen und der Rest der Menschheit sollte trauern.

    „Die Grünen nehmen uns die Heizung weg!“ und „Wenn noch ein Migrant mehr kommt, platzt Deutschland!“ – zuerst auf Bild und schon zwei Wochen später im Deutschlandfunk.

    Sympathischer:

    Als ich noch aktiver in Wikipedia war, habe ich mit vielen Journalist*innen über Wikipedia gesprochen. Ihr Verständnis der Prozesse dort war … unterschiedlich. Einer der wenigen bei dem ich den Eindruck hatte, er versteht wirklich wie das alles funktioniert war des Tagesspiegels Sebastian Leber. Um so mehr freue ich mich, dass er thematisch mal wieder bei Wikipedia landete: Nahost-Diskussionen auf Wikipedia: Krieg um die Begriffe

    Poupou bloggt Bildung – Bildung über Bildung geradezu: Modul 1A Lernheit 1Modul 1A Lerneinheit 2Modul 1B – Lerneinheit 1

    Kellerkind taucht irgendwie nicht in meinem Feedreader auf, blickte aber trotzdem auf den Oktober zurück.

    Nic traf Gritty McGritface.

    Signorino sagt NEIN.

  • 23-11-11 Das Stadtbad Charlottenburg wird 125

    23-11-11 Das Stadtbad Charlottenburg wird 125

    Das Fresh Bistro hat eröffnet. Durch das Fenster sah ich einen Dönerspieß.

    Das Handy auf dem Weg von Spezial-Post-Filiale zur Packstation ist weiterhin verschollen. Es gelang mir innerhalb der Öffnungszeiten zur Spezialfiliale vorzudringen. Diese hat es auf jeden Fall nicht mehr, sagt sie. Die Packstation redet nicht mit mir. DHL sagt: „Wir melden uns, sobald es in der Packstation ist.“

    Novemberwochenende – Baumarktwochenende. Alle Parkplätze sind voll, die Einkaufswagenausgabe ist leer. Wohl dem, der mit dem Fahrrad kommt und nur ein paar Schrauben benötigt.

    Dem Getöse und den Stimmen auf dem Dachboden nach zu urteilen, fand eine Baustellenbesichtigung statt. Später traf ich auf dem Hof eine unbekannte Frau in Businessdress, die per Telefon „den Projektleiter“ suchen ließ.

    Ich kaufte Karten für das Synchronschwimm-Weihnachtsmärchen.

    Filmplakat-Verleser im Halbschlaf: Werner – Reise ins Licht. Und jetzt möchte ich den dazugehörigen Werner-Film sehen.

    Ich möchte anprangern, dass der Pumuckl-Film nirgendwo in der Abendvorstellung läuft. Ich möchte anprangern, dass der Pumuckl-Film im Zoo Palast nicht mal nachmittags läuft.

    Madame lud Felle hoch.

    Falls jemand kostenlos eine gebrauchte Zobeldecke abzugeben hat, für die in den letzten 100 Jahren kein Zobel mehr gestorben ist: Ich wäre ein Abnehmer.

    Jetzt die Herrenumkleide

    Das Stadtbad Charlottenburg, das älteste Bad in Berlin, wurde 125 Jahre alt. Die Badbesatzung veranstaltete eine kleine Feier den ganzen Tag über mit Kuchen und Kaffee, einer kleinen Ausstellung, Aufstellern mit historischen Kostümen, einem Stand vom Charlottenburger Damenschwimmverein Nixe und einigen Führungen durch das Bad. Uns gelang es – ganz regulär und ohne Hintertür – einen der Führungsplätze durch das Bad zu ergattern.

    Und es war traurig und großartig zugleich. Traurig, weil man all die Gebäudeteile sah, die Aufgrund von Havarien in den letzten Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb sind und für die sich seit ewig kein Geld findet, um sie wieder in Betrieb zu nehmen: Sauna, Reinigungsabteilung (mit Wannenbädern und Duschen), die kleine Kneipe neben der Sauna.. Nur kurz anfangen will ich von der aufgrund Deckensturzes komplett unbenutzbaren „Neuen Schwimmhalle Charlottenburg“ nebenan, deren Innenleben nun auch in der alten Schwimmhalle gelagert werden muss. So ist die ehemalige Waschküche der alten Halle zwangsweise die Personal-Herrenumkleide, weil diese eigentlich in die neue Halle gehört hatte..

    Großartig, weil die Führung großartig war. Zwei Baderfahrene – seit 18 beziehungsweise 43 Jahren im Bad im Einsatz – die natürlich viele persönliche Geschichten hatten, vieles noch in Aktion erlebt haben und mit erkennbarer Liebe durch Publikumsbereiche, Ex-Publikumsbereiche und Technikbereiche führten: zu Recht stolz auf ihr Bad aber wohl wissend, was für ungenutztes Potenzial noch in ihm steckt. Wir hatten Glück, mit uns liefen in der Führung fast nur jahrzehntealte Stammgäste, die selber eine enge Verbundenheit mit dem Bad hatten. Sie erinnerten sich noch wie es an den Nackbadetagen direkt von der Sauna ins Becken ging.. Einfach ein toller Ort, auch ganz ohne jede Jubiläumsfeier.

    Der Kleene Stern ungleich der Kleine Stern

    Dieses Fernuni-Semester ist etwas seltsam. Nachdem nun auch die Modellierungs-Einsendeaufgabe hinter mir liegt, stehe ich das erste Mal seit Sommer 2022 nicht im Schatten nahender Einsendeaufgaben oder Klausuren. Andererseits versuche ich ja das vier-Modul-40-ECTS-Semester und das sagt mir permanent: Noch so viel zu tun.

    Also gleich weiter an die technische und theoretische Informatik. Der Kurs beginnt mit einem Vorwort, das ich sinnverschärfend zusammenfassen möchte mit:

    Falls Sie Wirtschaftsinformatik studieren und sich beim Lehrstoff hier fragen: WARUM??? haben wir zwei Antworten: (1) Das Leben ist lang und man weiß nicht was kommt. (2) Die Akkreditierungsorganisationen sagen, das muss gelehrt werden.

    Und so schwanke ich zwischen: Das ist schon sehr speziell alles. Und: Total spannend. Ich bin auf jeden Fall froh die Algorithmische Mathematik hinter mir zu haben, so dass ich zumindest verstehe, was die Theoretische Informatik von mir will. Funky. Auf jeden Fall eine Herausforderung, aber ich denke noch: Eine machbare.

    Oft aber muss ich an den Kommentar eines Mitbloggers zu einem anderen Teil desselben Moduls denken:

    Trotzdem schadet es nicht, wenn man davon zumindest mal gehört hat. Vielleicht brauchen NASA oder ESA ja mal einen fähigen Wirtschaftsinformatiker, der ihnen die Satellitenumlaufbahnen mit dem CASIO FX-991DE berechnet.

    Gänse in Rückenlage

    Uta Bräuer war vor drei Jahren mit der Kamera im Stadtbad Charlottenburg und filmte.

    Via Tröt: In Schweden dürfen Gewerkschaften in Solidaritätsstreiks treten. Tesla bekommt dort keine Post mehr.

    Lila schreibt über ihr Israel und gedenkt toter israelischer Soldaten.

    Heute lernte ich: Es gibt Küchengeräte- Eischleudern – die Eier in der Schale rühren/schütteln, auf dass sich Eiweiß und Eigelb vermischen. Es entsteht das so genannte „Goldene Ei“, ein hartgekochtes Ei in Farbe eines Rühreis. Die Wikipedia-Auskunft lesen lohnt.

    Japanische Kinder, die 7-5-3-Jahre alt sind, müssen zum Tempel. Claudia berichtet: Hurra, unser Kind lebt noch: Das Kinderfest Shichi-Go-San (7-5-3).

    Frau Zimtkringel kocht Mama Erikas Oierles-Supp für kranke und gesunde Tage.

    Whiffling beschreibt ein Flugphänomen bei Vögeln, für das wir uns noch einen schicken deutschen Namen ausdenken müssen. Beim Whiffling drehen Vögel im Flug ihren Körper blitzschnell zur Seite, und zwar bis zu 180°. Statt ganz normal waagerecht parallel zur Erdoberfläche zu sein, fliegen sie kurzzeitig senkrecht oder sogar auf dem Rücken. Ja, wirklich.

  • 23-11-09 Zahl_der_Saiten: decimal

    23-11-09 Zahl_der_Saiten: decimal

    Neben Backpapier, Schwarztee und Notfall-Fischstäbchen unterschritten auch Haferkleie und Küchenwaagen-Batterien CR2032 die kritische Lagermenge s. Es wird Zeit für einen Vorratseinkauf.

    Madame spazierte durch das bayerische Viertel und nahm währenddessen per Audio an einer live-Zoom-Veranstaltung zu Bourdieu, Eribon und Ernaux teil. Diese moderne Technik bietet Eindrucksvolles.

    Madame crockt Baked Beans.

    Meldungen von der Berlin-Wohnungssuche einer Neu-aus-München-Zugezogenen „München ist auch irr. Aber zumindest kann man in München mit Geld noch etwas werden. In Berlin hilft aktuell nicht mal Geld.“ Sie lebt jetzt für 900 Euro/Monat in einem 20-qm-Zimmer. Vielleicht sollten wir unsere mittelfristige Lebensplanung doch Richtung Chemnitz orientieren.

    Ein Techem-Handwerker versuchte Wasserzähler zu wechseln. Geht nicht, weil die angrenzenden Leitungen zu alt sind. „Muss ich an die Hausverwaltung melden. Aber so wie die Leitungen aussehen glaub‘ ich nüch, dass was passieren wird.“

    Wohnung 2R wurde über viele Monate renoviert. Leider funktioniert die defekte Wohnungsklingel weiterhin nicht.

    DHL verspricht seit 5 Tagen ein Handy aus der Spezialfiliale an eine Packstation umzuziehen. Bisher anscheinend ohne Erfolg.

    Madames Freunde, die Schopfintlinge, sind nicht nur Pilz des Jahres 2004 sondern auch fleischfressende Pilze. Erst lähmen sie vorbeikommende Nematoden mit einem Pilzgift und dann verdauen sie das Geschöpf in wenigen Tagen.

    Gaitanides 2007; Silver 2011

    Das Modul Modellierung betrieblicher Informationssysteme brachte meine Versöhnung mit der Wirtschaftsinformatik. Mein Leben schwankt ja zwischen den Gemeinschaftskunde- und Mathe-Leistungskursen, die ich einst belegte. An der Fernuni Wirtschaftsinformatik zu studieren, erschien mir da als gute Synthese beider Themen. Bisher war es so: Reine BWL-Module: Spannend. Reine Mathe/Informatik-Module: Sehr spannend. Wirtschaftsinformatik-Module: Okay.

    Welch Irrtum. Die Modellierung betrieblicher Informationssysteme holte mich nun voll ab. Sei es, weil sie spielend (zumindest in der Strecker-Version) den Spagat zwischen IT-Umsetzung und sozialem Kontext herstellt, sei es weil sie bei mir gerade krassen Berufs-Praxis-Bezug hat und ich unmittelbar Vorteile und Einsatzgebiete direkt vor meiner Nase sehe.

    Deshalb weichte ich auch mal wieder meine Job/Uni-Trennungsregel auf, blieb in der Mittagspause in der Verwaltung und schaute Bildungsfernsehen, aka die mit Liebe und Aufwand gefilmte Vorlesung in Begleitung zu den Skripten.

    Das ist der Heimarbeitsplatz, nicht die Verwaltung.

    So sehr holte es mich ab, dass ich beim Lehrstuhl informationshalber nach Semianren und Abschlussarbeiten schaute. Und ich staunte: Hüpft das Modul aktuell durch Geisteswissenschaft und Prozessmodelle und IT, so sind die Abschlussarbeiten-Themenvorschläge fast alles echte Bastelarabeiten mit Code.

    Aber wo ich schon auf der Website des Lehrstuhls war, fand ich nicht nur eine allgemeine Seite mit Hinweisen und Tipps (u.a. zu Citavi, LaTeX und Luhmanns Zettelkasten) sondern auch noch die „Sehens- und Hörenswertes“, das von Prozessmodellierungs-Spezialangebote bis hin Douglas Adams oder Vorträgen von „Do we see reality as it is?“ reicht.

    Egal. Am Mittwoch reichte ich die Einsendeaufgaben für dieses Semester ein. Es ging unter anderem um ein Datenmodell für einen fiktivem Musikinstrumenten-Webshop. Und da ich ja noch einiges anderes zu studieren habe, werden jetzt leider auch die betrieblichen Informationssysteme in der Hinterkopf-Tiefkühlung landen. Ganz ohne dass ich noch Gaitanides 2007 und Silver 2011 lese. Selbst den Youtube-Kanal des Lehrstuhls werde ich mir vorerst verkneifen. Denn wann?

    You’re so skibidi

    Letztens stellte ich die These auf, dass der Rechtspopulismus/Neofaschismus-Drang der Gesellschaft von Leuten kommt, die sich „als normal“ empfinden und plötzlich feststellen, dass sie nur eine Minderheit sind. Passend dazu die Forderung der CSU, der öffentlich-rechtliche Rundfunk solle „Journalismus für normale Zuschauer“ machen.

    Zu den Seltsamkeiten westlicher Gesellschaften zählt es, dass Medien und mediennahe Diskussionen den festen Drang haben, Menschen in „Generationen“ einzuteilen und diesen Generationen feste Merkmale zuzuweisen. Während Satzanfänge wie „Frauen sind..“ oder „Italiener haben alle..“ zu Recht aus der Mode kamen, erfreuen sich „Generation Z ist..“ oder „Boomer haben alle..“ ungebrochener Beliebtheit. Gestern sichtete ich erstmals in freier Medien-Wildbahn in der NY Times die Generation Alpha, die Generation nach Generation Z: Gen Alpha Is Here. Can You Understand Their Slang?

    Derselben Online-Zeitung entnahm ich, dass Barry Manilow ein Broadway Musical über die Comedian Harmonists produziert. Rein musikalisch bin ich nicht überzeugt.

    Karen war im historischen Festsaal der Freiwilligen Feuerwehr. Der sieht sehr viel festsääliger aus als ich erwarten würde.

    Vom immer-unterwegs-Leben der Zugbegleiterin.

    Die Welt benötigt urbane Novembergedichte.

    Palmkohl rockt.

  • 23-11-05 Blumenladen Fliegenpilze

    23-11-05 Blumenladen Fliegenpilze

    Twindos 1 ist leer. Madame wechselte

    Ich verlor den Wäscheständer.

    Ein Teil des Eichhörnchenofens löste sich. An sich sieht das DIY-reparabel aus. Aber wollen wir bei einem Holzofen inmitten eines Holzhauses wirklich experimentieren?

    Die jährliche Gasablesung lag an. Der Gasverbrauch 2022/2023 betrug ein Drittel weniger als 2021/2022.

    Kraniche standen samstag auf dem Hinterfeld. Tümpel bildeten auf dem Vorderfeld. Nachdem es sonntag regnete und wir im Bungalow blieben, fanden sich auch Kraniche auf dem Vorderfeld.

    Kraniche kreisten über uns. Freundlicherweise entdeckten sie eine Thermik direkt über unserem Garten und kreisten über unsere Köpfe. So direkt, dass ich dachte „Möge sich keiner dieser herrlichen Vögel jetzt im Fluge erleichtern.“ Also sinngemäß, nicht so wortwörtlich. Eigentlich dachte ich in dem Moment bildlich und nicht in Worten.

    Samtag schien noch die Sonne und es zog uns von außerhalb der Latifundien. Wir fanden eindrucksvolle Fliegenpilze, die wir fotografierten. Madame fand ihre Freunde die Schopftintlinge und ihre Freunde die Espen-Rotkappen. Diese nahmen wir mit.

    Wir planen eine überraschende Wochenend-Pilgerfahrt zur Madonna. Madame plant ein vegetarisches Mehrgänge-Menü.

    Zwooi (Audrey)

    Audrey (1) ist eine Angestellte in Mr. Muschniks Blumenladen. Audrey 2 (Zwoooi) ist eine Pflanze und Protagonist des Kleinen Horrorladens. (Ebenjener Blumenladen)

    Chemnitz – wir waren im Theater.

    Jeder schlechte Text über Chemnitz beginnt damit, dass es einst „das sächsische Manchester war.“ So auch dieser. Bis 1990 prägte eine starke Textilindustrie die Stadt. Bis 1990 größter Arbeitgeber war die VEB Spinnereimaschinenbau Chemnitz. Seit der Wende stehen deren Gebäude leer.

    Als nun das Theater Chemnitz renovierte, brauchte es eine temporäre Spielstätte – in ebenjenen leerstehenden Fabrikgebäuden, dem Spinnbau. Wir waren bereits letztes Jahr dort und angetan. Dieses Jahr wieder.

    Das Theater gab der kleinen Horrorladen / Little Shop of Horrors. Downtown/ Skid Row, Mr. Muschniks Blumenladen läuft nicht, der Haussegen zwischen Muschnik und seinen Leibeigen-Angestellten hängt schief. Bis eine seltsame Pflanze auftaucht. Der Laden floriert, allerdings möchte die Pflanze erst Blut, dann ganze Menschen verspeisen und am Ende die Weltherrschaft. Ein unterhaltsames Musical, schöne musikalische Nummern, gut gespielt und angebracht inszeniert. Schöner Abend.

    Was mir nicht klar war vorher: Wie sehr das ganze „New York“ ist und zumindest in dieser Inszenierung spielte durchaus eine Rolle, dass Laden und Angestellte jüdisch sind.

    Ich musste beim sehen mehrfach an mehrere Jahrgänge Village Voice aus den 1960ern/1970ern denken, die ich einst im Online-Archiv las – als Downtown New York City wirklich noch anrüchig, arm und Stoff für Geschichten war.

    Gleichzeitig dachte ich aber auch an Pumuckl – ähnlich wie es die geschilderten Münchner Handwerker in Pumuckl in der Realität kaum mehr gibt, gibt es auch keine inhabergeführten Blumenläden mehr in Downtown New York. Tempi passati.

    Aber bevor es wehmütig wird: An sich ist es ja ein großer Spaß und deshalb der „Downtown“-Song aus dem Musical.

    Innenansicht des Spinnbaus, Theater Chemnitz

    Zwoooi (BPNM)

    BPNM1 ist die Spezifikation der Business Process Model and Notation (BPMN) bis 2013. BPNM2 ist die Spezifikation seitdem. Und diese bescherte mir eine der positiven Überraschung der Fernuni-Experience.

    Nun ist der Kursgebende Professor Strecker keine Rampensau, weder in seinen Texten noch in seinen Videos. Seine Begeisterung kommt eher trocken herüber. Aber dieses Herzblut, das offensichtlich im Kurs steckt, weckt in mir Begeisterung.

    Zumal, jemand, der inhaltlich die ganze Geisteswissenschaftsgeschichte mit Modell, Abstraktion, dem Verhältnis von Abbild und Realität souverän meistert – und in seinem Forschungsprojekt echten Programmcode schreiben lässt – und das alles angesiedelt im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften – ich ziehe meinen Hut.

    Es gibt um das Zeichnen von Flussdiagrammen. Nun dachte ich „Flussdiagramme malen kann ich schon irgendwie. Warum der Aufwand?“

    Welch Irrtum. Sobald ich mich hineingedacht hatte in den Unterschied zwischen Freiform-Flussdiagramm und einem echten Modellier.Standard, stellte ich fest: Das ist wie Freiform-Rumhopsen im Unterschied zu Standard/Latein-Tanzen.

    Sobald man die Basis und den Grundschritt hat, ist man orientiert und kann die dollsten Figuren darum herumbasteln. Es wirkt ähnlich, ist aber etwas komplett anderes

    Innerlich bin ich schon dabei, alle möglichen Prozesse in der Modelliersprache auszugestalten. Was gut ist, das ist Klausurtraining.

    Das heißt: Ich werde in den nächsten Monaten zu Übungszwecken jeden Prozess, der mir unter die Nase kommt, als BPMN-Chart gestalten.

    Für mich bleibt zu tun: Herausfinden wie die Spezifikation für handgemalte Modelle ist.

    Für mich bleibt zu tun: Check bpmn.io und das entsprechende WordPress-Plugin. Check Bizagi.

    Ostbahnhof

    Es gibt auch ein Tiny Desk Concert Little Shop of Horrors. Und nachdem ich das gesehen habe, muss ich jetzt leider nach New York und die dortige Little-Shop-Inszenierung sehen.

    Lila schrieb aus Israel.

    Jon Worth schrieb über die Vorzüge einer Ostbahn zwischen Berlin und Kostrzyn (Polen).

    Herr Mess schaut den neuen Pumuckl.

    Herr Rau sucht den Talmimond.

  • 23-11-02 Caesar’s Cheese Steak

    23-11-02 Caesar’s Cheese Steak

    Twindos 2 ist fast leer. Madame bestellte Nachschub.

    Die mehreren hundert Meter Abwasserrohr(?), die in der Dominicusstraße aufgebahrt waren, verschwanden. Vermutlich unter die Erde. Ich sehe zwar gewaltige Baustellenaufbauten, aber keine Grube. Mysterien der Großstadt.

    Das Sportgeschäft ohne Kunden ist zurück. Dies vaganbundiert hier durchs Viertel – selber Namen, selbe Schilder, selbes Angebot, nie aber sah ich jemand im Laden oder durch die Tür treten. Mal belegt es dieses Ladengeschäft, mal jenes. Fast hatten wir es vermisst gedacht. Aber natürlich: Es ist zurück. Mysterien der Großstadt.

    Ein Handy ist auf Umwegen auf dem Rückweg aus Finnland.

    Ich trage linksschulterig Pflaster und hoffe, dass die Betriebsarztimpfung bis nächstes Jahr Grippe-Corona kann.

    Madame versorgte uns mit gecrocktem Quitten-Lamm-Ragout.

    MMB möchte Walgesänge erlernen.

    An Wohnung 2R hängt ein Namenschild. Im Treppenhaus traf ich einen jungen Mann, Typ Abiturient, mit Klemmbrett, der meint, er organisiert gerade Wohnungsbesichtigungen „oben.“

    Maui Waui

    Chemnitz – noch erinnere ich mich an das letzte Wochenende. Es begann mit einem Burger.

    Vor zwei Jahren bot es sich reisetechnisch an, einen Übernachtungs-Zwischenstopp bei Zwickau einzulegen. Wir stromerten des Abends durch die Stadt, entdeckten zu unserer Überraschung ein liebevoll hergerichtetes Diner im US-50’s-Stil und aßen einen phantastischen Burger. Oh wow.

    Später entdeckten wir: In Zwickau stand nur die Zweigstelle. Eigentlich kam das 50s Ville Diner aus Chemnitz. Und dort gab es nicht nur den Burgerladen, sondern auch ein Motel mit Wasserturm im besten Stil. Wir fuhren letztes Jahr.

    Es erinnerte mich an das Eisenbahn-Wunderland. Die Mischung aus Nerdtum/Hingabe zu einem Thema (in Hamburg: Modellbahn, in Chemnitz: US 50’s) zusammen mit dem harten Realismus, das in die Realität umzusetzen. Es wirkte alles bis zur letzten Türklinke und den Nachttischleuchten durchdacht und gut. Selbst eine überzeugend aussehende Fliegende Untertasse auf dem Freigelände fehlt nicht. Wir kamen zufällig an Halloween, waren hin- und weg von der Halloweendeko, und beschlossen wiederzukommen.

    Dieses Jahr: Das 50s Ville Motel war bereits ausgebucht. Halloween-Deko gab es erst Montag/Dienstag und nicht am Wochenende. Aber es gab das Diner. Es gab Samstag Abend selbstgemachte Limonaden, ein Philly Cheese Steak und den Caesar’s Chicken Burger. Es gab Sonntag Morgen Frühstück mit Pancakes. Wieder wurde das Lokal der „Feinschmecker„-Auszeichnung an der Wand gerecht. Wieder überlegten wir, ob wir nächstes Jahr einen Wochenendausflug auf das dortige Halloween-Wochenende legen können.

    Philly Cheese Steak und Burger auf einem Tisch.

    Dröge zu Herzblut

    Ich nutzte die Zugfahrt und die Berlin-Rückkehr um mich durch das vierten Teil des Fernuni-BWL.-Moduls zu arbeiten: „Marketing.“ Das war doppelt drollig.

    Ich hatte beim Lesen innerlich immer das Bild einer 80er-Jahre-Fußgängerzone vor mir. Das Internet kam auf 160 Seiten Text zweimal vor, „Zapping“ und andere 1990er-Phänomene weit öfter. Beispiel für einen Impulskauf ist „Auf dem Bahnhof noch schnell die Zeitung mitnehmen.“

    Zum anderen bestehen von den 160 Seiten etwa 140 Seiten aus reinem Text und 20 Seiten überwiegend aus Mathe. Die Mathe-Seiten sind thematisch eher locker verwandt mit dem Kernbereich Marketing. In den Einsendeaufgaben aber beziehen sich 2 von 3 Aufgaben auf den Matheteil. In der Klausur wird es ähnlich werden. Nicht abprüfen, was wichtig ist, sondern das, was sich einfach prüfen lässt.

    Egal. Die Einsendeaufgaben sind ausgefüllt. Das ganze BWL-Modul wird jetzt innerlich in mottensichere Frischhaltefolie verpackt und in Tiefkühlung meines Gehirns gelegt, auf dass es Mitte Februar unbeschadet wieder hervorkommt.

    Nach BWL kommt die Wirtschaftsinformatik i.e.S., Abteilung „31751 Modellierung betrieblicher Informationssysteme.“ Grob vereinfacht, und der Professor würde das in dem Ausdruck nicht gutheißen, geht es darum, Flussdiagramme zu zeichnen. (Wer es detaillierter mag: Entity-Relationship-Modell und Unified Modeling Language und Business Process Model and Notation.)

    Aber Stefan Strecker ist mit Herzblut dabei, bietet von Berger/Luckmanns „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ bis hin zur Sprachphilosophie alles auf. Selbst einen Podcast zum Thema hat er über mehrere Jahre gestaltet, der Teil der Zusatzmaterialien ist.

    Die Klausur wird dann daraus bestehen, Flussdiagramme zu bezeichnen.

    Marketing: Eher unmotiviert. Modellierung: Eher übermotiviert.

    Und natürlich, das Skript enthält in der Mitte (zum Wiederfinden: S. 33 / Kapitel 3.1.) eine Literaturliste, die gleich ein paar Standardwerke der Organisationstheorie, der Unternehmensführung, der Organisations- und Wissenssoziologie, der Linguistik und Semiotik und der Erkenntnistheorie enthält. Und ich dachte:

    „HA! Die Falle kenne ich! In die bin ich in meinem ersten Wiwi-Versuch in den 1990ern getappt. Da habe ich mir dann die 20 Standardwerke besorgt und sie gelesen, habe einiges für meine Bildung getan und genau gar nichts, was mich auf die Klausur vorbereitet hätte. Leider wollte die Klausur dann nichts von den Standardwerken wissen und ich war aufgeschmissen. Nicht mehr: Ich werde Flussdiagramme lernen und das wars!“

    Die Literaturliste im Modul schloss ab mit „

    Darüber hinaus bereichern außergewöhnliche Werke jenseits des Mainstreams das Studium der Modellierung betrieblicher Informationssysteme (z. B. Winograd und Flores 1986; Floyd u. a. 1992; Hirscheim, Klein und Lyytinen 1995). Die zuletzt genannten drei Werke empfehlen wir Ihnen ausdrücklich für Ihr Studium, da sie das Studium um Perspektiven bereichern, die sonst leicht übersehen werden“

    Ja, natürlich wurde ich schwach.

    ist auf dem Weg hierher.

    Krabbenbrötchen-Ninja

    Unser Jahreslauf wird durch das Privatfernsehen untergliedert: Es beginnt mit „Ich bin ein Star..“, gefolgt von „Kitchen Impossible“, „Let’s Dance“ und zum Ende kommt „Ninja Warrior Germany.“ Die Schönheit dieser Sendung, wurde auch vom FAS Feuilleton entdeckt: Ein Berg von einer Show. (Aktuell Paywall-frei)

    Pepita, die Katze, starb nach 15 Jahren: Pepita. Alles Beste auch aus der Ferne.

    Eine Reise nach Rostock wegen Post-Covid. Alles Beste auch aus der Ferne.

    Anke Groener überfordert mich. Herr Buddenbohm verlor einen Sarg.

    Christa Chorherr fuhr an Allerheiligen zum Wiener Zentralfriedhof.

    Haessy aß Krabbenbrötchen in Büsum.

  • 23-10-31 Der älteste Stuhl Sachsens

    23-10-31 Der älteste Stuhl Sachsens

    Wir entschieden uns für Paula in hellblau und Puff No.9.

    Madame nutzte den Berliner Nicht-Brückentag um einem Internetgerücht hinterherzurecherchieren: Gibt es im griechischen Supermarkt Ariston wirklich das beste Olivenöl des Ortsteils? Wir werden testen.

    Auf jeden Fall gibt es bei Ariston tiefgefrorenes Miesmuschelfleisch, welches es erlaubt, Miesmuscheln als einzelne Zutat unter mehreren, auch bei haushaltsüblichen Rezepten, zu verwenden. Madame kochte Skinny Bouillabaisse und bloggte über Ginger Chicken.

    Der Dachgerüstsfahrstuhl schaffte einen LKW voller Dachbalken auf das Dach. Tagsüber hören wir Bohrgeräusche. Uns scheint, die Dachbaustelle macht ernst.

    Wohnung 2R scheint nach Jahren des Renovierens wieder bewohnt.

    Warum gibt es keine Wellenbad-Badewannen mehr?

    Chemnitz. So viel Input in so wenig Zeit.

    Ich beginne chronologisch am Samstag Mittag, und schaue, wann mir das Gedächtnis ausgeht.

    SCHOCKEN war ein Kaufhaus, vielleicht das Kaufhaus in Chemnitz. Es gehörte zum Konzern der Zwickauer Brüder Salman und Simon Schocken. Diese ließen 1929/1930 durch Erich Mendelsohn ein modernes Kaufhaus für eine moderne Stadt errichten; ich möchte sagen ein ikonisches Gebäude. Während das Kaufhaus Tietz eher für die gehobeneren Stände war, wollte Schocken die demokratische Masse bedienen: Aufbruch in eine neue Zeit des Massenkonsums.

    Dann kam das übliche deutsche Elend: Boykott durch Nazis, gewaltsame Arisierung, HO und Kaufhof. Bis das Haus zusammen mit dem ehemaligen Kaufhaus Tietz an die Chemnitzer Wohnbaugesellschaft fiel. Nach einigen Jahren des Rätseln über seine Zukunft zog im Schocken das neu gegründete Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) ein.

    Eingang zum Kaufhaus Schocken.

    Ikonisches Haus, direkt neben unserem Hotel, spannendes Museum, interessant aussehende Sonderausstellung über die Archäologie des Wohnens: Wir waren gebucht.

    Ich betrat die Ausstellung und war skeptisch: Die Ausstellung ist nicht chronologisch oder nach Fundorten gegliedert, sondern nach Wohnbereichen gegliedert: Haus / Feuer (Küche) / Lager-Vorräte / Sitzen / Wasser (Bad; Nassräume) / Schlafen / Deko. Es beginnt mit „Haus“. Und das allererste sichtbare Ausstellungsstück ist ein Puppenhaus von 1930, Leihgabe aus dem Berliner MEK.

    Grundsätzlich finde ich Ausstellungsgliederung gegen den Strich toll. Ich aber fragte mich: Richtig alte archäologische Funde sind meist grau-braun. Sie sind nur mit Mühe zu erkennen und fordern immer ein gewisses Maß an Phantasie. Wie sollen die in einer Vitrine mit bunten, heilen Sachen aus dem 18/19/20/21. Jahrhundert konkurrieren können? Geht nicht die eigentliche Archäologie unter?

    So hingen ein paar daumengroße Holzstöckchen an der Wand; In eine Form gebracht, in der man eine Stuhllehne herbeifantasieren konnte. Daneben stand die sinngemäße Beschriftung: Möbel vergehen schnell und tauchen nur selten als archäologische Fundstücke auf. Dieses Fundstück aus dem Mittelalter wurde bei den Ausgrabungen als ältester Stuhl Sachsens bezeichnet.

    Zu meiner Überraschung gingen die Fundstücke nicht unter. Im Gegenteil. Bei „normalen“ Ausstellungen zu Altertum und davor denke ich irgendwann „und noch ein alter Stein. Wow.“ Hier war es anders. Gerade wenn man zum Beispiel Kisten und Truhen aus dem 17. bis 20. Jahrhundert sah, dachte ich bei jedem keltischen oder ägyptischen Exemplar: Wie krass! Und das ist jetzt zehnmal so alt. So spannend, wie die Gegenstände über die Jahrhunderte irgendwie immer das gleiche waren (Feuerstelle, Truhe, Waschgelegenheit) und doch so verschieden.

    Wie sehr die Menschheit sich am selben Thema seit Jahrtausenden abarbeitet. Entgegen meinen Erwartungen war ich positiv beeindruckt. Wie sehr haben sich Stuhl/Bett/Kochstelle alleine in 300 Jahren von 1700 bis 2000 verändert und wie krass ist es, daneben ein 3000 Jahre altes Exemplar zu sehen.

    Den Eindruck konnten dann auch kleinere Schönheitsfehler nicht verhindern: die aktivierenden Mitmach-Elemente waren das was man halt 2023 als Ausstellungskurator*in so machen muss, wirkten aber etwas unmotiviert. Drollig war der Englisch-Konflikt gleich zu beginn.

    Deutscher Ausstellungstext:

    • Im Englischen gibt es nur ein Wort für Wohnen und Leben: Living.

    Englischer Ausstellungstext, direkt daneben:

    • Dwelling and living are closely related words.

    Downtown, Uptown, Midtown

    Merke: Wir müssen nach Hochdorf/Enz. Dieses Bronze-Keltensofa in der Ausstellung: Meine Güte!

    Kaufhaus Schocken, im Bewegtbild auch in alt: Schocken – Das legendäre Kaufhaus in Chemnitz– („Unser“ Hotel tritt im Film noch als Baugrube auf)

    Viel mehr zu Salman Schocken. Unter anderem etablierte er Haaretz.

    Auf der Rückfahrt erfreuten wir uns am Modellbahnmodell im Bahnhof Chemnitz. Wir staunten, dass es die Modellbahnanlagen immer noch gibt. Umso erfreulicher, dass es auch eines im bis-an-die-Zähne-umgebauten und sanierten Bahnhof Leipzig gab. Direkt darauf veröffentliche die Zeit die Geschichte dahinter: Der letzte Bahnchef. Auch diese Bahnen sind, wie so vieles, von um sich greifender Verrentung bedroht.

    Poupou bloggte über Bildung. Die Kaltmamsell vom Gastgeben. Frau Mohnblume über Scheitern & Erfolg.

    Bei Familie Rabe schneits.

    Sie war noch niemals in New York. Aber durch jahrelange Lektüre des New York Magazines haben wir ziemlich klare Vorstellungen, was an New York new yorkig ist. Ein Punkt sind die Nachbarschaften von Tribeca bis Bed-Stu. Ohne Ortskenntnis können diese verwirrend sein. Anscheinend auch mit Ortskenntnis. Die New York Times veröffentlichte eine umfassende Karte von 350 New Yorker neighbourhoods: An Extremely Detailed Guide to an Extremely Detailed Map of New York City Neighborhoods (Geschenklink, ich hoffe die eigentliche Karte ist auch zugänglich.)

    Herr Mess war bei den Mebistagen und war beeindruckt. Ich kann mir ungefähr vorstellen wie aufwendig es ist, ein solches System professionell aufzubauen ohne auf Standard-Business-Komponenten zurückgreifen zu können und bin auch sehr beeindruckt. Herr Rau cthuluierte.

    Frau Zimtkringel buk Laugenhörnchen.

  • 23-10-29 Little Schock of Hoppel

    23-10-29 Little Schock of Hoppel

    Über hf leipzig existieren Anekdoten, dass er einst mit dem Auto von Hannover nach Travemünde fuhr, um dort mit Ostseeblick einen Kaffee zu trinken, und dann wieder zurück.

    Ich eifere imperfekt nach. Es war ein Wochenende. Und es war der Zug. Aber der ganze Chemnitz-Besuch ging schon vom Angelpunkt eines Burger-Essens aus.

    Programmnotizen

    IC2271 am Freitag Abend von Berlin-Südkreuz nach Chemnitz. Einchecken im Super 8. Kleiner Stadtbummel, Nachtmahl im Turm-Bräu, Ninja Warrior die 100 Jahre Radio Show auf dem Hotelzimmer schauen.

    Samstag sehr spätes Frühstück im Rosenhof (Cafe Türmer), nach Zick-Zick durch die Stadt ins ehemalige Kaufhaus SCHOCKEN, heute Sächsisches Museum für Archäologie (smac) in die Sonderausstellung „Home Sweet Home.“ Danach ins Hotel, mit EV1 in’s 50s Ville Diner gefahren: Philly Cheese Steak und Ceasar’s Burger essen. Mit EV1 zurück, dann in die Tram 5 und zum Spinnbau gefahren. Das Theater Chemnitz gab „Der kleine Horrorladen / Little Shop of Horrors.“

    Sonntag spätes Frühstück, wieder im 50s Ville Diner, dann eine Deutschlandticket-Stadtrundfahrt. EV1 zurück zur Zentralhaltestelle, mit der C13 zum TU Campus. Dann mit dem Ringbus 82B bis zum Schlosspark. Umrundung des Schlossteiches und Fortsetzung der Ringbusfahrt zurück zum TU Campus. In der Stadt im Das Tietz den versteinerten Wald betrachten und im Café Möbius milchfreien Kaffee trinken. Mit dem RE6 nach Leipzig, dort Nachtmahl im Ciao Bella und mit dem ICE 72 zurück nach Südkreuz.

    Aufgefallen Teil 1

    14000 Schritte heute. Angesichts Innerer Umstände war das heroisch oder bescheuert, auf jeden Fall weiß ich warum gerade nichts mehr geht.

    In der „Home Sweet Home“-Ausstellung gab es verschiedene Mitmachelemente. Unter anderem konnte man Zettel beschriften mit „Was würdest Du aus einem brennenden Haus mitnehmen?“. Der erste Zettel den ich las: „Hoppel“. Später die Frage „Was muss ein Ort haben, damit er zuhause ist?“ – Antwort: „Viele Bücher und Hoppel.“

    Ich bin begeistert, dass Chemitz einen Ringbus hat und wir damit spannende Ecken der Stadt sehen konnten, die wir sonst nie sähen. Ich bin begeistert davon, dass es eine Zentralhaltestelle gibt, die auch so heißt.

    ICE72. Ausgerechnet. Der Zug von Chaos und Destruktion mit dem wir, aus Basel kommend, schon so oft auf der Strecke gestrandet sind und absurdeste Berlin-Rückreisen antraten. Er kam 3 Minuten zu früh im Südkreuz an. Was ist passiert?

    Mehr offensichtliche Punks gesehen (4) als Nazis (1). Auch immer mal wieder Normales mit Antifa-Taschen oder Anarchie-Symbolen. Mir tut die Stadt leid, in diesem sächsisch-politischen Umfeld existieren zu müssen.

    Im Lokal ein Gespräch mitgehört, bei dem jemand von „Umerziehung durch die Eliten sprach“ aber fehlerfrei fließend LGBTQ sagen konnte.

    Buch gekauft: Moderne ohne Bauhaus. Wie jüdische Unternehmer und ihre Industriearchitektur das Chemnitzer Stadtbild der Moderne prägten. Ich bin echt hin und weg von diesem Stadtbild.

    Cafe Türmer, Turm-Brau, Haltestelle am Roten Turm. Ich wunder mich, dass Chemnitz keinen Beinamen als „Stadt der Türme“ hat.

    Jetzt aber erstmal hinlegen und selbstbemitleiden.

    Chemnitz, Schlossteich, Schloss und Kraftwerksturm