Ein Jahr geht zu Ende. Ein neues Jahr beginnt. Ein Anlass, den inneren Kopf um 180 Grad zu drehen, und nach hinten sowie nach vorne zu schauen.
Mehr Action
Dem letzten Jahr hatte ich Ende Dezember 2024 ein Motto gegeben: „Mehr Action.“
Nachdem ich den Vormittag des 1. Januar 2025 damit verbracht hatte, durch den Bahnhof zu sprinten, um zu verhindern, dass mein Portmonnaie nach Berlin fährt, während ich noch ein paar Tage in Hannover und Dithmarschen bleiben wollte, begann ich am Motto zu zweifeln.
Nachdem Madame am selben Tag abends die Reste der Silvesterrakete entdeckte, welche die Fensterscheibe durchschlagen hatte und knapp neben dem Geschenkpapierstapel explodiert war – Wohnungsbrand um Zentimeter verpasst – beschloss ich schon vor Tag 2 des Jahres, das Jahres-Motto nicht mehr zu erwähnen.
Naja, Action auf eine langsame Art wurde es dennoch. Oder eher: Es wurden sieben Monate Ausnahmezustand. Von Juni bis Mitte September hielt mich die Bachelorarbeit auf Trab und alles war anders als sonst. Und noch vor Abgabe erfuhren wir, dass wir das Glückslos mit der neuen Wohnung gezogen haben (Innerhalb des S-Bahn-Rings! Noch verkehrsgünstiger als die alte Wohnung! Bezahlbar! Ohne Hallodris!). Spätestens mit der Wohnungs-Übergabe begann der nächste Ausnahmezustand, verzichtbar akzentuiert durch die zwischenzeitliche Corona-Infektionspremiere.
Halbswegs „normal“ waren im letzten halben Jahr die Tage zwischen der letzten Bachelorklausur (16.9.) und der Wohnungsübergabe (6.10.).
Meine Action war immerhin selbstgewählt. Madame hingegen hatte durch fremdbestimmte Umstände so viele Überstunden wie noch nie im Leben; dafür aber immerhin auch fünf Wochen Auszeit zwischendurch (so viel wie auch sehr sehr lange nicht mehr).
Bachelorabschluss und Umzug waren genug Action für einen langen Zeitraum. Gerade das letzte halbe Jahr war durchaus erfolgreich – ich sitze mit neuem Uni-Abschluss in neuer Wohnung. Aber jedes Jahr muss das nicht sein.

Politik
Fangen wir mit dem – nach fast-Wohnungsbrand und Wasserschäden in der Wohnung – anstrengendsten Thema an: Politik. Und ich will eigentlich gar nicht dazu schreiben, außer Haken zu machen:
- Gegen Nazis demonstriert – check
- Wahlhelfer gewesen – check
Insgesamt ausbaufähig.
Kultur
Wenig überraschend geriet die Ausgehkultur in 2025 im zweiten Halbjahr unter die Räder. Es blieb aber noch eine Menge Schönes übrig, gerade in der ersten Hälfte des Jahres:
- Mehrfach beim Noonsong gewesen in der Kirche am Hohenzollernplatz. Mehrfach trat Madame mit dem Chor auf, wovon ich auch ein bißchen was sah.
- Im Januar führte ein Erster Weg in die Komische Oper. Barrie Kosky hatte Puccinis La Boheme inszeniert.
- Im Boulez-Saal hatten im Februar Roberta Mameli (Sopran), Michele Pasotti (Erzlaute und Theorbe) und Margret Koell (Barockharfe) ein Programm aus italienischer Musik des Frühbarocks zusammengestellt.
- Im März inszenierte Barrie Kosky Echnaton von Philipp Glass in der Komischen Oper
- Auch im März: Die Akademie für Alte Musik (Akamus) hatte zum Kammerkonzert geladen. Oboen- und Hornquartette von bekannteren (Mozart) und unbekannteren (Družecký, Warnitzky, Stamitz) Komponisten standen auf dem Programm.
- Im April begann die Reise in die Philharmonie. Vox Luminis, das Freiburger Barockorchester und insbesondere Tenor Raphael Höhn führten die Johannespassion auf.
- Noch mal im April ging es in die Oper: Antikrist an der Deutschen Oper.
- Im Mai wieder die Philharmonie: Avi Avital spielte auf der Mandoline unter anderem die vier Jahreszeiten.
- Im Juni neigte sich die Saison dann endgültig dem Ende, zum Abschluss wieder in die Philharmonie zu den Kings Singers.
- Spätestens nach dem Sommer übernahm der Ausnahmezustand. Seitdem kam nur noch eine Theateraufführung (K. nach Kafka von Barrie Kosky im Berliner Ensemble) und eine Rockoper (Jesus Christ Superstar; Komische Oper auf dem Flughafen Tempelhof) hinzu.
- In den zwei Wochen der herbstlichen Fast-Normalität besuchten wir die Pferdeshow in Chantiliy.
- Bereits gekaufte Karten für die Transvokale und Mahagonny ignorierten wir, weil weder Kraft noch Zeit noch Energie vorhanden waren, um die Veranstaltungen wirklich aufzusuchen.
Ausstellungen: Niki de Saint Phalle/Jean Tinguely/Pontus Hulten im Grand Palais Paris // Jean-Tinguely-Museum Basel // Die Stundenbücher Très Riches Heures in Chatiliy (b. Paris) // Mehrere Bibliotheken von innen besichtigt
Ich glaube, in meine Sammlung kam kein einziges neues Schwimmbad. Als Besucher der Zweitbesuch im Westfalenbad in Hagen. Dienstlich – ohne Schwimmen, deshalb zählt es nicht richtig – kam ich endlich ins Forumbad im Berliner Olympiapark. Mit Schwimmen, aber auch semi-dienstlich (Teamtag) war der Tag im Strandbad Wannsee. Spannend – leider auch ohne Schwimmen – die Führung durch das sehr sehr baufällige Baerwaldbad in Kreuzberg.
Im Kino: Niki de Saint Phalle (F,B 2024 – Delphi Lux) / High School Musical (USA 2006 – Odeon) / Amrum (D, 2025 – Capitol Dahlem) / The Sound of Music (USA, 1965 – Delphi Lux) / Vermiglio (I, 2024 – Cinema Paris) / La Chimera (I, 2023 – Kant Kino) / Flow (LT 2024 – Passage) / When Harry Met Sally (USA, 1989 – Odeon) / Sense and Sensibility (USA/UK, 1995 – Delphi Lux)
Bücher herauszusuchen ist mir zu unübersichtlich.
Das beste Essen kam entweder vom Grill im Garten oder aus Töpfen, Ofen und Crock Pot in der Wohnung. Der Eintritt bei der solidarischen Landwirtschaft der Gemüslichkeit hat hier nicht geschadet. Das spektakulärste (und auch sehr gute Essen) kamen bei Vincent Klink in Stuttgart und Le Train Bleu in Paris auf den Tisch.
Unterwegs
Passend zum Jahr begann es im Januar mit einem Trip nach Hagen zur Fernuni. Das wirtschaftsmathematische Seminar im Nebel, das mir die Teilnahme an der Bachelorarbeit sicherte.
Auch nach Dithmarschen und Baden ging es. Besonderes Highlight: Die Einladung zur Taufe in Trier.
Aber selbst privat-privat war noch Zeit trotz allem. Vor dem Ausnahmezustand und in den zwei Wochen der Ruhe im Herbst, verließ ich Berlin. Beide mal in dieselbe Richtung.
Gesagt mit Josef Hader:
Der eine kommt nach Paris / der andere kommt nicht nach Paris / wie das Leben halt so iis
Eher zufällig stellte Madame fest, dass ich noch nie in Paris war und beschloss dies zu ändern. Dank neuer Direkt-Zugverbindung ging das ganz einfach. Das Hotel war direkt am Bahnsteig, die Versorgung hervorragend durch das gegenüberliegende Bouillon Chartier gesichert. Das erlaubte die bequeme und schöne Homebase.
Bei beiden Paris-Trips war Paris gar nicht das eigentliche Ziel, sondern der kleine Umweg. Eigentlich lauteten die Fahrten Berlin->(Paris)->Trier und Berlin->(Paris)->Tübingen. Es wird also Zeit einmal nach Paris mit Reiseziel Paris zu fahren.
Madame machte es in dieser Hinsicht besser: die fuhr im Sommer ein drittes Mal nach Paris (diesmal mit Reiseziel Paris) und dann weiter nach Versailles, Chantiliy, Bayeux und in die Schweiz.
Zum ersten Mal..
- Eine Bachelorarbeit geschrieben, abgegeben und bestanden: „Parametrische Optimierung – Der Einfluss von Schwankungen in den Modellparametern auf die optimale Lösung“
- In Julia programmiert
- In Paris gewesen (und da viele Dutzend Sachen zum ersten mal..)
- Auf dem Flight Tracker zwei Flüge vom Kaptain verfolgt
- Ernsthaft mit ChatGPT rumgespielt. Daraus folgend das Wort „Haselant“ in den aktiven Wortschatz aufgenommen
- Eine Einbauküche gekauft
- Corona bekommen
- Einen Mietvertrag als einziger Hauptmieter unterschrieben (seriously)
- Mir in IKEA Prügel androhen lassen
- Eine Gleitsichtbrille getragen (mit der Wohnungszusage eine der beiden besten Entscheidungen des Jahres)
- Das Wort „Schwimmbad“ in meine Adresse aufgenommen
- Die Wohnung in Bademantel und Adiletten verlassen, um Schwimmen zu gehen
- Einer katholischen Taufe beigewohnt
- Auf einem Pappbett geschlafen
Einatmen – Ausatmen
Ich war versucht, das Jahr 2026 einfach unter das Motto „Weniger Action“ zu stellen. Aber das trifft es nur halb. Lieber Einatmen – Ausatmen. Ankommen. Einen Rhythmus finden. Den Ausnahmezustand auf verschiedenen Ebenen wieder in einen ruhigeren Alltag überführen. Und mehr Schwimmen, die Tätigkeit, bei der ich am ehesten an Einatmen – Ausatmen denke.
Wenn der Atemrhythmus sitzt geht es auch besser und schneller voran.
Konkreter:
- den Master fortsetzen
- wieder „richtig“ Urlaub (Litauen?)
- den neuen Kiez erkunden
- das Schwimmbad im Haus dauernutzen. Irgendwann werd ich mich doch noch für so ein See-Langstreckenschwimmen anmelden.
- die Yorck-Unlimited-Karte dauernutzen
- das Jahr mit einem neuen Jobtitel und mehr Geld beenden