Schlagwort: Berlin

  • 24-02-06 Ein Punk aus Westberlin

    24-02-06 Ein Punk aus Westberlin

    Ein Fräsenrennen, auch Einachserrennen, ist ein Rennen, bei dem getunte Einachser (Einachsschlepper, Gartenfräsen) mit angehängtem Wagen über Motocross-ähnliche Parcours Wettrennen fahren. Fräsenrennen finden vor allem in Südwestdeutschland und der Schweiz statt. Seit gut 20 Jahren etabliert sich eine überregionale Szene. Das Fräsenrennen motivierte mich, mal wieder einen Wikipedia-Artikel auszubauen.

    Einmal im Leben wollte ich einem U-Bahn-Gitarristen Geld geben, weil der richtig echt Gitarre gespielt hat und freundlicherweise auf das Singen verzichtet. Und dann hat er gar nicht gesammelt.

    Es gibt Betätigungen, um die ich aus Vorsicht einen großen Bogen schlage. Computerspiele gehören dazu, ebenso wie Lego. Bei beiden befürchte ich, dass sie sich schwups zu zeit- und kostenfreudigen Hobbies entwickeln könnten.

    Aus diesem Grund lag auch der Lego-Technic-Mini-Traktor einige Monate unbeachtet herum, den ich einst geschenkt bekam: Furcht.

    Dieses Wochenende war ich mutig. Es macht Spaß. Meine Befürchtungen sind gerechtfertigt. Aber schnell stellte sich auch heraus: zumindest die fertigen Lego-Sets finde ich alle eher öde. Gerade die teuersten und fortgeschrittensten Modelle sehen oft aus nach „Langweiliges Fernlenkauto, bei dem wir die Fernlenkung durch eine Handy-App ersetzt haben.“

    Wenn mich etwas reizt, sind es die quer durchs Internet wabernden Um- und Selbstbauten. Die werfen aber sofort das nächste Problem auf. Wohin mit dem ganzen Grümpel in der Wohnung?

    Auch ein professioneller Intune-Spezialist sagt jedes dritte Mal Intunes.

    Madame schloss den neuen alten CD-Player an.

    Madame beriet zu Intranet-Zitationen.

    Sie hat fertig abgewickelt für dieses Jahr.

    Sollten wir jemals auf die wahnwitzige Idee kommen, mit dem Subaru nach Paris zu fahren, dürften wir weiterhin zum Normalpreis in der Innenstadt parken. Nach der entsprechenden neuen Richtlinie ist unser véhicule thermique (knapp) kein SUV.

    Punk’s not dead. Aber er ist im kritischen Alter. In wenigen Wochen starben Shane MacGowan (The Pogues), Egotronic, Frank Z. (Abwärts) und nun auch Wayne Kramer, der Gitarrist der bahnbrechenden MC5.

    In den USA war ich einst mit 17 Jahren auf einem bestuhlten Alice-Cooper-Konzert; eine verwirrende Erfahrung.

    Einmal nach Mercedes

    Andere Menschen gehen im gesetzten Alter zu Bands ihrer Jugend, um die Jugend nachzuerleben. Ich mach das anders: ich geh zu einer Band meiner Jugend, die ich in meiner Jugend gar nicht hörte, um eine nicht-vorhandene Jugend nachzuleben.

    In den Jahren, die ich quasi ununterbrochen mit dem intensiven Hören von U-Musik verbrachte, waren Alphaville immer viel zu Pop, zu Charts, zu Musikindustrie, um sie irgendwie ernst zu nehmen.

    Die Änderung kam 2018, bei „Sing meinen Song“ mit Alphaville-Sänger Marian Gold.

    Gold erzählte er von seinen prägenden Jahren als Punk in der Westberliner Hausbesetzerszene um 1980 – das legendenumwobene Straßenschlacht-David-Bowie-Sven-Regener-Christiane-F-Westberlin – noch mehr Street Credibility geht gar nicht. (So handelt zum Beispiel das Mitte der 1970er entstandenen Big in Japan direkt vom der Drogenszene am Bahnhof Zoo).

    Vor allem stellten wir fest: der kann Singen. Also richtig. Also so, dass ich ihm auch sofort einen Operntenor abnehmen würde. Was der an Kraft, Kontrolle und Variation in der Stimme hat, habe ich bei einem Popsänger nur selten gehört.

    Und dann wollten wir das Live sehen. „Alphaville“ (sprich Gold + vier neu hinzugekommene Bandmitglieder) und das Babelsberger Filmorchester in der Mercedes-Benz-Arena.

    Soviel Pathos und Bombast muss man stemmen können.

    Er konnte.

    Kurz hatte ich mich gefragt, ob er mit Mikro singt – denn Operntenor. Ich würde ihm auch zutrauen, dass er allein Kraft seiner natürlichen Stimme durch die Arena dringen würde. Aber es war mit Mikro. Am Anfang leider: die Tonmischung war schlecht. Sowohl Sänger wie auch Orchester kamen dumpfer bei uns an, als gut gewesen wäre. Aber es wurde im Laufe des Konzerts besser.

    Gold brachte die bekannten Hits (Big in Japan, Forever Young), verschiedene neuere Stücke und erzählte aus seinem Leben. Wieder Westberlin, wieder die frühen Alphaville-Jahre in Münster, ein Rückblick auf die Tournee, deren Abschlusskonzert es war. Aber auch wie es sich anfühlt, wenn die eigenen Kinder vielleicht Klimakleber werden. Und „Scheiß Nazis.“

    Die Art von Konzert benötige ich nicht öfter als einmal im Jahr. Aber einmal im Jahr ist es Besonders.

    Blick auf die Mercedes-Benz-Arena von Mercedes-Benz-Platz aus

    Zweimal nach Mercedes

    Der Sonntag brachte uns schon wieder an den Mercedes-Benz-Platz. Unser Plan „Erst die World Famous Baby Back Ribs Essen bei Tony Roma’s, dann Alphaville“ war nicht aufgegangen – anscheinend waren wir nicht die einzigen mit der Idee.

    Also am Sonntag wieder zum Essen, einmal sehr amerikanisch und sehr gute Come-off-the-bone St. Louis Ribs mit perfekter Sauce genießen. Ein mythischer Ort meiner Jugend ist Südstaaten-Barbecue – und für ein Ketten-Restaurant kommt Tony Roma’s ziemlich nah heran an dieses Essen.

    Dazu ein paar Cocktails. vorbildlicher Coleslaw und Ranch Beans und am Ende gingen wir sehr satt und sehr klebrig von dannen.

    Der Mercedes-Benz-Platz selber: eine Mischung aus Londoner Leiceste Square und Warschau – durchaus spannend. Der Fußweg von der S-Bahn-Station nach dort: Berlin 1998, ein erstaunliches Beharrungsvermögen des Ortes. Nach Hause mit der U1 durch Kreuzberg – Ausgehviertelsluft schnuppern.

    |x| < R

    Merksatz aus dem Mathe-Studientag, Abteilung Prädikatenlogik, zum Thema gebundene und freie Variablen: „Für alle Straßen gilt: Wenn es regnet, dann werden sie nass. Und Dinosaurier.“

    (Die Straßen sind gebunden, die Dinosaurier frei. Formell geschrieben \( \forall x (Px \land Qy) \).)

    Noch 13 Tage bis zur Mathe-Klausur. Müsste ich diese jetzt sofort schreiben, würde ich einige Punkte bekommen – aber noch nicht ausreichende Punkte zum Bestehen. Einen Großteil des Stoffes habe ich glaube ich verstanden. Es fehlen aber noch die entsprechenden Formeln und Sätze im Schnellzugriffsspeicher des Gedächtnisses und auch Rechenübung. Das in Mathe so wichtige „man sieht wie es weitergeht“ funktioniert noch sehr unzuverlässig. Das sollte aber Übungssache sein und sich bis zum 19. Februar zurechtruckeln können.

    Spannender werden die beiden echten Lücken, die ich identifzierte:

    (1) Die Matrixdarstellung im Homomorphismenraum. Irgendwo setzt bei „das ist die Matrixdarstellung eines Vektorraums, der sich bildet durch lineare Abbildungen von Matritzen, die entstehen wenn man Vektoren..“ mein Hirn aus. Wahrscheinlich muss ich einmal wirklich aufschreiben, welche Transformationen man alle durchgehen muss, bis man bei der Matrixdarstellung angekommen ist.

    (2) Konvergenzradien von Potenzreihen. Ein paarmal hatte ich im Semester schon den Ausdruck nach Cauchy-Hadamard gehört und nun noch einmal nachgeschlagen. Ich könnte wetten von den ganzen Themen noch nie gehört zu haben. Wenn ich auf die Formeln sehe, denke ich: „???“. Diese Lücke zu schließen, wird noch spannend.

    Führungskultur und Friseur

    Poupou schwimmt wie ein Fisch durch den ÖPNV.

    Die immer-noch-Existenz von Wikipedia ist ein kleines Wunder. Und bei allen Widrigkeiten: Der Hauptgrund ist, dass im Hintergrund immer das Stiftungs-Spenden-Modell stand. Wie es bei einer ähnlichen Seite aussieht, wenn die Community stimmt, aber der Eigentümer sein Wagniskapital refinanzieren muss, zeigt das ähnlich angelegte Quora: How Quora Died.

    Alerta, Alerta, Kyritz ist härter.

    Manches wird besser: Zum Beispiel Unternehmens-Führungskultur.

    Demokratie ist wichtiger als Friseur. Aber Demokratie ist auch abstrakter als Friseur.

    Mequito war auf der Berliner Nie-wieder-ist-jetzt-Demo und fand sie zerfahren.

    Der FC Bayern hat gute Momente.

  • 24-02-01 All Gender Dusche

    24-02-01 All Gender Dusche

    Christian Polanc (Let’s Dance) ist raus.

    Ende Januar ist die Weihnachtsruhe überwunden. Neue Geschäfte eröffnen. Im ehemaligen obskur aussehenden Kickboxladen (nicht Elite Kickboxing, der Andere) eröffnete MMA Fusion. Damit bleibt dieser Straßenabschnitt kampfsportlastig: Auf 100 Meter Straße residieren ein Kung-Fu-Studio, ein Karateverein, ein Jiu-Jitsu-Bundesstützpunkt und nun auch MMA Fusion.

    Um die Ecke eröffnete The Famous Bar und etwas weiter dahinter Talea – das botanische Bistro; Italienisches Trattoria-Essen kombiniert mit Zimmerpflanzenverkauf klingt nach einem Neugier erweckenden Konzept.

    Der Büroneubau im Gasometer Schöneberg wurde als „fertiggestellt“ an die Deutsche Bahn übergeben.

    Die Fähre fährt. Die BVG-betriebene Wannsee-Fähre wird vom BVG-Streik nicht betroffen sein.

    Herr K. zog nach Schwerin. Madame musste deshalb lästige Fragen beantworten.

    Im Markgräflerland ging alles gut.

    An der Nordsee zickt die Heizung. Wesselburen bekommt eine hauptamtliche Parkraumüberwachung.

    Nach Der Bestatter wechselte Madame zu Die Beschatter; eine Serie, die sich schon allein dadurch auszeichnet, dass es in Basel spielt und gedreht wurde.

    An der Ampel traf ich Ex-Kollegen Mr. Excel und bekam spannende Updates über die Ehemaligen. Bechtle jagte „uns“ mein ehemaliges Projekt ab, dafür nahmen „wir“ Bechtle einen anderen großen Kunden ab.

    Das Land Berlin hat weiterhin keinen Haushalt. Öffentliche Einrichtungen arbeiten weiterhin im Notstrom-Betrieb: Alles, um den aktuellen Betrieb aufrecht zu erhalten, läuft (anders als in den USA in vergleichbarer Situation). Jede Ausgabe, die nicht gerade genau jetzt zwingend sein muss, findet nicht statt.

    Der Undercover-Matrose ging von Bord. Zum Abschied gab es vegane Linsentörtchen und Obstkuchen mit Schweinefleisch. Ich wurde gefragt, ob ich jetzt auf Hawaiihemden spare. Der Personalrat hingegen fragte, wann ich mal wieder zum Friseur will.

    Meine neue Tasse heißt Susanne.

    Kriterien

    Noch 18 Tage bis Klausur: Mittagspause und Jadda Jadda. Bis zur Klausur muss ich zum Beispiel noch das Unterraumkriterium, das Linearkriterium und die Kriterien für monoton strenges Wachstum auswendig und im Schlaf anwenden können.

    Das Unterraumkriterium für Unterraum U

    \(0 \in U \) und \(u_1, u_2 \in U \rightarrow u_1 + u_2 \in U \) und \(a \in \mathbb{K}, u \in U \rightarrow au \in U \)

    Lineare Abbildungen

    \( f(v_1 + v_2) = f (v_1) + f (v_2) \) und \( f(av) = af(v) \)

    Streng monotones Wachstum

    \(a_n < a_{n+1} \) \(\leftrightarrow \) \(a_{n+1} – a_n > 0 \)

    Der Fahrradmeister als Schwimmlehrer

    Mein Plan für 2024: Mittwochabend zum Schwimmen nutzen. Der immobile Donnerstag bedeutet, dass ich an dem Tag Morgens länger herumschlumpfen kann. Der Vorabend eignet sich gut für Aktivität. Umsetzung bis jetzt: Es war Ende Januar und ich war noch nie Mittwochabend schwimmen. Aber jetzt.

    Anfang der Woche traf ich zufällig Frau Badleitung Coole Socke auf dem Verwaltungsflur. Sie fragte neckend, warum ich sie so lange nicht mehr besuchte. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Also auf mit der S2 / S26 nach Lankwitz und dann noch ein Stück die Leonorenstraße heruntergelaufen.

    Das Schöne: die Lankwitz-Crew im Winter hat starke Überschneidungen mit der Insulaner-Crew im Sommer. Und die mag ich alle gar sehr. Da ich auch oft genug in Lankwitz war – es ist ein bißchen wie „nach Hause kommen.“

    Stadtbad Lankwitz von Außen bei Nacht

    Das Nicht-so-Schöne: Lankwitz ist neben dem Stadtbad Schöneberg und dem Wellenbad Spreewaldplatz eines von drei „freizeitorientierten Bädern“ der BBB mit Rutsche und Spielgeräten.

    Das Stadtbad Schöneberg und das Wellenbad werden gerade renoviert. Beide Bäder sind geschlossen. Sämtliche Berliner Familien-mit-kleinen-Kindern weichen nun nach Lankwitz aus. Es war voll.

    Und ich mag es ja gar nicht sagen: Da auch das Kombibad Mariendorf wegen eines Brandschadens geschlossen ist, müssen die Mariendorfer Schwimmvereine auch nach Lankwitz ausweichen. Es wird kuschlig. Ein Verein hatte einen Trainer, der verdächtig nach dem Fahrradmeister aussah. (Aber anders redete).

    Spannend: ein Kabinengang und eine Dusche explizit gekennzeichnet als „All Gender“. Aber ich sagte ja schon, dass die Badleitung eine coole Socke ist. Die Neugier trieb mich in die All-Gender-Dusche, ich teilte sie mit einer Person deren biologisches Geschlecht ziemlich eindeutig männlich war.

    Geplanscht hab ich auch. Das war sehr schön. Ernstliches Schwimmen wäre weder mit meiner Nach-Erkältungs-Konstitution noch im vollen Becken möglich gewesen. Es reichte, damit ich abends komplett ermattet ins Bett sank.

    Keine Sticker trotzdem da – Schwarzer-Edding-Antifa

    Die Mastodon-Antifa-Sticker gibt es nun auch als echte Sticker zu kaufen. Die Erlöse gehen an HateAid e.V.

    Am Wochenende wird Königs Wusterhausen demonstrieren ebenso wie Meldorf, Büsum et al und auch wieder Heide.

    Eine freudige Erkenntnis der letzten Woche: im Zuge der Demonstrationen haben auch viele Handarbeits- oder Esoterik-angehauchte Blogs nochmal geschrieben, wie sehr sie gegen Faschismus sind. Und im Jahre 2024 freut mich das sehr.

    Um Tröt zu zitieren: Alerta, alerta, Helene ist härter.

    Finnland wählt.

    Mit der Fähre nach Ajaccio.

    Mit dem Zug nach Berlin und Stockholm/Turku.

    Mit dem Flugzeug nach Ivalo (Lappland).

    Frau Brüllen traf ein Startup.

    Das Szenario „was tun bei längerem Stromausfall im Büro“ spielen wir ja auch ab und an durch. Zum Glück noch nie in echt. Wie es sich in echt anfühlt, berichtet Frau Novemberregen.

  • 24-01-23 Perleberg steht auf. Berlin sucht die Demo.

    24-01-23 Perleberg steht auf. Berlin sucht die Demo.

    Cora Schumacher (Dschungelcamp), die Buffalo Bills (NFL-Playoffs) und Ron DeSantis (US-Präsidentschaftswahl) sind raus.

    Der Gemeinderat von Norderwöhrden/Dithmarschen (290 Einwohner) stimmte mit 4:3 dem Bau einer Batteriefabrik für 4,5 Milliarden Euro zu. Und in seinem Ablauf ist das schon etwas absurd.

    Madame und ich gingen zur Antifa-Demo und saßen danach auf dem Sofa fernsehen. Wie so ein altes Ehepaar.

    Wir entließen den roten Fundstuhl in die Freiheit.

    Mächtig, gewaltig

    Madame bereitete Gans. Im Januar. Im Januar gibt es keine Gänse.

    Erster Versuch beim Spargel- und Gänsehof, dessen weidende Gänseherde wir regelmäßig passieren. Auskunft dort: „Nach Weihnachten gibt es keine Gänse mehr.“

    Zweiter Versuch: Der „Geflügelfleischer“ der Nachbarschaft, der problemlos Fasane, Wachteln, Tauben, französische Schwarzfußhühner, Mandarinenten und Amselzungen besorgen kann: „Gans. Januar. Hmm, hmmm, hmm. Schwierig.“

    Schließlich gelang es dem Geflügelspezialisten, eine tiefgekühlte und vom Fachmann im Kühlhaus aufgetaute „Weidegans aus dem grünen Oldenburger Münsterland“ aufzutreiben. Madame bereitete in einer 2-Tages-Aktion zu.

    Das genaue Rezept samt Schnickschnack, Füllung und Sauce steht auf dem Rezeptblog, low-n-slow. Das wichtigste:

    • Gans, 4,3 Kilogramm
    • 1 – Eine Stunde im Backofen bei 220 Grad garen.
    • 2 – Dann 8 Stunden über Nacht bei 80 Grad im Backofen schmoren.
    • 3 – Herunterkühlen lassen auf Transporttemperatur
    • 4 – Mit dem Subaru-Gänsetaxi nach Friedrichshain kutschieren
    • 5 – Bei 180 Grad 30 Minuten wieder heiß machen
    • 6 – Bei Heißluft überknuspern

    Die Schritte 3 bis 5 sind optional.

    Ein nachgeholtes Gebutstagsgeschenk bot sich als Anlaß an. Wir redeten vom Business (Ablauf von Bewerbungsverfahren, internationaler Lizenzhandel, „Immer dieses Connecten!“), von Familiärem und von Jonglierkursen. Dann Antifa.

    U-Bahn voll und trotzdem da: Die Fußgänger-Antifa

    Die schlechte Nachricht vorweg: Offensichtlich habe ich in meinem Leben an zu vielen Antifa-Demos bei gleichzeitiger Anwesenheit von Nazis teilgenommen: Seitdem ich am Wochenende Demofeeling hatte, hängt mein Hirn auf Dauerschleife. Es grölt ununterbrochen: „Hier! marschiert! der nationale Widerstand!“. Das ist unschön. Vielleicht ist es auch nur die Erkältung.

    Interessant: Bei etwa 100.000 Menschen scheint die Belastungsgrenze deutscher Großstädte für spontane Versammlungen erreicht. Hamburg und München brachen wegen Überfüllung ab. Berlin hatte mit dem Platz der Republik, dem Bürgerforum, dem Brandenburger Tor mit Pariser Platz, der Straße des 17. Juni, der Straße Unter den Linden und dem Tiergarten noch viel Platz für Menschen. Nur gelangten die Menschen nicht mehr bis dorthin.

    Beeindruckend: Wir versuchten um 15:30h an der Samariterstraße (6 Kilometer Luftlinie und 10 U-Bahnstationen vom Demo-Ort entfernt) zur Demo zu gelangen. Der gesamte Bahnsteig war voll mit Menschen, halt so wirklich aus der Nachbarschaft in jung und alt, viele Familien, spontan selbst gebastelte Plakate und eine einfach positive Stimmung. Die wenigen Plätze, die in den hereinfahrenden U-Bahnen noch quetschbar waren, waren stets schnell gefüllt. Wir hatten keine Chance, in eine der Bahnen zu gelangen.

    Also antizyklisch noch ein paar Stationen aus der Stadt herausgefahren, ausgestiegen, wieder in die richtige Richtung eingestiegen und am Brandenburger Tor aus der U-Bahn geworfen worden. Dort wurde es unübersichtlich. Es war so viel Demo und so viele Menschen unterwegs, dass nicht so ganz klar, wo die Demo war.

    Gut, dass wir so den Weg vom Brandenburger Tor zum Reichstagsgebäude kennen. Der Plan „Folge-den-Menschen-die-so-aussehen-als-würden-sie-zur-Demo-gehen“, wäre nicht aufgegangen. Denn sie waren überall, und sie bewegten sich in alle Richtungen.

    Menschen mit Postern strömten durch den Tiergarten, kamen vom 17. Juni oder aus Richtung Potsdamer Platz. Andere waren am Gehen. Gegen 18 Uhr gingen wir wieder und immer noch kam ein Strom neuer Demonstrant*innen herangelaufen. Bis zur Museumsinsel (etwa zwei Kilometer östlich der Demo) waren alle U-Bahn-Stationen außer Betrieb genommen. Bis dorthin war die gesamte Straße Unter den Linden für den Verkehr gesperrt, denn den Platz benötigten Demonstrat*innen auf Hin- oder Rückweg.

    Ich traue mir nicht zu, zu schätzen, wie viele Menschen gleichzeitig vor dem Reichstag standen. Aber ich habe den Eindruck, dass zu jedem gegebenen Zeitpunkt ein Vielfaches an Menschen durch die komplette Innenstadt zog, entweder auf dem Hin- oder Rückweg zur Demonstration.

    Menschenmenge auf dem Weg durch den Tiergarten
    Nicht die Demo, sondern einer der Zugangswege durch den Tiergarten.

    Sticken gegen Nazis

    Gesehen: Leuchtplakate (sei es Plakate mit Lichterketten oder von innen beleuchtete Lichttafeln mit ‚Nie wieder ist jetzt‘-Aufschrift); ein Plakat „Darkroom links gegen rechts.“ Flaggen, die aus Metall-Brandschutzdecken bestanden; ein Plakat „Merz ist mitgemeint“; „Wir sind mehr“, „Wir sind das Volk“; der obligatorische Brezelverkäufer hatte seinen Bauchladen anlaßgemäß geschmückt.

    Premiere: Eine Mini-Demo in der Demo gegen die Demo. Etwa 20-30 Personen mit Palästina-Flaggen, deren englischen Transpis nach sie vor allem dagegen demonstrierten, dass die ganzen Anti-Nazi-Demonstranten nicht auch zur Free-Palestine-Demo kommen.

    Premiere: Meine erste Großdemo bei der ich keine Hubschrauber hörte. Später sahen wir verschiedene Drohnen weit über dem Gelände fliegen.

    Unfassbar: Mehrere ältere Damen hatten ein bettlakengroßes Demo-Transparent mitgebracht, nicht bemalt sondern bestickt war. Ich hoffe, ein*e Museumskorator*in hat das gleich für die Nachwelt gesichert.

    Vor allem aber: So viele Menschen, die so wirkten als wären sie komplettemang aus den Bussen, Bibliotheken, Supermärkten der Gegend gekommen.

    Noch beeindruckender: Allein in Cottbus waren so viele Menschen auf der Straße wie der Bauernverband letzte Woche bundesweit nach Berlin organisieren konnte.

    Mein Herz erwärmend: Die Prignitz ist wunderschön. Vor allem auch, weil es die menschenleerste Gegend Deutschlands ist. Wenn ihr eine Deutschlandkarte seht, auf der zum Beispiel Straßen, Bahnstrecken, Mobilfunkmasten, Schwimmbäder, Kneipen et cetera eingezeichnet sind – dann ist in diesen Karten oben rechts ein großes Loch sichtbar, in dem sich gar nichts befindet. Das ist die Prignitz.

    In dieser Prignitz, in Perleberg, 600 bis 1000 Menschen demonstrierten. Wow! Ich habe Zweifel ob an einem normalen Samstag überhaupt so viele Prignitzer ihr zu Hause verlassen.

    Wohnungsdetektive

    Der Filmflötist bekam eine Eigenbedarfskündigung. Nachdem er seit 1944 in derselben Straße und seit 1971 im selben Haus wohnt. Anscheinend kann seine Eigentümerin (die derzeit zur Miete in einer anderen Berliner Wohnung lebt) sich Miete und Nebenkosten ihrer aktuellen Wohnung nicht mehr leisten. Ebenso typisch wie bitter.

    Der Berliner Wohnungsmarkt ist wild. Deshalb vielleicht hilfreich: der Berliner Mieterverein empfiehlt eine*n Detektiv*in bei Eigenbedarfskündigung: Vorgeschobener Eigenbedarf: Profi-Detektiv hat meistens Erfolg

    Die Presse in der Nachbarschaft: Wie ein Eigentümerkollektiv politisch aktiver international anerkannter Architekt*innen, Künst­le­r*in­nen und Ku­ra­to­r*in­nen in der Schöneberger Ebersstraße versucht, ihre Mieter aus deren Wohnungen herauszuekeln. (Erinnert mich tatsächlich an die Zustände teilweise hier im Haus, nur dass unsere Ex-Eigentümer deutlich schlechter organisiert waren): Mie­te­r*in­nen nicht erwünscht.

    Ist das ein Grammophon?

    Frau Herzbruch mit Demoneid.

    Karen fährt weiter Bahn: Turku-Warschau mit dem Zug: (4) Kaunas-Warschau. (Wobei ich den Warschauer Bahnhof ja auf seine spezielle Art sehr mochte).

    Die Lage zwischen der Hamburger Wikipedia-Community und Wikimedia Deutschland ist so verfahren, dass es schon zu einem gemeinsamen Statement kommen musste.

    Pavel Richter, ehemals Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland (und in der Funktion auch einige Zeit Vorgesetzter meines Vorgesetzten), macht zukünftig vielleicht Paid-Editing auf Wikipedia-Diskussionsseiten: Benutzer:Pavel Richter (Consolvi GmbH)

    Die seltsamen 50. Geburtstage: A friend of mine manages an event place in Scotland, and they’ve banned 50ths. Hen nights, stag dos, 40ths, no problem: but some combination of the manic nihilism that sweeps over people and the middle-aged mal-coordination that crept up on them leads to a wild amount of breakage.

    Anderswo in Berlin: Trauer um den Hertha-Präsident: Das ganze Stadion war in schwarz gekleidet. Nur einzelne verteilte hellblaue Tupfer jener Menschen, die Kays sogenannte Präsidentenjacke trugen, jene Jacke, die er trug, als wir ihn vor anderthalb Jahren ins höchste Amt unseres Vereines wählten. Es wurden keine Banner der Fanclubs und Fangruppen gehängt, keine Fahnen, nichts. Nur ein langes, schwarzes Banner unten im Umlauf.

    Falls jemand Demoblogberichte aus Nicht-Berlin-München-Hamburg-Köln kennt, gerne in die Kommentare.

  • 23-12-28 Orwells Rosen leben noch

    23-12-28 Orwells Rosen leben noch

    Sonne – Wasser- frische Kakis vom Baum – ab dem zweiten Weihnachtstag begann die vorsichtige Rückwendung zur Welt da draußen.

    Die große Tischplatte verschwand wieder im Keller.

    Nach dem Bahnenziehen im Hallenbad Lörrach stellte ich fest, noch nie die legendäre Hauptstraße Weil am Rhein gesehen zu haben. Wir stiegen spontan vor dem Hallenbad in den Bus, passierten zwei Staatsgrenzen, stiegen wieder aus und wanderten die Hauptstraße ab – vom Leinen-Fachgeschäft und dem Märklin-Laden bis hin zu dutzendweise türkischen und chinesischen Restaurants, badischen Fleischereien und Bäckern. Die Schweiz is near.

    Am Ende der Straße liegen Kaufring, der Endpunkt der Basler Tram und der traurige Abstieg zum Bahnhof. Einst der wichtigste (Güter-)bahnhof in hunderten Kilometern Umkreis, der Weil zur Eisenbahnerstadt machte. Und jetzt, zwei traurige Gleise, kaum auffindbar, an denen gelegentlich mal eine S-Bahn oder ein Regio hält.

    Die S5 brachte uns zurück nach Lörrach Grand Central.

    Rombitombi stieß sich den Kopf am Klavierpedal.

    Mannheim ist laut Bahnhof Mannheim eine „Eishockeystadt.“

    Kurz fasste ich den Plan, Silvester und Neujahr kein Uni-Skript anzuschauen, denn es ist Feiertag. Dann dachte ich: „Bin ich bescheuert? Mir macht das ja Spaß. Mir Spaß entsagen, weil Feiertag ist. Soweit kommt’s noch.“

    Die Deutsche Bahn is on a run. Auf meiner Rückfahrt war wie immer der physische Zug defekt, der die deutsch-Schweizer-Grenze überqueren sollte. Aber die Bahn war in der Lage, rechtzeitig fahrenden Ersatz bereitzustellen. Gar als Uprade sehe ich es, dass meine IC-Fahrkarte Basel-Mannheim nun von einer ICE-Garnitur bedient wurde. (IC2870 – Ad-hoc-Zug ersetzte EC6 – Deutschland-Schweiz)

    Ab Mannheim ging es weiter wie gebucht. Ich hatte mir für insgesamt 62 Euro (mit Reservierung; ohne Rotwein) des Luxus eines 1-Klasse-Supersparpreises Basel-Bad->Südkreuz geleistet und Rotwein-an-den-Sitz im ICE594 (Linie 11 ICE München–Stuttgart–Frankfurt–Erfurt–Berlin); daran könnte ich mich gewöhnen.

    Vorher aber galt es, Weihnachten fertig zu feiern. Mit Kuchenresten, Hühnerfrikassee in Pastetchen, gemeinsamem Youtube-sehen und dem Empfang weiterer Familienteile, die auf ihrem eigenen Feierrückweg im Markgräflerland vorbeischauten.

    Billet – Nicht-Billet – Fast-Billet

    Nach Weil brachte uns das Deutschlandticket. Ich schätze es, irgendwo in Deutschland an einer Bushaltestelle zu stehen, zu denken „Ach, wäre praktisch“. Und weder muss ich ergründen welche Tarifzonen der Bus passieren wird, noch ob die Fahrerin mir überhaupt gegen Bargeld ein Ticket verkauft, noch sonstwas. Sehr sehr schön.

    Auch schön: Das erste Mal seit Umstellung der DB-App funktionierte mein Komfort-Check-Inn.

    Weniger Erfolg mit den Tickets, hatte ein Gast in meinem ICE. Der Zugbegleiter, unweihnachtlich-streng orientiert, ließ den Gast in Erfurt von 4 Bundespolizist*innen aus dem Zug hinausbegleiten. Der Versuch, mit dem „Screenshot eines abgelaufenen Deutschlandtickets“ unbemerkt 1. Klasse ICE zu fahren, war vielleicht doch zu sportlich. Da kein Ausweis = Polizei.

    Kurz vor Berlin das nächste Zugbegleiterdrama. Zwei Personen hatten versucht, Bahnbonus-Punkte in Freifahrten umzuwechseln. Soweit ich der Diskussion gewahr wurde, hatten sie bezahlt, aber formal nicht korrekt gebucht. Folge: Eine von beiden hatte technisch kein gültiges Ticket. Zugbegleiter 1 hat es nicht bemerkt (bemerken wollen) und die beiden eingecheckt.

    Bei allen weiteren Konrollen galten ihre Plätze als „schon kontrolliert“. Kein Problem.

    Hinter Leipzig leerte sich der Zug. Eine der beiden Personen setzte sich auf einen anderen Platz. Das provozierte eine neue Kontrolle. Ergebnis: Ungültiges Ticket. Großes Drama. Der Zugbegleiter wollte „nur“ die Daten aufnehmen und das ganze wegen „ist kompliziert und wir sind in 10 Minuten in Berlin“ zur Entscheidung an die Zentrale weitergeben. Die beiden Fahrenden fühlten sich des Schwarzfahrens bezichtigt und waren entsprechend aufgewühlt.

    Ich dachte gleichzeitig „Ey, Weihnachten. 22:30h; kein böser Wille; in 20 Minuten ist der Zug am Endbahnhof. Die beiden sitzen problemlos seit Stuttgart im Zug. Ein Auge zudrücken?“ und „Ey, ihr habt genug Bahnbonus-Punkte für zwei 1.-Klasse-Freifahrten quer durch Deutschland; da darf man auch ein bißchen Bahn-Erfahrung und -Kompetenz bei der Buchung erwarten.“

    Ein weiterer Fahrgast sprach den Auge-Zudrücken-Gedanken laut aus, und alles eskalierte noch weiter.

    *Der Autor seufzt*

    Die Pfeife fehlte

    Wenn nicht Sitz-externes Drama meine Aufmerksamkeit auf sich zog, schaltete ich gelegentlich das Handy live. Und ab Fulda trötete jedes mal eine neue Katwarn-Hochwassermeldung eines anderen Landkreises auf. Wasser sah ich keines, Nachts ist es dunkler als draußen.

    Untrötend konnte ich bei den Nachbarn linsen. Es wurde gelesen: ich konnte drei Sitze einsehen, auf dreien war ein Buch in Nutzung: (1) Das dritte Herz des Oktopus (2) School of Life (3) 1984.

    Auch ich las:

    • „Spektrum der Wissenschaft“ (u.a. wie man an zufällig bekannten Seriennummern die Gesamtgröße einer Serie abschätzen kann. Auch online: German Tank Problem).
    • Natürlich das Mathe-Skript. Über die Feiertage hatte ich, vom Flow überströmt, teilweise drei, vier Seiten am Stück gelesen und fand das schon beim Lesen suspekt. Es zeigte sich: natürlich blieben Lücken. Also backtracking im gewohnten Tempo: eine Seite lesen. Dann mindestens 20 Minuten die Konzentrationsfähigkeit regenieren. So zockelte ich durch die Homomorphismen.
    • Das Theoretische-Informatik-Buch. Da das „extern“ und nicht prüfungsrelevant ist, erlaube ich mir hier schnelleres Lesen auf Lücke. Immerhin brachte es die schöne Formel:

    |- (A -> ((A -> A) -> A)) -> ((A -> (A -> A)) -> (A -> A))

    • (Ein Teil einer formalen Fingerübung für das Hilbert-Kalkül, mit dem hier nachgewiesen wird, dass der Satz „Wenn A, dann A – formal: A -> A“ allgemeingültig ist.)
    • Vor allem las ich Orwell’s Roses. Essays über George Orwell, Gärtnern, Rosen, Orwell und Gärtnern, Gärtnern und Schreiben, Schreiben-als-Beruf, Nazis, Sozialismus und Cox Orange. In anderen Worten: ein Buch von dem ich wünschte, ich hätte es geschrieben haben würden. Leider bin ich schon an dem Punkt, an dem ich Angst habe, weiter zu lesen, DENN DANN IST ES JA BALD ZU ENDE!!!
    • Auch mit Zitat: „Most of writing is thinking, not typing.“ Bestärkt meinen Vorsatz für 2024, mehr Zeit und Gelegenheit zum Denken und Träumen zu finden.

    Silent night, lonely night

    Kurz hatte im Raum gestanden, dass wir den Freiluft-Weihnachtsgottesdienst in Stetten besuchen. Was nicht passierte. Aber ein Blogbeitrag zum Gottesdienst existiert dennoch: So war mein Weihnachten 2023, ein Open Air Gottesdienst

    Weihnachten allein versus Weihnachten einsam: So, 24.12.2023 – Holynight

    Von selbstgeschaffenen Weihnachtstraditionen: Weihnachten und die Weihnachtszeit bei den Farnientes

    Heiligabend mit Turkuer Friedensgruß: Heiligabend 2023

    Schon einen Schritt weiter beim Thema Jahresrückblick. Rezepte nach CO2: Foodblog-Bilanz 2023: Das Jahr bei Klimafreundlicher Kochen

    Der heutige Beitrag zum Thema „Ey, Berlin, WTF?“:

    Seit vielen Jahren gibt es die Forderung, den Nahverkehr auf der Straße zu beschleunigen. Warum hat sich so wenig getan?
    Ich weiß es selbst nicht. 2006 wurden für die Fußballweltmeisterschaft Vorrangschaltungen für die Straßenbahn abgeschaltet. Das sollte damals nur für das Turnier gelten. Doch die Vorrangschaltungen sind bis heute nicht wieder alle in Betrieb. Das ist einfach absurd

    Ganzes Tagesspiegel-(Paywall)-Interview: Experte rechnet mit Berlins Verkehrspolitik ab: „Der Fokus auf das Fahrrad macht Dinge kaputt“

  • 23-11-18 Zweimal drei macht vier und noch drei macht neune

    23-11-18 Zweimal drei macht vier und noch drei macht neune

    Samstags kippt Madame das Schaukelschaf.

    KATWARN-Meldungen aus Dithmarschen (Sturmflut) und Südbaden (Starkregen, Überflutungen) begleiten meine Tage. Die Berliner Katastrophen scheinen aktuell eher menschengemacht.

    Freitag fanden sich spontane Aufkleber für eine erneute Freitagabend-Fahrraddemo gegen die aktuelle Berliner Verkehrspolitik. Je mehr ich von der aktuellen Verkehrspolitik sehe, desto eher habe ich den Eindruck, sie verfolgt kein Konzept außer „kein Platz für Fahrräder.“ Was noch weniger zukunftsträchtig ist, als das Gegenmodell „Autos sind böse.“

    Auch nach 18 Monaten vermisse ich meinen alten schönen Arbeits-Radweg über den (zu den entsprechenden Uhrzeiten) leeren IKEA-Parkplatz, dann am Alboinplatz-Park vorbei und schließlich am Teltowkanal entlang. Ich machte mich wieder auf der Suche nach Alternativen. Diese sollten möglichst frei von Linksabbiegungen, Ampeln und vor allem Auto-Berufsverkehrwahnsinn sein. Das ist nicht einfach. Immerhin entdeckte ich beim Alternativentesten eine neue Fahrradquerung des John-F-Kennedy-Platzes.

    Ich überarbeitete die „Über mich„-Seite auf dem Blog. Ziel: Mehr Buchstaben, weniger Inhalt.

    Nach nur 15 Tagen DHL-Verwirrung gelang der Zugang zur Swappie-Sendung. Ich musste nur die bestehende Verbindung meines spezifischen Handies zur DHL-App löschen. Dann einen Brief mit QR-Code anfordern und dann wieder dasselbe Handy mit derselben App verknüpfen. „Ausschalten und wieder Einschalten.“ – in wie vielen Formen einem diese Standard-IT-Lösung begegnet.

    Wir schauten Borgen in der arte-Mediathek und freuten uns: Unser Universal-Gartenmöbel, auch „das Getüm“ genannt, hat einen Cameo-Auftritt im „Kreativraum“ von TV1.

    Noch letzte Woche schrieb ich, dass ein relevanter Anteil Berliner Autofahrer bei Dunkelheit und Regen von Blindheit geschlagen wird. Diese Woche verließ ich die Verwaltung und sah ein Beispiel: SUV an Laternenmast. Vermutlich beim Abbiegen die Einfädelspur um drei Meter verpasst. Angesichts dessen, dass ich neben dem Mast öfters stehe, um die Straße zu überqueren, bin ich froh über eine solche Barriere.

    Wohldefiniertheit

    Mein dritter Studientag: der Studientag Mathematische Grundlagen. Wie angesichts der Rechenfähigkeiten von Mathermatikern zu erahnen, dauert ein Studientag zwei Tage. Meine komplette Vergleichsgelegenheit sind die beiden (also vier) Studientage Algorithmische Mathematik aus dem letzten Semester.

    Formal gibt es einige Unterschiede: Letztes Semester nahm ich vor Ort teil (in Nürnberg bzw. in Hagen). Dieser Studientag findet nur virtuell statt. Die Algo-Mathe bestritt ein gut eingespieltes Duo. Diesmal eine One-Woman-Show mit Chat-Aushelfer. Bei der Algo-Mathe bestand die Zielgruppe aus Wirtschaftsinformatik- /Informatik-Studierenden irgendwo in der Mitte des Bachelors. Dieses Mal sind es Mathe- /Informatik-Studis im ersten Semester.

    Der größte Unterschied liegt bei mir selber. Im letzten Semester habe ich gefühlt nichts anderes aktiv studiert außer Algo-Mathe und dementsprechend intensiv hatte ich mich vorbereitet. Dieses Wintersemester ist das 4-Modul-Semester und so habe ich vor einer Woche überhaupt das allererste mal ernsthafter in die Mathe-Unterlagen geschaut. Ich bin also eklatant unvorbereitet.

    ABER ich habe ja Algo-Mathe überwunden. Das inhaltlich auf dem Modul Mathematische Grundlagen aufbaut. Sprich: ich musste mir letztes Semester alles aus dem Nichts irgendwo beibringen, was ich jetzt formal korrekt lerne. Trotz mangelhafter Vorbereitung fühle ich mich inhaltlich mehr angekommen und orientierter als je in der Algo-Mathe.

    Ein kleiner Exkurs im Begleitchat machte mir deutlich, was ich an der Mathematik an sich mag:

    Studierendes 1: Aber wenn F2 abgeschlossen bezüglich Addition ist, dann müsste 1+1=2 in F2 liegen? ich kann doch nicht einfach bestimmen, dass 1+1 gleich 0 ist, oder?

    S2: Doch. Das ist so bestimmt.

    S3: Definieren kann man was man will.

    Unterrichtender: Nicht so ganz. Es gibt so etwas wie „Wohldefiniertheit“. Aber das ist nicht Kursbestandteil.

    Das mag ich. Es gibt kein absolutes „Das ist so“ oder „das muss so.“ Erst wird von Menschen die Definition erschaffen. Und natürlich lässt sich problemlos eine Pippi-Langstrumpf-Mathematik erschaffen in der gilt: 2*3 = 4 und (2*3)+3 = 9. Wahrscheinlich haben damit schon längst Mathematiker*innen gearbeitet. Aber das bedeutet nicht Willkür oder Chaos, denn innerhalb der Definition herrscht zwingende Stringenz. Totale geistige Freiheit bei innerer Disziplin. I like.

    Tiere des Kaisers

    Heute lernte ich: Im Handarbeitsfachhandel gibt es den Farbton „Männerbunt.“ Es handelt sich um ein unifarbiges Dunkelblau. Laut Handel geht es um eine „Kombi aus Blau und Grau, der Lieblingsfarbe vieler Männer.“ Der Farbton „fröhliches Männerbunt“ ist einen Tick heller, aber genauso einfarbig.

    Madame hört regelmäßig den Podcast The News Agents USA, der US-Politik aus UK-Perspektive kommentiert. Sie erfreute mich damit, dass der Podcast eine Exkursion in die USA unternahm und (natürlich) bei der größten religiösen Veranstaltung Georgias vorbeischaute: Einem Heimspiel des Georgia Bulldogs College Football Teams.

    Erinnert ihr Euch. Es gab Zeiten, da wirkte das ehemalige Google-Motto „don’t be evil“ noch nicht wie finsterster Zynismus. Es schien ein paar Jahre so, als könnten Techno-Utopismus, Geld verdienen und Menschheitsrettung wirklich Hand in Hand gehen. Ursache dafür war maßgeblich der Whole Earth Catalogue und seine Folgen. Eine Mischung aus Technik-begeistertem Versandhauskatalog und Kalifornien-Gegenkultur mit revolutionärer Hippie-Attitüde.

    Aus der Szene, die der Katalog bediente, gingen viele Silicon-Valley-Pioniere hervor. Seinen Geist verkörperten sie. Jetzt, da der Geist komplett verschwand, ist immerhin der Katalog wieder da. Alle Ausgaben wurden komplett digitalisiert: https://wholeearth.info/ (mehr Hintergrundinfo bei Wired)

    Einen geistigen Schlingerkurs von verstaubtem englischen Konservatismus über drogennehmende Hippies und die Heavy-Metal-Szene bis in den kulturellen Weltmainstream ging Tolkiens Herr der Ringe. Eine Fangruppe sind italienische Faschisten. Die sind an der Regierung. Ihr Kultusministerium veranstaltet in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea eine Tolkien-Ausstellung. Das ist alles so bizarr, dass selbst ich es nur schwer glauben kann.

    Wer sich je mit Kategorisierungen beschäftigen musste, kennt das Borges/Foucault-Beispiel der fiktiven chinesischen Enzyklopädie mit den Tiergruppen „(a) Tiere, die dem Kaiser gehören (b) einbalsamierte Tiere (c) gezähmte Tiere (d)…“ An diese Liste musste ich denken angesichts des Wikipedia-Eintrags List of games that Buddha would not play.

    Nicht alle Rollenspielgruppen waren so spießig-anständig wie wir damals.

    Währenddessen in Nord-Israel nahe des Libanons.

    Gut erinnere ich mich daran, des Nachts in Basel mit dem ICE anzukommen und dann irgendwie weiterzumüssen. Dieses Szenario aus professioneller Perspektive.

  • 23-11-14 Krause Glucke

    23-11-14 Krause Glucke

    Die Schwimmhalle Hüttenweg eröffnet nach mehrmonatiger Sanierung wieder.

    Das DHL-verschollene-Handy tauchte in der Packstation auf. Ich habe den Verdacht, es hängt damit zusammen, dass ich höflich aber bestimmt eskalierte.

    Übermorgen soll die mehrfach verschobene Parkzone vor unserer Haustür in Betrieb gehen. Vorausgesetzt allerdings, die neue Verkehrssenatorin klebt sich nicht unter dem lauten Entsetzensschrei „Die Parkplätze!“ irgendwo fest.

    Passend dazu: In der FAS sah ich eine Tabelle, dass kaum eine andere Großstadt einen derart großen Anteil an Fläche für Automobile bereitstellt wie Berlin. Dabei hat bietet allerdings auch kaum eine andere Großstadt weniger Parkplätze. Mysterien Berlins.

    An der heimatlichen Großkreuzung fiel die Ampel aus. Normalerweise ist das als Fahrradfahrer ein Moment des Grusels, an dem jede Sekunde irgendwoher ein Autofahrer hervorschießen kann, der seine Chance auf Kreuzungsüberquerung sieht. Hier allerdings hatten sich die Autos so sehr ineinander verhakt, dass stehender Verkehr entstanden war. Super.

    Die Fahrrad-Helm-Saison beginnt. Nach dem letzten Arbeitsstellenwechsel vor anderhalt Jahren verkürzte sich der Arbeitsradel auf ein Drittel. Seitdem das Auf- und Absetzen des Helms ähnlich lange dauert wie der komplette Arbeitsweg, werde ich inkonsequent beim Tragen. Habe jetzt allerdings einmal wieder Berliner Autoverkehr bei Nacht im Regen erlebt – und beschlossen dass unter diesen Bedingungen gut ein Viertel der Autofahrenden einfach GAR NICHTS mehr erkennt. Und trage wieder Helm.

    Berlin-Berlin. Wir verbrachten das erste Nur-in-Berlin-Wochenende seit Monaten. Was einem so alles in der Wohnung auffällt, wenn man mal zwei komplette Tage anwesend ist!

    Madame kochte Krause Glucke. Ich möchte auf eine Wiederholung des Experimentes drängen. Allein dieser tolle Vanille-Nuss-Geruch der schon vor dem Kochen die ganze Wohnung durchströmte. Was ein Pilz! Jetzt fertigt sie Quitten-Aronia-Marmelade an.

    Heimwerken: Wenn du eine halbe Stunde lang Zeug wegräumst, Werkzeug hervorkramst und dich erinnerst welches der richtige Dübel war. Dann legst Du alle Einzelteile zurecht, um 20 Sekunden zu bohren. Und dann wieder eine halbe Stunde rückwärts.

    Dies war der Plan.

    Leider machten wir eine archäologische Entdeckung mit dem Schlagbohrer. Eine Leitung: Anscheinend zu einer versetzt liegenden Steckdose auf der anderen Seite der Wand gehörend (?!?). „Der Strom ist aus“, informierte mich Madame als wir uns tastend in der stockdunklen Wohnung trafen.

    Schon fast als archäologische Entdeckung möchte ich die Wurzelgemüsereste aus der hinteren Kühlschrankecke bezeichnen. Zum Glück gab es einen Slow Cooker, der diese in eine wohlgefällige Gemüsesuppe verwandelte.

    Was ist eine Fläche?

    Nach dem Fernuni-Kurzausflug in die Technische und Theoretische Informatik wechselte ich schon wieder das Modul. Kurz erfreute ich mich, dass mit Spieltheorie (Modul Betriessysteme und Rechnernetze) und Formaler Logik (Modul Mathematische Grundlagen) zwei Themen kommen, die ich tatsächlich mal auf universitärem Niveau lernte. Aber das war nur kurz: Am Wochenende steht der zweitägige „Studientag Mathematische Grundlagen“ an. So las ich die entsprechenden Skripte.

    Wobei „lesen“ bei mathematischen Texten ein schwieriges Konzept ist. Verständnishaftes „lesen“ bewegt sich ja gerne im Tempo von einem Zeichen pro Minute voran – welches Zeichen ist das? Warum steht es da? Was bewirkt es? – und in dem Tempo hätte ich keine 250 Seiten geschafft. Ich betrachtete jedes Wort bei mäßigem Verständnis von allem. So etwa wie „eine Bergwanderung mit der Drohne abfliegen“. Die Wanderung steht noch bevor. Und die Wanderung wird eine Herausforderung. Hoffentlich habe ich jetzt einen vagen Eindruck der zurückzulegenden Strecke.

    Da es um Grundlagen geht, spielt die altbekannte Schulmathematik schon eine Rolle. Nur halt von hinten durch den Hals ins Auge. Im Skript wechseln sich neckische Texteinschübe ab mit Holla-die-Waldfee-Formeln. Nach vielen Seiten der Herleitung der Existenz Irrationaler Zahlen wird festgestellt, dass es nun Zeit ist, auch eine Irrationale Zahl zu betrachten. Es geht erstmal um Wurzeln:

    Ein alter Hut, meinen Sie? Nein, nicht wirklich, denn haben Sie jemals einen Beweis dafür gesehen, dass so etwas wirklich existiert? Und bedenken Sie, wir haben ja nur die neun Axiome zur Verfügung, und aus denen leiten wir all dies her.

    Und dann folgen drei Seiten Formeln. Im Wesentlichen wird nachgewiesen, dass ein höchster Wert (ein Supremum) r einer Menge existiert. Danach folgt der Beweis, dass dieses Supremum hoch p (also r^p) gleich a ist, also ist r die p’te Wurzel aus a. Dies erfolgt indem nachgewiesen wird, dass r^p > a und r^p < a zu Widersprüchen führt. Also muss r^p = a sein. Das bedeutet r ist die p’te Wurzel aus a. Es endet mit:

    Mit dem Satz des Archimedes können wir ein \[m \in \mathbb{N} \]so wählen, dass \[m > \max \lbrace \frac {1} {r} , \frac {pr^p} {r(r^p−a)} \rbrace \] ist. Für ein solches m gilt \[ (r− \frac {1}{m})^p > a \]. Da aber \[ r− \frac {1} {m} \] wegen \[ r − \frac {1} {m} < r \] kein Supremum von \[ \mathbb{ M} \] ist, gibt es ein \[ y_0 \in \mathbb{ M} \] mit \[ y_0 > r − \frac {1} {m} \]. Mit dem Lemma 12.2.66 gilt \[y^p_0 > (r |− \frac {1} {m})^p > a \], ein Widerspruch dazu, dass \[ y_0 \] in \[ \mathbb{ M} \] liegt.
    Da \[ r^p >a \] und \[r^p <a \] zum Widerspruch führen, muss \[r^p = a \] gelten, und es folgt, dass r eine p-te Wurzel aus a ist. \[ \square \]

    Die gute Nachricht: Dieser Kurs ist für den Bachelor Wirtschaftsinformatik komplett ohne Belang. Er besitzt formale Bedeutung nur für DEN MASTERPLAN. Und als solches ist er noch mehr Hobby als die anderen Module gerade. Die schlechte Nachricht: Ich verstehe, wie Durchfallquoten von 70/80% in der entsprechenden Klausur zustande kommen.

    Meta-Bildung 1A / 1B

    Als Kurzzeit-Axel-Springer-IT-Dienstleister und unregelmäßger Bild.de-Leser beobachtet ich die Entwicklung der Zeitung mit Spannung. Nach den Rechtsaußen-und-unfassbar-peinlich-Jahren mit Julian Reichelt, kam die halbwegs nette aber belanglose Zeit unter Johannes Boie. Naja, und jetzt kommen die Frauen und machen den Job: Seitdem Marion Horn die Chefredaktion übernommen hat, hat das Blatt sich wieder gefunden. Reaktionär, dass es kracht. Dabei nicht peinlich. Die Leserschaft dort abholend wo sie ist. Agenda-setzend wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bei Axel Springer sollten die Sektkorken knallen und der Rest der Menschheit sollte trauern.

    „Die Grünen nehmen uns die Heizung weg!“ und „Wenn noch ein Migrant mehr kommt, platzt Deutschland!“ – zuerst auf Bild und schon zwei Wochen später im Deutschlandfunk.

    Sympathischer:

    Als ich noch aktiver in Wikipedia war, habe ich mit vielen Journalist*innen über Wikipedia gesprochen. Ihr Verständnis der Prozesse dort war … unterschiedlich. Einer der wenigen bei dem ich den Eindruck hatte, er versteht wirklich wie das alles funktioniert war des Tagesspiegels Sebastian Leber. Um so mehr freue ich mich, dass er thematisch mal wieder bei Wikipedia landete: Nahost-Diskussionen auf Wikipedia: Krieg um die Begriffe

    Poupou bloggt Bildung – Bildung über Bildung geradezu: Modul 1A Lernheit 1Modul 1A Lerneinheit 2Modul 1B – Lerneinheit 1

    Kellerkind taucht irgendwie nicht in meinem Feedreader auf, blickte aber trotzdem auf den Oktober zurück.

    Nic traf Gritty McGritface.

    Signorino sagt NEIN.

  • 23-11-09 Zahl_der_Saiten: decimal

    23-11-09 Zahl_der_Saiten: decimal

    Neben Backpapier, Schwarztee und Notfall-Fischstäbchen unterschritten auch Haferkleie und Küchenwaagen-Batterien CR2032 die kritische Lagermenge s. Es wird Zeit für einen Vorratseinkauf.

    Madame spazierte durch das bayerische Viertel und nahm währenddessen per Audio an einer live-Zoom-Veranstaltung zu Bourdieu, Eribon und Ernaux teil. Diese moderne Technik bietet Eindrucksvolles.

    Madame crockt Baked Beans.

    Meldungen von der Berlin-Wohnungssuche einer Neu-aus-München-Zugezogenen „München ist auch irr. Aber zumindest kann man in München mit Geld noch etwas werden. In Berlin hilft aktuell nicht mal Geld.“ Sie lebt jetzt für 900 Euro/Monat in einem 20-qm-Zimmer. Vielleicht sollten wir unsere mittelfristige Lebensplanung doch Richtung Chemnitz orientieren.

    Ein Techem-Handwerker versuchte Wasserzähler zu wechseln. Geht nicht, weil die angrenzenden Leitungen zu alt sind. „Muss ich an die Hausverwaltung melden. Aber so wie die Leitungen aussehen glaub‘ ich nüch, dass was passieren wird.“

    Wohnung 2R wurde über viele Monate renoviert. Leider funktioniert die defekte Wohnungsklingel weiterhin nicht.

    DHL verspricht seit 5 Tagen ein Handy aus der Spezialfiliale an eine Packstation umzuziehen. Bisher anscheinend ohne Erfolg.

    Madames Freunde, die Schopfintlinge, sind nicht nur Pilz des Jahres 2004 sondern auch fleischfressende Pilze. Erst lähmen sie vorbeikommende Nematoden mit einem Pilzgift und dann verdauen sie das Geschöpf in wenigen Tagen.

    Gaitanides 2007; Silver 2011

    Das Modul Modellierung betrieblicher Informationssysteme brachte meine Versöhnung mit der Wirtschaftsinformatik. Mein Leben schwankt ja zwischen den Gemeinschaftskunde- und Mathe-Leistungskursen, die ich einst belegte. An der Fernuni Wirtschaftsinformatik zu studieren, erschien mir da als gute Synthese beider Themen. Bisher war es so: Reine BWL-Module: Spannend. Reine Mathe/Informatik-Module: Sehr spannend. Wirtschaftsinformatik-Module: Okay.

    Welch Irrtum. Die Modellierung betrieblicher Informationssysteme holte mich nun voll ab. Sei es, weil sie spielend (zumindest in der Strecker-Version) den Spagat zwischen IT-Umsetzung und sozialem Kontext herstellt, sei es weil sie bei mir gerade krassen Berufs-Praxis-Bezug hat und ich unmittelbar Vorteile und Einsatzgebiete direkt vor meiner Nase sehe.

    Deshalb weichte ich auch mal wieder meine Job/Uni-Trennungsregel auf, blieb in der Mittagspause in der Verwaltung und schaute Bildungsfernsehen, aka die mit Liebe und Aufwand gefilmte Vorlesung in Begleitung zu den Skripten.

    Das ist der Heimarbeitsplatz, nicht die Verwaltung.

    So sehr holte es mich ab, dass ich beim Lehrstuhl informationshalber nach Semianren und Abschlussarbeiten schaute. Und ich staunte: Hüpft das Modul aktuell durch Geisteswissenschaft und Prozessmodelle und IT, so sind die Abschlussarbeiten-Themenvorschläge fast alles echte Bastelarabeiten mit Code.

    Aber wo ich schon auf der Website des Lehrstuhls war, fand ich nicht nur eine allgemeine Seite mit Hinweisen und Tipps (u.a. zu Citavi, LaTeX und Luhmanns Zettelkasten) sondern auch noch die „Sehens- und Hörenswertes“, das von Prozessmodellierungs-Spezialangebote bis hin Douglas Adams oder Vorträgen von „Do we see reality as it is?“ reicht.

    Egal. Am Mittwoch reichte ich die Einsendeaufgaben für dieses Semester ein. Es ging unter anderem um ein Datenmodell für einen fiktivem Musikinstrumenten-Webshop. Und da ich ja noch einiges anderes zu studieren habe, werden jetzt leider auch die betrieblichen Informationssysteme in der Hinterkopf-Tiefkühlung landen. Ganz ohne dass ich noch Gaitanides 2007 und Silver 2011 lese. Selbst den Youtube-Kanal des Lehrstuhls werde ich mir vorerst verkneifen. Denn wann?

    You’re so skibidi

    Letztens stellte ich die These auf, dass der Rechtspopulismus/Neofaschismus-Drang der Gesellschaft von Leuten kommt, die sich „als normal“ empfinden und plötzlich feststellen, dass sie nur eine Minderheit sind. Passend dazu die Forderung der CSU, der öffentlich-rechtliche Rundfunk solle „Journalismus für normale Zuschauer“ machen.

    Zu den Seltsamkeiten westlicher Gesellschaften zählt es, dass Medien und mediennahe Diskussionen den festen Drang haben, Menschen in „Generationen“ einzuteilen und diesen Generationen feste Merkmale zuzuweisen. Während Satzanfänge wie „Frauen sind..“ oder „Italiener haben alle..“ zu Recht aus der Mode kamen, erfreuen sich „Generation Z ist..“ oder „Boomer haben alle..“ ungebrochener Beliebtheit. Gestern sichtete ich erstmals in freier Medien-Wildbahn in der NY Times die Generation Alpha, die Generation nach Generation Z: Gen Alpha Is Here. Can You Understand Their Slang?

    Derselben Online-Zeitung entnahm ich, dass Barry Manilow ein Broadway Musical über die Comedian Harmonists produziert. Rein musikalisch bin ich nicht überzeugt.

    Karen war im historischen Festsaal der Freiwilligen Feuerwehr. Der sieht sehr viel festsääliger aus als ich erwarten würde.

    Vom immer-unterwegs-Leben der Zugbegleiterin.

    Die Welt benötigt urbane Novembergedichte.

    Palmkohl rockt.