Ein Mülleimeraufkleber informierte mich, auf welchem Telegram-Kanal ich ein Drogentaxi bestellen kann. MMB lobte mich, weil ich die menschlich-soziale Kommunikation zwischen Dealer*innen und Konsument*innen förderte, indem ich den Aufkleber in den selbigen Mülleimer hinein beförderte.
**
Autobahnfahrtsfrage: Warum drehen sich Windräder im Uhrzeigersinn und nicht dagegen?
**
Ich sah das erste Taxi, das groß und offensiv mit dem Ortskenntnisnachweis des Fahrers warb.
**
Ob der Drogentaxifahrer auch einen Ortskenntnisnachweis hat?
**
Madame stellte fest: Menschen fahren entweder nach Freiburg oder von Freiburg. Niemensch fährt durch Freiburg hindurch.
**
Wasser und ich, ein schwieriges Thema in den letzten Tagen. Ich bin nah genug an der Nordsee gewesen um in gemütlicher Ohne-E-Fahrrad-Entfernung vom Deich zu sein – ohne Wasser zu sehen. Dann bin ich im Schwimmbad gewesen; immer noch kein Wasser. Schließlich war ich im Kino, ein Film mit einer Schwimmerin auf dem Plakat; immerhin sah ich dort ein wenig Wasser, Wasser so indirekt wie es nur irgend möglich ist.
**
Es war ein Nordseerückkehrsonntag und ein Alltagsberlinmontag.
Nordsee Ostberlin
Auf der A24: Ein knallrotes Mercedes-Coupe mit Berliner Kennzeichen und Bayern-München-Kennzeichenhalter. Spannend. 30 Kilometer später: Ein Familienkombi aus Oberhavel mit Bayern-München-Heckscheibenaufkleber.
Ich war sicher: Einer ist Zufall, zwei sind ein Muster. Ein kurzes duckduckgoen ergab: Bayern hatte wirklich am Vortag in Sankt Pauli gespielt. Das Muster war nicht gefühlt, es war echt.
Neben den WoMos und den Booten und den Auto-Anhänger-Ziehern war dies die vierte Großreisegruppe des beginnenden Frühjahrs: Fußballfans in der Hoffnung auf Auswärtsspiele bei erträglichem Wetter.
Wir absolvierten die letzte Etappe des Doppelhelixostertrips. An dessen Abschluss war wieder alles, wie vor 11 Tagen auf der Ausgangsposition. Nur waren alle um Erlebtes reicher. Madame reiste gleich weiter nach Süden1, ich nach Südkreuz und von dort ins Sportforum Hohenschönhausen.

Schon von Außen zu erkennen: Ein 10-Meter-Turm passt hinein
Es sind Arbeitszeiten der Exkursionen. Nach dem Fast-Nordseewasser-Anblick am Sonntag bot sich Montag die Chance auf gechlortes Beckenwasser. Ich war zweieinhalb Stunden mit Tram und kollabierender S-Bahn unterwegs, um zwei Stunden in einem Schwimmbad zu verbringen. Aber ich sah wieder kein Wasser. Wieder kam ich über den Konfi nicht hinaus.
Immerhin konnte ich eine persönliche Sammlungslücke schließen. Das Schwimmbad im Sportforum Hohenschönhausen war eines der sehr wenigen Bäder Berlins, das ich noch nicht besuchte. Mit seinem Baujahr von 1954 und seiner sehr einzigartigen Nutzungsgeschichte ist es eines der spannenderen Berliner Bäder.
Aber eben diese Nutzung verwehrt meinen Besuch. Denn das Bad ist primär für den Olympiastützpunkt und den Hochleistungssport bestimmt. Und ich bin weder hochleistung noch Sport. Ich bin „southpark erzählt Digitalisierungs-Döntjes.“
Deshalb lande ich im Konfi und nicht im Wasser.

Das prägende Bild: ein Block, ein Bleistift, in verkrampfter Hand gehalten
Achtung Triggerwarnung: Sexueller Missbrauch bis zur nächsten Überschrift.
Zurück im Alltag bedeutet zurück im Babylon Kreuzberg, zurück im After-Work-Kino.2 Schon nach weniger als einer Minute des Films war klar: Hier will jemand3 einen Anspruch. Und kurz darauf war mir auch klar: Dieser Film strebt nach Wahrhaftigkeit; nicht in dem Sinne, dass er die Geschehnisse erzählen möchte wie sie wahren, aber er möchte den Emotionen wahrhaftig sein.
Oder genauer, Wahrhaftigkeit gegenüner der Emotion. Denn im Wesentlichen geht es um die eine: Schmerz. Mal ist er offen und brutal, mal pocht er im Hintergrund. Mal versucht die Protagonisten ihn zu betäuben, dann ihn ruhig zu stellen, zu besänftigen, erliegt ihm, versucht ihn mit anderem Schmerz zu übertönen. Zwei Stunden Schmerz; nicht schön, aber denkwürdig.
Der Film The Chronology of Water4 von Kristen Stewart orientiert sich am gleichnamigen Buch von Lidia Yuknavitch. Yuknavitch schildert in dem autobiographischen Buch den sexuellen und anderen Missbrauch, vor allem wie sie ihr Erwachsenenleben damit verbrachte, mit diesem Schmerz umzugehen.
Der Film „funktioniert“ wie Erinnerung: Fragmentarisch, zersplittert, in Sprüngen, nie ganz sicher, was wirklich passiert ist und was eingebildet ist. Grob werden die Fragmente in mehrere Kapitel geteilt: Beginnend mit dem Wechsel der damaligen Leistungsschwimmern Yuknavitch (gespielt von Imogen Poots) aus dem Elternhaus heraus ans College, den ihr Vater mit Gewalt und Manipulation zu hintertreiben versucht, die frühen Collegejahre voller Sex, Drugs and Vodka, Beziehungsversuche, Schreiben als Rettung, eine Totgeburt und noch mehr Sex and Vodka und noch mehr Schreiben.
In jedem Kapitel, die sich chronologisch immer mehr vom Missbrauch entfernen, wird es weniger zersplittert, weniger fragmentarisch; die Wunden liegen nicht mehr ganz so offen, reißen aber in Wellen wieder auf.
Ein Film über den Versuch, sich selbst wieder zusammenzusetzen, mit den unvollkommenen hilflosen Mitteln, die uns Menschen zur Verfügung stehen.
Wo ist der zielgenaue Blitz vom Himmel, wenn man ihn mal braucht?

Smart Wagon Wheel in Reinfeld
Reihenhäuser in Reinfeld in Stormarn.
Zwei Texte über das Smart Home. Ich staune. Bei Text 1 musste ich fast lachen als ich die Beschwerde über „unnötige Fietschers“ las. Für mich ist wirklich alles was im Text vorkommt, Fietscheritis bei der viel Aufwand darin gesteckt wird, umständlicher zu leben als vorher. Spätestens, wenn Haustechnik mich zwingen würde, meinen Gästen Weisungen zu schreiben, wie sie sich korrekt zu verhalten haben, wäre der ganze Aufbau schneller entfernt gewesen, als mensch „Recyclinghof“ sagen kann.
Bei Text 2 denke ich auch: NICHTS davon möchte ich davon in meiner Wohnung haben. Aber ein System das mitdenkt, das if-then beherrscht und bei dem die Schalter noch funktionieren: Das finde ich grundsätzlich spannend und das würde ich in einem professionellen Kontext wirklich gerne bauen.
Anmerkungen
- ICE795 nach Karlsruhe, danach mit Deutschlandticket und Regionalexpress über Freiburg hinaus. ↩︎
- Yorck Unlimited No. 19 – damit 12,53€ pro Besuch. Das ist ziemlich genau der Abendkassenpreis für ein Ticket bei den B-Kinos und der Online-Preis bei den A-Kinos- ↩︎
- Kristen Stewart, weltbekannt durch Twillight – Biss zum Morgengrauen. ↩︎
- Seriously Wikipedia? The Chronology ist ein „romantisches“ Filmdrama? ↩︎