Das Schicksal spülte Freebie-Zahnputztabletten mit Erdbeergeschmack in Madames Wege. Sie reichte sie wenig begeistert an mich weiter. Ich hoffte auf das Aroma „Erdbeerjoghurt – sehr süß“, bekam aber „Pappe, in Erdbeerjoghurt gelagert.“
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Die Baustelle, von der ich bisher dachte, dass dort die neue Zentrale der Berliner Stadtreinigung BSR entsteht, errichtet laut Baustellenankündigungschild den „S!NN Campus“.
S!NN Campus. Wie Sinn ergeben.
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Der Kriegsminister des Fifa-Friedenspreisträgers zitierte in einem Gottesdienst einen gewaltlüsternen falschen Bibelvers auf einem Tarantino-Film. Das sagt natürlich viel über den Friedenspreisträger und seine Bande. Leider sagt es auch etwas über die Anschlussfähigkeit von Tarantino-Filmen. Ich leiste innerlich weiterhin Abbitte, sie je cool gefunden zu haben.
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Staunen über die Nachbarschaft. Nicht nur, dass die benachbarte Auenkirche zum Gottesdienst Mitglieder des RIAS-Kammerchors auftreiben kann; wenn die eigene Kantorei der Auenkirche ein Konzert gibt, dann spielt das Community-Orchester des DSO Berlin. Welcome to hochbürgerliches Westberlin.
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Gesprächsfetzenverwehung: „48% Durchlassverminderung!!!“. Mir fehlt der Kontext ob das jetzt ein guter oder schlechter Wert ist, auf jeden Fall war er ungewöhnlich.
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Es waren drei Tage in denen Arbeit zuverlässig gegen den Frühling gewann.
Hoch und nieder. Manchmal wieder.
Die Rolltreppe in BPAF rollt wieder.
Also nicht DIE Rolltreppen, nicht diejenigen, die Mitte Februar von einem Tag auf den anderen gesperrt wurden und seitdem nie wieder in Betrieb gingen. Die einzige Änderung dort ist, dass der Kofferträger durch ein Hinweisschild auf den Fahrstuhl ersetzt wurde.
Die andere Treppe rollt: Diejenige, die von September bis Dezember geplant ersetzt werden sollte, und die dann von Dezember bis April ungeplant immer noch in restauro war.
Wahrscheinlich karmisches Gleichgewicht. Wenn ich schon nicht mehr täglich die vier Stockwerke Altbau-Treppenhaus überwinden muss, dann komme ich halt am Bahnhof auf meine Treppenstufen.
Das Jahr 1994 / 2012 / 2014 / 2025 hat angerufen
Wenn die Gegenwart im ereignislosen Alltagsmodus läuft, findet die Vergangenheit Wege sich einzuschleichen.
Das Jahr 1994 mailte. Das war im ersten Moment ebenso überraschend wie erfreulich. Nach ein paar Stunden hatte sich die Überraschung langsam abgekühlt, die Freude blieb.
Das Jahr 2012 tauchte im Dateiordner auf. Semi-Zufällig stieß ich auf Team-Sitzungs-Protokolle aus einer Welt vor meiner Zeit zwischen 2012 und 2018 und staunte. Während Form der Meetings und Form der Protokolle einem starken Wandel unterlagen, immer stark abhängig von den jeweiligen Personen, blieben die Inhalte oft gleich. Einige Probleme wurden nie gelöst, beschäftigen uns immer noch. Andere Aufgaben kehren zyklisch wieder. Manchmal erkenne ich auch Fortschritte. Am schönsten sind die halb-mysteriösen, halb-menschlichen Vermerke wie: „Zwanglose Absprachen täglich um 9.00 Uhr im Raum 114“
Die Tasse aus wilden Leiharbeitszeiten von 2014 sehe ich fast wöchentlich. Aber erst nach 12 Jahren viel mir auf, dass tecops und teacup fast dasselbe Wort sind. Falls ich in Pseudo-Plattdeutsch verfiele sogar noch mehr: „Min deern, dit is mijn tecops für mijn Tee“.
Die E-Mail-Adressvervollständigung schlug mir eine Mail an die alte Haus“verwaltung“ bis 2025 vor. Fast hätte ich ihnen spontan eine Mail geschrieben mit „Ätsch, wir sind gar nicht mehr bei Euch. Und das ist super.“
Fantasie op. 17
Madame stellte ein komplettes Klavierkonzert in ihrer Haltung dar. Während ich halb daniedergesunken am Esstisch mit dem Stuhl verschmolzen war, vom Schlaf nur durch die Mühsal getrennt, die der Weg ins Schlafzimmer bedeutet hätte, schwebte sie in die Wohnung, leuchtete mehr als alle Lampen zusammen.
Das erste Konzert des Berliner Klavierfestivals – Severin von Eckardstein spielt Mozarts Sonate c-moll KV 457, Schumanns Fantasie op. 17, Brahms‘ Klavierstücke op. 118, Liszt‘ Sonetto 123 del Petrarca sowie die Dante-Sonate – schien lohnend.
In Minuten verwandelte sie das ganze Wohnzimmer in bewohnten Schumann. Fast so eindrucksvoll wie das Konzert.
After the rain
Das Gras es grünt, das Puffelfluschel rosat und die Tulpen roten. Die Mischung aus viel Regen am Wochenende plus dezenter Wärme bei Sonne hat dem Frühling Auftrieb gegeben. Das Gras so saftig wie in der Butterwerbung, die letzten Zwiebenblumen strecken ihre Köpfe selbst aus dem Trockenschatten der Hauswand empor und der große Baum Richtung Ex-Finanzamt entpuppte sich mit Blättern als Linde.
Falls wir wollen, können wir unter dem Lindenbaum tanzen.

Severin von Duisburg in Würde
Poupou war beim Berliner Klavierfestival: Berliner Klavierfestival 2026. Severin von Eckardstein
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KI aussperren oder auch nicht.
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Ein Konzert von Admin of the ashes würde ich mir jederzeit anschauen.
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(via Kaltmamsell)
STANDARD: Wird Altern in Würde überschätzt?
Rösinger: Was soll denn das auch heißen? Jugendliche sind ja auch nicht in Würde jung. Das dient ja nur wieder dazu, um Leuten vorzuschreiben, wie sie leben sollen.
Notat
Erstes Mal dieses Jahr: Zum Lunch draußen gegessen (Di, Rote Insel)
Erstes Mal: Café Pinjo zum Lunch getestet. (Do)