Madame kaufte ein gebrauchtes Buch. Im Buch: Ein Bibliotheksstempel aus Wales. Gerade mal ein Jahr alt. Wir rätseln, was wohl passierte damit die Caernarfon library das Buch bereits nach einem Jahr wieder aussortierte. Die Hälfte der bibliothekseigenen Beschriftung ist in walisisch. Wie schön.
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Der Winter ist nicht vorbei, solange nicht Berlinale war. Auch dieses Jahr.
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Wobei unser Berlinale-Besuch ausfiel. Der einzige Film, für den wir in geeignetem Kino zu geeigneter Zeit noch Karten bekamen, entpuppte sich auf den zweiten Blick nicht als athmosphärisch düsterer Film über Textilfabriken in Indonesien sondern als ausgemachter Tricktechnik-reicher-Horrorstreifen mit viel Kunstblut, worauf wir dann beide keine Lust hatten.
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Weiter gelesen: Dashiell Hammetts The Dain Curse. Zwischenzeitlich frage ich mich, obwohl es in Hammetts Hirn eine Verbindung von The Main Course zu The Dain Curse gab. Inzwischen bin ich in Teil 3 und frage mich, ob er nicht selbst für mich zu sehr ins Alberne abgleitet. Aber ich werde sehen.
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Die Welt warf einen verspäteten Zug, einen Toilettenraucher, eine gesprungene Scheibe und eine Verspätung wegen der Verspätung auf Madame. Aber es gelang ihr mit ICE371 nach Basel durchzukommen. Mir ist noch unklar, ob die Scheibe sprang als der Raucher entschärft werden musste.
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Ich meldete mich für die Klausur zur Digitalen Diversität an. Ich beschloss, dass mir das inhaltlich gar nichts Neues gegenüber meinem aktuellen Kenntnisstand abverlangt, und ich die für die Klausur nötige Auswendiglernerei schon mit überschaubarem Aufwand hinbekommen werde.
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Es war ein Sonntag der Heimerholung und ein Montag der Arbeit.
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Ich weiß auch nicht wie er darauf kommt.

Vandalismus-Touch-Feier
Es ist nicht alles perfekt an dieser Wohnung. Sonntagabend stellte ich die gelbe Tonne an die Straße, Montagmorgen bekam ich sie ohne Decke und mit gerissenem Griff (?!?) zurück. Aber hier gibt es eine Hauseigentümerin, die das interessiert, die sich kümmert und darüber auch noch mit uns redet.
Und wo ich bei der Wohnungsbeschwerung sind: das Touch-Bedienfeld am Induktionsherd, das wir nicht vermeiden konnten, ist genau so ein umständlicher Blödsinn wie vorher geahnt. Aber es gibt zum Glück schlimmere Probleme.
Noch drei volle Umzugskartons. Bereits letzte Woche kam das Umzugsunternehmen und holte weitere 27 leere Kartons ab. Die letzten drei Kartons werden wir bezeiten über den Altpapiercontainer oder die BSR entsorgen.
Damit konnten wir auch ein Datum für eine kleine Einzugsfeier festlegen. Vermutlich werden es ein paar Stunden Open House bzw. Open Wohnung werden, an der Interessierte mal reinschauen können, ein paar Stullen abgreifen, eine Miniatur-Wohnungsführung bekommen und dann wieder gehen.
Sie wird seltsamerweise (nachmittags) an genau dem Tag stattfinden an dem ich (vormittags) die Klausur Digitale Diversität schreiben werden. Das aber passt ja zum Einzug, der quasi auch nahtlos an die Bachelorprüfung anschloss.
Natürlich seid ihr Tapferen, die bis hierhin gelesen haben, eingeladen. Wer aufmerksam mitliest, wird sich vermutlich eh erschließen können, wo genau wir wohnen – aber wer kommen mag, melde sich doch einfach für Details.
Ihr erster Trecker
Unsere solidarische Landwirtschaft, die Gemüslichkeit, hatte Hybrid-Mitgliederversammlung. Es war spannend. So spannend.
- Dachte ich allgemein: Das ist ja wirklich wie im Bilderbuch. Zwei bis fünf Leute, die weitgehend in Handarbeit einen Miniatur-Acker (0,75 Hektar) bewirtschaften und daher kommt unser Gemüse. Die Äpfel pflückt ein Rentner von der alten Streuobstwiese, den Käse macht eine Schäferin im Alleinbetrieb in der Prignitz. Noch näher-an-der-Natur geht es nicht.
- Der Wirtschaftsinformatiker dachte die ganze Zeit „Oh Gott oh Gott. Das kann nicht funktionieren. Das ist so sehr auf Kante genäht und so ohne jede Reserve. Oh Gott!“
- Der Sozialromantiker in mir: Und trotzdem machen sie es. Yeah! Nieder mit Hoch auf!
Das gemüsliche Detail
Die Versammlung des Vereins fand vor Ort in Wittenberge in der Prignitz statt, es ließ sich aber auch über das Konferentprogramm Big Blue Button teilnehmen. Wir fanden es kontraproduktiv für eine Versammlung einen ganzen Tag durch die Gegend zu fahren und nahmen per Video teil. Wir lernten, beziehungsweise wiederholten:
- Die Solawi besteht aus einem Verein, in dem wir Mitglied sind. Dieser bezahlt den rechtlich unabhängigen Gartenbaubetrieb Levin Müller. Faktisch sind beide Entitäten eng miteinander verschmolzen, so dass es in der Versammlung um beides ging.
- Der Gartenbaubetrieb plant 2026 mit 2,7 Vollzeitäquivalent-Stellen, die 0,75 Hektar Acker bewirtschaften, zu einem Großteil in Handarbeit und vollständig in Superbioplus-Qualität.
- Das Gemüse wird einmal die Woche an Abholstationen in der Prignitz und in Berlin ausgeliefert. Es gibt was es gibt.
- Dank Förderprogrammen konnte letztes Jahr ein erster kleiner Trecker und eine etwas professionellere Bewässerung angeschafft werden.
- Zum Netzwerk gehören ein Rentner, der eine Streuobstwiese pflegt, eine Schäferin und ein Bäcker.
- Der Bäcker Lam Trần Đình lernte ursprünglich das Dirigieren am Konzerthaus Berlin und der Bayerischen Kammerphilharmonie bevor er Chordirektor und Kapellmeister am Theater Kiel wurde. Dann hatte er keine Lust mehr und machte eine Lehre zum Sauerteigbäcker in Berlin-Moabit bevor er sich mit seiner Ein-Mann-Bäckerei in Pritzwalk selbstständig machte. Zur Zeit hat er drei Backtage, weil er Dienstag in Berlin-Dahlem dirigieren muss. Und nachdem er hingebungsvoll von seinen Roggen- und Mischbroten erzählte, und bei jedem Zuhörer große Lust auf sein Brot weckte, kündigte er an, dass der Aufwand für die Solawi zu groß ist – er bäckt nur noch in der Prignitz.
- Schäferin Anna Winter erzählte unschönes vom Wolf, der auch hier Schafe riss und neue schwerer umständlichere Zäune nötig macht. Wir freuten uns, dass die Schäferin mit bayerischem Akzent ihren Halloumi, der nicht Halloumi heißen kann, dann halt Hallodri nannte.
- Sympathisch auch, dass sie vor allem in die Prignitz und die dortigen Küchen streben. Aber solange sie von der Prignitz alleine nicht leben können, unterstützen wir gerne, zumal wenn wir dafür komplett großartiges Gemüse abgreifen.
Falls jemand dies als (unbeauftragte, unbezahlte) Werbung ansieht: Stimmt, soll es sein. Zeichnet Anteile. Ist super.
Mandelblüte @Jihad
Ich freue mich, wenn Margrit den Haselanten als eben solchen bezeichnet: Im Nachhinein denke ich, ich hätte noch Gespräch abgebrochen wegen unfähiger KI sagen sollen. Falls mal ein Nicht-Haselant diese Gesprächsverläufe auswertet.
Hier hat rechtzeitig zur Berlinale mit sibirischem Minustemperatur-Wind einzug gehalten, woanders blühen die Mandeln.
Der Einzug in ein neues Heim und so viele Kleinigkeiten und Großigkeiten, die es zu erledigen gilt. Ausgabe Wunnibar: 27. Oktober – 09. November 2025
Ich danke herzlich für die Erwähnung meines Blogs.
Es ist mir immer eine Freude.
Dabei kann ich mir die ursprüngliche Bedeutung von Haselant partout nicht merken, so was von unintuitiv. Ich denke, sie passt halbwegs zum Hallodri.
Zumindest bei Fontane „Ein Schwätzer. Jemand der behende mit den Worten ist, sich gut ausdrücken kann, aber von zweifelhaftem Charakter.“
The Dain Curse habe ich zweimal gelesen, aber vor langer Zeit; kann mich nur an wenig erinnern. (Das war das mit dem Kult?) Red Harvest habe ich eher im Kopf, und in guter Erinnerung. – Danke für den Einblick in den Berliner Gartenbaubetrieb, ich kenne ja vor allem die Münchner Variante. Die scheunt nicht ganz so auf Kante genäht, aber vielleicht ist das ein Vorurteil, jedenfalls ist auch da Freiwilligkeit wichtig, und sei es nur bei den Stationen, wo man seine Kiste abholt..
Wobei ich sagen muss, dass Berlin auch da herumberlinert indem es vermutlich mehrere Dutzend Solawis in und um die Stadt herum gibt. Unserer ist eine der kleineren und neueren. Aber ich habe auch den Eindruck. dass das Kartoffelkombinat noch mal eine ganze andere Hausnummer an Größe und Professonalität ist als alles was hier herumfleucht.
Meine Recherche ergab damals: es gibt weniger als man denkt und keine kommt in die Nähe des Kartoffelkombinats. Was es aber auch zahlreich gibt: Foodcoops, wo sich Leute zusammentun und gemeinsam Biolebensmittel einkaufen,oft auch mit eigenen Räumlichkeiten, aber eben ohne die Anbaukomponente.