Schlagwort: Einsendeaufgaben

  • 24-12-03 Wegen Warenannahme geschlossen

    24-12-03 Wegen Warenannahme geschlossen

    Blumen Osterberg am Innsbrucker Platz errichtet wieder einen Holzverschlag neben dem Verkaufscontainer. Vielleicht ist doch eine Rückkehr als vollwertiger Blumenladen geplant.

    Herausgefunden: Am Kröpcke in Hannover steht bis Silvester die größte Weihnachstpyramide der Welt; oder Europas; oder Hannovers. Auf jeden Fall groß.

    Ömis Gemüsedöner bietet „Döner für 5 Euro bis 31.12.“. Die Schlange davor entpuppte sich bei näherer Betrachtung dennoch als Wartende an der Bushaltestelle.

    Langsam scheint es sich unter den Interessierten herumzusprechen, dass im Bahnhof Südkreuz (Osthalle) ein Klavier steht. Das Niveau der Spielenden steigt. Bei einem heutigen Vorbeigang würde ich behaupten, einen richtig guten Spieler gehört zu haben.

    Bei der Kriminalbuchhandlung Hammett besorgte ich schwere Literatur; reflektierend darüber, dass Bücher damals um 2000 das Allererste war, was ich im Internet kaufte, sie sich inzwischen anschicken, neben Lebensmitteln das letzte zu werden, was ich nicht (mehr) im Internet kaufe. Zumindest solange Hammett oder andere tolle Buchhandlungen im Wohnort meiner Wahl existieren.

    Dialogisches Wundern, wer eigentlich diese ganzen 1.000.000-Euro-Kaufpreis für 90 Quadratmeter, wahlweise 4000-Euro-Miete-Wohnungen in Berlin mietet und kauft. So viele vermögende Menschen sind dann nicht in der Stadt – weder im Stadtbild, noch dort wo Statistiken sie finden könnten.

    Es soll Menschen geben, die jedes geschlossene Geschäft, jede nicht verfügbare Ware für Zeichen von Untergang und Niedergang nehmen. Nicht ich. Zivilisation funkioniert auch perfekt bei Öffnungszeiten zwischen 10 und 17 Uhr und selbst mit Mittagspause. Logistik ist ein ewiges Abenteuer und nichts auf der Welt ist unbegrenzt. Nicht einmal die Warenverfügbarkeit in der Großstadt. Aber kurios sind die Zeichen des Wandels schon.

    13 Uhr, beste Mittagspausenzeit, am ICE-Bahnhof Südkreuz. Ich passiere den seltsame dunklen Burger King, wundere mich, der wurde doch gerade erst renoviert. Näher herangetreten: „Wegen Warennahme geschlossen“.

    Weiter schwelge ich im Rausch der neugewonnen Nach-Seminarbeits-Zeitfreiheit, stürze mich mit Begeisterung in Beschäftigungen wie „Kabel aussortieren.“

    Bei der Briefkastenleerung am 3. Dezember umschwirrten mich zwei Stechmücken.

    Vorbei und zurück

    Auch die Fernuni rief wieder.

    Ich lernte Informationsmanagement – ich halte das Modul in diesem Semester für das leichteste Modul – dessen Klausur am ebenso am fernsten liegt. Der Plan ist es, in dieser Woche alle Kurseinheiten durchzubekommen und die zweiten Einsendeaufgaben zu absolvieren. Dann kann ich das Modul bis Anfang März komplett vergessen, mich anderen Sachen zuwenden, und ab März auf die informationsmanagement-Klausur lernen.

    Für das Sommersemester meldete ich mich an und rück. Neben der Bachelorarbeit (für die es einen separaten Prozess) gibt, die letzten beiden Module: Knowledge Management (in english – keinesfalls zu verwechseln mit Informationsmanagement dieses Semester) und Mikroökonomik.

    Auch bürokratisiert: Angemeldet für die beiden Klausuren für die es ab 1. Dezember möglich ist: Betriebliche Informationssysteme und Imperative Programmierung.

    Sourire d’Orchidee

    Die Latifundien im zauberhaften Zwischenstadium. Reif bedeckt auch am frühen Nachmittag noch Teile des Grases. An anderen Stellen blühen Rosen, die schönsten roten Blätter zeigen sich noch.

    Der Himmel verwöhnte uns mit schönsten Blau. Die Sonne deutete ihre Kraft an. Wir absolvierten die letzten Wintervorbereitungen. Das Getüm zog ins Haus, das Gummistiefelschaf in den Schuppen und der Gartengeräteakku in das frostgeschützte Bad.

    Die wurzelnackte Sourire d’Orchidee zog in die Erde vor der Pergola. Wir hielten uns brav an den Ratschlag nicht anzugießen und genossen die fluffig leichte und lockere Erde, wie sie nur alle paar Monate einmal vorkommt.

    Der Thymian hatte den Sommer über die Klappe in den Geheimuntergrund soweit überwuchert, dass sie nur schwerlich zu öffnen war.

    Einmal einatmen. die Augen schließen und den Blick über das Feld schweifen lassen – und Berlin ist unfassbar weit weg.

    FDP 2

    Diverser Hintergrund zu dem was in Syrien gerade passiert: SPECIAL: Syria — Nov 26-Dec 3, 2024 Wahrscheinlich lohnt es, vorher noch einen Blick in den Wikipedia-Artikel zum Krieg zu werfen, um die Ausgangslage zu verstehen. Was ich mitnahm: die Offensive kam nicht überraschend. Sowohl die Türkei wie auch Syrien wussten von den Vorbereitungen seit Monaten.

    Weniger komplex aber irgendwie auch verwirrend: das seltsame Gebaren der FDP. Frau Herzbruch schildert weiter was wir ansehen, wenn wir den Komplettunfall der Partei betrachten: Lindner ist noch immer Parteichef der FDP, vermutlich alternativlos, andererseits auch eine wirklich interessante Entscheidung.

    (Ich glaube übrigens auch dass die FDP eine komplett schmerzbefreite Kernklienten von etwa 4%-4,5% der Wählenden hat. Wenn nicht wirklich Desaströses für die Partei direkt vor der Wahl passiert, wird sie im nächsten Bundestag landen.)

    Mein Humor: Arne Uplegger (der Blogger) beantwortet typische Fragen an Arne Uplegger (den Eishockeyspieler).

    Dafür wurde das Internet geschaffen: der Java-Quellcode für ein HelloWorld als Heavy Metal Song: NANOWAR OF STEEL – HelloWorld.java (Source Code Video) | Napalm Records (dumeineGüte, sie können noch viel alberner)

    Nils Minkmar bewegend anrührend über die Einladung von Didier Eribon, Geoffroy de Lagasnerie und Édouard Louis in der französischen Botschaft in Berlin ein. Die drei Herren – hinreißend:

    Einmal ging es um das cineastische Werk von Ken Loach und den Gebrüdern Dardenne, um Vittorio de Sica und die Rezeption von Almodovar in Spanien. Kurz darauf referierte Édouard Louis über Heiner Müller und kannte sich wirklich gut aus. Sie sprangen über Epochen, Genres und Disziplinen wie übermütige Jungs über die Steine im Bach. Dann ging es um den Rotwein, der Louis suspekt vorkam.

    Aber auch der Event an sich:

    In zu vielen Ländern der Welt würden erbitterte Gegner des Präsidenten wie Éribon, Louis und de Lagasnerie verfolgt, sogar inhaftiert. In Berlin und Paris lädt man sie zu einem festlichen, offiziellen Dîner ein und der Botschafter hält eine herzliche, kenntnisreiche Lobrede. Das ist der Westen.

  • 24-12-01 Vom Zuhören (Stille – Cluster – Da da da daa)

    24-12-01 Vom Zuhören (Stille – Cluster – Da da da daa)

    2024 unifrei! Nach der Seminararbeitsabgabe am Donnerstag und der letzten kleinen Einsendeaufgabe am Freitag sind die Fernuni-Pflichttermine beendet. Zur Feier des Abends öffneten wir die Flasche Champagner, die hier schon viel zu lange auf einen besonderen Anlass herumwartet – und immer wenn ein Anlass sich anlasste, waren wir nicht in Champagnerlaune.

    Jetzt geht es Mitte Januar weiter mit der nächsten Einsendeaufgabe und dem Präsenzseminar zur Seminaraufgabe.

    Im Rausch ob des erreichten Reichs der Freiheit machte ich was man in Freiheitsextase halt so tut: Ich erstellte eine Excel-Mappe. Sie heißt „Dezember/Weihnachten 2024“. Danach war der Rausch der Freiheit wieder vorbei. Aber ich habe wieder vage einen Überblick über ein paar Wochen Leben.

    Auch erledigt: Urlaubsanträge für 2025 eingetöckelt. Dabei freie Tage für die Bachelorarbeit vorgemerkt. Für die Bachelorarbeit! Diesen Sommer schon. Es fühlt sich sehr merkwürdig und ein wenig erschreckend an.

    Professioneller macht das Kollege W, der nächste Woche an der Excel-Weltmeisterschaft in Las Vegas teilnehmen wird. Er ist schon vor Ort. Wie ich ihn einschätze wird er alle Verlockungen Las Vegas‘ ignorieren um Speedexceltraining zu absolvieren. Von den vielen Absurditäten, die einem das Berufsleben beschwert, stand „Du-wirst-mit-einem-Excel-WM-Teilnehmer-zusammenarbeiten“ auf gar keiner meiner erwarteten Listen.

    Habe wegen Glasfaser mit der Telekom-Hotline telefoniert; als jemand der auch die Anbieter-Seite von solchen Hotlines gut kennt, war ich beeindruckt ob des Ablaufs. Respekt.

    It wasn’t me. Tatsächlich freue ich mich ja über jeden Baustellenlärm, den er sagt mir, wir kommen einem Dach über dem Kopf wieder näher. Außerdem wären wir viel zu langweilig, um Waffen, Drogen oder Munition im Hause zu haben.

    Die Dachbodenbauarbeiten fuhren letztens Eisenträger mit dem Fahrstuhl nach oben. Das ist erfreulich, denn es zeigt, dass die Baustelle sich schon wieder in der Phase Aufbau befindet und die Phase Einreißen beendet hat. Allerdings bringt jede Bewegung der Träger über das Dach auch ein vollkommen neues Maß der Erschütterungen in unsere Wohnung.

    Ich glaub, dieser Christian Lindner ist gar nicht so helle, wie er von sich selber denkt.

    Madame coachte mit der Pferdemetapher und freute sich ob ihres größten Vorteils: Sie hat keine Ahnung von Pferden und kann deswegen frei erfinden.

    Digitalisierung bedeutet, sehr viele (nahezu alle) organisationsinternen Prozesse anzufassen, und in eine digitale Form zu überführen. Dafür muss man erstmal verstehen wie diese Prozesse funktionieren.

    Letztens musste ich aus heiterem Himmel an des Lumpenpacks Hit Hauch mich mal an denken.

    Berlin-Mitte-Mitte ist ein eigentümliches kulinarisches Ödland. Entweder man muss zu Mr. Kebab oder noch schlimmeren Touri-Abfüllstationen oder gleich zu Nobelhart & Schmutzig oder dem Borchardt (okay, am Ende auch Touri-Abfüllstationen, nur auf einem anderen Preisniveau). Dazwischen gibt es wenig.

    Das ist misslich, denn Mitte-Mitte bietet auch verschiedenste abendlich Ausgehgelegenheiten, die wir gerne mit Essen davor und Wein danach verbinden würden. Wenn es denn ginge. Da war dieser Samstag erfolgreich: das Avan in der Mauerstraße erwies sich unkomplizierter japanischer Vietnamese (oder vietnamesischer Japaner), bei dem das Essen wirklich hervorragend war.

    Die Bar im Foyer des Hiltons an Gendarmenmarkt war ein angenehmer unkomplizierter Zwischenort, in der wir mit Professor Transformation und der Urberlinerin noch Gin Tonic und Tee tranken, lauschend einem Barpianisten, der zu meiner großen Freude Billy Joel spielte.

    Cage – Ligeti – Bach – Beethoven

    Billy Joel allerdings hatte uns nicht nach Mitte gelockt. Uns lockten die größten Kracher der klassischen Musik des 18., 19. und 20. Jahrhunderts. Oder wir Joana Mallwitz, Chefdirigentin und künstlerische Leiterin des Konzerthausorchesters Berlin, sagte: Zentrale Werke der Musikgeschichte.

    Faszinierend: Während ein Johann-Sebastian-Bach noch das unbekannteste Werk auf der Programmliste war, wirkte das Programm in Kombination frisch und originell. Unter dem Titel „Der Klang des Weltalls“ spielten Konzerthausorchester unter Joana Mallwitz und Iveta Apkalna (Orgel):

    • John Cage: 4:33
    • Györgi Ligeti: Atmosphères
    • Johann Sebastian Bach: Fantasie und Fuge c-Moll BWV 537 für Orgel in der Bearbeitung für großes Orchester op. 86 von Edward Elgar
    • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5

    Im ersten Teil fast faszinierender als die Stücke selber: die bruchlosen Übergänge, die Mallwitz spielen ließ. Von der absoluten Stille des Cages in den „87-Instrumente-spielen-87-verschiedene-Halbtöne“-Anfang von Ligeti. Vom überraschend kurzen Ligeti als wir uns alle zu unserer Überraschung in der Bach/Elgar-Fuge wiederfanden.

    Gelernt: 4:33 Stille in einem ausverkauften Konzertsaal macht etwas mit einem. Es wirkte beinahe wie eine Prüfung des Publikums.

    Zweiter Teil: Die Symphonie, die so bekannt ist, dass echte Spitzenorchester sie auch kaum noch wirklich spielen. Hart, etwas zu spielen, das wirkliche jede*r im Publikum im Ohr hat. Aber okay, Meisterwerk, müssen wir nicht drüber reden.

    Joana Mallwitz redete darüber. In einer Einführung. Sofort wurde klar, warum Berlin ihr zu Füßen liegt: Diese Mischung aus Humor und Kenntnis, die Fähigkeit ihre Begeisterung für die Werke auf das Publikum zu übertragen, begeistert. Zum Ligeti – bekannt natürlich als Filmmusik aus 2001 Space Odyseey – spielte sie noch kurz die anderen beiden Stücke Also sprach Zarathustra von Richard Strauss und Die Blaue Donau von Johann Strauss an.

    Sie erklärte, dass Beethoven die Frage beantwortete wie ein großes Orchester eingesetzt werden kann – mit der Symphonie als Königsform mit Melodie, Harmonik und Rhythmus. Und wie Ligeti diesselbe Frage ganz anders beantwortet – ohne Melodie, ohne Rhythmus und die Harmonik in Clustern – alle Halbtöne eines Intervalls werden gespielt.

    Der Flügel war nur zur Einführung anwesend. Danach: Orgel.

    Direkt bevor die Musik startete, eine zweite ungeplante Ansprache. Mallwitz sprach darüber, wie sehr Zuhören ihr als Konzept am Herzen liegt, gerade heute. Wie sie 4:33 ins Programm setzte, um die Bedeutung des Hörens und gegenseitiges Zuhörens deutlich zu machen, wie sehr die klassische Musik dazu beiträgt diese Fähigkeit zu schulen. Und sie sprach darüber wie sehr die „sehr kurzfristigen, planlosen und einschneidenden“ Finanzkürzung des Berliner Senats diese bedrohen. 4:33m Stille nicht mehr nur als Aufforderung sondern als Bedrohung. Denn die großen Konzerte werden weniger gekürzt, sondern die Vermittlung, die experimentellen Formate – das was die Kultur lebendig und wertvoll hält.

    Man mag ihr wünschen, dass im Publikum dieses großen Abo-Konzerts genug weißhaarige CDU-Granden saßen, die mal ein Wort mit ihrem Bürgermeister oder Kultursenator reden.

    Da da da daa!

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    Fundstück: Mehr darüber wie 2001 Space Odyseey die Musik von Györgi Ligeti einsetzt: How 2001 Uses György Ligeti’s Music

    Daniel Hähnel über betriebsbedingten Stellenabbau, Zukunftsängste und das geänderte Mindset, wenn man sowas öfters durchmacht.

    Frau Herzbruch über professionelle politische Kommunikation, nicht so professionelle politische Kommunikation und Feldschlachten via Pyramide.

    Dieses Kochbuch ist eine echte Kostbarkeit. Wallys Mutter hat es handgeschrieben, es ist mehr als hundert Jahre alt und eng papiersparend angefüllt mit Rezepten für Alltag und Festlichkeiten

    Wenn du ein gebrauchtes Auto kaufst und einen Schalter findest, der nirgends in der Bedienungsanleitung erklärt wird: What does this button do?

  • 24-11-12 Im Treppenhausdunkel gedeihen sogar hohe Pflanzen, dorthin traue ich mich nicht. Im kaum merklichen Rhythmus der Wellen schaukeln sie da.

    24-11-12 Im Treppenhausdunkel gedeihen sogar hohe Pflanzen, dorthin traue ich mich nicht. Im kaum merklichen Rhythmus der Wellen schaukeln sie da.

    Über Jahre höre ich den Begriff E-Invoicing in Meetings – so sehr dass er zum Running Gag wird. Und niemand bemerkt dazu, dass es einen Standard mit dem wunderbaren Namen ZUGFeRD gibt. Ich möchte mich beschweren.

    Madame erklärte Relevanzkriterien – das missverstandenste Konzept der ganzen Wikipedia.

    Madame kehrte mit dem ICE1605 von Hamburg nach Südkreuz zurück. Nicht ohne vorher den koreafahrenden Komponisten zu treffen. Nach ihrer Rückkehr joggte sie durch’s Stadtbad Lankwitz.

    Auf dem Hof kurzzeitig ein Auto von Stromnetz Berlin. Es gibt diverse Baustellen, die es hätte betreuen können.

    Auf dem Hof steht ein alter Passat – dem fehlt die Heckscheibe, die Sitze bedeckt ein weißes Pulver. Das Kennzeichen (ohne Zulassung, ohne TÜV) ist mit Kabelbindern am Auto befestigt.

    Haruki Murakami vergleicht in einem seiner Romane (Zeitschriften-)Schreiben mit Schneeschaufeln. Kaum ist ein Text geliefert, der Schnee entfernt, wartet auch schon der nächste. Ein ewiges Hin- und her. Die Sysyphusarbeit der Notwendigkeit.

    Ein wenig ähnelten dem die letzten Tage. Alltag, an allen drei Hauptaufenthaltsorten. Der Versuch, Zeug wegzuschaffen und loszuwerden. Manchmal wörtlich (leere Tonerkartuschen), manchmal übertragen.

    Nachdem Mandelentzündung/Chemnitz/Rohrprobleme den Ablauf auf dem Gleis warfen, wieder in die Alltagsschiene zurückkommen.

    Wichtig dabei: die Pflicht-Einsendearbeit angewandtes Bullshit-Bingo Informationsmanagement ist bei der Uni gelandet. Jetzt kann ich mich mit Speed dem Seminar widmen.

    Kollege Herzog 3D-druckte mir ein Spielzeug, um meine Hände während der Arbeit zu beschäftigen.

    Heilige Dreieinigkeit mit Lauch

    Immerhin hatte ich wieder genug Kapazitäten, um nicht nur einfach Gemüse zu kaufen und irgendwie in die Pfanne zu werfen, sondern ein echtes Gericht mit einem Namen und nach Plan zu kochen/backen. Es gab Cajun-Tarte frei nach Sophies Andouille-Tarte.

    Klassischer Mürbeteig in eine Springform verteilen. Den Boden mit Andouille Chorizo angebratener Salsiccia pepe auslegen. Darauf die ebenfalls angebratene Holy Trinity der Cajun-Küche (Zwiebeln, Paprika, Stangensellerie, hier Sellerie ersetzte durch Lauch), dann eine Masse aus Ei und Sahne (Sahne stark reduziert, weil das Gemüse ja schon Flüssigkeit bringt) und auf dem Dach schließlich Gruyere. Alles 40 Minuten in den Ofen.

    Rohr frei!

    Mir träumte, ich sei in einer russischen Tiefgarage, während Männer in abgewrackten Autos hineinfahren. Ich gehörte nicht dazu. Zum Glück fand sich plötzlich ein Limonadenstand, dessen Betreiberin Deutsche in Russland war und mich in die Runde einführte.

    Mir träumte, ich gehe mit Bekannten in das Spielabteil eines französischen Zugs. Der Einstieg ging hinab. Auf dem Boden eine große Spielfläche. Die Sitze waren einzeln stehende Stapel-Stühle, die auf einem Podest am Fenster standen.

    Mir träumte, ich schraube Rohre auseinander und flute dabei die Wohnung kniehoch.

    Wo der letzte Traum herkam, wundert mich nicht. Nach zwei Wochen des Rohrverstopfungsdramas (und während mein Unbewusstes die ganze Zeit am Thema war), kein Wunder, dass das Thema in die Träume kriecht.

    Die zweite Sanitärfirma schickte Klempner drei und vier in die Wohnung. Diesmal hatten wir Glück. Klempner vier hatte einen geschienten Arm und kam eher auf türkisch beratend mit. Klempner drei hingegen hatte mit Pümpel, Heißwasser und überzeugend aussehendem Handwerk Erfolg, wo die anderen beiden mit viel Werkzeug und auseinander geschraubten Rohren scheiterten.

    Wir haben wieder eine bewohnbare Wohnung. So schön. Werde ich gut schlafen, wenn der unbewusste Unruheherd sich erledigt hat.

    Offensichtlicher Soundtrack die letzten zwei Wochen. Dotas Die Flut:

    Seitdem leb ich hier ziemlich langsam und fast ohne Schwerkraft, mal zieht’s mich hinunter, mal spült ’s mich hinauf.
    In den schattigen Winkeln unterm Tisch und unterm Schrank lauern mir oft große Raubfische auf.

    Im Treppenhausdunkel gedeihen sogar hohe Pflanzen, dorthin trau ich mich nicht.
    Im kaum merklichen Rhythmus der Wellen schaukeln sie da ihre schlingernden Rankenarme um sich.

    Das F-Wort

    Britta von Briganti’s Kosmos war auf ihrer ersten Parteiversammlung.

    Berliner, die wahlhelfen wollen, wenden sich bitte hier entlang: Bereitschaftserklärung für Wahlhelfende.

    Ich fragte mich, kann man das aktuelle politische Geschehen als Faschismus bezeichnen. Und stellte fest, das mit der Faschismus-Forschung ist schwierig. Fernando Esposito: Faschismus – Begriff und Theorien

    In Williamsburg, New York öffnete eine chassidische Mall. Das New York Magazine war zu Gast: Attention, Satmar Shoppers: A Visit to Williamsburg’s W Mall. A milchig food court and a refuge for weary mothers.

    I’m in a long black skirt and long-sleeved cardigan, but I no more “pass” than if I were wearing a tank top and miniskirt. I was raised Orthodox enough to have eaten at many pizza-and-sushi restaurants, but Teaneck Modern Orthodox isn’t Williamsburg Hasidic, no matter how hard you broaden your vowels. My Russian is good, which helps in conversation with several shop owners, but my Yiddish is not, which is a barrier to conversing with customers. Almost no one I talk to will share a last name.

    Ich hoffe doch, die öffentlich-rechtlichen Youtube-Formate überleben den aktuellen Frontalangriff der Politik. Schönes Stück von Was kostet die Welt über Aufstieg und Fall von Oatly.

  • 24-10-17 Entalgebrat

    24-10-17 Entalgebrat

    Bauhaus baut um. Trotz Labyrinthlaufs um die Absperrbänder war es ein kleiner Feiertag für mich. Denn ich durfte Mehrfachsteckdosen kaufen.

    Am Mittwoch, 23. Oktober um 17 Uhr feiert die Mittelpunktbibliothek Schöneberg Geburtstag mit Torte und Blaskapelle.

    Vor dem Ausgang S-Bahn-Schöneberg markieren gelbe Kreide(?)-Striche der Polizei eine Unfallstelle. Auf dem Gehweg ist es ein noch deutlicheres Memento-mori denn auf der Straße.

    Staunend erfahre ich, dass der ehemalige Ofenhandel Kamine und Wein, aus dem unser Bungalow-Eichhörnchen-Ofen stammt, inzwischen ein Nachbarschaftstreff wurde. Er gewann den deutschen Nachbarschaftspreis, wird unseren Ofen aber vermutlich bei Bedarf nicht mehr reparieren.

    Von den Latifundien bekommen wir Signal-Nachrichten von Entenbuffet, Liegestuhlsessions und Frühstück Karl-Friedrich.

    In der Mittagspause zufällig mit Büronachbarn vom DLR gesprochen. Sie schwärmten von ihrem Arbeitgeber. Ein seltenes Verhalten. Kurzes Nachschlagen zu Hause: in die-beste-Arbeitgeber-Deutschlands-Rankings kommt das DLR wahrhaftig in die Top 10. Aber sie haben keine passenden Jobs in Berlin. Dang.

    Gutes auf Arbeit: Viele Projekte werden nach Monaten der Vorbereitung gerade umgesetzt. Schlechtes auf Arbeit: Das betrifft sowohl unsere eigenen Projekte, als auch die Ideen anderer Abteilungen für die wir zeitnah zuarbeiten müssen. Es war schon gemütlicher. Dieser leere Blick, wenn sich der Feierabend nähert, sollte keine Gewohheit werden.

    Zeichen der Erschöpfung: Im Lidl fragte ich mich einige Minuten zu lange, warum es jetzt MeToo-Schokoriegel gibt? Irgendwann merkte ich: Es handelt sich um MrTom.

    Ringloses Semester

    Allerdings beschloss ich auch etwas gegen die Erschöpfung zu machen. Die Einsendeaufgaben in Lineare Algebra liefen okay. So, dass ich halbwegs ordentlich durchkommen sollte – aber sie liefen nicht so hervorragend, dass ich mir Freiraum und Freizeit in den nächsten Wochen erkämpfe.

    Das hätte geheißen: Nach den Einsendeaufgaben ist vor den Einsendeaufgaben. Während gleichzeitig die verschiedenen Seminar-Deadlines näher rücken. Zwei zeitraubende Module in einem Semester ist eines zu viel.

    Ich habe das Szenario ein paar Monate in die Zukunft gedacht und sah zwei Optionen: Entweder ich werde in einer der beiden Veranstaltungen durchfallen. Oder ich verzichte neben Arbeit und Studium auf jegliches Leben, und wanke mich am Rande meiner Kräfte zu zweimal „gerade so bestanden.“

    Beides keine gute Optionen. Variante eins erscheint mir besser. Noch besser erscheint mir, ich wähle selber, welches Modul dieses Semester nichts wird. In dem Fall gewinnt Zweitstudium (Wirtschaftsinformatik) gegen Drittstudium (Mathematisch-technische Softwareentwicklung). Die Lineare Algebra mit ihren Ringen, Körpern und Gruppen muss gehen.

    Dafür jetzt mit Karacho auf den Seminarstoff.

    (Vielleicht allerdings belege ich die imprative Programmierung nach. Die hat nur 5 ECTS statt die 10 der Linearen Algebra. Alle Erfahrungen bisher sagen, dass die Informatikmodule deutlich weniger Aufwand verursachen als die Mathemodule)

    Unser Auto, unser Internet, meine Unterhosen

    Bereits mehrere Tage liegen hinter uns an denen nichts mehr kaputtging oder brach. Langsam trifft Ersatz ein oder wir schaffen es zu reparieren. Wlan läuft wieder, Madame hat wieder ein funktionierendes Handy, CO-Meter läuft wieder, auseinanderfallende Kleidung ersetzt und selbst der nicht-dringliche-Handy-Ersatz für mich ist eingetroffen.

    Vor Begeisterung bestellte ich eine Musik-CD.

    Die Benzinpumpe überstand nicht nur die lange Seereise aus Japan, sondern sie wurde auch eingebaut. Und voller Enthusiasmus hat die Werkstatt nicht nur die Inspektion durchgeführt – für die wir ja schon den Termin hatten, der ausfiel weil das Auto gar nicht mehr fuhr – sondern das Gefährt auch durch den TÜV gebracht.

    Unser Plan, 10-Jahre-altes-Auto-kaufen-und-dann-10 Jahre-fahren, hat Chancen, zwei Jahre fortzuschreiten. Dann wären wir bei acht Jahren Fahrzeit angekommen.

    Heile heile Boches

    Zur Klimakatastrophe ist alles schon vielfach gesagt. Selten so auf den Punkt wie von Rebecca Solnit: Is it worse to have no climate solutions – or to have them but refuse to use them?

    Die Kaltmamsell ruft in mir heftige Damals-mit-der-Hamburger-Schule-Erinnerungen hervor. Wobei ich mit den großen Bands (Die Sterne, Blumfeld) immer fremdelte bzw. (Tocotronic) aus großer Liebe krasse Enttäuschung wurde.

    Zufällig lieferte sie mir eine Erklärung für das Fremdeln. „Universal Tellerwäscher“ als „Hymne der Generation Praktikum.“ Die Generation, der ich vom Alter her angehöre, die ich aber – in ihrer Komfortzonen-Rebellion mit fester Karriereplanung – nie verstand oder verstehen wollte. Die Sterne waren in dieser Generation zu anschlussfähig.

    Dann doch lieber Kolossale Jugend („Der Text ist meine Party„), Huah! („Was soll ich mit der Welt wenn ich dich nicht hab“ – großartiges zeitdokumentarisches Video) oder gleich nach East Kilbride und Jesus and Mary Chain hören.

    Sofort verstehe ich den Impuls, einen Wikipedia-Editathon im Hammam zu veranstalten. So geschehen in Istanbul. Ladet mich nächstes mal ein.

  • 24-10-15 Waffeln im Sturm

    24-10-15 Waffeln im Sturm

    When life gives you Mangoes – eat them. Dieses Jahr treffen im Wochentakt Mangos unserer Crowdfarming-Adoptionsbäume ein. Ich könnte mich daran gewöhnen, den Herbst mit Mangos einzuleiten. Die Mango-Festwochen erscheinen mir als gutes Übergangsritual aus dem Sommer heraus.

    Gleich mal den Italopop rausholen und Angelina Mango abspielen.

    Von den ehemals sechs Tonnen Betonestrich vor dem Haus sind fünf Tonnen bereits auf dem Dachboden gelandet. Bisher scheint das Dach zu halten.

    Ein Dachboden-Baustellenchef rief an: Er würde gerne in unserer Wohnung etwas machen. Meine spontanen Gefühle rufen gleichzeitig aus: „Geh weg! Lass unsere schöne Wohnung mit Deiner Baustelle in Ruhe!“ und „Sehr gut, es wirkt koordiniert und planvoll und gut wenn sie wissen was sie tun.“

    Auf jeden Fall wird es sinnvoll sein, einen direkten Kontakt mit dem Baustellenchef zu haben und nicht über den Umweg Wir-> Vermieter -> Hausverwaltung -> Dachbodeneigentümer -> Baustelle kommunizieren zu müssen.

    Die Taschenlampenzeit im Treppenhaus ist vorbei. Strom und Licht im Treppenhaus, ebenso wie im Hinterhof, funktionieren wieder. Leise frage ich mich, welcher Handwerker zwischen 20 und 21 Uhr arbeitet. Aber vielleicht war es wirklich nur eine Sicherung und es dauerte drei Tage, den Mensch mit dem Schlüssel zum Sicherungskasten aufzutreiben.

    Die Hansenet-Zeit in diesem Haushalt nähert sich dem Ende. In einem größeren Paketaustausch mit verschiedenen Nachbarn gelangte der neue Router in den Haushalt. Das O2-Gerät wird uns demnächst zusammen mit O2 verlassen. Wir wechseln pragmatisch-langweilig zu einer Fritzbox.

    Am Wochenende auf dem dörflichen Herbstfeuer gelernt: Im Schneewinter 1978 haben sie in den Märkischen Hamptons Wege quer über die Felder freigeräumt. Auf den Straßen war es unmöglich. Der Weg über das Feld war kürzer und an den Seiten waren die Schneeberge noch nicht so hoch.

    Ich glaube der Erzähler war auch froh, dass wir die einzigen Anwesenden waren, die die Geschichte noch nicht gehört hatten.

    Neben Mangos und Herbstfeuer gehört derzeit auch der Semesterauftakt zum Herbst. Genauer: der Einsendeaufgabeneinsendeschluss. Ich stelle fest, der Kurs geht davon aus, dass ich Linearfaktorzerlegung noch aus der Schule kenne, und sie deshalb nicht erklärt werden muss. Sie wird eigentlich auch nicht abgeprüft – eigentlich geht es um Polynome mit Komplexen Zahlen, die Zerlegung ist da eher Verzierung.

    Ich gehe davon aus, dass ich mich an komplett gar nichts mehr meiner Schulmathematik erinnern kann, und drehe ein paar Extrarunden im Crash-Wiederholungs-kurs Polynome in ihre Faktoren zerlegen.

    Madame joggt derweil durch das Stadtbad Wilmersdorf I.

    Vielleicht sollten wir den Herbst in Mango-Astern-Zeit umbenennen.

    Tausche Rosengarten gegen Kohltrüffel

    Zusammen mit den Wochenend-Westlern traf ein letztes Geburtstagsgeschenk ein: die Rosengarten Zweibrücken wird ihre Ranken zukünftig an der Südwestecke der Pergola ausstrecken, uns mit ihrer Farbe und ihrem Duft betören. Im Austausch erhielten die beiden ein best-of-Dithmarschen-Paket.

    Nachmittag und Abend prägten Lebensphasenübergangsgespräche. Dazu Brandenburger Fleisch und bestes Dithmarscher Gemüse vom Grill. Vorher Zwetschgenkuchen mit Zwetschgen vom Bäcker und Waffeln mit Puderzucker.

    Die für sechs Personen kleine Wohnküche im Bungalow veranlasste dazu, das Kochen nach Draußen zu verlegen. Während das Grillen eh unser Sommer-Ess-Standard ist, zog auch das Waffeleisen nach draußen. Madame und Zia sociale trotzten Sturm und kurzen Regenschauern und entwanden dem Wetter ein Dutzend Waffeln.

    Umsetzungsprobleme

    Aus der Serie Zeitungsüberschriften bestätigen das Offensichtliche: „Riesengemüsezucht ist eine männliche Domäne.“ (und wie das so ist im Journalismus 2024 – die Süddeutsche änderte mittlerweile die Überschrift)

    Eine ganz neue alte Erfahrung: Ich sehe ein neu produziertes Auto und es sparkt innerlich Joy bei mir. Ich stelle fest, dass ich das Gefühl seit etwa 2010 nicht mehr hatte. Aber den Fiat Grande Panda mag ich.

    (Überhaupt ist Stellantis bei mir on a run: Renault 5 electric, Renault scenic electric, Jeep Avenger. Es scheinen alles Autos zu sein, die in ihrer Nutzung Sinn ergeben, und weder totlangweilig sind noch Aggressivität verströmen. Überhaupt „no more grey!“ ist ein Ausspruch auf den ich in der Automobilindustrie seit Jahrzehnten warte.)

    Wenig Joy sparkt Energiewende beim Heizen. Frau Herzbruch über den vergeblichen Versuch, eine Wärmepumpe einzubauen.

  • 24-10-13 Das Internet kam mit Uber Eats

    24-10-13 Das Internet kam mit Uber Eats

    Hausrotschwanz und Schopftintling sind Vogel bzw. Pilz des Jahres 2025. Ich werde es dem Hausrotschwanz ausrichten, wenn ich ihn das nächste mal sehe.

    Die Kneipe an der Bushaltestelle verkauft Hardalk flaschenweise. Eine Flasche Jägermeister und sechs Red Bull kosten 75 Euro.

    Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fernuni beantwortete mir eine Fragemail – am Sonntag. Den bis dahin ratlosen Studenten in mir freut das. Der Angestellte in mir schüttelt „tss, tss“-machend den Kopf.

    x+yi

    Ich reichte Klausurlaub für 2025 ein. Seltsames Gefühl: Wenn alles glatt geht, nehme ich am 16. September den letzten Klausurlaub im Bachelor Wirtschaftsinformatik – meines Lebens. Denn dann schreibe ich nach Plan die letzte Klausur. Das Ende kommt erstaunlich nahe.

    Immerhin bemerkte ich kurz vor Schluss, dass Fernuni-Klausuren sich doch als Bildungsurlaub qualifizieren. Glaubt nicht alles, was ihr im Internet lest. Fragt einfach mal Menschen, die sich damit auskennen!

    Das Ende des Bachelors Mathematisch-technische Softwareentwicklung hingegen liegt in weiter Ferne. Nah liegt derzeit nur das Ende der Einsendeaufgaben Lineare Algebra. Gefühlt habe ich je eine halbe Stunde Zeit, um die Komplexen Zahlen zu verstehen, oder die Ideale (Ringtheorie) („Ideale können als Verallgemeinerung von Zahlen angesehen werden“), oder die Polynomdivision – es bleibt sportlich.

    Aber ich denke auch an eine Feststellung in Alina Bronskys Pi mal Daumen: Am Anfang wird ihnen die Mathematik sehr fremd und rätselhaft vorkommen. Aber mit der Zeit werden sie immer mehr Bekanntes sehen. Und irgendwann werden sie es flüssig lesen können.

    Ich bin weit davon entfernt, die Mathemodule flüssig zu lesen. Aber ich habe den Punkt verlassen, an dem jedes einzelne Zeichen Rätsel aufwirft,. Inzwischen bin ich zu dem Punkt fortgeschritten, an dem ich wie ein kleines Kind lese: Jeden Buchstaben einzeln. Aber am Ende ergeben die ganzen Buchstaben Wörter und Sätze.

    Auf die Decke hämmern

    Der Freitag begann Punkt 7 mit Baumstammwerfen. Wir freuen uns über jedes Anzeichen, dass die Dachbodenbaustelle Fortschritte macht. Manchmal müssen wir uns erst daran erinnern, dass wir uns freuen.

    Madame mutmaßte: sie hauen mit Hämmern direkt auf die Decke über unseren Köpfen. Ich zweifelte.

    Später gesehen: Vor dem Haus liegen ein paar Tonnen Estrichbeton, am Rand des Dachbodens ist eine Verschalung zu sehen. Sie bauten die Betonverschalung. Also waren sie wirklich mit Hämmern direkt über unseren Köpfen zugegen.

    1026

    Anderswo gab es Los Wochos Mexicanos . Hier gibt es Los Wochos kaputos. In den letzten Tagen verbrachten wir deutlich zu viel Zeit mit Organisieren und Ersetzen und Workarounds finden und anstrengenden Sachen.

    Am Horizont immerhin dämmert es – die Benzinpumpe ist aus Japan angekommen. Madames abgestürzter Handyersatz ist vor Ort – aber trotzdem haben wir gerade Probleme gegen die Materie anzugehen.

    Letzter Fall: Strom (und damit Licht) im Treppenhaus verschwand seit Freitag Abend. Ich habe die Dachbodenbauarbeiter im Verdacht, die entweder eine Leitung anbohrten oder die Sicherung zum Platzen brachten.

    Das letzte mal mit einer Taschenlampe durch’s Treppenhaus ging ich um 1999 in Leipzig, und da wohnte ich in einem echten Abrisshaus.

    Vorletzter Fall: Ich versuche Donnerstag, etwas auszudrucken. Drucker will nicht. Erste Überprüfung: kein Toner. Ersatz war immerhin in der Wohnung. Ich wechselte. Drucker ging immer noch nicht.

    Nächster Check: kein Netzwerk? Nach etwas Suchen stellte sich heraus, dass der Wlan-Repeater seinen Geist aufgab. Ohne Repeater kein Netz im Bürzelbüro und kein Netz für den Drucker.

    Also gemacht, was wir gerade zu oft machen: Ersatz besorgt.

    Ich wählte das preiswerteste Angebot, bei dem ich mir sicher, war, dass der Händler wirklich existiert. Für weitergehende Gedanken fehlten mir inzwischen jegliche Nerven. Damit landete ich bei Media Markt. Und dann staunte ich: in Berlin liefert Media Markt mit Uber Eats aus.

    An einem Donnerstag Abend, eine knappe Stunde nach Bestellung, stand Sudhir vor der Tor und fragte mich nach einer PIN. Nachdem ich wie gefordert „1026“ gesagt hatte, drückte mir Sudhir einen neuen Repeater in die Hand.

    Madame fragte, ob er auch Pakete mitnimmt. Nein, leider, Uber Eats nimmt keine Pakete an.

    The return of the Brombeere

    Oktober ist Kranichzeit. Dutzende, wenn nicht Hunderte, in der Thermik über den benachbarten Feldern. Ab und an unterbrochen durch Gänseschwärme. Selbst Stare fliegen noch durch die Kolonie.

    Wir haben einen neuen Überraschungs-Garten-Bewohner. Und wie geplant: Wenn Gäste um die Ecke gehen, dann sind sie überrascht und erfreut. Selbst wenn ich um die Ecke gehe, bin ich nicht überrascht, aber erfreut.

    Nach fünfmaligen Ausgraben scheinen wir uns unserer höchsteigenen Brombeere erfolgreich erwehrt zu haben. Dafür warf uns die Welt, oder eher, der Dauergartenverein, neue Brombeeren in die Wege.

    Ein Brombeergetüm auf dem Weg entlang der Ausgleichsfläche Nord. Ein weiteres auf dem anderen Weg entlang der Ausgleichsfläche Süd. Und das Grundstück, von dem wir immer dachten, es gehört gar nicht zum Verein, das sich in eine einzige Brombeerhecke verwandelt hatte. So viele wehrhafte Brombeeren.

    Der Vereins-Subbotnik verschaffte mir Wiener und Bratwurst und Bier, sowie 10.000 Schritte Komposttransport zwischen Parkplatz und Komposthaufen sowie lahme Arme durch Überkopfastscherennutzung. Er verschaffte mir auch viele neue Erkenntnisse.

    Erstaunlich viele der Erkenntnisse mündeten in: Die Brombeerhecke muss weg. Und die andere Brombeerhecke auch.

    Immerhin: Zwoi, die Hausbrombeere, bleibt verschwunden.

    Quittengelee

    Es empfiehlt sich, Rezepte ganz zu lesen bevor man mit dem nachkochen beginnt. So auch das Rezept für Quttengelee nach Art von Herrn Raus Eltern:

    […] Die ein wenig abgekühlten Quittenteile und ihr Saft kommen dann in eine solche Saftpresse.. (Wenn man keine solche Saftpresse hat, kann man kein Quittengelee nach Art meiner Eltern machen.) […]

    So sollen Rezepte sein. Ist halt nur blöd, wenn man das erst auf halber Strecke bemerkt.

  • 24-07-11 Schwüles Ohrentheater

    24-07-11 Schwüles Ohrentheater

    Am Naumannpark kontrollierte die Fahrradpolizei.

    Der Fahrradstreber in mir, der an jeder roten Ampel anhält und niemals nicht auf einem Fußweg fahren würde, ballte innerlich die Faust.

    Keine Roten Ampeln gab es an den Südkreuz Offices und am Innsbrucker Platz. Gleich zwei große Ampelanlagen fielen gleichzeitig aus.

    Auf dem Dachboden eine Besichtigungsgruppe.

    Madame initiierte ein Admininnentreffen.

    3a 7e 7i

    Die Sommerferien nähern sich. Eine Hälfte der Menschheit ist geistig abwesend, die andere Hälfte dreht am Rad.

    Ein Investigativelektriker bohrte in der Wand. Ausnahmsweise war es unser eigener, der für einmal „angebohrtes Kabel reparieren“ und einmal „weitere Steckdose quer durch die Wand anschließen“ 363 Euro bekam.

    Ich beteilige mich an #20books

    Happy Birthday Gerüst

    Das Baugerüst vor dem Haus wird diese Tage ein Jahr alt. Viel gebaut wurde seitdem nicht. Dafür sieht es auch nicht gut aus.

    Dieser Tage wird es besonders nervig. Angesichts heißschwüler Tage will man alle Türen und Fenster aufreißen. Aber vielleicht doch nicht am Balkon, wenn ein bequemes Gerüst den Zuweg dort ermöglicht.

    Also bleibt die Balkontür des Nächtens geschlossen. Wir beschränken uns auf das Öffnen des Schlafzimmerfensters; in der Hoffnung auf nächtliche Lüftzüge gegen die Schwüle. Wir hören Theater:

    Dienstag: Katastrophendrama. Martinhörner jaulen durch die Dunkelheit ununterbrochen für 30 Minuten. Immer wieder ein Neues, auch mal zwei oder drei. Wäre ich wach genug um verschiedene Fahrzeuge bestimmen zu wollen, käme ich auf eine mittlere zweistellige Anzahl. Was sich anhört wie ein Terroranschlag, erweist sich beim mittwochlichen Blick in die Tageszeitung als: LKW auf Stadtautobahn brennt. Autobahn vollgesperrt.

    Mittwoch: Kammerstück. Ein Mann rastete aus. Ein niederländischer Fan im Innenhof reicht um ein Dutzend Häuser zu unterhalten. Wir bekommen jedes Tor, jedes Fast-Tor und jede vergebene Chance mit. Ein Mann jubelt und leidet durch die 1:2-Niederlage.

    emph emph emph

    Einsendearbeit 2 des Moduls Planen mit mathematischen Modellen hat ihren Weg in die Fernuni gefunden. Geschrieben in LaTex. Ich

    • musste ungefähr alle drei Minuten irgendwas in einer Suchmaschine nachschlagen, angefangen mit „wie hebt man ein einzelnen Wort hervor“ (Lösung = \emph{})
    • Habe sicher an diversen Stellen umständlich semielegante Bastellösungen genommen.
    • Fühlte mich selbst eher stümperhaft
    • Bin von der Optik des Endergebnisses ernstlich beeindruckt.

    Das geht noch mehr.

    Weil es so schön ist, aus Spaß an der Freud‘ die benötigte Formel für den Konfidenzintervall:

    \[ \mu \in [\hat{x} – u_{1-\frac{\alpha}{2}}\frac{\sigma}{\sqrt{n}};\hat{x} + u_{1-\frac{\alpha}{2}}\frac{\sigma}{\sqrt{n}}] \]

    RSV6 – Teltowkanalroute

    Meine 2*5-Kilometer-Arbeitswegstreckenplanung nähert sich dem Ende. Morgens über den Volkspark Schöneberg, das Bayerische Viertel streifend und die nördlichen Ausfransungen der Roten Insel entlang. Nachmittags zurück über den Hans-Baluschek-Park und an Auguste Victoria vorbei.

    Aber Berlin, was, ey? Der Hans-Baluschek-Park ist Anderthalb Kilometer lang und 50 Meter breit. Rechts liegt die S-Bahn, links eine Kleingartenkolonie: im Wesentlichen besteht der Park aus einem wunderbar breiten glatten geteerten Weg mit Rasen und Bäumen daneben.

    Respektive:

    Im Vordergrund der minimalistischen Konzeption steht eine 4 Meter breite, gerade, in Cortenstahl gefasste Asphaltbahn. Ihre makellos ebene Oberfläche lädt alles, was Räder und Rädchen hat, zum reibungsfreien, beseelten Dahingleiten in den Feierabend ein.

    Jean Gies: Hans-Baluschek-Park

    Wie geschaffen zum Radfahren, auch für unbeseelte Arbeitswege, und Teil des Radfernwegs Berlin-Leipzig und der Radschnellverbindung Teltowkanalroute.

    Nur leider ist der Park auf dem Fahrrad nicht erreichbar.

    Im Norden endet er auf dem Vorplatz des Bahnhofs Südkreuz: Entweder man radelt durch offensichtliche Fußgängerbereiche oder quer durch Bus- und Taxistellplätze. Immerhin, wenn man sie kennt, gibt es eine versteckte Zufahrt, die man legal beradeln darf.

    Soviel Glück habe ich im Süden nicht. Der Weg endet in einer engen Rampe an einem großen Fahrradfahren-verboten-Schild. Dahinter 80 Meter Kopfsteinpflaster der übleren Sorte. Alternativlos.

    Seitlicher Blick auf die ankommenden Gleise Bahnhof Südkreuz. Graffitti. Ein ICE fährt vorbei.

    The Last Dinner Party

    Wer hätte gedacht, dass ich je auf einem Handarbeitsblog die neuen Indie-einbißchen-Punk-Hoffnungen entdecke und ich richtig angetan bin: The Last Dinner Party – Sinner via (Fadenspielundfingerwerk)

    Lieblings-Bildunterschrift: „Rambo“(l.) und „Hupe“ arbeiten schon länger in der Papierkorb-Instandsetzung.

    Leider überfordert es meine Spontanität. Aber Henry Purcell nach Shakespeare in der Prignitz – das klingt schon sehr großartig. Via (Katja Evertz).