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  • 24-12-10 Vertraulichkeit und Integrität des Geschenkeprozesses

    24-12-10 Vertraulichkeit und Integrität des Geschenkeprozesses

    Am Innsbrucker Platz schwenkte ein einsamer Syrer die jetzt weltbekannte Flagge der syrischen Opposition.

    Die Berliner Verkehrsbetriebe weisen seit neustem in ihren Durchsagen darauf hin, dass Tik Toks und Telefonate in den Kopfhörer gehören und nicht auf den Lautsprecher.

    Immerhin noch keine Durchsagen, dass man bitte die Leute nicht verprügeln soll, die sich über zuviel Lärm oder Rauchen in der Bahn beschweren.

    Schöne Bahnerlebnisse: eine 2-Mann-Kombo mit Banjo, Kontrabass und Mundharmonika, die gut gespielten originellen Countryblues in der S-Bahn spielten. Zurecht sammelten sie ziemlich viel Geld ein.

    Die Crowdfarming-Linsen keimen (so wie sie sollen). Die Crowdfarming-Avocados warten nun bei den Nachbarn auf ihre Auslösung.

    Der Autofan in mir weint. Die Produktion der Piaggio Ape wird zum Jahresende eingestellt. Eine Welt in der die Ape nicht umweltfreundlich genug ist, ein 3,5-Tonnen-SUV aber kein Problem darstellt, verstehe ich nicht immer.1

    Dank Thomas Gigold entdeckten wir die ZDF-Minidoku zu Jule Stinkesocke2. Inhaltlich wenig neues, aber als Wenig-ÖR-Fernsehzuschauer fasziniert mich der Stil der Sendung. Die Herrenfrisur Nudelkopf ist inzwischen im seriösen Fernsehen angekommen. Sämtliche Gespräche wirken so als wären die Gesprächspartner auf einer Couch vor generischen Videokonferenzhintergründe drapiert – so clean, so glatt, so eigentümliche Farbkonzepte.

    Ich überlegte, ob es möglich wäre, als literarisches Experiment über Jahre hinweg so eine Fake-Figur wie Jule aufzubauen, ohne Opfer zu erzeugen. Vermutlich nicht – nicht in der Reichweite. Jules Reichweite und Größe erreicht mensch nur, wenn es Menschen gibt, die sich emotional tief auf den Account einlassen, ihm eisern folgen und die Kunde verbreiten. Die wären aber emotional immer tief betroffen, wenn der Fake sich enttarnt.

    Möglich wäre ein Fake nur mit Miniaccount wie diesem hier. Aber wer würde Jahre intensiven Texttheaters investieren ohne dass es jemand mitbekommt?

    Nach dem Samstagsauflug standen Sonntag und Montagabend im Zeichen des Geschenkeeintütens – ein wenig wortwörtlich, ein wenig mehr metaphorisch. Denn es gilt verschiedene Anlässe und verschiedene Personen zu koordinieren. Da das natürlich alles der Vertraulichkeit unterliegt, kann ich schlecht in Details gehen.

    Aber, doch, ich wurde auch zu einem Wunschzettel genötigt. Nachdem die Ergodox sowohl das Geschenkbudget als auch das Spontanentscheidungslimit weit sprengte, machte ich doch in Dekadenz und eine Logitech MX Master 3s landete auf der Liste. Immerhin ist die Entscheidung für die Mouse innerlich schon seit Monaten gefallen, es fehlt nur noch ein Anlass.

    Automatische Pseudonomisierug

    Frage: Woran merken Sie, dass Sie sich im akademischen Umfeld bewegen?

    Antwort: Sie bekommen eine Aufgabe „Schreiben sie 5 Sätze (etwa 100 Wörter).“

    Ganz ging mein Plan nicht auf, die Einsendeaufgaben Informationsmanagement in KW49 zu beenden. Der Montagabend in KW50 war’s. Ich hangelte mich brav durch alle Multiple-Choice-Fragen, zählte die sieben Gewährleistungsziele des Standard-Datenschutzmodells auf (Verfügbarkeit, Datenminimierung, Integrität, Vertraulichkeit, Nichtverkettung, Transparenz, Intervenierbarkeit) und beantwortete die Textaufgaben.

    Dieser zweite Teil des Moduls kann sich nicht über mangelnde Praxisnähe beschweren. Die Textaufgaben hätte ich vermutlich 1:1 durch Textschnipsel beantworten können, die dieses Jahr im Team so formuliert worden. Aber natürlich ist es einfacher die entsprechenden Abschnitte pädagogisch didaktisch aufbereitet im Lehrbrief wiederzufinden als in den Tiefen des Team-Archivs.

    Jetzt allerdings werde ich jeglichen Gedanken an Informationsmanagement aus meinem Hirn verbannen, und das Thema erst am 24. Februar wieder hervorkramen, in der Hoffnung in drei Wochen im Februar/März ein paar hundert Definitionen und Beschreibungen rechtzeitig für die Klausur auswendig zu lernen.

    Interstellar

    Das Stadtbad Lichtenberg ist das architektonisch spannendste Bad Berlins. Steht es doch in zwei Epochen, in denen der Stil öffentlicher Bauten sich radikal wandelte. Die Fundamente und die ursprüngliche Planung entstanden in der unabhängigen Stadt Lichtenberg im deutschen Kaiserreich.

    Der Bau und die Neuplanung fanden im Berlin der Weimarer Republik statt. Und so ist es halb wilhelminischer Schnörkelpalast (siehe auch Stadtbad Charlottenburg, Stadtbad Neukölln) und halb Neues-Bauen-Bauhaus-beeinflusst (siehe auch Stadtbad Mitte, Stadtbad Schöneberg).

    Leider schwumm ich dort nie. Denn es teilt das Schicksal vieler Berliner Bäder: Irgendwann kam aufgrund mangelnder Wartung die Havarie und seitdem liegt es still. In Lichtenberg ereignete sich die finale Havarie 1991, vor meiner Berliner Zeit.

    So lang es lange still, war lange gesperrt und drohte über Jahre komplett einzufallen – während niemand das bodenlose Kostenloch in Obhut nehmen sollte. Aber die Lichtenberger kämpften, hatte doch halb Ostberlin hier schwimmen gelernt, und sie wussten welch Kleinod sie an der Hand hatten.

    Die Geschichte der Irrungen und Wirrungen führte dazu, man das Gebäude wieder betreten kann, ohne Deckenteile auf den Kopf zu bekommen. Es dient wieder für Veranstaltungen – und seit einigen Monaten für eine Art Kunstausstellung.

    Stadtbad RELOADED: Ambilight nennt sich der Spaß. Mobile Tablets zeigen Multimediakunst, einige Lichtinstallationen sind im Raum, beschallt wird alles von Hans-Zimmer-Filmmusik.

    Aber was nimmt man nicht auf sich, um dieses herausragende Bad zu sehen. Professor Transformation begleitete am netten Abend, der uns noch zu Phở und Glasnudeln führte und uns eine Busfahrt quer durch Neukölln bescherte.

    Der Osten ist kein Zoo

    Buggisch: Bloggen über Männergrippe das malad sein, das eben keine Männergrippe ist. Auch malad jenseits der Männergrippe: Henning Uhle.

    Die New York Times kürt die 63 stylishten Wesen des Jahres 2024: Neben Charli XCX, dem Baby-Nilpferd Moo Deng und Mark Eydelshteyn taucht auch Sandra Hüller in der Liste auf.

    Es rappelt in der Szene. Eine Beigefluencerin verklagt eine andere Beigefluencerin, weil diese ihr Konzept klaut. Beide bestreiten ihren Lebensunterhalt durch das Beigefluencen, ein ökonomischer Grund für eine solche Klage ist vorhanden. Rechtlich aber ist das spannend, denn die Frage, wo und ob eine urheberrechtliche schützbare „Schöpfung“ im Bereich von Influencer-Stil vorliegt, ist noch ungeklärt. Can You Copyright a Vibe?

    Ein Interview mit Marieke Reimann, einzige ostdeutsche Chefredakteurin bei einem westdeutschen Sender über die seltsame Wahrnehmung des Ostens im Westen. Sie spricht die üblichen Themen an. Seltsame Verallgemeinerungen, extreme Unkenntnis im Westen über Ostdeutschland und Osteuropa, und auch solche Themen, dass sämtliche Zeitungen Ostdeutschlands westdeutschen Verlagen gehören. Was dann dazu führt, dass auch 2024 noch einen starken Drang zur Exotik-Berichterstattung gibt:

    Wir müssen von diesem Fokus auf die Wahl- und Jubiläumsberichterstattung weg. Es reicht einfach nicht, wenn westdeutsche Reporter*innen vor den Wahlen „mal kurz rüberschauen“, indem sie vielleicht einen Roadtrip durch den Osten machen. Der Osten ist kein Zoo und auch kein Kriegsgebiet. Er findet genauso zwischendurch statt.

    Anmerkungen

    1. Immerhin kann die Welt halbwegs erklären. Irgendwann vor längerer Zeit setzen die deutschen Autobauer eine Regelung durch, dass nicht bewertet wird, wie umweltfreundlich ein Auto insgesamt ist, sondern wie umweltfreundlich pro Kilo Gewicht. Wenn also ein Auto fünfmal soviel wiegt wie ein anderes, aber nur viermal so viele Schadstoffe ausstößt, gilt es als umweltfreundlicher. Das war das Ende der europäischen Kleinwagen. In weniger flapsig beim Umweltbundesamt: Die herstellerspezifischen Zielwerte ergeben sich aus dem durchschnittlichen Fahrzeuggewicht der Neufahrzeuge des Herstellers: Je höher dieser Durchschnitt liegt, desto höher können die spezifischen CO2-Emissionen eines Herstellers sein, ohne das Ziel der CO2-Regulierung zu verfehlen ↩︎
    2. Jule Stinkesocke, fiktive Figur einer jungen behinderten Frau, die frei von der Leber weg über Leben, Sex und Zärtlichkeit schrieb. Wurde über 15 Jahre eine Internetgallionsfigur für junge behinderte Frauen, bis herauskam, dass sie gar nicht existiert. Der Mensch an der Tastatur war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an mittelalter Mann. ↩︎
  • 24-05-18 Stettin Oder Uptown-Downtown

    24-05-18 Stettin Oder Uptown-Downtown

    Die EM kommt. In der Verwaltung tauchen erste Fanartikel auf. Ich sah eine Schwarz-Rot-Gold-Einkaufstasche ebenso wie M&Ms in diesen Farben.

    Endlich gehen die Feiertage vorbei. Die Feiertagswochen waren kein Spaß. Die Leute, die etwas von uns wollten, blieben alle in Berlin. Die Leute, die hätten helfen können, waren abwesend. Schlechtes Timing. Zum chilligen (endlich!) Freitag Nachmittag dann noch ein kleiner Bang. Nichts, was mich direkt betrifft, aber doch etwas zum Luftholen.

    Zu Hause der private SAP-Online-Kurs und ein Fluchen meinerseits. Dafür, dass der nicht umsonst war, stören mich inkonsistenzen zwischen Video, Text und Live-SAP-System erheblich.

    Besonders nervig, wenn du irgendwann am Anfang zB Buchung 6430 anlegen sollst und vier Lektionen weiter dann immer Buchung 6503 aufrufen sollst, um damit weiter zu arbeiten. Was natürlich dazu führt, dass ich nie so genau weiß, ob an dieser konkreten Stelle ich jetzt nicht aufgepasst habe oder ob der Kurs buggy ist.

    Hingegen am Schwärmen: Madame besorgte bei der Marktschwärmerei Fleisch vom Weideschwein. Meine Güte schmeckte das großartig. Die Menschen vor 150 Jahren haben zwar gehungert, gefroren und sich von Februar bis Mai nur von Grießbrei ernährt. Aber wenn sie mal Fleisch oder Gemüse hatten, war das wenigstens beste geschmackliche Bioqualität.

    Gelesen unterwegs. Stephen Harrison: The Editors. Ich bin auf Seite 30 und total hingerissen. Es gibt ihn, den guten Wikipedia-Roman. Juhu!

    Dank des Karnevals der Kulturen stellte die BVG die Buslinie zwischen uns und dem Bahnhof Südkreuz ein. Leider, ohne uns bescheid zu sagen. Es erhöht den Abenteuerreiz im Leben, wenn wir es erst mit Koffern an der Bushaltestelle entdeckend.

    Spielhallenkaffee

    F: Herr southpark, sie fahren also Pfingstsamstag mit dem Zug aus Berlin Richtung Ostsee? Sind sie bescheuert?

    A: Öh.

    F: Obwohl sie gar nicht wirklich an die Ostsee wollen?

    A: Öh.

    Das Problem überfüllter Pfingstzüge, die nicht mehr anhalten, von der Bundespolizei geräumt werden und auch ansonsten wenig empfehlenswert sind, fiel uns recht spät auf. Wir beschlossen es mit einer Mischung aus etwas Geld und frühem Aufstehen totzuschlagen. Auf mit dem 1. Klasse-Supersparpreis im ICE1078 um 7:36h.

    Soweit so chillig. Aber es brachte uns eine Stunde Aufenthalt in Pasewalk, der Heimat der telefonischen Telefonauskunft. Dort treffen sich die Bahnstrecken Berlin-Rügen und Lübeck-Stettin, entsprechend imposant ist der Bahnhof.

    Leider lange her.

    Obwohl Dutzende Menschen sich im Bahnhof herumtrieben und Wartezeiten überwunden, ersteckte sich das komplette Entertainment- Geschäfts- und Gastronomieangebot auf „SPIELHALLE. 10 bis 24 Uhr. Kaffee to go.“

    In Löcknitz: Ein Mann, der bewegungslos am Bahnsteig neben (s)einem Koffer lag; auf dem Rücken, Hoodie aufgeklappt. Auf Ansprache nicht reagierend. Erst als der Zugführer kam, ihn schüttelte und energischer auf ihn einredete, setzte er sich auf. Anscheinend wollte er schlafen. Die Aufregung verlief sich, der Zug fuhr davon, im Fortfahren sahen wir, wie der Mann am Bahnsteig sich seitlich einrollte.

    Topfpflanzenmarkt

    Stettin! Ostsee! Eine Stadt, in der wir am Hafen vorbei vom Bahnhof zum Hotel laufen, hat schon gewonnen. Uns begrüßte ein Denkmal des Heringshandels. Ich fühlte mich zu Hause.

    Die oft übersehene Großstadt nahe Berlins. Deutlich näher als Rostock, deutlich größer als Magdeburg und doch.. gefühlt unendlich weit weg. Welch Verlust!

    Unseren Stettin-Trip haben wir aus verschiedensten Gründen mehrfach verschoben. Aber endlich fand er statt. Großstadt mit Meerwind, es gibt fast nichts besseres.

    Dabei anders als andere polnische Städte, die wir besuchten. Dort vereint ein zentraler Marktplatz Bars, Restaurants und Schnusch-Läden. Die Einheimischen gehen in Shopping Malls einkaufen, die sich recht kreisförmig in weiterem Abstand vom Marktplatz angesiedelt haben.

    Hier eine seltsam unzusammenhängende Stadt. Ein kleiner Teil der Stadt mit dem Marktplatz, einigen Restaurant und einigen alten Gebäuden, liegt auf Höhe des Meeresspiegels direkt an der Oder. Alles Andere, Geschäfte, die meisten Bars und Restaurants liegen auf dem Hang, dort einige Nebenzentren bildend.

    Wir liefen fast alles ab. Vom Bahnhof (unten) zum Hotel (unten), vorbei am Schloss der Pommerschen Herzöge (oben), Bagel essen (unten), durch den EU-Park wieder hoch. Dann zur Tourist-Info (oben), zur Bogusława Fußgängerzone (oben) und den Hakenterrassen mit Hafenblick (von oben nach unten). Dort ein überraschender Pflanzen-Markt – gut dass wir mit dem Zug sind.

    Abends wieder Essen unten im Touriviertel, das eines der (weniger stylischen) Ausgehviertel ist. Burger von heimischen Wild und Heilbutt. Lecker war’s.

    Alles unter Mauerseglern, in Dauer-Meerbrise und vollkommen Heuschnupfenfrei.

    Irgendwie schön wie Rostock, und in vielem an die Stadt erinnernd, aber halt doch anders.

  • 24-01-23 Perleberg steht auf. Berlin sucht die Demo.

    24-01-23 Perleberg steht auf. Berlin sucht die Demo.

    Cora Schumacher (Dschungelcamp), die Buffalo Bills (NFL-Playoffs) und Ron DeSantis (US-Präsidentschaftswahl) sind raus.

    Der Gemeinderat von Norderwöhrden/Dithmarschen (290 Einwohner) stimmte mit 4:3 dem Bau einer Batteriefabrik für 4,5 Milliarden Euro zu. Und in seinem Ablauf ist das schon etwas absurd.

    Madame und ich gingen zur Antifa-Demo und saßen danach auf dem Sofa fernsehen. Wie so ein altes Ehepaar.

    Wir entließen den roten Fundstuhl in die Freiheit.

    Mächtig, gewaltig

    Madame bereitete Gans. Im Januar. Im Januar gibt es keine Gänse.

    Erster Versuch beim Spargel- und Gänsehof, dessen weidende Gänseherde wir regelmäßig passieren. Auskunft dort: „Nach Weihnachten gibt es keine Gänse mehr.“

    Zweiter Versuch: Der „Geflügelfleischer“ der Nachbarschaft, der problemlos Fasane, Wachteln, Tauben, französische Schwarzfußhühner, Mandarinenten und Amselzungen besorgen kann: „Gans. Januar. Hmm, hmmm, hmm. Schwierig.“

    Schließlich gelang es dem Geflügelspezialisten, eine tiefgekühlte und vom Fachmann im Kühlhaus aufgetaute „Weidegans aus dem grünen Oldenburger Münsterland“ aufzutreiben. Madame bereitete in einer 2-Tages-Aktion zu.

    Das genaue Rezept samt Schnickschnack, Füllung und Sauce steht auf dem Rezeptblog, low-n-slow. Das wichtigste:

    • Gans, 4,3 Kilogramm
    • 1 – Eine Stunde im Backofen bei 220 Grad garen.
    • 2 – Dann 8 Stunden über Nacht bei 80 Grad im Backofen schmoren.
    • 3 – Herunterkühlen lassen auf Transporttemperatur
    • 4 – Mit dem Subaru-Gänsetaxi nach Friedrichshain kutschieren
    • 5 – Bei 180 Grad 30 Minuten wieder heiß machen
    • 6 – Bei Heißluft überknuspern

    Die Schritte 3 bis 5 sind optional.

    Ein nachgeholtes Gebutstagsgeschenk bot sich als Anlaß an. Wir redeten vom Business (Ablauf von Bewerbungsverfahren, internationaler Lizenzhandel, „Immer dieses Connecten!“), von Familiärem und von Jonglierkursen. Dann Antifa.

    U-Bahn voll und trotzdem da: Die Fußgänger-Antifa

    Die schlechte Nachricht vorweg: Offensichtlich habe ich in meinem Leben an zu vielen Antifa-Demos bei gleichzeitiger Anwesenheit von Nazis teilgenommen: Seitdem ich am Wochenende Demofeeling hatte, hängt mein Hirn auf Dauerschleife. Es grölt ununterbrochen: „Hier! marschiert! der nationale Widerstand!“. Das ist unschön. Vielleicht ist es auch nur die Erkältung.

    Interessant: Bei etwa 100.000 Menschen scheint die Belastungsgrenze deutscher Großstädte für spontane Versammlungen erreicht. Hamburg und München brachen wegen Überfüllung ab. Berlin hatte mit dem Platz der Republik, dem Bürgerforum, dem Brandenburger Tor mit Pariser Platz, der Straße des 17. Juni, der Straße Unter den Linden und dem Tiergarten noch viel Platz für Menschen. Nur gelangten die Menschen nicht mehr bis dorthin.

    Beeindruckend: Wir versuchten um 15:30h an der Samariterstraße (6 Kilometer Luftlinie und 10 U-Bahnstationen vom Demo-Ort entfernt) zur Demo zu gelangen. Der gesamte Bahnsteig war voll mit Menschen, halt so wirklich aus der Nachbarschaft in jung und alt, viele Familien, spontan selbst gebastelte Plakate und eine einfach positive Stimmung. Die wenigen Plätze, die in den hereinfahrenden U-Bahnen noch quetschbar waren, waren stets schnell gefüllt. Wir hatten keine Chance, in eine der Bahnen zu gelangen.

    Also antizyklisch noch ein paar Stationen aus der Stadt herausgefahren, ausgestiegen, wieder in die richtige Richtung eingestiegen und am Brandenburger Tor aus der U-Bahn geworfen worden. Dort wurde es unübersichtlich. Es war so viel Demo und so viele Menschen unterwegs, dass nicht so ganz klar, wo die Demo war.

    Gut, dass wir so den Weg vom Brandenburger Tor zum Reichstagsgebäude kennen. Der Plan „Folge-den-Menschen-die-so-aussehen-als-würden-sie-zur-Demo-gehen“, wäre nicht aufgegangen. Denn sie waren überall, und sie bewegten sich in alle Richtungen.

    Menschen mit Postern strömten durch den Tiergarten, kamen vom 17. Juni oder aus Richtung Potsdamer Platz. Andere waren am Gehen. Gegen 18 Uhr gingen wir wieder und immer noch kam ein Strom neuer Demonstrant*innen herangelaufen. Bis zur Museumsinsel (etwa zwei Kilometer östlich der Demo) waren alle U-Bahn-Stationen außer Betrieb genommen. Bis dorthin war die gesamte Straße Unter den Linden für den Verkehr gesperrt, denn den Platz benötigten Demonstrat*innen auf Hin- oder Rückweg.

    Ich traue mir nicht zu, zu schätzen, wie viele Menschen gleichzeitig vor dem Reichstag standen. Aber ich habe den Eindruck, dass zu jedem gegebenen Zeitpunkt ein Vielfaches an Menschen durch die komplette Innenstadt zog, entweder auf dem Hin- oder Rückweg zur Demonstration.

    Menschenmenge auf dem Weg durch den Tiergarten
    Nicht die Demo, sondern einer der Zugangswege durch den Tiergarten.

    Sticken gegen Nazis

    Gesehen: Leuchtplakate (sei es Plakate mit Lichterketten oder von innen beleuchtete Lichttafeln mit ‚Nie wieder ist jetzt‘-Aufschrift); ein Plakat „Darkroom links gegen rechts.“ Flaggen, die aus Metall-Brandschutzdecken bestanden; ein Plakat „Merz ist mitgemeint“; „Wir sind mehr“, „Wir sind das Volk“; der obligatorische Brezelverkäufer hatte seinen Bauchladen anlaßgemäß geschmückt.

    Premiere: Eine Mini-Demo in der Demo gegen die Demo. Etwa 20-30 Personen mit Palästina-Flaggen, deren englischen Transpis nach sie vor allem dagegen demonstrierten, dass die ganzen Anti-Nazi-Demonstranten nicht auch zur Free-Palestine-Demo kommen.

    Premiere: Meine erste Großdemo bei der ich keine Hubschrauber hörte. Später sahen wir verschiedene Drohnen weit über dem Gelände fliegen.

    Unfassbar: Mehrere ältere Damen hatten ein bettlakengroßes Demo-Transparent mitgebracht, nicht bemalt sondern bestickt war. Ich hoffe, ein*e Museumskorator*in hat das gleich für die Nachwelt gesichert.

    Vor allem aber: So viele Menschen, die so wirkten als wären sie komplettemang aus den Bussen, Bibliotheken, Supermärkten der Gegend gekommen.

    Noch beeindruckender: Allein in Cottbus waren so viele Menschen auf der Straße wie der Bauernverband letzte Woche bundesweit nach Berlin organisieren konnte.

    Mein Herz erwärmend: Die Prignitz ist wunderschön. Vor allem auch, weil es die menschenleerste Gegend Deutschlands ist. Wenn ihr eine Deutschlandkarte seht, auf der zum Beispiel Straßen, Bahnstrecken, Mobilfunkmasten, Schwimmbäder, Kneipen et cetera eingezeichnet sind – dann ist in diesen Karten oben rechts ein großes Loch sichtbar, in dem sich gar nichts befindet. Das ist die Prignitz.

    In dieser Prignitz, in Perleberg, 600 bis 1000 Menschen demonstrierten. Wow! Ich habe Zweifel ob an einem normalen Samstag überhaupt so viele Prignitzer ihr zu Hause verlassen.

    Wohnungsdetektive

    Der Filmflötist bekam eine Eigenbedarfskündigung. Nachdem er seit 1944 in derselben Straße und seit 1971 im selben Haus wohnt. Anscheinend kann seine Eigentümerin (die derzeit zur Miete in einer anderen Berliner Wohnung lebt) sich Miete und Nebenkosten ihrer aktuellen Wohnung nicht mehr leisten. Ebenso typisch wie bitter.

    Der Berliner Wohnungsmarkt ist wild. Deshalb vielleicht hilfreich: der Berliner Mieterverein empfiehlt eine*n Detektiv*in bei Eigenbedarfskündigung: Vorgeschobener Eigenbedarf: Profi-Detektiv hat meistens Erfolg

    Die Presse in der Nachbarschaft: Wie ein Eigentümerkollektiv politisch aktiver international anerkannter Architekt*innen, Künst­le­r*in­nen und Ku­ra­to­r*in­nen in der Schöneberger Ebersstraße versucht, ihre Mieter aus deren Wohnungen herauszuekeln. (Erinnert mich tatsächlich an die Zustände teilweise hier im Haus, nur dass unsere Ex-Eigentümer deutlich schlechter organisiert waren): Mie­te­r*in­nen nicht erwünscht.

    Ist das ein Grammophon?

    Frau Herzbruch mit Demoneid.

    Karen fährt weiter Bahn: Turku-Warschau mit dem Zug: (4) Kaunas-Warschau. (Wobei ich den Warschauer Bahnhof ja auf seine spezielle Art sehr mochte).

    Die Lage zwischen der Hamburger Wikipedia-Community und Wikimedia Deutschland ist so verfahren, dass es schon zu einem gemeinsamen Statement kommen musste.

    Pavel Richter, ehemals Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland (und in der Funktion auch einige Zeit Vorgesetzter meines Vorgesetzten), macht zukünftig vielleicht Paid-Editing auf Wikipedia-Diskussionsseiten: Benutzer:Pavel Richter (Consolvi GmbH)

    Die seltsamen 50. Geburtstage: A friend of mine manages an event place in Scotland, and they’ve banned 50ths. Hen nights, stag dos, 40ths, no problem: but some combination of the manic nihilism that sweeps over people and the middle-aged mal-coordination that crept up on them leads to a wild amount of breakage.

    Anderswo in Berlin: Trauer um den Hertha-Präsident: Das ganze Stadion war in schwarz gekleidet. Nur einzelne verteilte hellblaue Tupfer jener Menschen, die Kays sogenannte Präsidentenjacke trugen, jene Jacke, die er trug, als wir ihn vor anderthalb Jahren ins höchste Amt unseres Vereines wählten. Es wurden keine Banner der Fanclubs und Fangruppen gehängt, keine Fahnen, nichts. Nur ein langes, schwarzes Banner unten im Umlauf.

    Falls jemand Demoblogberichte aus Nicht-Berlin-München-Hamburg-Köln kennt, gerne in die Kommentare.

  • 23-12-14 Tuba mirum Multiplex

    23-12-14 Tuba mirum Multiplex

    Dunkel so dunkel. Morgens zu Dunkel zum Aufstehen. Mittags so dunkel im Büro, dass trotz Sitzplatz neben bodentiefen Fenstern weiterhin künstliches Licht notwendig ist, um nicht über Kollegen zu stolpern.

    Anlässlich eines Anlasses aßen wir französisch. Das verdient aber eine ausführlichere Würdigung als mir gerade möglich ist.

    Durch alle Stadien des Berliner Verfalls, von S-Bahn-Ausfällen bis zu einstürzenden Schwimmbaddächern blieb die BVG ein ewiger Schein des hellen Lichts. Nicht mehr. Die letzten beiden Wochen konnte ich nicht Radfahren. Und ich habe glaube ich länger auf den Bus gewartet als in den zehn Jahren davor zusammen.

    Bushaltestellen an denen eigentlich Gefährte im fünf-Minuten-Takt kommen müssten, mit einer halben Stunde Wartezeit. Buslinien, die alle 20 Minuten fahren in Dreierkombos direkt hintereinander.

    Neues von den Tiefgaragentauben: der Taubenschutzverein spannte jetzt Netze unterhalb von Heizungs- und anderen Rohren, um den Tauben den Zugang zu diesen Sitzplätzen zu verwehren. Jetzt sitzen die Tauben auf den Autos. Nur ein bedingter Fortschritt im Sinne der Parkenden. (Leider stehen dort auch die Fahrräder, die nicht Taubenhinterlassenschaftsimmun sind).

    Ich bekam Schonfrist bis zum 12. Januar

    Das Stadtbad Schöneberg wird am 1. Januar 2024 in Renovierung gehen. Ich glaube, das dritte Mal seitdem wir in der Nachbarschaft wohnen.

    (Kino)

    Laut Wikipedia ist ein Multiplex (Kino), ein „größeres Kino mit mehreren Sälen“. In einem solchen, im CineStar Treptow fand die Personalversammlung der BBB statt. Nun ist Vormittags im Multiplex eine seltsame Zeit, und bei allem gebotenen Respekt, das CineStar Treptow hat offensichtlich auch schon bessere Zeiten gesehen. Es war ein besonderer Ort.

    Die Leinwand wurde genutzt, um während des Ankommens noch einen Lehrfilm über Hautkrebsvermeidung am (Freibad-)Beckenrand zu zeigen.

    Es herrschte Video-, Foto- und Audiomitschnittverbot. Und ich vermute, auch meine Notizen sollten organisanistionintern bleiben. Bademeister*innen Fachangestellte für Bäderbetriebe sind ein besonderer Schlag Menschen, und mehrere hundert von ihnen auf einmal, verstärkt das noch.

    (Verfahren)

    Laut Wikipedia sind Multiplexverfahren Methoden zur Signal- und Nachrichtenübertragung, bei denen mehrere Signale zusammengefasst und simultan übertragen werden. Multiplexverfahren sind Teil des aktuellen Moduls zum Thema „Rechnernetze„. Und das finde ich schon alleine deswegen spannend, weil ich einst ein OpenHPI-Kurs zum Thema „A Half Century of Internet: How it works today“ gemacht habe.

    Beim OpenHPI fragte ich mich schon damals, wie er wohl im Verhältnis zu einem „echten“ Unikurs steht. Mein Fazit nach dem Durchlaufen von beidem: das Anspruchsniveau der Erklärungen erscheint mir ähnlich. Tatsächlich kam mir Hagen sogar leichter vor – das mag aber daran liegen, dass ich mit mehr Vorwissen (u.a. der OpenHPI-Kurs) hineingegangen bin.

    Den Umfang würde ich bei OpenHPI etwas höher einschätzen. Zum Teil andere Schwerpunkte (Hagen: mehr Mobilfunk und Multiplexing, mehr Satelliten, OpenHPI mehr Wlan, mehr Ethernet, mehr OSI-Modell). Aber ich hatte oft den Eindruck, dass OpenHPI noch einen halbe Schritt weiter gegangen ist.

    Der Abschnitt Rechnernetze in Hagen umfasst ein Viertel Modul (also etwa 2,5 ECTS), ich würde OpenHPI also vom Umfang her mit 3 bis 4 ECTS ansiedeln.

    Der Nachweise in Hagen ist aber schwerer. Nicht nur weill es eine Klausur unter kontrollierten Bedingungen sein wird, sondern weil die sich auch auf die gut prüfbaren Teile (Mathe mal wieder, berechnen von Satellitengeschwindigkeiten und ihrer Zentrifugalkraft) fokussiert, während OpenHPI eher auswendiglernen war.

    2DB

    Anstehfreier Blitzeinkauf mit der Deutschen Bahn: 24/7, aber 08/15?

    Als Zugbegleiterin im GDL-Streik.

  • 23-11-28 Leiterwagen

    23-11-28 Leiterwagen

    Die 187er-Buslinie setzt jetzt Gelenkbusse ein. Dabei gehört der 187er zu den wenigen Bussen, die auch nach dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember den alten Takt beibehalten dürfen. Unter „meinen“ trifft es den M46 (Morgens nur noch alle 10 Minuten), den M48 und den M85 (Samstag morgens seltener). Personalmangel allüberall.

    Berlin per Fahrrad ist um 6:30h morgens viel schöner als um 8:30h. Leider bedeutet es auch, dass ich im 6.30h fahrradfähig sein muss. Ich sehe es noch keine Gewohnheit werden.

    Ich schreibe wieder böse Briefe an eon. Nach Gaspreisärger im letztem Jahr – unter Hinzuziehung der Schlichtungsstelle Energie – hoffte ich, mit dem Konzern nie wieder etwas zu tun zu haben. Nun behaupten sie, ab demnächst einen gültigen Vertrag zu haben. Was ich bestreite. Es bleibt spannend. Immerhin weiß ich inzwischen wie die Schlichtungsstelle funktioniert.

    Wesentlich angenehmer der Mobilfunkanbieter: Nach Kündigung und Neu-Angebot habe ich fast denselben Tarif wie vorher; aber um ein Drittel preiswerter.

    Madame verteilte Blöcke und ihre Kolleg*innen waren begeistert. Dann schlitterte sie zur S-Bahn.

    Ich begann, das Spielzeug aufzurüsten. Ich installierte Xodo (zum PDF-Bearbeiten) und Inkondo (für Notizen). Das Mathe-Skript-PDF, in dem ich dank Xodo und Surface-Pen wild herummalen kann, ist schon mal ein großer Erfolg.

    Am Sonntag fuhren wir auf die Latifunden: Umrüsten von „vielleicht Nachtfrost“ auf „Dauerfrost mit eventuell zweistelligen Minusgraden.“ Eine letzte Himbeere hatten überlebt. Wir beide betrachteten die knallroten Zieräpfel; kleine Seen hatten sich auf den Feldern gebildet und waren zugefroren. Picturesquest!

    Das Getüm verschwand im Schuppen, ebenso der Gartenschlauch. Wein und Bier wanderten in das Kämmerchen mit Frostwächter. Diverse Einrichtungsgegenstände und Lebensmittelreste zogen nach Berlin. Ebenso wie die 3,50-Meter-Klapp-Leiter. Diese ist nicht frostempfindlich, wird an der Berliner Decke aber dringender benötigt.

    Noch liegt die Leiter im Wagen bis sich jemand erbarmt, sie diverse Stockwerke nach oben zu schleppen.

    Meine Notizen sagen „Alte Bäder (üouxsognsl)“. I have no idea. Ich erinnere nur noch, dass „Bäder“ ein Autocorrect war und ich eigentlich ein anderes Wort schrieb.

    Das Berliner Sechstagerennen dauert nur noch drei Tage

    Neulich war ich auf einer Website mit wichtigen Berliner Sportveranstaltungen. Ich lernte. Die wenigen Karten, die es noch für die Spiele der Handball-EM im Frühjahr gibt, kosten ab 500 Euro aufwärts. Für das Geld kann ich fast zu zweit mit der Fähre nach Finnland fahren.

    Ich lernte: das traditionelle Berliner Sechstagerennen dauert nur noch drei Tage. Das finde ich untraditionell. Allerdings reizt es mich schon. Allein des Orts wegen. Im Doppelgebäude Velodrom/Sportschwimmhalle bin ich desöfterem in der Schwimmhalle. Noch nie aber war ich im Velodrom.

    In die Schwimmhalle führte mich ein seltener Außeneinsatz. Während Team Lötkolben sich öfter das halbe Auto mit Monitoren, Kabeln und sonstigen Geräten volllädt und in die Bäder fährt, bleibe ich meistens in der Verwaltung. Immerhin: am Montag stoppte ich in der Verwaltung, packte zwei Schlüssel ein und fuhr in die SSE, die Schwimm- und Sporthalle im Europark – das Nachbargebäude vom Velodrom.

    Außeneinsätze sind super. Zum einen sehe ich Teile von Bädern, die sich mir bisher verschlossen. Es ist schon schick zu wissen, wo die verschlossenen Türen hinführen. Zum anderen kann ich meine Pause gleich in der Schwimmhalle absolvieren. Bester Pausensport ever auf der 50-Meter-Bahn.

    Wikisaegia

    Wer schon immer alles über Singende Sägen wissen wollte – und wie kann man NICHT alles über Singende Sägen wissen wollen. Ein guter Anfang bildet Wikisaegia.

    Dabei entdeckt. Es gibt ein MTV-Unplugged-Album mit Sportfreunde Stiller und Meret Becker an der Singenden Säge. (Ausschnitt) Auch entdeckt: offenbar war Beckers zweites Wohnzimmer über lange Jahrzehnte die Bar jeder Vernunft hier um die Ecke. Vielleicht sollten wir auf Verdacht dorthin laufen, und wenn wir Glück haben, sehen wir einen Sägenauftritt.

    Über Geld reden ergibt nur Sinn, wenn Zahlen dabei vorkommen. Ramona Weyde macht das dankenswerterweise: Onlinekurse. Rechnet sich das?

    Christa Chorherr feiert Namenstag. Alle Katharinas ihrer Familie treffen sich: Unsere familiäre Katharinen Feier in St. Pölten. Ein wirklich schöner Brauch. In den meisten Familien dürfte er an Katharinenmangel scheitern. Vermutlich davon inspiriert blickt sie zurück auf ehemalige Geburtstagfeiern.

    Vor einigen Wochen aufregten sich die deutschen Medien über einen Wahl-Rechtsruck in der Schweiz. Ich betrachtete die Wahlergebnisse und zweifelte an den deutschen Medien. Der Schweizer Kulturflaneur wartete bis alle Stichwählen gezählt wurden und stellt fest: Eigentlich wählen die Schweizer seit 1971 ziemlich konstant: Bollwerk der Stabilität bleibt.

    Für Polonia im Weihnachtsmenü. Für mehr Pierogi und Sernik in der Welt. The Ultimate Polish Christmas Menu [2023 Edition]

  • 23-08-15 Zugluft (wäre schön)

    23-08-15 Zugluft (wäre schön)

    Rolltreppe, Bahnhof Südkreuz, hinter mir ein telefonierender Mann im besten Beratersprech „Also ich hab echt keinen Kopf für den Burger. Es wäre gut, wenn du das schon mal aus dem Urlaub heraus anschieben würdest.“ Und ich freue mich, in einer komplett anderen Welt zu leben.

    Die neuen Garnituren der S-Bahn sind klimatisiert. Vielleicht lege ich das „mobile Arbeiten“ doch mal wörtlich aus und fahre einfach acht Stunden am Tag mit der Ringbahn.

    Wenn ich mir vornehme „Keine überdachte Kultur vor Mitte Oktober“, kann man es ja mal unüberdacht probieren. Madame besorgte Karten für Frances Ha im Freiluftkino am Kulturforum. Aufgrund zahlreicher Regen- und Unwetterwarnungen verzichteten wir. Und während im Norden und Süden, im Osten und Westen von Berlin anscheinend größere Weltuntergänge stattfanden, zerstoben die Wolken am Berliner Schutzschild.

    (Oder war es die Wärmeglocke über der Stadt, die erfolgreich jede andere Luftmasse stoppte und umleitete?)

    Madame folgt in ihrer Rekonvaleszenz dem Motto „Gehen sie ins Museum, wir haben Klimaanlagen.“ Sie war von

    Die Kunst der Gesellschaft 1900–1945. Sammlung der Nationalgalerie (Neue Nationalgalerie) und Suddenly Wonderful – Zukunftsideen für Westberliner Großbauten der 1970er Jahre (Berlinische Galerie) äußerst angetan.

    Secessionen – Klimt, Stuck, Liebermann (Alte Nationalgalerie) war zu viel. Zu viel Trubel. Zu viele Leute. Aber auch zu viele Bilder, die die eigentliche Ausstellungsidee erschlugen.

    Heute versuchte ich, eine Dame zu überzeugen, dass das riesige Gebäude vor ihrer Nase auf dem „DB BERLIN SÜDKREUZ“ stand, der Bahnhof Südkreuz ist, an dem ihr Flixtrain abfahren soll. Sie schaute skeptisch und ging dann in eine andere Richtung.

    In meinem bizarren BVG-Drama „Wir verkaufen dir keine Abos, verraten aber auch auf mehrfache Rückfrage nicht, warum nicht“, bekam ich einen Anruf einer BVG-Hotline. Leider verpasste ich ihn und dann wusste wieder niemand von nichts.

    Ein anderer Arm der BVG verkaufte mir bereits in Juni klaglos ein Deutschlandticket. Und auch nach mehreren Monaten fühlt es sich immer noch seltsam an, einfach so in ein Öffi zu steigen ohne vorher eine Karte zu besorgen.

    U-Bahn-Station Hermannplatz
    Baustelle U-Bahnhof Hermannplatz

    Bereits vor einigen Wochen besiegte die Schlichtungsstelle Energie die eon und eon berechnete brav nachträglich den Preis, der schon letztes Jahr korrekt gewesen wäre. (Heißt: etwa die Hälfte von dem was sie ursprünglich verlangten). Was aber natürlich auch heißt: Nur diejenigen, die penetrant sind, die Schlichtungsstelle kennen und dort einen Antrag ausfüllen können, profitieren. Im Normalfall sind das halt auch diejenigen, die es am wenigsten nötig haben.

    Ein Ausflug führte mich ins tiefe Neukölln an den Hermannplatz. Ich kehrte mit vier Passbildern zurück, staunte über die Vielfalt in meiner Stadt, aber auch darüber, dass das Neuköllner Durchschnittsalter anscheinend bei 24 Jahren liegt.

    Barbie wird der erste Nicht-Action-Film seit 25 Jahren sein, der erfolgreichste Hollywood-Produktion des Jahres sein wird.

    A twelve-bar blues instrumental standard first recorded by Jimmy Forrest

    Ein Weg führt von Duke Ellington zu James Brown via dem Jimmy-Forest-Jazz-Standard Night train. Und weil sie so schön ist, hier eine James-Brown-Liveversion.

    Karen wies bereits darauf hin, dass nicht nur die ÖBB neue Schlafwagen bestellt, sondern auch die finnische Bahn. Madame fand eine zusätzliche Meldung der Trenitalia über ein Auftragsvolumen von 730 Millionen Euro: Italian state operator Trenitalia has awarded a contract of 70 sleeping coaches, and up to 370 total railway coaches to the manufacturer Škoda.

    Keine neuen Wagen, aber neue alte Strecken: TUI lässt den Nachtzug-Ferienexpress wiederauferstehen: Im TUI-Express durch Europa.

    Und wo ich schon dabei war, fand ich diese Übersicht aus dem Januar 2022 über die existierenden Nachtzugwagen und mögliche Interessenten für neue Modelle: Where we stand with the need to order new night trains

  • 23-07-27 Ali Barber und der E-Bus

    23-07-27 Ali Barber und der E-Bus

    Am Hühnerwald hängt ein E-Zigaretten-Liquid-Automat.

    Das Gerüst am Haus ist unverändert. Gestern schien es kurz, als sollte ein Aufzug am Gerüst befestigt werden – aber verschiedene Bauzuständige haderten miteinander. Dann wurde doch kein Aufzug gebaut.

    Fahrrad und Subaru sind wieder entdemoliert. (Kilometerstand Subaru 184060, Kilometerstand Fahrrad unbekannt). Wir lernten inzwischen, dass Teilkaskoversicherungen eventuell Seitenspiegelschäden bezahlen. (Zuständig sind sie für Glasschäden und so ein Spiegel besteht ja zu relevanten Teilen aus Glas). Wir testen.

    Seltsames Gefühl: Heute ist der (im)mobile Donnerstag an dem ich zu Hause arbeite. Es ergab sich aber die Möglichkeit, den Subaru zu entdemolieren. Auf dem Weg zur Werkstatt fuhr ich erst in der Mittagspause von der Wohnung am Büro-Büro vorbei, um das Auto abzugeben und dann nach Feierabend nochmal, um es wieder abzuholen. Aber gearbeitet habe ich dort nicht.

    Immerhin: Ich nutzte auf den nicht-Auto-Fahrten einen echten BVG-Elekrobus. Premiere! Anscheinend setzen die Verkehrsbetriebe gerade lauter neue Fahrzeuge in Schöneberg ein. Aus dem Busfenster heraus, Blick auf den Friseur/Barber „Ali Barber“. Integration in die deutsche Leitkultur zu 100% erfolgt.

    Auch in Schöneberg stehen neue Parkscheinautomaten. Auch wenn bei uns offiziell noch gar keine Parkzone ist, beantragten wir Anwohnerparken. Bis der Antrag in Bearbeitung kommt, existiert wohl auch die Parkzone.

    Madame trägt eine hochzeitstaugliche Kurzhaarfrisur.

    Ich möchte bitte, dass das Wetter bis Oktober so bleibt: 12 bis 19 Grad und gelegentlicher Regen.

    Das Sanitätshilfsmittel Handykette bewährt sich ganz auszugezeichnet. So kam ein neues Sanitätshilfsmittel hinzu: Apple Airpods (von 2017, von BackMarket). Alles im Dienste der handfreien Handybedienung.

    Da ich nur so sooo sooo hauchdünn daran gescheitert bin, mich mit den Einsendeaufgaben für die Klausur in Algorithmischer Mathematik zu qualifizieren, ging ich noch einmal durch, ob irgendwo ein Pünktchen zu holen ist. Das hätte ja gereicht. Aber nada. Erfreulicherweise/leider war die Korrektur schon tendenziell großzügig.

    Polen-Nachträge

    Schick war: in der Notaufnahme der Danziger Uniklinik war eine voll funktionsfähige Rohrpost im Einsatz. Das freute mich.

    Weniger schön: Anscheinend leiden polnische Großstädte noch unter dem Konzept der autogerechten Stadt. Was wir Koffer durch seltsame Unterführungen schleppten, nur weil es komplett unmöglich war, Straßen zu überqueren – das geht besser.

    Dafür ungewohnt erfreulich: wenn einfach Freitag Abend eine Warschauer Hauptstraße durch Innen/Altstadt für den Verkehr gesperrt wird und das ganze Wochenende lang eine mehrere Kilometer lange Fußgängerzone entsteht.

    Schlossplatz Warschau in der Abenddämmerung

    Erstaunlich: der Hotelgast, der mit uns eincheckte und für später nach einem Taxi zum Hauptbahnhof Warszawa Centralna fragte. Die Rezeptionistin fragte zweimal nach – vermutlich deshalb, weil die Strecke von einem Ende der Bahnhofshalle zum anderen Ende ähnlich lang war, wie die Strecke vom Hotel zum Bahnhof.

    In all dem Unterführungslabyrinth niedlich: Der historische Aufzug am Warschauer Kulturpalast, der wie eine schnucklige unterdimensionierte Telefonzelle wirkte und nicht wie ein Aufzug.

    Bewegend das Denkmal für Janusz Korczak im Park direkt neben dem Warschauer Kulturpalast. (Bemerkung für mitlesende Wikifanten: Der Wikipedia-Artikel zum Warschauer Ghetto hat starkes Verbesserungspotenzial. Unter anderem steht quasi nichts zum Ghetto im Artikel).

    Dänemark, Schleswig-Holstein, Barbieland

    Der Guardian fuhr mit der Marschbahn von Hamburg-Altona nach Esbjerg. Den unteren Teil der Strecke kenne ich auswendig und fühle die Gegend sehr gut besprochen.

    Das gibt mir die Chance, Dänemark-Ferienhaus-Content zu verlinken. Die Reisegruppe Rabensalat/Wunnibar ist an der Nordsee und besuchte unter anderem das Fischereimuseum Esbjerg (Bericht Frau Rabe / Bericht Frau wunnibar), während die Reisegruppe Herzbruch/Novemberregen an der Ostsee unterwegs ist und das Miniaturwunderland Faaborg besuchte. (Bericht Novemberregen / Bericht Herzbruch.)

    Die Bahnreise Turku->Istanbul macht Zwischenstopp in Wien.

    Wir sollten mal wieder nach Maine. Und solange wir das nicht schaffen, gibt Lily King in der New York Tims Buchtipps: Read Your Way Through Maine.

    Die New York Times feiert so derart ausufernd die Barbie-Festspiele, dass man gar nicht weiß, was verlinken. Nur die Stil-Redakteurin, von Berufs wegen immer ganz vorne auf der Welle, hat schon lange Peak Pink erreicht: All Pinked Out.